Beleuchtungen über das rechte Wissen von empfangenen göttlichen Geistesgaben.

(nach 1.Kor.2,12 & 14)

Oktober 1838

 

Weisheit: Du fragst in deinem Gemüte schon seit einiger Zeit, ob eine Seele, die Gott zu einem Werkzeuge zur Erbauung irgendeiner Gemeinde oder anderer einzeln stehenden Seelen bestimmt, und mit den erforderlichen Gaben dazu ausgerüstet hat, wissen dürfe, dass sie Geistesgaben empfangen und dass Gott sie zur Erbauung und Aufrechthaltung einer Gemeinde verordnet habe, oder ob ein solches Werkzeug davon nichts wissen solle, damit es immer in der Demut und Niedrigkeit bleibe, und der Neid anderer Glieder nicht gereizt werde, die diese Geistesgaben nicht besitzen.

Antwort: In dieser versuchungsvollen Zeit, wo der Feind mehr als je darauf ausgeht, alle brüderliche Bande und Ordnung zu zerstören, ist es eine schwierige Aufgabe, diese Frage also zu beantworten, dass einerseits die Gnaden- und Heilsordnung Gottes nicht willkürlich beschränkt und das Prinzip des königlichen Priestertums Jesu in seinen ordnungsmässigen Stufen nicht verletzt werde, dass aber anderseits auch die brüderliche Gleichheit unbeschadet bleibe, weil an dem grossen, durch die ganze Menschheit ausgebreiteten Leibe Christi alle Glieder Brüder Eines Gottes und Heilandes sind und Christus allein als ihr Oberhaupt erkannt werden soll. Für solche Seelen jedoch, welche noch nicht vom Irr- und Streitgeiste angefasst sind, kann diese Frage gar leicht aus dem Zusammenhang des göttlichen Wortes in der Heiligen Schrift beantwortet werden.

In diesem geoffenbarten Wort sieht der nach Wahrheit forschende Christ, wie Gott ein Gott der Ordnung ist, und wie Er alles, was Er geschaffen, sowohl im Himmel als auf Erden, nach Zahl, Maß und Gewicht geordnet und in dieser Ordnung eine Kraft über die andere erhoben hat, doch so, dass alle Kräfte sich wieder zu einem Ganzen vereinigen und keine Kraft ohne die andere bestehen kann.

Diese heilige Ordnung besteht noch immer. In der geistigen, himmlischen Natur erleidet sie durchaus keine Unterbrechung; nur in der physischen Natur, als dem materiellen Leibe der Schöpfung Gottes, ist durch Adams Fall, vermittelst der Einwirkung Luzifers, in den sonst so harmonierenden Kräften eine Trennung entstanden.

In den Königreichen der Himmel, sowohl unter den Engeln als unter den Gliedern der heiligen Muttergemeinde, herrscht die vollkommenste Harmonie, Ordnung und Einheit; es ist daselbst nur Ein Ton, Ein Klang: der Ton der Liebe und der Wahrheit.

Unter den Chören der heiligen Engel sind hohe, vortreffliche Fürstenengel, hohe und niedere Beamte und gewöhnliche Engel, die aber doch auch ihre Dienstverrichtungen haben. In der heiligen Muttergemeinde, die aus solchen Gliedern besteht, welche aus der sichtbaren Welt in die selige Ruhe eingegangen und mit den Gliedern der oberen Gemeinde vereinigt und an einen mit dem Grade ihrer Wiedergeburt genau übereinstimmenden Platz versetzt worden sind, herrscht ebenfalls die vollkommenste Ordnung, ohne allen Zwang. Es gibt in dieser himmlischen Gemeinde Könige, Priester, höhere und niedere Beamte, wie auch solche Geister und Seelen, die zwar kein eigentliches Amt noch Würde tragen, aber nichtsdestoweniger ihre Dienstverrichtungen zum Wohl des Ganzen haben.

Die ganze unermessliche Schöpfung Gottes besteht aus lebendigen Buchstaben, Vokalen und Konsonanten, welche in ihrer Verbindung die Eine grosse Schöpfungssprache bilden. Die Vokale allein, ohne die Konsonanten, sind zur Bildung einer Sprache nicht hinreichend, ebenso wenig die Konsonanten ohne die Vokale. Doch bestimmt der Vokal oder Selbstlaut den Ausdruck jedes Worts, das ausgesprochen wird, und darin liegt nach dem geistigen Sinn ein grosses Geheimnis verborgen.

