Widmung

 

 

 

Anläßlich unserer Görlitz-Reise Ende August 2002 haben wir in das Gästebuch in der Nikolai-Kirche folgenden Text gesetzt:

"Auf das Grab von Jakob Böhme haben wir eine frische Rose gestellt. Für uns ist Jakob Böhme einer der großen Wegbereiter für die Neuoffenbarung, die uns Jesus Christus, unser himmlischer Vater, durch Jakob Lorber geschenkt hat.

Die Dornenrose ist ein Symbol des Dornenweges von Jesus Christus. Er hat uns den Weg unserer geistigen Wiedergeburt bis zur Vollendung vorgelebt. Mit Seiner Kreuzigung wurde Jesus Christus als Menschensohn wieder vergottet.

Das Begleitheft der Evangelischen Kulturstiftung Görlitz werden wir mit Farbfotos in unsere Homepage aufnehmen. Diese Homepage haben wir Meister Eckehart, Jakob Böhme, Emanuel Swedenborg und Jakob Lorber gewidmet."

Görlitz, 28.8.2002

 

Nachfolgend wird dieses Begleitheft wiedergegeben, das später noch durch andere Arbeiten ergänzt wird, die uns anläßlich der Führung durch Frau Claudia Pioch und bei einem anderen Anlaß durch den Projektleiter, Herrn Gerhard Kienz, vorgestellt und erläutert wurden, der uns die Erlaubnis für den Abdruck des Begleitheftes und des Text-Heftes erteilt hat.

 

1. Begleitheft:

 

Begleitheft zur Jakob-Böhme-Ausstellung in der Nikolaikirche November 1999

 

Aus Anlaß der Internationalen Jakob-Böhme-Ehrung 1999/2000 der Europastadt Görlitz/Zgorzelec und der Region Oberlausitz-Niederschlesien  

 

 

 

Evangelische Kulturstiftung Görlitz

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Der Ausstellungsort: St. Nikolai Kirche

 

Gelegen in der Nikolaivorstadt, gilt sie als älteste erhaltene Kirche der Stadt (um 1100). Da die nahe Peterskirche Pfarrkirche war, wurde St. Nikolai als Friedhofskirche genutzt. In unserem Jahrhundert erhielt sie die Funktion einer Gedächtnisstätte für die Kriegsopfer des 1. Weltkrieges. Die neugotischen Säulen und die Namenszüge an der Emporenwand sind dabei mit einer modernen Farben- und Formensprache ausgestaltet worden, die der barocke Altar mühsam zu vermitteln sucht.  

In den vergangenen Jahren kaum zugänglich, war sie Lager des Interieurs der Dorfkirche von Deutsch-Ossig, die dem Kohleabbau zum Opfer fiel, und in Königshufen wieder erstand.

Die Festlichkeiten im Rahmen der Internationalen Jakob-Böhme-Ehrung 1999/2000 waren für die Evangelische Kulturstiftung Görlitz Anlaß, mit einer Dauerausstellung in St. Nikolai des berühmtesten Bürgers unserer Stadt zu gedenken, der auf dem mauerumfriedeten Kirchhof seine letzte Ruhestätte gefunden hat.

 

 

 

   

Nikolaikirche  

Das Thema der Jakob-Böhme-Ausstellung  

Der Lebensweg des Schuhmachermeisters unserer Stadt war anfangs so unbedeutend, daß niemand daran dachte, sein genaues Geburtsdatum zu überliefern (1575). Um das Jahr 1600 kommt es zu einem besonderen persönlichen Erleben J. Böhmes. Die Erscheinung war so überwältigend, daß es nicht in Worte zu fassen war. Für ihn ist es die Berührung mit einer anderen Welt, wenn er schreibt:

„Mir ist die Pforte eröffnet, daß ich in einer Viertelstunden mehr gesehen und gewußt habe, als wenn ich wäre viel Jahre auf hohen Schulen gewesen, dessen ich mich hoch verwunderte, wußte nicht, wie mir geschah. ... Denn ich sahe und erkannte das Wesen aller Wesen..., das Herkommen und den Urstand der Welt." (J. Böhme, Theos. Sendbriefe)                                                                                                                                     Sein ganzes schriftstellerisches Schaffen schöpft unaufhörlich von diesem Ergriffensein. Damit ergab sich der  Ausstellungstitel wie von selbst:  

"Wem die Tür zum Himmel geöffnet wurde - Jakob Böhme"  

In der Ausstellung bekommt der Besucher im Eingangsbereich einen Einblick in das Leben und Werk J. Böhmes (1575 - 1624). Es wird nicht der Versuch unternommen, aus der damaligen Zeit und den Lebensumständen das Werk des berühmtesten Görlitzers zu erklären. Genausowenig soll versucht werden, sich wissenschaftlich dem Philosophus Teutonikus, wie ihn Balthasar Walther nannte, zu nähern. Vielmehr wollen wir der Spur des Gottsuchers J. Böhme nachgehen. Dabei wird das Erleuchtungserlebnis eine zentrale Rolle spielen.  

Hier sind die Antworten zu finden, die der Schuhmacher auf seine grundlegenden persönlichen Fragen erhielt. Die Antworten gelten einem zweifelnden, angefochtenen Menschen;  

"Denn Gottes Liebe kommt allein den Schwachen, Demütigen, Verlassenen zu Hilfe, und nicht dem was in Feuersmacht fähret, nicht der Macht der Eigenheit, sondern der Ohnmacht und Verlassenheit." (J. Böhme, Mysterium Magnum)  

Das Ausstellungskonzept  

Der Ausstellung liegt von Anfang an die Überzeugung zugrunde, daß das Zeugnis von J. Böhme uns heutigen modernen Menschen eine Botschaft sein kann, die leben hilft, weil sie so hoffnungsvoll ist.

