Himmlische Verbindung

 

 

Himmelshell, silbrigblau

aus der Ewigkeit

in die Ewigkeit

fließt der Fluß „Tränentau".

 

An den Fluß, unbedacht,

trat mein strahlend Ich,

und es neigte sich,

bis sein Bild froh ihm lacht.

 

Teilte sich da mein Ich,

daß mein Bild erblüht,

lebensvoll erglüht?

Ach, wohin zog es mich!

 

Wie ich selbst mir entglitt -

Werdens Lust und Weh

überfiel mich jäh!

Tränentau riß mich mit!

 

Fern der Ruf: Unser Schein

warf des Bildes Glanz

auf den Wellentanz.

Denke dran, und bleib mein! -

 

Diesen Ruf noch im Ohr

such ich sehnend Dich,

Du mein strahlend Ich.

Komm und heb mich empor!

 

 

Froher Tage lichtes Linnen

dir zu spinnen,

dich zu kleiden

mit den Seiden

sanfter Träume,

Sternenstunden dir zu schenken,

deinem Denken

blumenreichen Pfad zu weisen

und mit leisen,

sachten Händen

abzuwenden,

was mit drohenden Gebärden

deinen Frieden will gefährden,

dich als Führer zu geleiten

auf dem Pilgerweg, dem weiten -

bin von Gott ich ausgesendet.

Und vollendet

ist mein Wirken, wenn dein Wesen,

erdgenesen,

mit dem meinen

sich zu einem glockenreinen

Einklang bindet.

Denn da oben,

einverwoben

den Akkorden ew'gen Seins,

sind wir eins.

Nur mit dir kann ich durchschreiten

aller Zeiten

letzte Pforte.

Dieses ist's, was ohne Worte

sich im Licht mir offenbarte.

Komm, ich warte!

 

 

Alles Süße, das wir einst erlebten,

du und ich,

alle Träume, die uns hold umschwebten,

dich und mich,

ruhn in uns und tun, als ob sie schliefen;

doch ich weiß von Nächten, wo sie riefen,

flehentlich.

 

Will ich meines Weges weiterwandern,

fort von dir,

will ich frei und froh sein mit den ändern,

ruft's in mir

wie ein Lied, das nicht zu End gesungen,

ein Akkord, der noch nicht ausgeschwungen

und sagt „Wir".

 

Neigt sich meine stolze Seele wieder

deiner zu,

tauen alle Träume auf uns nieder -

Himmelsruh.

Wir nur können dem Vollendung schenken,

was sein Leben dankt geeintem Denken:

Ich bin du.

 

 

Eine Silberstraße übers Meer

baut der Mond. Da komm ich dir entgegen,

doch ein kurzes Stück nur, deinetwegen,

daß du selber findest zu mir her.

 

Alle schlafen. Nur wer träumen kann,

weiß die Erdenschuhe abzustreifen,

nach des Mondenlichtes Strahl zu greifen

und den Weg zu finden dann und wann.

 

An der Silberstraße deiner Träume

steh ich oft ... und oft gehst du vorbei;

blickst mich an, als ob ich fremd dir sei,

kehrst zurück in unerschlossne Räume.

 

Warten muß ich, warten dir zuliebe,

bis du selber mir entgegenreifst,

selbst des Mondenlichtes Strahl ergreifst. -

Du wärst so allein, wenn ich nicht bliebe.

 

 

Von mir zu dir, von dir zu mir

spannt sich die schwingende Brücke des Schweigens,

klingen die Klänge des himmlischen Reigens,

schwingend im Rhythmus des Fallens und Steigens,

im Atem der Gottheit, im Atem des Schweigens,

und du und ich verglühn im „Wir".

 

 

Sieh die Pfeile, die nach oben

leuchtend eilen hin am Himmelsrand.

Hör die Engel, die Gott loben,

schau, wie alles glüht im Liebesbrand!

Sieh, dort oben wirst du einstmals stehen,

wenn wir durch die enge Pforte gehen

Hand in Hand.

 

Schau mich an, wie ich dich sehe,

fühle mich in deiner Nähe,

sieh, ich steh vor deiner Tür.

Steh vor dir und schaue in dein Sinnen,

ob die reinen Ströme rinnen

auch in dir.

 

 

Sanft wie das Winden eines weichen Bandes

sind du und ich seit Ewigkeit verbunden,

ich, Bote eines fernen, fremden Landes,

kann nur mit dir vereint gesunden.