Diese heilige Ordnung Gottes findet sich deutlich und unzweideutig in der Heiligen Schrift, sowohl alten als neuen Testaments, ausgesprochen und selbst in der gefallenen Natur bezeichnet. Zugleich findet der Mensch in dem geoffenbarten Wort, wie die in der englischen Hierarchie stehenden Fürstenengel das Wissen haben, dass sie Fürstenengel sind. Ebenso wissen auch die Könige und Priester in der heiligen Muttergemeinde, dass sie von Gott zu Königen und Priestern gemacht worden sind. Desgleichen wissen die gewöhnlichen Engel, wie auch die gewöhnlichen Seelen, welche in der heiligen Muttergemeinde stehen, dass jene Fürsten, Könige und Priester sind, sie aber diese Würde nicht haben, obgleich auch ihnen, wie schon gesagt, ihre Verrichtungen zum Wohl des Ganzen aufgetragen sind, und sie zum allgemeinen Zweck am Hause Gottes mitwirken dürfen.

Dieses Wissen bläht aber keinen mehr auf; denn in den heiligen Engeln, die in jenem Streit, den einst Luzifer im Himmel angefangen hat, bestanden sind, herrscht keine Eigenheit, kein Stolz und kein Neid, sonst könnten sie nicht im Himmel sein, sondern wären in der Hölle. Ebenso steht es mit den aus dieser Welt abgeschiedenen, in die heilige Muttergemeinde übergegangenen Seelen und Geistern, welche alle, seien sie nun Könige, Priester oder gewöhnliche Glieder, die Eigenheit, den Stolz und den Neid abgelegt haben. Alle wissen, dass sie nur abhängige Kreaturen, von Gott in Jesu Christo geschaffene Wesen sind. Auch wird der Grad der Seligkeit eines Gliedes der heiligen Muttergemeinde eigentlich nicht durch die höhere oder geringere Würde, in der es steht, sondern vielmehr durch den erlangten Grad der Wiedergeburt bestimmt. Besonders ist es die über alle Kreaturen erhabene Liebe zu Gott, welche die hohe Stufe der Seligkeit einer Seele ausmacht, denn wer Gott von ganzem Herzen über alles lieben kann, der ist schon, hier selig, sollte er gleich hienieden als ein Knecht oder als eine Magd unter den Menschen dienen müssen.

Indessen steht doch diese Wahrheit fest, dass jeder Fürstenengel, jeder König und Priester weiß, wozu Gott in Jesu, dem Oberhaupt, ihn berufen und verordnet hat; denn, wenn sie das nicht wüssten, so könnten sie auch die Pflichten ihres Standes nicht erfüllen. Dieses Wissen hatten auch die Propheten des alten Bundes, desgleichen die heiligen Apostel und die übrigen erleuchteten Seelen der ersten Kirche im neuen Bunde; ihnen allen war es wohl bekannt, wozu sie berufen und verordnet waren.

Siehe, du Fragender, Gott weiß wohl, dass es hienieden Seelen gibt, welche sagen, eine von Gott mit Geistesgaben beschenkte Seele solle gar nicht einmal wissen, dass sie Gaben besitze. Obgleich aber in dieser Behauptung, wenn sie recht verstanden wird, ein göttlicher Grund der Wahrheit liegt, so bleibt es doch dem alles durchschauenden Auge Gottes auch nicht verborgen, wie sie meistens gerade von solchen Seelen aufgestellt wird, bei denen sie nicht aus der Wahrheit, sondern aus einer unlauteren Quelle des Neides herfließt, die auf eine feine, vielleicht ihnen unbekannte Weise erneuern, was uns die Geschichte von dem Betragen der Kinder Israel gegen Mose meldet. Musste doch selbst der Apostel Paulus, der, obgleich er sich seiner hohen Apostelwürde wohl bewusst war, dieselbe doch gar nicht zum Nachteil anderer Apostel und Mitarbeiter wollte  geltend machen, sondern bekannte: Ich habe gepflanzt, Apollos hat begossen, Gott aber hat das Gedeihen gegeben,  musste doch auch er von den neidischen Korinthern die bittersten Vorwürfe hören, als wolle er sich über seine Mitarbeiter erheben.

