jardin62

 

Aus dem gleichnamigen Buch vom Dayar-Verlag Graz:

 

BIOGRAPHIE  UND  NACHWORT

 

 

Hella Zahrada wurde am 26.März 1896 in Prag geboren, wo ihr Vater Martin Hegedusic zu dieser Zeit als Offizier der österreichisch-ungarischen Armee diente. Der Vater stammte aus Hlebine bei Kopreinitz in Kroatien, die Mutter, Blanka geb. Kamitska, aus Kesmark in Ungarn. Ihre Jugend verbrachte Hella in der damals noch zu Österreich gehörenden Stadt Marburg an der Dräu, einem Ort, der bei vielen altösterreichischen Offizieren und Beamten als Ruhestandsaufenthalt beliebt war und in den sich auch Martin Hegedusic nach seiner Pensionierung als Oberst mit seiner Familie zurückgezogen hatte.

 

Hella besuchte in Marburg das Gymnasium und eine Musikschule und war dann dort als Musiklehrerin tätig. Im Jahre 1919, im Alter von 23 Jahren, verlobte sie sich mit Viktor Zahrada, einem österreichischen Offizier, den sie bei einem Besuch ihrer in Feldbach lebenden Schwester Draga Nitsche kennengelernt hatte. Viktor Zahrada, der, wie die meisten jüngeren Offiziere, infolge des Zusammenbruches der Mittelmächte und der Auflösung der österreichischungarischen Armee seinen Beruf wechseln mußte, wandte sich dann einem technischen Studium zu. Nachdem er dieses abgeschlossen und bei den Siemens-Werken in Köln eine Anstellung gefunden hatte, heirateten Viktor und Hella am 28. August 1922 in Marburg und begründeten ihren Wohnsitz zuerst in Köln. Die Zeit des Aufenthaltes in Köln benützte Hella Zahrada, um ihre musikalischen Kenntnisse durch ein Studium an der Rheinischen Musikhochschule zu vervollkommnen.

 

Im Jahre 1925 wurde Viktor Zahrada nach Wien versetzt. Hier verbrachte das Ehepaar das nächste Jahrzehnt. Es waren zum Teil sehr schwere Jahre, da der Gatte in dieser Zeit auch lange arbeitslos war, aber Jahre, die für die geistige Entwicklung Hella Zahradas entscheidend waren. Im Herbst 1936 wurde Viktor Zahrada dann in die Siemens-Werke nach Berlin berufen. Doch hatten sie dort ihren Hausstand noch gar nicht eingerichtet - sie wohnten zunächst möbliert - als Viktor Zahrada am 25. Januar 1937 völlig unerwartet im Alter von nur 46 Jahren an einem Herzversagen starb.

 

Hella Zahrada entschloß sich, trotz dieses Schicksalsschlages in Berlin zu bleiben. In dem befreundeten Ehepaar Frh.v.d.Horst fand sie in den ersten schweren Jahren eine starke Stütze. Rudolf Frh.v.d.Horst, selbst ein Sucher, hatte in dem Kreis des damals in Berlin wirkenden persischen Mystikers Iranschähr die Ephides-Gedichte kennen gelernt und mit dem Ehepaar Zahrada sofort nach ihrem Eintreffen in Berlin Kontakt gesucht. Es entwickelte sich daraus eine lebenslange Freundschaft.

 

Hella Zahrada arbeitete in den folgenden Jahren als Büroangestellte bei den Siemens-Werken, leistete dann eine Zeit lang Kriegsdienst als Wehrmachtshelferin und war nach dem Krieg in ihrem erlernten Beruf als Musiklehrerin tätig. Sie lebte in sehr bescheidenen Verhältnissen, doch war sie in ihrer Anspruchslosigkeit damit so völlig zufrieden, daß selbst ihre Angehörigen und nahen Freunde nicht ahnten, wie sehr sie haushalten mußte. Ihrer Wahlheimat Berlin blieb Hella Zahrada treu und sie verließ die Stadt nur mehr für kurze Reisen zum Besuch ihrer Geschwister in der Steiermark und geistiger Freundeskreise in der Schweiz, in Österreich und in der Tschechoslowakei.

