Friedrich von Schiller ... mit Dank beim Projekt Gutenberg entliehen

 

 

 

 

Das Lied von der Glocke

Vivos voco. Mortuos plango. Fulgura frango.

von

 Friedrich Schiller 

Geistige Entsprechungsdeutung von Karl Dvorak, St. Pölten

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Schillers  Ballade,  bereichert  durch die  Biedermeier-Chorkantate und  komponiert  von Andreas  Romberg  (1767 - 1821),  ist  ein  Meisterwerk  deutscher  Poesie  und   Musik.  Wilhelm  von  Humboldt schrieb 1830 darüber : In  keiner  Sprache  ist  mir  ein  Gedicht bekannt, daß in einem  so  kleinen  Umfang einen  so  weiten  poetischen  Kreis  eröffnet,  die   Tonleiter   aller   tiefsten   menschlichen   Empfindungen  durchgeht , und  Professor Walter  Hartwig  schrieb  1972  darüber,  dass  man  die  Glocke  wieder  lesen  und  sich anhören sollte, was in dem berühmten Gedicht in der Schule ,  auf  Feiern,  über  Illustrationen und Vertonungen in unserer  Vergangenheit  gemacht  wurde. Dies  sei  eine  gute Übung für  das Geschichtsbewußtsein. Paul Noting schrieb dazu, Romberg  hat  Schillers Lied von  der  Glocke  in  Musik  gesetzt ,  hat  sich  mit  der   ganzen  Tiefe  eines  deutschen  Gemüts  in  die  Gedanken  und  Stimmungen des  Dichters versetzt  und  dadurch eine höchst wertvolle Komposition geschaffen.

Einer unserer großen Lyriker hat eine Sammlung von lyrischen Gedichten das Motto vor-gesetzt : Nur nicht lesen, immer  singen  und  ein  jedes  Wort  ist  dein.  Ich  meine,  man könnte diese Worte auch der Glocke von Schiller vorsetzen , denn  durch die  Musik  las-sen sich  Höhen  und  Tiefen  der  himmlischen  Erkenntnisse  vermitteln, wie  sie uns  im Gottwort offenbart wurden.

Im Lichte der christlichen Wortoffenbarungen des neuen Testamentes , wie  auch  in  den  göttlichen  Lehren  des  Herrn  Jesu,  gegeben  durch  Emanuel  Swedenborg  und  Jakob Lorber,  können  aufmerksame Leser  einen  unendlich  tiefen   Sinn  innerer  Gemütsentsprechungen im Lied von der Glocke  entdecken.  Alles  Irdische  ist  nur  ein  Gleichnis ! Lassen wir uns das große Gleichnis von der Glocke  im Lichte des Gottwortes  auslegen. Schiller gibt als gottberufener Poet bereits eine klassische Auslegung.

An die Geschäfte des Glockengusses, über die  sich  der  Meister  in  so  tiefen  Strophen  ausspricht,  schließt sich  eine solche Deutung an.  Es ist nicht weniger als das  volle,  reiche  Menschenleben selber, in all seinen  Beziehungen,  seinen  Leiden  und  Freuden,  im Sturm und in der Ruhe, was immer geschah im Leben, die Glocke,  sie  pochte  den  Takt dazu.

Nicht  alle  Gedanken  der  Glocke  sollen im Geistentsprechungssinn  ausgelegt  werden.  Es  wird  nur  einiges herausgegriffen, sodaß dem Leser und Hörer  noch  ein  guter  Rest der Selbstentdeckung bleibt.

Die von mir zwischen den poetischen Strophen gegebenen Textbedeutungen mit  teilweisen  Zitaten aus dem Gottwortoffenbarungen  und der Neuoffenbarung wollen nur  Anregung   zu  weiteren  Innewerdungen des Lesers sein. Auch ist meine Auslegung  nur  eine der vielen möglichen Deutungen. 

In  der  Schillerschen  Ballade  spricht   der  Meister  über  die  einzelnen  Arbeiten  beim  Glockenguß. Zwischendurch wird in den restlichen Strophen  das  gesamte  Menschenleben dargestellt. In vier konzentrischen Kreisen läuft unser Erdenleben vor uns ab : 

1.  Das Leben der Familie,

2.  das bürgerliche Leben,

3.  das Leben im Staate und

4.  der mystische Hinweis auf unser religiöses Leben. 

So  durchwandern wir  in  klassischen  Versen  mit  Musik  untermalt,  in  wunderbaren  Melodien  ertönend, unser Erdenleben.  Von der  Taufe  beginnend , über  Kindheit  und  Jünglingsalter  erleben  wir die erste Zeit der jungen Liebe, dann die Ehe und den  harten Lebenskampf, das Leben  des  Mannes  und  das  Walten  der  züchtigen  Hausfrau  wird dargestellt. Dann schildert uns Schiller die  grauenhaften Naturereignisse, Gewitter,  den Sturm  und das Feuer mit dem Verlust  von  Hab  und   Gut.  Der  große  Schmerz  beim Tod der Gattin, der geliebten Mutter, die trauervolle Begräbnisszene  wird  wieder abgelöst von den Freuden  der Ernte und des Landlebens, der  Arbeit  und  dem  holden  Frieden, der sich über die Stadt ausbreitet. Doch dann folgt  wieder Aufruhr , Krieg  und  der  schrecklichste  der Schrecken ist der Mensch in seinem  Wahn.  In  der  stillen  Abendruh atmet  der Hörer  wieder  erleichtert auf. Wo vordem die Glocke von rohen Kräften sinn-loser Gewalt mißbraucht wurde, da sammelt  sich  beim  friedlichen  Kirchgang  im  herz-innigen Vereine die  liebende Gemeinde. Friede sei ihr erst Geläute ! 

Fest gemauert in der Erden
Steht die Form, aus Lehm gebrannt.
Heute muß die Glocke werden.
Frisch Gesellen, seid zur Hand.
Von der Stirne heiß
Rinnen muß der Schweiß,
Soll das Werk den Meister loben,
Doch der Segen kommt von oben.

Was ist das Festgemauerte ?  Die menschliche Prägung ist das  Festgemauerte, was  sich  in  der  Seele des Erdinkarnierten zum  Ausdruck  bringt. In  der  Erde  stehen  bezeichnet  dabei  das  menschliche Erdenleben von der Wiege bis zum Grabe. Wir sind  an  der  Erde gebannt, festgemauert und  festgehalten von der Erde, da steht die Form aus Lehm gebrannt. Die  Form  aus  Lehm  ist  unser  irdischer Körper, der einmal  vernichtet, verklärt und vergeistigt werden soll. Der Herr sagt uns durch Eckehard von Hochheim : Immer gibt die Form der Materie ihr Wesen. Und  durch Swedenborg  fährt  der  Herr in der „Göttlichen  Liebe  und Weisheit“  fort :  Des Menschen vorgeburtlich  ausgedrückte  Liebe  und Weisheit bedingt die  Substanz  und  Form.  Mit  anderen  Worten :  Was der  Mensch in  seinem vorgeburtlichen   Dasein  durch  Gedanken  und  Willensregungen  zu   Seelensubstanzen   verwirklichte, wird  nun im  Stofflichen  zur  Körperform.  Deswegen steht die Form aus Lehm gebrannt fest gemauert in der Erde.  Jede  Form  hat  ihre  Beschaffenheit gemäß ihrer Liebe, so sagt  uns der  Herr  in  der  Lehre  von  der  Liebtätigkeit durch Swedenborg .  Und durch Jakob  Lorber  sagt  Er  in der  Haushaltung  Gottes (Bd. 1,64/15) : Jegliche Form entsteht  aus  Geist, Wärme  (dies  ist  die Liebe)  und  geistigem  Licht (dies ist die Weisheit). Und deshalb ist Gott allein der ewige Innbegriff aller Form.

Bei der Verwendung des Wortes Lehm  denken  Bibelkundige  an  den  Ausspruch  in  1. Mose  27 : „Und der Mensch wurde geformt aus Lehm.“  In der  Haushaltung  Gottes  3. Bd. 30/12 sagt der Herr : Der Lehm bezeichnet die Liebe Gottes, in diese  Form  ist  der Erdgeborene  eingebrannt  und  muß  daraus erlöst  werden.

Heute muß die Glocke werden, frisch Gesellen seid zur Hand“. Das Heute  stellt  unser  irdisches  Leben dar. Durch Eckehard  von Hochheim sagt der Herr: Das Hier und  Jetzt ist die  Stätte, an  der  Ich  jetzt  wirke.  Und durch Lorber: Seht,  nun  ist  für  euch  die kleine Zeit gekommen . Wer sie wohl  beachtet, dem  werden  in Ewigkeit  große  Dinge  werden.  Die   großen  Dinge,  die   aus  unserem   Leben  werden,  sind  unser  Denken, Wollen und  unsere Werke, die  uns  nachfolgen  und  nach  der  Qualität  unserer  Liebe entweder  die  Hölle , das Glaubensreich, das Paradies oder den  Himmel  bilden.  Durch

Böhme sagt uns der Herr über  die Glocke (heute muß die Glocke werden):„Die Glocke hat wohl kein Leben an sich, doch schallet sie lebendig und gibt uns dazu ein  Verständnis“. Deshalb können wir in der Glocke den Menschen sehen, mit seinem Leib, mit seiner Seele  und mit seinem Geiste.  Mit diesem Zitat verstand Böhme das äußere Leibesleben. In der Geistigen Sonne sagt uns der Herr (Bd 1, Kap. 7): „Wo ist der Sitz des  Tones  in der Glocke ? Ihr werdet  sagen,  mehr im äußeren Rand  oder in  der  Mitte  des  Metalls oder mehr im inneren Rand. Alles ist falsch. Der Ton  ist das  Innwendigste,  das  in  den materiellen Hülschen verschlossene Fluidum. Wenn nun die  Glocke angeschlagen  wird,  so wird solcher Schlag vom inwendigsten Fluidum aus als ein geistiges Substrat höchst elastisch und dehnbar auf eine seine Ruhe störende Weise wahrgenommen  und  dadurch  wird dann das ganze geistige Fluidum in ein frei  werden  wollendes  Bestreben  versetzt, welches  sich  dann in allen anhaltenden  Schwingungen  zu  erkennen  gibt“. Mit diesem scheinbar  äußeren  Gleichnis  der natürlichen Glocke  wird  das  innere  Leben  von  uns bezeichnet. Das  Allerinnerste  in  uns  ist  der  göttliche  Geist.  Der  göttliche  Geist  als Glocke muß die äußere Form  einmal  zersprengen,  wie  wir  später  hören  werden,  bis sich die Glocke endlich  ge´n  Himmel  zu  bewegen  kann.  Swedenborg  schrieb  hierzu: „So bedeutet die Glocke auch  das Ganze  der  christlichen  Lehre  und  des  Gottesdienstes  derjenigen, die  der  inneren   Kirche   Gottes   angehören“.  ( Himmlische  Geheimnisse  Nr. 9921). Auch in  diesem  Zitat  kann  der  Entsprechungskundige   lernen,   daß  in  uns  ein göttlicher Geist ist, der den Gottesdienst, das  innere  Dienen  des  göttlichen  Geistes im Dienste  an   unserer   Seele ,   an  unserem  Körper  durch  Einstrahlung  von  göttlicher Liebe und Weisheit das Leben der  Kirche  bedingt,  der  inneren  Kirche!

Äußere Kirchen sind allein menschliche  Einrichtungen,  die  von  Gott  zugelassen  sind,  damit die Einfältigen zur Religiosität und zum Glauben erzogen werden.

Wenn es heißt: „Frisch Gesellen  seid  zur  Hand“,  so  bedeuten  darin  die  Gesellen  die  Engel,  die  rein gebliebenen Überreste der Seele. Der Meister ist der Herr Jesus,  ist  der  Gottgeist  in  unserer  Seele.

Bei  der  schweren  Arbeit  des  Glockengießens   helfen   die  Gesellen.  Die  Arbeit  des  Glockengießens ist unser gesamtes Erdenleben, die mit dem Ablauf zur Vollendung  oder zur geistigen Wiedergeburt führen soll. „Von der Stirne heiß rinnen  muß  der  Schweiß“. 1.Mose 3,19: „Im Schweiße deines Angesichtes sollst du dein Brot essen.“. Der Schweiß ist der Ausbruch einer  Kraftanstrengung.  Bis  sich  unser  Schweiß  in  Blutstropfen  der Verklärung  verwandelt, wird ein langes Leben  und  Streben  mit  vielen  Anstrengungen erforderlich sein. Unser Schweiß muß einmal  zum  Blutstropfen  werden.  Genauso   geschah dies vor  2000  Jahren  bei  dem  Menschen  Jesus  von  Nazareth  in  Gethsemane,  wo  er  Blut schwitzte, wo sich sein Schweiß in Blut verwandelte.

„Und soll das Werk den Meister loben,  der  Segen  kommt  von  oben.“  Das  Werk  des irdischen Lebens mit dem Ablauf der Wiedergeburt, soweit  sie  von  der  Seele  zugelassen wird  und geschehen läßt,  dass  der  Gottgeist  die  Wiedergeburt  in  die  Seele  hineintreibt,  wird  durch den Willen Gottes  gesegnet, sagt uns der Herr  in  Bischof  Martin  von  Jakob  Lorber  im  40. Kapitel. Deshalb ist der Herr Jesus selbst der Segen, der  sich in unserem Geiste von  oben  eingebiert, so  können  wir  in  Swedenborgs  „ Apokalypse revelata“ Nr. 289 weiterlesen. Jakob  Lorber bestätigt uns  in  den  Himmelsgaben  Bd. 1, S. 19/5 : „ Mein Vatergruß ist der wahre Segen an euch.“ .

Mit diesem Wissen aus dem göttlichen Worte sollten die  Strophen aus dem wunderbaren  Lied  von  der Glocke gehört werden.   