Dabei werden Zitate aus seinem umfangreichen Schaffen (über 34 Schriften) vorgestellt.  

Ein Prinzip der Textauswahl sollte die Einfachheit sein, weil sie dem Schuhmacher gemäß ist, wenn er schreibt: "Aber Gott wills also haben, es gefällt ihm wohl, daß er die Weisheit dieser Welt zum Toren macht und seine Kraft den Schwachen gibt." Er selbst hat sich nicht immer an dieses Prinzip der Einfachheit gehalten.  

Allein von Texten, die auch wegen ihrer notwendigen Kürze mißverständlich werden, wird eine Ausstellung nicht leben können.

Aber wie kann man sich noch dem Philosophus Teutonikus nähern, dessen Werk zu den schwierigen Texten der Weltliteratur gehört, dessen Sprache uns fremd ist, dessen Logik oft über die Vernunft hinausgeht und dann wie Narrheit klingt?  

Den Werkausgaben Böhmes sind Kupferstiche beigegeben als optisches Verständigungsmittel, das uns heute aber kaum weiterhilft in seiner mystischen Symbolik.  

Jakob Böhme stand bei seiner schriftstellerischen Arbeit, wie auch wir heute mit dem Ausstellungsprojekt, vor den Problemen, höhere Weisheit in irdische Worte zu fassen, d. h. "Ewiges" mit "Zeitlichem" zu verbinden. "Wie wollen wir das in dieser Welt mit Vernunftkunst finden, was nicht in dieser Welt ist."  

Jakob Böhme hat eine Lösung darin gesucht, daß er der Logik, dem Verstand nicht die vorrangige Erkenntnisfähigkeit zugesprochen hat, sondern den Leser in seinem Herzen und in seiner Seele anzusprechen versuchte.  

Er geht davon aus, daß das Herz und die Seele der himmlischen Weisheit verwandt sind und von daher erkenntnisvermittelnd wirken, ("Die Seele gehört der unsichtbaren Welt an, die der sichtbaren Welt doch ganz verborgen ist.")  

Wenn das so ist, müssen wir uns umso mehr mühen, die Botschaft Böhmes in die Tiefe zu bringen, in Bereiche des Inneren.  

Die Kunst kann dabei gute Dienste leisten. Im Sinne Böhmes "ist die Kunst Gottes Werkzeug, damit die Göttliche Weisheit arbeitet." Texte des Schuhmachers, in Verbindung mit alter Handwerkskunst, und Bilder, Installationen, Plastiken und Symbole sollen den Betrachter zum Meditieren anregen und behilflich sein, etwas vom Wesen der Botschaft zu vermitteln.  

Die Symbole Tür, Schlüssel und Riegel weisen immer wieder auf die Verborgenheit der Wahrheit, der Weisheit und des Lebenssinns hin. Es bedarf des menschlichen Willens und der Tat, um die Geheimnisse des Lebens zu erfahren.  

Hermann Hesse sagt dazu treffend: "Weisheit ist nicht mitteilbar. Weisheit, weIche ein Weiser mitzuteilen versucht, klingt immer wie Narrheit. Wissen kann man vermitteln, Weisheit aber nie. Man kann sie finden, man kann sie leben, man kann von ihr getragen werden, man kann mit ihr Wunder tun, aber sagen und lehren kann man sie nicht." (Siddhartha)  

Wenn im praktischen Vollzug das Geheimnis zu finden ist, dann gehört zum Ausstellungskonzept auch das Werkstattprinzip.

Der Stand der Ausstellung ist nicht als vollendet zu betrachten. Im Gegenteil, es ist ein Anfang gemacht, der sich fortsetzt, indem eine offene Gruppe von ganz verschiedenen Menschen sich von J. Böhme anreden läßt und jeder das gestaltet, was ihm persönlich wichtiq qeworden ist.  

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Ausstellungsschwerpunkte  

In der Dauerausstellung sollen vorerst 7 Ausstellungsschwerpunkte  eine Rolle spielen:  

1. Die unstandesgemäße Geistesgröße des Schusters Jakob Böhme

2. Der zweifelnde Gottsucher

3. Der Erleuchtete

4. Der aus der Dunkelheit kommende Verkünder des Lichts

5. Der angefeindete Prophet

6. Die verändernde Wirkung des Geschauten - Der neue Mensch

7. Jakob Böhmes Ende - Ein seliger Anfang

 

Thema 1

"Die unstandesgemäße Geistesgröße des Schusters Jakob Böhme."

 Für den interessierten Besucher, auch den, der sich vorher nicht mit Böhme und seinem Werk beschäftigt hat, werden im Eingangsbereich biographische und zeitgeschichtliche Informationen geboten, die zum eigentlichen Ausstellungsinhalt

führen sollen.

Die Texte sind im Rahmen des Projektes "Mystisches Haus - Böhme 99" entstanden, das Studenten des Studienganges für kulturelle Infrastruktur Sachsen der Fachhochschule Zittau/Görlitz entwickelt haben.

Jakob Böhme in seiner Werkstatt

 

 

                       Jakob Böhme 1575-1624

 

Helmut Silbermann (VBK Niedersachsen) "Der Schuster, der nicht bei seinen Leisten blieb - Philosophus Teutonicus Jakob Böhme 1575 - 1624"  

 

1575

Geboren als viertes Kind einer protestantischen Bauernfamilie in Nieder-Altseidenberg. Aufgrund seiner schwächlichen Gesundheit erlernt er das Schuhmacherhandwerk

1599 24.

