http://www.elisamara.de/literatur_sterngedichte.htm


S T E R N E N G E D I C H T E     


 

© by william whitaker


 

 
Sternengedichte
 

O gäbs`s doch Sterne, die nicht bleichen,
Wenn schon der Tag den Ort besäumt;
Von solchen Sternen ohnegleichen
Hat meine Seele oft geträumt.

Von Sternen die so milde blinken,
Das dort das Auge landen mag.
Das müde war vom Sonnetrinken
An einem goldnen Sommertag.

Und schlichen hoch ins Weltgetriebe
Sich wirklich solche Sterne ein,-
Sie müßten der verborgnen Liebe
Und allen Dichtern heilig sein.
 

( Rainer Maria Rilke )
 

Weißt du, wie viel Sternlein stehen
An dem blauen Himmelszelt?
Weißt du, wie viel Wölkchen gehen
Weithin über alle Welt?
Gott der Herr, hat sie gezählet,
Dass ihm auch nicht eines fehlet
An der ganzen großen Zahl
An der ganzen großen Zahl.
Weißt du wie viel Mücklein spielen,
In der heißen Sonnenglut?
Wieviel Fischlein auch sich kühlen
In der hellen Wasserflut?
Gott, der Herr rief sie mit Namen,
Dass sie all ins Leben kamen,
Dass sie nun so fröhlich sind,
Dass sie nun so fröhlich sind.
 

( Wilhelm Hey )
 

Die Sterne die begehrt man nicht.
Man erfreut sich ihrer Pracht.
 

( Johann Wolfgang von Goethe )
 

Es schauert der Wald vor Lust,
Die Sterne nun versanken
Und wandeln durch die Brust
Als himmlische Gedanken.
 

( Joseph von Eichendorff )
 

Hätte einer auch mehr Vertand
Als die drei Weisen aus dem Morgenland
Und ließe sich dünken, er wäre wohl nie
dem Sternlein nachgereist wie sie;
Dennoch, wenn nun das Weihnachtsfest
Seine Lichtlien wonniglich scheinen läßt
Fällt auch auf sein verständig Gesicht,
Er mag es merken, oder nicht,
Ein freundlicher Strahl
Des Wandersternes von dazumal.
 

( Wilhelm Busch )
 

Und von allen Sternen nieder
Strömt ein wunderbarer Segen,
Dass die müden Kräfte wieder
Sich in neuer Frische regen,
Und aus seinen Finsternissen
Tritt der Herr so weit er kann,
Und die Fäden die zerissen,
Knüpft er alle wieder an.
 

( Friedrich Hebbel )
 

Herz an Herzen ist nicht weit
Unter lichten Sternen
Und das Aug von Tau geweiht
blickt zu lieben Fernen.
 

( Achim von Armin )
 

Nacht ist schon herein gesunken,
Schließt sich heilig Stern an Stern,
Große Lichter, kleine Funken,
Glitzern nah und glänzen fern;
Glitzern hier im See sich spiegelnd,
Glänzen droben klarer Nacht,
Tiefsten Ruhens Glücks besiegelnd,
Herrscht des Mondes volle Pracht.
 

( Johann Wolfgang von Goethe )
 

Wohl schaut ihr die Sterne
weit ohne Zahl,
Doch bleiben sie ferne
Euch allzumal.

Mir leuchten zwei Sterne
mit süßem Strahl,
Die küss ich so gerne
Vieltausendmal.
( Joseph von Eichendorff )