DIE TAT-LEHRE DER BHAGAVAD GITA

 

 

"Wißt Ihr, wieviel Macht, Kraft und Größe in Euch verborgen liegt? Millionen von Jahren sind vergangen,  seitdem der Mensch auf diesem Planeten erschien, und doch  hat er erst einen unendlich kleinen Teil seiner wirklichen Macht zur Offenbarung gebracht. Wer den Menschen klein und schwach wähnt, irrt. Kennst Du schon alles, was in Dir steckt? In Dir ist der Ozean unbegrenzter Kraft und Glückseligkeit; in Dir lebt der Weltengeist, dessen inneres Wort das einzige ist, auf das Du horchen und dem Du gehorchen solItest.

Erkenne, wer Du in Wirklichkeit bist: die geburtlose,  keinem Tode unterworfene, allwissende, unvergängliche - Seele! Erinnere Dich dieser Wahrheit Tag und Nacht, bis sie ein lebendiger Bestandteil Deines Wesens und  Lebens geworden ist und Dein Denken und Tun bestimmt, verwandelt, vergöttlicht! Denke daran, daß Du der Ewige selbst bist - nicht der schlafende Alltagsmensch. Erwache und erhebe Dich, ewiger Mensch, und offenbare Deine göttliche Natur!"

                                                                                                                                            Vivekananda.

 

 

  

I.

Was in der Einführung angedeutet wurde, ist beim Lesen der Gita wohl bereits zur Gewißheit geworden: daß die Darlegungen der Bhagavad Gita eine gleichnishafte Umschreibung der Stufungen im Lebenskampf jedes einzelnen Menschen sind, und daß, was Krischna dem Ardjuna offenbart, eine praktische Lebenslehre darstellt, die jeden angeht, der das Leben meistern, den Sinn seines Daseins erfüllen und zum Gipfel des Seins, zur Selbstverwirklidtung, gelangen will.

Der erbitterte Kampf der Kurus und Pandus fand nicht nur irgendwann in eisgrauer Vergangenheit statt - er tobt heute noch und täglich in jedem von uns: es ist der ewige Streit der höheren und niederen Strebungen, der überall dort entbrennt, wo der Mensch sich mit dem Leben auseinandersetzt, und der siegreich bestanden werden muß, wenn der Mensch zu den Höhen der Erkenntnis und Selbstvollendung aufsteigen will.

Gleich Ardjuna muß jeder von uns diesen Kampf unerschrocken aufnehmen, mutig vorwärtsstreben, wagend handeln, zum Opfer bereit sein und sieggläubig seine Pflicht tun.

Wie Sandsmaja das Zwiegespräch Krismnas mit Ardjuna mit den Worten beschließt: "So oft, 0 König, dies Gespräch vor meinem Geiste aufersteht, ist meine Seel´ des Jubels voll und voller Seligkeit mein Herz", sie erfüllt den, der die Gita in diesem Sinne liest, immer von neuem Freude ob der Fülle lebendigen Weistums, die sich ihm hier erschließt und die, einmal zum Fließen gebracht, immer stärker quillt.

Philosophen wie Schopenhauer haben sich von der Gita unterweisen und befruchten lassen. In der Tat gilt von der Gita, die Schopenhauer in seiner "Grundlage der Moral" rühmt, in noch höherem Maße das, was er von den Upanischaden sagt:

Wie wird doch der, dem dieses Buch durch fleißiges Lesen geläufig geworden ist, von seinem Geiste im lnnersten ergriffen. Aus jeder Zeile treten uns tiefe, ursprüngliche, erhabene Gedanken entgegen, während ein hoher und heiliger Ernst über dem Ganzen schwebt. Alles atmet hier ursprüngliches, naturverwandtes Dasein . . . Es ist die belehrendste und erhabenste Lektüre, die auf der Welt möglich ist; sie ist der Trost meines Lebens gewesen und wird der meines Sterbens sein."

Aus eben diesem Grunde hat die Gita überall, wohin sie gelangte, die Herzen erobert und in ihnen das Licht höchster Hoffnung zu hellem Lodern entfacht; wendet sie sich doch an den im Alltag schaffenden und kämpfenden Menschen, um ihm das zu geben, was er zur Erfüllung des Sinns seines Daseins, zur Selbst-Vollendung und zur Erlangung der Harmonie mit dem Unendlichen braucht.

Es ist der einzigartige Wert der Bhagavad Gita, daß sie ein Lebensbuch ist, nach dem man handeln und immer glücklicher und stärker, gelassener und schicksals-überlegener werden kann. Die Gottesweisheit, die die Gita vermittelt, ist durch und durch praktische Lebens-Wegweisung, eben das, was aIle Welt sucht. Hier ist die Religion nicht etwas, was abseits des Alltags ein kümmerliches Dasein fristet, sondern eine lebendige Kraft und Gewißheit, die den Alltag durchstrahlt und das Denken, Wollen und Tun des Menschen lichtwärts richtet.

Die Bhagavad Gita ist eine geistige Kündung, die in dem, der ihr sein Herz erschließt, lebendiges Eigen- Weistum weckt. Diese Kraft der Wandlung und Seelenerneuerung wohnt ihr heute noch inne - ja, heute mehr denn je. Die Lebenslehre der Gita ist die Religion des ringenden Menschen, die ihn lehrt, den Kampf des Lebens gut zu führen - wie ein Spiel, dessen Regeln es zu beachten und zu beherrschen gilt, um als Sieger aus ihm hervorzugehen.

Sie läßt uns die Welt in einem neuen Lichte sehen: das lebendige All tritt als ein ungeheures, vom Willen des Ewigen durchpulstes Ganzes vor unser Auge. Was uns bisher als zusammenhanglose und verwirrende Vielheit erschien, erkennen wir, sehend geworden, als eine allgeordnete lebendige Einheit, als einen kosmischen Organismus voll gestaltender Kräfte und Wesenheiten, die von der Gottheit ausstrahlen und, nach vollendeter Selbstverwirklichung, seinserwacht zu ihr heimkehren.

Wir gewahren, daß das, was wir bisher, der Nichterkenntnis verhaftet, für die Wirklichkeit hielten, Täuschung, Maya, Sinnentrug ist, und daß alles, was der Scheinwelt angehört, notwendig verwehen muß, daß aber wir, das göttliche Selbst (in uns ist ein Funke der göttlichen Weisheit, in unserem Geistkörper  [sieht Oalim]  befindet sich Jesus, Jesus ist da göttliche Selbst), von diesem Wandel, Wechsel und Vergehen nicht berührt werden; Wir erkennen uns als eine Zweiheit von vergänglichem Ich und unvergänglichem Selbst, von äußerem Schein-Wesen und innerem Seins-Wesen, von denen das innere, wirkliche Wesen unvernichtbar und an nichts gebunden ist - nicht einmal an den Kreislauf der Wiedergeburten, dem es nur unterliegt, solange es nom nicht völlig zu sich selbst erwacht ist, solange es den Blick auf die Wandelwelt gerichtet hält statt auf das Unwandelbare, das Göttlich-Ewige, seine eigentliche Heimat.

Die Gita zeigt uns weiter, daß die innere Freiheit, Selbst-Gelassenheit und Schicksalsüberlegenheit des lebensbejahenden Menschen nicht ohne Kampf errungen wird - es sei denn, er wäre reif und fähig, sich dem Ewigen haftensfrei, liebend hinzugeben. In diesem FaIle vermag er sofort, hier und jetzt, frei zu werden, leidenthaftet, all-enthoben, gottgeeint . . .

Auf Einzelheiten der Gita erläuternd einzugehen, erübrigt sich. Denn die Wahrheit kann nicht durch noch so viele Erklärungen vermittelt werden, sondern allein dadurch, daß man sie ausspricht und dem Sucher hilft, ihrer inne zu werden, sich dessen zu erinnern, was er im göttlichen Grunde seiner Seele selbst von Uranfang an weiß. Dieses eigene lnnewerden ist zudem der einzige unwiderlegliche Beweis für die Wahrheit der Lehre der Gita. Vollkommenere Beweise gibt es nicht. Wer den von der Gita gewiesenen Höhenweg geht, wird von selbst, durch sein erwämendes Selbst, zur Wahrheit geleitet und damit zur Gottvereinung.

Da die Gita ein organisches Ganzes ist, ist es zudem unmöglich, ihrem Geiste durch Heraussmalung einzelner Lehren näher zu kommen, wie es unmöglich ist, durch die Sektion einer Leiche die Seele des Menschen aufzuspüren. In der Blütezeit indischer Kultur, in der die Gita entstand, waren Religion und Philosophie, Ethik, Psychologie und Lebenskunst nicht, wie heute, verschiedene, voneinander getrennte Dinge, sondern eine lebendige Einheit. Eben dies bedingte die Höhe der damaligen Kultur, die unendliche Weite und Freiheit des Blickes und den gewaltigen Umkreis der Welt- und Gott-Schau . . .

Damals war die Religion Leben und das Leben war Religion. Aber diese Zeit wird wiederkommen; wir stehen vor einem neuen Einswerden von Philosophie und Religion, Wissensmaft und Lebenskunst und damit vor einer Zeit wachsenden Verständnisses für die Weisheits-Lehre der Bhagavad Gita.

 

II.

 

Im Mittelpunkt der Kündung Krischnas an Ardjuna steht eine Gottesweisheit, die weder ein gewöhnlicher Theismus ist noch auch ein blinder Pantheismus, sondern ein aus lebendiger Schau erwachsener Pan-en-theismus - jener Gott-in-uns-Glaube, zu dem sich aIle Großen der Menschheit, aIle seelisch Erwachten, aIle Erleuchteten und Vollendeten seit je bekannt haben.

Zu dieser Gott-Gegenwarts-Gewißheit erwacht Ardjuna mit Hilfe Krischnas unmittelbar vor der erbitterten Schlacht zwischen den Kurus und Pandus - wobei wir uns das, was in der Gita in achtzehn Gesängen ausführlicht dargelegt wird, als in Wirklichkeit wie eine blitzartige Erleuchtung in wenigen Augenblicken vor sich gehend vorzustellen haben:

Wie man zuweilen in Traum-Sekunden ereignisreiche Jahre durchlebt, so fällt im Augenblick des inneren Wachwerdens gewissermaßen Hülle um Hülle von der sich offenbarenden Welt-Wirklichkeit, bis schließlich das Ewige selbst in seiner Lichtfülle dem inneren Auge sichtbar wird.

Es ist, als ob der Blick durch immer neue sich öffnende Welten-Tore in immer abgründigere Tiefen des Unendlichen hinauf und hinab-reicht, immer gewaltigere Reiche des Seins erschließt, bis der Erwachte schließlich gewahrt, wie aIle diese Unendlichkeiten von Raum und Zeit im Erleben letzter Einswerdung mit der Weltengottheit zu einem ewigen Hier und Jetzt entwerden. Diese AII-Schau und AII- Vereinung, die endlose Zeiträume zu umfassen scheint, vollzieht sich im Bruchteil eines Augenblicks, jenseits aller Zeitlichkeit.

Jeder durchlebt diese Erleuchtung, dieses innere Wirklichkeitserwachen, in anderer Form. Ausgelöst wird sie, wie die Erfahrung lehrt, in dem Augenblick, da die Menschenseele für diese höchste Wandlung und Selbstverwirklichung reif ist, durch winzige innere oder äußere Anlässe, durch den vollbewußten Anblick eines Wesens, Dinges oder Vorgangs, der anderen nichts bedeutet.

