Ankunft in Patmur bei Nikolaus

Beim Nachtmahl sagte Iwano: „Jakobus, du bist mir ein rechter Bruder geworden! Nun heißt es scheiden! Wie werde ich dich vermissen! Wann werde ich dich wieder sehen? Diese Tage waren ein Geschenk Jesu.“

Jakobus: „Du tust recht, Iwano, diese Tage als Gnadengeschenk anzusehen. Größer aber ist die Freude des Herrn und Meisters Jesus, weil du dein Herz geöffnet hast für Jesus! Von nun an werden deine Leute mit viel größerer Liebe an dir hängen, denn auch sie erfassen die Lehre des Meisters und ersehen die Gnade, die von Ihm ausgeht.“

Da tritt der Wirt hin und spricht: „Iwano, hast du von diesem Freund Neues von Jesus erfahren? Ich erhalte ganz spärlich Kunde aus Jerusalem , was ich höre klingt nicht gut.“ Iwano: Ich kann dir Besseres berichten und dir große Freude bringen mit diesem Bruder ist ein Jünger des Herrn in deinem Hause.“

Wirt: „Wenn es so ist, lieber Iwano, dann seid ihr mir nicht Gäste, sondern Brüder! Wie oft ersehnte ich diese Stunde. um die Wahrheit aus berufenem Munde zu hören.

Die Juden sind schlecht zu uns Heiden. Immer neue Schandtaten verbreiten sie von den Anhängern Jesu. Ich bin froh, dass ich römischer Untertan bin, da ist wenigstens mein Haus von dem Schmutz bewahrt; aber nun will ich die Nachricht meinen Leuten bringen und für einen guten Trunk sorgen.“

Jakobus wollte ablehnen, aber Nikolaus, der Wirt, sagte: „Um die reine Wahrheit zu erhalten, ist mir kein Opfer zu groß, lieber arm und ein Wissender, als reich und ein Irrender zu sein.“

Jakobus: „Tue nach deinem Herzen, deine Liebe ist der Schlüssel zu den Toren deiner Mitmitmenschen. Nur diese Liebe hat die Kraft deine Mitmenschen zu Schwestern und Brüdern zu erheben.“

Die Becher wurden gefüllt, einige Krüge des sauren Weines wurden auf die anderen Tische gestellt - da kommt auch des Wirtes Weib mit ihren Söhnen und Töchtern. Die Begrüßung war herzlich, aber zurückhaltend.

Da sagte Nikolaus: „Verzeihet, weil die Kinder noch so zurückhaltend sind. In ihnen ist mehr Furcht als Vertrauen. Erst gestern waren einige Tempelpriester hier, denen ich das Haus verweisen mußte; aber nun ist alles gut, endlich leuchtet uns die Sonne, die uns Gewißheit bringt.“

Die Freude übertrug sich auch bald auf die anderen, die noch in der Herberge weilten, denn bald wußten sie es alle, dass ein Jünger des gekreuzigten Heilandes Jesu in ihrer Mitte weilte.

Jakobus getrieben von seiner innersten Liebe, begrüßte nun jeden Gast und gab noch ein paar Segensworte dazu. Nicht einer war da, der diese einfache Liebe abgelehnt hätte. So waren schon die Herzen aller gewonnen, ehe er nur ein Wort vom Herrn verkündet hatte.

Nun stand er im Mittelpunkt aller und sagte: „Meine Freunde, ich bin nicht aus mir selbst hierher gekommen, sondern in der Mission des Herrn und Meisters Jesus, von Dem ihr gehört habt, Er sei gekreuzigt worden; aber dieser Jesus ist nicht im Tode verblieben, sondern in ein Leben eingegangen, das Er allen erworben hat, die an Ihn glauben und nach Seiner Lehre tun. Seine Lehre ist ein einziges Gebet der Liebe. Sein für uns erworbenes Leben ist die freie Zugabe, die mit dem Liebesgebot eng verknüpft ist. Es kann nur errungen werden in dem Geist, der Jesus beseelte. Es ist Kraft aus der Liebe, Licht aus der Gnade und herrliches Bewußtsein in Ihm geborgen zu Sein für Zeit und Ewigkeit!

Du Nikolaus, möchtest fragen wie es kommt, dass so viele leiden und sterben müssen um des Herrn willen - da sage ich dir: Die um des Herrn willen leiden und sterben werden von Ihm selbst getragen, in ihnen ist die Gnade mächtig. Alles Leid und Weh ist versüßt durch die Gegenwart des Herrn, Der um der Errettung aller willen Seine Feinde nicht richten kann!

Wohl ist der Tod hart und grausam, würdet ihr aber mit allen denen reden, die für den Herrn in den Tod gegangen sind, ihr würdet erstaunt sein über ihre Aussagen. Das Leben hat den Sieg über den Tod errungen, darum kann der Tod keine Schrecken mehr verbreiten, sondern ist Eingang in ein Leben der wahren G1ückseligkeit! Bist du nun zufrieden?“

Nikolaus: „Deine Worte sind beglückend und überzeugend, aber unser menschliches Denken und Empfinden wehrt sich dagegen, so Nachrichten kommen über Grausamkeiten.

Warum, warum, du lieber Jünger des Herrn, verhindert der Herr diese nicht? Du sagtest wohl, um die Errettung aller sei dieses nicht zu verhindern, hier komme ich nicht mit! Ist denn Jesus ein anderer geworden? Was haben wir für Großtaten vernommen. An jedem Tisch wurde Seine Kraft und Herrlichkeit gerühmt, während jetzt alles stumm und ängstlich ist. Den Namen Jesu auszusprechen. macht schon ängstlich! Sich zu Ihm zu bekennen, ist gefährlich; denn überall sind Schergen des Tempels, die mit Freuden die Bekenner Jesu fortbringen.