 

Das Band, das uns verbindet, ist verschlungen,

du mußt allein den Knoten darin lösen,

und ist das Lösen endlich dir gelungen,

sind wir genesen.

du Mich kennst,

 

 

Ob du Mich nennst,

Ich bin der namenlose Grund in dir.

Wo du Mich suchst, und wie du rufst nach Mir,

bin Ich dein Retter, Richter,

bin dein Schild, dein Schwert -

und - gibst du Mir Gestalt -

dein Meister, der dich lehrt.

Ich bleib verhüllt, Ich offenbare Mich

nach deiner Kraft. So wirke Ich durch dich,

wie du Mich denkst

und dich Mir schenkst.

 

 

Das Feuer, das ihr kennt,

'ist jenes, das verbrennt.

Das Feuer, das ihr meint,

das euch als Sonne scheint,

ist jenes, das vereint.

 

Entzündet Licht an Licht

in jubelndem Verzicht.

Verschenkt euch und erlebt,

wie sich aus Flammen hebt

das Ich, das ihr erstrebt.

 

 

Engel, der im Abendlicht

lautlos durch die Stube geht

und aus Jubel und Verzicht

die Erinnrungskränze flicht:

Gib, daß meinem Blick ersteht

das verloschne Angesicht!

Lange, lange sah ich's nicht,

Dämmer fiel - es wurde spät,

Wolken zogen schwer und dicht,

Staub des Alltags, Schicht um Schicht,

hat die Fußspur zugeweht. -

Dennoch! Irgendwo im Licht

blüht dein holdes Angesicht,

weiß dein Herz um mein Gebet,

dem dein Mund das Amen spricht.

 

 

Schenk mir Engelskräfte, Liebesüberfluß,

daß ich nicht versage, wenn ich helfen muß!

Weiß wohl, daß der Himmel meiner kaum bedarf,

doch auch, daß der Vater nie mein Mühn verwarf.

Viele müde Herzen stehn sich selbst im Licht -

ist sie freizulieben nicht der Engel Pflicht?

 

 

Engel wirken in der Stille,

t wollen nicht gesehen sein.

Was sie tun, ist Gottes Wille;

strahlend strömt er in sie ein.

 

Strahlend schenken sie ihn weiter

wie Kristall, darin das Licht

ihrer Regenbogenleiter

sich vieltausendfaltig bricht.

 

Engel können Schmerzen stillen,

sind der Gottesliebe Schein.

Täten sie den eignen Willen,

könnten sie nicht Engel sein!

 

 

Was aus den Himmeln auf die Erde niedertaut,

die Urkraft der Ideen, der verliehnen,

nach denen ihr am Werk der Menschheit baut:

Sie sind zuerst im Seelenlicht erschienen,

ein Wunschbild, trunknen Auges angeschaut.

Und alle Engel sind bereit zu dienen

dem Gläubigen, der seiner Sendung traut.

 

 

Im Schweigen

da steigen

die Engel hernieder

und bringen die Lieder

des Himmels der Erde,

daß heller sie werde.

 

Wir stehn an der Wende!

Den Ring ohne Ende

im Nehmen und Geben,

Herr, laß uns erleben

in heiligen Stunden -

verflochten, verbunden.

 

Die Einheit der Erde,

Herr, unser einst werde!

 

 

Nicht eine Kette, ein Kranz nur von glühenden Rosen

sei die Gemeinschaft der liebendgebundenen Seelen,

frei und befreiend ihr Wirken im Dienste des Höchsten,

schrankenlos schenkend das Blühen zum Preise der Allmacht,

bis ihr das Himmelsgewölbe als Sterne erleuchtet.

 

 

 

Sieh, ich schreite dir zur Seite,

sieh, ich breite

meiner Lichterkenntnis Weite

dir zu Füßen,

denn ich kenne Schuld und Büßen,

Lust und Leiden.

Und von beiden

trag ich goldgewirkte Zeichen

im Gewand, dem wolkenweichen,

windhauchgleichen.

Seinem Rauschen

sah ich dich schon oftmals lauschen,

sah dich oftmals leis erschauern,

denn mein Auge schaut durch Mauern ...

Sag, was macht mein Nahn dich zittern,

du, mein Bruder, hinter Gittern,

hinter Gittern deiner Sinne?

Werde meiner Liebe inne!

Sieh, ich teile deine Tage,

sieh, ich trage deine Klage

zu dem Heiler aller Herzen,

dem Beschwichtiger der Schmerzen.

Heiltrank haltend in den Händen

kehr ich wieder, zu verschwenden,

zu verströmen, was ich habe -

unsres ew'gen Gebers Gabe!