Bei Ardjuna war der innere Zwiespalt, in den ihn der Anblick der Nahverwandten auf beiden Seiten der Kämpfenden warf, der notwendende Auslöser der inneren Klarschau und der Vereinung mit dem Gott in ihm - jener Einswerdung, in der ihm die Bedeutungslosigkeit alles dessen, was dem Wandel und Vergehen unterliegt, klar bewußt ward.

So erscheint es keineswegs unbegreiflich, sondern vielmehr schicksalsbedingt, daß das Zwiegespräch zwischen Krischna und Ardjuna gerade in dem Augenblick stattfand, da die Schlacht entbrannte. Die Erleuchtung des Ardjuna, für die seine Seele in diesem Augenblick reif geworden war, vollzog sich, wie schon eingangs dargelegt, in absoluter Zeitlosigkeit; unmittelbar darauf sehen wir, wie der Held sich mit todüberlegener Sieg-Entschlossenheit in die Schlacht stürzt. Ardjuna ist sich der Unzerstörbarkeit seines göttlichen Selbstes bewußt geworden; die Vernichtung des Leibes ist ihm nun nicht mehr als ein Wechsel des Kleides.

Und was gewinnen wir aus dieser Erkenntnis Ardjunas?

Machen wir uns die Stellung Ardjunas zu Krischna lebendig bewußt, damit uns klar wird, was die Gita uns mit ihrer Kündung offenbaren will:

Ardjuna ist, wie wir sahen, der Erdenmensch, der auf dem Kampffelde des Alltags, inmitten der feindlichen Heere der niederen und höheren Kräfte des Lebens, zur erlösenden Tat finden und sie in höchster Hingabe an das Ewige vollziehen muß, um zur Selbstverwirklichung zu gelangen.

Ardjuna ist die im Dämmerreich zwischen Zeitlichkeit und Ewigkeit nach dem Licht der Erlösung suchende Menschenseele, die erkennen solI, daß sie ihrem Äußeren nach Schein, ihrem wahren Wesen nach Krischna selbst, Licht vom Urlicht der Gottheit, ist. (1)

 

Ardjuna - das ist jeder von uns: jeder muß den Kampf mit dem Niederen, mit seinen lrrtümern, Mängeln, Vorurteilen und Schwächen aufnehmen und sie der Reihe nach besiegen, bis endlich sein wahres Selbst, der Gott in ihm, als Sieger auf dem Schlachtfeld des Lebens übrig bleibt. Jeder von uns steht in seinem "Kampfwagen" - wobei es einerlei ist. ob wir unseren Leib oder unseren gesamten Lebenskreis als unseren Kampfwagen auffassen: immer ist der Gott in uns der Wagenlenker; er erteilt uns seine Weisungen und rettenden Ratschläge - wenn wir auf die innere Stimme hören - und hilft uns in den entscheidenden Augenblicken des Lebenskampfes durch weises Eingreifen.

Wer und was ist also Krischna?

Krischna ist gleichfalls jeder von uns (2)- seinem wahren Wesen nach. Krischna ist der Lenker unseres Lebenskampfwagens. Schon in den Upanischaden tritt er uns als solcher entgegen. Die Kathaka-Upanischad sagt uns über das Wesen des göttlichen Selbstes:

 

"Ein Wagenlenker, wisse. ist das Selbst. Sein Wagen ist der Leib« . . . und weiter: . Wie das Licht den ganzen Weltenraum durchdringt und sich jeder Form anschmiegt, so wohnt das eine innere Selbst des AIls eingeschmiegt in jeder Form und bleibt doch sonder Bindung. Wer diesen Herrn, das innere Selbst des AIls, deß Sein in vielen Formen ausgebreitet ist, in sich seIber wohnen sieht. der nur erlangt die Seligkeit, der nur findet Unsterblichkeit."

 

Hier tritt uns bereits das zwiefache Antlitz Gottes entgegen:

Als der Gott in uns. als unser höheres Selbst, ist er ein offenbarter Gott; als das allem innewohnende und doch nicht zu fassende Göttliche, als das AII-Selbst. ist er die unoffenbare Weltengottheit. (3) Krischna ist der Eine und auch der Andere, weil beide im Letzten eins sind. Dieses Geheimnis Gottes will die Gita uns enthüllen.

 

Zunächst tritt uns Krischna in der Gita als Wagenlenker und göttlicher Weiser entgegen; bald aber offenbart er sich als der innere Schicksalslenker, als das göttliche Wort, der Innengott, und schließlich als die allem Sein innewohnende Weltengottheit. Statt "Krischna spricht" könnte es in den einzelnen Gesängen der Gita auch heißen: .Die innere Stimme spricht" oder Gott spricht".

Als Ardjuna Krischna zum ersten Male bewußt anblickt. erkennt er ihn als die Personifikation der göttlichen Kraft, die in ihm wirkt, und ihm wird bewußt, was Jahrtausende später aus kongenialer Schau heraus Goethe aussprach:  "Wär' nicht das Auge sonnenhaft, die Sonne könnt' es nie erblicken; läg' nicht in uns des Gottes eig'ne Kraft, wie könnt' uns Göttliches entzücken!"

 

*

 

Dies also ist das eine Antlitz Krischnas oder Gottes:

 

Er ist der ewige Mensch, der "Engel  in uns, der innere Kybernetes oder Steuermann, der innere Lenker und Helfer, der Antaryamin oder Antaratma, das innere Licht oder das, was Sokrates sein "Daimonion" nannte, seinen inneren Ratgeber, von dem er sich in alIen entscheidenden Dingen des Lebens unterweisen ließ. Krischna ist das innere Wort, der Logos, das unvergängliche höhere Selbst, mit dem verglichen das äußere Ich ein Vergängliches, Scheingebundenes ist, das erst dann frei wird, wenn es zur Selbsterkenntnis und -hingabe gelangt.

 

Der gleichen Erkenntnis gab Goethe einmal in ergreifenden Worten Ausdruck: er sprach von den schlaflosen Nächten, in denen ihm Gesichte wurden, die sich nur schwer beschreiben lassen. "Es war, als wenn meine Seele ohne Gesellschaft des Körpers dachte. Sie sah den Körper als ein ihr fremdes Wesen an, wie man etwa ein Kleid ansieht. Sie stellte sich mit außerordentlicher Lebhaftigkeit vergangene Zeiten und Begebenheiten vor und fühlte daraus, was folgen werde . . . AIle diese Zeiten sind dahin; was folgt, wird auch dahingehen; der Körper wird wie ein Kleid zerreißen; aber ich, das wohlbekannte Ich - ich bin."

 

Schiller vervollständigte diese Gewißheit in seiner Abhandlung .Über den Zusammenhang der tierischen Natur des Menschen mit seiner geistigen" - also über das Verhätnis Ardjunas zu Krischna -, wenn er sagt: "Die Materie zerfällt - beim Tode - wieder in ihre letzten Elemente, die nun in anderen Formen und Verhätnissen durch die Reihen der Natur wandern, anderen Absichten zu dienen. Die Seele aber fährt fort, in anderen Kreisen ihre Denkkraft zu üben und das Universum von anderen Seiten zu beschauen."

 

Dieser geist-seelische, unsterbliche Kern unseres Wesens - das ist Krischna. Aber er ist mehr: er ist das höhere Selbst als lebendiger Teil des AII-Selbstes; er ist der Ewige in uns und über uns, der göttliche Funke in der Seele als unser Anteil an der Weltenseele; er ist der Innengott als Strahl der Gottheit, dem die ganze Macht-Fülle der Weltengottheit eignet. (nach der Wiedergeburt und ´Dein Wille geschehe´)

Die Seele - so heißt es im gleichen Sinne in der Tschandogya-Upanischad -, das Unendlich-Kleine in uns, ist wesenseins mit Gott, dem Unendlich-Großen über uns. Oder mit einem Wort des Dichter-Philosophen Schleich: »Gewiß ist der Mensch tierisch in seiner physischen Natur, aber er ist Gottes Ebenbild in seiner psychischen Natur. Das letzte Tier der Erde, der erste Gott dieser Welt - das ist der Mensch." Das bedeutet nicht, daß unser Ich Gott sei, sondern daß unser höheres Selbst, der unvergängliche göttliche Geist in uns, eine Offenbarung der Gottheit und als solche unauflösbar mit ihr verbunden und eins ist.

 

Auch Paulus unterschied ( 1. Kor. 14, 47) zwischen dem äußeren, leiblichen Menschen und dem inneren, geistigen Menschen:

»Der erste ist von der Erde und irdisch; der andere ist der Herr vom Himmel", von dem er (Kol. 1,27) spricht als von einem »Geheimnis, welches ist Christus in euch" . . .

Unnötig, hier Parallelen aufzuzeigen, die in alIen Religionen gleichermaßen wiederkehren. (nein, sie erkennen in Jesus nicht Gott, wie  auch die Amtskirchen nicht)

 

*

Im Mahabharata tritt Krischna sowohl als geschichtliche Persönlichkeit auf als auch als Inkarnation (= avatara) Vishnus, des altindischen Sonnengottes. Zugleich wird er mit dem Paramatman, dem Allgeist, gleichgesetzt, so daß er von sich sagen kann: ,Mein Selbst und das Allselbst sind eins.'

Krischma lehrt, daß die ihm eigene Göttlichkeit jedem Wesen als unverlierbare Ur-Anlage eigen ist und darum von jedem in gleicher Weise wie von ihm offenbart und verwirklicht werden kann.

Als Wegweiser zu solcher Gottunmittelbarkeit erscheint Krischna uns als einer jener unzähligen Bodhisattvas, die vor ihrer endgültigen Heimkehr ins Parabrahman, ins Reich Gottes, - anders gesagt: vor ihrem Übertritt in das weiselose Übersein des Nirwana - möglichst vielen Wesen auf ihrem Wege zur Vollendung als Höhenweiser und Lichthelfer dienen wollen und solange die eigene letzte Einswerdung mit dem Einen hintanstellen. . .

Krischna selbst weist darauf bin, wenn er sich als Verkörperung Vishnus(Manifestation des Höchsten) bezeichnet und betont, daß er schon viele Male aus Liebe zu den leidenden Wesen sich dem Geborenwerden unterwarf und als Erlöser inkarnierte:

»Immer dann, wenn das Licht der Wahrheit in der Menschheit zu erlöschen droht und das Böse sich wuchernd erhebt, erscheine ich unter Menschen, um den Lichtsuchern beizustehen dem Wachstum des Bösen zu wehren, das Gute zu mehren und das Weltenentwicklungs- und -vollendungswerk auf einer abermals höheren Stufe fortzusetzen und zu erneuern."

Darüber hinaus will er den Menschen ihrer jeweils höheren Entfaltungs- und Erkenntnisstufe gemäß jedesmal deutlicher als früher bewußt machen, wie das, was er ist, in jedem Wahrheitssucher in gleicher Weise zur Entfaltung gebracht wird - im Sinne des  Tat-twam-asi': »Dies, das Göttliche, ist dein eigen Selbst! Du bist es selbst!"

