Bericht eines Knechtes der Tempeldiener

Ein Knecht: „Nach verschiedenen Aussagen muss der Händler alleine stehen, denn nie sprach er von einem Zuhause oder von Weib und Kind. Er habe die Wagen und die Tiere von seinem Vater übernommen, der verstorben sei. Er hatte ja auch keine Treiber. Wir mussten Treiber- und Knechtsdienste tun. Darum hatte ja auch der Perser gar keine Hilfe und war dem Tempel direkt ausgeliefert.“

Sardellus: „Wer ist Ramon?“ Ein Knecht: „Ramon ist der Führer der Tempelpriester und ein Teufel aller Teufel.“ Sardellus: „Es ist gut. Da ich nun länger als vorgesehen hierbleiben muss, werden wir uns noch öfter unterhalten. Um eines bitte ich euch. Vergesset nicht, dass ihr jetzt Römer seid. Du Nikolaus, wir beenden unsere Verhandlungen. Wir sehen jetzt klar und so führe deine Leute in dein Haus ein. Die Karawane bleibt vorläufig dein Eigentum, da du die Kosten der Ansiedler am meisten tragen musst. Diesen Ramon aber halte mit dem Essen kurz. Mit diesem Mörder werden wir nicht mehr viel zu verhandeln haben. Bis die Kommission kommt, wird schon viel segensreiche Arbeit geleistet sein.“

Mit den Tempelknechten hat Nikolaus einen guten Griff getan. Sie waren willig und in manchen Dingen sehr klug, vor allem waren sie glücklich, einen guten Herrn gefunden zu haben. Von all dem Ärger mit den Templern erfuhren die anderen so gut wie nichts, denn am anderen Tag wurde Holz aus dem nahen Wald geholt, welches gefällt worden war. Jakobus arbeitete mit den anderen. In der Küche wurde für das leibliche Wohl gesorgt und am Sabbat geruht.

Jakobus und Simon hielten die Andachten, nichts störte die Harmonie und Sardellus, Pistorius und Nikolaus schwiegen von den Verhandlungen.

Das Leben ging seinen gewohnten Gang, Karawanen gingen und kamen und die Siedlung wuchs rasch als Bauleute und Arbeiter durch die Hilfe des Sardellus eintrafen.

Jakobus aber blieb immer noch da. Am Tage galt es tüchtig zu schaffen und des Abends waren immer welche da, die das rechte Verlangen nach der Liebe Jesu hatten.

Da alle von der Karawane des Ramon dageblieben waren und Schimba sich in allem als der rechte Helfer und Heiler erwiesen hatte, konnte dennoch an dem Gerechtigkeitsgefühl des Sardellus nicht das Geringste geändert werden.

Nun war es soweit. Die Kommission war eingetroffen und die fünf Priester standen vor einem ordentlichen Gericht, denn Sardellus hatten sie nicht anerkannt. Die Art des Richters war ein aus der Ordnung und Gerechtigkeit. Alle Misshandelten wurden gehört. Nur Danila verweigerte die Aussage. Ich bin Christin, kein Gesetz war imstande, mich von dem betroffenen Leid zu befreien. Nur die Liebe und die Gnadenführung des Heilandes und Meisters Jesu retteten mich und häufte Liebe über Liebe auf meine wunderbar geheilte Seele. Mein Glück ist so groß, dass ich auch hier bleiben will unter denen, die im blinden Wahn uns Übles taten.“ Sardellus wollte es nicht gelten lassen, aber Danila blieb fest und der Richter hatte eine hohe Meinung von dieser Seelengröße.

Ramon blieb verstockt und bösartig, er konnte nicht vergessen, dass er als Gesalbter auf den nackten Rücken Schläge bekam. Für ihn waren die Christen keine Menschen, nur Hunde, die man beliebig schlagen konnte. Ein römisches Gesetz gab es für ihn nicht. Der Tempel und sein Hohepriester waren ihm alles. Die anderen vier standen unter Zwang und die Freizügigkeit ihres Handelns wurde von Ramon gefördert. Es stand schlimm um Ramon.

Pistorius wurde entlassen und wieder ist es Jakobus, der zu ihm kommt und spricht: „Bruder, willst du dem Herrn willig sein? Eine Karawane ist auf dem Weg nach der Küste. Mit einigen deiner Leute kannst du vielen befreiten und dir die größte Freude machen.“ Pistorius: „Jakobus, wie kannst du nur fragen, weißt du doch, dass in mir nur ein Drang lebt, Dem zu dienen, Der meinem Leben erst den rechten Inhalt gab! Also wann und wo kann ich den Herrn vom Tempel einen Strich durch die Rechnung machen?“

Jakobus: „Morgen früh, mein Bruder. Du musst sie aber bei Sonnenaufgang überraschen, denn sie sind nur zwei Wegstunden von hier entfernt und ohne Arg.“ Pistorius: „Jakobus, sage mir nur das eine, wie erhältst du eigentlich die Kunde? Warum offenbart nicht immer der Herr die Grausamkeiten?“

Jakobus: „Weißt du, Bruder, das lässt sich nicht einfach erzählen. Es gehört eine lange Schule dazu, um den Herrn und Meister oder einen Seiner Diener innerlich zu vernehmen. Mir wurde die seltene Gabe zum Geschenk, weil ich den Herrn schon als Kind in der Entwicklung eingeschlossen hatte. Auch die Zeit, wo Jesus in der Entwicklung stand und nach außen nicht das Geringste verriet was in Ihm vorging, wurde ich schon innerlich geistig geführt. Nur habe ich nicht immer so recht acht gegeben und darum wenig gewonnen. Für das innere Empfangene stehe ich ein. Nicht ein einziges Mal wurde ich enttäuscht und ich stelle mein ganzes Handeln eben auf das Innere ein, aber ebenso kann ich auch nicht sagen, was sich abwickeln wird, so ich nichts empfange.“ „Du Jakobus, mit dir möchte ich ganz eins werden, es muss herrlich sein, so geführt zu werden!“

Pistorius weihte seine Leute ein. Niemand erfuhr von der Aufgabe, die Pistorius lösen wollte.

Weiter ging die Arbeit an dem Siedlungswerke. Niemand vermisste den Pistorius mit seinen Leuten. Der Richter hatte seine Sache mit Ramon noch nicht abgeschlossen. Der Richter verstand Jakobus gut und hielt sich zurück. Er wollte in den Prozess nicht einwirken und enthielt sich auch den anderen gegenüber von jedem Urteil.

So wird Mittag und alle sind beim Essen. Da kommt Pistorius mit seiner Karawane und hat 30 junge Männer aus den Händen der Priester befreit. Zwei Priester sind an die Pferde gebunden, sie müssen laufen, wenn sie nicht geschleift werden wollen und Pistorius führt sie dem Richter und Sardellus vor. Dieser aber ließ sie in das Gewahrsam bringen, wo ihnen wenig Wasser und Brot gereicht wurde.

Als die jungen Männer gesättigt und sich gereinigt hatten, wurden sie vernommen von den beiden Römern und wieder erlebte der Richter, wie gemein und verbrecherisch der Tempel mit Nazarenern umging.

Dann wurde der Karawanenführer vernommen, der gegen Sold im Dienste des Tempels stand. Da derselbe von den Geretteten nicht belastet wurde, wurde er zu keiner Strafe verurteilt, aber er sollte die Herberge nicht verlassen. Der Karawanenführer war ein Grieche. Klug, aber geizig. Er konnte nichts verlieren, nur gewinnen. Sein Brotherr war bisher immer mit ihm zufrieden.

 Inhaltsverzeichnis Band III