   Zum Werke, das wir ernst bereiten,
Geziemt sich wohl ein ernstes Wort;
Wenn gute Reden sie begleiten,
Dann fließt die Arbeit munter fort.
So laßt uns jetzt mit Fleiß betrachten,
Was durch die schwache Kraft entspringt,
Den schlechten Mann muß man verachten,
Der nie bedacht, was er vollbringt.
Das ist's ja, was den Menschen zieret,
Und dazu ward ihm der Verstand,
Daß er im innern Herzen spüret,
Was er erschafft mit seiner Hand.
       

Das Werk der menschlichen Vollendung wird durch ernste Worte begleitet.  Die ernsten  Worte  sind Gottes Wort, kundgegeben durch Seine Propheten und  Seher  aller  Zeiten.  Und das Werk,  das  bereitet werden soll,  welches Werk ist hier gemeint ?  Es  gibt  nur ein Werk , sagt der  Herr  durch  Eckehart  von  Hochheim :  „Gott  hat  nur  ein  Werk: Sohngebären, die Sohngeburt in der menschlichen  Seele.“

Dieses Werk spiegelt sich auch in Schillers  Glocke. Und  die  schwache  Kraft,  aus  der dies entspringen  soll, ist der im  geistigen Menschenherzen keimhaft  sich  entwickelnde  Gottgeist,  der  zuerst  noch schwach ist, nur weil er noch nicht  erweckt  wurde.  Jesus, der Schwache von  Gethsemane,  wurde  zum  Starken  nach  Kreuz  und  Auferstehung. Genauso erleben wir dies in unserer Seele. Die totale  Annahme des irdischen Lebens ist ein Kreuz auf Golgatha. Aber in  dieser  Schwäche  wird  uns  die  Kraft  des  göttlichen Bewußtseins gegeben und wir erwachen dazu.

Auch  Lorber  gibt  uns  darüber  Aufschluß:

Alle Tugend vollendet sich in der Schwachheit. Folgen wir dem Herrn in  der  Schwachheit  ,  Gottes  Willen  ist  es,  sich in den  Schwachen zu  offenbaren. 

Wir  finden  diese  Aussagen  in  den  Offenbarungen  durch  Eckehard  von  Hochheim, Jakob Böhme, Emanuel Swedenborg und  Jakob Lorber.

Der Verstand, von dem hier gesprochen wird, wenn  es  heißt:  „ Und  dazu  ward   ihm  der  Verstand, daß er im innern Herzen spüret, was er erschafft  mit  seiner Hand.“  Der Verstand  eilt  zuerst  in  den Himmel  voraus.  Böhme  nannte  den  Verstand  die  Zugpferde,  die  den  Brautwagen  der  Liebe  in  das  Paradies  ziehen.  Swedenborg  sagte: „Nunc licet.“  Nun ist es gestattet, mit dem Verstand in den  Himmel  einzudringen,  damit wir das Herz dann spürbar machen dürfen. Dazu ward uns der Verstand, daß wir im inneren Herzen  spüren  lernen,  wer  da  schafft  mit  seiner  Hand. Die  Hand  war  das  Symbol der göttlichen Vorsehung, die in allen Dingen unseres Lebens wirkt. Sie hat nur einen  Sinn ,  Zweck  und  Endziel:  Die menschliche Vollendung,  durch  die  der  Sohn geboren wird.    

Nehmet Holz vom Fichtenstamme,
Doch recht trocken laßt es sein,
Daß die eingepreßte Flamme
Schlage zu dem Schwalch hinein.
Kocht des Kupfers Brei,
Schnell das Zinn herbei,
Daß die zähe Glockenspeise
Fließe nach der rechten Weise.
 

In einer tiefen Grube, der sogenannten Dammgrube, wird die  Form  der  Glocke  aufgemauert.

Sie besteht aus dem Kern oder der inneren Form, aus Mauersteinen  aufgerichtet,  mit Lehm bekleidet und  mit gesiebter Asche bestrichen , die dann  noch  mit  dem Mantel oder der äußeren Form umhüllt wird. Zwischen  dem  Kern  und  dem  Mantel  ist  ein Hohlraum, der das flüssige Metall aufnehmen soll.

Vor des Dammes tiefer Grube steht der Gießofen, bestehend aus dem Feuerraum und  dem Kesselherd, in dem das Metall geschmolzen wird. Der Kessel ist eine Art Retorte  und  hat  6  Zuglöcher, die sogenannten Windpfeifen, die  Schiller  in  seinem  Gedicht  erwähnt.  Diese  Windpfeifen  bräunen  sich, wenn das Metall in flüssiger  Form  übergeht. Das Schürloch des Feuerraumes  wird  geschlossen, nachdem trockenes Fichtenholz hineingelegt  wurde. Der  Flamme,  die  von  unten  angeblasen  wird, bleibt  kein anderer Weg als über den Schwalch des Kessels. Der Schwalch ist die Öffnung, die  in den Ofen führt. Am Ende des Ofens, dem Schornstein gegenüber, ist  das  sogenannte Zapfloch und vor demselben die Rinne, welche das flüssige Metall in die Glockenform leitet. Diese Rinne wird auch  des „Henkels Bogen“  genannt, den  Schiller  in  seinem  Gedicht  erwähnt.  In  dem  Ofen  wird  dann  die Glockenspeise , die aus Kupfer  und Zinn besteht, zum Schmelzen  gebracht. Das  Zinn  wird  in  kurzer  Zeit  flüssig. Man bringt  deswegen  zuerst  das  Kupfer  in  den  Kessel   und   nach  seinem  Schmelzen wird Zinn hinzugefügt.  „ Kocht des Kupfers Brei, dann das Zinn herbei.“  Sobald  das  Metall  durchgängig in Fluß geraten ist, bildet sich weißer Schaum. Die weißen Blasen  müssen mindestens zweimal abgeschäumt werden.  Nunmehr werden auf je 10 Zentner Metall 500 Gramm Pottasche - Schiller nennt es Aschensalz - in den Kessel geschüttet, um das Schmelzen und den  Guß  zu  fördern. Nach 12 h bräunen sich die Windpfeifen. Der Werkmeister taucht nun ein Stäbchen in die  Mischung. Ist dieses beim Herausziehen mit einer feinen  Glasur  überzogen,  so  ist  der  gewünschte  Grad  der Flüssigkeit eingetreten. Zur  Untersuchung  der  richtig  getroffenen  Mischungsverhältnisse   gießt  der Schmelzer in einen ausgehöhlten warmen  Stein  etwas  von  dem  flüssigen  Metall  hinein. Nach dem Erkalten bricht er das Metall . An dem Bruch kann  er  erkennen,  ob  die  Mischung  gut geraten  ist. Gar zu kleine Zacken am Bruch lassen auf zu viel Zinn,  grob  körniges  Gefüge auf  zu  viel  Kupfer schließen. Es kommt alles  darauf  an,  daß  das  spröde, schwer schmelzbare Kupfer  sich  mit  dem weichen , leicht flüssigen  Zinn  zum  guten  Zeichen  vereine,  wie  so  schön  in der  Ballade  gesagt wird. Nun wird in Gottes  Namen  der   Zapfen  geöffnet,  damit  die  feuerbraunen  Wogen  in  die  Form fließen  können.  Mehrere   Stunden   hindurch   muß  sich  nun  die  Glocke  abkühlen.  Dann  wird  die Dammgrube geöffnet, der Mantel wird zerschlagen  und mit der  Kraft  des  Stranges  wird  die  neue Glocke aus der Gruft emporgewunden, damit sie  in  das Reich des Klanges steige, in des Himmels Luft.

Herz und Auge  erfreuen  sich  an  dem  wohlgelungenen  Werk  und  mit  besonderem  Wohlgefallen  sieht der  Meister auf das Wappen  in  Form  eines  netten   Schildes, die  im  Sonnenglanze spielt. Schiller verwandte dazu für sein Gedicht den  Spruch  auf  der  Glocke  im  Münster  zu  Schaffhausen . Dort  steht  übersetzt :  Rufe   die  Liebenden,  beklage  die  Toten,  besänftige  den  Blitz.  Schiller  hat  diese  bedeutsamen Worte an die Spitze seines Liedes  gestellt.  Zu  dem  Blitz  ist  noch  zu  bemerken,  daß man im Mittelalter die Glocken auch bei Gewitter läutete, weil  man  glaubte, daß dadurch  das  Gewitter verscheucht würde. Bevor  die  Glocke  ihrer  Bestimmung  übergeben  wird, muß sie getauft und  geweiht  werden. Dies ist ein alter Brauch und wird seit Bestehen der Kirchen so gehalten. Schon  in  den  Kapitularien  Karls  des Großen  ist davon die Rede.  Unter  den  Klängen  des Psalmes  28  wurde  im  Mittelalter die Glocke mit geweihtem Wasser besprengt und erhielt in feierlicher Weise ihren Namen.  Selbst  in  der protestantischen Kirche hat sich eine Art Glockenpredigt erhalten.

Verstehen wir die Glocke symbolisch, so kann  man  sagen,  unser  eigenes  Gewissen, geboren  aus  dem Gottgeist Christi in  unserer  Seele  Grund  ist  die Glocke,  die  uns mahnt, die uns ruft,  uns tröstet, die aber  im negativen Sinn uns auch  in den Krieg,  in einen Aufruhr  hineinlockt. Wir können aus dem  Glockengeläute Frieden schaffen, wir können aber aus der Glocke auch Kanonenkugeln  machen, wie uns das die Geschichte lehrt. 

Zum inneren Entsprechungssinn:

Das Holz bedeutet nach Swedenborg das Gute der Liebe und des Lebens. Fichtenholz  wird  nicht  erwähnt. Aber die Zeder , die dem Nadelholz angehört,  hat  im  Gottwort eine  wichtige  Bedeutung  und  entspricht dem inneren geistig Wahren. Das Holz war deswegen auch ein Reinigungsmittel, denn das innere geistig Wahre reinigt uns. Wenn wir unsere Gedanken durch Neigungen und Begierden unserer Liebe fehlgesteuert haben, dann sind auch unsere Gedanken,  unser Verstand  im  Wachbewußtsein  unseres Gehirns verunreinigt. Die Reinigung kann  nur  durch  reine  Gedanken  erfolgen.  Die  neuen Gedanken sind geistige Wahrheiten und wenn sie aus dem Gottwort genommen sind, inspirieren sie uns geistig und sind göttliche Wahrheiten zum Wahren und Guten. Deswegen entspricht die Zeder, im gewissen  Sinne auch  das  Fichtenholz,  einer  Art Reinigungsmittel. Es erweckt in uns ein Feuer. In diesem  Sinn  bedeutet also das Feuer  vom  Fichtenholz  die  erwachende  Liebe  des  Menschen,  die  erwachende  Liebe  zum  geistig Wahren und daraus die Reinigung der  Gedanken  und  später  die  Reinigung unseres Willens. Es ist bemerkenswert, daß aus dem Zedernholz der Tempel und auch  die Arche  gebaut  wurde, wie wir das im 5. Band  des  „Großen  Evangeliums“  durch Jakob  Lorber  im Kap. 128, 7  nachlesen können. So sagt der Herr durch Jakob Lorber auch, daß das lebendige  Haus  nur  aus  Zedern  und  nicht  aus  toten  Tannen gebaut sein soll. 

Was sagt die Entsprechungskunde zur Glockenspeise aus Kupfer  und  Zinn ?   Kupfer bezeichnet nach Swedenborg das natürlich Gute oder das  Gute des  äußeren  oder  natürlichen  Menschen. Es wurde auch Kupfer-Messing verwandt. Aus Kupfer und  Zinn  wurde auch  die  Legierung Bronze hergestellt, die Mose und Hesekiel  erwähnen.  Zur Bereitung der Glockenspeise  muß Kupfer zuerst geschmolzen  werden.  Es  entspricht dem  Männlichen, während Zinn leichtflüssig ist und dem Weiblichen entspricht. Unwillkürlich denkt man dabei an Yin und Yang  oder an die beiden Pole in uns selbst:  Das  Männliche  und  Weibliche. Das  weiche,  leicht  flüssige  Zinn  ist  das  weibliche  Prinzip,  das  Wahre.  Das  kann  man  aus  dem  herausfinden, obwohl  Zinn  im  göttlichen Wort nicht erwähnt wird . Das Kupfer muß  also  vor  dem  Zinn,  d.h.  das  Natürlich Gute der Liebe muß  im Menschen vorher erweckt werden, ehe dann die  göttliche  Wahrheit  hinzugefügt wird. Deshalb konnte man auch das Kupfer als das göttlich Wahre  bezeichnen. Erst muß das spröde, schwer schmelzbare Wahre durch das  Feuer der Liebe erweckt werden. Erst dann kommt das natürlich Gute, Wahre hinzu. So kann sich  die  Glockenspeise  entwickeln. Umgesetzt  auf  uns Menschen bedeutet dies: Zu-erst muß sich der Mensch in der Liebe zu Gott wenden  und  dann  wird  ihm die Weisheit werden. 

Was in des Dammes tiefer Grube
Die Hand mit Feuers Hülfe baut,
Hoch auf des Turmes Glockenstube
Da wird es von uns zeugen laut.
Noch dauern wird's in späten Tagen
Und rühren vieler Menschen Ohr
Und wird mit dem Betrübten klagen
Und stimmen zu der Andacht Chor.
Was unten tief dem Erdensohne
Das wechselnde Verhängnis bringt,
Das schlägt an die metallne Krone,
Die es erbaulich weiterklingt.
   