Recht gesehen, ist Krischna der Christus in uns, der mit dem "Vater", der Weltengottheit, eins ist und durch den auch wir mit dem Vater eins sind, und zwar schon hier und jetzt. Das ist der Sinn des bekannten Wortes, das der Christus im Menschen Jesus ebenso spricht wie der Christus in uns und der Krischna in Ardjuna: "Ich und der Vater sind eins" - ich, der Gottfunke, der Seelengrund, und die Gottheit, der Weltengrund, sind wesenseins, worauf auch das tiefe Wort der Bibel Bezug hat:

"Der Christus in uns ist das Geheimnis unserer Erlösung." (zu einfach dargestellt)

Von diesem göttlichen Selbst in uns spricht auch der große christliche Glaubens-Meister Eckehart. "Wenn man fragt, wie groß die Seele ist, so solI man wissen, daß ihre Größe Himmel und Erde nicht auszufüllen vermögen, sondern nur Gott selbst, den aIle Himmel nicht umfassen können."

Krischna - Christus, Gott, der Erlöser - ist also in uns. Für die Gita ist dieser Ewige im Menschen kein bloßer religiöser oder philosophischer Begriff, sondern die höchste, ja die einzige Wirklichkeit, die es gibt. Wir nennen diese als innres Wort vernehmbare und in unserem Schicksal erkennbare Macht in uns heute den "inneren Helfer". In den altnordischen Überlieferungen hieß er, im gleichen Sinne, der "innere Gott-Freund", "fylgja", der "innere Gefährte".

Dieser lebendige Gott in uns, der Jahrtausende hindurch immer nur Wenigen bewußt ward, beginnt in der heutigen Wendezeit, im Aufgang eines neuen Zeitalters, für immer mehr zu sich selbst erwachende Menschen zu beglückender Gegenwart, zum Lebensweiser und höchsten Halt zu werden.

Diese befreiende Gott-in-uns-Gewißheit war zu alIen Zeiten das zentrale Erlebnis aller religiösen Schau. Welch begeisterten Ausdruck gab in neuerer Zeit der Vedanta-Lehrer Vivekananda dieser beglückenden Wahrheitsschau:

"Die wahre Natur des Menschen ist das Reine, Formlose, Allmächtige, Allbarmherzige. Das ist der Gott in uns allen. Wer das weiß, der ist frei von Tod, Unglück und Leid. Möchten die Menschen doch erkennen, daß sie Gefäße des Ewigen sind! Möchten sie sich immer wieder bewußt werden: ,Ich bin Er; ich bin eins mit dem Geist des Lebens!' Möchte dies Tag und Nacht in ihrer Seele wie ein Lied erklingen und selbst in ihrer Sterbestunde ihnen bewußt bleiben: ,Ich bin eins mit dem Geist der Gottheit!' Denn das ist die Wahrheit: der unendliche Geist, die unendliche Kraft des Alls ist in uns. (Hier wird unser Fall vergessen. Wir sind doch die verlorenen Söhne/Töchter, die erst umkehren und reuevoll wieder in Seinem Reich aufgenommen werden sollen! Der Vater muß doch ja zu uns sagen und wird uns erst aufnehmen, wenn wir die Reinigung abgeschlossen haben. Sicher hilft Er uns dabei, doch können wir nicht zu Beginn schon sagen, daß wir und der Vater eins sind!)

Das Leben ist an sich weder gut noch böse. Es erscheint uns nur so, wie wir es, je nach dem Grade unseres inneren Schlafumfangen- oder Erwachtseins, anschauen. In Wirklichkeit sind wir eins mit Gott. Gott ist Geist, unendliches Sein, und wir, der Mensch, sind unserem inneren Wesen nach gleichfalls Geist und unendliches Sein.

Ja, Ihr seid Eurem Wesen nach rein, unendlich und vollkommen. Die Kraft und der Geist des Weltalls ist in Euch. Für Euer wahres Selbst gibt es weder Geburt noch Tod, weder Krankheit noch Unglück. Gott ist kein Gott außer Euch, sondern er ist inwendig in Euch, in Eurem eigenen Herzen. Dort wohnt er, die Seele Eurer Seele, die ewige Wahrheit, die Kraft in Euch!"  (Doch den gefallenen Seelenanteil müssen wir mitbringen, ihn zuvor reinigen)

 

*

Damit enthüllt sich uns auch das andere Antlitz Krischnas oder Gottes:

Hinter dem Licht des Gottfunkens in uns erkennen wir das allstrahlende Urlicht der Weltengottheit. Und wir gewahren, daß beide im tiefsten Grunde eins sind. Auch Goethe empfand diese AIIgeteiltheit Gottes und gleichzeitige Ungeteiltheit der Gottheit: "Ewig wird er Euch sein der Eine, der sich in Viele teilt' und dennoch ewig der Einzige bleibt. Findet im Einen die Vielen, empfindet die Vielen wie Einen, und Ihr habt den Beginn, habt das Ende der Kunst", nämlich der hohen Kunst rechter Welt- und Gottschau.

Um dieser Wahrheit inne zu werden, gilt es, vom bloßen Sehen zum Schauen fortzuschreiten.

Wenn Krischna sagt, daß er jedem Wesen innewohne, so spricht er von sich als dem deva-deva, dem "Gott der Götter", der vielfältig geoffenbarten und zugleich ewig unoffenbaren und unfaßbaren Weltengottheit. Er ist der unendliche Geist des Lebens, der in alIen Wesen wie in der nur scheinbar toten Materie wirkt und waltet. Er ist der innere Schicksalslenker aller Geschöpfe, von dem die Brihadaranyaka-Upanischad kündet:

"Der, in der Erde wohnend, von der Erde verschieden ist, den die Erde nicht kennt, dessen Leib die Erde ist, der die Erde von innen her regiert - der ist Deine Seele, der innere Lenker, der unsterbliche.

Der, in dem Himmel wohnend, von dem Himmel verschieden ist, den der Himmel nicht kennt, dessen Leib der Himmel ist, der den Himmel von innen her regiert - der ist Deine Seele, der innere Lenker, der unsterbliche.

Der in allen Wesen wohnend, von allen Wesen verschieden ist, den alle Wesen nicht kennen, dessen Leib alle Wesen sind, der alle Wesen von innen her regiert - der ist Deine Seele, der innere Lenker, der unsterbliche.

Was von ihm verschieden ist, das ist leidvoll."

Die Erde, der Himmel, aIle Wesen, die Welt sind Äußerungen", Offenbarungen der Gottheit. Sie ist in der Welt, und die Welt ist in ihr. Aber die Welt ist nicht die Gottheit. Das gewaltige Selbstopfer der Gottheit rief die Welt ins Dasein und bewirkte, daß auch dem winzigsten Sonnenstäubchen noch das Ewige innewohnt. Mit einem Upanischaden- Wort:

"Wahrlich, dies All ist Gottes. Verehren wir es als aus ihm seiend, als zu ihm heimkehrend. Laßt uns atmen in ihm, in Gott, der die Seele des Alls ist! Ein einzig Leuchten ist seine Gestalt.

In ihm ist die Unendlichkeit. Alles ruht in ihm, schweigend vor Seligkeit. (Trifft nicht. Er ist nicht die Seele der sichtbaren Schöpfung, Er ist die Seele der geistigen Schöpfung, in der die sichtbare Schöpfung von Ihm verdichtet werden mußte. Diese muß wieder vergeistigt werden! Aber auch in der sichtbaren Schöpfung ist Er das Leben!)

Und Du, meine Seele, wie ganz bist Du sein! Du bist Er im Innersten Deines Wesens. 0, meine Seele, wie groß bist Du: größer als die Erde, größer als der Himmel, größer als alle Sonnen, größer als die unendliche Welt! Der Allmächtige, der Allumfassende, der Allselige, der Ewig-Unendliche ist in Dir. (trifft nicht ganz, aber wir sind ein Mikrokosmos)

Zum Mikrokosmos

Wer dies weiß, der hat den Frieden."

Wie allerlösend das Aufleuchten des Bewußtseins der Wesenseinheit von Innengott und Weltengottheit ist, spricht die Kathaka-Upanischad aus:

"Ein Seher steht, uralt, im Anblick der Unendlichkeit der Gottheit. Seine weißen Haare flattern im Wind. Da verrauscht und verweht, was Jahrtausende wirkten, und der Seher singt das ewige Lied von Gott, dem unbewegten Mittelpunkt des kreisenden

Rades der Welten und Wesen:

Du, Gott, bist die Ruh!

Ich lache, ja lache dem Auf und dem Ab, dem hetzenden Jagen zum Tod' und zum Grab! In mir steh' ich fest im Wirbel der Zeit; denn ich habe im Herzen die Ewigkeit!

Du, Gott, bist die Ruh!

Die Welt wird sich ewig weiter drehn; ich aber bleibe von nun ab stehn und lächle hinab auf den Erdenball. Die Welt hat etwas; ich habe das All!

 (Trifft  nicht, weil die gefallenen Schöpfung nicht beachtet wird )

 

Du, Gott, bist die Ruh!«

*

Wenn Krischna den Ardjuna ermahnt, ihn als den Herrn der Welten zu erkennen und sich ihm liebend hinzugeben, so besagt das nicht, daß Krischna als persönlicher Gott Anbetung und Verehrung heischt, sondern vielmehr, daß der Weg des Menschen

zum AIIgeist über seinen eigenen göttlichen Geist führt und über die lnnewerdung der Wesenseinheit beider. Es gilt, Gott als in

uns daseiend zu erkennen und uns ihm gänzlich hinzugeben, um durch ihn zur Erlösung zu finden.

Die Bhagavad Gita fordert Selbstvertrauen im höchsten Sinne dieses Wortes: uneingeschränktes, bedingungsloses Vertrauen zum göttlichen Selbst in uns, willige Gefolgschaft gegenüber unserem inneren Führer und Gott-Freund. Erst wenn wir Gott in uns gesucht und gefunden haben, werden wir ihn auch und zugleich über uns und in allem erkennen.

 

(Wo bleibt das Gebet? Das "Vater unser", das liebe Gott über alles, Deinen Nächsten wie dich selbst, wo stehen Seine Gebote?Wir haben wohl einen Gottesfunken, er ist aber nicht selbstherrlich, sondern weilt in Seinem Reich. Dieser Funken aus Ihm wird uns nur über unsere Anbetung zuteil und erst dann Seelenregent. Alsdann gilt es Jesus als Vater zu erkennen und nur durch Ihn lassen sich Liebe- und Weisheitsgeist wieder verschmelzen- geistige Wiedergeburt)

 

Ein Weiser hat den Menschen treffend mit einem Fisch verglichen, dessen Element das Wasser ist. "Der Fisch kann wohl zuweilen in die Luft emporschnellen, aber nicht in ihr leben; er sinkt sogleich wieder ins Wasser zurück. Gleichermaßen hat auch der Erdenmensch Augenblicke, in denen ihn die Erleuchtung wie ein Blitzstrahl durchzuckt, in denen er sein Haupt zum Licht der Wahrheit zu erheben vermag, aber bald sinkt er wieder ins Reich der Täuschung zurück. Nur die Gottgeeinten, die die Scheinwelt durchschaut und überwunden haben, vermögen in der reineren Atmosphäre der höheren Lichtreiche zu atmen und zu leben. Sie leben in Gott und Gott lebt in ihnen."

(Wir sind selig, wenn wir mit Paulus sagen können, daß Jesus aus uns lebt. Dann wird unser Leben ein Gebet und Jesus kann durch uns am Nächsten - bewußt oder unbewußt für ihn - arbeiten.)

Zu diesen Höhen lenkt die Gita unseren Blick. "Wer sich mir, dem Geist des Lebens, liebenden Herzens hingibt, mich aIs den Herrn des Weltenalls erkennt, mir vertraut und zu nichts anderem als zu mir seine Zuflucht nimmt, der ist mit mir eins und kehrt, wenn er aus diesem Dasein scheidet, heim zu mir." Diese Heimkehr ist kein Aufstieg zu einem vom eigenen Sein getrennten und verschiedenen Über-Sein, sondern das Innewerden des eigenen innergöttlichen AII-Seins.