Jakobus: „Du hast recht gesagt, Nikolaus, der Lebensfeind steht auf der Höhe seiner Nacht. Er will den Auferstandenen für ewig zu den Toten werfen, aber da Jesus in Sein ewiges Eigentum eingegangen ist, hat Er uns Sein Wort und Seinen Geist hinterlassen, welches uns in alle Weisheit und Wahrheit führt und belebt zum ewigen und wahren Leben aus Ihm! In diesem Leben bist du mit dem Leben alles Lebens verbunden, kein Feind vermag an dieser Feste zu rütteln; denn Jesus, ist die Macht und auch der Sieg!“

Nikolaus ließ ein Mahl auftragen, es war wieder die rechte Fröhlichkeit, die Nikolaus so liebte. Da kamen zwei Tempelpriester, die Nikolaus am Tage zuvor aus seinem Haus gewiesen hatte. Mit einer großen Frechheit wollten sie den Grund wissen, warum alle so gut gelaunt sind und was der Anlaß ist zu diesem frugalen Mahl.

Nikolaus sagte: „Nicht ich habe euch gerufen, auch werde ich euch nicht Antwort auf eure Fragen geben - solltet ihr aber vergessen haben, dass diese Herberge eine römische ist, dann werde ich von meinem Hausrecht Gebrauch machen.

Tempelpriester: „So war es nicht gemeint, lieber Freund, ich sehe nur einige, die unseres Glaubens sind. Da ist es unsere Pflicht, über sie zu wachen. O, was sehe ich, des Zimmermanns Josef's Sohn ist hier, da ist unsere Anwesenheit doppelt nötig, gehört er doch zu den Zwölfen des Geächteten.

„Halt, kein Wort mehr, spricht Nikolaus, für euch mag Jesus ein Geächteter sein, für uns ist er der größte Wohltäter. Es trifft sich gut, dass dieser Jünger hier ist, da kann er gleich euer Hass- und Lügengewebe über Jesus aufdecken.“

Tempelpriester: „Lieber Wirt, sei nicht so überzeugt von dem Nazarener; denn gerade in Nazareth spricht man nicht viel Gutes von Ihm. Eben dieser Jünger muß es zugeben, wie lieblos und eigensinnig sein Bruder war. Ich kenne die Verhältnisse noch ziemlich genau; denn im Hause Josefs war selten Friede, wie es bei den Kindern Israels sein soll. Dass sich bei den Nazarenern keine Anhänger fanden, spricht ja für uns.“

Jakobus: „Du bist Simon, Jorams Sohn, du warst in deinen jüngeren Jahren nur eine kurze Zeit in Nazareth. Es ist wahr, die Nazarener waren eine Zeit lang schlecht auf Jesus zu sprechen, weil sie alle, auch wir, den Kampf und das Ringen in Jesus nicht verstehen konnten. Jesus war bei deinen Eltern nicht beliebt, du konntest Ihn überhaupt nicht ausstehen, du hattest eine Abneigung gegen Ihn ohne, dass du mit Ihm in nähere Berührung gekommen bist. Ihr zoget fort, so hast du ja Seine Entwicklung gar nicht beurteilen können. Heute, wo du gleich deinem Vater, ein Tempelpriester bist, mußt du ja handeln nach den Richtlinien des Tempels, der jede gute Handlung des Meisters Jesus mit Hilfe des Belzebub ausführt.

Warum habt ihr nicht mit denen gefühlt, die Er erlöste von Leiden und Qualen? Wer wie ihr vom Tempel, so schnell mit einem Urteil fertig ist, ist ja gar nicht wert, dass die unendliche Liebe aus Gott in Jesus ihnen offenbart wird. Wenn du, Simon, eine todkranke Frau oder Tochter hättest und ein Heiland käme und machte sie dir gesund, wärest du nicht von heißem Dank erfüllt? Was tatet aber ihr? Solche dankbaren Menschen habt ihr in Gefängnisse gebracht ohne Rücksicht auf Alter und Familie. Hier, wo ihr selber nur Gäste seid, gelüstet es euch, euer liebgewordenes Gewerbe -auf Menschenjagd zu gehen- um belobt zu werden vom Tempel, weiter zu betreiben.“

Simon zwang sich zur Ruhe, aber er sagte: „Jakobus, gehe nicht zu weit, denn auf diese Anschuldigungen und Beleidigungen eines Gottesdieners gibt es schwere Strafen.“

Jakobus aber spricht: „Auf deine Drohungen sage ich dir, dass ich diese nicht fürchte, aber all denen, die hier weilen, bin ich es schuldig, zu beweisen, wie wenig du ein Diener Gottes bist!

Nikolaus schicke vier oder fünf Mann in die "Herberge des wilden Mannes". Dort sind zwei Tempeldiener, die drei Frauen und einen Mann, gebunden an Händen und Füßen, gefangen halten. Lasset sie hierher bringen, dann kann dieser Priester seine Dienerschaft zu Gott beweisen.“

Nikolaus spricht: Jakobus, woher wußtest du dieses, wenn das wahr ist, ich bin der Vorsteher der Gemeinde, dann hat das Gericht zu sprechen.“

Simon wollte etwas einwenden, aber Nikolaus sagte: „Abwarten, was bei dieser Geschichte herauskommt, in einer halben Stunde wissen wir alles.“

Jakobus sagte: „Nikolaus, glaubst du wirklich, dass ich aus mir heraus Menschen eines Verbrechens beschuldigen könnte? Nimm es als Beweis des Heilandes Jesu an und du hast die Erfüllung deiner Sehnsucht. Sichere dir aber Simon, er hat schlechtes im Sinne!“

Nikolaus: „Sei unbesorgt, einen alten Krieger legt man nicht so schnell herein. Er stand auf und pfiff nach seinem Hund, der auch schnell zur Stelle war. Er wies auf Simon und sagte: „Gut aufpassen, mein Freund!“ Der große Hund kauerte sich vor Simon hin, knurrte und schaute unentwegt auf Simon. Alle Männer in der Wirtsstube machten sich auf nach dem "Wilden Mann", teils aus Neugierde, teils aus Wut auf die beiden Priester. Sie mußten den Worten des Jakobus Folge leisten.

