Zeugnisse von Joh. Jakob Wirz (1. Band)

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Die Schöpfung der himmlischen Reiche und unsrer Erdenwelt (S.128 ff)

Der Fall Luzifers und Adams.

Die Anstalten Gottes zur Wiederbringung des Gefallenen

 

Eröffnung vom 12. Februar 1828

In dem Namen des hochgelobten Heilands, Jesu Christi, der uns errettet hat von der Obrigkeit der Finsternis, und uns versetzt hat in das Reich seines Lichts. Amen!

In dem grossen Geheimnis dieses Namens, in Gott Vater, Sohn und Heiligem Geist, als der göttlichen Einheit, lagen vor Grundlegung der Welt verborgen alle Schätze der Weisheit und alle göttlichen Kräfte. Dieses Geheimnis hat sich aber geoffenbart durch die Menschwerdung des Sohnes Gottes, wie die Heilige Schrift spricht: "Kündlich groß ist das Geheimnis der Gottseligkeit: Gott ist geoffenbart im Fleisch" (1. Tim.3, 16). Dieser Sohn Gottes wurde gekreuzigt in der Welt, ist auferstanden aus der Erde und aufgefahren in die Lichtwelt, wo Er nun in seiner Gottmenschheit herrscht über alle Cherubim und Seraphim, über alle Fürstentümer der Engelwelt, über alle Geheimnisse in der Erde, über alles Erschaffene, das sich auf derselben befindet, sowie Er auch über das Geheimnis der finsteren Welt ein unumschränkter Herr ist. In der alles durchdringenden Kraft seiner heiligen Tinktur fasst Er nun, als das immer sprechende Wort, alle Dinge zusammen, und durch sein mächtiges Werde wird Er alles erneuern. Amen.

In diesem Namen schreibe ich armer Erdenwurm etwas von diesem Geheimnis, von dem ich aber nur lallen kann. Ich schreibe es euch, die ihr nach der göttlichen Wahrheit und Erkenntnis forscht, und die ihr mit mir durch einen göttlichen Willen gezeugt, und zu dem gleichen himmlischen Beruf erwählt seid, nach dem Willen Gottes, der euch die Geheimnisse seines Reichs nicht vorenthalten will. Das danken wir unserem Erlöser. Amen!

Im Anfang war das Wort, nämlich der Grundstoff der heiligen Urwelt, worin alle Dinge wie in einem Nichts, sich selbst unbekannt, in dem göttlichen Geheimnis verborgen lagen, nur dem göttlichen Verstand bekannt; welches wir mit unseren bildlichen Worten nicht anders auszudrücken vermögen.

Dieses göttliche Geheimnis offenbarte sich durch den Willen Gottes, des höchsten Geistes. Sobald der göttliche Wille sich zu bewegen anfing, so traten die Dinge, welche in der Urwelt verborgen lagen, an das Licht der göttlichen Sonne. Die Kräfte des göttlichen Verstandes erblickten nun alles, was aus dem tiefen Raum der Ewigkeit hervortrat; und alles, was der heilige Wille Gottes geboren hatte, das spiegelte sich in dem göttlichen Licht, als dem Auge der Ewigkeit, und lag klar und aufgedeckt vor Ihm.

Da das göttliche Wesen rein und lauter, ohne eine gemischte Begierde war (weil Gott in seinem Willen einig ist), so war auch alles rein und heilig, was durch diesen Willen hervortrat. Denn nur durch die Einheit, Heiligkeit und Unschuld des Willens kann ein Ding rein und lauter an das Tageslicht geboren werden.

In allen diesen Dingen, welche nun gleich (und auch später) an das Licht traten, erblickte sich der göttliche Wille, und der göttliche Verstand sah in diesem Spiegel, was nachher aus diesem allem werden sollte.

Alle Dinge waren gut, nirgends war ein Fehler oder Gebrechen. Der Wille Gottes, als die bewegliche Substanz des ewigen Urwesens, sprach oder schuf alles. Mit seinem Verstand, der mit seinem Willen in vollkommener Harmonie steht, ermass Gott alle Dinge, wie weit sie sich erstrecken sollten. Das ewige Wort, welches nur einigermassen von dem reinsten Geist der stillen Ewigkeit kann begriffen werden, sprach oder zeugte, vereint mit dem göttlichen Willen, fortwährend neue Dinge, oder Geschöpfe, und vermehrte die Substanzen, welche sich in Formen gebildet hatten, und nur noch dem Auge der Ewigkeit offenbar waren. Davon zeugte Jesus auf Erden selbst, als Er sagte: Ich war, ehe noch ein Tag war. Durch dieses göttliche Wesen, oder ewige Wort, als die schaffende Kraft, das mit dem Willen des Einigen einig und ihm untertan war, wurde alles gemacht, was sich in dem göttlichen Licht offenbarte und nur Jehova offenbar sein konnte, weil die hervorgetretenen Dinge noch ohne Selbstempfindung waren.

Aber so wie Gott einst sprach: Es ist nicht gut, dass der Mensch allein sei; so erblickte sich Gott in seinem Sohn, als der Ausgeburt des ewigen, unerschaffenen Wesens der Lichtwelt, das Innere oder das Herz genannt, und sprach: Lasset uns Wesen schaffen, mit welchen wir unsre Freude teilen. Da eröffnete sich die Empfindlichkeit in dem göttlichen Wesen, und strömte durch ihre Lichtskräfte ein empfindliches Leben in die sich nahe befindenden Formen und Substanzen ein. Gott schuf diese Wesen nach seinem Ebenbild, dass jegliches nach seinem Willen sich durch sich selbst bewegen konnte, welches die erste Bewegung im Lichtreich war.

Aber noch standen die niedrigen und entfernteren Dinge als leblose Formen vor Gottes Angesicht da. Jene erst geschaffenen Dinge (Erstgeburten) erblickten sich nun gegenseitig, und was vorher unbeweglich war, bewegte sich nun in und nach dem göttlichen Willen, der in ihnen lebend wurde.

Aber kein Laut, keine Stimme ließ sich noch hören. Alles sah sich nur im heiligen Urlicht, und die Freude aller war die empfindliche Liebe, weil alles aus dieser reinen, himmlischen Substanz ausgegangen war. Nun freute sich der Vater, oder der göttliche Wille, in seinem Sohn über die Mehrheit dieser göttlichen Geschöpfe; denn alles dieses gehörte noch zum reinen, göttlichen Wesen. Aber fortwährend sprachen die Eigenschaften Gottes, welche alle Dinge in sich selbst enthalten, und bildeten durch eben die neugeschaffenen Wesen, und aus ihnen, wiederum neue Dinge, so dass eins aus dem andern ward. Also wurde auch das Werde und durch das fortwährende Sprechen Jehovas die Engelwelt gebildet, und Gott freute sich darin; denn es war nichts darin, das nicht Gott gleich war.

Die erstgeschaffenen Dinge oder Wesen waren nur die bildenden Kräfte, in himmlischen Figuren gestaltet. Sie enthielten die innere Form eines Geistes, mit einem Angesicht versehen, und bildeten die erste Hierarchie. Aus diesen Figuren bildete Gott die reinen Lichtsgeschöpfe, Engel genannt, welche schon mit mehr Leiblichkeit umgeben und mit verschiedenen Eigenschaften und Farben versehen, aus dem innersten Lichtsraum geboren und dadurch geadelt waren. Noch standen aber diese Wesen in völliger Gleichheit miteinander, weil die verschiedenen Eigenschaften, welche dem Grunde nach schon in ihnen lagen, noch nicht offenbar geworden waren, bis Jehova dieselben durch seinen Willen beweglich machte. Nun bewegten sich diese Engelsgeschöpfe, welche die zweite Hierarchie bildeten, nach ihren verschiedenen Eigenschaften mit jenen ersteren Lichtwesen um die Lichtwelt herum, und freuten sich gegenseitig mit ihnen als lebendige Geister. Was sich vorher nie sah noch erkannte, das erblickte sich jetzt in dem göttlichen Willen. Eben also erblickte sich Jehova in seinen Kreaturen, und erfreute sich des Werks seiner Hände. Selbst der erstgeschaffene Fürst Luzifer sah und erkannte sich nur in Gottes Licht und Willen, und durch das göttliche Auge.

Aber noch lag die untere Welt, die dritte Hierarchie, die noch bloß in Bild und Form bestand, und nur von Gott in sich selbst erblickt werden konnte, leblos vor seinem Angesicht da, bis Jehova in seinem ewigen Wort und Willen sich bewegte, und auch diesen Formen ein Leben einsprach.

Jene erst erschaffenen Engel und Kräfte, von denen oben gesprochen wurde, dienten den Eigenschaften Gottes, um vermittelst ihrer Tugenden und Kräfte in die weiter entfernten Dinge zu wirken, die verschiedenartigen Eigenschaften auszubilden, und dadurch den Raum der Ewigkeit in seinen entfernteren Teilen auszufüllen. So nahm also eins aus dem andern sein Bestehen, und weil alle diese neugeschaffenen Kräfte sich nur in dem göttlichen Willen bewegten, so erfreute sich Gott darin und sah, dass alles gut war.

Der Lichtraum war nun geschieden von dem grossen Weltraum. In die mittlere Welt, die Engelwelt, setzte Gott die himmlischen Geister, mit Kräften versehen, und bestimmte sie zu Wächtern über die verschiedenartigen Kreaturen, die zwar von weit geringeren Eigenschaften als jene waren, aber sich einzig und allein im Willen Jehovas bewegten. Obgleich sie sich in dem äusseren Raum befanden, so erkannten sie doch darin keine Entfernung, weil Gott in seinem Lichtsraum in allem und durch alles sich mitteilen kann. Es bestand zwischen den drei Hierarchien keine Trennung, sondern sie waren wie Geist, Seele und Leib miteinander verbunden, und was vorher von einer weiteren Entfernung gesagt wurde, ist nur bildlich zu verstehen.

Noch aber war kein fixer Grund, oder kein Element geschaffen. Und Gott sprach: Lasset uns Elemente machen, die fest sind, und in denselben Räume, damit jedes Wesen sich in seinem eigenen Raum bewege nach seiner Eigenschaft und Tugend! Und es wurden Substanzen, die zu einem Aufenthalt dienten den verschiedenen himmlischen Geschöpfen, welche sich nun freuten, dass sie einen ihrer Natur und ihren Eigenschaften angemessenen Raum erblickten. Aber kein Wesen beneidete das andere, obgleich sie sich in verschiedenen Räumen erblickten; denn alles stand in vollkommener Harmonie nach dem göttlichen Willen.

Aber bald empörte sich der Fürst aller Fürsten eines grossen Teils der beweglichen Welt Gottes, indem er sich durch einen unvorsichtigen Blick ausser dem Willen Gottes in dem seinigen erblickte, mit seinem Willen und Verstand sich in den unteren Raum neigte, und in eine eigene Annehmlichkeit einging, indem er die geschaffenen Dinge, bei deren Hervorbringung er Gott nur als ein Werkzeug gedient hatte, sich selbst zueignete, und sich darin betrachtete.

Noch war ihm indessen der Lichtraum offen, um seinen Willen und Verstand wieder in den göttlichen Willen einzuführen. Da aber jedem himmlischen Wesen ein freier, ungezwungener Wille verliehen war, so wollte Gott auch keine Gewalt gebrauchen, um diesen Fürsten zum Gehorsam zurückzuführen, sondern Er ließ sich durch eine Ihm eigene Demut zu demselben herab. Aber diese Demut und Herablassung Gottes gefiel dem Luzifer nicht; er achtete dieselbe unter sich, und sein Hochmut entzündete sich dadurch noch mehr, also dass die Feuerwelt, die vorher nur verborgen in ihm lag, weil sie mit der Lichtwelt in einer inneren Harmonie stand, das Zentrum dieser Verbindung sprengte, aus ihrem Mittel hervortrat und sich offenbarte. Gleicherweise entzündete sich im Zornfeuer auch seine ganze Hierarchie, samt allen Engeln, welche in der Macht des göttlichen Willens und der erstgeschaffenen Kräfte der göttlichen Einheit durch diesen Fürsten geschaffen worden waren, und dadurch mit ihm in einem genauen Zusammenhang standen. Nun brach der entzündete Salniter los, und die ersten Stimmen liessen sich hören; denn weil der entgegengesetzte Merkur, nämlich der innere, geistige Merkur, nach der Sanftmut Gottes, als das göttliche Salz (ein Gegensatz des feurigen Merkurs) noch Widerstand leistete, so rollte das entzündete Zornfeuer gegen diese sanfte und milde Substanz an, und das Feuer, welches in dem Hochmut verborgen ist, vermehrte sich, je mehr die göttliche Sanftmut ihm aus dem Wege wich, bis endlich kein Engel dieser Hierarchie mehr war, der nicht durch das Feuer erschüttert und in die Empörung hineingezogen wurde.

Noch wäre Raum gewesen zu einer Umkehr in den Urwillen Gottes; denn Gott sandte dem Luzifer neue Kräfte zu, nämlich den feuertötenden Merkur, um durch dessen tötende Eigenschaft wieder neue himmlische Kräfte in diesen Fürsten einzuführen, und ihn mit dem göttlichen Willen, mit dem Salz aus der göttlichen Eigenschaft, wieder zu versehen. So sucht Gott auch die Menschen durch das Salz der Leiden wieder zur Demut, und durch die Demut unter den göttlichen Gehorsam zu bringen. Da aber dieser Fürst schon feststand in dem Gefallen seines eigenen Willens, so empörte er sich nur noch mehr, und versuchte seine in Eigenheit gefallenen Kräfte an diesem sanftmütigen Salz der niedrigen Demut, um es zu überwinden und darüber zu herrschen. In seinem Hochmut drängte sich dieser abgefallene Lichtsengel gegen den innersten Lichtsraum, und suchte den Frieden in demsefben zu stören. Da aber die erst geschaffenen Geister samt dem Fürsten der übrigen Hierarchien an Gottes Willen festhielten, so bewegten sich diese aus ihrem Lichtsraum, und alle Kräfte des Himmels boten sich auf, gegen dieses fremde Feuer zu streiten, das sich schon teilweise in dem Lichtsraum entzündet hatte. Da nun diese himmlischen Kräfte sehr mächtig waren, und von der göttlichen Einheit durch neue Kräfte unterstützt wurden, so wichen die abgefallenen Geister in ihrem entzündeten Raum in die unteren (oder entfernteren) Teile hinab. Nur wenige der Engelsfürsten und ihrer Untergebenen sahen den Fall ein, kehrten um und wandten sich wieder zu der göttlichen Einheit, um sich von dem heiligen Willen Gottes aufs neue versehen zu lassen.