April: Böhme wird das Görlitzer Bürgerrecht als Schuhmachermeister verliehen.

10. Mai: Böhme heiratet Katharina Kuntzschmann.

21. August: Erwerb des Hauses am Töpferberg

1600 29.

Januar: Der erste Sohn, Jakob, wird geboren.

Böhme hat ein mystisches Erlebnis beim Anblick eines zinnernen

Gefäßes.

 

 

 

 

1610

Neuerliche Erleuchtung

Bezug des Hauses zwischen den Neißetoren

1611

Niederschrift des ersten Werkes Die Morgenröte im Aufgang ...

genannt Aurora. Karl Ender von Sercha läßt ohne Wissen Böhmes

eine Abschrift anfertigen und verbreiten.

1613

Verkauf der Schuhbank (12. März)

Der Görlitzer Oberpfarrer Gregor Richter erfährt von der Abfassung der Aurora und bezeichnet Böhme öffentlich als gefährlichen Ketzer.

26. Juli: Verhaftung und kurzzeitige Inhaftierung durch den Magistrat;

das Buchmanuskript wird beschlagnahmt.

30. Juli: Glaubensverhör durch G. Richter und Schreibverbot

1618 Böhme setzt aufgrund des Drängens seiner Freunde seine Aufzeichnungen fort. Er legt sein Schuhmacherhandwerk gänzlich

nieder.

1619

Böhmes zweites Werk Die Beschreibung der drei Prinzipien göttlichen Wesens entsteht.

Zusammen mit seiner Frau betreibt er einen Garnhandel und ist geschäftlich viel unterwegs.

1620

Besuche bei einflußreichen Freunden; Krankheit und Erschöpfung;

es entstehen weitere Buchmanuskripte, die durch Freunde kopiert

und verbreitet werden.

1621-23

Böhme reist mehrmals nach Schlesien, wo ein Freundes- und Schülerkreis um ihn entsteht. Er führt zahlreiche Gespräche und Disputationen.

Es entstehen die Werke Vom dreifachen Leben des Menschen, Vierzig Fragen von der Seele, Von der Menschwerdung Jesu Christi, Sechs theosophische Punkte, De Signatura rerum, Von der Gnadenwahl, Mysterium Magnum, Theosophische Sendbriefe.

1624

Nach der Erscheinung des Werkes Der Weg zu Christo greift Gregor Richter Böhme erneut öffentlich an. Böhme entschließt sich, Görlitz zunächst zu verlassen. Im Mai begibt er sich nach Dresden, einer Einladung an den kurfürstlich sächsischen Hof folgend.

Eine Audienz beim Kurfürsten bleibt aus. Am 24. August stirbt Gregor Richter. Böhme kehrt krank und schwach am 7. November zurück nach Görlitz. Am 17. November stirbt er. Erst durch einen Stadtratsbeschluß wird die Durchführung des Trauergottesdienstes erzwungen. Das von Freunden gestiftete Grabkreuz wird geschändet.

 

 

   

Böhme-Stätten  

Geburtshaus Jakob Böhmes in Alt-Seidenberg (heute: Zawidow, Polen)  

Kirche von Seidenberg, Taufkirche Jakob Böhmes  

Das erste Böhme-Haus

Das von 1599 bis 1608 von Jakob Böhme als Eigentümer und bis 1610 als Mieter bewohnte Haus am Ostufer der Neiße. Heute kann man seine frisch sanierte rote Fassade in Zgorzelec bewundern.  

Das zweite Böhme-Haus (1610 - 1624) direkt am Neißetor, ist nicht mehr erhalten.  

Die Görlitzer Peterskirche

Hier heiratete Jakob Böhme 1599 Katharina Kuntzschmann, auch ihre vier Söhne wurden hier getauft. Hier hörte er die Erweckungspredigten Martin Mollers, mußte aber auch die Kanzelangriffe Gregor Richters über sich ergehen lassen.  

Das Pfarrhaus der Peterskirche

Amtswohnung Gregor Richters und Stätte des geistlichen Verhörs Jakob Böhmes am 30. Juli 1613  

Böhme-Grab auf dem Nikolaifriedhof

1869 stiftete die Oberlausitzische Gesellschaft der Wissenschaften zu Görlitz einen Grabstein. Das ursprüngliche Holzkreuz wurde kurz nach Böhmes Beisetzung vom Pöbel zerstört.

Die liegende Grabplatte mit Darstellung der philosophischen Kugel und der Abkürzung RS, Signatura, weist auf Symbole der Werke "Psychologia Vera" und "De Signatura Rerum" hin. Sie wurde 1922 von einem amerikanischen Freundeskreis gestiftet.  

Böhme-Denkmal

Das 1898 von Johannes Pfuhl geschaffene Jakob-Böhme-Denkmal kann im Park an der Brückenstraße betrachtet werden.  

 

Thema 2 "Der zweifelnde Gottsucher"  

Jakob Böhme nimmt an den Ereignissen seiner Zeit regen Anteil. Dabei muß er erleben, daß das Reformationswerk Martin Luthers Glaubenszwist, Bauernkrieg und den Dreißigjährigen Krieg nach sich ziehen, mit unsäglichem Elend für die Völker des Kontinents. Das christliche Europa ist gespalten und bedroht durch die vorrückenden Türkenheere, die Sieg um Sieg erringen. Der Balkan, ein wichtiger Absatzmarkt der Görlitzer Handelsware, geht verloren.  