Als die Männer die Stube mit viel Geräusch verlassen hatten, schaute sich Simon um, der Hund schaute ganz gleichgültig auf Simon. Simon machte einige Bewegungen, auf die der Hund nicht reagierte, schnell griff er unter seinen Mantel und wollte mit einem spitzen Messer den Hund erstechen; aber mit einem Sprung hatte der Hund Simon zu Boden gerissen. Die Anwesenden hatten den Vorgang gar nicht bemerkt, da sie sich um Jakobus geschart hatten. Nun aber waren sie bestürzt, als sie sahen, wie der Hund Simon zurichtete.

Nikolaus rief: „Laß ab Cäsar, laß ab - das hast du brav gemacht.“ Er nahm das Messer, welches auf den Boden gefallen war und sagte: „Simon, das hast du wohl nicht erwartet. Das Messer wird dich schwer belasten, denn seit wann gehen Priester bewaffnet im Dienste Jehovas? Für die Wunden, die dir Cäsar beibrachte, bist du selbst verantwortlich. Das Einzige, was ich tun will ist, dass ich dir deine Wunden reinigen lasse, denn Hundebisse können gefährlich werden.“ Nikolaus holte seine Tochter Irene. Diese wusch die Wunden mit Essigwasser aus ohne auf die Schmerzen des Verletzten zu achten.

Inzwischen kommen die Männer mit den gefangen gehaltenen, dafür aber hatten sie die beiden Tempeldiener gebunden, die sich wehrten, die Gefangenen herauszugeben. Es war eine Aufregung in der Stube, so dass Nikolaus erst Ordnung gebieten musste. Der gefangene Mann war ein Bekannter des Nikolaus.

„Du weißt, dass mir mein Weib gestorben ist, mein kleines Anwesen braucht dann und wann weibliche Hilfe. Diese drei sind meine Schwägerinnen, die gemeinsam mir und meinen Kindern helfen. Wie dieser Priester es herausgebracht hat, dass wir Anhänger des Heilandes Jesu sind, ist mir rätselhaft, von meiner Seite aus habe ich nichts verraten.“

„Da bin ich schuld“, sagte die eine. „Dort dieser Mann bat um ein Stück Brot um Jesu Liebe Willen, da habe ich mich verraten und die anderen dazu. Ich bitte herzlich um Verzeihung, weil ich so töricht war und dem Frieden glaubte.“

Nikolaus: „Sorge dich dessen nicht mehr! Dein Verrat ist kein Verraten, sondern ein Bekennen, für das wir dir alle danken werden; aber, wie wurdet ihr gefangen, dieses ist mir das Wichtigste!“

Schimba: „Es ist einfach, meine Schwägerinnen wohnen am anderen Ende des Dorfes. Kaum, dass sie in meine Hütte eingetreten waren, kommt dieser Priester und verlangt, ich solle den Nazarener dreimal verfluchen und ein größeres Opfer bringen, da ich des Todes schuldig wäre. Ich lehnte dieses entschieden ab, da schlug er mir ins Gesicht und ging aus dem Haus. Schon glaubten wir, die Gefahr wäre vorüber, da der Tag verging ohne jede Störung, aber gerade, als die drei in ihr Heim zurück wollten, kommen die Wüteriche zu viert, überwältigten erst mich und dann meine Schwägerinnen. Wir mussten zusehen, wie sie meine Vorräte plünderten. Sie ließen sich mein Brot schmecken - auf meine Proteste erhielt ich wieder Schläge - und dann kam die Nacht.

Meine Kinder verkrochen sich vor den Wüterichen in der Scheune, ich weiß bis jetzt nicht, was aus ihnen geworden ist. Der eine ging fort, kam aber bald mit einem Wagen, den wir vier besteigen mussten, sonst hätten wir alle Schläge bekommen. Das war gestern, man fuhr nach dem "Wilden Mann", es war aber keine Gelegenheit, uns bemerkbar zu machen, da wir streng bewacht wurden. Nun sind wir hier. Man sagte uns, ein Jünger Jesu hätte es angeordnet, dass wir befreit wurden.“

Nikolaus sagte: „Es ist so, lieber Schimba, Jakobus ist es, den der treue Heiland Jesus in unsere Mitte führte.“

Schimba: „Laß dir danken, Jakobus! Leider muß ich nach meinen Kindern sehen, sie werden nicht wissen wo wir sind.“ Jakobus: „Tue es, Schimba, doch komme morgen wieder. Die Schwestern mögen hier bleiben, da genügt es, wenn ein Bote deine Schwiegermutter verständigt.“

Schimba: „Ich komme, sobald es möglich ist, mein Herz ist voll Dankbarkeit und voll Freude, aber um etwas Speise bitte ich für mich, wir haben einen Tag nichts zu essen gehabt.“ An einem Tisch sättigen sich die vier - dann ging Schimba eiligst nach seiner Behausung.