 

In Berlin geschah es auch, daß sie die irdische Welt verließ. Am Morgen des 25. Januar 1966 - am gleichen Tag, an dem 29 Jahre zuvor ihr Gatte in die andere Welt hinübergegangen war, wurde sie am Morgen bei brennendem Licht, in einem Sessel sitzend, tot aufgefunden. Ihre Züge drückten zeitlose Ruhe und Frieden aus.

 

                                   …………………

 

Hella Zahrada war ein Mensch von besonderer, in gewissem Sinne zwiespältiger Veranlagung. Im Irdischen war sie ein fröhlicher, allem Schönen aufgeschlossener, tüchtiger Mensch, der zuversichtlich sein Leben meisterte. Andererseits aber war sie das, was man in der Parapsychologie »sensitiv« nennt, d.h., sie hatte eine Wesensstruktur, in der das physische Gehirnbewußtsein durchlässiger für Einflüsse aus psychischen Bereichen ist und in der die einzelnen Wesensteile des Menschen lockerer geschichtet sind, so dass das Bewußtsein von einem Bereich zum ändern wandern kann.

 

Wie sie in einer unveröffentlichten Autobiographie erzählt, hatte Hella schon als kleines Kind in ihrem dritten Lebensjahr bisweilen das Gefühl, aus ihrem Körper herausgezogen zu werden. Sie fürchtete sich davor und es entschwand ihr dann das Bewußtsein. Wie ihre Eltern ihr später erzählten, saß sie dann mit gefalteten Händen aufrecht in ihrem Bettchen, mit Augen, die niemanden erkannten. Es währte manchmal eine Stunde, bis sie aus diesem Zustand geweckt werden konnte.

 

Nach dem dritten Lebensjahr verloren sich diese Erscheinungen

und, wie Hella Zahrada selbst berichtet, hatte sie erst im Alter von 23 Jahren wieder ein ähnliches Erlebnis. Eines Morgens, als sie in halbwachem Zustand im Bett lag, empfand sie plötzlich, sie habe außer den Armen, die unbewegt unter der Bettdecke lagen, noch zwei andere Arme, mit denen sie aber, wenn sie sie bewegte, durch die umliegenden Gegenstände hindurchgriff, ohne sie anfassen zu können. Ähnliches empfand sie bei ihren Beinen, und als sie schließlich überlegte, wie es wohl mit ihrem Kopfe stehe, fühlte sie sich im selben Augenblick aufrecht über ihrem Körper stehen. Diesmal empfand sie keine Angst, sie überlegte vielmehr, ob sie in diesem Zustand wohl einen Spaziergang durch die Stadt machen könne. Sofort fühlte sie sich, ohne das Bewußtsein ihres im Bett liegenden Körpers zu verlieren, emporgehoben und über der Stadt und dem Draufluß mit seinen Brücken dahinschweben. Als sie aber den Gedanken faßte, „ich möchte nach meinem Körper sehen", fühlte sie sich blitzschnell wieder von ihrem Körper eingesaugt.

 

 

                                                                                                             

 

Es vergingen dann wieder einige Jahre ohne derartige Erlebnisse, aber nach ihrer Eheschließung traten sie wieder auf und wurden häufiger. Als sie sich einmal in Köln einer Operation unterziehen mußte, war sie überrascht, sich in der Narkose in einem gleichartigen Zustand zu finden. Sie wußte aber in dieser Zeit ihre Erlebnisse noch nicht zu deuten, da sie bis dahin keinerlei diesbezügliche Literatur gelesen oder sonstige Belehrung erhalten hatte.

 

Erst in Wien wurden Hella Zahrada und ihr Gatte, ohne es gesucht zu haben, in geistige Kreise eingeführt, insbesondere in jenen um Hans Malik. Sie besuchten Sitzungen mit Sprechmedien, hörten aber auch Vorträge der verschiedensten anderen geistigen Richtungen und hatten so Gelegenheit, sich mit den Theorien über okkulte Erscheinungen vertraut zu machen.

