jardin61

Zeitenwende

 

Die Erde bebt in Fieberschauern

'wie ihr!

Die Elemente warten, lauern,

Dämonen, die in dunklen Tiefen,

im Fels, im Sumpf, in Feuern schliefen,

gebannt seit undenklichen Zeiten,

und die zum Aufstieg sich bereiten

wie ihr.

 

Die neue Zeit hat angefangen

in euch!

An alle ist der Rufergangen -

vom Bösen scheiden sich die Guten.

Auch die in eurer Seele ruhten,

die Widersprüche, Härten, Gluten,

die Wunden brechen auf und bluten

in euch.

 

Der Zeitenwender eurer Welten

ist hier!

Die Sterne, die Sein Haupt erhellten,

kann Er in Seinen Händen halten.

Er löst, Er bindet die Gewalten,

Er sucht und findet die Erwählten,

und die zu Seinem Volke zählten

sind hier.

 

Du, einer wirren Zeit verirrt Geschlecht,

schau hin - am Horizont die schwarzen Reiter!

Noch schattengleich, doch näherkommend schon,

umzingeln dich des Dunkels wilde Streiter!

 

Dir war das Dunkel oft willkommen doch,

in seinem Schütze reiften deine Taten,

und seinem Flüstern gabst du gern Gehör.

Nun sieh - es sprießen deiner Taten Saaten!

 

Was zitterst du und kannst es nicht ertragen?

Du warst doch mutig sonst, wenn's anders galt!

Das deinen Zwecken dienstbar war, das Dunkel,

sieh jetzt in seiner wirklichen Gestalt!

 

Und fühl der alten Erde fiebernd Beben,

und wanken sieh das Haus der Wissenschaft,

und stürzen sieh der Menschheit heil'ge Güter

und mit sich reißen deine beste Kraft!

 

Denn plötzlich ist das Dunkel überall,

das nun zerstörend gegen dich sich wendet.

Des Horizontes schwarze Reiter sind

das Böse, das du selbst einst ausgesendet.

 

Doch Gnade läßt das Dunkel vor dich treten,

daß du's erkennst, erkennend dann erlöst.

Drum trag der Liebe Fahne ihm entgegen,

daß du erlösend auch dich selbst erhöhst!

 

Denn angelangt bist du, verirrt Geschlecht,

an deiner wirren Wege jähem Ende.

So geh zurück in dich, und hol aus dir die Kraft,

und wirk die große Weltenzeitenwende!

 

Es strömt die Nacht - hast du sie wirken sehn?

Sie webt ihr silbern Kleid um jeden Reinen,

um ihn mit seinem Schöpfer zu vereinen

in alter Pracht.

 

Es strömt die Nacht - hast du sie weinen sehn?

Sie klagt um jede Seele, die verloren,

noch nicht den Christus in sich hat geboren,

eh es vollbracht.

 

Es strömt die Nacht - hast du sie leuchten sehn?

Schon naht, dem blinden Erdensinn verborgen,

der lang verheißne, neue Weltenmorgen.

Wohl dem, der wacht!