Nikolaus ließ die vier Templer in einem Gelaß bewachen, dann sagte er: „Jakobus, der unangenehme Teil ist vorbei, sei gewiß und bringe wieder Ordnung in unsere aufgewühlten Gemüter. Siehe, wir alle hungern nach einem Wort Jesu, wir brennen danach, eingeführt zu werden in das Wesen Jesu, Der aus Liebe für uns starb.“

Jakobus antwortete: „Liebe Brüder, liebe Schwestern! Euer Sehnen ist verständlich. Auch wir haben dasselbe durchleben müssen als Er, unser Meister, von uns gerissen wurde. Drei Tage waren wir in Schmerz und Trauer und wie herrlich ist nun alles geworden! Nicht das war uns die größte Freude, dass Er uns in Seinem unzerstörbaren Leibe wieder aufrichtete, sondern dass Er uns einen Geist schenkte, der uns in alle Weisheit und in alle Wahrheit führt. Euer Sehnen ist auch des Meisters Sehnen. Darum öffnet eure Herzen, vergesset was hinter euch liegt, denn Seine Liebe ist es, die euch frei und froh machen will, doch nicht für jetzt, sondern für alle Ewigkeit!

An dem Handeln dieser Templer habt ihr die Frucht des Weltgeistes geschaut! Mit Abscheu wendet sich euer Herz von diesem Niederen und Verkehrten ab, und warum? Weil in eurem Innern der Geist erstehen konnte, der für den wahren und ewigen Gottesgeist die Tore in euch öffnete. Das lieblichste Wort aus Jesu Munde lautete: `Kommet her zu Mir, alle, die ihr mühselig und beladen seid - Ich will euch erquicken!`

Denkt ja nicht, dass Er diese Worte sagte, weil in Seinem Wesen der Geist der Liebe offenbar wurde -o nein-Er sagte diese Worte, weil in Seinem innersten Herzen durch die Einswerdung mit Gott Seine Liebe so groß und stark wurde, dass Er allen ein Heiland und Erlöser sein kann. In der Stunde, wo sich alle Verachtung und Hass an Ihm austobte -am Kreuze- konnte Er noch sagen: `Vater - vergib ihnen - denn sie wissen nicht was sie tun!` Sehet - in diesem Wort liegt das größte "Bekenntnis Seiner Liebe", hier offenbarte sich die Kraft Seiner Heiland- und Erlöserliebe, die selbst im Tode noch bedacht war, einen Weg offen zu halten für den Feind alles Lebens !

Mit dem Erlöschen Seines Lebens macht die Trauer für den geliebten Meister uns matt und mutlos, aber als Er zu uns kam, mit Seiner herrlichen Liebe, die uns nun Sein Leben im neuen Lichte zeigte, da, liebe Brüder und Schwestern, war auch ein Strich gemacht hinter unser vergangenes Leben - und das neue Leben aus Gnade und Liebe konnte sich frei entfalten nach dem Grad der Liebe zu uns zu Ihm und zu den Nächsten! - Wie sich in uns täglich immer Neues bekundet in unserem Geist, so wird sich auch in euch immer Neues offenbaren durch den Geist Seiner Liebe und Gnade.

- Auch ihr werdet ganz frei werden von den alten Begriffen, die das Gesetz und die falsche Erziehung in euch schuf, ja sogar Grenzen zog, wo dem Leben aus Gott ein Halt geboten war. Doch um alles wusste der Herr und Meister! Schon als Kind wußte Er um Seine Mission und scheute keinen Kampf in und mit Sich; denn alles, was in uns liegt, lag ja auch in Ihm. Und warum wohl? Weil allem Leben in der Widerordnung ein Weg gebaut werden musste, auf dem eine Erlösung möglich ist.

Auch unsere Vorväter haben gerungen um diesen Geist. Es ist ihnen nicht möglich gewesen, die Schranken in sich niederzureißen, um dem ewigen Geist aus Gott die Möglichkeit zu geben, dem eigenen Geist ein Bewusstsein zu geben, dass er ein Teil des ewigen Gottesgeistes ist. In diesem inneren Bewußtsein kann sich unsere Seele einen mit dem Geist und der Weg, der zur Erlösung führt, ist beschritten!

Sehet, ihr lieben Schwestern, in eurem Schmerz und Leid -zugefügt von Dienern, die im falschen Wahn dem Lebensfeinde dienen- ist ein großer Schritt zum ewigen und freien Leben aus Gott getan worden. An euch hat sich die Liebe offenbart, die nur helfen und befreien will. - Lasst nun die Sehnsucht immer größer werden, ganz Den zu erkennen, der euch noch viel mehr geben möchte; denn wie ihr Verlangen habt, mit Ihm in eine Verbindung zu treten, so hat auch Er - als die ewige Liebe - das Verlangen, mit euch in ewiger Verbindung zu bleiben.“

Nikolaus: „Lieber Jakobus, deine Worte sind wie ein sanfter Regen auf ausgedorrtes Land. In jedem Wort klingt das Verlangen, dass das Leben pulsieren soll in einem Jeden - und jeden tragen soll zu Ihm wo es Licht und Klarheit, Frohsinn und Zufriedenheit gibt; aber auch du ließest durchblicken, dass der ewige Heiland und heilige Meister diese Sehnsucht in sich trägt. Er ist doch der Herr, kann Er nicht in Seiner grenzenlosen Liebe erfassen, was Er will, warum noch Sehnsucht, wo Er in Liebe nur zuzugreifen braucht?“

Jakobus: „In deiner Frage liegt viel, mein Nikolaus, aber bist du nicht auch Vater von Kindern, die du liebst? Wie auch du dir manchen Wunsch versagen musst infolge der Unreife deiner Kinder, so ergeht es auch dem ewigen Vater!

Sehet Seine Liebe und Weisheit hat für alle und alles Sorge getragen. Auch nicht ein einziges Wesen in der ganzen Unendlichkeit soll je Grund zum Klagen oder mit Vorwürfen kommen können. Durch Seine Menschwerdung stellte Er ja den Menschen auf eine Stufe die jede Entwicklung zulässt.