(Durch die Gita lernen wir noch nicht das Einssein mit Gott, sondern nur mit unserem Gottesfunken und weil wir Jesus nicht als Gott erkennen, erleben wir auch nur das Nirwana, stehen also als Gottkind nicht dem sichtbaren Gott gegenüber)

Wenn wir, selbsterwacht, zur Erkenntnis Gottes gelangt sind, dann wissen wir, daß wir mit dem Ewigen wesenseins sind. Eben

dies hat auch Meister Eckehart immer wieder ausgesprochen:

»In dem Wesen der Seele können wir Gott sehen und erkennen,  und je mehr der Mensch in diesem Leben dem Wesen der Seele mit seiner Erkenntnis nahekommt, desto näher ist er der Erkenntnis Gottes. In Dir seIber wohnt die Wahrheit. Niemand findet sie, der sie in äußeren Dingen sucht. Gott findest Du am sichersten in Deinem Innern."

( Wir können nicht selbsterwachen, unser himmlischer Vater wirkt mit)

 

Im gleichen Sinne verheißt die Svetasvatara-Upanischad:

»Wer immer Ihn erkennt, der, alIen Wesen innewohnend, der Herr der Welt ist und mit dem die Wesen wie die Götter innerlich eins sind, der zerschneidet die Bande des Todes. . . Wer den erhabenen Geist des Lebens erkennt, der unsichtbar in allem Lebendigen gegenwärtig ist, der wird frei 'Von allen Fesseln. Dieser höchste Geist, dessen Werk das All ist, dieses höchste Selbst, das beständig in den Herzen der Wesen weilt, offenbart sich in der Stille dem Gemüt, das sich ihm gläubig zuneigt. Die Ihn in sich erkennen, erwachen zum Bewußtsein ihrer Unvergänglichkeit."

(Zum Glauben gehört das Gebet)

Unsere große Erdenaufgabe ist also - und das ist zugleich der beständige Ruf der Gita an jeden von uns -, zur Erkenntnis der Gegenwart des göttlichen Führers und HeIfers in uns und zu der befreienden Einsicht zu erwachen, daß der Gott in uns wesenseins ist mit der Gottheit des AIls.

(Die Gita ruft nicht, sondern allein der göttliche Geist und nur durch unsere erwachte Liebe und Seiner Hilfe gelangen wir zu immer höheren Erkenntnissen)

Die Gita zeigt, daß, es leicht ist, der Gegenwart Gottes innezuwerden. Diese Innewerdung, der Aufgang des inneren Lichts, erfolgt dann, wenn wir uns von allem Vergänglichen fort- und dem Ewigen zuwenden, der uns naher ist als unsere Gedanken, unsere Sinne und unser Körper. Sowie wir uns hingebend einwärts wenden, sind wir auf dem Wege zu ihm. Rechte Verinnerlichung, sagt die Gita, bedeutet Gottannäherung und führt schließlich zur Gottvereinung.

(Da fehlen aber noch sehr viele Stufen! )

 

Wiederum sehen wir diese frohe Botschaft der Gita in den Upanischaden bestätigt: "Von Tod zu Tode wird verstrickt, wer nur die Vielheit hier erblickt. Doch Mensch und Tier und Meer und Land sind nur des Ewigen Gewand. Mach' stark das Herz, mach' frei den Geist, damit er dieses Netz zerreißt. Wenn endlich dann die Hülle fällt, erkennst Du jäh die wahre Welt und schaust der Gottheit Herrlichkeit jenseits von Weh und Zeitlichkeit!"

(Er ist nur das Leben darin, Sein Gewand ist pur Geist und außerhalb der sichtbaren Schöpfung. Sichtbar im Gewand des irdischen Jesus, das dieser zum geistigen Gewand verklärt hat)

Meister Eckehart zeigt den gleichen Weg zur Gottvereinung wie die Gita - und was er kündet, kann keiner besser sagen: »Was den Menschen von Gott trennt, das ist nur das Äußerliche, Vergängliche, Unwesentliche. Im Wesen ist er schon mit Gott eins. Es gilt nur, daß er dieser Einheit in sich selber inne werde, indem er die Hindernisse, die sich dieser Erkenntnis in den Weg stellen, überwinden lernt . . .(Seelenreinigung)

Gott begehrt von Dir nichts weiter, all daß Du aus Dir selber, soweit Du mit dem Kreatürlichen behaftet bist, herausgehest und

Gott den alleinigen Willen in Dir sein lässest. Wo die Kreatur endet, beginnt Gott. Alles Kreatürlich-Vergänglichen leer sein heißt Gottes voll sein.  (Aber dieses Leersein müssen wir mit Ihm erarbeiten!)

Soll die Seele Gott erkennen, so muß sie auch sich selber vergessen und hingeben; denn solange sie ihr eigenes Ich sieht und

erkennt, sieht und erkennt sie Gott nicht. Wer mit Gott eins werden will, muß sich gänzlich hingeben und sich seiner Ichheit entledigt haben.

(Nein, wir müssen unser Ich nicht aufgeben, sondern dürfen es behalten, aber unsere Seele muß völlig rein werden, damit wir mit unseren Seelenaugen den Vater wie Oalim erkennen können)

Als der Vater, die Gottheit, die Kreaturen gebar, da gebar er mich, und ich floß aus mit allen Kreaturen, und blieb doch im Vater innewohnend. So sind wir alle sein einziger Sohn, den der Vater ewiglich geboren hat. Lege ich nun ab, was mich von den anderen Wesen trennt, alle irdischen Unterschiede, und kehre ich, alles Vergänglichen ledig, zu meinem reinen Wesen zurück, so bleibt da das Wesen übrig, das ewig in Gott gestanden hat als das Gegenbild seines Wesens, als sein Sohn."

(Wir können nicht einfach ablegen. Von unseren Sünden müssen wir  erst frei werden)

Ein anderer Meister der Gottschau, Angelus Silesius, stellte dieses erhabene Ziel der Gott- Vereinung mit folgenden Worten

vor uns bin: "Soll ich mein letztes End' und meinen Anfang finden, so muß ich mich in Gott und Gott in mir ergründen, muß

werden, was er ist; im muß ein Schein im Schein, ein Wort im Wort, Gott in der Gottheit sein."

In der der Bhagavad Gita späterhin im Mahabharata folgenden Uttara-Gita beantwortet Krischna die Frage des Ardjuna nach dem Wesen des Weltengeistes, des Unfaßbaren, der in jedem Herzen wohnt und doch von allem Wandel frei bleibt, ganz im Geiste der Kündung der Gita:

"Der Geist des Lebens ist allem innewohnend und dennoch selbst an keine Form gebunden. Die Aufgabe des Menschen ist, ihn in sich als das eigene höchste Selbst zu erkennen und sich ihm liebend zu vereinen. Die Erfüllung dieser Aufgabe bedeutet die höchste Vollendung des innerlich Erwachten.

Wenn der zu sich selbst Erwachte seine Wesens-Einheit mit dem Geist des Lebens erkannt hat, ist er aller Bindung, aller Schuld und aller Sorgen ledig und allem Wechsel und Wandel enthoben.

(Erkennen genügt nicht, um schuldfrei zu werden)

Ein solcher Gottsucher und Gott-Erkenner ist der Hilfe des höchsten Selbstes gewiß und bringt sie zum Wirken und zur Offenbarung, solange er sich dessen innerer Gegenwart lebendig bewußt bleibt und in restlosem Vertrauen, an nichts anderes als an den Ewigen in ihm denkt. Er wende Herz und Willen hingebend dem Gott in ihm zu. In der Stille gedenke er des unendlichen Lichts und der unermeßlichen Kraft des Weltengeistes, damit die höchste Erkenntnis ihm zuteil werde.

Wer diese höchste Erkenntnis, die Weisheitsfülle des Ewigen, und die untrübbare Stille des Gemüts erlangt hat, der bedarf fürder keiner Yoga-Übung (Meditation) und keiner Versenkung mehr, weil er nun ständig in Harmonie ist mit dem Ewigen.

Um die andere, sichere Seite eines Flusses zu gewinnen, braucht man ein Boot. Wenn der Mensch aber einmal den Strom des Lebens durchkreuzt und das Gestade der Gottheit erreicht hat, bedarf er des Kahnes nicht länger, weil er von jenem Ufer nicht mehr zurückkehrt.

Glücklich zu preisen ist der Gottgeeinte, der seinen Durst mit dem Nektar der Gottesweisheit gestillt hat; er ist hinfort ein Schicksalsloser und an kein Karma, keine Tatenfrucht und -folge mehr gebunden.

Der göttliche Geist im Menschen, der der Weltengottheit unendlich fern scheint, ist ihr in Wirklichkeit unendlich nahe; und obgleich er eine Form trägt und beseelt - das Ich und den Leib des äußeren Menschen, dem er Freund und Helfer ist -, so ist

er doch selbst körperlos, ungebunden und allmächtig.

Obgleich er im Körper weilt, ist er doch nicht leibgebunden. Darum berührt ihn keine Veränderung des Körpers, noch hat er teil an den Freuden und Schmerzen des Leibes oder der Sinne und an dem Wechsel und Wandel des Lebens.

Der völlig Erwachte, der zur Vollendung fand, schaut ihn in seinem Herzen als seinen Helfer und Freund. Indem er sich diesem seinem wahren Selbste eint, erhebt er sich über Vergehen und Tod. (nur der rein gewordenen Seele ist dies möglich)

Wer mit gotthingegebenem Gemüt auf sein eigen Gottselbst als auf das unendliche Allselbst blickt, den Herrn der Welten, der schaut die Weltengottheit in ihrer Macht- und Wesensfülle. (kann nur Jesus sein und kein namenloser Weltengott)

Er erkennt den Geist des Lebens innerlich, nachdem er sich von allem Äußeren abgeschieden hat. Der vollkommen Erwachte und Gott-Geeinte gelangt an das Gestade der Entwordenheit, von dem es keine Wiederkehr gibt. (die Jesu-Lehre fehlt hier)

Und auf die letzte Frage des Ardjuna, woran die vollzogene Einswerdung mit dem Ewigen erkennbar sei, gibt Krischna in der Uttara-Gita folgende Belehrung:

"Wenn der Gott-Schauende selbst zum Gegenstand seiner Schau wird und gänzlich mit dem Angeschauten verschmilzt, dann befreit diese Einswerdung ihn von allen Fesseln. Er bedarf des Yoga nicht mehr, weil er das Ziel erreicht hat. (die Jesu-Lehre fehlt)

Wenn das unendliche Licht der Gottheit Dich allseitig und allteilig erfüllt und nichts anderes mehr in Dir lebt als die Gewißheit der Gegenwart des Unendlichen, dann vergehen in der Glut dieses Selbsterwachens die Bande des Karma, vergangener Schuld, zu nichts. (nur nach Seelenreinigung möglich )

Ein solcher Gottgeeinter ist allen Zwiespalts, Zweifels und Haftens ledig. Er ist zur Wesenseinheit seines Geistes mit dem Weltengeist erwacht. Wo immer ein solcher auch sterben und wie immer auch sein Tod sein mag - er kehrt, erlöst, heim in die Einheit mit dem Einen."