 

Hella Zahradas Gabe, aus dem physischen Körper auszutreten und bewußt in zwei Welten zu leben, entfaltete sich lun, ohne daß sie es wollte, ja eigentlich gegen ihren Willen mehr und mehr. Sie wurde in ihren Wanderungen im feinstofflichen Körper sicherer, erlebte, wie sie in diesem Zustande durch Mauern, ja selbst durch Felsen hindurchzugehen vermochte, und machte Experimente, indem sie die Wahrnehmungen, die sie im leibfreien Zustand gemacht hatte, nach der Rückkehr in ihren Körper auf ihre Richtigkeit überprüfte. Ihr Gatte stellte fest, daß ihr ruhender Körper während ihrer Astralwanderungen einen stark verlangsamten Puls und Atemrhythmus aufwies.

 

Die wesentlichste Erkenntnis, die Hella Zahrada aus diesen Erlebnissen schöpfte, war die ungeheure Bedeutung der menschlichen Gedanken. An einen anderen Ort zu denken, bedeutete im leibfreien Zustand, im selben Augenblick auch schon dort zu sein. Im zwischenmenschlichen Verhältnis erschienen Gedanken in dieser Welt als lebendige Kräfte, die ebenso helfen wie verletzen konnten. Furcht zu haben bedeutete, sofort in eine dichtere Sphäre hinabgezogen zu werden, in der sie sich bedrohlichen Gestalten gegenübersah. Ein Anruf Gottes, ein Kreuzzeichen oder dergleichen konnte dann zwar befreiend wirken, aber sie fand es schwierig, sich in einer solchen Lage dazu aufzuraffen.

 

Im Herbst 1932 traten bei Hella Zahrada neue Erscheinungen einer von ihr bis dahin nicht gekannten Art auf. Sie empfand, wie sie später erzählte, wiederholt einen inneren Befehl, einen Bleistift zur Hand zu nehmen, und ihre Hand wurde dann von einer ihr unbekannten Macht geführt. Zuerst waren es nur Striche und Bögen, die sich zu Ornamenten und Zeichnungen fügten, was ihre Hand schuf. Dann aber ging ihre Schulung weiter, und eines Tages bemerkte sie, daß das, was sie in diesem Zustand schrieb, Buchstaben waren. Im November 1932 wurde sie, wie Viktor Zahrada im Vorwort zum ersten, Ende 1933 im´Selbstverlag erschienenen Gedichtband berichtet, auf solche

Weise zum ersten Mal Mittlerin einer zusammenhängenden in Prosa verfaßten Botschaft ethischer Natur. Am 25. Mai 1933 wurde ihr auf gleiche Weise das erste Gedicht gegeben.´

 

Über das mediale Schreiben sagt Viktor Zahrada in dem erwähnten Vorwort:

,, . . . das Medium ist sich beim Schreiben über den Sinn, die Form und die Art der zu erwartenden Mitteilung völlig im Unklaren. Es vermag lediglich mitzulesen, vorausgesetzt, daß nicht die Geschwindigkeit der Niederschrift bei der Undeutlichkeit der Schriftzeichen auch das unmöglich macht, so daß nur mehr eine nachträgliche Entzifferung der Schrift nach vorhergehender Worttrennung und Interpunktierung möglich erscheint."

 

Auf solche Weise entstanden in den Jahren 1933 bis1936 über 120 Gedichte.

 

Später veränderte sich die Art der Durchgabe. Die Gedichte wurden nicht mehr automatisch niedergeschrieben, Hella Zahrada hörte sie innerlich und schrieb sie danach nieder. Manchmal hörte sie sie auch zuerst als eine Melodie, aus der sich erst allmählich die Worte formten. Auch das aber war, wie sie selbst betonte, keine bewußte eigene künstlerische Schöpfung, sondern nur die Weitergabe von etwas Empfangenem. Ihre künstlerische Begabung - sie war eine vorzügliche Pianistin - beschränkte sich auf das Gebiet der Musik. Frh. v.d. Horst berichtet darüber:

 

„Hella Zahrada konnte nicht dichten, sie konnte selbst nicht eine einzige einigermaßen vernünftige Reimerei zustande bringen und hatte auch gar keine Lust dazu. Sie hörte innerlich das vollständige Gedicht ertönen und schrieb es nach diesem Diktat auf, ohne nach den ersten Worten zu wissen, wie es weitergehen und wie es enden würde. Die Gedichte kamen ohne Rücksicht auf ihre irdische Situation, in der Bahn, auf der Straße, bei der Büroarbeit bei Siemens ... Natürlich war sie oft nicht in der Lage, die Verse gleich zu notieren, doch das machte ihr nichts aus, sie war sicher, daß das Gedicht wiederkommen würde, und so war es auch stets." („Grenzgebiete der Wissenschaft", Innsbruck, 26. Jahrgang 1977, Heft 3)

 

Oft schienen die Gedichte rein zufällig zu kommen, manchmal allerdings waren sie auch Antworten auf Fragen, auf eigene oder auf solche anderer.