Er Selbst machte ja den Anfang und stellte Sich als Mensch auf die Stufe des Menschen, nahm als Kleid Seine Seele, dieselben Potenzen, die jeder Mensch in seiner Seele trägt. Sein Kampf als Mensch galt nicht der Erde, die Ihn trug, sondern war ein Kampf, um zu veredeln, was Er als unedel in Sich erkannt hatte, galt dem Menschlichen, welches Göttliches verherrlichen sollte. Es ist Ihm gelungen! Darum standen Ihm auch alle Kräfte zur Verfügung, die Er aus dem Unlauteren Seiner Seele auf die göttliche Stufe stellte und die zu Seinem freien Eigentum wurden. So war Sein Wort: `Mir ist alle Macht gegeben im Himmel und auf Erden`. Das Zeugnis, dass Er die verloren gegangene Herrschaft, die einst dem ersten geschaffenen Menschen zu Eigen war, wieder errungen hatte.

Nun war der Weg frei für alle Menschenkinder, und dem ewigen Untergang ein Damm gesetzt. Aber auch der Weg war frei, dass nun auch Gott wieder Sich Seinen verirrten Kindern nähern konnte. Bis zu Seiner Menschwerdung konnte Gott nur durch den Mund Seiner Propheten reden, die Er mit vieler Mühe und Geduld sich erkoren hatte, aber nun kann Er mit einem jeden Kinde reden und Sich offenbaren, aber nur nach den Gaben des erwachten Geistesleben. Welch heiliges Wehen umgibt die, die ganz in Seiner Liebe und in Seinem Geiste leben! Mit heiliger Ehrfurcht dient die ewige Liebe dem Kinde, welches ausreifen will zu dem Grade, wo es mit Gott ganz Eins werden könnte!

Ja, meine Lieben, Eins werden mit Ihm im Dienen, im Lieben, dass alle alles erfahren und erleben die Kraft des Glaubens und die Gnade des lebendigen Gottes, der in einem jeden Kinde erstehen will zu einem Heiland und Erlöser! Dann wird Sein Wort wahr: `Daran soll die Welt erkennen, dass ihr Meine Kinder seid.` In diesem Geiste liebet euch und alle Menschen, dann öffnet ihr die Tore des Lebens zum wahren Himmelreich, welches dann in euch den Anfang und den Grund gefunden hat. Dann kennt der Mensch nur noch die eine große Aufgabe: Die Gnade, die da ihn belebt, zu verherrlichen und mit heiligem Tun nach dem heiligen Wort Seiner Liebeslehre!

Habt ihr mich verstanden? Machet eure Herzen ganz frei! Je freier ihr seid, umso lebendiger wird es in euch; je größer die Erkenntnis, umso größer das Gottesleben, aber auch um so größer die Verantwortung. Gott wirft nicht mit Seinen Geistesgaben um sich, weil Er überreich und der Herr unendlicher Schätze ist, sondern weil die Gnadengaben neues Leben wecken sollen, auf dass alle vom Tode errettet und in das ewige Leben eingehen können.“

Nikolaus: „Jakobus, du führst uns immer tiefer in das Leben Gottes. Wir ahnen die Größe Seiner Liebe und Gnade, aber wie weit sind wir noch entfernt, wo auch wir so lieben und glauben können, dass sich der ewige Gott über uns freuen könnte? In deinen Worten liegt ja schon die Sehnsucht, uns alle so zu zeigen, dass auch wir mit Gott, dem Ewigen und Heiligen, so verkehren, wie Kinder mit ihrem Vater!

Aber, wenn ich dich recht verstanden habe, ist unsere Unreife, unsere noch viel zu große Trägheit, das Übel das uns keine Erfüllung bringen kann. Sage uns, wie wir am schnellsten diese Reife erlangen können - an dem Willen soll es nicht fehlen. Für meine Brüder gilt dasselbe!“

Jakobus: „Nikolaus, die alten und verkehrten Begriffe sind das größte Übel. Es gilt vor allem einmal, sich selbst zu erkennen, es lebt noch so vieles von alldem in jedem Menschen, das der Erde noch angehört; gerade diesem gehört das größte Augenmerk, weil es im größten Gegensatz zum Himmlischen steht! Es gilt zu trennen, die Liebe zum Irdischen und Himmlischen, beides kann man nicht in eines verweben - warum wohl? Weil alles, was dem Irdischen gehört, die Seele knechtet, während alles, was dem Ewigen gehört, die Seele und den Geist freimacht! Das rechte Bild gibt dir noch Simon, der Priester!“

Nikolaus: „Wenn ich dich recht verstanden habe, muß also die Liebe zum Göttlichen die Triebkraft alles Handeln sein. Da fehlt es natürlich noch bei allen. Es wird schwer sein, den Reifegrad zu erreichen, um mit Gott verkehren zu können, wie es unsere Sehnsucht ist.“

Jakobus: „Nikolaus, mit diesen falschen Begriffen erreicht ihr das Ziel nie und nimmer! Gott als die ewige Liebe will gesucht sein, aber Er sucht auch euch, sonst wäre ich nicht hier. Lasset doch einmal allen Verstand beiseite, suchet mit dem Herzen, aber dort, wo Er zu finden ist - in Euch! Umwebet alle eure Menschenbrüder mit dem Gesetz der Liebe, und ihr seid auf dem besten Wege, mit Ihm in Verbindung zu treten. Erwartet aber nicht, dass Er äußerlich zu euch kommt, sondern ganz still und leise in eurem Herzenskämmerlein.“

Die eine Schwester von Simon: „Lieber Jünger Jakobus! Wenn du nicht gekommen wärest, ob ich durchgehalten hätte? Denn all unser Bitten schien vergebens zu sein, es war nur gut, dass uns die beiden Priester immer allein ließen. Wir selbst sind noch nicht so fest, um diese ernsten Prüfungen zu ertragen, und du hast recht, dass uns noch viel fehlt, um ganz fest im Glauben und stark im Vertrauen zu sein. Darum Ihm unser Dank für Seine Güte!“

Jakobus: „Sorge dich um nichts anderes mehr, als dass du immer noch mehr lieben kannst; denn gerade diese Liebe in dir ist ja Sein Leben. Lasse nie den Gedanken aufkommen, du könntest versagen, sondern sei gewiß, dass der herrliche Meister der Liebe dich in allen Lagen trägt, dich unterstützt, auch in der Prüfung. Von Ihm geprüft zu werden, heißt: angenommen zu sein -heißt: gewürdigt zu sein - aufgenommen zu sein in den Bund derer, die da Lebensträger in Seinem Geiste sind!

