Tod und Auferstehung

 

Nur wer durch den Tod gegangen ist, kann die Auferstehung feiern. Es gibt der Tode viele, es gibt seelischen und körperlichen Tod, und immer wird das Losreißen, das Sich-Trennen oder Getrenntwerden von Gewohntem und Geliebtem ein Vorgang sein, der dem Tod des Körpers gleicht. Es bleiben leere Formen, leere Hüllen zurück, die man einst mit Leben, mit Empfindungen, vielleicht mit Leidenschaft erfüllte. Und allen in der Materie gefangenen Wesen ist das eine gemeinsam: die Angst vor diesem Sterben, vor dieser Verwandlung, und der Wunsch festzuhalten, zu bewahren.

 

Dir baut an euerem Körper, wenn euch der Ruf zur Wiedergeburt aus der Höhe in die irdische Welt zurückreißt. Das ist Gesetz. Aber Gesetz ist auch, daß der Rückruf ins Licht zur Befreiung euch erwecken soll. Dazu bedarf es der Entwicklung. Ihr hüllt und spinnt euch immer tiefer ein, statt euch an dem goldenen Faden, der euch aus der Höhe gegeben ist, wieder emporzuranken. Und so ist es Gnade, daß der Tod in so vielen Formen an euerem Wege steht; ihr würdet sonst endlos im Kreise gehen und verfestigen, was ihr auflösen sollt. Denn das Leben wandert durch alle Hüllen und Formen hindurch, höher, höher!

 

So sei euer Herz denn froh, so oft es hergeben muß, was es besaß, und frage: Was wartet mein? Was erfüllt meine Leere mit neuem, herrlicherem Glanz? Denn nur um Reicheres zu fassen wurde euerem Herzen genommen, woran es hing; um auferstehen zu können, mußtet ihr durch des Todes dunkles Tor schreiten. Wollt ihr zum Licht? Dann bleibt nicht stehen am Wege, dann baut keine Festung um euch, dann eilt, daß die Fülle, die der Eine euch

verhieß, der euch vorgelebt und Tod und Auferstehen gezeigt hat, auch die eure werde!