Wie tief und wie gewaltig war die Gott-Schau Vjasas, daß er sie uns solchermaßen zu künden vermochte. Nur wenige haben seitdem den Hochweg zur Gottvereinung und das Wesen des Gott-Geeinten mit gleich unvergänglichen Worten zu umreißen vermocht - unter ihnen der Größten einer, Meister Eckehart:

 

" Wenn die Seele ihr wahres Wesen wiedergewonnen und ihre ursprüngliche Reinheit zurückerlangt hat, alles Irdische und Zeitliche dahintengeblieben und die Seele in die lautere Einheit aufgenommen ist, dann wirkt in der Seele Gott, was sie bisher gewirkt hat. Von dem Menschen, der dazu gelangt ist, sage man: Er ist Gott und Mensch zugleich.

Gottes Leben ist mein Leben; sein Sein ist mein Sein. Diese Vereinung ist nicht ein Gott werden, sondern ein Gott sein. In dem ewigen, unwandelbaren Sein ist kein ,ich' und ,du', sondern nichts als Gott in Gott. Darum ist die Seele - das Selbst - nicht Gott ,gleich' oder ,ähnlich', sondern sie ist ganz und gar eins mit ihm und eben dasselbe, was er ist. Die Seele geht auf in Gott und Gott geht in der Seele auf; es ist da ein völliges Aufgehen des einen in dem anderen. Die Seele hat ein und dasselbe Wesen, Wissen, Wirken und Erkennen wie Gott.

Dieses Durchbrechen der Schranken des Ichs und der Endlichkeit ist viel herrlicher als das ursprüngliche Hervorgehen aus Gott. In diesem verhalte ich mich als Kreatur, aber in jenem Durchbrechen bin ich über mich selber und alle anderen Kreaturen erhoben, bin weder Gott noch Kreatur, sondern das, was ich immer war und was ich jetzt und immerdar sein soll. Da nehme ich weder zu noch ab, sondern bin die eine unbewegliche Ursache, welche alle Dinge bewegt. . . Darum will ich nun nicht weiter von ,Seele' sprechen; denn sie hat in diesem Einssein mit der Gottheit ihren Namen verloren. Sie heißt jetzt nicht mehr Seele, sondern unermeßliches Wesen.« (Zu hoch gegriffen, wir werden Götter in Gott, sehen aber unseren himmlischen Vater in Jesus als Seine - nun vollkommene Geschöpfe, nur Er ist der Schöpfer und Er verleiht uns dann göttliche Fähigkeiten in unseren vollkommenen vergeistigten Seele)

 

III.

Als sicheren Weg zum Hochziel leidenthaftender Gottvereinung nennt die Gita den Yoga. Die Yoga-Lehre und - Ausübung bildet demgemäß auch den wesentlichen Inhalt der Gita - Yoga aber nicht als Zerrbild magischer Zauberei und Körperhaltungen, sondern seinem ursprünglichen Sinne nach: als bewußte Hinwendung zum Wesentlichen, als Weg zur Harmonie mit dem Unendlichen.

Das Wort" Yoga" ist mit dem deutschen Wort "]och" verwandt in dem Sinne, wie es vom Christus in uns gebraucht wird:

"Nehmet auf euch mein Joch; denn mein Joch ist sanft und meine Last ist leicht." Mit anderen Worten: Werdet wahrhafte und bewußte Gottesträger, die ganz vom Geiste der Gottheit erfüllt sind und nichts anderes mehr in sich tragen! Verbindet, verbündet, vereint euch mit mir; gebt euch ganz mir, dem Ewigen, hin, dann werde ich euch führen und euer Leben wird licht und leicht!

( K.O. Schmidt hat Jesus als alleinigen Gott nicht erkannt und kennt nicht die Neuoffenbarungswerke, Eckehart hatte kein inneres Wort wie Lorber, Schumi und andere. Die Yogalehre führt nur zur Regentschaft unseres Weisheitsgeistes, nicht aber zur Verschmelzung mit dem Vater-Liebegeist )

Die einzelnen Yoga-Pfade des rechten Handelns, der rechten Hingabe und der rechten Erkenntnis finden in den verschiedenen Gesängen der Gita Behandlung. In diesem Zusammenhang genügt es, wenn wir uns bewußt machen, daß die ersten sechs Gesänge im wesentlichen den Karma-Yoga behandeln, den Weg der Selbst-Befreiung durch rechtes Tun, das das granitene Fundament des Selbstbefreiungswerkes bildet; daß die nächsten sechs Gesänge der Gita den Bhakti-Yoga darlegen, den Weg der Gott-Vereinung durch liebende Hingabe, die die höchsten Stufen des Erlösungswerkes bildet; und daß die letzten sechs Gesänge der Gita gewissermaßen den Radja-Yoga aufzeigen, den Weg der AII-Erkenntnis durch rechte Schau, die Vollendung und Krönung des gewaltigen Erlösungswerkes. Die verschiedenen Unterstufen und Abarten dieser drei wesentlichen Yoga-pfade, die in Wirklichkeit nur Etappen eines einzigen Pfades sind, berühren uns hier nicht. Ihr Ziel ist das gleiche: das Einswerden mit dem Ewigen. (Die geistige Wiedergeburt wird nicht erreicht)

Wie die Gita zeigt, ist der Yoga etwas so Einfaches, Praktisches und Nüchternes, daß es wunder nehmen muß, daß diese Tatsache heute nicht allgemein bei uns erkannt und anerkannt ist.

Wo immer unverständliche, geheimnisvolle, wirklichkeitsferne Ansichten über Yoga vertreten werden, ist Kern und Ziel seiner Willens-Dynamik und Lebens- Technik nicht erfaßt: die Selbst-Befreiung durch Verinnerlichung, Vergeistigung und Gottvereinung. (Ohne das Erkennen von Jesus ist dies nicht möglich und die Regentschaft durch unseren Gottesfunken führt nur zur seelischen Wiedergeburt)

Yoga als Weg ist Sammlung auf das eigene Innere und Hingabe an den Seelengrund, der in seinen tiefsten Tiefen als der göttliche Weltengrund erkannt wird. Und Yoga als Ziel ist Einswerdung mit dem Innengott und durch ihn mit der Weltengottheit. ( müßten  die östlichen Meister die Menschheit nicht schon viel höher geführt haben? Zu solcher Einstellung der Menschheit wie: )

Wie er zu dieser Selbstverwirklichung, Gottvereinung und Lebensüberlegenheit hinanleitet, zeigt die Suka-Legende, auf die Rudolf Otto verweist:

Suka, ein Sohn des Vjasa, will das Ewige durch unmittelbare Schau erleben, nicht mittelbar durch endloses Studieren und Lernen. Bald hat er die Anfangsgründe des Yoga, die unteren Stufen der rechten Einwärtswendung, zu meistern gelernt. Nun fordert sein Lehrer von ihm - ähnlich wie Krischna von Ardjuna - den großen Entschluß, ohne den das Höchste nicht erlangt wird. Suka kehrt zu diesem Zweck zu seinem Vater Vjasa zurück, entschlossen, den höchsten Seinszustand, von dem es keine Wiederkehr gibt, zu erreichen.

Er begibt sich von neuem in die Stille und übt sich in der Selbstbesinnung und Ablösung von allem, was nicht unabtrennbar seinem Selbst zugehört. Als er auf diesem Wege die höchste Abgeschiedenheit erreicht, blitzt in ihm die befreiende Einsicht auf:

Der Nebel der Nichterkenntnis entweicht und er gewahrt in der Alischau, daß sein innerstes Selbst mit dem Allselbst wesenseins ist. Unendliche Seligkeit durchpulst ihn, als dieser Durchbruch statthat. Frei ist nun sein Geist von den Fesseln der Gewordenheit, Vergänglichkeit und Zeitlichkeit. "Erschaut ist der Weg", ruft er entzückten Geistes aus, "im hab es gewagt!"

Fessellos, schwingt er sich auf in die Heimat des Selbstes, das Reich des Lichts, und erreicht so die Stufe des Vollendeten, des

Erleuchteten, des Lebensmeisters. (Aus dem Feuer Seiner Liebe, unseres himmlischen Vaters, entströmt das göttliche Licht als Weisheit. In dieses Lichtmeer ist Suka eingetaucht. Bis zur Inkarnation war Gott in Seinem Liebefeuer unsichtbar, Mit Jesus ist Er uns sichtbar geworden)

 

IV.

 

Wir begreifen nach alledem die beherrschende Stellung, die in der Bhagavad Gita die Forderung des Karma- Yoga einnimmt:

die vor jedem Menschen stehende Aufgabe der Selbstbefreiung durch rechtes Tun.

Der Karma- Yoga ist, wie schon sein Name sagt, tatbejahend, willensbetont und schicksalbestimmend. Unter Karma-Yoga versteht die Gita bewußtes, lebensgläubiges, dem Innengott vertrauendes rechtes Handeln. Deutlich läßt sie uns die Dreiheit "Rechtes Denken - Rechtes Reden - Rechte Tat" als die Grundlage rechten Lebens erkennen.

Mit unmißverständlicher Eindeutigkeit spricht die Gita es aus, daß es für den auf Erden verkörperten Menschen unmöglich ist, sich gänzlichem Nichttun hinzugeben. Leben heißt wirken. Jedem von uns geht es wie Faust: "Dieweil ich bin, muß ich auch tätig sein. Im gleichen Sinne sagt die Gita im dritten Gesang, daß der Mensch keinen Augenblick bestehen könne, ohne irgendein Werk zu vollführen, weshalb es gelte, in Erkenntnis dieser Wahrheit sich zu bedingungsloser und uneingeschränkter Pflichterfüllung zu erziehen. Eben darum nennt sie den, der ohne Lohnsucht seine Pflicht tut, einen Meister des Yoga - nicht den, der sich um die Arbeit herumdrückt und sich frömmelnder Beschaulichkeit und magischen Übungen ergibt.

 

Die gleiche Notwendigkeit betonte Meister Eckehart:

 

"Dazu ist kein Mensch in diesem Leben imstande, sich aller äußeren Werke zu enthalten. Und selbst wenn der Mensch sich der Meditation, der religiösen Schau, hingibt, kann er es schon wegen der dabei in ihm offenbar werdenden inneren Fülle gar nicht unterlassen, diese Fülle auch auszuströmen und sie im tätigen Leben zu offenbaren.

Und auch davon, daß man sich im Zustande erreichter Gotteinheit allen Wirkens enthalten dürfte, kann keine Rede sein. Sind wir durch die Wiedergeburt Gottes Sohn geworden, so wird vielmehr auch all unser Leben und Tun göttlich und der uns eingeborene göttliche Wille wirkt sich in Werken der Liebe und Gerechtigkeit aus , , , Wo immer die Welt Deinen Beistand braucht, da ist es richtiger, ihr zu helfen und den Hungrigen Speise zu reichen, als sich derweilen in innerer Beschaulichkeit zu ergehen."

 

Gleich Meister. Eckehart haben aIle Gott-Erwachten nicht Tatenlosigkeit, sondern willensbetontes, gottbewußtes und krafterfülltes rechtes Tun gepredigt, ohne das sich der Mensch weder zu den Höhen des Lebens noch zur Freiheit des Gottgeeinten hinaufzuschwingen vermag.

 

Wir haben uns keineswegs durch aIle Reiche des Lebens emporentwickelt, um uns auf der Menschenstufe der Untätigkeit hinzugeben. Der Gang der Entwicklung zieht uns vielmehr ständig aufwärts, und bis zur Stufe der Gott-Selbst- Verwirklichung (wir können uns zu Gott nicht selbst verwirklichen, wir können nur werden wie Paulus und sagen, daß nun Jesus aus uns lebe) ist es für die meisten noch ein langer Weg voller Kämpfe und Siege.