Meine Lieben, Seine Liebe ist ja nie so recht zu schildern, sondern sie kann nur offenbaren, was ihr innerstes Wesen ist. Nun ihr das wisset, wird es euch leicht sein, ganz einzudringen in Seinen Geist, der euch in allem die reine Wahrheit, das rechte Leben zeigt, das ihr nun zu leben habt. Auch wir haben um diese Wahrheit ringen müssen. Nun wir sie ausleben, ist auch Gott uns nicht mehr fremd, sondern ein Vater geworden, der uns die ganzen Schätze Seiner Liebe zur Verfügung stellt.“

Isidor spricht: „O du lieber Bote unseres Heilandes, deine Worte sind wie ein süßes Brot, aber es macht hungriger. Was haben wir alles gehört. Immer größer wurde das Verlangen, einmal mit einem zusammen zu kommen, der mit Jesus, dem guten Heiland, zusammen lebte.

Du bist einer von denen, den ich bitten darf, uns etwas zu erzählen von Seinen Wundern, von Seiner Liebe, die alle Menschen sättigte, so dass alle jene, die da mit Ihm waren durchdrungen waren von der Wahrheit und Göttlichkeit Seiner Liebe und Sendung. Was wir hörten, belebte uns, es war so mächtig, dass wir glaubten an den eingeborenen Sohn.

Wie muss es erst sein, so wir Sein Wort von Ihm Selbst, oder von einem Seiner Berufenen empfangen! Ich fühle es in mir, dass dein an uns gerichtetes Wort tief in mein Innerstes gedrungen ist. O lasse noch mehr mein Inneres und Innerstes von Seinem Wort und Leben durchdringen, damit uns nichts mehr trennen kann von Ihm, der aus Liebe zu allen Menschen sterben und einen Himmel schaffen konnte, in dem alle selig werden sollen!“

Jakobus: „Siehe, mein Bruder und ihr alle: Des Herrn Wort und Leben ist ein Quell, der nie versiegen und versagen wird - ob es aus meinem oder einem anderen Munde kommt. Immer wird es dieselbe Kraft und Wirkung haben, denn Sein Wort ist ein Same. So es mit gläubigem Herzen aufgenommen wird, wird es auch seine Wirkung zeitigen, nur kommt es darauf an, in welchem Geiste es euch gegeben wird. Das zu beurteilen, ist wohl nicht leicht, aber in dem Augenblick, wo ihr Sein Wesen erkannt habt und es euch aneignet, ist euch alles klar und licht. Es ist oft vorgekommen, dass der Herr Selbst nicht verstanden oder anerkannt wurde.

Ich erinnere an Bruder Judas, der die ganze Zeit mit uns ging und doch Sein Wesen der Liebe nicht erkennen oder gar sich aneignen konnte. Wie viele Kämpfe erlebten wir, die der Herr ausfechten musste, nur, weil die Liebe als Schwäche oder eines Mannes unwürdig hingestellt wurde. Was sind für lange Sitzungen nötig gewesen bei denen, die alles mit ihren Verstande erfassen wollten, und wie einfach und schnell wurden die größten Wunder offenbar, so demütig und kindlich der Herr erfasst wurde.

Jesus konnte auch nicht nach Seiner Ihm innewohnenden Weisheit verfahren, sondern musste oft, ja fast immer, zur Liebe Zuflucht nehmen, musste sich ganz auf den Boden derer stellen, die Ihm zuhörten. Ebenso war es mit den Wundern oder mit den Heilungen. Erst musste der Boden aufnahmefähig sein. Das Wunder allein hätte die Erfolge nicht gezeitigt, aber Sein Wort, Seine Lehre, die ihr auch habt.“

Isidor: „Es sind wohl dieselben Worte, dem Laute nach aber doch nicht dieselben Worte. Der anderen Worte machten hungriger, aber Seine Worte, stillten den Hunger, stillten das Sehnen und machen das sehnende Herz ruhig!“ Darum danken wir dem Herrn, dass er dich gesandt hat in unsere Mitte. Nur eine Bitte habe ich `bleibe länger, auch wir brauchen dich für unsere Kranken und unsere Feinde`.“

Jakobus: „Sei alles dessen ohne Sorge; denn es geschehe auch hier nicht unser, sondern auch Sein Wille! Wir wollen nur den Herrn erfreuen, der auch in dieser Stunde mitten unter uns ist! Deinen Worten aber will ich gern nachkommen und einiges bringen, welches euch Seine Liebe noch mehr als jetzt offenbaren will. Wir waren in Bethanien - täglich kamen viele Gäste, Freunde und auch Feinde. Lazarus bleibt für alle ein- und dasselbe. Eines schönen Tages kommen zwei Fremde, Geschäftsfreunde vom Bruder Lazarus. Bald war das Geschäftliche erledigt, da fragte einer: `Lazarus, wie machst du es, dass alles so wunderbar geht? Bei anderen sind Schwierigkeiten über Schwierigkeiten, aber mit dir macht man ordentlich gern Geschäfte!`“