Das wahre Nichtwissen einer Seele in Bezug auf das, was Gott ihr gegeben, besteht darin, dass sie die echten Geistesgaben, von denen hier allein die Rede ist, sie mögen nun bestehen in welchem Grade sie wollen, einfältig von Gott empfange, und sie ebenso einfältig, ohne Anmaßung und ohne Selbstgefallen, wieder austeile, wo Gott sie ausgeteilt haben will, und dass sie, nach des Apostels Lehre, nicht höher von sich halte, als sich nach der lauteren Demut und nach dem Masse des verliehenen Glaubens gebührt (Röm. 12,3).

Die ganze Heilige Schrift spricht nichts von einem solchen unnatürlichen Nichtwissen von empfangenen Gaben, das gegen die Beschaffenheit der Sache streitet und in der Natur der Seeleneigenschaft keinen Grund hat. Sagt nicht der Apostel Paulus deutlich: Wir haben nicht empfangen den Geist der Welt, sondern den Geist aus Gott, dass wir wissen können, was uns von Gott gegeben ist (1.Kor.2,12)? Freilich muss dieses Wissen, wie aus der angeführten Stelle zu erkennen ist, aus dem Geiste Gottes und nicht aus dem Geist der Welt oder aus unserem sinnlichen, seelischen Menschen hervorgehen (1.Kor.2,14), und darin liegt eben der rechte Unterschied zwischen Wissen und Nichtwissen. Durch den Geist Gottes muss der Mensch wissen, was ihm von Gott geschenkt ist; denn der natürliche, sinnliche Mensch kann das göttliche Licht nicht einmal fassen und daher ebenso wenig bekräftigen, es sei denn, er werde von dem göttlichen Geiste durchdrungen, der in ihm das rechte Wissen sein muss.

Die gründliche Mystik, oder die Zentralkraft der geheimnisvollen göttlichen Lehre, spricht sich nach dem Zusammenhang der Worte Pauli (1.Kor.2,12 & 14) über diesen Gegenstand in folgender Strophe aus:

Nicht der natürliche Mensch erfasst das untrügliche Wissen,

Nie zu ergründen vermag´s Sterblicher Scharfsinn und Kunst.

Also ist es erlaucht und erhaben, das Wissen des Wissens;

Wer überwindet sich selbst, er und sonst keiner erfasst's.

 

Diese göttliche Wahrheit, in welcher der Grund des echten Wissens liegt, ist von jeher, selbst von manchen gründlichen Forschern der Wahrheit, die sich der Mystik widmeten, aber sie nur einseitig ergriffen, entstellt und unrichtig angewandt worden, weil man sie aus dem Zusammenhange des klaren, göttlichen Wortes herausriß und nach vorgefaßten Ansichten erklärte. So durch einseitige Erkenntnis entstellt, wird sie nun von manchen Seelen als ein Schwert gegen ihre von Gott begabten Brüder gebraucht, muss ihnen aber nicht selten zu einem Vorwand dienen, worunter sie ihren Neid und die Furcht, es möchte jemand über ihnen stehen, verbergen, während sie doch selbst sich in allem Tun und Reden beschauen und gerade in das Urteil fallen, womit sie andere richten. Gewöhnlich sind solche Seelen auch von der Art, dass sie sich in keine Ordnung schicken wollen, sondern die Freiheit, weiche ihnen in gewisser Hinsicht als selbständigen, urteilsfähigen Wesen zusteht, einseitig in der Eigenheit zu behaupten suchen, indem sie nur auf sich selbst sehen, sich über die verbindende, gliedliche Ordnung, die in dem Prinzip des königlichen Priestertums Jesu liegt, eigenmächtig hinaussetzen, oder dieselbe gar verachten.

Wenn nun solche Seelen bei ihrem Hinscheiden aus dieser Zeit ihre Eigenheit nicht abgelegt haben, so können sie auch nicht als Glieder des Königreichs Jesu in das Reich der Himmel eingehen, weil ihnen die Eigenschaften eines solchen Gliedes mangeln; sondern sie werden beim Eintritt in die Geisterwelt von den dazu verordneten Engeln für sich besonders gestellt, bis sie sich demütigen und sich in die von Gott eingeführte Ordnung schicken.