Für Böhme ist dieses Geschehen nicht zufällige Willkür der Geschichte. Die Bibel, das Buch, was er wie kein anderes kennt, weist ihn auf den Heilsplan Gottes für diese Welt hin. Aber er kann diesen Heilsplan nicht erkennen. Daß alles sich selber überlassen sein könnte, oder daß der Fluch über der Welt stärker ist als der Segen, sind Fragen, die ihn anfechten.  

An der Bibel hält Böhme zwingend fest, als ob er ohne diesen Halt nicht hätte weiterleben können, nach dem Grundsatz: "Das ist Glaube, daß ich eher das Leben verlieren wollte, als seiner Verheißung nicht glauben wollen."

Er nimmt die Verheißungen ganz wörtlich und sucht verzweifelt nach dem Sinn des heillosen Geschehens.  

Um leben zu können, wählt Böhme den Weg, mit Gott um Antwort auf seine Grundfragen zu ringen. Er öffnet sich mit allen Zweifeln und aller Dunkelheit seines Herzens und seiner Seele. Ein anderer Weg wäre, die Fragen nicht an sich herankommen zu lassen, sich zu schützen durch eine innere Mauer oder sie einfach zu vergessen, damit das Innere geschont bleibt. Der Preis für den zweiten Weg ist hoch, nicht "selbst" sein zu können, das Besondere, die inneren Schätze verschließen zu müssen.  

 

Die 9. Welle  

                         Siegfried Kaden (nach einem Gemälde von Iwan Aiwasowski)  

Wasser kann Leben erhalten und vernichten. Zu denken ist hier an die Grimmigkeit der 9. Welle, die Schiffe bersten läßt und auch noch die letzten überlebenden Schiffbrüchigen zu verschlingen droht. Die Aussichtslosigkeit, die Gefährdung des Lebens kann kaum gesteigert werden, als in dieser Bildszene.

"Du ... zerbrichst dem Tode seine Gewalt ... und zeigest uns den Weg des Lebens '.. Du erquickest die Elenden. Du tränkest sie in ihrem Durst und gibst ihnen Wasser des ewigen Lebens... Die dürre Stätte des Herzens und der Seele befeuchtest du mit deinem Regen und gibst ihnen Wasser deiner Barmherzigkeit. Du machst sie mitten im Tode lebendig und richtest sie vor dir auf, daß sie vor dir leben." (J. Böhme, Vom heiligen Gebet)  

"So denn nichts Höheres ist als die Seele, so ist auch nichts, daß sie kann zerbrechen," (J. Böhme, 40 Fragen von der Seele)  

Die suchenden Augen  

                                           Elke Vockerodt: „Die suchenden Augen“  

Der erste und dominierende Ratgeber des Menschen sind seine Augen. Sie können funkelnd leuchten oder sind verhangen, je nach Gemütslage. Nur im Licht schweifen sie in die Ferne, unbrauchbar in der Finsternis.

Die Augen können offen sein und trotzdem geschlossen, mit Fensterläden von innen, wenn das Gesehene nicht mehr zu ertragen ist oder die Dunkelheit der Seele niemanden etwas angehen soll.

Der halbtote Baum, wie ein geplagter Mensch mit den suchenden Augen.  

"Ihnen (den Menschen) ist als wenn's immer donnert und wettert...

1. Die Härtigkeit gebäret harte, rauhe, kalte und herbe Qualität.

2. Die Süßigkeit ist verschmachtet, ... da kein Saft mehr im Holze ist, ...

3. Die Bitterkeit... ist bitter als Gallen.

4. Das Feuer brennt als grimmiger Schwefel.

5. Die Liebe ist eine Feindschaft.

6. Der Schall ist nichts als hartes Pochen gleich einem hohlen Feuerklang, als ob es einen Donnerschlag tät.

7. Das Revier des Korpus ist ein Trauerhaus.

(J. Böhme, Aurora 10,65)  

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Die ungelebten Gefühle  

G. Kienz, H. Kalke

 

"Das edle Perlein liegt in manchem angefochtenen bet.rübtem Gemüt gar viel näher, als in dem, der da meint, er habs ergriffen."

(J. Böhme, Trostbrief von den 4 Komplexionen)

 

Die Installation soll Denkanstöße geben, sich mit Dingen zu befassen, über die zu reden nicht üblich ist. Dinge des Inneren, die doch eigentlich niemanden

etwas angehen, die im kalten, dunklen Keller gut aufgehoben scheinen.

  

Die ungelebten Gefühle, die unerkannt bleiben sollen, geschützt vor Öffentlichkeit, Kritik, Mitleid, Eigennutz, Berührung. Dabei kann nur heilen, was lebt. Vielleicht gibt es noch etwas anderes zu entdecken im vergessenen Kellerversteck - Schätze der Seele -. "Wer in seinem eigenen Hause fremd sein könnte, das wäre die wahre Armut." (Meister Eckehart)

Aber ... der sanfte Geist des Herzens (die Sanftmut) durch die herbe und bittere Qualität fähret und überwindet dieselbe und ob er gleich... herb und bitter infizieret wird, ... dennoch überwindet er. So er aber wolle freiwillig in der Hölle im herben und bitteren Geiste bleiben sitzen und sich lassen fangen und nicht kämpfen, so wäre die Schuld sein." (J. Böhme, Aurora 18, 113/115)  

 

Thema 3 "Der Erleuchtete"  

Jakob Böhmes schriftstellerisches Werk hat eine ganz bestimmte Ursache. Es ist einem Erlebnis geschuldet, das ihn in seinem Innersten erschüttert und erhoben hat - die Erleuchtung aus dem Jahre 1600 und weitere Erfahrungen dieser Art -.