Das ist es, was die Tatlehre der Bhagavad Gita uns zum Bewußtsein bringen will.

 

*

Manche denken zwar: "Wenn doch alles vergänglich ist, wozu mich dann mühen? Ist es da nicht richtiger, die Hände in den Schoß zu legen, das Leben seinen Weg gehen zu lassen und über die Größe Gottes nachzusinnen?" - Die so denken, täuschen

sich selbst. Schon indem sie so denken, handeln sie ja bereits - nur tun sie nicht das Rechte! Indem sie die Untätigkeit vorziehen, sich also weigern, das Spiel des Lebens mitzuspielen, ziehen sie notwendig den Lebenswecker Leid an, der solange nicht von ihrem Wege weicht, bis sie gelernt haben, aus eigenem Antrieb lebens- und tatbejahend den Weg zur Höhe zu erklimmen. . .

Jede Untätigkeit hat erfahrungsgemäß den allmählichen Verlust der stillgelegten und ungenützten Kräfte und zunehmende Lebensunfähigkeit zur Folge. Untätigkeit bedeutet nicht bloß Stillstand, sondern Rücktentwicklung. Untätigkeit ist somit Tätigkeit in der falschen Richtung: abwärts statt aufwärts. Sie führt zur Entartung, während unsere Aufgabe doch gerade in der Höchstentfaltung aller Kräfte besteht.

Die Gita belehrt uns weiter, daß es für den Untätigen, den Trägen keine Überwindung des Kreislaufs der Geburten und Tode gibt. Denn auch dazu ist entschlossene Tat, mutiges Vorwärtsschreiten, Vertrauen und Hingabe nötig.

Wer hier, in diesem Leben, untätig war und, wie Fechner sagt, "seinen Geist nur brauchte, um seinen Körper zu bewegen, zu nähren und zu vergnügen, von dem wird auch nur ein unbedeutendes Wesen übrig bleiben. Und so wird der Reichste der Ärmste werden, wenn er sein Vermögen nur verwendet, um seine Kraft zu sparen, und der Ärmste wird der Reichste, wenn er seine Kraft verwendet, um das Leben redlich zu meistern.

Das ist die große Gerechtigkeit der Schöpfung, daß jeder sich die Bedingungen seines zukünftigen Seins selbst schafft. Seine Handlungen werden dem Menschen nicht durch äußerliche Belohnungen oder Strafen vergolten; es gibt keinen Himmel und keine Hölle im gewöhnlichen Sinne dieser Worte, wohin die Seele nach dem Tode käme. Die Seele macht weder einen Sprung aufwärts, noch einen Fall abwärts, noch zerfließt sie in das Allgemeine; sondern nach dem sie die große Wandlung, die wir den Tod nennen, überstanden hat, entwickelt sie sich nach der unwandelbaren Folgerichtigkeit der Natur auf der Erde von neuem fort in einem und zu einem höheren Sein; und je nachdem der Mensch gut oder schlecht, edel oder gemein gehandelt, tätig oder müßig gewesen, wird er im folgenden Leben einen gesunden oder kranken, einen schönen oder häßlichen, einen starken oder schwachen Charakter und Organismus sein eigen nennen, und seine Tätigkeit in dieser Welt wird seine Stellung zu den anderen Geistern, seinen Schicksalsweg, seine Anlagen und Talente für sein weiteres Fortschreiten in jener Welt bestimmen."

 

*

Die Bhagavad Gita predigt nicht Zurückziehung von der Welt, sondern bewußtes Wirken in der Welt - nicht Weltflucht, sondern

tätige Welt-Überwindung. Wohl lehrt sie die Selbstbesinnung in der Stille - aber nicht als Selbstzweck, sondern als Mittel zur Zielbesinnung, Kräftemehrung und Selbstvollendung (Seine Liebe zieht uns), wobei das schöpferische Tätigsein, die schicksalbejahende Teilnahme am Daseinskampf, obenan steht.

Wiederum berührt sich ihre Forderung mit der des Meisters Eckehart:

"Bliebe der Mensch ununterbrochen im Zustand der Einheit mit Gott, solange er im Körper weilt, so wäre das keineswegs das Beste. Denn dann vermöchte der Mensch nichts zu wirken als ein einziges göttliches Werk. Er ist aber berufen, viele Werke zu verrichten.

Darum ist es nötig, daß zwar Herz und Wille fest auf Gott gerichtet sind, daß sie aber die Kraft, die ihnen von innen her zuströmt, weiterleiten, damit der Mensch das Rechte wirke. Rechte Hingabe ist kein Nichtstun, sondern lebendiges Wirkenlassen aller Kräfte.

Die Hingabe an den Ewigen ist also nicht recht, solange sie in einem Gegensatz zum tätigen, wirkenden Leben steht. Das irdische Leben hat seine Pflichten und Notwendigkeiten, die erfüllt sein müssen. Solange die Seele in diesem Leibe weilt, treten die Bedürfnisse des Alltags an sie heran und heischen Lösung; sie muß sich daher mit tätiger Liebe den Bedingungen des Lebens und den Aufgaben der Gemeinschaft widmen und die irdischen Pflichten erfüllen. Wahre Gotthingabe und rechtes Tun ist kein Gegensatz."

Die Gita verweist auf den Prinzen Dschanaka,  der zugleich ein berühmter Weiser der Upanismaden-Zeit war und den Beweis erbrachte, daß es durchaus möglich ist, mitten im Strudel des Weltlebens Großes zu schaffen, ja ein Land zu regieren, und sich dabei doch einen gelassenen, von Haftenssucht freien Geist zu bewahren und die Vollkommenheit des Gotterwachten zu erlangen.

Jeder kann seinen täglichen Pflichten nachkommen und dabei doch innerlich fortschreiten - weit rascher vielleicht als einer, der sich der beschaulichen Selbst- und Gottesbetrachtung ergibt. Es gilt darum, den Lebenskampf nicht zu scheuen, sondern ihn ebenso wie die Hindernisse, die uns begegnen, als Mittel zur Kräfteentfaltung und stufenweisen Offenbarung unserer wirklichen Größe und Macht zu benutzen.(Größe und Macht ist der Gott in uns, wir sind nur aus ihm stark)

Der Weg zur Höhe, zum Einssein mit dem unwandelbaren Ewigen führt, wie ein Weiser sagt, durch das Gebiet allumfassender Tätigkeit, eine Erkenntnis, die Goethe bestätigt: "Die Tätigkeit ist's, die den Menschen glücklich macht, die, stets das Gute schaffend, bald ein Übel selbst durch göttlich wirkende Gewalt in Gutes kehrt."

Die Gott-in-uns-Lehre der Gita, die das kontemplative und das aktive Leben zu einer lebendigen Einheit zusammenschmiedet, ist also eine Tat-Religion und nichts für träge Naturen. Die Freiheit, die sie verkündet, wird nur dem Strebenden zuteil.

Das Schicksal des Ardjuna ist unser aller Schicksal. Seine Aufgabe ist auch die unsere. Ardjuna scheute den Kampf zuerst, vom

Zwiespalt zerrissen; aber Krischna, sein höheres Selbst, lehrt ihn erkennen, daß ohne Kampf keine Vollendung erreicht wird.

Wie Ardjuna, so möchten auch wir den von uns selbst bedingten Entscheidungen, den oft leidvollen Folgen unseres seitherigen

Denkens und Tuns und dem unvermeidlichen Lebenskampf gern ausweichen. Aber vergeblich: jeder von uns muß täglich von neuem den Kampf gegen das Unvollkommene und Scheinverhaftete in ihm und um ihn herum durchfechten, damit der Gott in ihm, sein höheres Selbst, sich in ihm und durch ihn offenbare. (Sein höheres Selbst bleibt Gott, wir können uns aber von Ihm zu Seinen wahren Ebenbildern wandeln lassen)

Wir müssen kämpfen, ob wir wollen oder nicht, müssen "herrschen und gewinnen oder dienen und verlieren, leiden oder triumphieren, Hammer oder Amboß sein." Und selbst wenn wir dieses Leben daseinsmüde wegwerfen würden, ginge der Kampf auf einer anderen Ebene sofort weiter und bald stünden wir wieder vor der gleichen Aufgabe, die uns so lange im Wege liegt und uns den Blick zur Höhe versperrt, bis wir sie siegentschlossen in Angriff nehmen und meistern. Erst dann werden uns höhere Aufgaben gestellt.

Hören wir, wie Ardjuna, sogleich auf die Stimme des inneren Lenkers, stürzen wir uns wagewillig und allvertrauend in den Kampf, dann fällt uns der Sieg um so müheloser und rascher zu.

Das ist auch der Sinn der Kündung des Geister-Chors im ,Faust':

 

"Wer immer strebend sich bemüht, den können wir erlösen."

 

So gesehen, ist die Bhagavad Gita ein Appell zum Abwerfen jeglicher Furcht vor dem Lebenskampf. Sie erzieht uns zu mutigem

Wagen, freudigem Opfern und heldischem Ringen und Siegen. Der seelisch Erwachte, der weise und gelassen Gewordene - so lehrt sie - jammert und klagt nicht um Leben oder Tod, weil er weiß, daß alles Äußere sich wandelt und vergeht, daß aber das Innere, sein göttliches Selbst,(unser höheres Selbst bleibt Gott, wir können uns aber von Ihm zu Seinen wahren Ebenbildern wandeln lassen) von diesem Werden und Entwerden nicht berührt wird. Infolgedessen ist der Kampf wie der Tod kein Übel; wohl aber ist es die Schande, dem Kampf des Lebens ausgewichen zu sein.

Wie auch immer der Daseinskampf ausgehen möge: der seinem Gott-Freund vertrauende, von innen her geführte Mensch bleibt Sieger über jede Not. Er erreicht den höchsten Sieg: die Heimkehr zur Harmonie mit dem Unendlichen, zum Einssein mit der Weltengottheit. (sie hat einen Namen: Jesus, wir werden Seine Ebenbilder und Er lebt wie in Paulus durch uns, Er kann sich dann in uns spiegeln und sich mit uns austauschen, neue Aufgaben geben, die wir aus Ihm verrichten können)

 

*

Rechtes Tun nennt die Gita im sechsten Gesang das Kennzeichen des Weisen. In der Tat: Je vollkommener ein Wesen ist, desto gewaltiger ist der Umkreis seines Wirkens - bis hinauf zum höchsten Wesen, dessen Wirkungsbereich das unbersehbare Heer der Universen ist.

Ebenso gilt umgekehrt: je tätiger ein Wesen ist, desto vollkommener vermag sich das ihm innewohnende Göttliche zu offenbaren, desto sicherer ist ihm die Hilfe von innen. Daher auch das Wort stammt, daß die Götter (Engel) nur denen helfen, die sich seIber helfen (die sich nach innen, zu Gott in ihren Herzen wenden).

Bei allem, was wir tun - fordert die Gita -, gilt es unsere Tatkraft, unsere Unerschrockenheit und unser unerschütterliches Gottvertrauen zu beweisen, Solch rechtes, bewußtes Tun fesselt nicht, sondern macht den Täter freier. Das gleiche besagt Laotse's tiefes Wort: "Wer richtig geht, wirbelt hinter sich keinen Staub auf," Um keinen Staub aufzuwirbeln, braucht man durchaus nicht stehen zu bleiben oder sich träge hinzulegen, sondern nur richtig zu gehen, Also nicht untätig bleiben, um nicht schuldig zu werden, sondern das Rechte tun, um über Schuld und Nichtschuld hinauszuwachsen!