Es gibt aber viele redliche Seelen, denen aus sehr verschiedenen Ursachen bloß die Erkenntnis über das königliche Priestertum Jesu mangelt und die daher bloß aus diesem Grunde fehlen. Manche andere trachten mit großem Ernst den Herrn zu erkennen, erfassen Ihn aber nur einseitig und nicht in der Verbindung mit seinem Königreich, als seiner königlichen Braut, weil ihnen entweder aus Mangel an Fassungskraft selbst der Begriff davon fehlt, oder dieses Geheimnis ihnen von andern nicht deutlich genug dargelegt wird, oder weil sie in Furcht stehen, die Ehre Gottes möchte dadurch auf eine oder die andere Weise verletzt werden. Diese alle weiss Gott nach seiner Güte, Nachsicht und Weisheit zu behandeln.

Doch sagt in dieser Hinsicht der selige Prälat Oetinger in einer seiner Predigten folgendes: "Übersehen ist auch verspielt, und solchen, die in ihrem Leben noch manches hätten erlernen können, sich aber dazu nicht angeschickt haben, wird, wenn sie auch selig werden, doch etwas ermangeln, nämlich das, was sie in ihrem Leben entweder aus Trägheit oder aus Eigensinn nicht haben erkennen wollen. "

Daß wir aber wieder auf die Geistesgaben kommen, welche gewissen Seelen durch den hohenpriesterlichen Geist Jesu erteilt werden, so ist nötig, die Wahrheit zu bezeugen, dass nämlich allerdings die Gaben des Geistes, welcherlei Art sie auch sein mögen, für manche Seelen eine schwere Versuchung werden können, während sie hingegen für andere ein ebenso reichhaltiges Mittel sind, die echte, Gott wohlgefällige Demut auszuüben, und dieselbe vor Gott und solchen Menschen, die Augen haben, sie an ihnen zu erkennen, in ihrem höchsten Glanze in tiefer Einfalt darzulegen. Denn erst da kann sich die wahre Demut in ihrem eigentlichen Werte als Demut erzeigen, wo eine reiche Salbung des Geistes oder andere Gaben zum Stolze und zur Aufgeblasenheit Ursache geben könnten. Ein am Geiste Schwacher und Blödsinniger hat ebenso wenig Ursache, stolz zu sein, als ein leiblich armer und krüppelhafter Mensch; sein Stolz wäre vielmehr bloßer Unverstand.

Der wahre Demütige verlangt auch keine ausserordentliche Gaben, um damit zu glänzen oder einen Beruf dadurch zu haben, der ihn über andere stelle; ihm genügt es, wenn er Gott hat. Denn wenn er jenen Glanz und Würde auch durch vieles Flehen und Anhalten erlangen könnte, so würden sie ihm, wenn er nicht in der Demut beharrte, doch nur zum Strick werden und bei schlechter Anwendung ihm das Urteil Gottes zuziehen. Was ihm aber Gott nach seinem freien Willen zuteilt, das nimmt er mit einfältigem Herzen an, und zwar nicht um zu glänzen, sondern um sich selbst und andern zur Ehre Gottes dadurch nützlich zu werden. Er opfert überdies diese Gaben Gott täglich wieder auf und lässt sie sich auch von Gott, wenn es seiner Weisheit gefallen sollte, willig wieder nehmen. Auf diese Weise bleibt er in geistiger Armut stehen und ist dabei ärmer als mancher, der wenig oder gar keine Geistesgaben besitzt. Ein solcher geistlich Armer, der aber doch reich ist, lässt es sich auch gefallen, wenn er mit seinen von Gott empfangenen Gaben von neidischen Brüdern oder von eifersüchtigen, am Lichte Gottes blinden Pharisäern und Schriftgelehrten dieser Zeit verachtet, oder gar verlästert und in den Kot getreten wird. Bei dergleichen Herabwürdigungen und Verkennungen gewinnt eine licht- und gabenfähige Seele am meisten, wenn sie dieselben in Demut und mit innerem Gleichmut ertragen mag. Sie sind auch gerade das beste Mittel, die schon erlangten Geistesgaben noch mehr zu heiligen und das Gefäß reiner und höherer Gaben empfänglich zu machen. Ja, der Ewige und Wahrhaftige bestätigt es hier feierlich mit einem Ja und Amen, daß eine solche Herabwürdigung reiner, göttlicher Geistesgaben für einen Haushalter göttlicher Geheimnisse eben die echte Salbung und die Priesterweihe ist, womit auch Jesus in den Tagen seines Fleisches gesalbt und dadurch zu einem Hohenpriester über das Haus Gottes gemacht worden ist.