Nun war aber der Ort oder Raum, aus welchem diese abgefallenen Geister hinausgedrängt wurden, von den giftigen Feuer-Substanzen angesteckt, nämlich der Raum, wo jetzt unsere Welt steht. Aber ungeachtet dieser Ansteckung war derselbe doch, in Ansehung der darin vorherrschenden Lichtsfärbung, noch rein und gut, weil der Feind nicht Zeit genug gehabt hatte, seine Feuerkräfte gänzlich in diesen Raum einzuführen, und Gott dem zurückgelassenen Gift zuvorkam. Denn weil Gott voraussah, dass der göttliche Salniter in den unteren Kräften und Substanzen dieser himmlischen Erde durch die Ansteckung des im Feuer des Hochmuts empörten Salniters sich ebenfalls entzünden wollte, so schuf Er eine neue Welt, und bildete die vorhandenen Substanzen zu grösserer Festigkeit und körperlichem Wesen. Diese neue Erde segnete Gott mit leiblichen Kräften, welche den niedrigsten Kräften der himmlischen Welt entsprossen sind. Die Eigenschaften, welche vor Erschaffung dieser neuen Welt in einer völligen Harmonie standen, teilten sich nun mehr auseinander, und jede bildete sich nach ihrer Art, alles aber nach dem Gleichnis, wie die Dinge (dem Innern nach) in himmlischer Form gestaltet waren. Es war alles gut und heilig, bis auf die Ansteckung, welche der Feind und Widersacher zurückgelassen hatte, die aber Gott in ihre Grenzen einschloss.

Als aber Gott den ersten Menschen, Adam, geschaffen und durch seinen Geist ihm das Leben gegeben hatte, entstand in dem Satan und den mit ihm abgefallenen Engeln ein grosser Zorn. Satan versuchte mit Gewalt aus seinem verschlossenen Ort durchzubrechen, um wo möglich diesen neugeschaffenen Raum und dessen körperliche Substanz durch sein Zornfeuer zu verderben. Er schlug sich auch zum Teil wirklich durch, wurde aber durch die feste Leiblichkeit dieses Raumes gehindert, weil er die in diesem neuen Raum liegenden Kräfte nicht besaß und nicht kannte, bis Adam durch die Abweichung vom Willen Gottes, durch welche gerade der Satan in die finstere Welt gefallen war, ihm diese neuen Kräfte zueignete.

Gott schuf Adam nach dem reinsten Bilde, ganz heilig und unschuldig. Er war mit allen Kräften versehen, alles zu erkennen und zu fassen, was in der Erde, in den Firmamenten und in allem Geschaffenen enthalten war; denn er war nach dem Ebenbild Gottes gemacht, und als Gottes Stellvertreter ein Auszug und das Edelste alles Geschaffenen. Adam war auf diese Erde gesetzt als ein Fürst, und zugleich als ein Vater, um Kinder hervorzubringen nach göttlicher Weise, ohne Zerreissen des Leibes. Er hätte aber einige Zeit einsam leben sollen, bis der göttliche Wille, mit dem seinigen vereinigt, neue Kreaturen durch ihn ausgesprochen hätte.

Es war dem Adam gegeben, mit seinem linken Auge, dh. mit den niederen Kräften seiner Seele, in die Eigenschaften dieser Welt und auf die geschaffenen Kreaturen zu blicken und sie zu erkennen. Allein sein rechtes Auge, oder die obersten Seelenkräfte, als der Geist, sollte unablässig nach dem göttlichen Licht und Willen gerichtet bleiben. Da er aber sah, wie die Tiere sich liebten und sich begatteten, so sank sein rechtes Auge, oder die obersten Seelenkräfte, durch eine anhaltende starke Einbildungkraft in jene sich begattenden und gebärenden Kreaturen. Sein rechtes Auge vereinigte sich mit dem linken, das für sich allein auf die Erkenntnis der Kreaturen hätte gerichtet bleiben können; und so wandte er sein Haupt und seinen Willen von dem göttlichen Willen und der Weise des Lichts ab.

Durch diese falsche Einbildung, durch welche er in einen Schlaf gefallen war, gebar Adam in sich einen Tiermenschen, doch immer noch nach göttlicher Eigenschaft. Diesen neu erzeugten Menschen nannte er Eva, oder Männin, und Gott gab ihr durch die Kräfte, welche in Adam lagen, einen göttlichen Geist, damit diese zwei Eins sein sollten. Diese Eva, welche aus Adam entsprossen war, brachte indessen nicht sofort einen festen Erdenleib auf die Welt; sie war anfangs nur ein zauberisches Bild, und wurde erst nachher mit irdischem Wesen umgeben durch Adam, der alle Kräfte dieser neugeschaffenen Welt in sich enthielt und sie (die Eva) nach und nach zu einer förmlichen Kreatur ausbildete. So tat Adam seinen ersten Fall, ohne welchen er, wenn er durch sein Lichtsauge mit Gott vereinigt geblieben wäre, keine andere als göttliche Kinder hätte ausgebären können.

Der Schlaf, in welchen Adam fiel, wie uns die Heilige Schrift berichtet, war kein gewöhnlicher Schlaf nach der jetzigen Weise. Es war eine Finsternis, die ihn überfiel und ihn in eine tiefe Erstarrung versenkte, in welcher die finstere Welt ihm zum erstenmal offenbar wurde, und einen Teil seines Leibes überzog. Dieser Zustand konnte wohl ein Schlaf genannt werden, weil während desselben der größte Teil der göttlichen Kräfte in Adam erschlaffte, und die unreinen Kräfte, die er durch die falsche, tierische Einbildung in sich eingesogen hatte, seine seelischen Kräfte bearbeiteten und abstumpften.

Mit einem heiligen Unwillen blickte Gott auf den schon halb gefallenen Menschen; doch tötete Er ihn nicht und liess ihn noch nicht vertreiben, sondern segnete ihn vielmehr, dass er sich mehren sollte. Aber ein grosses Trauern entstand im Himmel, weil die reinste Unschuld des ersten Menschen verloren war. Und nicht nur waren die himmlischen Kräfte in diesem ersten Menschen geschwächt; er führte auch wie mit einem Blitz unreine Eigenschaften in die niederen Kräfte der heiligen Natur, mit welcher er (und dieselben mit ihm) in genauester Verbindung stand. Alsbald überzog sich der Himmel mit einem dichten Nebel, und der erste Regen fiel herab. Dieser erste Regen darf also nicht dem reinen, göttlichen Willen zugeschrieben werden; denn obgleich er nach der Weisheit Gottes, die alles zum Besten lenken kann, das Land befeuchtete und fruchtbar machte, so lag doch in dieser Erscheinung der Anfang einer Trennung der sonst in Harmonie gestandenen Elemente. So ist also der erste Fluch nicht von Gott ausgegangen, sondern von Adam, der das Zentrum aller Kräfte dieser neuen, gottgeheiligten Erde in sich trug. Wer vieles zu verwalten hat, der kann auch vieles verderben.

Im Anfang war der göttliche Regen eine reine Substanz, die aus dem reinen, himmlischen Element floss, und als ein reiner Tau die himmlische Erde, welche noch keines eigentlichen Regens bedurfte, zu ihrer Befruchtung befeuchtete. Sobald aber Adam seine Kräfte zu den niedrigeren Dingen neigte und sie von den obersten abtrennte, geschah auch eine Trennung in den niederen Kräften der Natur, die vorher mit den oberen Kräften in der genauesten Verbindung gestanden waren. So zog also der erste Fall Adams auch den Fall in der Natur mit sich.

Adam erkannte nun sein Weib; dh. er erkannte sie als ein Weib, oder eine Männin, und erblickte in ihr die Ideenfigur, in welche er sich vorher eingebildet hatte. Sie war nach dem Bilde gemacht, in welches er durch seinen eigenen Willen nach tierischer Begierde selbst eingegangen war. So war nun das wahre Ebenbild Gottes nicht nur zertrennt, sondern auch verunstaltet, nicht nur an seinem Weibe, das aus ihm entsprossen war, sondern auch an ihm selbst. Tierische Zeichen bildeten sich an ihrem Unterleibe und an ihren Brüsten. Der innere Mensch nach seiner Heiligkeit war nun halb entwichen, weil durch die Ausgeburt der Eva der Wille getrennt wurde. So war also das erste Bild Gottes zertrennt und zur Hälfte verloren, das doch in der Vereinigung hätte bleiben sollen, um in einem Willen wirken zu können. Wer nun ein Weib nimmt aus tierischer Lust, der macht sich an seinem Leib der tierischen Natur teilhaftig, und weil er noch dazu mit den seelischen Begierden in diese Lust eingeht, so wird sein innerer Mensch grossen Schaden leiden, und das Ebenbild Gottes, welches in dem Innersten seiner Seele verborgen liegt, zugrunde gehen. Einem solchen wird es schwer, ja manchem sogar unmöglich sein, jemals das wahre göttliche Ebenbild wieder zu erlangen, weil Gott, als ein reiner und heiliger Gott, nach seiner Reinheit eine solche tierische Vermischung nie zugeben, noch ihr beiwohnen kann. Nur durch eine gänzliche Umwendung und entschiedene Verleugnung dieses tierischen Prinzips, durch die völlige Aufopferung aller dieser Neigungen und Begierden, kann der Mensch wieder zu seiner vorigen Unschuld gelangen. Doch kann das nicht geschehen, ohne das Feuer des Cherubsschwerts zu durchdringen, welches nur wenige auszuhalten vermögen. Manche, die es in der Verleugnung dieser Neigung schon weit gebracht haben, fallen dennoch wieder zurück, weil sie nicht völlig haben durchdringen mögen, um diesem tierischen Prinzip von Grund aus abzusterben. Das gilt dem weiblichen Geschlecht wie dem männlichen.

Unsere ersten Eltern lebten zwar noch einige Zeit in der Unschuld, weil Gott es ihnen nicht sogleich zuliess, sich auf tierische Art zu vermischen. Noch damals hätten sie ihren Willen wieder zusammenführen können, um auf magische Art Kinder hervorzubringen. Aber sie führten den schon geschiedenen Willen nicht wieder zusammen, weil sie schon zu tief in die Eigenheit gefallen waren.

Jetzt kam für sie die letzte, entscheidende Probe, ob sie ihre Einbildungskraft und ihren freien Willen wieder in Gott einführen und Ihm den schuldigen Gehorsam leisten wollten, als Jehova ihnen das erste Gesetz gab, nicht von jenem Baum zu essen. Die ewige Liebe sah nämlich ein, dass der Satan durch die Wirkung des ersten Falls Adams die heiligen Kräfte der Natur verderbt hatte, dass das finstere Prinzip schon in manchen Teilen der Erde und ihrer Früchte sich zu entwickeln anfing, und die Erde durch die Schlangenlist Luzifers angesteckt worden war. Jehova kündigte dem Adam und seinem Weib diesen Unfall an, und ließ sie nicht ohne Belehrung über den Fall, der in der Natur vorgegangen war. Aus sich selbst konnte Adam die Veränderung, welche sich in der Natur ereignet hatte, nicht mehr erkennen, weil er durch die Trennung seines Willens von dem göttlichen Willen das wahre Licht der Vernunft verloren hatte, und sein Weib ihren Willen und die Eigenschaften ihrer Vernunft nicht wieder in die Vernunft Adams einführte, dass aus diesen zwei Teilen wieder eine ganze Vernunft geworden wäre. Sie selbst hatten sich mit Blindheit geschlagen, und nicht Gott.

In den Baum der Erkenntnis des Guten und Bösen flossen nun die schon halb verdorbenen Säfte der Natur ein, und entwickelten sich in seiner Frucht. Das Gesetz, von diesem Baum nicht zu essen, war aus Liebe gegeben, weil das finstere Prinzip sich in dem Baum eröffnet hatte. Nicht um nur ihren Willen zu prüfen, gab Jehova diesen zwei ersten Menschen jenes Gesetz; denn Er wusste zwar wohl, was sie tun würden. Er gab es aus Liebe zu ihnen, weil Er vorher sah, dass wenn sie von dieser Frucht, die eine finstere Kraft enthielt, äßen, sich in ihnen gleichfalls der Anstrich der finsteren Welt offenbaren würde. Und so geschah es auch. Sobald sie davon gegessen hatten, zog sich das göttliche Lichtwesen in den innersten Teil ihrer Seelen zurück, und die finsteren Kräfte überzogen sie.

Nun war der zweite Fall geschehen, dessen Wirkungen sich auf der ganzen Erde, ja in der ganzen Natur ausbreiteten. Die Elemente trennten sich, und die guten Eigenschaften schieden sich von den bösen. Das Böse, oder die finstere Kraft, trat aus dem Feuergrund als ein Zornfeuer hervor, wie bei dem Fall Luzifers schon zu sehen war. Jene Trennung ist also nicht als die Folge eines Fluchs anzusehen, den Gott über die Erde ausgesprochen hätte; ebensowenig als das Verbot Gottes, von jenem Baum zu essen, eine bloße Probe des Gehorsams der ersten Menschen war. Gott, der ihren Fall schon zuvor erkannte, gab das Gebot nur aus Liebe, um sie vor demselben zu bewahren. Als aber der Fall erfolgt war, gingen auch in der Natur die Eigenschaften, welche vor dem Genuss der verbotenen Frucht in Einheit standen, in Trennung auseinander. Da traten Wind, Regen und Schnee, Blitz, Donner und Hagel, Hitze und Kälte hervor und vereinigten sich, das Gute in der Erde und in der Kreatur zu zerstören. Die getrennten Eigenschaften stritten um die Oberherrschaft. Aber, wie es bei dem Fall Luzifers geschehen war, so widerstand auch hier die Gnade Gottes diesem Uebel durch den in der Natur noch vorhandenen reinen Kern; und obgleich sich derselbe in das Innere zurückziehen musste, so verhütete doch die Kraft dieser Inwohnung durch ihre liebreiche, kräftige Gegenwirkung die gänzliche Zerstörung und Verhärtung der Erde. Ohne diese Gegenwirkung würde aus der Erde eine Hölle, eine Feuerwelt geworden sein. Vor dem Sündenfall waren in der reinen Erde noch keine Steine, keine Felsmassen offenbar; diese gingen erst durch die feindseligen, magischen Wirkungen der in Neid und Zorn entzündeten Elemente hervor. Indem das Feuer die himmlischen Wasser austrocknete, und die Eigenschaften, welche vorher in Verbindung standen, sich trennten, so wurde dadurch an manchen Orten eine steinartige Verhärtung verursacht.

Darin, dass Adam und Eva aus dem Paradies vertrieben wurden, liegt ein großes Geheimnis verborgen, das aber noch nicht geoffenbart werden darf, damit die unreine Welt sich nicht noch einmal versündige an dem so reinen und heiligen Gott.

Nach diesem Fall sank Adam alsbald in Finsternis. Er vertrieb sich selbst durch das Feuerschwert, das durch seinen Fall in ihm offenbar wurde. Nie hätte ein solches Feuerschwert vorhanden sein können, wenn der Feuergrund, der vor dem Fall Adams im Licht verborgen und mit demselben in vollkommener Einheit war, in dieser Harmonie geblieben wäre. Gott ist nicht unseren ersten Eltern im Grimm entgegengegangen, wie es nach den Worten der Heiligen Schrift vielleicht verstanden werden könnte; denn Gott ist die Liebe, und wer in der Liebe bleibt, der bleibt auch im himmlischen Paradies. In jeglicher Seele steht der Cherub mit dem Feuerschwert. Dieser Cherub offenbart sich, sobald der Mensch sich von der Liebe und von dem Willen Gottes, der die Liebe ist, scheidet. Auch steht der Baum der Erkenntnis des Guten und Bösen ebensowohl in jeder Seele, wie er in jenem Garten stand. Vor dem ersten Fall Adams war jener Baum und seine Frucht ebenso gut als andere Bäume und Früchte, die sich in dem Garten befanden.