Des Dammes tiefe Grube bezeichnet unser menschliches  Unterbewußtsein, mit  all  seinen  vorgeburtlichen  Einprägungen,  die  dann  schließlich  unser  Gesamtmenschliches  gestalten. Alles,  was  der Mensch mit seinem Wachbewußtsein denkt, was er liebt, will und wünscht und durch seine Werke im äußeren  Geschehen  dieser  Welt  verwirklicht, das schafft in seinem  Gehirn  Einprägungen  und  in seinem Unterbewusstsein  Einprägungen auf  Seelenebene und  auf  Geistebene. Das ist hier gemeint.

Was die Hand mit Feuers Hilfe baut,  das  bezeichnet,  daß  die  Hand  wieder  als  der  göttliche  Geist  mit seiner Gottvorsehung , mit des Feuers Hilfe baut. D.h. es wird mit der Liebe gebaut, was  dann  später einmal im Zustand der  Verklärung  unserer  Seele hoch auf des Turmes  Glockenstube  erklingen  wird.

Solange wir  hier  auf  Erden , in  des  Dammes  tiefen  Grube  unser  irdisches  Dasein  durchleben  ,  wird mit des Feuers Hilfe  unsere  Wiedergeburt  weitergetrieben.  Aber wenn einmal die Glocke  abgekühlt und hochgezogen wird, d.h wenn wir in die andere Welt, in  das  große  Jenseits  hinübergehen,  dann ist an  der  Glocke  nichts  mehr  zu ändern. Dann ist der Guß entweder ein mißlungener Guß, die Glocke  klingt  schlecht, oder sie ist vielleicht gar nicht brauchbar. Dies alles liegt in diesem  Symbol,  wenn  es heißt : „Was in des Dammes tiefer Grube die Hand mit Feuers Hilfe baut “

„Hoch auf des Turmes Glockenstube,  da  wird  es von  uns  zeugen  laut“.  Die  hohe Glockenstube ist  das Jenseits , das Paradies, unser Himmel, aber  auch  unsere  Hölle, wenn wir missraten sind. Was wir  hier  in  des  Dammes  tiefen  Grube  verwirklichen, wird sich in späten Tagen auswirken.„Und rühren  vieler Menschen Ohr “, bezeichnet, daß viele Menschen daran beteiligt sein werden. Wir Menschen hängen alle zusammen. irgendwie sind wir einzelne Perlen an  einer  unendlich  langen  Kette. Die  schwächste Perle schwächt die ganze Kette.  Die Kette ist so stark wie ihr schwächstes Glied.  Die Betrübten sind  dann aus unserem Wollen und Denken entstandene  Nachwesenheiten, die dann  klagen. Die  anderen  sind die himmlischen Nachwesen, die zu  der  Andacht Chor stimmen.

„Was unten tief dem Erdensohne das wechselnde Verhängnis bringt, das schlägt an die metallne Krone, die es erbaulich weiterklingt“. Die Erdensöhne sind wir. Was wir  hier  als  Erdensohn  verwirklichen, bringt das wechselnde Verhängnis.  Die metallne Krone bringt  zum  Schallen, was wir gewirkt  und gebaut haben in des Dammes tiefer Grube, d.h. in unserem irdischen Leben. 

Weiße Blasen seh ich springen,
Wohl! Die Massen sind im Fluß.
Laßt's mit Aschensalz durchdringen,
Das befördert schnell den Guß.
Auch von Schaume rein
Muß die Mischung sein,
Daß vom reinlichen Metalle
Rein und voll die Stimme schalle.

Und   wieder   erleben  wir  einen  Teil  des   Glockengusses. Weiße  Blasen  sehe  ich  springen. Erinnern wir uns! Sobald das Metall durchgängig in Fluß geraten ist, hat die Speise weißen Schaum  gebildet.

Die weißen  Blasen  müssen  abgeschäumt  werden. Das  Feuer  der  göttlichen  Liebe  bildet  in  der menschlichen Seele auch Schaum. So ist z. B. die Materie  des  Mondes  und  anderer  Gestirne  noch nicht so fest gediehen, sodaß  sich  noch  Schaum  bildet. Dieses schaumige  Gebilde  ist noch  nicht   reif  für die Glocke, denn  Vollmaterie  ist  etwas  anderes   als  Schaumgebilde,  das  abgeschöpft  werden muß, damit  die  reine Materie, die Fixmaterie entstehen  kann.  Dasselbe  geschieht  in  unserer  Seele.

Die Schaumbildungen werden abgeschöpft.In der Haushaltung Gottes spricht der Herr durch  Jakob Lorber , daß Adam wie das Oberste gestaltet wurde, den Rahm nennt  er  es.  Es  wurden  also  beste Bestandteile  abgeschöpft.  Diese  Schaumbildungen  kann  man   auch   in  Jenseitswerken,   in   den  Jenseitserscheinungen, z.B. in  den  Werken  Bischof  Martin,  Robert  Blum,  Geistige  Sonne  sowie  in Himmel  und  Hölle durch Swedenborg finden, wenn man mit etwas Liebe und tiefer  Innewerdung hineinzulesen  versteht.  Der  Kochvorgang   der  Glockenspeise   ist  auch  ein  Gleichnis  für   unser innermenschliches Werden. Dieses ist eine  Art  Gärungsprozess,  ein  Läuterungsfeuer der  Seele,  das uns himmelsreif macht. Dann klingt durch uns die reine  volle  Stimme, die Stimme Gottes, auf reinem Metall. Durch das Klärungsfeuer werden wir  zu göttlichen Söhnen und Töchtern. 

Denn mit der Freude Feierklange
Begrüßt sie das geliebte Kind
Auf seines Lebens erstem Gange,
Den es in Schlafes Arm beginnt;
Ihm ruhen noch im Zeitenschoße
Die schwarzen und die heitern Lose,
Der Mutterliebe zarte Sorgen
Bewachen seinen goldnen Morgen.-
Die Jahre fliehen pfeilgeschwind.
Vom Mädchen reißt sich stolz der Knabe,
Er stürmt ins Leben wild hinaus,
Durchmißt die Welt am Wanderstabe.
Fremd kehrt er heim ins Vaterhaus.
 

 

Jetzt wendet sich die Ballade dem Kreis der Familie zu. Die Geburt  des  Kindes  könnten  wir  als  die Geburt der Menschenseele hier auf Erden betrachten, unsere Eingeburt hier auf Erden. Der  göttliche Geist hat nun seine Seele zur  Naturseele gesammelt  und hat sich nun eingekörpert, gebunden an  den Samenstrom des Mannes befruchtet  er das Ei in der Mutter und ausgeboren als Kind liegt  er  in  den  Windeln  und  beginnt  einen  ganz   neuen   Lebensabschnitt.   Mit  dieser  Inkarnation   hier  auf  Erden  werden  wir Engel  des  Himmels,  Anwärter  der  Kindschaft  Gottes. Denn  mit  der  Freude  Feierklange begrüßt sie, die Glocke, das  geliebte  Kind,  d.h. die Form,  die  geprägt  wurde,  der  Körper  empfängt die lebendige, liebende Kinderseele.  Auf  seines  Lebens  erstem Gange, den es in Schlafes Arm beginnt .

Nach der göttlichen Vorsehung  erwacht  unser  Bewußtsein  nur  nach  und  nach  sehr  langsam.  Deswegen beginnt unsere Seelenentwicklung  im fleischlichen Körper  in  des  Schlafes Arm. Als  Kind leben wir nun in einem Zeitenschoß und die schwarzen und die heitern  Lose  sind  noch  unbestimmt.

Es gibt keine  Prädestination,  wo  man  sagen  könnte : Du mußt  jetzt  leiden,  du  bist  dafür  bestimmt. Oder du lebst in Freuden, für dich ist dies so vorgesehen.  Dies stimmt nicht. Es gilt das  Gesetz  von Ursache und Wirkung !  Wenn wir in unserem vorgeburtlichen Zustand böse und falsch waren, wirkt sich diese Bosheit und Falschheit aus.  Das  sind  dann  die  schwarzen  Lose.  Der  Mutterliebe  zarte  Sorgen   bewachen   unseren goldnen Morgen. D.h. solange wir in kindlicher Unschuld  sind,  werden  uns Engel des Himmels behüten. Das ist die  Mutterliebe.  Nicht  nur  die  Liebe  der  äußeren  Mutter hier auf Erden ist gemeint, sondern auch die Engel des Himmels. Aber  in  dem  Augenblick ,  in  dem der Mensch für sich selbst will, wo er  nicht  mehr  die  Engel  des  Himmels  durch  sich  wollen  läßt, verläßt er die ungeprüfte Unschuld des Himmels  und  er wird  ein  eigenwilliger  Mensch.  Dem  Eigenwillen  kann  kein  Himmel   mehr  dienen, auch nicht  Gott.  Und  so  fliehen  die  Jahre  pfeilgeschwind. Vom Mädchen reißt  sich der stolze Knabe., d.h. das männliche Prinzip entwickelt sich mehr und mehr, das männliche Prinzip der Liebe entsteht und reißt sich  fort  vom  Mädchen.  Das  Mädchen  entspricht  der Weisheitssphäre, daher werden  durch  das  Mädchen  die  anerzogenen  Erkenntnisse  der  Eltern, der Familie, des Vaterhauses  oder  des  Mutterhauses  symbolisiert.  Von  diesen  Erkenntnissen  reißt sich der Knabe fort. Er will jetzt  nach  eigenem Denken und Forschen  die  Welt erobern.  Er  stürmt wild in  das  Leben  hinaus,  durchmißt die Welt am Wanderstabe, d.h.  nach  seinen  Überlegungen, mit  seinem  Verständnis versucht er nun mit dem Leben fertig zu werden. Er kehrt  dann  als  Fremder  in  das Vaterhaus zurück. 

Und herrlich, in der Jugend Prangen,
Wie ein Gebild aus Himmelshöhn,
Mit züchtigen, verschämten Wangen
Sieht er die Jungfrau vor sich stehn.
Da faßt ein namenloses Sehnen
Des Jünglings Herz, er irrt allein,
Aus seinen Augen brechen Tränen,
Er flieht der Brüder wilder Reihn.
Errötend folgt er ihren Spuren
Und ist von ihrem Gruß beglückt,
Das Schönste sucht er auf den Fluren,
Womit er seine Liebe schmückt.
O! zarte Sehnsucht, süßes Hoffen,
Der ersten Liebe goldne Zeit,
Das Auge sieht den Himmel offen,
Es schwelgt das Herz in Seligkeit.
O! daß sie ewig grünen bliebe,
Die schöne Zeit der jungen Liebe!

Mit der ersten Begegnung der Liebe wird gezeigt, daß der Mann in der  Kühnheit seines  Verstandes im Herzen doch eine verloschene Liebe trägt. Die  erloschene  Sonne  seiner Liebe im Herzen aber kann Gott nur durch die Frau  wecken. Der  Mann zieht  sich  aus  der  Männerschar  zurück  und  folgt  dem namenlosen Sehnen. Errötend folgt  er  ihren Spuren und ist von ihrem Gruß beglückt. Das  Schönste sucht er auf den Fluren,  womit  er  seine  Liebe  schmückt.  Die  Liebe  des  Mannes  zur  Frau,  diese herrlichste Begegnung , mit der Gott versucht, die getrennten Gemüter  von  Mann  und  Frau  wieder  zu sammeln. Das ist die erste Liebe, die Schiller so  formuliert.  O  zarte  Sehnsucht,  süßes Hoffen,  der  ersten Liebe goldene Zeit. Das Auge sieht den Himmel offen,  es  schwelgt das Herz in Seligkeit. Diese erste Sehnsucht, die da im Menschen aufbricht, wird im Verliebtsein latent. Verliebtsein ist noch nicht die wahre Liebe. Wahre Liebe kommt aus der mentalen Ebene, aus dem Gottgeist unserer Seele, bricht durch die  Seele  hindurch  und wird zur  seelischen  Liebe,  die  dann  im  Körperlichen  die  Erfüllung sucht. Dort kann sie sie aber nicht finden, wie wir  später  erfahren  werden. Die  echte  und  reine  Liebe, die uns den Himmel öffnet, die die süße  Hoffnung der  Sehnsucht mit  der ersten  Liebe  bekrönt,  ist eine mentale oder geistige Liebe. Jesus von Nazareth sagte in der  Offenbarung  Johannes : „ Ich  habe wider dich, daß du deine erste Liebe  verlassen  hast.“  Und so müssen wir im äußeren irdischen Dasein, die Männer an den Frauen- und umgekehrt- die erste Liebe erleben. 

Wie sich schon die Pfeifen bräunen!
Dieses Stäbchen tauch ich ein,
Sehn wir's überglast erscheinen,
Wird's zum Gusse zeitig sein.
Jetzt, Gesellen, frisch!
Prüft mir das Gemisch,
Ob das Spröde mit dem Weichen
Sich vereint zum guten Zeichen.

Denn wo das Strenge mit dem Zarten,
Wo Starkes sich und Mildes paarten,
Da gibt es einen guten Klang.
Drum prüfe, wer sich ewig bindet,
Ob sich das Herz zum Herzen findet!
Der Wahn ist kurz, die Reu ist lang.
Lieblich in der Bräute Locken
Spielt der jungfräuliche Kranz,
Wenn die hellen Kirchenglocken
Laden zu des Festes Glanz.

Wieder erinnert uns der Glockenmeister daran, daß sich die Windpfeifen  bräunen.  Nun  macht  er  mit  dem Stäbchen die Probe  des  rechten  Mischungsverhältnisses.  Für  uns hat dies  eine  tiefe  Bedeutung.