Lazarus: `Mit einem Wort kann ich dir das nicht erklären. Dass ich aber eine Hilfe an dem Heiland Jesus habe, willst du nicht gelten lassen, denn da kenne ich deine Meinung.`

Der Geschäftsfreund: `Fange nicht wieder damit an, lieber Lazarus! Du weißt der Glaube meiner Väter ist mir unantastbar. Ich kann dich einfach nicht verstehen, dass du noch dem Tempel und auch den Römern hörig bist. Es wäre für mich eine glatte Unmöglichkeit, Römern Gastfreundschaft anzubieten.`

Lazarus: `Nichts leichter als das; denn ich sehe in meinen Gästen nicht den Templer oder den Römer, sondern den Menschenbruder, den Gott mir in mein Haus sandte. Ja noch mehr, in einem, Menschen auch in dir kommt Gott als Gast zu uns, und das erfüllt mich mit heiliger Freude!`

Geschäftsfreund: `Lazarus, du bist ein prächtiger Mensch, aber nimm es mir nicht übel, du bist auch ein Schwärmer, wie es so viele heute gibt, die da angesteckt sind von der Sekte der Nazarener.`

Lazarus: `O-ho!` spricht Lazarus, `seit wann stellst du denn Behauptungen auf, die du nicht beweisen kannst. Es kann ja nicht Schwärmerei sein, so ich für alle einen gedeckten Tisch habe. Oder glaubst du, ich könnte alles aus mir heraus glatt erledigen? Da bist du in einer großen Irre! Eben auch den Nazarener bin ich in den Stand gesetzt, so zu handeln und darf in jedem Menschen den Ausdruck erleben, den Gott mir geben würde, so Er mein Gast wäre.`

Geschäftsfreund: `Lazarus sündige nicht! Du weißt genau, dass ich scharfe Grenzen ziehe, seit meine Kinder vor mir in das Grab gegangen sind.`

Lazarus: `Ich weiß um alles, Isidor, aber du bist verbittert, darum bist du für diese Freude, für alles Glück unzugänglich. Aber soll es immer so bleiben? Siehe, ich will dir einen Beweis geben, wie recht ich habe und wie einsichtslos du bist.

Siehe, dort habe ich fünfzig Gäste. Ich sagte, dass in einem jeden Gott als Gast zu mir gekommen ist. Bitte gehe zu irgendeinem, unterhalte dich einige Minuten mit ihm, ganz nach deinem Belieben. Bist du enttäuscht, dann sollst du recht behalten und nie mehr werde ich dir Vorhaltungen machen.`

Isidor: `Lazarus, du machst dich lächerlich. Du gehst entschieden zu weit. Ich werde es nicht tun, da ich nicht will, dass andere dich nicht verstehen.`

Lazarus: `Isidor, ich will dich nicht zwingen, aber weil ich dich noch mehr an mich binden möchte, bitte ich dich -versuche es doch- damit auch du mich noch mehr an dich binden kannst.`

Isidor schaute Lazarus durchdringend an und spricht: `Gut, Lazarus, ich werde um deiner Freundschaft willen den Versuch machen, obwohl ich mir gar nichts verspreche.`

Isidor schaute alle Gäste durchdringend an, sein Blick bleibt an Jesus haften - dann geht er hin und spricht: `Lazarus, erlaubte mir, dass ich mich mit Dir unterhalte, verzeihe mir, so ich störend in Deine Unterhaltung mich dränge.`

 

Jesus sprach: `Herzlich willkommen heiße ich dich! Gilt es doch, dir den Beweis zu geben, dass Lazarus nicht aus einer blinden Schwäche oder Schwärmerei handelt, sondern aus dem Impuls seines in ihm wohnenden Gottesleben, an welches du nicht glauben konntest.`

Isidor: `Bist du allwissend oder sollte Lazarus dir ein Zeichen gegeben haben?`

Jesus: „Lieber Freund, du bist überrascht von Meiner Antwort. Ich könnte dir noch Vieles sagen, aber es genügt wohl, wenn Ich dir sage, Dein Freund Lazarus hat das bessere Teil erwählt! Glaube Seinen Worten und halte Seine Freundschaft fest, ja noch mehr werdet eins, denn er ist ein Gesegneter des Herrn! Auf dass du aber den untrüglichen Beweis erhältst, dass in Mir Gott hier zu Gaste ist, bitte Ich dich um etwas, das nur Gott tun kann. Es muß aber nur etwas Natürliches sein.`

Isidor: `Lieber Freund! Wer Du auch sein magst, ich verlange nichts; denn es ist mir Beweis genug, dass in Dir Gott gegenwärtig ist. Nur verstehen kann ich dieses alles nicht! Oder könntest Du mir da zu Hilfe kommen ohne dass ich meinem Glauben untreu werde?`

Jesus: „Ich könnte es, aber was hättest du davon zu halten, deinen Glauben in Ehren, aber was ist Glaube, der dich nicht trägt in allen Lebenslagen, der dich hinwirft bei der kleinsten Probe? Siehe, als deine Kinder dir genommen wurden, warst du verzweifelt, dein unschuldiges Gewand zerrissest du in hundert Fetzen. Dein Weib hättest du fast verloren, wenn die beiden Schwestern deines Freundes Lazarus nicht gewesen wären. Sag ist das Glaube?`

Isidor: `Hör auf, lieber Freund, erinnere mich nicht an die schwersten Stunden meines Lebens, aber sage mir, wer hat dieses alles offenbart?`

Jesus: `Lieber Freund, es müsste ein armer Gott in Mir Sein, der nicht in die Tiefen deiner Seele schauen könnte, darum sagte ich Dir, Ich könnte dir noch Vieles sagen, aber warum äußerst du nicht den Wunsch, der dir so brennend auf deiner Seele liegt?`