Adam wurde nun samt seinem Weib aus seinem himmlischen Vaterland entfernt; denn Gott sah ein, dass es nicht gut wäre, wenn diese zwei Menschen sich noch länger in diesem Garten aufhielten, und dass sie, wenn sie sich an diesem heiligen Ort auf tierische Weise vermehrten, dadurch ihren Fall nur vergrössern würden. Diese Sprache Gottes stimmte mit der Sprache des Gewissens dieser zwei Menschen überein. Daher entstand die Furcht, die sie nach ihrem Fall antrieb, sich vor dem allsehenden Jehova zu verstecken; denn der Friede Gottes und das Zutrauen zu Ihm war von ihnen gewichen, und das Paradies der Seele hatten sie verloren, noch ehe sie aus dem Ort vertrieben wurden.

Von Stund an wichen Adam und sein Weib von dannen, und suchten sich einen andern Ort, um daselbst zu wohnen und sich zu ernähren.

Adam erkannte aber bald, dass allenthalben auf der Erde ein großer Unterschied in Hinsicht der Fruchtbarkeit sich zeigte. Er erwählte sich den fruchtbarsten Ort in den wasserreichen Gegenden des unteren Nilus, wo dieser Fluß sich damals in den Phrath ergoß. Nach der Sündflut sind diese Verhältnisse anders geworden, weil durch dieselbe viele Ströme eine andere Richtung erhalten haben. Da ein Teil des Landes, welches damals Ägypten mit Arabien  verband, durch das gewaltsame Ausströmen des Wassers aus der Tiefe der Erde verschüttet wurde, so verlor sich der Nilstrom, der sonst seinen Lauf über jenes versunkene Land genommen hatte, in das Mittelländische Meer.

An diesem Nilstrom hielt sich Adam mit seinem Weib auf. Dort gebar ihm Heva einen Sohn, den er Kain nannte, mit dem Zunamen Heth. Diesen Zunamen, welchen Adam von Heva hergenommen hatte, verlor Kain später wieder. Er trug die bösen Eigenschaften der Heva an sich, war stolz, eigenwillig und störrigen Sinnes. Danach gebar sie dem Adam den zweiten Sohn, Habel, aus welchem die guten Eigenschaften des Vaters mehr hervorleuchteten. Er war von weit männlicherer Größe als Adam selbst, indem die Natur sich in einer gewissen Vollkommenheit an seinem Körper auszeichnete. Weil er einen friedfertigen Geist besaß, und sich ruhig und still verhielt, so entsprach er seiner Mutter und seinem Bruder Kain nicht ganz, welche beide von lebhaften und leidenschaftlichen Temperamenten beherrscht waren.

Mehr und mehr entfremdeten sich nun unsre ersten Eltern von dem inneren Leben aus Gott. Anstatt nach der Wiedererlangung ihrer verlorenen Heimat zu trachten, verfielen sie auf die Begierde der zeitlichen Güter dieser Welt, und wurden dadurch immer weiter von jener Heimat abgeführt. Nach der Verweisung aus dem Paradies hätte dieses Paar noch Zeit und Kräfte besessen, durch Busse wieder umzukehren und die göttliche Gnade anzuflehen, um durch sie in ihren Urstand, in die Unschuld, zurückgeleitet zu werden. Nachher aber, als sie die Kräfte zu dieser Umkehr verloren hatten, war es zu spät. Je mehr dieses Paar Kinder zeugte, desto mehr zog sich das Lichtsprinzip in den tieferen Grund zurück, und dadurch erfolgte der Verlust der göttlichen Lichtkräfte, der sie vollends unfähig machte, das verlorene Paradies wieder zu erlangen. Doch ließ Gott, der voller Erbarmung ist, den Adam nicht ohne Trost, sondern sprach zu ihm durch das Wort, welches von Anfang war; daß in der Fülle der Zeit der Schlangentreter durch den Leib der Jungfrau sich offenbaren, und der Schlange den Kopf zertreten werde, nämlich durch die jungfräuliche Geburt unsres Herrn. Nicht durch die fleischliche Zeugung des alten Menschen sollte dieses geschehen, sondern durch jene reine Magie, durch welche Adam hätte Kinder zeugen sollen. So erbarmte sich Gott wieder über das gefallene Menschengeschlecht, auf dass alle diejenigen, welche sich durch einen lebendigen Glauben in diesen Weinstock, als in das reine, jungfräuliche Bild, einimpfen lassen, neuerdings als lebendige Rebschosse an Ihm Früchte tragen möchten. Aber aus Tausenden lässt sich kaum einer in Wahrheit dazu tüchtig machen, durch die Gnade Gottes nach der göttlichen Lichtsmagie des göttlichen Samens teilhaftig zu werden. Mit Wehmut muss man wahrnehmen, wie viele gut meinende Seelen sich mit dem Glauben an eine zugerechnete Gnade begnügen, und nicht danach trachten, durch die Vernichtigung ihrer selbst und mit Verleugnung aller fleischlichen Begierden in die wahre Lichtswelt einzutreten.

Nun schreiten wir wieder zu der Geschichte von Abel, der ein frommer Mensch genannt wird; aber seine Frömmigkeit bestand nach den Eigenschaften seines Vaters aus einer Mischung von Gutem und Bösem. Doch war er eines friedlichen Geistes und gefiel dem Herrn wohl, der ihn darum auch mit vielen Gnadenbezeugungen überschüttete, und ihn öfters die Nähe seiner Gottheit fühlen, ja so gar sehen ließ. Sein Wille, der an Gott hing, wurde geneigt, dem geoffenbarten Gott Opfer zu bringen. Gott gab ihm dabei zu erkennen, dass er diese Opfer durchs Feuer anzünden müsse. Dadurch wurde das Geheimnis angedeutet, dass alles tierische Wesen mit Feuer gesalzen, und alles Opfer durch Feuer und Salz geläutert werden müsse, um zur Wiedergeburt zu gelangen, wie der Heiland spricht (Mark.9,49). Darin liegt auch das große Geheimnis des Kreuzes und aller Widerwärtigkeiten. Mit diesem Opfer beging Abel die erste gottesdienstliche Handlung. Gott nahm dieses Opfer nicht etwa darum an, weil Ihm das Fett der Tiere wohlgefallen hätte; denn Er spricht ja durch die Schrift: "Werde ich wohl Ochsenfleisch essen, oder Bocksblut trinken?" und: "Es ist ja alles mein." Der gute Wille Abels machte dieses Opfer dem Herrn angenehm. Wie hätte auch Jehova an dem unreinen Fleisch der Tiere Wohlgefallen haben können, da dasselbe durch Adams Fall ebenfalls zu einer Behausung der bösen Geister geworden war?

Wollen wir nun dem Herrn ein Opfer bringen, das Ihm angenehm sei, so müssen wir dasselbe ebenfalls durchs Feuer gehen lassen und keinen Lohn dafür erwarten. Es wird auch nichts davon übrigbleiben als der Geist im guten Willen, der in dem dargebrachten Opfer verborgen ist, und der am Tag der Vergeltung in dem reinen, göttlichen Element wieder gefunden werden wird. Gott handelt oft wunderbar, indem er wohltätige Menschen rauhere Wege führt als Geizhälse, die niemand etwas gönnen als sich selbst. Dadurch lassen sich manche irremachen, weil sie ein solches Verfahren nicht begreifen können, und glauben, Gott handle ungerecht. Aber solche Menschen bedenken nicht, dass der Herr, während Er solche Wohltäter in schwere Prüfungen und Trübsale kommen lässt, dadurch ihre dargebrachten Opfer durchs Feuer führt. Ueberdies will der Herr jene Seelen noch darauf aufmerksam machen, dass sie nicht durch diese Werke selig werden können, dass dazu etwas mehr erforderlich ist als diese Opfer, nämlich die gänzliche Verzichtleistung auf sich selbst. Darin besteht das reine Opfer, von dem auch Christus selber in der Schrift redet: "Opfer und Gaben hast du nicht gewollt; den Leib aber hast du mir zubereitet" (Hebr.l0,5-7), nämlich den Leib, den Er am Kreuz für uns zum Opfer hingab.

Abel und Kain brachten beide dem Herrn ein Opfer; aber nur Abels Opfer gefiel dem Herrn wohl, weil er es Ihm in kindlichem Glauben und Gehorsam darbrachte. Kain glaubte mit seinem Opfer seine bösen Werke versöhnen zu können, darum würdigte Gott dasselbe keiner Feuerstrahlen, während Er Abels Opfer durch Feuer anzündete. Als nun Kain sich über Abel erzürnte, so sprach die Stimme Gottes zu ihm: Ist es nicht also: wenn du gut bist, so bist du Gott angenehm; wenn du aber böse und neidisch bist, so ruht die Sünde vor der Tür, und du mordest deinen Bruder? Diese Stimme läßt Gott noch heutzutage jeden Sünder auf mannigfaltige Weise hören, ehe Er ihn dem Fall überlässt. Aber durch die tierischen Gedanken der irdischen Sinnlichkeit macht der Mensch sich unfähig, die wahre Gewissensstimme zu hören. Darum muss auch Gott zu so schmerzlichen Mitteln und schrecklichen Gerichten greifen, um solche Sünder aufzuwecken und sie zur Warnung für andere darzustellen.

Wir übergehen das Geschlechtsregister der Nachkommen unserer ersten Eltern, und berühren nur mit wenigem die Sündflut, welche Gott über die Erde kommen ließ, durch welche alle lebendige Wesen, bis auf acht Seelen und wenige Tiere, ertränkt wurden. Von den in dieser Flut umgekommenen Menschen gibt uns der Herr im Neuen Testament durch den Apostel Petrus einige Winke (1.Petr .3,19-20), nach welchen Jesus, als Er nach seinem Tod zur Hölle hinabgefahren war, ihnen in den unterirdischen Behältern und Gefängnissen Busse gepredigt hat. Die durch jenes schreckliche Gericht Hingerafften hatten also mehr als zwei Ewigkeiten hindurch in jenen Örtern ohne Hoffnung einer Erlösung schmachten müssen. Sie hatten sich dieses Gericht hauptsächlich durch ihre geistliche Hurerei zugezogen, nach welcher sie sich auf eine abscheuliche Weise vermehrt hatten, so dass eine Generation entstanden war, die Gott nicht mehr fortbestehen lassen konnte. Um diesem Verderben Einhalt zu tun, ließ Gott die Sündflut über die Erde ergehen, damit durch das Wasser das Feuer der Unreinigkeit ausgelöscht würde, das sich wegen der Gottlosigkeit dieses Geschlechts empörte und schon die Erde zu verzehren drohte. Damals aber wollte der langmütige Gott die Erde noch nicht durch das Feuer richten lassen, sondern sie sollte nur durch das Wasser heimgesucht und geläutert werden. Das Gericht durch das Feuer wird erst am Ende der Tage geschehen.

Noah mit seinen drei Söhnen, seinem Weib und seiner Söhne Weibern gingen in die Arche und wurden errettet. Durch die Flut wurde die erste Wassertaufe eingeführt, indem durch die Überschwemmung der Erde die Schärfe des Feuers ausgelöscht wurde, das sich nicht allein in der Erde entzündet hatte, sondern auch in dem Element der Luft zu herrschen suchte. In und durch Noah wurde die Erde wieder gesegnet; in ihm wurde der Bund Gottes mit dem Menschengeschlecht erneuert. Obgleich aber Noah ein gottseliges Leben führte, so entsprossen doch aus seinem Samen, den er nach der Sündflut zeugte, sodomitische Sünden. Die Bewohner Sodoms und Gomorras, welche aus jenem Samen entsprungen waren, führten durch ihre greuliche Hurerei ein schreckliches Feuergericht über sich herbei, wie uns Mose in der Geschichte von Sodom und Gomorra und den übrigen Städte berichtet.

So lange kann oft ein Übel in der Menschheit gären und unter göttlicher Langmut getragen werden, bis es zu seiner vollkommenen Reife gelangt und das Maß der Sünde gefüllt ist. Wie schrecklich der Greuel der Hurerei in den reinen Augen der göttlichen Heiligkeit sein muß, und in wie viele abscheuliche Äste und Zweige er sich ausbreiten kann, sehen wir an der Geschichte der Sodomiter. Dieses Feuer verzehrt nicht nur den Leib, sondern es erschüttert sogar die Grundfesten der Erde. Durch seinen giftigen Schwefelhauch verzehrt es des Menschen Seele und Leib, und breitet sich aus in der Luft, und gärt endlich zu einem furchtbaren Gericht! Welch ein weites Feld würde sich hier einem echten Naturforscher eröffnen, um dieses Übel der Hurerei in seiner Wurzel aufzudecken! Wie heilsam könnte es für manchen Menschen sein, der von solchen Leidenschaften angefochten wird, wenn ihm mit Hilfe einer solchen Naturlehre dieses schreckliche Übel und seine Folgen in ihrer wahren Gestalt dargelegt würden! Der Geist erkennt ja die Tiefen der Gottheit; warum nicht auch die Tiefen des Verderbens? Indessen lässt uns die Heilige Schrift auch in dieser Beziehung nicht ohne Belehrung, wie denn der Apostel Paulus sagt: Wer den Tempel Gottes verdirbt, den wird Gott wiederum verderben.

Wir schreiten nun zu der Geschichte unseres Erzvaters Abraham, in welchem der Bund Gottes sich zu bestätigen anfing, in seinen Söhnen nämlich, die aus seinen Lenden entsprossen sind. Da ist Isaak, der Erstgeborene nach der Verheissung, und Jakob, der von Isaak erzeugte Sohn, und die zwölf Söhne Jakobs, welche zusammen die Zahl zweimal sieben ausmachen. Schon in den Lenden Noahs wurden sie gesegnet durch die äußere Wassertaufe, durch welche sie auf eine unsichtbare Weise die Beschneidung empfingen, noch ehe das Zeichen der Beschneidung eingeführt war. So weiß Gott die schrecklichsten Gerichte, welche zur Vertilgung der Unbußfertigen dienen, umzukehren, dass sie eine heilsame Reinigung bewirken an denen, die nach Gottes Rat zum Heil der Menschheit bestimmt und verordnet sind, damit durch diese von Gott Geheiligten jene in den Gerichten Gottes Umgekommenen einst wieder aus ihren Kerkern errettet und zur Gnade Gottes geführt werden möchten, bis endlich Gott alles in allem sein wird.