Auch in uns stecken solche Prüfungspfeifen. Nach Swedenborg sind von Gott in uns die sogenannten reinen Überreste eingebaut , die rein gebliebenen Teile  unserer  Seele,  die  das  Gewissen  ausmachen und später auch die Plattform für den Gottgeist bilden.  Über diese Plattform  kann  sich  der  Gottgeist  in die  Seele  ergießen,  wenn   sie  gottzugewendet ist.  Braun ist die  Farbe  des  Irdischen.  Das   Geistige  hat  sich  des  Irdischen angenommen. Der Geist ist bereit, sich mit dem Körperlichen,  dem Braunen zu  verbinden  Der Guß wird gelingen. Die Gesellen, die Engel des  Himmels,  die  reinen  Gedanken  prüfen nun, d.h. der Mensch wird nun in Versuchungen geführt. Kein Mensch wird  ohne  Versuchungen wiedergeboren. Jesus mußte  in  der  Wüste  vom  Teufel  versucht werden,  damit  Er  bestandsfähig  war, als Sohn Gottes  zu  wirken.  So  mußte  Moses  und all  die   Propheten   in   die  Wüste  gehen  und  ihre  Versuchungen  erleiden.  Wir sterblichen  Menschen   werden  durch  Versuchungen ,  durch  den  Kampf  des  Bösen und Falschen  von den Engeln des Himmels ebenfalls geprüft, ob sich in uns  das  rechte Gemisch gebildet , ob sich das Spröde mit dem Weichen zum guten Zeichen vereint  hat.  D.h.  die   spröden,  die  noch  nicht  ganz  Gott  zugewendeten   Wesensteile    unsrerer   Seele   müssen  sich  mit  den  himmlisch  gewordenen  weichen  Wesensteilen  vereinen lassen.  Ist dies  noch  nicht  möglich,  dann  zerbricht  die Seele an  den Versuchungen , fällt in höllische Bereiche ab und bleibt deswegen noch  in  den  niederen Zuständen. Die höheren Zustände kann sie noch nicht erobern. Denn nur wo sich das  Strenge  mit  dem Zarten, wo sich das Starke mit dem Milden  paarten,  gibt  es  einen  guten  Klang.  Dies  ist  der  Krieg Gottes in uns, die  Kriege  Jehovas.  Immer  wieder  kämpft  in uns  unser Böses und Falsches mit  unserem Guten und Wahren, das in uns aus  unserem  Gottgeist  einfließt.  Darum  prüfe, wer  sich  ewig  bindet.

Das bezieht sich nicht nur auf die Ehe, sondern auch auf  die  Wesensteile  und  Wesensschichten  unserer Seele. Sie können sich auch nur dann verbinden, wenn sie harmonisch übereinstimmen.

Die Harmonie aber entsteht  dadurch,   daß  wir  mit  unserer  Umwelt  nach  außen  hin harmonisieren. Erst dann entsteht auch eine  innere  Harmonie.  Zuvor  ist  unser  Leben  immer  wieder  eine  Kampfstunde, oder gar ein andauernder Krieg.  Gott kann  sich  nie mit der Seele des  Menschen  für  ewig  verbinden,  wenn die Seele  nicht  gottlauter  geworden ist.

„Lieblich in der Bräute Locken spielt der jungfräuliche Kranz, wenn die  hellen  Kirchenglocken  laden zu des Festes Glanz.“ Die Ehe ist ein Symbol  des  reinen  Himmels,  aber nur in der echten himmlischen Ehe, in der sogenannten ehelichen Liebe oder  auch  Dual-liebe, die es auf der Erde nur sehr  selten  gibt .

Wenn  diese  eheliche  Liebe  rein  genommen  wird,  nicht  aus  irgendwelchen  persönlichen  Interessen geschlossen wird, dann wird uns der jungfräuliche Kranz gereicht. Denn die Ehe ist eine Gemeinschaft des Guten und des Wahren. Das Gute und Wahre wird nun zusammengeführt. Dann läuten  die  hellen Kirchenglocken. Äußerlich gesehen  wird  der  Mann weicher,  die  Strenge  des  Mannes  wird  von der Frau gemildert.  Das Unwissende  der  Frau wird  durch  die  Weisheit  des  Mannes  gestärkt  und  entflammt. Die neue Epoche ladet uns ein zu einem neuen Leben in der Liebe zu Gott, unserem Vater und zur Menschheit. 

Ach! des Lebens schönste Feier
Endigt auch den Lebensmai,
Mit dem Gürtel, mit dem Schleier
Reißt der schöne Wahn entzwei.
 

Die Ehe ist eine Schule, eine Kampfesschule, in der der  Mann  mit  der  Rückendeckung der Frau  lernen soll, denn er muß wieder in das feindliche Leben hinaus, wie wir dies mit den nächsten Strophen hören : 

Die Leidenschaft flieht!
Die Liebe muß bleiben,
Die Blume verblüht,
Die Frucht muß treiben.
Der Mann muß hinaus
Ins feindliche Leben,
Muß wirken und streben
Und pflanzen und schaffen,
Erlisten, erraffen,
Muß wetten und wagen,
Das Glück zu erjagen.
Da strömet herbei die unendliche Gabe,
Es füllt sich der Speicher mit köstlicher Habe,
Die Räume wachsen, es dehnt sich das Haus

Dies ist das männliche Schaffen. Nun kommt das Schaffen der Frau : 

Und drinnen waltet
Die züchtige Hausfrau,
Die Mutter der Kinder,
Und herrschet weise
Im häuslichen Kreise,
Und lehret die Mädchen
Und wehret den Knaben,
Und reget ohn Ende
Die fleißigen Hände,
Und mehrt den Gewinn
Mit ordnendem Sinn.
Und füllet mit Schätzen die duftenden Laden,
Und dreht um die schnurrende Spindel den Faden,
Und sammelt im reinlich geglätteten Schrein
Die schimmernde Wolle, den schneeigten Lein,
Und füget zum Guten den Glanz und den Schimmer,
Und ruhet nimmer.

Und der Vater mit frohem Blick
Von des Hauses weitschauendem Giebel
Überzählet sein blühendes Glück,
Siehet der Pfosten ragende Bäume
Und der Scheunen gefüllte Räume
Und die Speicher, vom Segen gebogen,
Und des Kornes bewegte Wogen,
Rühmt sich mit stolzem Mund:
Fest, wie der Erde Grund,
Gegen des Unglücks Macht
Steht mit des Hauses Pracht!
Doch mit des Geschickes Mächten
Ist kein ewger Bund zu flechten,
Und das Unglück schreitet schnell.

In diesem Vers wird das Familienglück noch einmal besungen, aber  auch  ein  nahendes  Unglück  angekündigt.

Unser Gottgeist erschaut von der Höhe seiner Gottweisheit und  Liebe  über die  Giebel,  über  alle  Orte, über all das so Vertraute, was seine Seele durch ihr Denken und Wollen  verwirklicht  hat . Die  Scheunen und die gefüllten Speicher, die  tragenden  Bäume.  All  das  hat  er  durch  die  Kraft  seiner  Liebe, seines Denkens und Wollens verwirklicht. In der Welt, in der wir leben, die eine satanische Ebene, ein großer  Schöpfungsmensch  ist,   der   jedem  Neuoffenbarungsfreund   bekannt   ist  -  unser großes  Universum  wird  als Schöpfungsmensch bezeichnet - , ist die Materie  noch nicht  ausgereift. Die  Materie  ist nur ein Übergang und ist eine Neuschaffung aus Geist- und Seelenebenen . Die mentalen  Ebenen  haben sich in der Seele verwirklicht. Die Seele soll  sich  im  Stofflichen,  in  der  Materie  verwirklichen.

Aber dies ist bisher nur einem einzigen  Menschen auf  Erden gelungen,  dem  Menschen Jesus von  Nazareth, der seinen Körper wieder vergottete, in  eine  neue  Materie   transformierte.   Diese  Transformation  nennt  man  Verklärung ,  Verherrlichung ,   Himmelfahrt.  Das  steht  auch  uns  Menschen  bevor.

Unsere gesamtstoffliche Materie muß auch einmal umgewandelt werden. Dies wird auch im  Lied  von  der  Glocke  angekündigt , und  zwar  mit  dem  Augenblick,  in  dem  die Glocke  aus  die  Gruft  gewunden  wird.  Damit  unsere  Körpermaterie  verklärungsreif  wird,  muß  sie  Leid  erfahren  durch   Krankheit,  Kampf,  Krieg,  Not,  Elend,  Hunger, Tod, usw. . Dieses Leid reift unsere Materie zur  Verklärung. Dies ist aber  nur  möglich, wenn sich der Mensch von dem  göttlichen Geist durchdringen  läßt, in  seinem  geschaffenen Körper, in seiner geschaffenen Seele und in seinem geschaffenen  Geist,  und  zwar in  der Reihenfolge Geist, Seele, Körper.

Wohl! nun kann der Guß beginnen,
Schön gezacket ist der Bruch.
Doch bevor wir's lassen rinnen,
Betet einen frommen Spruch!
Stoßt den Zapfen aus!
Gott bewahr das Haus!
Rauchend in des Henkels Bogen
Schießt's mit feuerbraunen Wogen.

Dieser Spruch des Meisters ist nun wieder ganz auf den Glockenguß  ausgerichtet.  Der  Segen  Gottes muß erbittet werden. Dies ist eine fromme Art, die  heute  leider  bei  der  Arbeit  meist  vergessen  wird. Man achtet nicht mehr auf den Segen des göttlichen Geistes. Einige wollen sogar die Präambel des Grundgesetzes ändern. 

Wohtätig ist des Feuers Macht,
Wenn sie der Mensch bezähmt, bewacht,
Und was er bildet, was er schafft,
Das dankt er dieser Himmelskraft,
Doch furchtbar wird die Himmelskraft,
Wenn sie der Fessel sich entrafft,
Einhertritt auf der eignen Spur
Die freie Tochter der Natur.
Wehe, wenn sie losgelassen
Wachsend ohne Widerstand
Durch die volkbelebten Gassen
Wälzt den ungeheuren Brand!
Denn die Elemente hassen
Das Gebild der Menschenhand.
Aus der Wolke
Quillt der Segen,
Strömt der Regen,
Aus der Wolke, ohne Wahl,
Zuckt der Strahl!
 

Es ist verständlich, daß beim Glockenguß die Verbindung zum Feuer, zur Himmelskraft gezogen wird. Wohltätig ist  des  Feuers  Macht,  wenn  der  Mensch  sie  bezähmt  und  bewacht.   Die   friedliche   Atomkernspaltung    ist  auch  eine  Feuersmacht.  Aber  wir  können  des  Feuers  Macht  in  der  friedlichen Kernspaltung nicht mehr  bezähmen,  da der radioaktive Abfall weiterstrahlt und uns krebskrank macht.Die Krebskrankheit ist seit der Kernspaltung  steil  hinaufgestiegen.  Schiller  sagte  prophetisch  voraus, daß die Himmelskraft beim Lösen der Fesseln eine eigene  Spur wählt, weil sie eine  freie  Tochter  der Natur ist. In diesem Zustand kann sie der Mensch  nicht  mehr   bezähmen.  Durch   die  volksbelebten   Gassen  wälzt  sich  der  Brand,  den  der Mensch  ausgelöst hat. Wir rufen  Feuer-  und  Geistwesenheiten  aus  dem  Inneren  der Erde hervor, die wir nun  nicht  mehr  bezähmen  können.  Wir  leben  heute  auf   einem sterbenden Planeten.

Was bedeutet die Feuersmacht im inneren Sinne ?

Die  Feuersmacht   ist  die  Lebensenergie,  die  uns  Gott  in  Form  der  Liebe  und  der göttlichen Weisheit in unseren göttlichen Geist eingießt, in  den  innersten  Menschen  in  uns.  Diese  Macht  und  Kraft  ist  wohltätig,   wenn  sie    der    Mensch   bezähmt  und bewacht, wenn unser Bewußtsein die  göttlichen Kräfte kontrollieren kann. Was er dann bildet und schafft, das dankt er dieser  Himmelskraft. Wir  können  mit  diesen  Energien Gottes gut wirtschaften. Aber wie  es  in  der  großen Welt  geschah, so geschieht es bei den meisten Menschen und  in  uns.  Furchtbar  wird  die  Himmelskraft,  wenn  sie  sich der  Fessel  entrafft.  Wenn  wir  also  die  Energien  Gottes  falsch  lenken,  nämlich  die  Liebe  Gottes  in Bosheit,  Selbstliebe,  Egoliebe umwandeln,  dann  wird  die  Himmelskraft für uns schädlich.  Deswegen  haben  wir  auch  Seine  Gebote  zu  beachten.  Aber  wer  liebt  den  Nächsten  schon  von  der  großen  Masse   der   Menschen ?  Dort  wird  diese  Macht  eben  nicht mehr  bezähmt  und   bewacht,  sondern ihrer Fesseln entrissen und wird als Tochter der freien  Natur  nun  selbstzerstörend. Jede  selbstsüchtige  Liebe zerstört sich selbst.  Daß  es  heute  so  viele  Kranke  gibt,  hauptsächlich  Krebskranke,  geschieht   deswegen,  weil  des  Feuers  Macht  selbstsüchtig  durch  negatives  Denken verwandt wurde.

Selbstsüchtig verwenden heißt, daß sich die Wesenheiten der göttlichen Energien als lebendige  Wesen  ichbezogen  im  Körper  bündeln,  Tumore,  Metastasen  bilden,  somit Krebs hervorrufen. So wachsen sie ohne Widerstand und durch die  volksbelebten  Gassen ,  also in  unseren  Adern , wälzen  sie  den  ungeheuren  Brand  der  Krankheit,  des Leides  und  der  Schmerzen.  Aber  davor  wollte  uns  der  Vater bewahren. Bedenken wir auch, daß sich die negativen Kräfte  auch  vor  unserer  Inkarnation  bereits gebildet haben können und sich erst jetzt in unserem Körper auswirken. 