 

So berichtet Viktor Zahrada im vorhin erwähnten Vorwort zum ersten Band der Gedichte, daß er sich bei der Abfassung eben dieses Vorwortes Gedanken darüber gemacht hatte, ob es wohl recht sei, über derartige Dinge für die Öffentlichkeit zu schreiben. Da erhielt Hella Zahrada das Gedicht „Sorge nicht, ob deine Taten" (Seite 54).

 

Ein anderes Beispiel:

Hellas älteste Schwester Blanka war 1957 gestorben. Im darauffolgenden Sommer 1958 verbrachte Hella einige Zeit in Feldbach in der Steiermark bei ihrer zweiten Schwester Draga Nitsche. Draga litt noch sehr unter der Trennung von der verstorbenen Schwester und außerdem rang sie damals innerlich mit dem Gottesbegriff. Obwohl sie all dem, was Hella in ihren Gedichten vermittelte, Vertrauen schenkte, konnte sie sich nicht von der traditionellen Vorstellung eines zu fürchtenden Gottes lösen. Hella bemühte sich zwar, fand aber während der Zeit ihres Aufenthaltes anscheinend nicht die rechten Worte, die Zweifel der Schwester zu zerstreuen. Auf der Heimreise begleiteten Schwester und Schwager sie am 20. September 1958 noch bis Graz, wo sie gemeinsam das Grab der verstorbenen Schwester besuchten. Und da erhielt Hella Zahrada, während sie auf einem verkehrsreichen Platz der Innenstadt einige Minuten warteten, um in eine andere Straßenbahn umzusteigen, das folgende Gedicht:

 

 

Ob du mich kennst,

ob du mich nennst,

ich bin der namenlose Grund in dir.

Wie du mich suchst und wie du rufst nach mir,

bin ich dein Retter, bin dein Schild, dein Schwert,

und gibst du mir Gestalt, dein Meister, der dich lehrt.

Ich bleib' verhüllt, ich offenbare mich

nach deiner Kraft. So wirke ich durch dich,

wie du mich denkst

und dich mir schenkst.

 

 

Diese Worte waren für die Schwester bestimmt, und sie waren es, die ihre Zweifel zu lösen vermochten. Mit Rücksicht auf die An, auf welche die Gedichte entstanden, betrachtete sich Hella Zahrada, wie schon erwähnt, nie als ihre Schöpferin, sie fühlte sich als eine Empfangende, als ein Werkzeug der Vermittlung. Sie hatte die Überzeugung, es müsse eine fortgeschrittene geistige Wesenheit sein, die ihr diese Lehren schenkte. Auf eine dies bezügliche innere Frage erhielt sie, wie Viktor Zahrada in dem schon mehrfach erwähnten Vorwort zum ersten Gedichtband berichtet, das folgende Gedicht als Antwort:

 

Ich bin dir längst bekannt!

Ich bin dir jetzt gesandt

und werde dich im lichten Land erwarten

und deinem Geiste dann verraten,

was unsre Seelen aneinander bindet.

Wenn eine in der ändern Frieden findet,

ist meine Aufgabe erfüllt.

Gott grüße dich l

EPHIDES

Diese Mitteilung war der Grund, weshalb Hella Zahrada ihre Gedichte fortan »Ephides-Gedichte« nannte und sie auch unter dieser Bezeichnung veröffentlichte. Sie war überzeugt, daß Ephides ein mit ihr eng verbundener, aber fortgeschrittenerer Bruder-Geist sei, der sie führte, und sie glaubte auch, ihn in jenem feinstofflicheren Zustand, in den sie so oft eintrat, gesehen zu haben. Sie schreibt in ihrer Autobiographie:

 

„Ephides war mir gar nicht fremd, als ich ihn das erste Mal sah. Ich wußte, daß ich ihn längst gesehen hatte, und ich sah ihn in der Folge in vielerlei Gestalten, sehr häufig als Inder, immer aber erkenne ich ihn an den dunklen Augen, die alles zu wissen scheinen und mir ins Herz sehen."