Die Prädestination (Vorherbestimmung) besteht nur im äusseren Sternregiment, welchem jedes Geschlecht durch die Geburt unterworfen ist, und in welches jeder Mensch durch seine eigenen Sünden sich noch tiefer hineinführt. Von dieser Herrschaft kann freilich keiner loskommen, es sei denn dass er nach seiner Natur den letzten Heller bezahle, und durch Christus, in dessen Leib alles versöhnt wurde, was im Himmel und auf Erden ist, wieder erlöst werde. Eine solche Durchbrechung kostet zwar viele Schmerzen, aber nichts ist unmöglich bei Gott, der nicht den Tod des Sünders will, sondern dass er sich bekehre und lebe. Der Sinn der Gnadenwahl wird von vielen sehr missverstanden.

Zu seiner Zeit wurde der Same Abrahams ein Fremdling in Ägypten. Dieses Land wurde später wegen der Verstockung seiner Einwohner und wegen der Bedrückung, die sie an dem Volk Gottes ausübten, durch schreckliche Gerichte und Plagen heimgesucht. Das sollte allen Gottlosen und allen denjenigen, welche noch in unseren Tagen die Kinder Gottes bedrängen und ängstigen, zu einem warnenden Beispiel dienen. Nach den Worten der Heiligen Schrift und nach den Offenbarungen, welche manchen Seelen durch die Erleuchtung der Gnade gegeben worden sind, wird Gott in unseren letzten Tagen über solche unbußfertige Bedrücker der Kinder Gottes noch schwerere Gerichte ergehen lassen als über jene Ägypter, weil diese die Gnadenmittel nicht besassen, die uns gegeben sind, und also die heutige Christenheit nach dem Maß ihrer grösseren Erkenntnis auch einer schwereren Strafe sich schuldig macht.

Gott führte die Kinder Israel durch seinen hohen Arm aus Ägypten, nachdem Er ihnen schon vorher durch Mose und Aaron diese Absicht, sie auszuführen, hatte kundmachen lassen. Grosse Wunder verrichtete Jehova durch die Hand dieser Männer, und erlöste durch sie wirklich sein Volk aus der Hand der Ägypter, wie uns die Schrift getreulich erzählt. Der Geist des Herrn versichert mir genügsam,  dass an diesem Bericht der Schrift nicht zu zweifeln sei, dass alle die erzählten Begebenheiten sich wirklich also zugetragen haben. Nur dass Gott den Leib Mosis nicht selbst begrub, wie der Buchstabe der Erzählung nach einer fehlerhaften Übersetzung der älteren Zeit lautet. Moses wurde durch den Geist Gottes zu einer Steinkluft geführt, wo er sich krank und ermattet niederlegte und endlich starb. In dieser Verborgenheit blieb sein Leib vor allem Nachsuchen seiner Brüder bewahrt. Der Herr überließ den Leib Mosis nicht der gewöhnlichen Verwesung und der Fäulnis, sondern ließ ihn durch ein Feuer verzehren, um dadurch dem Teufel die Macht an seinem Fleisch zu nehmen. Durch dieses Feuer verlor der Fürst der Finsternis sein Recht auf den der Sünde unterworfenen Leib. Darum zankte der Satan mit dem Engel Michael. In dieser Begebenheit liegt ein großes Geheimnis verborgen, das aber noch zugedeckt bleiben soll, wie jener Leib Mosis vor dem Nachsuchen seiner Brüder in ein Geheimnis eingehüllt blieb.

So führte nun Jehova nach seiner Verheißung die Kinder Israel in das ihnen bestimmte Land, nachdem Er ihnen durch Mose Gesetze gegeben hatte, welche nachher durch die Propheten und Richter bestätigt wurden. Diese Gesetze waren nach der Natur der Beschaffenheit und Empfänglichkeit des israelitischen Volks eingerichtet. Gott, der Ewige, konnte sich ihnen noch nicht in seinem vollen  Licht zeigen, sondern Er offenbarte sich ihnen durch Mose in seinem Feuergewand, unter Donnern und Blitzen. Doch verhieß Er diesem Geschlecht den Lebensfürsten, Jesus Christus, in der Gestalt eines Propheten, den sie hören sollten (5.Mose 18,15). Dieser ist der wahre Messias, welcher nicht nach den Geboten, die dem Mose durch den Dienst der Engel gegeben wurden, sondern als wahrer Priester nach der Weise Melchisedeks erschienen ist.

Durch Mose und Aaron, und weiter durch alle Propheten, ging die geistliche Linie bis auf Christus. Von Ihm haben alle durch seinen Geist geweissagt. Sie machten die wahre Geburtslinie Christi nach dem Geist aus, wiewohl Christus nach dem Äußeren aus einem andern Geschlecht war, wie Paulus sagt (Hebr. 7,13-17). In dem königlichen Prophet David, welcher ein Glied des äußeren Stammbaums unseres Heilandes war, treffen die äußere Geburtslinie und die innere zusammen. So ging die Verheißung in Erfüllung, die diesem Erzvater der neueren Zeit gegeben war, daß auf seinem Stuhl einer sitzen solle, dessen Thron ewig ist, und dessen Herrschaft kein Ende haben wird, zum Lobe und Preise dieses ewigen Königs, und zur Verherrlichung seines Namens; zum Troste aller, die auf Ihn warteten, und zum Heil aller, welche (nachdem Er erschienen ist und das Werk der Erlösung vollendet hat) wahrhaft an Ihn glauben. In einer solchen wahrhaft gläubigen Seele wird die Herrschaft dieses Königs groß werden, und Er wird das ganze Werk der Erlösung vollkommen in ihr ausführen. Dazu wird aber eine gänzliche Umkehr zu Gott erfordert, durch welche eine neue Geburt, ein neuer Leib und ein Lichtleib zustande kommen muß. Dieser neue Lichtleib ist die Eröffnung des Namens Jesu, welcher Name sich aus Jehova, als das zeugende Wort, in des Menschen Herz einsenkt und sich zu einer neuen Geburt durch Wasser, Blut und Geist entwickelt. Dieser Name hat sich schon dem Adam nach seinem Fall als der Schlangentreter offenbart, und sich in ihn eingesprochen. Wer dieser neuen Geburt aus dem Namen Jesus in diesem zeitlichen Leben nicht teilhaftig wird, der hat seine Erstgeburt verfehlt. Die Schuld daran wird er dann einst sich selbst beimessen müssen; denn es fehlt nicht an Gottes Willen, sondern nur an den Menschen, die nicht glauben wollen, dass die Wiedergeburt einzig und allein aus den Eigenschaften des Namens Jesu entspringt, und die darum auch nie durch einen lebendigen Glauben, mit gänzlicher Verzichtleistung auf sich selbst, in die Eigenschaften dieses Namens eingehen.

Hier ist nicht die Rede von einem historischen Glauben, der eine geschehene Sache für wahr oder sogar für höchst notwendig hält, sondern von einem solchen Glauben, durch den man in die göttliche Natur eingeimpft wird, um der Eigenschaften des Namens Jesu wesentlich teilhaftig zu werden. Diese Sache ist nur solange ein Geheimnis für den Menschen, bis er durch Ersterbung seiner selbst in die Natur derselben eingegangen ist. Sehr zu beklagen ist es, dass die Kraft der Eigenschaften des Namens Jesu uns so fremd geworden ist, weil unsere blinden und verstockten Lehrer so lange eine angenommene Gerechtigkeit gepredigt haben, damit sie doch nur ungestört auf ihrem alten Sündentier einherreiten könnten. Sie machen die Säume ihrer Kleider groß, und die Denkzettel ihrer langen Predigt sehr breit, und wissen viel von Christus zu schwätzen, ohne aber seine ewige Geburt zu erlangen. Seinen Namen führen sie zwar im Munde, aber sie entheiligen ihn nur dadurch und haben ihn noch nie erkannt. Zum Spott haben sie diesen Namen gemacht, darum spottet auch ihrer der Teufel, welchem dieser Name besser bekannt ist als ihnen.

Ebenso ist es auch mit dem Geheimnis des Bluts unseres Herrn bestellt. Viele zwar halten dasselbe für höchst heilig und bekennen, daß sie nur durch den Versöhnungstod Jesu und sein heiliges Blut selig werden können; aber sie lassen sich nicht durch die Ersterbung ihres alten Menschen in den Tod des Herrn und in die lebendige, wirkende Kraft seines Bluts einführen, sondern halten das Geschehene für genug, ohne sich von diesem heiligen Blut eintauchen zu lassen.

Nicht eine von außen angenommene Gerechtigkeit kann uns helfen, sondern es muss zu einer Wiederherstellung des Ebenbildes Gottes, zu einem neuen Menschen kommen. Zu diesem Ende ist uns auch Christus von Gott gemacht zur Gerechtigkeit, zur Heiligung und zur Erlösung. Ihm sei Ehre! Amen.

Die Christen der ersten Kirche und viele Heilige der folgenden Zeiten kannten das Geheimnis des Namens Jesu besser. Sie gingen mit Kraft und Leben in dasselbe ein, und begnügten sich nicht mit der äußeren Geschichte. Heutzutage schreibt man ganze Folianten über die Wahrheiten des Christentums, bedenkt aber nicht, dass (seitdem man soviel davon geschrieben hat) die Kraft und der Wert des Namens Jesu, und seines heiligen Bluts, in den Augen der Menschen immer mehr gesunken ist. Schreibt nur, ihr Toren, ganze Bücher voll christlicher Wahrheiten, und befolgt sie auch zum Teil; aber wisset, solange ihr nicht das Geheimnis des Namens Jesu, von dem der Apostel Petrus sagt: "Es ist in keinem andern Heil, ist auch kein anderer Name den Menschen gegeben, worin sie können selig werden, als allein der Name Jesus" (Apg.4, 12); solange ihr dieses Geheimnis nicht aus dem Grunde heraus nehmet, werdet ihr doch nichts verstehen und nur als Toren erscheinen, die sich im Schwätzen üben, um ihre Nahrung dadurch zu gewinnen. Nicht als ob das Schreiben an sich verwerflich wäre; Gott hat seine Kirche immer durch Werkzeuge regiert, und Jesus, das Haupt der Kirche, hat seit ihrer Entstehung durch manche erleuchtete Seelen, auch durch ihre Schriften, viel Gutes gewirkt. Aber es entsteht die Frage: Ist jeder dazu von Gott berufen und gesalbt? Werden nicht oft die heiligsten Wahrheiten nach ihrem tieferen Grund und ihrer Kraft durch fade Schriften untergraben?

Die ersten Christen besaßen wenig Bücher, aber sie gingen in den Grund des Geheimnisses des Namens Jesu ein. Durch die Kraft dieses heiligen Namens verrichteten die Apostel des Herrn alle ihre Wunder und Taten, nachdem sie in jener Pfingstwoche damit eingefärbt worden waren. Vor diesem Namen beugen sich alle Engel, Erzengel und alle Heiligen des Himmels. Ach, was kann doch der erleuchtetste Schüler Jesu davon schreiben? Nur als ein Tropfen ist es zu rechnen im Vergleich zu dem unermesslichen 0zean!

Aber was kann von unserer eigenen Wirksamkeit und unserem alten Naturleben in uns noch übrigbleiben, wenn die Eigenschaften und Kräfte dieses Namens in uns herrschend und regierend werden sollen? Muss nicht der Mensch den grauenvollen Tod der Selbstvernichtigung durchgehen und seine Schmerzen ausstehen? Welche Mittel dürfen wir noch ergreifen, um unser altes Naturleben zu retten, wenn dieser Name das Universalmittel, das Mittel aller Mittel für uns werden soll? Darf ein Christ, der sich einzig und allein auf diesen Namen verlassen will, sogleich zum Arzt schicken. wenn eine Krankheit oder Unpässlichkeit ihn überfällt? Darf er sich auf die vom Arzt vorgeschriebenen Mittel verlassen? Zwar kann man der Sache einen guten Schein geben. indem man vorgibt. die Mittel aus der Hand Gottes annehmen zu wollen. Würde es aber dem lebendigen Glauben an den Namen Jesu nicht besser entsprechen, zuerst zu erforschen, was für eine Absicht der Herr mit dieser Krankheit an uns habe. und ob es nicht für den kranken Zustand unserer Seele (die wir doch hauptsächlich und zuerst im Auge haben sollten) besser sein möchte, wenn wir uns ganz unbedingt dem himmlischen Arzt auf seine Kosten, aber auch auf Kosten unserer Natur und unseres eigenen Willens, überließen? Das würde dann heißen, in die heiligen Wunden Jesu hineindringen, welche die wahre Arznei sind für Leib und Seele. In diesen Wunden ist das wahre Leben des Geistes, aber mit Flammenschrift steht zugleich darin angeschrieben: Hier ist der Tod aller geschaffenen Dinge dieser Welt. Diese Schrift, welche durch den Liebegriffel des Herrn geschrieben wird, brennt gewaltig die alte Natur; aber eben dadurch wird in den gottergebenen Herzen dem Namen Jesu der Weg gebahnt. Alle Hügel menschlicher Weisheit und alle stolzen Berge, auf die man sich verlässt, müssen erniedrigt werden. Wahre Einfalt und Kindersinn müssen ausgeboren werden zu einer ebenen Bahn unserem Gott, der nicht Gefallen hat am Tode des Sünders. sondern dass er sich bekehre und lebe. Amen!

Den ganzen Leidensgang unseres Herrn und Heilandes müssen wir an uns selbst erfahren, von seiner Menschwerdung und Geburt an bis zu seinem Hinscheiden am Kreuz. Es muss in dem Raum dieser Zeit ein lediger Durchgang durch uns selbst gemacht werden; durch die Wundenmale unseres Herrn Jesu müssen wir hindurchgehen. So wird der Mensch in sich selbst vernichtigt, dass er nicht mehr auf sich selbst baut, sondern auf das ewige, unsichtbare Gut, in welches Jesus selbst eingegangen ist durch den Tod. In diesem Tod ist Er auch das Leben, nämlich die Auferstehung, und auf diese Auferstehung setzen wir allein unsere Hoffnung, indem wir vertrauen, dass Er uns samt Ihm auferwecken werde, nicht nur nach dem äußeren Menschen, wenn wir des zeitlichen Todes gestorben sind, sondern wir glauben, dass Er uns die Macht geben werde, auch in diesem Leben durch den Tod hindurchzudringen. Darum werden wir nicht müde, und wenn auch unser äußerer Mensch verwest, so wissen wir, dass wir einen Bau haben, der von Gott erbaut ist, nicht mit Händen gemacht, auch nicht nach der Zeugung der alten Geburt, sondern einen Lichtleib, der sich aus dem Namen Jesu eröffnet und entwickelt hat, der allem Widerwärtigen, welchen Namen es in dieser Welt haben möge, Trotz bieten wird. Er wird über alles siegen durch den Glauben an Jesu Namen, und wir werden in guter Zuversicht vollenden unseren Lauf. Wir werden erlangen die himmlische Krone, welche uns der Herr beigelegt hat durch Jesum Christum. Ihm, dem Gott der Herrlichkeit, unserem Herrn Jesu Christo, welcher ist der Ueberwinder des Todes, des Grabes und der Hölle, welcher die Auferstehung und das Leben ist, Ihm sei Ehre, Lob, Kraft und Herrlichkeit, Preis und Ruhm gebracht, jetzt und in alle Ewigkeiten der Ewigkeiten. Amen!