Diese innere Ergriffenheit war so überwältigend, daß es sich einem Vergleich mit der Wahrnehmung der menschlichen Sinne entzieht. Es war nicht in Worte zu fassen. Dieses Erlebnis ist einerseits als krankhafter Ausbruch eines extremen Gemütszustandes gedeutet und andererseits verglichen worden mit Beschreibungen ähnlicher Art bei Kirchenvätern und Heiligen. Die Bibel redet in diesem Zusammenhang vom "erfüllt werden mit dem Heiligen Geist".

Die Einsicht, die Intuition, die Erleuchtung, erlangte Böhme nachdem er ohne nachzulassen mit der Liebe und Barmherzigkeit Gottes gerungen hatte, um Antworten auf die Fragen der Sinnkrise seines Lebens zu erhalten:

"Als sich aber in solcher Trübsal mein Geist... ernstlich in Gott erhob, als mit einem großen Sturm, und mein ganzes Herz und Gemüt samt allen anderen Gedanken und Willen sich darein schloß, ohne nachzulassen mit der Liebe und Barmherzigkeit Gottes zu ringen, er segnete mich denn, ... damit ich seinen Willen verstehen möge und meine Traurigkeit los werden, so brach der Geist Gottes durch."

(J. Böhme, Aurora 19. 3-17)

 

Das geschaute Wunderbare:

,,So ist alsbald... mein Geist durchgedrungen und allda mit Liebe umfangen worden, wie ein Bräutigam seine liebe Braut umfängt. Was das für ein Triumphieren in dem Geiste gewesen sei, kann ich nicht schreiben noch reden, es läßt sich auch nicht vergleichen, als nur mit dem, wo mitten im Tode das Leben geboren wird. In diesem Lichte hat mein Geist alsbald durch alles gesehen und an allen Kreaturen an Kraut und Gras Gott erkannt. Wär er, wie er und was sein Wille sei."

(J. Böhme, Aurora 19. 3-17)  

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Die Jakobsleiter  

Reproduktion (von W. Blake, ca. 1800)

 

"Mir aber ist die Leiter Jakobs gezeiget, darauf bin ich gestiegen bis in den Himmel und habe meine Ware empfangen, die ich feil habe." (J. Böhme, Aurora 13,2)  

 

Thema 4 "Der aus der Dunkelheit kommende Verkünder des Lichts"  

Jakob Böhme erschrickt vor dem Bösen in der Welt, vor der Dunkelheit in seiner eigenen Seele. Er, der Empfindsame, Sanftmütige, Begabte leidet besonders an der Welt und muß feststellen, daß hier seine Seele nicht zu Hause ist.   

"Die melancholische Natur ist fInster und dürre, gibt wenig Wesenheit, frisset sich in sich selber und bleibet immer im Trauerhause, wenngleich die Sonne in ihr scheinet." (Trostschrift von vier Komplexionen)  

Diese Dimension der Tiefe nimmt Böhme nicht als unabänderlich hin, sondern ringt dagegen an, soweit es seine Kräfte erlauben, bis sich in erstaunlicher Weise seine Befindlichkeit, seine Sicht der Dinge grundsätzlich verändert.

Frederic F. Flach schreibt zu Phänomenen der Korrespondenz von seelischer Dunkelheit und Weisheit: "Die meisten kreativen Menschen werden... bestätigen können, daß sie... Phasen akuter Depression durchgemacht haben, aus denen sie stets zu höchster Kreativität gelangten."  

Wie wenn es eine Verbindung gibt, zwischen den tiefsten Tiefen des Gemüts und den höchsten Höhen der Erkenntnis. Wie wenn sich verworfen fühlen und auserwählt sein in aller Unvereinbarkeit zusammengehören.  

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Die Zweiflerin  

Katrin Jähne  

„Wohin sie auch bei sich schaute, sie sah nur Dunkel: keine Möglichkeit beten zu können, nur Kälte und innere Leere, als ob sie keine Seele mehr hätte, 'als ob Gott sie verstoßen hätte. Sie kam sich vor wie eingemauert in einem fensterlosen Gefängnis".  

Auf wen sollte ich meine Hoffnung setzten? (Herr) hilf mir wegen der Unendlichkeit deiner Erbarmungen...

(Da) war, als wenn der Herr vorüberging und als ob der Saum seines Gewandes ihre Seele berührte."  

(Wilhelm Schamonie, Die Nachtwache) - Uns verbindet, Türen aufgestoßen zu haben und vor immer neuen zu stehen.  

- Welche Tür sollte geöffnet, welche geschlossen bleiben?

- Kann man Türen umgehen? Was fehlt, wenn man sie umging oder bewusst verschloß?

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Der Verkünder

Katrin Jähne

Über der Verkündigung steht die Berufung, steht das Freisein ohne Vorsatz, hören auf das, was man innerlich tun muß, das "Ureigene", das "Auferlegte".

Die in ihrer Formsprache reduzierte Figur des  Verkünders drückt in seiner aufrechten Haltung, zugleich auch seine Verletzlichkeit aus.

Seine Qualität, seine Unerschütterlichkeit schöpft er aus der Kraft der inneren Berufung. Er lebt, wozu er geschaffen ist. Er ist sich selbst nahe.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

"Dem Menschen ist... auf Erden nichts ... nützlicher, als daß er sich lerne selber erkennen, was er sei, ... wohin er wolle. Was er werde, und wo er hinfahre, wenn er stürbe. Einem jeden ist das am nützlichsten zu wissen." (J. Böhme, Vom dreifachen Leben)  

Gerd Buschendorf

"Denn keiner hat das Prinzip der coincidentia oppositorum, der Widersprüchlichkeit der Welt und des Menschen, so bohrend durch- gedacht und so allseitig beleuchtet wie dieser tiefgründige Schustermeister...