 

Es ist hier nicht der Raum, die verschiedenen Theorien zu erörtern, die es in geistigen Kreisen über das Leben nach dem Tode und die Beziehungen zwischen den im physischen Körper lebenden Menschen und den Bewohnern innerer Sphären gibt.

 

Hingewiesen sei nur darauf, daß bei sensitiven Menschen die Möglichkeit besteht, daß sich verschiedene geistige Wesenheiten durch eine und dieselbe Mittelsperson kundtun. Und bei den Gedichten ,,So du mich liebtest, segne auch die Stunde" (Seite 135) und „Durch deine Augen schaue ich die Erde" (Seite 137) zum Beispiel würde man sicherlich eher annehmen müssen, daß es der verstorbene Gatte war, zu dem sich Hella Zahrada in ihrem inneren Bewusstsein erhob, so daß seine Gedanken in ihr Gestalt annehmen konnten.

 

Nach östlichen esoterischen Lehren, aber auch nach der Psychologie G.G. Jungs mußte es jedoch überhaupt nicht immer eine fremde Wesenheit sein, die sich auf solche Weise äußerte. Es konnte auch das eigene innere Selbst auf solche Weise einen Ausdruck suchen, den das wache Gehirnbewußtsein noch nicht zu vermitteln vermochte. Eine solche Auslegung würde zum Beispiel das Gedicht „Denn vom Anfang unsres Seins" (Seite 165) treffender erklären. So mag es sein, daß die Gedichte in Wirklichkeit sehr verschiedenen Ursprung haben.

 

Wenn man das ganze Lebenswerk Hella Zahradas überblickt, scheint sich dabei abzuzeichnen, daß es im Anfange wohl vorwiegend Belehrungen waren, die sie von der »Ephides« genannten Wesenheit erhielt, daß aber mehr und mehr ihr eigenes inneres Selbst die Führung übernahm, und je nach dem Maß, in dem die persönlicheren Schichten ihrer Natur die Aussage des Geistes färbten, erschien in den Gedichten stärker die zeitlose Aussage oder der Ausdruck ihres persönlichen Wesens.

 

So fand zum Beispiel ihre enge persönliche Verbundenheit mit der Welt der Bäume in zahlreichen Gedichten Ausdruck, von denen nur das folgende wiedergegeben sei, das sie am 10. April 1943 an ein Rotdornbäumchen in ihrer Straße richtete, an dem sie in der Bombenzeit, in der auch ihre Wohnung vernichtet worden war, einen Freund gefunden hatte:

 

Kümmerlich sprießender Baum,

zwischen schattenden Mauern

wie von den Scharen der Feinde listig umstellt,

schweigender Freund meiner Seele, ich teile dein Trauern,

warte wie du auf den Strahl, der die Enge erhellt.

Steigt dann die Stunde des Strahls

über schwärzliche Mauern,

wachsen wir, bebend vor Lust, in ihr Leuchten empor,

du, Freund, und ich, und erkennen

in heil'gern Erschauern,

daß uns die Gottheit zur seligen Sehnsucht erkor.

 

 

Ihre frohsinnige, hoffnungsfreudige Natur wiederum kam zum Beispiel in dem folgenden Gedicht bezeichnend zum Ausdruck, das sie am 24. Mai 1938 niederschrieb:

 

Was wundert euch mein leichter Schritt

Durch Not und Nacht ?

Auch ihr habt eure Lampe mit,

doch unentfacht.

 

Sonst wüßtet ihr, was Traurigsein

und Schatten scheuchte:

Vergangnen Glückes Widerschein

ist meine Leuchte

 

und heller Zukunft Strahlenkranz

mein Morgenrot.

Mich trägt das Glück von Glanz zu Glanz

durch Nacht und Not.

