Die bissigen Hunde des Kasimir und ihre Zähmung

Die Hunde waren in einem Käfig eingesperrt, ihre Augen blitzten und sie fletschten ihre Zähne. Da streckte Jakobus seine Hände aus und winselnd legten sie sich auf den Boden. Er öffnete den Käfig und sagte: „Kommet heraus und zurichte sei alle eure Gier. Von nun an soll jeder Mensch und jedes Tier von euch nichts mehr zu befürchten haben und Alina ist eure Herrin!” Die Hunde kamen heraus, beleckten Alinas Füße und Hände und wichen nicht mehr von ihrer Seite.

Da sagte Jakobus: „Alina, was sagst du nun. Ist der Herr nicht wunderbar in Seiner Liebe, Kraft und Macht? Schau, dort kommt wutentbrannt Kasimir. Der Herr hat ihn dir in deine Hände gegeben. Ein Wort an die Hunde und dein Peiniger ist nicht mehr.”

Kasimir war sprachlos. Das hatte er nicht erwartet, dass seine Hunde, die er nur für sich dressiert hatte, jetzt einem fremden Einfluss unterlagen. Er rief sie mit Namen, sie aber bewegten nicht einmal die Rute. Da ging er wie ein Geschlagener in sein Zelt. Für ihn war die Welt leer. Die Leute aber, die da zitterten, als Jakobus in den Käfig ging und nun das große Wunder erlebten, kamen und sagten: „Alina, Alina, was ist geschehen, die Hunde tun uns ja nichts zuleide. Sag, was ist geschehen?”

Alina: „Nichts, ihr lieben Brüder als nur das, dass unser treuer Gott und Herr in Jakobus uns Seine Liebe und Macht offenbarte. Bittet Jakobus, dass Er euch einmal diene, wie Er heute Baltasar diente. Was ich da vernahm, meine Brüder, ist mehr denn Liebe und Macht, das ist der Himmel des Heiligen und Gesalbten.”

Da umringten sie ihn und sagten: „Schenke uns auch deine Liebe und führe uns in die Wunder der Liebeswelt. Wie oft sehnten wir uns danach als Alina etwas erzählte und unser Herr wollte es nicht dulden.” Jakobus: „Dann kommt ausserhalb des Lagers. Wir wollen Niemandem Ärgernis erregen.”

Die Männer lagerten sich im Kreise, Alina stand mitten unter ihnen. Die großen Hunde lagen ihr zu Füßen und schauten unentwegt auf Jakobus. Dieser sagte: „Liebe Brüder, eurem Wunsche entgegenkommend, grüße ich euch aus der Liebe des Herrn und Meisters Jesu. Ich grüße euch in Seinem Liebesgeiste und verkünde euch Seinen Liebessegen und Seinen Frieden, der allen, allen gilt. Leider ist noch des Glaubens zu wenig, leider ist auch noch das Vertrauen zu schwach, denn ganz, ganz anders könnte euch die Herrlichkeit Seiner Liebe offenbart werden, da auch, um dieses zu erfassen, eine Hingabe und Reife gehört.

Euer Leben ist nur ein Ringen um Erhaltung. In euerm Leben ist mehr Leid und Sorge als Freude. Mit Reden und Trostworten ist aber all die tägliche Sorge und das viele, viele Leid nicht hinwegzuzaubern. Es ist da und wird immer da sein, weil der Mensch in seiner Seele aus dem lebt, was der tränensatten Erde die Erhaltung gibt. Warum das Leid, fragt ihr oft, warum die Schwere in unserem Leben? Es müßte doch einen Gott, der Liebe ist, erbarmen! Und in dieser Stunde sage ich euch: Ja, Gott erbarmt Sich, nicht nur eurer, sondern aller ; aber die Menschen glauben es nicht und gehen trotzdem ihre eigenen Wege. Da rang sich aus dem Erbarmen die Liebe aller Liebe hervor und wurde Mensch. Mensch wie wir und mitten im Leid, mitten in dem Lebenskampf wurde in dem Menschen, der Sein Göttliches, welches das Innerste in Seinem Ich war, herauswachsen lassen mußte und wurde zum Gottessohn. Jesus hieß dieser Mensch. Jesus, der Gottessohn, stellte sich inmitten alles Leides und wurde zum Träger eines Geistes, der alles Leid und Weh heilen und lindern konnte. Er wurde das Gefäß des Geistes, das allen Menschen verheißen ist, so man wahrhaft glauben und in diesem Glauben verharrt bis zum Ende.