Isidor: `Nun vage ich nichts mehr zu sagen und zu fragen, wenn Du auch weißt was meine größte Sehnsucht ist.`

Jesus: `Armer - armer Freund! Wie wenig kennst du deinen Gott! Einmal fürchtest du dich, deinen Glauben zu verletzen, dass andere Mal fürchtest du dich vor Gott! Siehe - in Mir ist wahr und wahrhaftig Gott zu Hause, wer mit Mir spricht, spricht auch mit Gott! Das wissen hier alle Brüder und auch dein Freund Lazarus, was liegt an der Verletzung deines verkehrten Glaubens? Nichts! Aber daran muß dir gelegen sein, deinen Gott nicht zu verletzen, den du im lebendigen Glauben zu dienen gelobt hast! Siehe - deine einzige Sehnsucht ist die, deine Kinder wieder einmal zu sehen um einige Worte mit ihnen sprechen zu können. Dein Glaube aber weiß sie im Grabe bis zu ihrer Auferstehung. Und da sage Ich dir, du bist in einem großen Irrtum, denn deine Kinder leben und harren der Stunde bis Ich die Tore öffne die zum Leben führen!`

Isidor schaute entsetzt auf Jesus und spricht: `Wenn deine Augen mich nicht so liebevoll anschauen würden, ich müßte mich vor Dir fürchten; denn es ist wahrhaftig so, aber was soll ich tun. Ich möchte den Glauben meiner Väter nicht verlassen.`

Jesus erwiderte: `Das sollst du auch nicht, aber glauben sollst du an den lebendigen Gott, der in Mir lebt, der jetzt zu dir spricht: `Öffne deine Augen und deine Ohren, damit du das Wunder Seiner Liebe schauen und erleben kannst und dann sage Mir, ob du noch den alten Begriff von deinem Gott aufrecht erhalten kannst.`

Da verschwanden vor unseren Augen die Wände, des Hauses, vor uns lag die Landschaft eines schönen Gebirges, eine schöne Helle, ließ uns alles schön erkennen und viele Menschen beiderlei Geschlechts, die noch die steinernen Gärten bearbeiteten, erregten unser Interesse: Da kommen auf einmal zwei in lichten Kleidern auf uns zu und rufen: `Vater, Vater bist Du nun auch zu uns gekommen? Schon immer warteten wir auf Dich kommt Mutter auch bald?` Isidor breitete die Arme aus, als wollte er die beiden umarmen, aber er konnte kein Wort sprechen - da trennte sich eine liebliche Gestalt von den anderen: `Glaube und vertraue Dem, Der dir diese Gnadenblicke schenkte. Auch wir ersehnen die Stunde, wo das Tor des Lebens allen, allen geöffnet sein wird. Fürchte dich nicht mehr vor Dem, was du Sünde nennst. sondern lebe ein Leben der, Liebe in Gott, der in unserer Welt genau so erwähnt wird, wie in der deinen!`

Das Schauen verlor sich - da sagte Isidor nach einer Weile: `Freund, wenn das kein Traum, sondern Wirklichkeit war, dann bin ich ein geschlagener Mann, dann war ja mein strenges Leben ein großer Irrtum und meine Gottesfurcht Sünde gegen das Leben!`

Jesus sprach: `Gott ist gerecht und macht alle krummen Wege gerade, aber Liebe kann Er nicht geben, wo noch Furcht und übergroße Eigenliebe herrscht. Halte dich in Zukunft näher an den Rat, den dir die liebliche Gestalt gab, dann wird dir offenbar, wie auch dich Gott sucht! Aber nie wird der kommende Messias so sein, wie Er in deiner Vorstellung lebt!`

Da ergriff Isidor die Hände des Meisters und sagte: `Jetzt errate ich, wer Du bist! Du bist der Nazarener, den ich immer einen Toren schalt - lasse mich meinen Fehler gutmachen, von nun an werde ich mich bemühen, so zu sein, wie Lazarus ist!`

Jesus erwiderte: „Dann bleibe heute bei Lazarus. Du gewinnst an Leben mehr, als du verdienen würdest an denen, die du noch besuchen wolltest; denn auch sie kommen heute noch zu Lazarus. Ich sage dir das, damit du ersehen sollst, wie Gott auch Dinge den Menschen offenbaren kann, die noch irdischer Art sind! Gott vermag alles, aber das vermag Er nicht, dass Er dir eine andere Vorstellung über Ihn geben kann. Das muß der Mensch selbst tun! Darum erlebe heute durch Seine Gnade noch einen Beweis Seiner Liebe die auch allen Menschen zum Heile werden soll!`

Jakobus: „So, liebe Brüder und Schwestern, wurde es ein Tag des Heils, wie auch der heutige Tag ein Geschenk der übergroßen Liebe Gottes ist, die in Jesus allen Menschen zum ewigen Heile angeboten wurde. Wohl denen, die sie sich zu Eigen machen!“

Am anderen Tage kommt schon zeitig in der Frühe Schimba. Ganz freudig bewegt erzählt er, dass, wie er nach Hause gekommen ist, alles in der schönsten Ordnung war. Zu einer treuen Nachbarin sei ein junger Mann gekommen und habe sie mit freundlichen Worten gebeten, sich der Kinder und des Viehes anzunehmen, da Schimba und seine Schwägerinnen fortgeschleppt worden seien - aber in spätestens drei Tagen wieder zurück seien.

So traf ich alles in bester Ordnung. Die kleine Gesellschaft, die schon auf war, erstaunte nicht wenig über den Bericht des Schimba. Als aber Jakobus unter sie trat und mit wenigen Worten sie aufklärte, war die Freude umso größer.

 Inhaltsverzeichnis Band III