Hört ihr's wimmern hoch vom Turm?
Das ist Sturm!
Rot wie Blut
Ist der Himmel,
Das ist nicht des Tages Glut!
Welch Getümmel
Straßen auf!
Dampf wallt auf!
Flackernd steigt die Feuersäule,
Durch der Straße lange Zeile
Wächst es fort mit Windeseile,
Kochend wie aus Ofens Rachen
Glühn die Lüfte, Balken krachen,
Pfosten stürzen, Fenster klirren,
Kinder jammern, Mütter irren,
Tiere wimmern
Unter Trümmern,
Alles rennet, rettet, flüchtet,
Taghell ist die Nacht gelichtet;

 

Die Wolke gilt als das  Wort  Gottes,  das  buchstäbliche  Wort. Aus dieser  Wolke des göttlichen   Wortes  quillt   der   Segen,   wenn   der  Mensch  nun  Gottes  Wort  ohne Begründung  annimmt, dann quillt  der  Segen der göttlichen Liebe hervor. Wir werden belebt vom heiligen  Geiste  Gottes  durch  Erkenntnisse.

Der Regen sind nun die neuen Gedankengänge, die  unsere  Felder,  d.h.  unser  Unterbewußtsein befruchten und die grüne Fluren hervorrufen, das Korn und das Obst reifen lassen. Das  geschieht  tatsächlich und  real im Jenseits und geschieht daher  in  unseren geistigen Ebenen, im Inneren unseres Menschenherzens. „Aus  der  Wolke  ohne  Wahl zuckt der Strahl.“ Wenn das Wort Gottes, das die Wolke symbolisiert, ohne Bezug auf den göttlichen  Liebegeist  gelesen  und  angenommen  wird,  schafft  sich  der  Mensch Begründungen, die der  zuckende  Strahl  sind.   Begründungen  sind  Dogmen, die wie  ein  zuckender Strahl wirken.  Der Herr sagte zu den Jüngern, wenn sie recht eifrig waren, um das gehörte Wort nach eigenem Handeln und Wollen zu verkünden:  „ Ihr seid doch wie Blitze und Donner.“ Genauso geschieht es uns. Sturm und Gewitter  entsteht im   Jenseits  durch  menschlich  eigenes  Spekulieren, Denken , Wollen  und  Handeln. Dies geschieht aber auch in unseren unterbewußten Schichten  unserer Seele.  Wir fühlen uns dann disharmonisch, aufgewühlt, liebeleer,   unsere  Verdauungsgänge  geraten aus dem Gleichgewicht. 

Durch der Hände lange Kette
Um die Wette
Fliegt der Eimer, hoch im Bogen
Spritzen Quellen, Wasserwogen.
Heulend kommt der Sturm geflogen,
Der die Flamme brausend sucht.
Prasselnd in die dürre Frucht
Fällt sie in des Speichers Räume,
In der Sparren dürre Bäume,
Und als wollte sie im Wehen
Mit sich fort der Erde Wucht
Reißen, in gewaltger Flucht,
Wächst sie in des Himmels Höhen
Riesengroß!
Hoffnungslos
Weicht der Mensch der Götterstärke,
Müßig sieht er seine Werke
Und bewundernd untergehn.

Wenn sich der Mensch aus diesem Gottwort Erkenntnisse schafft, dann entsteht in ihm  ein  Kampf .

Führt der Mensch diesen Kampf nicht im reinen Sinne  der Liebe zu Gott  und  zu  dem Nächsten, dann  entstehen durch das Freiwerden der göttlichen Energien  solche Kämpfe, die wir Versuchungen nennen. Rot wie Blut zeigt sich z.B. die Krankheit. Wer  echte meditative Heilvorgänge in sich bewirken  kann,  der  wird  nach  einer  gewissen   Zeit  feststellen   können,  daß   in  seinem  Unterbewußtsein   die  Krankheit  rot  dargestellt wird. Er muß sie dann mit dem Lichte aus der himmlischen  Liebe  durchstrahlen. Dann tritt wieder der Heilungsprozeß ein.

„Rot wie Blut, das ist nicht des Tages  Glut“.  Die  Röte  ist  nicht  vom  Himmel  kommend,  es  ist nicht  der sich auswirkende göttliche Einfluß. Die Röte ist die der Höllenbereiche, erzeugt durch die negativ eingestellten Menschen.

„Welch ein Getümmel. Straßen auf,  Dampf  wallt  auf.“  Wenn  wir  die  Jenseitssphäre Swedenborgs  und   Lorbers   betrachten,   dann  erleben  wir  immer  wieder  solch  ein  Getümmel,  immer  wieder  den  Brand, z.B. in "Bischof  Martin": Feuersäulen flackern  durch  die  Straßen,  mit  Windeseile  wachsen  sie  fort, schwellen an zum  Stadtbrand . Immer wieder geschieht es,  daß solche Feuerbrünste in unserem eigenen Jenseits in der geistigen Welt unseres Unterbewußtseins der  Seele  entstehen.  Kochend  wie  aus  des

Ofens Rachen glühen die  Lüfte,  Balken  krachen,  Pfosten  stürzen. Hier  wird  all  das  geschildert,  was wir in dieser verzweifelten Situation erleben. Aufmerksame Leser  der Jenseitswerke Robert Blum  und Bischof Martin können dies immer wieder erleben. Chaos entsteht, es wird gejammert,  Wimmern  ist zu  hören.  „Mütter irren“,   d.h.  die noch leiblich erwachten Gefühle im Menschen  irren  sich.  „Kinder  jammern“ ,  unsere Gedankengänge  sind  nun   ganz   negativ  geworden.  „Tiere  wimmern“,  unsere  Leidenschaften werden erregt und  wimmern,  unter  den  Trümmern,  die  über  sie  selbst  zusammenstürzen,  wimmern sie. Nach dem Gesetz der göttlichen Vorsehung wird  der Sünder von der Sünde  eingedeckt und gar zertrümmert.  Die Sünder sagen  im  Neuen Testament : „ O daß doch alle Trümmer über mich herfielen, damit ich  bedeckt  würde von der Sünde.“. „Und alles rennt, rettet,  flüchtet,  taghell  ist  die  Nacht“, die  Nacht der   Versuchung   wird  taghell  erleuchtet,  aber  vom  Feuer   der  Versuchung,  vom flackernden und verzehrenden Hitzefeuer  der Höllenbereiche  oder  unserer  negativen  Bereiche.  Da hilft nicht der Himmel, wie wir dies im Verlauf der Ballade hören.

Leergebrannt
Ist die Stätte,
Wilder Stürme rauhes Bette,
In den öden Fensterhöhlen
Wohnt das Grauen,
Und des Himmels Wolken schauen
Hoch hinein.

Selbstverständlich helfen uns der Himmel , die Engel und die  guten  Geister.  Das wird  ausgedrückt durch  der „ Hände lange Kette, um die  Wette  fliegt  der Eimer, hoch  im  Bogen  spritzen  Quellen, Wasserwogen“.  Der Mensch versucht nun zu retten und den Brand zu löschen. Dies sind Hilfsdienste der Engel, die aber nur aus den  Erkenntnissen eines Gottwortes kommen, aus den Quellen und Wasserwogen der göttlichen Wahrheit. Die   Wahrheit   wird   auch  durch  das  Wasser  symbolisiert.  Dieses Wasser  soll  den Feuerbrand in der Hölle löschen. Dies ist nun der  Kampf.  Mit  den  Erkenntnissen  aus dem Gottwort können wir in unseren unterbewussten  Schichten  der  Seele  versuchen, den  Höllenbrand menschlicher Begründungen und Fehlsteuerungen zu löschen und das Falsche zu  bekämpfen. 

„Heulend kommt der  Sturm  geflogen,  der  die  Flamme  brausend  sucht“,  alles  wird aufgezehrt, was wir uns so schwer und mühsam erarbeitet haben.  Riesengroß wird  der Schaden , hoffnungslos weicht der Mensch der Götterstärke, müßig sieht er seine  Werke und bewundernd untergehen. Weichen wir  von der  Götterstärke,  vom  Gotteinfluß ab, dann sehen wir alles, was wir bis  jetzt  erworben  und  errafft  haben,  in  der  Seele untergehen.  Alles vergeht, was der Mensch  nicht  im  Göttlichen  gewirkt  hat und  im Göttlichen schafft. Auch vergeht das, was uns Gott gegeben  hat,  aber  von  der  Hölle  verzehrt  wird.  Denn Eigentum wird es erst dann, wenn wir es göttlich beleben. 

Einen Blick
Nach den Grabe
Seiner Habe
Sendet noch der Mensch zurück -
Greift fröhlich dann zum Wanderstabe.
Was Feuers Wut ihm auch geraubt,
Ein süßer Trost ist ihm geblieben,
Er zählt die Haupter seiner Lieben,
Und sieh! ihm fehlt kein teures Haupt.

Die leergebrannten Stätten werden bei Swedenborg  die  Verödung  genannt,  die  dann eintritt, wenn wir aus den Versuchungen herauskommen und  erlegen  sind.  Die  Versuchung  verursacht  eine  gewisse Trübstimmung, die in uns zurückbleibt. Wir sehen  uns aller Freuden beraubt. In den  Fensterhöhlen wohnt das Grauen. Doch durch sie blicken noch des Himmels Wolken. Der einzige Trost ist  nach  solchen  Niederlagen  das  göttliche Wort  (Wolken) , das uns  dann  noch  bleibt. Da greift  man  zur  Bibel  oder  liest einen Psalm. 

Nachdem wir in Versuchungskämpfen, in des Feuers Wüten all unsere geistig  erworbene  Habe  verloren haben,  so bleibt uns doch etwas zurück.  Wir  können  den  Zustand ändern. Fröhlich greift er dann zum Wanderstabe, wir bewegen uns wieder fort, auf den Ebenen des Jenseits. Im  Geistigen  schreiten wir  weiter in höhere Zustände  fort . Jede Versuchung, auch die Versuchungsniederlage, fördert den Menschen. Leiderfahrung ist nach Eckehard von Hochheim das schnellste Roß  zur  Vollendung.  Ein süßer Trost ist uns in allem geblieben,  die  verbliebenen  Häupter  sind  unsere  Seelenkräfte, die  auch diesen Kampf und die Leiderfahrung  überleben. 

Nun wendet sich der Meister wieder dem Glockengusse zu : 

In die Erd ist's aufgenommen,
Glücklich ist die Form gefüllt,
Wird's auch schön zutage kommen,
Daß es Fleiß und Kunst vergilt?
Wenn der Guß mißlang?
Wenn die Form zersprang?
Ach! vielleicht indem wir hoffen,
Hat uns Unheil schon getroffen.

Nach dem Füllen der Form kommen Bedenken auf.   Was bedeutet  die  Aufnahme  der Glockenspeise ? Für unsere Erdinkarnation haben wir all die Mischungen unserer Seele  aus  früheren  Daseinsebenen aufgenommen. Die  Glockenspeise ist  im gewissen Sinne  auch  eine  vorgeburtliche  Angelegenheit. Durch das Feuer der Liebe Gottes ist in  uns ja das entstanden, was wir heute sind : eine  Seele,  ein Geist und ein stofflicher Körper. „Glücklich ist die Form gefüllt“,  die Inkarnation hat stattgefunden. Wir sind erfüllt von all  dem,  was  wir  vorvorgestern  in  anderen  Daseinsleben,  in  anderen  Ebenen  und der  geistigen  Welt ,  auf   Sonnen , wenn wir eine Seele von  oben  sind,   oder  in  der  Naturseelenentwicklung, wenn wir eine Seele von unten sind,  bereits erworben  hatten. All dieses  wurde  neu  aufgenommen und glücklich in  die  Form  gefüllt.  Durch  diese  Inkarnation  auf  Erden  haben  wir ein  ganz  neues  Leben  begonnen.  „Wird  es  auch schön zu Tage kommen“, heißt es. Hat sich der Fluß der  Mühe  gelohnt,  die  wir  ja  in den anderen Daseinsebenen  aufgewendet haben ? Da kommt die  Schicksalsfrage. Nach dem Gesetz von Ursache und Wirkung  wirkt das vorhergehende Leben auch  auf  unser  heutiges Dasein. „Wenn der Guß mißlang, wenn die Form zersprang ?“, sind die Fragen.  Wenn  es  nicht  gelingt,  den  Geist   durch   seine  Wesenheiten  in  gerechter Form  zu  bringen,  dann   natürlich   mißlingt  diese  Erdinkarnation . Das  zeigen  uns  mongolide Kinder oder  Kretins  oder  solche  Seelen,  die  hier einen kurzen Weg gehen, d.h.  früh sterben usw.  „Ach ! vielleicht, indem wir hoffen,  hat uns  Unheil schon getroffen“,  die Hoffnung ist da,  doch das Unheil kann schon in unserem Geschick  liegen,  denn  durch unser Selbstverschulden entsteht unser heutiges Leben.  Sicher  gibt  es  Ausnahmen,  es gibt  Seelen, die rein waren und sich haben  inkarnieren lassen, um die Schulden anderer auf sich zu nehmen. Aber das sind  rühmliche  Ausnahmen  unter der großen Masse  der Normalverbraucherseelen.   Das Bedenken des Meisters setzt  sich nun im Chor fort : 

Dem dunkeln Schoß der heilgen Erde
Vertrauen wir der Hände Tat,
Vertraut der Sämann seine Saat
Und hofft, daß sie entkeimen werde
Zum Segen, nach des Himmels Rat.
Noch köstlicheren Samen bergen
Wir trauernd in der Erde Schoß
Und hoffen, daß er aus den Särgen
Erblühen soll zu schönerm Los.

Hier verwendet Schiller das Gleichnis vom Sämann, daß nämlich wertvolle Samenkörner in die Erde geworfen werden und verwesen.  Köstlicherer  Samen  wird  nach  des  Himmels Rat in den  Schoß  der Erde gelegt und  man  wartet,  was  daraus  entkeimen  wird.  Zugleich spielt Schiller auf den  Tod  eines Menschen an. Wir trauern und hoffen,  daß es aus den Särgen  zu einem schöneren  Los erblühen soll. Im weiteren Verlauf wird dann vom Begräbnis gesprochen :

Von dem Dome,
Schwer und bang,
Tönt die Glocke
Grabgesang.
Ernst begleiten ihre Trauerschläge
Einen Wandrer auf dem letzten Wege.