So ihr nun glaubt an diesen Jesus und an Seiner Liebe euch bereichert, indem ihr Liebe untereinander übt und alles Leid der anderen lindern wollt aus dieser Liebe, wird euch Seine Liebe und Sein Leben offenbar. Auch wir haben Seine Liebe und Tröstungen erfahren. Erst in den letzten Tagen ist wieder soviel der herrlichen Jesusliebe offenbar geworden, wie euch Bruder Baltasar bezeugen kann. Diese Liebe kündet euch nun Seine Liebe zu euch. Kündet euch, dass Er Vorsorge getroffen hat, dass Er immer im Geiste bei und unter euch sein will, wie jetzt in dieser Stunde. Ist es nicht das Wunder Seiner Liebe, dass diese gefürchteten Hunde, die die kluge Berechnung eines Menschen zu Bestien erzog, auf einmal zahm wie Lämmer sind?

Was wäre aus Alina geworden, wenn ich nicht das Gefäß Seiner offenbarenden Liebe wäre? Nur weil wir glaubten in dem Bewusstsein, immer Diener jener herrlichen und heiligen Liebe zu sein, führte uns der Herr dorthin, wo Alina weilte und warum? Weil alles Leid der Alina zu dem erbarmenden Liebeherzen Gottes gedrungen war. So erlebten wir Liebe über Liebe. Auch ihr werdet immer mehr und mehr diese Liebe erleben, wenn ihr in dieser Liebe und in diesem Geiste wachset und bereit seid, andere glücklich und froh zu machen.

Als in einer Stunde, wo alles Leid uns niederdrückte, alle Aussicht auf Hilfe aussichtslos war, die die Wogen der Welt uns verschlingen wollten, trat der Herr mitten unter uns und sagte: `O ihr schwachen und kleingläubigen Menschen, warum vergesset ihr, dass ihr einen starken Gott und Vater habt. Alles Leid wird vergehen und alle Last wird zunichte, wenn ihr in Mir stark und ruhig werdet.` Und was geschah? Alle Peiniger gingen von uns und der sterbende Bruder erholte sich zusehends und in kurzer Zeit konnten wir nur danken und uns freuen.

Nun glaube ich, euch vorläufig genug gesagt zu haben, beherzigt diese meine Worte und nehmt hin den Segen Gottes. Er sei euch Trost, Kraft und Freude!”

Wie strahlten die Augen der armen Brüder. Solche Worte hatten sie noch niemals vernommen.

Baltasar trat vor und sagte: „Liebe Brüder, glaubet unserem Bruder Jakobus, denn seine Worte sind gleich Gottesworte und seine Liebe, mit der er allen Menschen dient, ist Gottesliebe in ihm. Viel zu wenig hat er euch gesagt, doch es ist übergenug zur Stunde. Solltet ihr euch freimachen können, so tut es. Eure Seele verkümmert in diesem euren Sein und von der großen Freiheit des Menschen wisst ihr so gut wie nichts. Was war ich trotz meines nicht kleinen Besitzes für ein armer Mensch und heute bin ich reich, überreich, weil ich die Liebe des Heiligen Gottes und Seines Sohnes Jesus besitze. In dieser Liebe wird mir die Erde zum Himmel und alles Leid ist und wird zum Mittel um immer mehr und mehr zu verwachsen mit dem herrlichen Gott, der ein guter und treuer Vater Seiner Kinder ist, im Himmel und auf Erden. Ich weiß, zu wem ich beten kann, ich weiß, wer mich versteht und ich bin reich in dieser Liebe, weil ich auch andere verstehen kann. So wollen wir uns wieder entfernen, da es die Pflicht erfordert. Tut auch eure Pflicht, damit alle erfahren, dass auch ihr Gotteskinder seid.”

 Inhaltsverzeichnis Band III