 

Es war ihm die plötzliche Einsicht aufgegangen, daß alles auf dieser Welt sich nur an seinem Gegensatze zu offenbaren vermöge: das Licht an der Finsternis, das Gute am Bösen, das Ja am Nein, Gott an der Welt"(Egon Friedell zu J. Böhme,  Kulturgeschichte der Neuzeit)  

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

In diesem Sinne ergeben sich für mich aus den bisher gelesenen Schriften Jakob Böhmes Denkanstöße, die ich durch meine ausgestellten Arbeiten weiter zu vermitteln versuche.

Weniger Belehrungen oder Illustrationen zum Werk J. Böhmes sind das Anliegen, als vielmehr die Anregungen und Fragen, die sich in der heutigen Zeit aus der Beschäftigung mit seiner Philosophie ergeben. Wohin führt das Ringen um die Lösung von Widersprüchen? Verbergen sich nicht hinter jeder neuen Erkenntnis auch wieder neue Fragen? Tut sich nicht hinter jeder durchschrittenen Tür eine neue auf?

 

Welche Rolle spielen die Erfahrungen jenseits rationaler Zusammenhänge noch in unserer heutigen Zeit?

Welche Rolle spielt dabei die christliche Lehre, auf der sich J. Böhmes Philosophie gründet?

Fragen, auf die sich das Tryptichon mit dem Ausspruch von Tertullian, 2. Jhd. beziehen soll: "Gekreuzigt wurde der Gottessohn; das ist keine Schande, weil es eine ist..."  

 

,,(Es) erscheinen den Kindern gerade die ungereimtesten Dinge als die glaubwürdigsten, die unmöglichsten als die gewissesten: sie bringen den Märchen viel mehr Vertrauen entgegen, als einer nüchternen Erzählung, und halten überhaupt alle Phänomene, die den Gang der natürlichen Kausalität durchbrechen, nicht nur für die höheren, sondern auch für die realeren."

(Egon Friedeli, Kulturgeschichte der Neuzeit)

"In welchem die Liebe und Sanftmut ist, in dem ist auch das Licht des Himmels, es seien gleich Christen, Juden, Türken oder Heiden." (J. Böhme, Aurora 22,52)    

Thema 5 "Der angefeindete Prophet"  

Für J. Böhme war die Reformation Luthers nicht abgeschlossen, sondern fortwährender Erneuerung bedürftig, besonders wenn er sie in Dogmatik und Polemik erstarrt vorfand. Darüber hinaus ließ er Offenbarungen zu, die über die Bibel hinausgingen. Er ging davon aus, daß Gott auch nach Festlegung des Bibelkanons mit Menschen redet, sie in ihrer Zeit mit seinem Geist erfüllt.

Böhme war in diesem Sinne ein unorthodoxer Christ, der sich über Lehrmeinungen hinwegsetzte, was den Görlitzer Oberpfarrer Richter gemäß seiner Amtspflicht, über die reine Lehre zu wachen, zum Widerstand herausfordern mußte. Richter konnte in Böhme und seinen subjektiven Glaubenserfahrungen nur einen Feind der reinen Lehre erkennen, den es mit aller Macht zu hindern galt.

In einem unwürdigen Streit gelingt es Richter, den vermeintlichen Ketzer aus der Stadt zu vertreiben. Böhme hat seinerseits die Brücken zur Kirche nie abgebrochen.

Wie eine himmlische Gerechtigkeit mutet es an, daß bei dem großen Stadtbrand 1691 in der Peterskirche das überlebensgroße Bild des eitlen Pastor primarius Richter den Flammen zum Opfer fiel, während das Bild seines Vorgängers des Martin Moller, der Böhme geistlich nahe stand, bis heute in der Kirche zu sehen ist.  

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Die weiße Kanzel  

J. Böhme muß sich der Schmähungen des Oberpfarrers Richter erwehren.

"Herr Primarius, weiset mir doch... Euer christlich Herz! Seid Ihr Christi Hirte, wo ist Eure Liebe ...7 (J. Böhme, Contra G. Richter)  

"... Deswegen ist Eure Lehre so kalt... Ihr habt noch nicht

den rechten Hammer zur Glocke: das Wort habt ihr wohl, aber die Kraft ist nicht in Euch." (J. Böhme, Contra G. Richter)  

 

"Sein Lästern ist meine Stärke und Wachsen; durch seine Verfolgung ist mein Perlein gewachsen, er hat es herausgepresset und auch selber publizieret, deswegen wünsche ich ihm Gottes Erbarmen." (J. Böhme, Contra G. Richter)

 

Thema 6 "Die verändernde Wirkung des Geschauten - Der neue Mensch"  

Jakob Böhme sucht in der Sinnkrise seines Lebens einen Ausweg, um mit der Welt und mit sich selber in Einklang zu kommen. Er geht dabei einen geistlichen Übungsweg, der vor allem darin besteht, den biblischen Verheißungen des lebendigen Gottes uneingeschränkt zu vertrauen und bei ihm Antwort zu fordern. Auf diesem Weg kommt er mit seinem tiefsten Inneren in Berührung.

Er stürmt gegen die Höllenpforten, wie er es nennt, und drängt durch das, was ihm den Blick für die Welt des Lichts versperrt hat. Das Erlebte in seiner verändernden Wirkung ist plötzlich und so unbeschreiblich tröstlich. Böhme ist sprachlos. Er verschweigt das Erlebte 12 Jahre lang, bis es sich nicht mehr verheimlichen läßt.