 

 

Wie immer man sich aber zu der Erklärung seiner Entstehung stellen mag, das Werk Hella Zahradas ist von einzigartigem Charakter, und was der 1946 verstorbene Dichter und Schriftsteller Karl Hans Strobl in seinem Geleitwort zum zweiten Band der Gedichte schrieb, kann wohl von jedermann angenommen werden:

 

,,Wer immer auch Ephides sei - er ist ein Dichter. Er gibt Verse, so klangvoll und rein, formlich und sprachlich schön, daß man dem Wohllaut geschlossenen Auges beglückt nachträumt. Glocken über dunklen Abgründen, so schwingen sie dahin, rufen und mahnen, schweben nachtwandlerisch zwischen Tod und Leben; und wenn sie auch nicht selber Stimmen aus der Ewigkeit sein sollten, so geben sie doch bisweilen deren Schauer und Ahnung - wie jede echte Dichtung."

 

                                     …………………………….

 

 

Es bleibt noch, einige bibliographische Daten festzuhalten:

 

-Die ersten drei Bände, die zusammen 123 Gedichte enthielten, wurden in der Druckerei Ferdinand Berger in Hörn, Niederösterreich, gedruckt und erschienen 1933, 1934 und 1936 im Selbstverlag Hella Zahradas in Wien. Sie waren, einschließlich einer zweiten Auflage des ersten Bandes, binnen kurzem vergriffen. Eine Neuauflage dieser drei Bände brachte, in etwas geänderter Anordnung, 1957, 1958 und I960 Frh.v.d.Horst in seinem Verlag in Frankfurt am Main heraus.

 

Die in den Jahren 1937 bis 1948 entstandenen Gedichte wurden zunächst nur in mit Schreibmaschine geschriebenen Heften verbreitet. 1954 ließ Hella Zahrada 66 dieser Gedichte bei Karl Mann in Hildesheim drucken und brachte sie als „Band IV" im Selbstverlag in Berlin heraus.

 

43 weitere von diesen Gedichten nebst einigen Prosaschriften erschienen dann 1961 unter der Bezeichnung „Band V" im Frh.v.d.Horst Verlag.

 

1965 wurden 59 in der Zeit zwischen 1949 und 1965 entstandene Gedichte vom Verlag Geistige Loge Zürich unter der Bezeichnung „Band VI" herausgegeben. Eine zweite, auf 79 Gedichte erweiterte Auflage dieses Bandes erschien im gleichen Verlag im Jahre 1975 unter Weglassung der Bezeichnung „Band VI". Dies ist die einzige derzeit noch erhältliche Ausgabe von Ephides-Gedichten; alle früheren Ausgaben sind vergriffen.

 

Ergänzend sei noch darauf hingewiesen, daß einzelne Gedichte und kleinere Auswahlen im Laufe der Jahre außerdem in verschiedenen Zeitschriften erschienen.

 

Außer den in den vorangeführten Ausgaben veröffentlichten 310 Gedichten gibt es aber noch über 100 Gedichte, die nur in Briefen oder maschingeschriebenen Abschriften erhalten sind.

 

Mit dem vorliegenden 136 Gedichte enthaltenen Band, der in Zusammenarbeit mit dem Neffen Hella Zahradas, Dr. Gerhard Nitsche in Graz, veröffentlicht wird, ist beabsichtigt, einen umfassenden Überblick über das Gesamtwerk Hella Zahradas zu bieten. Er enthält neben der Mehrzahl der in Band I bis III veröffentlichten Gedichte der ersten Zeit und einer repräsentativen Auswahl von Gedichten aus Band IV und V auch 15 bisher unveröffentlichte Gedichte. Soweit möglich, wurden die Gedichte chronologisch nach der Zeit ihrer Entstehung gereiht, um die inhaltliche und stilistische Entwicklung, die sich in ihnen zeigt, erkennbar zu machen.

 

Graz, im Mai 1978 Dr. Norbert Lauppert

 

 

 

 

Inhaltsübersicht dieses Buches:

 

I N H A L T S Ü B E R S I C H T

 

1.

Gedichte aus Band l der Erstausgabe

(Mai bis November 1933)

 

 

Gott, du bist die Ewigkeit (25.5.1933)

Das Licht, das hell sich dünkt (30.5.1933)

Nun wählet recht und sagt (2.6.1933)

Das ist des Tages Lauf (8.6.1933) 20

Ob ich lange sinne, heiß mich sehne (16.6.1933)

Du, meine Seele, neige (20.6.1933)

Was lehnst du, Mensch, dich auf (27.6.1933)

Und einmal führt dein Weg nach Golgatha (4.7.1933) . .