Gott kann es einer licht- und gabenfähigen Seele niemals an Demütigungen mangeln lassen, weil sie sich sonst leicht erheben könnte. Darum hat Er auch nach seiner geheimen Ordnung, durch welche alle Naturkräfte ihren Gegensatz erhalten haben, solchen Geistesgaben ebenfalls ihr Gegengewicht verordnet, wie Er denn selbst dem Apostel Paulus einen Pfahl ins Fleisch gegeben, auf dass er sich der hohen Offenbarung nicht überhebe.

Indessen sollte dieser Widerstand gegen das Lichtreich sich doch niemals bei solchen offenbaren, die den Herrn suchen und Ihm zu dienen begehren, weil sich dazu immer andere Werkzeuge finden, die durch ihr Leben und Wandel dem Satan offenbar dienen. Vielmehr wehe dem, der, wenn er auch einerseits der göttlichen Gerechtigkeit als Organ dienen muss, sich vom Feinde als ein Werkzeug zur Demütigung einer lichtfähigen Seele gebrauchen lässt und Ärgernisse gibt; denn der Feind beabsichtigt in Ausführung solcher göttlichen Pläne niemals Gottes Ehre, sondern sucht einzig und allein seine höllischen Pläne dadurch zu erreichen.

Je mehr die Zeit herannaht, wo Gott in Christo, selbst mitten in der zum Teil schon angebrochenen Versuchungsstunde, seinen lichtfähigen Kindern die Salbung des Heiligen Geistes in einem höheren Grade als bisher erteilen wird, desto genauer wird Er es nehmen, wenn diese Salbung in seinen Kindern und Haushaltern seiner Geheimnisse verachtet oder gar verlästert wird, weil dann die Sünde wider den Heiligen Geist wirklich wieder begangen werden kann, wie sie einst am Herrn selbst, da Er auf Erden wandelte, sowie auch an seinen vom Heiligen Geist erfüllten Aposteln begangen worden ist.

Doch ist wohl zu verstehen, dass alles das, was hier von Verkennung oder Verlästerung eines Haushalters göttlicher Geheimnisse oder irgendeiner lichtfähigen Seele gesagt wird, keineswegs die brüderlichen Ermahnungen und Zurechtweisungen betrifft, die man ihnen geben könnte, weil sie wie andere, ja noch mehr, den Versuchungen des Feindes ausgesetzt sind und nach ihrem anklebenden Verderben auch mannigfaltig fehlen können.

Solche Seelen werden auch die Ermahnungen, die ihnen von aufrichtigen Brüdern zukommen und die, statt unerlaubt zu sein, vielmehr im Worte Gottes befohlen sind, in Liebe annehmen, so sie anders wahrhaft in der Demut stehen. Ist ja selbst der Apostel Paulus dem hohen Apostel Petrus, der ein Fels genannt wurde, bei einem Anlass ohne Furcht unter die Augen gestanden, und dieser hat seine Zurechtweisung brüderlich angenommen (Gal.2,11).

Ein von Gott erleuchtetes, mit Geistesgaben begnadigtes Organ wird auch niemals geringachtend auf andere Brüder herabsehen, sondern sie höher achten als sich selbst; denn das ist das wahre Kennzeichen echter göttlicher  Geistesgaben, wenn sie den Besitzer zur wahren Demut führen. Dennoch aber bleibt es dabei, dass solche Seelen wirklich das Wissen haben, dass der himmlische Vater in Jesu vom Aufgang der Sonne sie besucht hat und noch besucht, und sie dürfen dies zu rechter Zeit auch bekennen; denn seine von Gott erlangte Gnade aus Menschenfurcht oder Menschengefälligkeit verleugnen, ist eine falsche Demut und wird zur Sünde gerechnet. Ein solches Benehmen wird gar oft vom Herrn mit Entziehung der Lichtgaben oder mit andern Züchtigungen bestraft. Ebenso wahr bleibt es indessen auch, dass begnadigte Seelen nicht mit der erlangten Gnade prangen, sondern sie in einem lautern Sinne zur Ehre Gottes und zum Dienste des Nächsten anwenden.

Nun so wisse, dass Gott in dieser Schrift um der Wahrheit willen gesprochen hat, weil die Zeit herannaht, wo die hier verhandelte Wahrheit, die auf das in der Heiligen Schrift geoffenbarte Wort Gottes gegründet ist, denjenigen, für welche sie gegeben ist, wohl zustatten kommen wird, die darum auch durch den Geist der Wahrheit ermahnt sind, alles hier Gesprochene wohl zu Herzen zu fassen. Amen !