Wenn sein kann, daß Traurigkeit zu Trost, Todessehnsucht zur Fülle des Lebens, Schatten der Angst zu Licht wird, dann führt ein Verschweigen zu Schuld gegenüber den suchenden Mitmenschen.

Böhme geht in seinem Werk davon aus, daß seinen Weg zu den Schätzen der Seele jeder nachgehen kann, der es nur ernsthaft will, und genauso beschenkt wird wie er. Sein Werk ist ein einziges Locken und Ziehen zu der Stelle, wo Gott zu finden ist, in die eigene Mitte, wo persönliche Veränderung geschieht.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Seelenspiegel

G. Kienz, H. Kalke  

Wenn der Mensch als Ebenbild Gottes geschaffen ist, als die Perle der Schöpfung gilt, mit besonderer Würde ausgestattet ist, dann liegt der Sinn des menschlichen Daseins in der Beziehung zu diesem Gegenüber.

Es gilt, den Spiegel in uns so aufzurichten, daß der Glanz der Ewigkeit reflektiert wird und damit unser Wesen sichtbar werden kann.

Alle Geborgenheit in der Welt bedarf dieses Glanzes der Ewigkeit zu mir. In diesem Gegenüber kann der Mensch die Dunkelheit, die Anfechtung, den Streit aushalten.

Menschen, deren Seelenspiegel von Bitterkeit rauh, von Dunkelheit blind geworden ist, denen die Sonne nicht mehr ins Herz dringt, möchte J. Böhme sagen:

"Wir sind mit unserer Seele in einer fremden Herberge, im Geist dieser Welt, der sie in sich gefangen hält, und könnten nicht zu Gott kommen, wenn Gott nicht Mensch geworden wäre." (J. Böhme, Vom dreifachen Leben des Menschen)  

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Die philosophische Kugel  

Siegfried Kaden

"Du hast in deiner Seele zwey Augen, die sind rücklings aneinandergesetzt; eines sieht in die Ewigkeit und das andere hinter sich in die Natur ..."

(J. Böhme, 40 Fragen von der Seele)

Diese schwebende Installation ist der Grabplatte Jakob Böhmes nachempfunden.

Auf ihr ist mit einfachen Konstruktionslinien das Gedankengebäude Böhmes dargestellt, das sich in seinem Werk erschließt.

Der Vollkreis symbolisiert das alles Umfassende, Verbindende - Gott. Im Inneren des Vollkreises sind Halbkreise schalenförmig ähnlich einer Zwiebel angeordnet, die mit dem Rücken gegeneinander stehen. Zwei dieser Schalen berühren sich in der Herz- und Kreuzmitte. Links das Auge der Welt, rechts das des Lichts, des Sonnenaufgangs.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

   

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Böhme sucht in seinem Werk den Menschen, mit seinem Herzen dargestellt, zur eigenen Mitte zu führen, weg von den dichten Dunkelheitsschalen des Sonnenunterganges, wo Hoffnung nicht sichtbar werden kann. In der Mitte treffen das Zeitliche und das Ewige zusammen, wobei das Herz in beide Bereiche hineinreicht.

"Wem Zeit ist wie Ewigkeit und Ewigkeit wie Zeit, der ist befreit von allem Streit." (J. Böhme)

In dieser Mitte, dem Kreuz Christi, ist fester Stand gegeben. Es bedarf nur der Annahme der Erlösungsbotschaft als freie Willensentscheidung. Im Zentrum ist das Bedrohliche auszuhalten, wird das Licht, d. h. der Segen über der Welt erkennbar.  

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Das Labyrinth der Lebensperle  

"Die meisten Menschen sind  wie ein fallendes Blatt, das weht und dreht sich durch die Luft, und schwankt und taumelt zu Boden, Andere aber, wenige sind wie Sterne, sie  gehen eine feste Bahn, kein Wind erreicht sie, in sich selber haben sie ihr Gesetz und ihre Bahn."  (Hermann Hesse, Siddhartha)

 

Siegfried Kaden  

Wie diese Perle im kupfernen Kanal, Einmal auf die Bahn geschickt, eilt sie auf ihrem Weg zum Grund der Reise, Sie wird gezogen, lässt sich fallen, läßt sich korrigieren, nicht lautlos, sondern geräuschvoll und klingend, wie eine

vertrauliche Frage nach dem WARUM, ohne Grimm, auf den Sinn und das Ziel vertrauend, Ihr Ziel zieht sie an, die Bahn ist nicht ihre Bleibe, Lasse die Perle deiner Seele nicht zu einem Ende gelangen, das ihrer Bestimmung widerstrebt,

"Da wir mit unserer Seele (die ewig und unzerbrechlich ist) in dieser Welt wie in einer fremden Herberge sind, aber gewiß wissen, daß wir wandern müssen.", so tun wir recht,

daß wir das Himmelreich suchen "" denn da erlangen wir die schöne Perlenkrone,.. "

(J, Böhme, Vom dreifachen Leben)

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

                                                           

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

                                 Kupferstich von 1730 : 

                                   Die Wiedergeburt

 

                       Keuschheit –Christi Leib – Weisheit

                                   Sanftmut -  Demut

                               Barmherzigkeit –Wohltun

                                        Geiz – Neid

                                      Zorn – Hoffart  

                                Unzucht- Fleisch- List

 

Thema 7 "Jakob Böhmes Ende - Ein seliger Anfang"  

"Dann ruhte Jakob Böhme mit geschlossenen Augen, bis ihm in der Stille eine leise Musik erklang. Sie kam aus der Ferne unirdisch schön. Aller Zwiespalt der Welt war in ihren Harmonien geheilt. Leise fragte er, ob er ,Tobias, die Musik höre. Der Sohn schüttelte den Kopf. Da verstand Böhme, daß er schon allein dort stand, wohin sie ihm nicht mehr folgen konnten, die ihn liebten."