Du mußt nur stille sein (7.7.1933)

Ein neues Leben schließt mir auf die Pforten (10.7.33) . .

Ich kann in Worten nicht gestalten (14.7.1933)

Es neigt ihr Köpfchen tief die Ähre (21.7.1933)

Ist's ein Ahnen, ist's ein Mahnen (25.7.1933)

Lügen seh ich, Lügen ringsumher (16.8.1933)

Jedem gibt der Herr das Seine (20.8.1933) 38

Wenn in dein Herz, das ungestüme, wilde (21.8.33) . . •

Es ist ein stetes Kommen und ein Gehn (24.8.33)

Was weinst du, Kind? (5.9-1933)

Lohnt sich denn Lust und Leid (14.9-1933)

Es lastet dichtes Dunkel auf den Wegen (17.9-1933) . . .

Bist du mir nah, du Stunde des Erwachens (19-9-33) . . .

Denn von allen, die da wallen (1.10.1933)

Du ringst und rufst nach Glück (1.10.1933)

Was weiß ein Mensch auf Erden

denn vom ändern (2.10.1933)

Die Sorgen haben ihre kalten Finger (4.10.1933)

Sorge nicht, ob deine Taten (Oktober 1933)

Unerfüllter Tage Sehnen (15.10.1933)

Und willst du Wahrheit nur (15.10.1933)

Du bist ein tiefer See, Vergänglichkeit (26.10.33)

Es ist der Glaube keine Blüte (1.11.1933)

Dir, du Sucher, ist gegeben (3.11.1933)

 

2.

Gedichte aus Band 2 der Erstausgabe

(November 1933 bis September 1934)

Aus Tagen ohne Glück und

tränenreichen Nächten (16.11.1933)

Stimme meines Innern, sprich (23.11.1933)

Ich will euch künden, Kinder dieser Welt (2.12.33)

Eh' du die Wahrheit kündest (13-12.1933)

Himmelragend, Türme tragend (18.12.1933)

Du, einer wirren Zeit verirrt Geschlecht (31.12.33)

Schenk mir ein Dankgebet, mein Gott (11.1.1934) . . . .

Für alle Menschen strömt der

gleiche Segen (13.1.1934)

 

Und wer Verstehen sucht (4.2.1934)

 

 

Als ein Gedicht erdachte Gott die Welt (24.2.34)

Es ziemt dem Wandrer,

um sein Ziel zu wissen (2.3.1934)

Es schenkt der Herr auch im Versagen (5.3.1934)

Tönende Stille, was willst du mir sagen (10.4.34)

Die abendlichen Nebel seh' ich steigen (13.4.34)

Das Ziel ist alles, und der Weg ist nichts (14.4.34)

Es trägt der Wind auf weitgespannten

Schwingen (16.4.1934)

Du letztes Leid, ich reife dir entgegen (2.5.1934)

Hinab, hinab die endlos vielen Stufen (13.5.34)

Ach, es ranken die Gedanken (23.5.1934)

Ich trag' den ganzen Himmel in der Seele (8.6.34)

Sieh, ich schreite dir zur Seite (10.7.1934)

Die Sehnsucht singt ihr Lied in

meiner Seele (26.7.1934)

Der du wanderst nach dem Lichte (11.8.1934)

Dich, Atlantis, Land der Sage (16.8.1934)

Steig' hernieder, stille Stunde (4.9.1934)

 

3.

Gedichte aus Band 3 der Erstausgabe

(Herbst 1934 bis Herbst 1936)

Ich kann nicht mehr!

Und müde Menschen stehn am Weg und warten

„Mich dürstet nach der Wahrheit!" sprach der Tor

Wandle, o Wissender, würdig

den Weg des Gesetzes

Nimm hin die unsichtbare Wehr

Ertrage noch, ertrage

Erlösung kommt von innen, nicht von außen

Du trotzige Tanne, was stehst du allein

„Schließ die Türen, schließ die Fenster"

Glühende Lava des Leidens

Der Namen viele trug ich durch die Zeit

Heiliges Leben! Unzählbare Formen erfüllend

Verheißung stieg im Traume

In meine Seele fiel ein schweres Weh

Frühling ist in mir und Freuen!

O des Lebens wunderhelle Silberquelle!