Rechtes Wirken ist ein Wirken in lebendiger Übereinstimmung mit dem Willen des inneren Schicksalslenkers. Von diesem rechten Tun sagt auch Meister Eckehart, daß es den Geist läutere und befreie: "Wenn der Mensch sich aller Dinge entwöhnt und sich von allem Niederen abgeschieden hat, geht er in alIen seinen Handlungen sicher seinen Weg und vermag die Dinge zu genießen und zu entbehren, ohne durch sie behindert zu werden."

Diese Fähigkeit rechten Tuns wächst mit ihrer Übung. Wenn einer als Folge einstigen Mühens in früheren Daseinsformen mit besseren Anlagen, Kräften und Fähigkeiten in das Spiel des Lebens eintritt und infolgedessen leichter zum Erfolg gelangt als ein anderer, so sollte dies für den anderen nur Ansporn sein, seine Kräfte um so eifriger und hartnäckiger durch ständige Übung zu entwickeln, zu steigern und zu vervielfachen - bis es ihm ebenso leicht fällt wie dem Erfolgreichen, das Spiel des Lebens zu meistern.

Der Gewinn dessen, der so handelt, ist nicht nur ein äußerer - der sichtbare Erfolg -, sondern auch, und das ist das allein Entscheidende, ein innerer - der charakterliche Fortschritt, das innere Wachstum, die Zunahme seiner Tüchtigkeit und Lebensüberlegenheit. Jeder kann das in seinem Beruf und Wirkungskreis erfahren.

Eben dieses innere Wachstum, auf das es im Leben ankommt, unterbleibt beim Untätigen. Die religiöse Träumerei, Frömmelei und Schwärmerei, die er an die Stelle der Tat setzt, sind Seifenblasen, die bei der Berührung mit der Wirklichkeit des Lebens zerplatzen. Nicht anders ergeht es dem, der seine Arbeit lässig, unlustig, ohne innere Anteilnahme tut: nicht nur sein äußerer Erfolg ist notwendig ein geringerer, auch das innere Wachstum bleibt aus. Seine inneren Kräfte nehmen ab, versickern unausgenützt in die Tiefen des Unbewußten und verwandeln sich dort in hemmende Gewalten, in leidauslösende Gegenkräfte.

Denn es ist Gesetz, daß aIle Kräfte, Fähigkeiten, Talente, Organe, die der Mensch nicht ständig einsetzt und benutzt, verkümmern, sich zurückentwickeln, verschwinden und entsprechende Ausfallerscheinungen, Fehler und Mißgeschicke auslösen; wahrend auf der anderen Seite aIle Kräfte, Fähigkeiten, Talente und Organe, die wir bewußt in unseren Dienst stellen, an Stärke, Ausdauer und Leistungskraft zunehmen.

Im gleichen Maße tritt im unaufhörlichen Daseinskampf an die Stelle einstigen Nicht-Könnens und Versagens zunehmend das Können und Siegen - bis die Entfaltung immer höherer Seelenkräfte schließlich das innere Selbsterwachen zur Folge hat, das wiederum zu Schicksalsüberlegenheit und Lebensmeisterung führt und am Ende zur Selbstverwirklichung und Gottvereinung.

So führt ein direkter Weg vom rechten Tun zur Harmonie mit dem Unendlichen. Wir sehen, wie berechtigt die Forderung der Gita ist, stets unsere ganze Kraft und Liebe an unser Werk hinzugeben, uns von Schwierigkeiten zu erhöhter Tatkraft und Ausdauer bestimmen zu lassen, jedes Hindernis als Aufforderung zu werten, nun erst recht unseren Weg zur Höhe fortzusetzen - nicht um der vergänglichen äußeren Früchte willen, sondern um der Erhöhung unserer Kraft und der vollkommeneren Selbstoffenbarung willen.

Alle Pflichten und Aufgaben, aIle Mühen und Schwierigkeiten in der Schule des Lebens sind in Wahrheit Übungen zur vollendeten Entfaltung unseres Selbst (unseres Gottesfunkens, um dahinter unseren himmlischen Vater zu gewahren), Reize zur lebendigeren Entfachung unseres Gottselbstbewußtseins. Sie fallen uns als Gelegenheiten zu, an denen wir zeigen können, wie weit unsere innere Kraft bereits zum Fließen gekommen und tätig ist, wie weit unser inneres Wachstum, unsere seelische Reifung schon vorangeschritten ist.

Wer also Schwierigkeiten gegenüber verzagt die Hoffnung und die Hände sinken läßt und sie als Wink des Schicksals wertet, von weiteren Bemühungen abzulassen, der hat den Sinn des Lebens noch nicht erfaßt und ist weit davon entfernt, ein Lebensmeister zu sein.

In Wirklichkeit ist die Größe eines Hindernisses nichts als die Andeutung des Umfanges der Kraft, die in diesem Augenblick in uns nach Entfaltung und Betätigung verlangt.

Wohl dem, der dies erkennt und sich durch eine Not ermahnen, ermannen und ermutigen läßt, gerade jetzt in unerschütterlicher Zielstrebigkeit und Sieggewißheit seinen Weg fortzusetzen. Denn ihm winkt am Ende das Glück vollkommenen Selbsterwachens (wir werden doch von Seiner Liebe gezogen!) und die Seligkeit allbefreiender Gottvereinung.

Das "Schicksal" ist nur für mutlose und träge Naturen eine Entschuldigung ihres Verzagens und Versagens, während es für die Mutigen und Tatbereiten ein Ruf zu vollkommenerer Selbstbewahrung und Selbstvollendung (dies redete sich wohl auch Luzifer ein, alles aus sich selbst zu können) ist und dazu, in kühnem Wagemut geradenwegs durch die Schwierigkeit hindurch zu außergewöhnlichen Erfolgen durchzustoßen. Sie verlassen sich dabei auf ihren schicksalsichtigen "inneren Helfer", der vermöge seiner Voraussicht, Weisheit und schicksallenkenden Macht dafür sorgt, daß nach dem Maße ihres Mutes, ihrer Tatkraft und ihres Vertrauens aIle Dinge sich zu ihrem Besten entwickeln.

Dadurch, daß sie die Schwierigkeit mit dieser Einstellung im Sturm nehmen und überwinden, verwandeln sie das Hinderis in ein Fördernis, eine helfende Kraft. Und warum? Weil sie nicht an den Widerstand oder an mögliche Mißerfolge denken, sondern an ihr Ziel, ihre Kraft, ihren inneren Gottfreund und Helfer und an ihren Sieg. Eben weil sie nur an diese denken, erfolgt das, was sie gläubig bejahen und erwarten: der Erfolg tritt ein.

Wer die Tat-Lehre der Bhagavad Gita solchermaßen recht begreift und nach ihr lebt, der nimmt fernerhin bewußt am Spiel des Lebens teil - ein edler Verlierer und ein großmütiger Gewinner:

Bei ihm ist die Summe der gewonnenen Partien im Lebens-Spiel bald um vieles größer als die der verlorenen, weil er gelernt hat, jeden Verlust zum Ausgangspunkt künftiger Gewinne zu machen. Eine verlorene Partie bedeutet ihm einen Gewinn an Erfahrung und Kraft, Geschicklichkeit und Ausdauer für den nächsten Kampf, in dem ihm der Sieg dann um so sicherer ist. Er läßt sich vom inneren Schiedsrichter und Spielleiter willig belehren, um jede folgende Partie noch besser, leichter, schöner und formvollendeter, noch überlegener und sieghafter zu spielen.

Ein Spiel zu verlieren, ist keine Schande. Wohl aber ist es, nach der Gita, eine Schande, das Spiel aufzugeben, sich auf die Seite zu stellen und nicht mehr mitzumachen, oder es gar nicht ernsthaft zu versuchen, das Spiel des Lebens zu gewinnen. Eine Schande nennt die Gita es, wenn der Mensch vor Schwierigkeiten kapituliert, statt einzusehen, daß sein innerer Schicksalslenker ihm damit eine Gunst erwies, weil er ihn würdig fand, über die Schwierigkeit hinweg abermaIs höherzusteigen.

Je häufiger der Mensch seine innere Kraft bewußt einsetzt, um eine Schwierigkeit zu meistern, desto mächtiger wird seine Kraft, desto leichter überwindet er künftige Schwierigkeiten, die keinem in der Schult des Lebens erspart bleiben, solange er nicht ihr hohes Ziel erreicht hat: die seelische Reife, die Selbstverwirklichung und Gottvereinung.

Schließlich ist sein gegenwärtiges Leben nur eine von vielen Episoden in dem unendlichen Spiele des Lebens. Er tritt nicht nur dieses eine Mal zum Kampfe an, sondern immer wieder, bis er ein vollendeter Meister des Lebensspieles geworden ist, ein Lebensüberlegener und Gottgelassener.

 

*

Damit enthüllt sich vor unseren Augen die große Lebensaufgabe, die die Gita uns zum Bewußtsein bringen will: die erlösende

Tat, die um ihrer selbst willen geschieht. (Wo bleibt das Jesus? Luzifer läßt grüßen!))

Immer wieder ermahnt Krischna den Ardjuna, der ihm gemäß seiner augenblicklichen Stellung obliegenden Pflichten zu gedenken und diese zu erfüllen, also dem inneren Gesetz (der Liebe) zu folgen, nach dem er angetreten ist.

Für uns bedeutet das die Aufgabe, innerhalb der Gemeinschaft, der wir angehören, bewußt so zu handeln, daß die uns obliegenden Pflichten und der Wille des Ewigen in uns übereinstimmen, und dabei alles Sorgen dem inneren Gottfreund (Jesus)zu überlassen.

Rechtes Tun ist also wesenseins mit rechter Pflichterfüllung.

Die Gita zeigt uns, daß "unsere Pflichten nicht versäumen mehr ist, als große Dinge träumen", und daß unser Hiersein eine Aufgabe ist, die es in unermüdlichem Schaffen zu erfüllen gilt, bis sie gelöst ist und wir zu anderen Aufgaben abberufen werden. Es gilt, in unentwegtem Wagemut pflichtbewußt zu handeln und tapfer zu kämpfen, ohne danach zu fragen, wie der Erfolg aussehen wird. Nicht die Große des Erfolgs solI unser Denken und Wollen bestimmen, sondern das schöpferische Wirken (aus Jesus) selbst soll uns höchstes Glück sein

Durch freudige Hingabe an unsere Pflicht werden wir reif für immer größere Aufgaben und für die Erreichung des Vollendungszieles der Selbstverwirklichung.(seelische und geistige Wiedergeburt ) Wirken wir fort, sagt auch Goethe, "bis wir, vom Weltgeist (Jesus) berufen, in den Äther zurückkehren. Möge dann der Ewige uns neue Tätigkeiten, denen analog, in welchen wir uns hier schon erprobt, nicht versagen!"

Wilhelm von Humboldt entnahm der Gita die befreiende Erkenntnis, daß, "wenn man gar nicht an Glück und Unglück, Erfolg und Mißerfolg denkt, sondern nur an eiserne, sich nicht schonende Pflichterfüllung, das Glück sich dann, auch bei an Mühen reicher Lebensführung, von selbst einstellt." Nicht nach den Folgen unseres Tuns haben wir zu fragen, sondern nur darauf zu achten, daß wir das Rechte tun. Dem Weisen, sagt die Gita, ziemt beim Handeln gelassener Gleichmut, nicht zuletzt gegenüber den Folgen und Früchten seines Tuns.