So übergebe ich nun diese Schrift, welche ich durch den Glauben an den geschrieben habe, der da heißt das Wort Gottes, dessen Größe, Macht und Gnade von keiner armen Feder ausgedrückt werden kann; ich übergebe sie - nicht den Zweiflern, welche unbeständig sind in allen Wegen, sondern wahrheitsliebenden Brüdern und Schwestern, welche diese Eröffnung annehmen, als einen schwachen Abdruck von dem, was die göttliche Gnade und Barmherzigkeit nach meiner geringen Fähigkeit in mir hat wirken können, zum Lob und Preise seines heiligen Namens. Amen!

 

Die heilige Lichtsgemeinde, erbaut auf den Grund der Apostel und Propheten, da Jesus Christus der Eckstein ist.

Eröffnung des Geistes vom 9. November 1828. (S. 152 ff)

 

Christus, als der Mund der Wahrheit, sprach: "Ich bin nicht gekommen, das Gesetz oder die Propheten aufzulösen, sondern sie zu erfüllen. Wer nun eins von diesen kleinsten Geboten auflöst, und lehrt die Leute also, der wird der Kleinste heißen im Himmelreich" (Matth.5,17-19). Und im 22. Kapitel der Offenbarung, dem Johannes gegeben, im 18. und 19 Vers, spricht der Herr durch den Geist der Weissagung: "Wer etwas zu den Worten der Weissagung dieses Buches hinzutut, auf den wird Gott legen alle die Plagen, die in diesem Buch geschrieben sind. Und wer von den Worten der Weissagung dieses Buches etwas hinwegtut, dessen Teil wird Gott hinwegtun vom Holz des Lebens."

Es ist wohl zu begreifen, dass diese Warnungen sich nicht bloß auf die Weissagungen der Propheten des alten Bundes und der Offenbarung Johannis beziehen, sondern dass sie auch den Geist der Weissagung einschließen, den der Herr nach Joel 3,1 noch in unseren Tagen auf seine lichtfähigen Kinder legt. Wenn also jemand die Worte der Weissagung, welche in unseren Tagen durch einen prophetischen Geist ausgesprochen werden, der in der Wahrheit steht, verkleinert, oder verdächtigt, oder gar diesen Geist selbst verachtet und verlästert, der schließt sich aus von seinem Anteil an der heiligen Mutterkirche, die sich auf Erden offenbaren wird, weil er den wahren Grund derselben nicht im Herzen hat, um ihn beim Eintritt in die neue Kirche als ein Beglaubigungsschreiben vorweisen zu können. Denn in dieser neuen Kirche, oder Lichtsgemeinde, werden wieder Propheten, Lehrer und Evangelisten sein, wie sie uns Paulus in Ephes.2,19-21 und 4,1-17 beschreibt, und sie wird eingerichtet sein nach dem Grundriß, der uns bei Off.21,12-14 in einem prophetischen Bild vor Augen gelegt wird.

Alle diejenigen aber, welche die alte, bisher bestandene Kirche mit der neuen vermischen und vereinigen wollen, werden großen Schaden leiden und sich selbst ein großes Hindernis in den Wegen Gottes sein. Sie werden ihre kostbare Zeit verlieren, und der Riß wird nur ärger werden, weil der alte Lappen sich nicht zum neuen Kleid schicken wird. Auch diejenigen Werkzeuge, welche zwar die neue Kirche nach Eph.4,5-17 predigen, und andern anpreisen, aber dessen ungeachtet den Geist des neuen Bundes nicht anerkennen wollen, werden nicht nur ihre kostbare Zeit verlieren, und die ihnen von Gott verliehenen Kräfte unnütz anwenden, sondern noch obendrein als solche, die der durch Christus eingeführten Gnadenordnung widerstreben, den Gerichten Gottes anheimfallen. Diese Gerichte werden mehr oder weniger auch diejenigen Seelen treffen, welche der Herr zu der neuen Kirche eingeladen hat, die aber ungeachtet ihrer Einsicht und Erkenntnis doch den Grundsätzen der neuen, apostolischen Kirche noch widerstreben.

In allen Erweckungen, die seit mehreren Jahren durch des Herrn Gnade teils unmittelbar, teils mittelbar durch Werkzeuge, an vielen Seelen bewirkt worden sind, lag der herrliche Plan der Liebe, eine neue Kirche zu bilden, die im Geist der ersten Christen, nach der Verheissung der Heiligen Schrift, als die dritte Haushaltung Gottes, nämlich als die Haushaltung und Kirche des Heiligen Geistes, bestehen soll. Aber die Werkzeuge, deren sich der Herr bedienen wollte, und die Er, als der gute Hirte und göttliche Weingärtner, mit mancherlei guten Gaben ausgerüstet hatte, entsprachen nicht seinem Liebesplan. Sie wurden unter sich selbst uneins, und jeder dieser neuen Bauherren fing für sich selbst zu bauen an. Ja, es versündigten sich sogar manche an dem Geist der neuen Kirche, indem sie ihn nicht nur als einen sehr unnützen, sondern sogar als einen höchst gefährlichen Stein ansahen. So ist also dieser Geist den alten und den neuen Bauherren zu einem Stein des Anstosses und zu einem Fels der Ärgernisse geworden, und darin liegt der Grund der Verwirrung, welche zum Teil in gegenwärtiger Zeit schon offenbar ist, in der nächsten Zukunft aber sich noch mehr offenbaren wird. Alle Versuche, eine Vereinigung unter den Gläubigen zustandezubringen (wie sehnlich eine solche Vereinigung auch zu wünschen wäre) werden sich immer mehr als unnütz und als ein Verlust der kostbaren Gnadenzeit erweisen, weil der wahre Grund der Gemeinschaft fehlt, auf welchem die Kirche erbaut sein soll, nämlich der Grund der Apostel und Propheten, da Jesus Christus der Eckstein ist (Eph.2,19-22; 4,13-16).

In dem Tempel der Gemeinde, die auf diesem Grund ruht, wird der heilige Altar wieder aufgerichtet stehen, als der Gnadenstuhl des neuen Bundes, auf welchem das heilige Sakrament des Leibes und Blutes Jesu Christi, als das tägliche Opfer zum Genuss der Gemeinde, wieder ausgesetzt sein wird. Dieses wesentliche Heiligtum hätte nie aus der Gemeinde verbannt werden sollen, weil die Darstellung des heiligen Opfers Jesu Christi ein wesentlicher Gottesdienst und ein reines Gebetsopfer ist. Ja, dieser hochwürdige, lebendige Gnadenstuhl ist als die Vermittlung zwischen Gott und den Menschen anzusehen. Jesus Christus, das Oberhaupt der Kirche, hat es zugelassen, dass durch einen allzustrengen Reformationseifer dieser Gnadenstuhl aus dem Tempel verbannt worden ist, weil derselbe durch die päpstliche Priesterschaft entweiht worden war. Darum ist dieser Altar gleichsam den Heiden übergeben worden, dass sie ihn zertreten sollten.

Die heilige Lichtgemeinde, erbaut auf den Grund der Apostel, wie sie Jesus Christus, das Oberhaupt der Kirche, in Petrus und den übrigen Aposteln durch die Ausgießung des Heiligen Geistes an jenem Pfingsttag gegründet und eingesetzt hat, wird wieder von Priestern verwaltet sein, die als Nachfolger des Lebens der Apostel von ihrem Oberhaupt die Schlüssel zu binden und zu lösen empfangen haben. Ihnen, als einem königlichen Priestertum, steht dieses Amt, das Christus seiner Gemeinde übergeben hat, von Rechts wegen zu; denn sie sind gesalbt mit allerlei Gaben des Heiligen Geistes, und getauft mit dem Geist der heiligen Mutterkirche. Es dürften auch keine andere Priester in dieser Gemeinde stehen, als solche, die diesen Geist empfangen haben. Sie werden dann auch die Salbung bei der Einweihung eines neuen Priesters und die Ölung bei Kranken und Sterbenden nach Jak.S,14 wieder als ein Sakrament der Kirche anerkennen.

Durch den allzustrengen Reformationseifer eines Luther, eines Zwingli, eines Oekolampadius und besonders eines Calvin, sind diese Grundsätze der ersten Kirche, welche doch nur von den groben Missbräuchen des Papsttums hätten gereinigt werden sollen, ganz verdrängt worden. Die Zeit der calvinischen Kirche, welche Gott bisher unter seiner Geduld getragen hat, ist aber nun zu Ende gelaufen. Darum werden alle Prediger und andere Werkzeuge, die noch ferner an den Grundsätzen dieser Kirche hangen bleiben, nach und nach in Finsternis fallen und von der Wahrheit abweichen.

Jesus Christus, das Oberhaupt der Kirche, dem alle Dinge zu Gebote stehen müssen, wird in kurzer Zeit ein Gericht über die protestantische Kirche ergehen lassen. Dieses Mittels wird sich der Herr bedienen, um die Wahrheit wieder an das Licht zu bringen, und die falschen Grundsätze zu verdrängen, hauptsächlich aber um eine neue Kirche und Gemeinde aufzurichten, welche aus einem Kern im Feuer geläuterter und im Blut Jesu Christi gereinigter und versiegelter Lichtskinder bestehen wird; eine Gemeinde,  die als ein Auszug, als der Kern aus allen drei Konfessionen zu betrachten sein wird.

Es wird aber in der protestantischen Kirche eine große Angst und Verwirrung entstehen, ehe diese wahre Kirche zur Ausgeburt kommt. Man wird alsdann einer reinen Salbung bedürfen, um die mancherlei Kirchenreformationen, welche in allen Konfessionen, sowohl unter Katholiken als Protestanten, vorgehen wird, an ihren rechten Platz zu stellen, und sie als eine allzufrühzeitige Geburt zu erkennen, die man aber doch nicht ganz verachten darf, weil sie gewissermassen als der Vorläufer der wahren Kirche zu betrachten ist.

In der katholischen Kirche wird sich eine Partei hervortun, größtenteils aus den Häuptern dieser Konfession bestehend, unter denen sich manche erleuchtete, in der Erkenntnis der Heiligen Schrift gegründete Männer befinden werden. Das Bestreben dieser Partei wird dahin gehen, die schon seit langer Zeit in dem katholischen Kultus herrschenden Irrtümer und Missbräuche abzuschaffen und eine Reformation ihrer Kirche vorzunehmen. Sie werden zu dem Ende manches Gute aus den Grundsätzen der ersten Kirche hervorziehen, und auf diese Weise die Kirche zu ihrem ehemaligen Glanz wieder zu erheben trachten.

Alle diese Reformationen werden indessen nicht bestehen, weil sowohl den Reformatoren als ihren Anhängern (ungeachtet ihres Strebens nach Verbesserung) die wahre Nachfolge des Lebens Jesu und seiner Apostel, als die einzig wahre und sichere Grundlage der Kirche und ihrer Verfassung, fehlt. Im Gegenteil werden diese Veränderungen und Verbesserungen in gewisser Hinsicht die Verwirrung nur noch vermehren helfen. Besonders in der protestantischen Kirche wird dieselbe einen hohen Grad erreichen, so dass viele redliche, gottsuchende Seelen nicht wissen werden, wohin sie in ihrer Angst sich wenden sollen, weil wenige unter ihnen auf das rechte Fundament der heiligen Mutterkirche erbaut sind. Zudem sind die meisten Protestanten von ihrem mit der Muttermilch eingesogenen Protestantismus schwerer zu heilen als die Katholiken von ihrem römischen Katholizismus.

Aber während aller dieser Verwirrungen rüstet ]esus Christus, das Haupt der Gemeinde, neue Werkzeuge aus, die Er mit dem Geist der wahren heiligen Mutterkirche begabt, die diese Kirche in einem echt apostolischen Sinn im Herzen tragen, und die durch ihr Leben und ihre Werke beweisen werden, dass sie aus der oberen Mutterkirche geboren sind. Doch auch von diesen werden manche in der schweren Versuchungsstunde, wenn sich Trübsal und Streit über der Lehre der neuen Kirche erhebt, zurückfallen; oder sie werden, wie es den Eiferern für die alte Kirche ergeht, nicht in der Liebe bestehen, sondern in einem Feuereifer für die Wahrheit der neuen Kirche verzehrt werden. Eine grosse Anzahl dieser neuen Werkzeuge wird indessen durchdringen, im Geist der Liebe, der Demut und der Wahrheit dieses alles überwinden, und als Säulen in dem neuen Tempel stehen, um nicht mehr hinauszugehen. Amen!

 

Eröffnung des Geistes von dem Blut unseres Herrn Jesu Christi. (S. 157 ff)

Gegeben den 24. Februar 1829.

 

Durch die Gnade Gottes in dem ewigen Wort der Wahrheit, welches die Welt gegründet hat, und aus dessen Blut alle Menschen und alle Geschöpfe gemacht sind; in dem Sohn Gottes, in dessen Blut allein das Leben ist, dem allein sei Ehre, Macht, Kraft und Herrlichkeit! In demselben vielgeliebte Geschwister, die wir auf Ihn warten, der uns durch sein Blut erneuern wird. Amen!

Im Anfang war das Wort und das Wort war Geist und Licht, eine lichtfeurige Wesenheit. Aus diesem Geist und Licht quillt ein helles, klares Wasser hervor, dem ein geistkörperlicher Feuerstoff, Gluten genannt, zugrunde liegt. Dieser entwickelt sich in einer roten Materie, dem Urstoff, der den Körper des ganzen geistigen Lichtwesens zusammenhält, verbindet und bewegt.

Der sprechende Wille Gottes, oder das Wort: Es werde (Fiat), setzte das Zentrum dieses Urstoffs in Bewegung. Dieser Urstoff, das Blut Christi, ist die Leiblichkeit der ganzen unerschaffenen Welt. Aus ihm haben hernach alle Geschöpfe der Erde, auch die Menschen, ihr Dasein erhalten. Aber nicht nur die Körper unserer Erdenwelt, sondern auch alle Himmelsreiche der uns unsichtbaren Schöpfung, die wir mit unsern natürlichen Augen nicht erblicken können, sind aus ihm hervorgegangen.

Der Urwille Gottes, oder die Liebe, die sich so gern mitteilt, wirkt fortwährend durch das Medium dieses Bluts, welches der geistige Grundstoff alles Geschaffenen, selbst der leblosen Dinge ist. Alle Dinge werden durch dasselbe einem bestimmten Ziel und Ende entgegengeführt, zu welchem jedes nach seiner Natur und Kraft geschaffen und gestaltet ist. Dieses geschieht durch den Geist und Willen dessen, der alles in allem ist und alles erfüllt.

Wer nun Ohren hat zu hören, der höre! Ja, möge die ganze Welt, mögen alle Kreaturen dieses Wort vernehmen: Das Blut Jesu Christi ist der einzige Stoff zur Wiedergebärung der durch Adam verderbten Natur und Kreatur!