Ich folg' dem fernen Klang

Schon baut die Nacht zum Morgenrot

Nur gegen euch, ihr Lauen, kann ich

für euch kämpfen!

Nicht Gott verhüllt geheimnisvoll sein Walten

Wer wirken will, muß warten lernen

Es ist dem Geist gegeben

Künstlerschaft ist das Vermögen

Noch wißt ihr nicht um eure hellsten Stunden

Getragen von der Lust der lauten Stunden

Karg wie mein Tag war sein Ertrag

Es ist mein Schmerz erstarrt

„Weihnachtsengel, bring den Frieden!"

Urew'ge Liebe, Anfang und Vollendung

 

4.

Gedichte aus der Zeit

von November 1936 bis August 1939

Seite

Es stehen Sterne über deinem Weg

(3.11.1936 - aus Band 5)

In diesen Tagen mußt du gütig sein

(Dezember 1936 - aus Band 4)

Nur wer am Ufer jenes Stromes stand

(18.2.1937 - aus Band 4)

Ich ward geführt in einen großen Saal

(23.2.1937 - unveröffentlicht)

Wie hebt die Totenklage um dich an ?

Frühjahr 1937 - aus Band 4)

So du mich liebtest, segne auch die Stunde

(7.5.1937 - aus Band 4)

Von mir zu dir, von dir zu mir

(12.5.1937 - aus Band 5)

Durch deine Augen schaue ich die Erde

(4.8.1937 - aus Band 4)

Du stehst an einer Wende

(31.8.1937 - aus Band 5)

... Denn es gibt Zeiten (8.9.1937 - aus Band 4)

Dir zu jauchzen, Unnennbarer

(2.1.1938 - aus Band 4)

Und wieder sandt' ich suchend meine Seele

(30.1.1938 - aus Band 4)

Ihr nehmt zum Bau des Tempels kalte Steine

(21.8.1938 - aus Band 4)

Wo du auch weilest, und ob du auch weltenweit

wandelst (8.12.1938 - aus Band 4)

Diesen darfst du dich verpflichten

(aus Band 4)

Nicht, die des Leidens bittre Bürde tragen

(April 1939 - aus Band 4)

Mich ruft die blaue Weite

(28.5.1939 - aus Band 4)

Laß blühen, was da blühen will

(28.6.1939 - aus Band 4)

Sag nie: „Ich muß!" (aus Band 4)

Jeder Gedanke ist Saat (aus Band 4)

Trotz alledem vermag mein Mund zu singen

(13.8.1939 - aus Band 4)

5.

Gedichte aus der Kriegs- und Nachkriegszeit

und

unveröffentlichte Gedichte aus dem Nachlaß

Es schreiten die Zeiten (22.12.1939 - aus Band 4)

Starrende Felsen, wie Burgen verschollener

Riesen (9.6.194l - aus Band 4)

Unterm Träumebaum bin ich oft gestanden

(5.7.1941 - aus Band 4)

Seite

Der Traum ist dein Teil, nicht das Wachen

(unveröffentlicht)

Der du dein Haupt schon erhebst

(21.4.1944 - unveröffentlicht)

Tausendfältig preisgegeben (2.2.1945 - aus Band 4 ) . . . . 160

Du, dem seit je alle Loblieder galten

(17.4.1945 - aus Band 4)

Ist das des Pilgerweges krönend Ende

(13.6.1946 - aus Band 5)

Es lag ein Herz im Staub der Alltagsstraße

(4.7.1946 - aus Band 4)

Ich blickte auf das Böse (7.4.1947 - aus Band 5)

Denn vom Anfang unsres Seins

(23.4.1947 - aus Band 5)

Es tut nicht not, das Schicksal zu befragen

(2.11.1947 - aus Band 5)

Wenn du allein bist, sprechen die Sterne

(28.9.1956 - unveröffentlicht)

Allnächtlich überschreiten wir die Schwelle

(1957 - unveröffentlicht)

Ich bin der Wind, ich wandre weit umher

(28.1.1958 - unveröffentlicht

Wie kann mich der Sturm erschrecken

(aus Band 5)

Das Erinnern ist die Kunst der Götter

(10.3.1958 - unveröffentlicht)

Mein Herz weiß längst, wo es dich suchen soll

(16.8.1958 - unveröffentlicht)