Im symbolischen Sinn bedeutet jeder Grabgesang, jedes Begräbnis auf uns bezogen, alles das, was  uns durch den Tod genommen wird, nicht nur den Tod eines  Menschen,  sondern auch alles, was  uns Gott an Fähigkeiten nimmt,  z.B. gutes Sehen, Hören,  Formulieren, unsere Beweglichkeit. Dies ist auch ein Grabgesang.  Auch dies  ist  im  gewissen Sinn ein Sterben, ein Tod. Jeder muß einmal  die  jugendlichen  Kräfte,  die  Spannkraft, das Aussehen verlieren, je älter er wird.

Dies wird damit auch ausgedrückt. 

Ach! die Gattin ist's, die teure,
Ach! es ist die treue Mutter,
Die der schwarze Fürst der Schatten
Wegführt aus dem Arm des Gatten,
Aus der zarten Kinder Schar,
Die sie blühend ihm gebar,
Die sie an der treuen Brust
Wachsen sah mit Mutterlust -
Ach! des Hauses zarte Bande
Sind gelöst auf immerdar,
Denn sie wohnt im Schattenlande,
Die des Hauses Mutter war,
Denn es fehlt ihr treues Walten,
Ihre Sorge wacht nicht mehr,
An verwaister Stätte schalten
Wird die Fremde, liebeleer.

Hier wird die Gattin betrauert, die treue Mutter.  Die  Kinder  sind  verwaist  und  eine fremde  Frau  wird dann liebeleer an verwaister Stätte walten und schalten. Das ist  der äußere Sinn, der sich in der  natürlichen Welt mit Schrecken abspielt. Was aber bedeuten die Gattin , die Mutter und die Fremde  im inneren Sinn ?  Das weibliche Prinzip in unserem Geist ist die Wahrheit, die Wahrheit aus der Liebe  geworden,  die  durch  Lesen oder  Anhören des Gottwortes im Unterbewußtsein der Seele  entstanden  ist.  Das ist die Mutter. Diese Mutter wurde auch bei Lorber  mit  der  Mutterkirche  verglichen.

So sagt uns der Herr in der Jugend Jesu  im 283. Kapitel, Vers 21: Die Mich, Jesus, im Herzen geistig aufnehmen werden, die auch werden sein gleich meiner Mutter. D.h. mit anderen Worten gesagt:  Der Geist der Mutter entsteht dann in uns,  wenn  in  uns  die Kirche geworden ist. Durch Jakob Böhme  sagt  uns der Herr : Des  Herrn  Mutter  ist die christliche Kirche und  das  Reich  Gottes  liegt in der  Mutter  verschlossen. In der Haushaltung  Gottes sagt uns der Herr durch Lorber (Bd 1, 17) :

Denn die Mutter ist gleich der Liebe in mir, wer diese  verschmäht, der  wird  auf  den  heißen  Wegen Jehovas hart wandeln. Durch Swedenborg kündet  uns  der Herr in der Apokalypse explicata: Die Mutter bezeichnet deshalb die Kirche Gottes  in  Ansehung der  Wahrheit. Und die Mutter des Herrn ist deshalb die Kirche Gottes. Über  die  Kirche Gottes spricht der Herr: Und ich werde den mit  zornigen  Augen  anschauen,  der seine irdische Glaubensmutter frühzeitig verläßt.

Die Gattin, die treue Mutter  werden  hier  in  das  Schattenreich  entführt. Die Mutter  ist  also  unser göttliches Liebeerwachen und  die aus dem Liebeerwachen entstehende Weisheit.   Wir  ersetzen  diese  Mutter  durch  die  Fremde , d.h . der  Mensch  bringt  menschlich eigene Phantasien, menschlich  eigene Begründungen aus dem Gottwort in sein Unterbewußtsein und dadurch wird es geschehen, dass  an  verwaister  Stätte  die Fremde liebeleer schalten wird, denn die  Mutter  wurde  dadurch  verdrängt  oder  ist gar gestorben.  

Nun spricht wieder der Meister : 

Bis die Glocke sich verkühlet,
Laßt die strenge Arbeit ruhn,
Wie im Laub der Vogel spielet,
Mag sich jeder gütlich tun.
Winkt der Sterne Licht,
Ledig aller Pflicht
Hört der Bursch die Vesper schlagen,
Meister muß sich immer plagen.

Das flüssige Metall muß abkühlen, ehe die  Dammgrube  geöffnet  wird.  Der  Mantel wird dann  zerschlagen , die Mitarbeiter haben eine Ruhepause. Wenn die Versuchungen vorbei  sind  und  die  Gedanken aus unserer Vorzeit sich vollkommen im Seelenbereich oder auch im Körperlichen manifestiert haben, dann tritt eine  Ruhephase  ein.

Es geht nun zu neuen Spielen, wie der Vogel im  Laub  spielt.  Vögel  bezeichnen die Erkenntnisse, die himmlischer Art sein können,  dann  sind  es  zierliche  Vögel,  oder  boshafter Art, dann sind es höllische Geier oder schauerliche Vampire oder  fliegende  Hunde oder Fledermäuse usw. Dies gestaltet sich tatsächlich in unseren Jenseitsbereichen, in  den  Geistbereichen oder in unseren Träumen. „Mag sich jeder gütlich tun“ , hat der Meister gesagt.

„Winkt der Sterne Licht, ledig aller Pflicht“,  nun erfreuen  sich die  Seelenspezifikate  ihres  Lichtes, das sie bis  dahin  aufgenommen  haben. Das  Sternenlicht  erfreut  und  beglückt  sie. Es  ist  sozusagen  Nachtruhe eingetreten. Der Meister ist  unser  göttlicher Geist in der Seele, er muß stets wirken ,  während die Burschen ruhen können. 

Munter fördert seine Schritte
Fern im wilden Forst der Wandrer
Nach der lieben Heimathütte.
Blökend ziehen
Heim die Schafe,
Und der Rinder
Breitgestirnte, glatte Scharen
Kommen brüllend,
Die gewohnten Ställe füllend.
Schwer herein
Schwankt der Wagen,
Kornbeladen,
Bunt von Farben
Auf den Garben
Liegt der Kranz,
Und das junge Volk der Schnitter
Fliegt zum Tanz.
Markt und Straße werden stiller,
Um des Lichts gesellge Flamme
Sammeln sich die Hausbewohner,
Und das Stadttor schließt sich knarrend.
Schwarz bedecket
Sich die Erde,
Doch den sichern Bürger schrecket
Nicht die Nacht,
Die den Bösen gräßlich wecket,
Denn das Auge des Gesetzes wacht.

Hier leitet die Ballade bereits vom Kreis der Familie in  das  bürgerliche  Leben  hinüber. Was will uns hier der Genius Schiller mit diesen Worten sagen ?

Die Seele ist immer  wieder bemüht, in die Heimathütte zu wandern. Schritte sind Fortschritte.  Schafe  sind  Neigungen,  alle Tiere  symbolisieren  Neigungen.  Schafe   sind  sanftmütige Neigungen, auch die Demut des Menschen. Das Nutzvieh  ist  das, was  in  uns  Nutzen  schafft,  Nutzen  für  die Allgemeinheit, für den Nächsten. Das  Korn  gilt als das Verständnis, die Wahrheit, die  aus  der  Liebe erwacht ist., die Wahrheit ist die  Frucht  der  Liebe.  Heiterkeit  und  Fröhlichkeit  entsteht   durch   die  Aufnahme   der göttlichen Liebe und der göttlichen Wahrheit in der Seele. Wenn die Seele die göttliche Liebe und Wahrheit zuläßt, wird der Mensch heiter und fröhlich. „Das Stadttor schließt sich knarrend“, soll sagen, daß sich der Mensch nun gegen Fremde  verschließen  kann,  den  Fremden  aus  negativen  Bereichen. Der Mensch kommt in diese  Ruhephase  nur dann, wenn er sich dem  Einfluß  des  Göttlichen  hingibt.  „Doch  den  sichern  Bürger schrecket nicht die Nacht“.  Durch  die  Nacht  wird  ausgedrückt, daß der Mensch  im Schlaf das verstandesmäßige Gute und Wahre vergisst  und er  es  durch  Innewerdung zum geistig Guten und Wahren erhebt. Kein Böser kann uns wecken,  wenn  das  Auge  des Gesetzes wacht. Das Auge des Gesetzes ist die göttliche Vorsehung.  Die göttliche Vorsehung schützt uns in  der Nacht vor negativen Einflüssen .

Wenn uns im Schlaf  Angstzustände befallen, dann reißt der Geist Gottes die Seele  aus  dem  Traum heraus. Seien wir dann dankbar  für  das   Wirken  des  göttlichen  Geistes, hier war er nicht  nur  stiller Bewacher, sondern schritt ein. In diesen Fällen können wir doch wahrnehmen, daß der  göttliche Geist  ständiger  Mitbewohner  unseres  geistigen Herzens ist.      

Heilge Ordnung, segenreiche
Himmelstochter, die das Gleiche
Frei und leicht und freudig bindet,
Die der Städte Bau begründet,
Die herein von den Gefilden
Rief den ungesellgen Wilden,
Eintrat in der Menschen Hütten,
Sie gewöhnt zu sanften Sitten
Und das teuerste der Bande
Wob, den Trieb zum Vaterlande!
         

Mit diesem  Vers  ist der 3. konzentrische Kreis, nämlich das bürgerliche  Leben,  eröffnet  worden. Was ist unser  wahres Vaterland ?  Es ist der Himmel, die heilige Ordnung.  Die  „segensreiche   Himmelstochter“ ist die  geheime, innere, göttliche Kirche im Menschen, die Jakob Böhme die Jungfrau Sophia nennt, die Gleiche leicht , frei und  freudig bindet.  Alles  wird  in  der   Gleichheit,  in der Freiheit, in  der  gleichen  Ausgerichtetheit zum Himmel verbunden. Gleichheit mit Gott  schafft  Verbindung   mit  Gott  und macht  uns  frei.  „Die  der  Städte  Bau  gegründet“,  Gott  baut  auch  seine  Stadt, die Stadt wurde Jerusalem  genannt, die  sich  vom  Himmel   heruntersenkt,  gegründet  mit zwölf Toren , sodaß jede astrologische  Prägung durch  ihr  Tor  einziehen  kann.  „Die herein von den Gefilden  rief den ungesell´gen Wilden“, es werden die  Wilden  hereingeholt,  die noch nicht in  der Ordnung Gottes sind, werden bekehrt und treten dann in  die menschlichen Hütten  ein , um sich an  die sanften Sitten zu  gewöhnen. Der  Drang  zum Vaterland ist dann das teuerste Band. 

Tausend fleißge Hände regen,
helfen sich in munterm Bund,
Und in feurigem Bewegen
Werden alle Kräfte kund.
Meister rührt sich und Geselle
In der Freiheit heilgem Schutz.
Jeder freut sich seiner Stelle,
Bietet dem Verächter Trutz.
Arbeit ist des Bürgers Zierde,
Segen ist der Mühe Preis,
Ehrt den König seine Würde,
Ehret uns der Hände Fleiß.

Die tausend fleißigen Hände , die  sich  da  regen,  sind  die  vielen   Hilfskräfte    der  jenseitigen  Engel und Geister , die uns helfen, Gott näher zu  bringen  und  reiner  zu  erkennen  und  inniger  zu  wirken oder Gott durch uns wirken zu lassen. In der  Zahl Tausend symbolisiert sich nach  der  Entsprechungslehre Gott. Der Eine ist  Gott  der Vater, der in Jesus, in unserem Geist wirkt. Jesus,  unser  Geist  in  uns, in  der  Mitte unserer Seele ist die Eins. Null ist der geschaffene Geist, Null  ist  die  Seele,  Null  ist  der äußere Mensch. Er zählt nur dann, wenn die Eins wirkt.  Dann wirken die tausend  fleißigen  Hände, regen sich  und helfen im munteren  Bunde. Gott hat  mit  uns  einen Bund geschlossen. Es  ist  der  Bund  der ewigen Liebe und Treue Gottes. Im feurigen Bewegen  werden alle Kräfte kund. Das feurige Bewegen ist die Kraft  der  Liebe,  diesich in allen anderen Kräften offenbart, in  der  Ordnung,  im  Willen,  im  Denken,  im Reden, in der Wirksamkeit unserer Hände und Füße. Unser alleiniger  Meister  ist  der  Gottgeist im Seelengrunde. Wir dürfen voll in aller Freiheit wirken Der Mensch ist zur   Freiheit  geboren.  Knechte sind wir nur, solange wir Sünde tun. Wer Sünde  tut,  sagt Jesus, ist der Sünde Knecht.  Jeder  freut sich seiner Stelle, es stehen alle am richtigen Platz. Diejenigen, die das Gesetz  und die Ordnung Gottes verachten, die  Faulen  und die Trägen, die Müßiggänger, die nicht zur reinen Liebe, zum reinen Guten, zur reinen Wahrheit erwachen wollen, sondern diese  verachten,  denen  sollen  wir  trotzen.  Falsche Humanität wäre es, sie aus  ihrem  gewählten  Gefängnis  zu  befreien,  sie  sollen  nicht  Gefangene sein, sie sollen aber wissen, daß sie nicht in der „Acht“ wie die Bürger stehen.  Arbeit  ist  des Bürgers Zierde. Wer nicht arbeitet, verdient auch keinen Lohn , ist nicht wert, ein Haus zu haben, ist nicht wert, bekleidet zu  sein, ist  nicht  wert,  eine Speise zu empfangen. „Segen ist der Mühe Preis, ehrt dem  König  seine  Würde,  ehret uns der Hände Fleiß“, der König, der in uns geehrt wird, ist die göttliche Wahrheit.