Das Verderben in der Natur ist ursprünglich durch den Feuerengel Luzifer entstanden. Er hat das Gift des unreinen Feuers in sie eingeführt, und dadurch in allen Kräften und Engeln, und in dem ganzen, damals noch geistigen Körper der unteren Hierarchie, über welche er Fürst war, eine falsche Bewegung hervorgebracht. Nach Erschaffung dieser Welt entwickelte sich jenes Verderben auch in Adam, ging von ihm auf sein Eheweib über, und gestaltete sich von jener Zeit an, in Sünde und Verderben fortschreitend, zu einer verborgenen, giftigen Feuerglut.

Durch den Fall Adams verblich in ihm das jungfräuliche Wesen, und zog sich in den innersten Grund zurück, wurde aber durch die Verheissung, dass der Same der Jungfrau der Schlange den Kopf zertreten werde, als ein Gnadenfünklein in ihm erhalten.

Der Fall Adams war auch die Ursache, dass die Lichtwelt aus allen äusseren Dingen hinauswich. Dadurch ist alles Körperliche unbeständig und vergänglich geworden, weil die wahre Substanz des Vaters in Kraft, des Sohnes im Licht, und des Heiligen Geistes in Öl und Wasser, sich zurückgezogen hat. Soll nun das Körperliche mit dem heiligen Urwesen, aus dem es geflossen ist, wieder in Verbindung kommen, so muss das heilige Blut des Sohnes Gottes sich aufs neue in den Geschöpfen in Bewegung setzen, und diese heilige Substanz in alle Dinge eingeführt werden. Dieser heilige Urstoff des Bluts Jesu setzt nun auch wahrhaftig und wesentlich seine erneuernde Wirkung fort, seitdem es nach dem Leiden und Sterben Jesu rauchend auf die Erde geflossen ist, durch seine Kraft die Gräber sich geöffnet haben, und der Vorhang vor dem Allerheiligsten zerrissen ist.

Wehe dem Menschen, der nach dem Ebenbild Gottes gemacht und als ein verständiges Wesen mit einem freien Willen begabt ist, sich der Wirkung dieses Blutes widersetzt. Alle unbeweglichen und unverständigen Dinge sind vor Gott entschuldigt, weil sie nicht in derselben Eigenschaft gemacht sind wie der Mensch, und weil der Mensch schuld ist an ihrem Fall. Ja, durch sein fortwährendes Widerstreben gegen den Liebesplan Gottes hindert noch der Mensch die Wiedergeburt der Natur, welche von der Erneuerung des Zustands der Menschheit abhängt, weil der Mensch der Kern der ganzen Schöpfung und aller Kreaturen ist. Darum wartet auch die ganze Natur auf die Freiwerdung der Kinder Gottes von den Banden der Sünde (Röm.8, 19-22). Denn das Niedere soll von dem Höheren gesegnet werden (Hebr. 7,7).

Welche herrliche Bestimmung des Menschen, zum Segen auf diese Erde gesetzt zu sein, damit er Früchte des Segens bringe ins tausendste Glied, in Demut, Sanftmut und Geduld!

0 geliebte Seelen alle, lasset uns trachten nach dem Wasser der Sanftmut. Aber der Brunnen ist tief (Joh.4,11). Wir müssen alles verkaufen, woran wir nach unserer eigenen Gerechtigkeit noch Anspruch machen könnten, damit nicht durch irgendeinen Anlass statt des hellen, lauteren Wassers ein Zornfeuer sich erhebe und ein Feuermeer in uns entstehe, das uns selbst, und was um uns her ist, verzehre.

Da wir in einer besonders wichtigen Zeitperiode leben, wo die Zornschalen, durch die Engel der Gerechtigkeit Gottes ausgegossen werden, so haben gläubige Seelen sich sehr in acht zu nehmen, dass sie nicht auch die Veranlassung zur Entstehung eines Feuermeers werden. Dieser Gefahr kann der Mensch aber nicht entgehen, wenn er nicht wesentlich durch das Blut Christi gefärbt, mit dem Blut des geduldigen Lammes getauft wird

Die Notwendigkeit, uns von dem Versöhnungsblut Jesu durchdringen zu lassen, ist mit Worten nicht auszusprechen. Das Blut der Versöhnung muss beständig in uns zum Vater im Himmel aufsteigen, damit andere Seelen, denen der Herr den Geist der heiligen Mutterkirche gegeben hat (und noch geben wird), die aber aus mancherlei Gründen von uns entfernt gehalten werden, durch dieses heilige Blut Jesu, welches die Versöhnung ausspricht und aushaucht, wieder nahe gebracht werden.

Lasset uns auf alle eigene Gerechtigkeit verzichten und uns mit dem Kleid der Gerechtigkeit bedecken, mit dem blutigen Gewand Christi. Und da der barmherzige Vater im Himmel uns die zehntausend Talente geschenkt hat, so dürfen wir mit niemandem rechten um der hundert Groschen willen, auf die wir glauben einen Anspruch machen zu dürfen. Keine Seele, die sich uns wieder zu nähern sucht, und uns den Frieden anbietet, dürfen wir zwingen wollen, uns bis auf den letzten Heller zu bezahlen. Wir sollen nicht in Rechthaberei bestehen, sondern in einem versöhnlichen Sinn zuvorkommend sein.

Ehe die Kinder Israel aus Ägypten auszogen, mussten sie das Osterlamm schlachten, und mit dem Blut desselben die Türpfosten ihrer Wohnungen bestreichen, damit der Würgengel an ihnen vorübergehe; und nach einigen Tagen mussten sie den Durchgang durch das Rote Meer machen. Eben also müssen auch wir mit dem Blut des sanften Lammes wesentlich besprengt sein, damit der Würgengel nicht in unsre Herzen dringe und darin ein Würgen anfange. Von aller eigenen Gerechtigkeit schweigend, müssen wir durch das Rote Meer des Versöhnungsblutes Jesu hindurchgehen, damit wir in den Friedenszonen jenseits Ägyptens, an jenem gläsernen Meer, das Lied Mosis und des Lammes singen können. Wir dürfen nicht erwarten, dass wir nach dem Tode erst durch die Gnade und durch das Blut Christi die Reinigung von unseren Sünden erfahren werden; sondern gleich beim Eintritt in jenes Leben müssen wir mit diesem Blut bezeichnet sein, damit wir nicht Ewigkeiten hindurch schmerzliche Feuerreinigungen aushalten müssen, um zu der eingeleibten Gnade Gottes zu gelangen, und durch ]esum das Angesicht des Vaters sehen zu können.

Es ist keine zugerechnete Gnade gültig für Seelen, welche im Gesetz Gottes unterrichtet sind, zu denen gesagt wird: Heute, so ihr seine Stimme höret, so verstocket eure Herzen nicht; für Seelen, welchen Christus täglich zuruft: Kommet her zu mir alle, die ihr mühselig und beladen seid (Matth.ll ,28-30)! Die zugerechnete Gnade ist von Adam an fortgeschritten, indem Gott von Anfang alles unter seiner Geduld getragen hat, im Blick auf Christum, durch welchen die Menschen erlöst werden sollten. Als Zeichen der Aufnahme in diesen Bund wurde später das Siegel der Beschneidung eingeführt. Als aber Christus kam, erschien Er als der Mittler eines neuen Bundes, in welchem alle wieder hergestellt werden sollten, die an seinen Namen glauben würden. Die Ihn nun nicht erkannten, als Er auf Erden erschienen war, und nicht an Ihn glaubten, hatten keinen Teil an Ihm. Diejenigen aber, welche vor seiner Erscheinung gelebt hatten, fielen noch in die zugerechnete Gnade, und ihnen wurde als Toten noch das Evangelium verkündigt (l.Petr. 4, 6).

Die zugerechnete Gnade, auf welche sich Christen in die Ferne verlassen, ist ein Spott für den Sohn Gottes, der gekommen ist, die Werke des Teufels wirklich zu zerstören, und ihm seine Macht zu nehmen. Christus kam als ein Sünderfreund, nicht als ein Sündendiener. Viele meinen, wenn sie nur historisch an Ihn glauben, so seien ihnen um der zugerechneten Gerechtigkeit willen alle Sünden vergeben, und sie würden eine gute Absolution am Ende ihres Lebens erlangen. Aber nein; Christus hat uns selbst verkündigt: Werdet ihr nicht essen das Fleisch des Menschensohnes, und trinken sein Blut, so habt ihr kein Leben in euch (]oh.6,53). Damit hat Er uns die unumgängliche Notwendigkeit der Wiedergeburt zu erkennen gegeben. Das Leben liegt in seinem Blut. Darum sagte Er auch: Der Geist ist es, der lebendig macht; das Fleisch ist kein nütze. Der Geist aber liegt in dem Blut ]esu Christi, welches die Leiblichkeit der inneren Geisteswelt ausmacht. Sein Fleisch und sein Blut geniessen wir mit dem Mund der Seele, nämlich mit unseren hungernden Begierden und mit den Kräften der Seele. So wie der Leib der täglichen Nahrung zu seinem Unterhalt bedarf, so bedarf noch mehr die Seele der geistlichen Speise. Die Seele ist des Leibes Leben. Sie hat ein doppeltes Werk zu verrichten: Erstens für ihre eigene Erhaltung zu sorgen, und zweitens auch für die Erhaltung des Leibes. Denn die Seele erhält auf eine unsichtbare Weise den Leib, und den wiedergeborenen Gläubigen wird sie in doppelter Beziehung zu einer Gehilfin für den Leib, indem sie durch die Speise, die sie vom Himmel empfängt, den Auferstehungskeim in ihren Leibern befördert.

Der Geist ist also der Seele und die Seele des Leibes Nahrung und Erhaltung. Johannes sagt in seinem Brief: "Drei sind, die da zeugen im Himmel: Der Vater, das Wort und der Heilige Geist; und diese drei sind eins. Und drei sind, die da zeugen auf Erden: Der Geist und das Wasser und das Blut; und die drei sind vereint". - 0 welch ein herrliches, dreifaches, göttliches Zeugnis im Himmel, das sich als ein solches in die jungfräuliche Muttererde der heiligen Maria eingesenkt hat. Da hat sich das ewige Wort, als die göttliche Natur, in Geist, Wasser und Blut mit der menschlichen Natur vereinigt und ist Mensch geworden. Und darum ist der Sohn Gottes Mensch geworden, damit Er, als der reine Kern der ganzen Schöpfung, uns das rechte Brot würde, das vom Himmel kommt und der Welt, die Ihn aufnimmt, das rechte Leben gibt. Dieses Wort war schon, als die verborgene Weisheit, in der Welt, aber nicht offenbar (Joh.Kap.!); denn es hatte sich nach dem Fall Adams in den innersten Grund des Menschen und der Kreatur zurückgezogen. Es war aber auch verborgen in dem Wort der Verheißung, dass des Weibes Same der Schlange den Kopf zertreten solle.

Welch ein herrliches Werkzeug der Gnade war die heilige Jungfrau Maria, als die zweite Eva! Wohl dürfen sie selig preisen alle Geschlechter der Erde! Wohl der gläubigen Seele, die auch eine Mutter des Herrn wird, indem sie das ewige Wort in der reinen und heiligen Färbung in sich aufnimmt, und dieses Kindes wohl wartet, welches durch seine heiligen Kräfte alles erneuern wird, was zu Ihm kommt.

Wir haben einen Altar, nämlich Christus im neuen Menschen, der nach Gott geschaffen ist. Dieser neue Mensch genießt täglich das neue Brot aus des Vaters Schoß, und dieses ist (wie schon gesagt) die Speise der Seele und das Leben des neuen Leibes. Hier wird das heilige Abendmahl durch die Vereinigung mit Gott unsichtbarerweise genossen, und auf diese Weise wird die Seele des Menschen innerlich gespeist und getränkt, wenn er auch nie eine äussere Kommunion gesehen hätte. Aber damit ist noch nicht gesagt oder bewiesen, dass wir das heilige Abendmahl in den äusseren Zeichen von Brot und Wein verlassen sollen, dass wir dasselbe gering schätzen oder gar verachten dürfen, nach dem Irrtum einiger Seelen, welche behaupten, das Abendmahl müsse nur innerlich genossen werden. Der Mensch besteht aus Geist, Seele und Leib. Wer einmal den Segen der sichtbaren Mitteilung des heiligen Leibes und Blutes Jesu an sich erfahren hat, der wird bald von diesem Irrtum zurückkommen, und wird jene armen Seelen bedauern, die den Zusammenhang des äusseren und inneren Altars und das Geheimnis des äusseren und inneren Menschen nicht kennen und in acht nehmen.

Ja, teure Seelen, groß ist das Geheimnis des heiligen Leibes und Blutes Christi auch in der Gestalt von Brot und Wein! Heilig und abermal heilig ist es, wenn es mit einem wahrhaftigen Glauben und in tiefer Demut mit dem Mund der Seele empfangen wird. Dann genießen wir nicht nur das Sichtbare, das Körperliche in Brot und Wein, sondern unsere hungernde Seele empfängt alsdann Christus selbst in den heiligen Substanzen, welche im Brot und im Wein verborgen sind, Da geht dann der heilige Priester Melchisedek, der ohne Anfang und Ende ist, dem gläubigen Abraham entgegen, um ihn nach jedem Kampf und Streit mit seinen inneren Feinden und nach manchen ausgestandenen Strapazen zu erquicken und zu segnen.

Das heilige, tägliche Opfer hätte niemals von dem Altar der Kirche verbannt werden sollen. Gott hat zu seiner Zeit diesen Greuel der Verwüstung in den protestantischen Kirchen zugelassen, weil das tägliche Opfer von der römischen Priesterschaft durch Tat und Leben entweiht worden war. Aber auch in den protestantischen Kirchen wird das heilige Abendmahl verunreinigt und gemein gemacht. Nie hätte es sollen Menschen gegeben werden, die in ihren Sünden fortleben und nach dem Abendmahl die gleichen Menschen sind wie zuvor. Ist da nicht zu befürchten, dass sogar während des Abendmahls der Teufel durch seine unreinen Geister in solche unbußfertige Menschen fahre, und sie sich also das Gericht essen und trinken an diesem Heiligtum, das doch zum Leben gegeben ist?

Das Abendmahl war für die ersten Christen gut, denn sie lebten in ihren Seelen davon. Sie erkannten seine Kraft, weil sie es mit geistigem Mund, der geheiligt war, genossen. Sie verbanden sich am Schluss des Abendmahls, in die Fußstapfen des Herrn Jesu zu treten, und alle Leiden in seiner Nachfolge auf sich zu nehmen. Heutzutage geht man zur Kommunion, um vor dem Altar die alten Sünden abzulegen, aber man erneuert die Sünden nach der Kommunion. Darum wird einmal ein ernstes Gericht über diese Handlung ergehen, der Altar aus dem Tempel geworfen und den Heiden übergeben werden.

Aber bald wird sich Christus, das Haupt der Kirche, aufmachen und eine neue Kirche aufrichten in Geist und Wahrheit, nach dem Sinn und Zusammenhang der Heiligen Schrift. Amen!