Denn alles Haften an den Früchten des Werks bewirkt erneute Nichterkenntnisverstrickung, Bindung an die Scheinwelt und Wiederverkörperung, löst also wiederum jene Notwendigkeit aus, über die wir doch gerade Herr werden sollen. Wir verfallen aufs neue der Maya, dem Zauber der Scheinwelt, indeß die wirkliche Seinswelt uns immer unwahrnehmbarer wird.. .

Wir müssen zu der Wahrheit erwachen, daß die Tat alles, der Ruhm nichts ist, und daß uns in dieser Welt immerwährenden Wandels, Werdens und Entwerdens nichts gehört und nichts bleibt als unser eigenes Selbst, die innere Kraft, der Wille zum Guten, das Streben nach dem Höchsten und die Gewißheit unseres Einseins mit dem Ewigen (Jesus).

Das ist der Sinn jenes Wahrworts, daß der Mensch am erfolgreichsten ist, der bei seinem Wirken nichts zurückverlangt. Wirket, als wirke die Gottheit durch Euch, sagt Vivekananda, und "gebt, was Ihr zu geben vermögt; es wird zu Euch zurückkommen - aber verlangt nichts zurück und denkt nicht an den Lohn Eures Tuns. Eure Gabe wird vervielfacht zu Euch zurückkehren, des seid gewiß - aber achtet jetzt, während Ihr handelt und Euch verschenkt, nicht darauf. Laßt Euch von der Gottheit und ihrem unsichtbaren Wirken belehren, daß alles Leben ein immerwährendes Geben ist. Gebt darum freudig und erwartet nichts zurück. Um so mehr wird zu Euch kommen."

Handelt vom Standpunkt der Gottheit aus: handelt wie sie schöpferisch; dann erhebt Ihr Euch zu den Höhen fessellosen Freiseins und vollendeter Erlöstheit.

 

V.

 

Hier ist der Punkt, an dem das opferwillige rechte Tun in jene leidlösende rechte Hingabe übergeht, die wir in der Gita als Bhakti- Yoga, den Gipfelweg liebender Gott- Vereinung, kennenlernten.

Bhakti, die liebende Hingabe an den unendlichen Geist des Lebens, ist die Fortsetzung und Krönung des Karma- Yoga. Die liebende Hingabe ist die höchste Tat, die der Mensch auf Erden zu vollziehen vermag; die Hingabe an den Ewigen ist der Gipfel

rechten Wirkens und der unmittelbare Weg zur Erlösung, zur Harmonie mit dem Unendlichen.

Die Erlösungs-Lehre der Gita vermittelt uns ewige Wahrheiten. Eben darum ist ihre Kündung zeitlos und heute genau so befreiend wie vor Jahrtausenden.

. . . Jahrtausende sind nichts im Entwicklungsreigen der Seele. In den paar Verkörperungen während dieses Zeitraums ist der

Fortschritt der Seele nicht so bedeutend, daß sie über die von der Gita aufgezeigten Wahrheiten und Wirklichkeiten schon hinausgewachsen wäre oder auch nur die hohe Reifestufe des Schöpfers (können wir nie erreichen, das war der Wunsch Luzifers!) des Hohenliedes der Gottvereinung erreimt hätte . . .

In der Evolution der Seele muß man mit Hunderttausenden von Jahren rechnen, wenn man die immer steiler ansteigende Kurve ihres Aufschwungs aus der Dunkelheit des Unbewußtseins über den Dämmer des Selbsterinnerns zum Lichte fortschreitenden Selbsterwachens wenigstens zu einem Teile überblicken will. Dem raschen äußeren Wandel und technischen Fortschritt der Menschen steht keine gleich schnelle innere Wandlung und Vollendung gegenüber. Die Entwicklung und Selbstoffenbarung des göttlichen Geistes im Menschen vollzieht sich langsam wie das Werden der Welten und wird von dem Auf und Ab der Kulturen kaum berührt.

Und dennoch - trotz dieses unendlichen Weges, der hinter uns liegt, und der gewaltigeren Allbahn, die sich noch vor uns dehnt - verheißt uns die Bhagavad Gita, daß wir, wenn wir nur wahrhaft wollen, schon hier und jetzt, in diesem Leben, dieser winzigen Etappe unserer unübersehbaren Weltenwanderfahrt, das erhabene Endziel aller menschlichen Entwicklung, die Einswerdung mit dem höchsten Sein, zu erreichen vermögen.

Eine unendlich trostvolle Verheißung liegt in dieser Aufzeigung der Möglichkeit der Selbstbefreiung vom Kreislauf der Wiedergeburten durch rechtes Tun und liebende Hingabe an den Ewigen, durch die das Allziel der gewaltigen Erdenschulung, die Selbstvollendung (nie selbst, Seine Liebe zieht uns) und Gottvereinung, unmittelbar erreicht werden kann.

Und nicht minder groß und beglückend ist die weitere Verheißung der Gita, daß dieser Weg zur Erlösung keinem verschlossen ist. Auch sein Karma - die Tatenfolgen seines jetzigen und seiner früheren Erdenleben - kann ihn nicht hindern, schon hier und jetzt mit dem Ewigen eins und alter Unvollkommenheiten ledig zu werden.

Die Gita verkündet damit die sittliche Freiheit des Menschen: es liegt allein bei ihm, ob er den Weg der Erlösung einschlagen will oder nicht - ob er weiter das Weh der Wiederkehr zur Wandelwelt erleiden oder den Weg der Nichtmehrwiederkehr beschreiten will. Im einen FaIle wird er immer von neuem Opfer und Spielball seines blinden Daseinswillens; im anderen FaIle findet er zur erlösenden Erkenntnis seines Einsseins mit dem Geist des Lebens (Jesus).

Dieser Weg ist in der Gita so deutlich und unverkennbar aufgezeigt, daß nichts mehr hinzuzufügen bleibt. Den gleichen Hochweg finden wir in alIen Weisheitslehren angedeutet. So sagt die Brihadaranyaka-Upanismad von der Erlösung:

»Wenn alle Haftenssucht entschwunden, die in des Menschen Herz sich schleicht, dann ist Unsterblichkeit gefunden, dann hast

die Gottheit Du erreicht! - Der Mensch, der als sein eigen Selbst Gott hat geschaut von Angesicht, den Herrn deß, das da war und wird, der fürchtet und verkriecht sich nicht.«

Die Gita ermöglicht es uns, Welt und Leben mit anderen Augen als bisher anzuschauen und, in wachsender Übereinstimmung mit unserem inneren Gottfreund, unser Schicksal zu meistern. Wir werden uns bewußt, daß der äußere Mensch nichts ist als ein Gefäß des göttlichen Geistes, der sich im Laufe der Entwicklung immer vollkommener durch den äußeren Menschen offenbart, bis der Erdenmensch fähig wird, sich ihm bewußt zu einen.

Schon dieses Bewußtwerden der Unvergänglichkeit seines inneren Wesens (Jesus) wirkt auf den, der sich bisher an die Materie geschmiedet wähnte, wie das Öffnen der Tür eines Gefängnisses: er tritt aus dem Dunkel des engen Raumes, in dem er sich bisher bewegte und den er sein »Leben" nannte, in das helle Licht allumfassenden Seins. Ihm ist, als wenn Hüllen fallen, die ihm als Hölle erscheinen ließen, was, wie er jetzt gewahrt, in Wirklichkeit eine Stätte sieghafter Selbstvollendung und Gottselbstoffenbarung ist, von der aus er sich durch rechtes Tun und rechte Hingabe zu den Gipfeln des Einsseins mit der Weltengottheit (Jesus) aufzuschwingen bestimmt ist.

Er erkennt, daß er, im Grunde seines Wesens, schon hier und jetzt und immerfort unauflösbar mit dem Ewigen eins ist, daß der Himmel in ihm ist und ihm nie entrissen werden kann, und daß sein wahres göttliches Selbst schon jetzt von keinem Weh der Welt berührt wird.

Dieser von der Gita gewiesene Weg fortschreitenden Selbst-Erwachens (nie selbst, sondern durch Seine Liebe) und endlicher Erlösung in der liebenden Einswerdung mit dem Einen ist der Weg jedes einzelnen von uns. In jedem von uns ertönt immerfort der beseligende Ruf des Ewigen: "Liebe mich, und Du wirst frei!"

Gleich Parzival müssen wir erkennen, daß die Liebe der unmittelbare Weg in die Freiheit ist, daß alles das, was uns quält, in ihrem Lichte gesehen, nichts als ein flüchtiger Traum ist, aus dem wir jederzeit zu erwachen vermögen.

Die Liebe - so verheißt die Frohe Botschaft der Bhagavad Gita - ist jene göttliche Kraft, die das Gesetz des Schicksals aufhebt. Die Gottheit wendet sich dem helfend zu, der sich ihr in gläubigem Vertrauen gänzlich hingibt. Sie erlöst den, der zu ihr allein seine Zuflucht nimmt - auch wenn er im Leben schuldig ward, auch wenn er erst in seiner Todesstunde zu ihr findet!

Immerfort ist das innere Licht gegenwärtig. (das aus Seinem Sein Liebfeuer strömt) In jedem Augenblick können wir der Erleuchtung und Gottvereinung und damit der Erlösung teilhaftig werden. Einzige Bedingung ist, daß unser ganzes Sein und Wesen von der liebenden Hingabe zum Ewigen erfaßt und durchglüht wird.

In der milden Glut der Gottesliebe läutert und löst sich alles Leid zu lauterem Licht. In der Hingabe an den Ewigen schmelzen die Schlacken der Schuld von der Seele, die sich nun in ihrer ursprünglichen edlen Reinheit, bereichert und verklärt durch das auf ihrer Weltenwanderung erworbene Weistum, ins höchste Sein zurückschwingt.

AIle Erlösung, aIle VoIlkommenheit, sagt Meister Eckehart in restlosem Einklang mit der Gita, "liegt darin, daß der Mensch hindurchdringe und sich hinausschwinge über aIle Geschaffenheit und Zeitlichkeit und alles Wesen, und eingehe in den Grund, der grundlos ist. Wenn der Geist frei in seiner Abgeschiedenheit steht, alles Kreartürlichen leer und ledig, so strömt Gott in sein Wesen ein und erfüllt und verwandelt ihn völlig."

Auf allen Wegen des Lebens, wo immer der kämpfende Mensch seine Wirkstatt haben mag, führt die Hingabe an den Ewigen (Jesus) zum höchsten Ziel: zur Gottvereinung. Die Seligkeit derer, die zur Erlösung gelangen, ist unvergänglich und ihre Freiheit uneingeschränkt. Das ist die erhabene und erhebende, beglückende und befreiende Botschaft der Gita und der Trost ihrer Kündung an aIle suchenden, leidenden und kämpfenden Menschen.

Suchen wir ihrer Weisung zu folgen, ihr nachzuleben, damit ihre Verheißung auch für uns lebendige Wirklichkeit werde!

Rufen wir uns das, was nottut, immer von neuem ins Bewußtsein, damit auch wir zur Erkenntnis unserer inneren Wesenseinheit mit dem Ewigen (Jesus) und zur Allgelassenheit der großen Lebensmeister und Weltüberwinder erwachen! (die Welt hat allein Jesus überwunden!)

 

Chanchah, eine Chinesin, die Lama liebt und zu Jesus geführt wird