Holder Friede,
Süße Eintracht,
Weilet, weilet
Freundlich über dieser Stadt!
Möge nie der Tag erscheinen,
Wo des rauhen Krieges Horden
Dieses stille Tal durchtoben,
Wo der Himmel,
Den des Abends sanfte Röte
Lieblich malt,
Von der Dörfer, von der Städte
Wildem Brande schrecklich strahlt!

Wenn die göttliche Ordnung in unserer Seele Fuß fassen konnte , und die göttliche Liebe und  Weisheit als heiliger Geist über unseren Gottgeist der Meister genannt wird,  in dem  geschaffenen  Geist  unserer Seele und über die Seele  in  unser  Wachbewußtsein also   einfluten   kann,  dann  herrschen   holder  Friede und  süße  Eintracht  und  diese weilen freundlich über diese Stadt, d.h. die Liebe Gottes strahlt durch uns hindurch und flutet hinaus in unsere Umwelt. Hier ist die  Stadt  Symbol für unsere Umwelt  und  wir erfreuen  uns  dessen.  Dann  aber  wird  gemahnt  oder  gewarnt: „Möge  nie  der  Tag  erscheinen,  wo  des  rauhen Krieges  Horden  dieses  stille  Tal  durchtobt“.  Der  dann  kommende  Krieg  symbolisiert  dann wieder die  Versuchungen  von  außen. Wir leben hier auf Erden eben in einer feindlichen  Welt,  wo  die Hölle  immer  wieder  versuchen will, das Licht des Himmels zu erdrosseln. Die Stille  und den Frieden, den wir innerlich schon  aufgebaut   haben,   können  wir  nach  außen  nicht  immer  verwirklichen,  weil wir in einer Kampfwelt leben, in einer Welt ,  in  der  noch  nicht   die  äußere Form  der  Dammgrube  zerbrochen ist und die Glocke noch immer gefangen  ist,  das  Reine ,  das Gute, das Wahre  noch  immer  in  der Körperlichkeit , in der Stofflichkeit  der  Materie gefangen ist. Der wilde Brand bezeichnet  das  Feuer  einer  negativen,  zerstörerischen, selbstsüchtigen Weltliebe, die immer wieder aufbrandet, aber  nicht in  uns,  sondern  in unserer Umwelt und  bekämpfen  will,  was  eigentlich  nicht  bekämpft  werden  sollte, nämlich den Himmel, den Meister, das Reich Gottes. 

Jetzt kommt es zu einem wichtigen Akt des Glockengießens. Der Meister spricht wieder: 

Nun zerbrecht mir das Gebäude,
Seine Absicht hat's erfüllt,
Daß sich Herz und Auge weide
An dem wohlgelungnen Bild.
Schwingt den Hammer, schwingt,
Bis der Mantel springt,
Wenn die Glock soll auferstehen,
Muß die Form in Stücke gehen.

Mit diesen Worten ist auch die materielle Ausbildung von Geist  und  Seele  gekommen. „Nun  zerbrecht mir das Gebäude“, das Gebäude, das  zerbrochen  werden  soll,  ist  das  aufgerichtete  Gemäuer,  das  die Glockenform   in   der   Dammgrube  beinhaltet. Diese  Hülle  wird  nun  zerschlagen.  Dies  stellt  zugleich das Zerschlagen  des   menschlichen Körpers beim  Sterben  dar.  Wenn  der  Mensch  stirbt,  dann  muß das   Gebäude   zerschlagen werden. Das Gebäude und das Gemäuer ist unser  fleischlicher  Körper.  Wenn dies geschieht,  daß unser  Körper brüchig  wird,  oft  durch  Krankheit,  dann  wird  die  Seele  sichtbar. Seine Absicht hat der Körper erfüllt.„Daß sich Herz und Auge weide, an  dem wohlgelungenen  Bild“, das wohlgelungene Bild ist die befreite  und  auferstandene  Seele,  das  Götterbild,  wenn  es  gottgleich geworden ist. Es ist eine Mißgestalt,  wenn sich der Mensch nicht hat formen lassen.  Daß  sich weidende Herz entspricht der Liebe, daß  Auge dem  göttlich  erleuchteten  Verstand,  der  Vernunft.  An  dem wohlgelungenen Bilde erfreuen sich Liebe und Verstand. „Nun schwingt den Hammer, bis  der  Mantel  springt“, der Mensch wird solange im Todeskampf gehalten, bis endlich  der  Körper die  Seele  freigibt.

„Wenn die Glock´ soll  auferstehen,  muß  die Form in Stücken  gehen“,  wenn die Seele und  der  Geist auferstehen sollen, dann muß  der  Leib  sterben. Der  gebrechliche  Leib muß in Stücke gehen. er war nur ein Gerüst, ein Gebäude für unser kurzes, irdisches Dasein. 

Der Meister kann die Form zerbrechen
Mit weiser Hand, zur rechten Zeit,
Doch wehe, wenn in Flammenbächen
Das glühnde Erz sich selbst befreit!
Blindwütend mit des Donners Krachen
Zersprengt es das geborstne Haus,
Und wie aus offnem Höllenrachen
Speit es Verderben zündend aus;
 

Der Meister kann die Form zerbrechen mit weiser Hand, zur rechten Zeit, doch wehe, wenn in Flammenbächen das glühende Erz sich selbst befreit ! Blindwütend, mit des Donners Krachen, zersprengt es das geborstne Haus, und wie aus offenem Höllenrachen speit es Verderben zündend aus.

Die Würde ist das Erkennen der göttlichen Wahrheit aus der Liebe. Wir als  Außenmenschen müssen  tätig sein, tätig im Dienste der göttlichen Liebe und der göttlichen Wahrheit.

Wo rohe Kräfte sinnlos walten,
Da kann sich kein Gebild gestalten,
Wenn sich die Völker selbst befrein,
Da kann die Wohlfahrt nicht gedeihn.

Weh, wenn sich in dem Schoß der Städte
Der Feuerzunder still gehäuft,
Das Volk, zerreißend seine Kette,
Zur Eigenhilfe schrecklich greift!
Da zerret an der Glocken Strängen
Der Aufruhr, daß sie heulend schallt
Und, nur geweiht zu Friedensklängen,
Die Losung anstimmt zur Gewalt.

Freiheit und Gleichheit! hört man schallen,
Der ruhge Bürger greift zur Wehr,
Die Straßen füllen sich, die Hallen,
Und Würgerbanden ziehn umher,


Da werden Weiber zu Hyänen
Und treiben mit Entsetzen Scherz,
Noch zuckend, mit des Panthers Zähnen,
Zerreißen sie des Feindes Herz.
Nichts Heiliges ist mehr, es lösen
Sich alle Bande frommer Scheu,
Der Gute räumt den Platz dem Bösen,
Und alle Laster walten frei.


Gefährlich ist's, den Leu zu wecken,
Verderblich ist des Tigers Zahn,
Jedoch der schrecklichste der Schrecken,
Das ist der Mensch in seinem Wahn.
Weh denen, die dem Ewigblinden
Des Lichtes Himmelsfackel leihn!
Sie strahlt ihm nicht, sie kann nur zünden
Und äschert Städt und Länder ein.

 

Nur der Meister, das ist Gott, unser Gottgeist, das ist  Jesus Christus,  unser  Gott  und Vater. Nur  dieser Meister kann die Form zersprengen,  uns aus dem Körper lösen. Mit weiser Hand tut er dies und zur  rechten Zeit. Er weiß  genau, wann die Stunde unseres körperlichen Todes gekommen ist. Doch  wehe, wird hier gewarnt, wenn die Seele sich selbst   befreit  und  zum  Selbstmord  greift.  Dann  waltet  blind  wütende Eigenmacht. Der  Höllenrachen  öffnet  sich,  Verderben,  sinnlose  Kräfte  walten.  Das  Gebilde der Wohlfahrt wird zerstört. All das wertvolle Leben wird im Augenblick  eines  Selbstmordes  vernichtet. Freiheit und Gleichheit  hört  man  schallen.  Der  ruhige  Bürger  greift  zur  Wehr. Freiheit  und Gleichheit gibt es hier auf Erden nicht. Wir leben auf  der Erde  in  einer  Welt  der  Sünden, wo die Freiheit geknechtet wird. Auch eine Gleichheit gibt es nicht. Der  Ruf  nach  Freiheit  und  Gleichheit , die  Volksmassen  immer  wieder  in Aufruhr  brachten, in  Kriege  stürzten,  sind  eigentlich  satanische  Rufe.  Freiheit  und Gleichheit gibt es nur in reinen Seelenbereichen  des  Paradieses.  Erst im  Paradies,  wo wirklich Nächstenliebe waltet und die Gottliebe als Sonne  über  den  Himmeln  scheint,ist  Freiheit und  Gleichheit  möglich, vorher  nicht. "Die  Weiber  werden  zu  Hyänen“,   unsere  Gedankengänge  werden hyänenhaft, sie zerreißen  alles.  Mit unsren Gedanken können  wir alles  bauen  und  zerstören.

Des Panthers Zähne sind die Leidenschaften,  die  dann  in  das  Herz  unseres  Gegners  hineinbeißen und es zerreißen. Es gibt  nichts Heiliges  mehr,  man  erkennt  nicht  mehr die  göttliche  Sonne.  Alles brennt  und  steigert  sich   bis  zum  Wahnsinn,  die  Laster  walten  frei.  Der Löwe  symbolisiert  die Liebe und der Tiger die Weisheit, aber in verkehrter Form. Die Liebe ist Haß geworden,  die  Weisheit ist in  Falschheit  umgeschlagen. „Jedoch der schrecklichste der Schrecken, ist der  Mensch  in  seinem Wahn“, was haben wir Menschen aus dem  Motiv  der  Freiheit  und  Gleichheit  wahnwitzige  Kriege geführt! Heute, am Ende unserer Kultur,  am  Ende  unseres  friedlichen  Weltlebens  überhaupt,  stehen wir vor einem atomaren Holocaust, dem schrecklichsten der Schrecken. „wehe  denen,  die  den  Ewigblinden   des Lichtes  Himmelsfackel  leihen“! Es  ist schon immer so gewesen, daß der Blinde die Kräfte des Himmels für seine Zwecke, für die  angestrebte  Weltherrschaft  einsetzt.  Das  Licht  des  Himmels  wird  gezwungen, Knechtsdienste zu leisten. So wird der Segen einer  Wissenschaft,  z.B. der  friedlichen Kernspaltung , zu einem Wahn des Krieges. Sie strahlt aber  nicht, die  Himmelsfackel,  sie  kann nur  zünden und äschert Städte und Länder ein.  Der  Mensch vernichtet  sich selbst. Der Mensch in seinem Eigenwahn, in seiner eigenen Meinung,  im  besten  Wollen noch, das Gute zu tun, das Wahre  zu  denken, kann in  der  Eigenliebe  nur  irren ! Allein die göttliche Inspiration gibt uns die  Kraft  des  echten  Innewerdens der Wahrheit und der reinen Liebe aus Gott. Solange wir  nicht die reine Liebe aus Gott erleben, irren wir und sind im Wahn. 

Der Glockenguß ist gelungen, die Hülle wurde zerschlagen. Der Meister freut sich und singt: 

Freude hat mir Gott gegeben!
Sehet! Wie ein goldner Stern
Aus der Hülse, blank und eben,
Schält sich der metallne Kern.
Von dem Helm zum Kranz
Spielt's wie Sonnenglanz,
Auch des Wappens nette Schilder
Loben den erfahrnen Bilder.

Wenn der Mensch endlich den stofflichen Körper ablegen darf, wenn  der  Körper  endlich  durch  die Todesstunde zersprengt ist,  wenn  es  auch  schmerzt,  denn  die  Hammerschläge  treffen  uns  durch Krankheit und Leid, dann löst sich  die  Seele  aus  ihrer Hülse,“ blank  und  eben  schält  sich  der  metallne Kern“. Der metallne Kern ist unsere Seele. Gott erfreut sich dann. Friede hat mir Gott gegeben,  sehet wie ein goldner Stern erhebt sich der metallne Kern. Der goldne Stern  symbolisiert  hier  den  aus  den  Gottwort-Erkenntnissen erwachenden Stern von Bethlehem. Gold ist das  Symbol des  heiligen Geistes. Der goldene Stern ist in diesem Sinne auch der neue  Geist  der  Liebe  aus  Jesus  Christus,  der  Stern von Bethlehem. Wenn wir so geworden  sind,  daß  wir  diesem  Jesus   Christus  nachfolgen,  diesem  goldenen Stern,  dann  schält  sich  in  dieser  wunderbaren  Art  der  metallne  Kern unserer  Seele  aus dem Leibe. „Von  dem  Helm zum Kranz“,   vom  Scheitel  bis  zur  Sohle,  könnte  man  sagen,  ist  der Mensch  nun von dem Gottgeist, vom Sonnenglanz durchleuchtet und durchwoben.

Jede Glocke hat ein Wappenzeichen. Für unsere Glocke ist das Wappenzeichen der  erfüllte  Lebensplan, das Schild ist unsere Persönlichkeit, die persönliche Prägung .  Alles,  was  der  Mensch  in  der  Liebe zu Gott und  zu  den Menschen getan hat, alles, was er  aus  dem  Verständnis  eines  Gottwortes  dachte , das  bildet  nun  das  nette  Wappenschild.  Dies  ist  ein  Lobpreis  an  den  erfahrnen  Bildner. Der Bildner ist der göttliche Geist in unserer Seele. 

Nun wird der  Glocke ein Name gegeben: 

Herein! herein!
Gesellen alle, schließt den Reihen,
Daß wir die Glocke taufend weihen,
Concordia soll ihr Name sein,
Zur Eintracht, zu herzinnigem Vereine
Versammle sich die liebende Gemeinde.