Geliebte Mitpilger nach Zion, lasset uns nicht vergessen unseres gekreuzigten Heilands, sondern uns allezeit in seine heiligen Wunden versenken. Durch Jesu heilige Wunden haben wir den Zutritt zu dem Vaterherzen Gottes, der sich nach dem Tod seines lieben Sohnes in seiner Gerechtigkeit vollkommen befriedigt fand. Als durch die alles belebende Färbung seines Bluts, das aus seinen heiligen Wunden auf die Erde floß, die Unterwelt erschüttert wurde, als die Erde erbebte, die Felsen sich spalteten, die Sonne ihren Schein verlor und die Scheidewand vor dem Allerheiligsten entzwei gerissen wurde; da war der Weg zum Vaterherzen Gottes eröffnet; denn nun war der Vater nach seiner Eigenschaft vollkommen befriedigt, und der Satan hatte seine Macht verloren an denjenigen, die sich durch ihre hungernden Begierden und durch die Magie ihres Glaubens an Ihn, den Weltheiland, anschlossen. Wie nun die Erde, welche bei der Kreuzigung Jesu sein heiliges Blut in sich aufnahm, durch die Färbung desselben, als durch ein mächtiges Gärungsmittel, nach und nach erneuert und hergestellt werden wird, so wird noch viel mehr der Vater in Kraft des Heiligen Geistes durch die Eigenschaft dieses heiligen Bluts in die Seelen hineinwirken, bis sie mit Christo durch das Band der Einheit verbunden sind.

Die heiligen Wunden unseres Herrn sind die offenen Freistätten, in denen der ewige Hohepriester selbst uns vertritt, und uns den Zugang zu dem Vaterherzen Gottes eröffnet. Dort sind wir vor den Nachstellungen des Anklägers beschützt und gesichert. Diese Wunden hat der Sohn Gottes sich darum schlagen lassen, damit uns der Weg bereitet würde, durch das Geheimnis seiner heiligen Menschheit hindurchzudringen bis in das Allerheiligste des Vaterherzens Gottes.

Die heilige Seitenwunde unseres Herrn ist der zentrale Sitz aller aus seinen Wunden herfliessenden Gnadengaben Gottes, und wenn wir uns mit den Begierden unserer Seele zu dieser Seite hinhalten, so werden uns die reinsten Lichtskräfte zuteil werden. Denn aus dem Herzen Jesu fließen alle Tugenden und alle Kräfte des Lichts hervor, die sich alsdann sympathisch mit uns vereinigen und uns Kraft verleihen, mit Ihm in Liebe vereint zu wandeln.

Lasset uns aber auch nicht vergessen, uns zu seinen Füssen niederzulegen, um an denselben die wahre Demut und Erniedrigung zu erlernen. Lasset uns bedenken, dass unser Aufsteigen ein Niedersteigen sein muss, dass alles Aufsteigen des Gemüts in heiliger Demut ergriffen werden muss, weil auch die Erhöhung des Sohnes Gottes in Leiden und Schmach geschehen ist. Wir sollen uns nicht verleiten lassen, zu der Gottheit aufzusteigen, oder uns in einen erzwungenen Beschauungsstand zu versetzen, ohne zuvor unsere Füße, nämlich unsern alten adamischen Leib, in dieser Welt gekreuzigt, und alle Lüste und Begierden und unordentlichen Neigungen dem Herrn zum Opfer dargebracht zu haben. Wehe der Seele, die ohne vorhergegangene Reinigung dem Heiligtum sich naht und in dasselbe einzudringen sucht; sie wird sich versündigen an dem heiligen Gott, weil sie nicht zur rechten Tür, nicht durch Jesum Christum, den einzigen Mittler zwischen Gott und Menschen, eingegangen ist.

Dahin gehört auch die falsche Mystik, welcher sich so viele Seelen in dieser Zeit ergeben, unter dem Vorwand, dass sie durch eine sanfte, stille Ruhe sich in das göttliche Element zu versenken suchen, ohne dass sie vorher die göttliche Gnadenordnung durchgegangen haben. Solche Seelen finden aber größtenteils nur sich selbst, oder sie halten das süße Gefühl, welches sich oft nach einer solchen Stille in ihnen verspüren lässt, für ein Ruhen in dem tiefen Grund der Gottheit. Diese falsche Mystik hebt aber die wahre Mystik oder Einkehr der Seele zu Gott nicht auf, sondern diese bleibt in ihrem wahren, heiligen Wert anerkannt.

Andere Seelen suchen oft durch ein heißes und heftiges Ringen im Gebet das göttliche Wesen gleichsam zu bestürmen, und die Gnadengaben Gottes an sich zu reißen. Ein solches Verfahren wird aber mehr als ein Raub der Gottheit angesehen und übel bezahlt, indem sich die Seelen dadurch unfähig machen, in dem göttlichen Licht zu bleiben. Ja, wenn sie auch auf ihre Weise bis zur höchsten Stufe des Lichts gelangt wären, und sich schon mit den vom Lamme berufenen Hochzeitsgästen an den Tisch gesetzt hätten (Matth. 22,11-13), so werden sie doch als Unbekleidete, die das Kleid Christi nicht angezogen haben, wieder hinausgeworfen werden. Wagen wir es also nicht, durch ein Aufsteigen zu Gott in das Allerheiligste zu dringen, ohne dass wir zuerst durch die Menschheit Jesu gegangen, und mit seinem Tinkturleib bekleidet worden sind; wir würden sonst großen Schaden leiden, und das auf Sand gebaute Haus würde einen großen Riss gewinnen.

Wir lesen in 2.Mose Kap.19 + 20, dass Gott (als Mose auf den Berg stieg) geboten hatte, es solle niemand vom Volk, ja auch kein Tier, den Berg berühren. Ebenso wenig sollen wir, solange wir noch einen natürlichen Sinn für die Welt haben, uns dem Allerheiligsten nahen, vor welchem die heiligsten Engel ihr Angesicht bedecken. Musste doch sogar Mose eine Decke vor sein Angesicht hängen, als er vom Berg herabstieg und sich dem Volk nahte, weil sie den Glanz seines Angesichts nicht ertragen konnten, und doch hatte Mose Gott nicht in der höchsten Weise, sondern nur im Feuerglanz, in der Eigenschaft der Engel gesehen; und der Hohepriester des alten Bundes durfte nur einmal im Jahr, doch nicht ohne Blut, in das Allerheiligste gehen.

Verehren wir also die Gnadenordnung Gottes, und legen wir uns zu den Füssen unseres gekreuzigten Heilands nieder, um an seinen heiligen Füssen zu lernen, wie demütig wir uns in den Staub beugen, und wie wir alle weltlichen Lüste und Begierden verleugnen und mit Füssen treten sollen. Ja, Gott kann uns nicht erhören, bis wir uns Ihm in einem vollkommenen Leidenssinn ergeben haben, und uns, unter jede Kreatur demütigen. Es kann sogar dahin kommen, dass wir die göttlichen Gaben und die Berufung, die uns Gott gegeben hat, in seinem Reich zu wirken, um der Liebe und des Friedens willen aufopfern müssen, weil uns andere Werkzeuge im Wege stehen, die von dem Ehrgeiz, über andere hervorzuragen und die Größten zu sein, noch nicht geheilt sind, und deshalb, gleich den Hirten zu Gerar, um die Wasserbrunnen zanken, und uns durch Geist und Wort entgegenarbeiten. Lassen wir uns dann auf eine Gott wohlgefällige Weise mit Christo ans Kreuz nageln, und opfern wir uns selbst mit unserer Berufung Gott auf, so werden wir Christo desto ähnlicher werden. Das vermeintliche Aufhalten in unserem Lauf wird uns durch den Tod Jesu führen, den die Juden, als den Weingärtner, zum Weinberg hinausgestossen und getötet haben. Und dieser Tod wird uns in die wahre Gelassenheit führen, in welcher wir den wahren Sinn des göttlichen Wirkens erst recht verstehen lernen. Und wenn gleich alle unsere Worte, die wir doch aus dem göttlichen Licht gesprochen haben, missverstanden und gerichtet werden, so stehen sie doch, nachdem es Gott gefällt, am dritten Tag mit Christo siegreich wieder auf, um in einem neuen Leben, durch ein verborgenes Wirken, Gott Frucht zu bringen.

Wer den Sinn dieser Worte recht versteht, dem wird eine neue Tür geöffnet werden zu dem grossen Geheimnis des Todes unseres Herrn. Er wird die Werkzeuge, die ihn auf solche Art kreuzigen, nicht nur geduldig tragen, sondern sie, als kostbare Mittel zu seiner Reinigung und Vollendung, sich noch vom Herrn erbitten.

Nun, so lasset uns denn nicht mehr aufhalten an den niedrigen Dingen dieser Welt, sondern uns von den heiligen, durchbohrten Händen Jesu in seinem Erbarmen umfangen lassen, und bei allem, was wir tun, und sooft wir etwas mit unseren Händen betasten, uns zuvor in die Nägelmale seiner heiligen Hände mit unserer Willenskraft empfehlen. Dann werden wir auch den Sinn und die Wirkung seiner durchbohrten Hände verstehen lernen, und manches Unnütze liegenlassen, das wir vorher für erlaubt hielten.

Werden wir durch Verleumdungen und Lästerungen angefochten, so lasset uns aufschauen zu der Geisselsäule, an welche Jesus angebunden war, und betrachten seinen durch Geisselhiebe verwundeten Leib, welcher um unserer Sünden willen so grausam zerrissen wurde. Lasset uns sehen, wie unser Heiland während dieser Geißelung, welche mit den schimpflichsten Schmähworten begleitet wurde, die durch seine reine und zarte Seele drangen, von seiner Geißelsäule so sanftmütig auf seine Lästerer herabblickte.

Meine Liebe, diese Betrachtung wird nicht ohne Frucht bleiben, wenn wir durch Verleumdungen und Lästerungen angefochten werden. Sie wird uns Kraft geben, die Geißelhiebe der Schmähworte mit Geduld und Sanftmut zu ertragen. Und wenn wir auch solche Anfechtungen nicht gleich in vollkommener Gelassenheit ertragen können, so werden wir doch durch die Übung allmählich stärker werden, und in der wahren Sanftmut das Wasser des Geistes Gottes finden, welches alle Feuersglut auslöscht!

Betrachten wir unseren sanftmütigen Heiland in seiner Dornenkrone, so lasset uns unser Haupt beugen und uns selbst erniedrigen, nicht nur mit Worten, sondern in der Tat und Wahrheit. Lasset uns unter die niedrigste Kreatur beugen, und demütigen Geistes werden. An Jesu Dornenkrone sollen wir erkennen, wie sauer Ihm unser aufgeblasener, hochmütiger und herrschsüchtiger Geist geworden ist, den Er in jener Schmerzenskrone büssen musste.

Der hochmütige Geist hat seinen Sitz im Herzen, und steigt von da in das Gehirn, wo die Vernunft, der Witz und Verstand seine Wohnung hat, und erhebt sich darin, und gibt sich kund durch Worte und Taten, auch durch stolze Blicke und Gebärden. Jeder Geist hat seine besondere Eigenschaft, durch welche er sich offenbart. Der Weltgeist geht durch den ganzen Körper; er ist verschwistert mit dem hochmütigen Geist, von dem soeben gesprochen wurde, und verbindet sich stets mit ihm. Er will gern hoch angesehen sein; darum legt er auch gern schöne Kleider an, um in diesem Gewand die Augen anderer auf sich zu richten. Um diesen Stolz zu büssen, musste unser Heiland nackt ans Kreuz geheftet werden, und das vergängliche Irdische wurde unter dem Kreuz durchs Los verteilt.

Also musste Jesus unsere Kleiderpracht büssen, und die reinste Unschuld wurde ein Schauspiel vor Gott, den Engeln und den Menschen!

Richten wir unsere Blicke auf die niedergeschlagenen Augen unseres Herrn beim Herannahen seines Todes, so lasset uns den Weltsinn betrachten, den wir noch an uns haben, nach welchem wir noch so manche Dinge für unentbehrlich halten, den wir sogar mit der Heiligen Schrift noch zu verteidigen suchen, indem wir oft einzelne Stellen derselben aus ihrem Zusammenhang herausreissen, um unsre Eigenheit damit zu bedecken. Jesu Augen gaben freiwillig diesem allem gute Nacht und versenkten sich in den Tod. Er ließ sein Leben freiwillig; denn Er hatte Macht, es zu lassen, und Macht, es zu behalten. Darum ist es nicht gut, alles zu gebrauchen, was wir in unserer Macht haben zu tun; denn es frommt nicht alles, wie Paulus sagt.

Welch ein Geheimnis: Das Leben aller Leben gab sich in den Tod! Welch ein Sieg, welche Liebe! Der freie Wille und die Macht, nach Willkür zu schalten, ergaben sich willig in das Sterben. In solcher Gelassenheit übergab Jesus seinen Geist in die Hände des Vaters.

0 Brüder, 0 Freunde, betrachtet das Sterben unseres Herrn! Bedenket, es gilt Sterben, Leiden und Lieben! Alles muss sterben an uns, um zu leben!

Jesus wurde scheinbar mitten aus seiner Laufbahn herausgerissen, als er im stärksten Wirken für seines Vaters Reich begriffen war. Auch dieses Wirken gab Er in den Tod, damit der köstliche Balsam seines Todes, seines Lebens und seiner Lehre sich über seine Jünger verbreiten und ausgiessen könne, damit das in die Erde gesenkte Weizenkorn Frucht bringe!

Welch ein Trost für Seelen, denen der Herr eine Berufung gegeben hat, auf andere zu wirken, wenn sie erfahren müssen, dass solche Werkzeuge, welche ihre Führung und ihre Sprache nicht verstehen können (oder nicht verstehen wollen), ihnen hindernd in den Weg treten und ihnen überall die Brunnen verstopfen. Mögen diese Seelen ihre Berufung dem Herrn aufopfern, sie in den Tod geben und sich selbst als ein Anathema darlegen, so werden ihnen nicht nur die reinsten Seelen zuteil, mit denen sie, wie mit einem Schmuck, umgeben werden, sondern sie erlangen zugleich das wahre Priestertum nach der Weise des unvergänglichen Lebens. Ihre Kinder werden ihnen geboren werden aus dem Tau der Morgenröte, durch welche sie Früchte sehen bis ins tausendste Glied, und die reinen Geister werden sie umgeben, weil sie durch den Tod aus allem Sichtbaren sich herausgezogen haben.

Hier muss ich stehenbleiben und enden, weil die Zeit der Eröffnung verflossen ist. Ich übergebe euch Geschwistern dieses Zeugnis im Namen desjenigen, der mir dieses Geheimnis eröffnet hat. So betrachtet euch denn in diesem Spiegel, und erkennet, wie unsere Vernunft noch blind ist am Reiche Gottes.

