Biene 

Worte der Weisheit

 

Jeder Gedanke ist Saat.

Einst, über kurz oder lang,

führt durch dies Feld dich dein Gang.

 

Jeder Gedanke ist Tat.

Einst, über lang oder kurz,

wird er dein Sieg oder Sturz.

 

Wie dir das Schicksal auch naht,

nenn es nicht fremde Gewalt:

Du bist's in eigner Gestalt!

 

So tief, wie die Weiden mit all ihren Zweigen

zum Wasser sich neigen,

sei Demut dein eigen!

 

So hoch, wie der Firnen weißstrahlende Stirnen

am Himmel sich zeigen,

so hoch sollst du steigen!

 

Dein Denken zu schenken den Blumen und Sternen,

führt Gott dich in Fernen:

Dein Leben sei Lernen!

 

Es lastet dichtes Dunkel auf den Wegen

der Menschen, die ihr kleines Ich nur sehn.

Sie gleichen den Verirrten, die im Walde

des Nachts allein stets nur im Kreise gehn.

 

Sie stoßen in der Dunkelheit an Dinge,

die sie nicht sehn, und die sie nicht erkennen

und dennoch gleich mit falschem Namen nennen,

aus Angst, der Dunkelheit ins Äug zu sehn.

 

Doch wer des Lichtes sich will wert erweisen,

erkenne erst die Dunkelheit um sich

und ende jenes hoffnungslose Kreisen

um einen kleinen Mittelpunkt: sein Ich.

 

Darum ist's gut, daß sich die Menschen stoßen,

ein jeder an des ändern Fehl und Art,

weil fremde Selbstsucht ihn davor bewahrt,

der eignen Selbstsucht allzulang zu dienen.

 

Und steht der Mensch erst an der Selbstsucht Schwelle,

des Dunkels satt und müd vom wirren Lauf,

dann lichtet sich das Dunkel leis zur Helle

des jungen Tags, der siegend steigt herauf.

 

Und der ihm zeigt der Dinge wahres Wesen!

Jetzt unterscheidet er vom Schein das Sein,

vom Trug die Wahrheit und vermag zu lesen

der Welt verwirrte Schrift. - Denn seit er rein

und wahr ist, kommt die Wahrheit ihm entgegen

und gießt ihr Licht in sein geöffnet Herz

und breitet ihren Mantel aus auf seinen Wegen

und hebt ihn auf und trägt ihn himmelwärts!

 

Wandle, o Wissender, würdig den Weg des Gesetzes,

das zu ergründen du suchst mit des Strebens Geduld.

Löse die letzte der Maschen des weltlichen Netzes,

der du ums Ziel weißt, bei dir erst wird Irrtum zur Schuld.

 

Beispiel und Vorbild nur können den Menschen belehren,

Wissen muß jeder, wie du, sich erwerben allein.

Erst wenn dein Wandel bezeugt deines Wissens Bewähren,

wirst du ein Weiser und ändern ein Wegweiser sein.

 

Nicht teilen - nur verbinden ...

Die Fernsten sich finden

am Berg der letzten Sicht.

Denn alle Religionen

in sämtlichen Äonen

sind nur gebrochnes Licht.

Gott sammelt alle Garben,

Gott macht aus allen Farben

Sein schattenloses Licht.

 

Es ist der Glaube keine Blüte,

die dir ein andrer reichen kann.

Und war sie lauter wie des Spenders Güte

und rein und unberührt, auch dann

wird sie bei dir das kurze Dasein fristen,

das eine Blume lebt im Wasserglas.

Der Glaube ist ein Baum, in dem die Vögel nisten,

und mächtig liegt sein Schatten auf dem schwanken Gras.

 

Greif nicht nach fremder Bäume Blüten,

den eignen zarten Glaubenskeim nimm wahr

und zieh ihn auf und such zu hüten

ihn vor des Zweifels Frostgefahr.

Daß einst der Baum hoch in die Lüfte trage

sein Haupt und dir's mit Blüten lohne,

und daß sein Stamm, den Stürmen trotzend, rage

und seine Arme schirmend breite in der Krone.

 

Dein Wandel sei Wandlung!

Wo andre nur Wolken erspähn,

sollst du ihren Silberrand sehn.

Und schleppen ihr Schicksal sie hin,

schau du ihrer Schicksale Sinn.

Und statt dich zu wundern wie sie,

beug du vor dem Wunder das Knie.

Wer sich umzuschaffen vermag,

steht mitten im Weltschöpfungstag.

Dein Wandel sei Wandlung !

 

Unsre Träume sind die Wirklichkeiten,

unsre Wirklichkeit ist Erdentraum.

Wie wir hier den Jenseitsweg bereiten,

pflanzen drüben wir den Schicksalsbaum.

 

Unser Echo klingt uns stets entgegen,

halt das Lichtlein fest, das Gott entfacht!

Jeder ist sein Fluch und ist sein Segen! -

Wohl dem Geist, der unablässig wacht.

 

Soll dich die Regenbogenbrücke tragen,

mußt du mit leichten Füßen gehn.

Willst du das Wort, das dich verwandelt, sagen,

schick deinen Engel aus, es zu erflehn.

 

Gott ist im Schwachen mächtig, nicht im Starken,

vergiß die Kräfte, die du selber hast.

Am Ufer harren dein der Träume Barken,

die bringen mehr als deine Seele faßt.

 

Erlösung kommt von innen, nicht von außen,

und wird erworben mehr, als dir geschenkt.

Sie ist die Kraft des Innern, die von draußen

rückstrahlend deines Schicksals Ströme lenkt.

 

Was fürchtest du? Es kann dir nur begegnen,

was dir gemäß und was dir dienlich ist.

Ich weiß den Tag, da du dein Leid wirst segnen,

das dich gelehrt zu werden, was du bist!

 

Indes ihr tastend eure Füße setzt im Ungewissen,

ist eures Erdenschicksals Bild schon längst umrissen,

nur Licht und Schatten füget ihr noch ein.

Ihr geht den vorgeschriebnen Weg, ob willig, ob gezwungen,

und eure Freiheit ist, daß ihr um ihn gerungen,

bevor ihr niederstiegt ins Erdensein.

 

Durchs dunkle Tor der Erde schreitend schlösset ihr die Lider.

Den Weg, den ihr erwählt, erkennt ihr nun nicht wieder,

weil ihr verblendet und erblindet seid.

Doch müßt ihr's sein? Könnt, Träumer ihr, des Schlafs

euch nicht entraffen, um schon hienieden euer Schicksal umzuschaffen, zum Gold des Glücks zu glühen euer Leid?

 

Du stehst an einer Wende,

ein Weg ist nun zu Ende,

ein neuer Weg beginnt.

Doch der den Faden spinnt,

den Faden deines Lebens,

macht mächtig dich des Gebens

zum Lohne deines Strebens

im ewig reichen Jetzt.

 

Stets stehst du an der Wende,

stets ist ein Weg zu Ende,

und jeder Augenblick

verwandelt dein Geschick.

O wanderfrohe Seele,

nicht Tag noch Stunden zähle,

erkenne und erwähle

der Gottheit ew'ges Jetzt.

 

Du kannst den Wert von Taten nicht ermessen,

solange du den Maßstab hast vergessen,

mit dem uns Gott der Schöpfer mißt.

Du nennst die Tat gut oder böse,

prüf lieber, ob sie binde oder löse!

Und dann, dann weißt du, wie du selber bist.