Wir sollen in der Eintracht sein, hat uns Jesus  Christus gesagt, es ist ein Reich  und  es  ist  ein  Gott. Nun kommen all die Helfer, die uns  durch das  schwere  Erdenleben  halfen  und  uns  besonders  im Sterben zur Seite  standen.  Alle  kommen  nun  in  unsere Sphäre. Wir erkennen sie, wir erschauen  sie,  nachdem sich die Seele vom  Körper  gelöst hat. Jetzt wird die Glocke getauft und geweiht. Das ist die Feuertaufe, die  man  in der mystischen Stunde , im reinen Gebet, in  der flammenden  Innewerdung, schon hier im Fleischleib auf Erden erleben kann. Sonst müssen wir auf den Tod warten,  bis  sich die Seele vom Körper löst. Dann bekommen wir den  Namen, Eintracht. Trachte  nach  der  Einheit  des  Göttlichen.  Wir sind jetzt in der Zweiheit. Erst  durch die Wiedergeburt  ist  die  Seele  genauso  rein geworden wie der Gottgeist.  Doch da ist  der  Gottgeist  eine  Person  und  du  bist  die  andere  Person. Da gibt es noch  keine  Eintracht. Gleichheit, sagt Eckehard von Hochheim ist noch nicht Einheit. Aber  in  der  Eintracht erleben wir das Wunder, da werden wir eins  mit  dem  Vater,  unsere  Seele  wird  eins mit dem Vater. „Zur Eintracht, zum herzinnigem Vereine, versammle  sie  die  liebende Gemeinde.“

In  Mir, sagt  der Herr Jesus Christus seid ihr Glieder in Meinem Leibe. Wir  sind  dann im herzinnigen Vereine mit Ihm und zusammen eine liebende Gemeinde. Mit Eurem Vater  seid  ihr  versammelt  und zusammen sind wir die wahre  Kirche.  Es  gibt  nur  eine  Kirche,  die  Kirche  der  Liebe.  So  spricht  bestätigend der Herr  durch  Jakob  Lorber zu uns in der Haushaltung Gottes im  Bd. 1, Kap.4, Vers 9 ff :

„Sage es den Kindern und sage es allen, sie  mögen  sein,  welcher  Religion  sie  wollen,  ob  römisch-katholisch, ob Protestanten, ob Juden, ob Türken oder Brahmi,  ob  finstere  Heiden,  kurz  für  alle  soll gesagt sein: Auf der Erde gibt es nur eine wahre Kirche  und diese  ist  die Liebe  zu  Mir,   welche  aber  ist  der  heilige  Geist  in euch  und gibt sich euch kund durch mein lebendiges Wort, und dieses Wort ist der Sohn  und  der Sohn  ist Meine Liebe und ist in Mir  und  Ich  durchdringe  Ihn  ganz , und  Wir sind eins, und  so bin Ich in euch, und eure Seele, deren Herz  Meine  Wohnstätte  ist, ist die alleinige wahre Kirche auf der Erde. In ihr  allein  ist  ewiges  Leben,   und  sie  ist  die  Alleinseligmachende.“  Es gibt keine andere Kirche und  Gemeinde. Alles andere  haben die Menschen erfunden, dies bestätigt uns der Herr an mehreren Stellen des  Gottwortes.

Und dies sei fortan ihr Beruf,
Wozu der Meister sie erschuf!
Hoch überm niedern Erdenleben
Soll sie im blauen Himmelszelt
Die Nachbarin des Donners schweben
Und grenzen an die Sternenwelt,
Soll eine Stimme sein von oben,
Wie der Gestirne helle Schar,
Die ihren Schöpfer wandelnd loben
Und führen das bekränzte Jahr.
Nur ewigen und ernsten Dingen
Sei ihr metallner Mund geweiht,
Und stündlich mit den schnellen Schwingen
Berühr im Fluge sie die Zeit,
Dem Schicksal leihe sie die Zunge,
Selbst herzlos, ohne Mitgefühl,
Begleite sie mit ihrem Schwunge
Des Lebens wechselvolles Spiel.
Und wie der Klang im Ohr vergehet,
Der mächtig tönend ihr erschallt,
So lehre sie, daß nichts bestehet,
Daß alles Irdische verhallt.

Dies ist noch ein Loblied auf die Glocke, auf unsere Seele, die nun als Guß  vollendet  in  den  Himmel erhoben wird.  Dies sei fortan der Glocke Beruf, der auferstandenen  Seele,  die  aus  dem  Leibe  gelöst wurde . Ihr Beruf sei der, wozu  sie der Meister,  unser  Gott und Vater, den wir Jesus Christus  nennen,  erschaffen  hat. Hoch  über  niederen  Erdenleben  soll  sie  im  blauen  Himmelszelt,  die  Nachbarin  des Donners  schweben  und an die   Sternenwelt   grenzen.   Unsere   Seele   soll  hoch  über  dem  Erdenleben  mit  den Engeln des Himmels schweben, vorerst in den drei  Luftringen,  im  blauen  Himmelszelt, d.h. in der Erbarmung Gottes, in den jenseitigen Zuständen,  im Glaubensreich,  Paradies  und  Himmel.,  dort soll sie die Nachbarin des Donners sein, der Donner als  Symbol  der  göttlichen  Innewerdung.  Hören wir dazu eine Belegstelle aus  dem „ Weg  zur  Wiedergeburt“ von Jakob Lorber, im  Abschnitt „ Das ist der  kürzeste Weg der Wiedergeburt“:  „ Und so  ihr  euch   in  eine  Ruhe  begeben  habt,   da  wachset  in  der  Sehnsucht  und Liebe zu Mir. So ihr  das eine  kurze Zeit  üben  werdet,  so  sage  Ich,  ihr  werdet  bald Blitze sehen und  Donner  hören, aber  dann  erschrecket  nicht  und  werdet  auch  nicht  ängstlich, denn nun komme Ich zu jedem als Richter in  Blitz  und  Donner  und  hernach erst im  sanften,  heiligen Wehen als Vater.“  Und  durch Swedenborg sagt uns der  Herr: „Die Einwirkungen  des  heiligen  Geistes im  Gemüte  der  Seele  erfolgen  in  vier  Verwirklichungen:  1. die Erleuchtung vom Herrn her, 2. die Wahrnehmung, die beim  Menschen  gemäß  den   Zustand    seines   Gemütes   erfolgt,  der  sich  durch   die   Lehrbestimmungen  aus  dem  Gottwort  bildet,   3.  die  Stimmung  aus  Neigungen  der  Liebe  und  des  Willens. 4. Wenn diese Stimmung zum Guten und Wahren  gerichtet  ist,  dann erweckt   sie  den  Eifer , der von außen  glatt,  sanft,  blitzend  und  donnernd  und  von innen  Liebe,  Milde  und   Erbarmung  ist.  Die Unterweisung  erfolgt  als  Wirkung  des Eifers. So verwandelt sich  die  Erleuchtung,  die  Jesus bewirkt, in mancherlei Licht und in mancherlei Wärmestrahlen, je nach dem Zustand des Gemütes“ (Die wahre christliche Religion, Ziff. 155).Wenn unsere Stimmung auf das Wahre und Gute gerichtet  ist, wenn wir ganz in der Liebe und auch im göttlich Wahren  aus  dem  Wort  erhellt  sind,  so  erweckt sich in uns ein Eifer aus dem Wort, aus der Liebe, die  eine  Flamme  ist  und  erst dann ist die Glocke gelungen, unsere Erze sind erst dann zu einer  Glocke   geschmolzen  worden,  die von außen glatt  und  sanft,  von  innen  aber  blitzend  und  donnernd  wird.  Wie hier Schiller sagt :„Hoch überm niederen  Erdenleben soll sie im blauen Himmelszelt die Nachbarin des Donners schweben und grenzen an die Sternenwelt.“  Hier  kann  man nur sagen :  Herr,  Gott,  erbarme Dich  unserer  Glocke, unserer Seele, denn dann  wird sie schallend und klingend werden  und ist dann erst  ein  Wohlgefallen in den Augen unseres  Gottes und Vaters. Der Ton der Glocke ist der  kosmische Ton,  ist  der  Christuston , ist das erste  lebendige Wort der Seele. Sind wir Nachbarin des Donners geworden, dann kann in uns auch die Seele die Grenze der Sternenwelt erreichen . Sterne sind nach  Swedenborg  einesteils Erkenntnisse, die aus dem Wahren und aus dem Guten der Liebe  hervorgerufen werden, und andererseits sind aber die Grenzen der Sternenwelt das Ende des kosmischen  Menschen  oder  des  großen Schöpfungsmenschen, wie der Herr durch Jakob Lorber sagt. Wir sollen  ja  aus  dem  großen Schöpfungsmenschen  erlöst werden und die Erlösung  wird durch  die  Freiwerdung  der Glocke , die Freiwerdung der Seele aus der Hierarchie der Satana verwirklicht. In der totalen  Wiedergeburt  des Geistes besteht die  Erlösung aus der Hierarchie des  großen Schöpfungsmenschen. Aber bis dahin  brauchen wir noch ein Weilchen , denn  der  Geist  Jesus  Christi  muß  uns  zuvor  ganz durchstrahlen.  Die Stimme von oben ist die Stimme des Vaters in uns, die ihren  Schöpfer wandelnd  lobt.  Das  bekränzte  Jahr ist  unsere  Zeit  bis  zu  unserer  Wiedergeburt.  Aus dem Winter des Eigenmenschlichen wird der Lenz kommen, aus dem Lenz der Sommer, aus  dem  Sommer der güldene Herbst, der  die  Früchte des heiligen Geistes in uns noch reifen läßt, bis  unser himmlischer Vater auch durch uns  seine  Werke  in  Geistbereichen außerhalb des  großen  Schöpfungsmenschen  hervorrufen  kann. 

Nur ewigen und ernsten Dingen sei ihr ernster Mund  geweiht.  Der  metallne  Mund  ist der Ausdruck des  natürlich Guten in verständlichen Worten für die niederen  Wesenheiten, die noch im Irdischen sind. „Und  stündlich mit den schnellen Schwingen berühr  im Fluge sie die Zeit.“ Wir schwingen dann in  einer Art Vibration des heiligen Geistes  und berühren in ihr die Zeit und das Schicksal leiht uns eine neue  Zunge.

Das Schicksal ist die göttliche Vorsehung. Wenn wir engelhaft geworden  sind, erscheint  es  so  als wären wir herzlos, ohne Mitgefühl : „Selbst herzlos, ohne  Mitgefühl,  begleite sie mit ihrem  Schwunge des Lebens wechselvolles Spiel“.  Wir sind wohl nun nicht herzlos geworden, und sind  auch  nicht ohne Mitgefühl, es scheint  nur  so, denn  wir  erkennen, wie notwendig die Schwere  und  das  Leid, der Hunger,  Krieg  und  Elend  auf  Erden sind,  damit  die  Glockenspeise  werde.  Damit  sich  die  Glocke  endlich  mit  Helm und Kranz im  neuen  Sonnenglanz  eines  geistigen  Lebens  erheben  darf. „Und wie der Klang im Ohr vergehet, der mächtig tönend ihr  entschallt, so  lehre  sie,  daß  nichts  bestehet,  daß alles Irdische verhallt.“  Das Irdische ist nur eine Scheinwelt,  in  der  wir  leben.

Und dann singen der Chor und der Meister : 

Jetzo mit der Kraft des Stranges
Wiegt die Glock mir aus der Gruft,
Daß sie in das Reich des Klanges
Steige, in die Himmelsluft.
 

Über den  Strang  wird  nun  die  Glocke  aus  der  Dammgrube  gezogen,  in  das  Reich  des  Klanges, in die Himmelsluft  hinauf , in die Glockenstube. Dies  ist ein  äußeres  Geschehen  mit  der  Glocke. Was ist hier im Entsprechungssinn gemeint ?  Gemeint ist  unsere Verklärung  und Himmelfahrt,  die Jesus von Nazareth uns  vorgelebt  hat.  Mit  der der  Kraft  des  Stranges  werden  die   Himmelskräfte  der Liebe und  der Weisheit,  die uns aus der Dammesgrube,  aus  der  Gruft,  aus  unserem  irdischen  Leib herausziehen.  Die Kraft der Liebe des Vaters  und  die  Kraft  der  Weisheit  Gottes  hebt  uns  aus der Gruft der Sterblichkeit, erlöst uns aus der  Hierarchie  Satanas,  hebt  uns  hinauf  in das Reich des Klanges. Der reine Klang ist der kosmische Ton, in dem uns das Lied der Liebe  und  Weisheit  Gottes  erklingt. Wir steigen  so in die  Himmelsluft, wo  uns  nur  die Engel des Himmels als reine göttliche Manifestation des Guten und Wahren umgeben. 

Ziehet, ziehet, hebt!
Sie bewegt sich, schwebt,
Freude dieser Stadt bedeute,
Friede sei ihr erst Geläute.

 

Abschließend sei noch einmal gesagt,  wir danken Dir,  Du unser aller  liebevollster  Vater,  erbarme Dich unser, hilf  Du  am Strang Deiner Liebe und Weisheit ziehen, daß unsere Glocke, unsere Seele aus der Gruft in Dein Reich erhoben wird. Der Friede der Liebe  sei  ihr  erst  Geläute.  Deswegen sind wir ja hier  Mensch  geworden,  damit  unsere Seele endlich in Deinem Himmel  erhoben   wird und alle Geister und alle Engel und Du selbst, Heiliger Vater, helfe uns dabei. Dein heiliger  Wille geschehe an uns und an allen, die sich aus der Gruft  mit des Stranges Kraft ziehen lassen wollen. 

Bearbeitung und Niederschrift eines Kassetten-Vortrages 

von   Karl Dvorak

durch  Annemarie und Lothar Broß