Der Herr, durch dessen Gnade diese Wahrheiten in mir sozusagen zur Natur geworden sind, segne dieses Schreiben an unser aller Herzen. Er mache uns reich an seinen Tugenden, die aus der lauteren Quelle seiner offenen Wundenmale fliessen, bis ich euch von seiner Grabesruhe etwas schreibe, nach welcher ich mich hinlegen werde in das offene Grab der Verwesung, nicht des zeitlichen Todes, denn noch hat für meinen Leib diese Stunde nicht geschlagen, sondern in das Grab der Verborgenheit, von allem abgeschieden zu sein, was diese Ruhe stören kann. Amen!

 

Eröffnung des Geistes über die neue Geburt.

Gegeben den 7. August 1829. (S. 170 ff)

 

Wer immer diese Worte von der neuen göttlichen Geburt im Menschen liest, der bitte den Herrn um ein reines, keusches Herz, und um den wahren, göttlichen Verstand, damit er sich nicht zu seinem Schaden an diesem Geheimnis stoße, welches der Herr allein seiner verlobten Braut gegeben hat.

Die Darstellung dieses Geheimnisses soll also nicht denen gelten, die es nach sinnlicher Weise auffassen möchten, nicht denen, die nach dem Fleisch leben, oder die das Rein-Geistige mit dem Sinnlichen, die heilige Ehe mit Christo mit der natürlichen Ehe nach dem Fleisch vermischen wollen.

Ja, soll die heilige Zeugung und göttliche Geburt nach dem ersten Menschen im Paradies in uns wieder hergestellt werden, wie sie (wenn Adam nicht gefallen wäre) hätte bestehen sollen, so muss notwendig die natürliche Zeugung und Geburt der neuen aufgeopfert werden. Amen!

In dem Namen Jesus Immanuel, Gott mit uns, den der Heilige Geist durch den Mund des Engels ausgesprochen hat, ehe Christus im Mutterleib der reinen Jungfrau empfangen ward (Luk.l,31).

Jesus Christus, als der Erstgeborene, ist durch seine Geburt ein Vorgänger in der Erstgeburt geworden aller Kinder, die durch das ewige, lebendige Wort Gottes wiedergeboren werden, durch welches wir auch wiedergeboren werden müssen, so wir anders selig werden wollen (I.Petr. 1,23; Joh.3,3-6).

Freuet euch, ihr Seelen, die ihr das Wort von der wesentlichen Wiedergeburt im rechten Sinn auffassen wollet und wirklich auffasst; denn auch heutzutage noch werden durch das ewige, lebendige Wort Kinder Gottes gezeugt und geboren.

Was denket ihr Seelen, die ihr nach Christi Namen genannt seid? Glaubt ihr etwa, diese Geburt habe aufgehört? Nein, auch heutzutage noch kann jede sich nach Gott sehnende Seele eine Maria werden; denn das Wort, das im Anfang war, ist noch jetzt in allen Dingen das Leben.

Aus dem Brunnen des ewigen Lichts entspringt ein klares, reines, himmlisches Wasser. In diesem Wasser befindet sich ein reiner Geist, der bekleidet ist mit der reinen, sanften Wesenheit des heiligen Bluts Jesu.

Sobald nun eine Seele von einem reinen Verlangen nach Jesu und von der Inbrunst seiner Liebe ergriffen wird, so zieht sie diese himmlische Wesenheit an sich. Sie empfängt in diesem Augenblick durch ihren magischen Zug etwas Wesentliches von dem unvergänglichen, süßen Wort, welches bereit ist, sich der nach ihm verlangenden Seele zu ergeben und sich mit ihr zu vereinigen.

Je reiner nun das Verlangen und die Begierde der Seele ist, je reinere Substanzen sie aus dem verklärten Leib und Blut Jesu sich aneignet, die sich durch die Kraft des Heiligen Geistes in ihr verklären.

Der Heilige Geist, der vom Vater und vom Sohn ausgeht, erweckt zuerst den Willen und das Verlangen der Seele, die alsdann eine süße, himmlische Inbrunst der Liebe zu dem Bräutigam der Seelen empfindet. Sie fängt auch wirklich an, von der Süßigkeit des heiligen Namens Jesu zu genießen, wodurch ihr reines Verlangen noch vermehrt wird.

Wenn dann die Seele in diesem Verlangen anhält, so nähert sich ihr Jesus im Wesen der himmlischen Weisheit, und speist sie mit einer reinen Wesenheit, mit der Herrlichkeit des ewig süßen Worts, welches von Anfang war. Diese Wesenheit fließt als ein himmlischer Same in die Mutter der Seele, nämlich in ihre anziehende Kraft, und aus diesem Samen entsteht ein neuer Mensch.

Sehr notwendig ist es dann, dass der Mensch diesen empfangenen Schatz, der noch sehr zart ist, wohl bewahre, daß er seine Gedanken und die Kraft seiner Einbildung nicht in die irdischen Kreaturen einführe; denn dadurch würde diese Geburt großen Schaden leiden, oder gar völlig zerstört werden. Richtet aber die Seele ihr Hauptaugenmerk auf Jesum, so entwickelt sich die in ihr begonnene Geburt nach und nach zu einem neuen, himmlischen Lichtleib, indem sie aus dem Zustand des Chaos durch die Kraft des Heiligen Geistes allmählich eine bestimmte Gestalt annimmt.

Während dieser Entwicklungsperiode ist es dringend erforderlich, dass die Seele sich ruhig verhalte, und das empfangene Wort in dem Willen Gottes bewege. Auch darf sie sich nicht mit Sorgen der Nahrung quälen, noch ihre Begierden in die Lust des Fleisches einführen. Soviel als möglich muss sie sich während dieser Zeit in die Verborgenheit zurückziehen, wie Elisabeth, die Mutter des Täufers Johannes, tat. Denn es würde für eine Seele sehr gefährlich, und der Entwicklung ihrer inneren Geburt sehr schädlich sein, wenn sie sich viel mit Weltmenschen abgeben sollte. Die Welt hält es für eine Schmach, wenn eine Seele mit dem ewigen Wort erfüllt ist; aber vor Gott und seinen Heiligen ist es eine große Ehre. Auch wird der Weltgeist einer solchen Seele mehr als sonst mit der Lust des Fleisches zusetzen, und wenn sie nicht einwilligt, sie von einer andern Seite angreifen, um ihre herrliche, gesegnete Frucht zu verderben.

Wenn die Seele sich nicht sorgfältig vor diesen Leidenschaften bewahrt, so können dieselben Ursache werden, dass die göttliche Frucht ganz zerrinnt, oder dass sie (wenn auch ihre Existenz erhalten wird) doch nur als eine unzeitige, oder gar als eine scheußliche, ungestalte Geburt, voller Flecken und Runzel, ans Tageslicht tritt, die vor dem heiligen und reinen Angesicht Gottes nicht bestehen kann, und samt der Mutter von demselben verstoßen wird. Denn wer den Tempel Gottes verderbt, sagt die Schrift, den wird Gott verderben.

Die reine Liebe zu Jesu aber erzeugt die herrlichste und reinste Frucht der neuen Geburt eines himmlischen Lichtleibes, und der kindliche, aber pünktliche Gehorsam gegen die Gebote Gottes und die gänzliche Verleugnung und Aufopferung seiner selbst sind die unfehlbarsten Mittel, das Wachstum und die Zeitigung dieser neuen Geburt zu befördern.

Ist nun die Zeit erfüllt, dass diese neue Geburt an das Licht treten soll, so entsteht Angst, Schrecken und Qual in der Seele. Diese neue Geburt kann nur mit Schmerzen ausgeboren werden, weil sie in der alten Natur und dem alten adamischen Leib gefangen liegt; und je mehr der eigene Wille der alten Natur den Beförderungsmitteln, die Gott darbietet (die gewöhnlich in schweren Leiden bestehen) widerstrebt, desto heftiger werden die Wehen. Da ist es dann sehr notwendig, dass die Seele den Heiligen Geist als ihren Helfer und Beistand anrufe, damit nicht durch den allzu großen Widerstand des Feindes die neue Geburt umkomme, und der himmlische Lichtleib verderbe.

Wenn aber die Seele sich frei in Gottes Hand ergibt, und alle unordentlichen Neigungen, welche die Geburt verhindern, unterdrückt, so geht dieselbe viel leichter vonstatten. Der Engel, oder der Geist der himmlischen, göttlichen Kraft, durchbricht alsdann die Hindernisse, und hebt den schweren Stein von dem finsteren Grab unseres eigenen Ichs, so dass der neue Mensch, der unter diesem Stein gefangen lag, in einer herrlichen Gestalt an das Tageslicht hervortreten kann.

Wie manche Geburt aus dem göttlichen Samen aber unter diesem Stein gefangen bleibt, wäre manchem schwer begreiflich zu machen. Doch ist es leider nur zu wahr. Wenn es zur Ausgeburt kommen soll, so wollen die meisten Seelen in der Stunde der Not, die oft lange anhält, ihre Kräfte nicht anstrengen, und so bleibt der ihnen mitgeteilte Geist von oben seufzend oft jahrelang in der Seele gefangen. Ja, von manchen muss er sich am Ende wieder entfernen und in seinen Ursprung zurückkehren, ohne den Zweck erreicht zu haben, zu dem er in die Seele gekommen war. Dann wird dieser Geist vor dem Richterstuhl Christi noch zu einem Ankläger der Seelen, die ihn nicht aufgenommen und gepflegt haben (Matth.25,35-36).

Ist aber diese Geburt einmal zum Vorschein gekommen, so erscheint der Mensch in einer ganz andern Gestalt, in einem neuen Leben im Geist und in der Wahrheit. Die Welt kennt dieses Kleinod nicht, denn der Mensch trägt diesen Schatz in einem irdenen Gefäss, in welchem das Kind der neuen Geburt (wie in einem unansehnlichen Stall) verborgen liegt. Selbst viele sogenannte Fromme, die aber nicht in den Stall der wahren Geistesarmut und in den Geist und das Wesen der wahren Frömmigkeit eindringen, lachen über das Geheimnis einer wesentlichen Neugeburt, ohne welche doch kein Mensch in das Reich Gottes eingehen, noch Gott sehen kann, er mag übrigens so fromm sein wie er will. Denn nur diejenigen Werke können Gott gefallen und vor Ihm bestehen, die aus dem neuen, aus Gott geborenen Menschen hervorgehen, der nicht in seiner eigenen Gerechtigkeit steht, sondern in der Gerechtigkeit und Heiligkeit Gottes.

Wenn nun gleich das Geheimnis einer solchen neuen Geburt (und der gesegnete und gebenedeite Zustand einer solchen Seele) weder von der Welt, noch von den gewöhnlichen Frommen erkannt wird, so freuen sich doch die Bewohner des Himmels darüber; ja, die seligen Geister und Heerscharen desselben singen ein Gloria und bezeugen ihr Wohlgefallen darüber, wenn eine Seele wieder fähig geworden ist, als eine Mutter den Samen des ewigen Worts in seiner wiedergebärenden Kraft aufzunehmen. Diese neue Geburt ist der Schlangentreter in der Seele, der sie zu ihrer völligen Erneuerung und zur Vereinigung mit Gott führt, in dessen Licht sie einst ewig glänzen wird. Nicht nur freuen sich alle seligen Geister dieser Geburt, sondern der Vater nimmt ein solches von Ihm gezeugte Kind auf seine Arme, als eine Pflanze, die Er gepflanzt hat, und zeigt es seinem Sohne.

Ein Mensch, der einen solchen Schatz in sich trägt, zeigt sich in seinem Tun und Lassen sehr verändert. Er wandelt nach der neuen Geburt, die die Eigenschaften nach der alten Geburt züchtigt, und sie in der göttlichen Kraft ebenfalls wiederzugebären sucht. Dieser neue Mensch hat keinen Geschmack an den irdischen Dingen dieser Welt. Er empfängt seine Nahrung aus der himmlischen Welt; ja, der heilige Leib und das Blut Jesu ist seine Speise, durch welche er täglich an Kraft zunimmt. Aber (wie schon gesagt) die Welt und die frommen Nachbarn können ein solches Kind des Himmels nicht erkennen. Oft auch liegt ein Mensch, der diesen kostbaren Schatz in sich trägt, auf armes Stroh gebettet, ist schlecht gekleidet und hat eine Hütte ohne irdischen Glanz. Doch damit der Leib, der eine solche göttliche Perle umgibt, nicht verderbe, sondern verpflegt werde, erweckt Jesus oft Seelen, die in fernen Ländern wohnen, dass sie als echte Magier, durch den Stern der Weisheit geleitet, endlich das Kindlein im Stall finden. Diese müssen dann den schwachen, menschlichen Leib, der das Kind umgibt, verpflegen, wofür ihnen der Segen des Kindes und seiner Mutter zuteil wird.

Was also jene frommen Nachbarn nicht erkennen, das erkennen oft solche, die dem Anschein nach weit entfernt sind. Wohl dem, der weit entfernt ist von dem Getümmel und den Lüsten dieser Welt, und von dem Treiben der grossen Babel. Einer solchen Seele wird es leichter, den Stern der Weisheit zu erblicken und zu erkennen, als denjenigen, die in Babel sitzen, und dabei meinen, sie säßen in dem geistlichen Jerusalem, der Stadt Gottes.

Ist nun jenes Kind geboren, und hat sich das Gerücht verbreitet, dass es ein Kind von hoher, königlicher Abkunft sei, so erzürnt sich der König der weltlichen Vernunft. Er erschrickt, weil er fürchtet, seine Herrschaft zu verlieren. Dann verstellt er sich und spricht: Ich möchte dieses Kind auch gern sehen. Aber er meint es nicht aufrichtig, sondern sucht das Kind nur zu töten. Die Weisheit aber, welche seinen Sinn erkennt, lässt dasselbe nicht in seine Hände fallen.

Darum sollen sich wiedergeborene Seelen, in denen das Kind Jesus sich verklärt, sehr zurückgezogen halten. Besonders sollen sie sich sorgfältig hüten, dass sie die Schätze der göttlichen Gnade nicht den Grossen und Gelehrten dieser Welt zur Schau tragen. Denn wenn der Geist Herodis in den Grossen und Gelehrten dieser Welt (und in den unwiedergeborenen Frommen) den Reichtum der Gnade erblickt, den ein solches Kind besitzt, so erzürnt er sich und sucht das Kind samt der Mutter zu töten. Wie nötig ist es also in solcher Zeit, dass diese Seelen sich in die Verborgenheit zurückziehen. Ja, der Herr gibt ihnen wohl gar die Weisung, sich zu entfernen, damit der Zorn des Wüterichs sie nicht erreiche.

0 himmlische Weisheit, wie wunderbar erhältst du deine Kinder! Du pflegst sie wie eine zärtliche Mutter und läßest sie dem wütenden Verderber nicht zur Beute werden. 0 welche Tiefe der Gnade und der Weisheit Gottes! Mac he dich bereit, du Mutter; gürte dich, samt deinem Volk auszuziehen. Das Licht der Gnade wird dir als eine Wolkensäule vorangehen. Folge getreu dieser Leitung, so wirst du die Stätte finden, die dir zu deinem Aufenthalt bereitet ist. Amen!