(Edith Mikeleitis zu Böhmes Ende)  

"Darum ist ein fester Schluß zwischen... (dem) obern Himmel und dieser Welt. Denn die Feste zwischen ihnen ist der Tod, der herrscht an allen Enden... in dieser Welt, und damit ist diese Welt verriegelt, daß (der) ... obere Himmel nicht ... in diese Welt kann, es ist eine große Kluft zwischen ihnen."  (Aurora 19,31)  

"Hie, Mensch besinne dich: Was für einen Samen du wirst in die Erde säen, ein solcher wird auch aufgehen und ewig blühen und Frucht tragen, entweder in Liebe oder in Zorn. Wenn aber das Gute wird von dem Bösen geschieden werden, als dann wirst du deinen hie erworbenen Teil leben, es sei gleich im Himmel oder in höllischem Feuer. Wohin du jetzt wirbst, da fähret deine Seele hin, wenn du sterbest."( Aurora 18, 76/77)

 

 

 

Die vergangene Zeit  

Etwas wunderlich Fremdes ist in eine weite Landschaft gesetzt, wie in einem Traumbild, wo außen Gesehenes von der inneren Wirklichkeit umgestaltet wird.

Aus einer trichterförmigen Öffnung des Himmels rinnt der Sand der Zeituhr in die Ebene. Er hinterläßt in der Landschaft einen vollkommen gestalteten Kegel, der in seiner Harmonie auf den himmlischen Ursprung hinzuweisen vermag. Es sieht so aus, als wenn alles Stückwerk menschlichen Bemühens durch eine ordnende Hand vollkommene Form erhalten hätte.  

Siegbert Hahn

 

 

Die Sanduhr als Gefäß verbindet Himmel und Erde Zeit und Ewigkeit auch Tod und Leben, sobald das letzte Korn fällt. Der Vorrat ist begrenzt, was dann? Die Bedrohung durch das absehbare Ende ist erkennbar. Es sieht andererseits so aus, als ob sich der Mensch nicht in seiner Vergänglichkeit verliert. Das gefüllte, wie das leere Gefäß behält seinen Stand im Himmel. Als wenn die am Sandkegel ordnende Kraft die Lebensuhr mit Ewigkeit füllen möchte, für den, der es annehmen kann.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

"Gott, ich bitte von dir nicht Gesundheit, nicht Krankheit, nicht Leben, nicht Tod, sondern daß du über mein Leben verfügst zu deiner Ehre."

(Paracelsus)

   

Zwei Tore  

Siegbert Hahn  

"Wir sind doch allhier in diesem Leben nur Fremde und Gäste und dazu Pilgersleute, die alle Stunden müssen warten, wenn sich dieses Leben endet." (J. Böhme, Vom dreifachen Leben des Menschen)

Zwei Tore markieren das Eintreten und  Verlassen. Es ist nicht erkennbar, was vor dem Eingang und hinter dem Ausgang liegt, - ein verborgener Bereich -. Für J. Böhme hat sich dieser Bereich geöffnet, wo er mit Liebe umfangen wurde.

"Der Jünger sprach: Wie mag ich denn den nächsten Weg zu ihr (der Liebe) finden? Der Meister sprach: Wo der Weg am härtesten ist, da gehe hin, und was die Welt wegwirft, des nimm dich an, und was sie tut, das tue du nicht: ... so kommst du

den nächsten Weg zu ihr .'1

(J. Böhme, Vom übersinnlichen Leben)

 

Türsymbolik

 

Als alltäglicher Gegenstand begegnet uns die Tür in einer Vielfalt, die nur dann bewußt wahrgenommen wird, wenn man eine ganz bestimmte Räumlichkeit sucht.

In der Nikolaikirche begegnen Ihnen Türen, die ihrer eigentlichen Funktion entbunden sind.

Die Tür, nicht als technisches Bauelement verstanden, sondern als Symbol, vermag in einfacher Weise die Botschaft des berühmtesten Bürgers unserer Stadt zu vermitteln.

Jakob Böhmes gesamtes Werk bewegt sich immer wiederkehrend um die Gefährdung der menschlichen Existenz durch das Vorhandensein von

 

Gut und Böse

Licht und Finsternis

Leben und Tod

Ewigkeit und Zeit.

 

Jakob Böhme bringt an einer bestimmten Stelle grundsätzlich Unvereinbares zusammen.

Aber wie soll der logische Verstand damit zurechtkommen? An dieser Stelle der Erklärungsnot kann uns das Symbol "Tür" helfen. Sie ist das Verbindende von zwei Gegensätzen: des Eingangs und des Ausgangs.

Je nach dem von welcher Seite man die Tür betritt, ist .sie Durchgang zur begrenzenden, schützenden Geborgenheit des "Inneren" oder Durchgang zur offenen Weite des „Äußeren". Sie verbindet Kommen und Gehen. Sie ist die Stelle, wo Gegensätze, die sich eigentlich ausschließen, zusammengehören, eine Einheit bilden, wo die widerstreitende Polarität aufgehoben ist.

Lassen sie sich mitnehmen auf einen Weg, den unser Mitbürger Jakob Böhme gegangen ist und der sich vor 375 Jahren in unserer Stadt vollendet hat.

Vielleicht hat der Görlitzer Schuster, dem die Tür zum Himmel geöffnet wurde, uns Heutigen noch etwas zu sagen.