Einkehr bei Elegius/Amatus

Als sie in die Stube eintraten, ist nur ein Gast da und der Wirt, ein alter Grieche, spricht: „Seid herzlich willkommen und was ist euer Begehr?” Baltasar sieht ihn lange an und spricht: „Bist du nicht Elegius, der Priester von Annah?” Ich bin Baltasar. Elegius: “Dich hätte ich nicht wieder erkannt, Baltasar, du hast recht gesehen - ich bin es, aber nicht mehr Priester.”

Baltasar: „Das ist aber schade! Priester sein ist doch der herrlichste Beruf? Wir benötigen für heute eine Kammer für mich und meinen Bruder und einen Stall für meine Tiere.” Elegius: „Es geht in Ordnung, Baltasar, wir haben heute noch viele zu bewirten, entschuldigt bitte, wenn ihr etwas warten müsst.” Der Gast schaute auf, es war Amatus.

Jakobus grüßte ihn mit dem Kopfe, ging auf ihn zu und sagte: „Amatus, würdest du mir bis Damaskus einen Platz auf irgend einem in deiner Karawane gewähren? Ich bin allein und besitze nichts, als was ich auf dem Leibe habe.”

Amatus: „Wenn du mir, wenn es not an Hilfe ist, gern zur Hand gehst, dann gern, doch wisse du bist ein Jude und ich verlange, dass du mir meine Leute mit deinem Jehova in Ruhe lässt.” Jakobus: „Sei unbesorgt, ich will nichts anderes, als meinen Jehova keine Schande machen, aber dafür allen Menschen Freude, auch dir und deinen Leuten.

Amatus: „Dann ist es gut, aber wie kommt es, dass dich Baltasar als deinen Bruder ausgibt?” Jakobus: „Baltasar ist mir und ich ihm wirklich Bruder, da wir beide einen Gott und einen Vater haben. Wir sind nur noch heute zusammen und darum entschuldige, wenn ich diesen Tag mit ihm noch zusammen sein möchte. Wir können uns noch sechs Tage aussprechen. Wenn du dich aber an unsere Unterhaltung nicht stößt, dann wisse, unsere Unterhaltung dreht sich um Jesus, dem Heiland und ich bin Jakobus, Sein Bruder und jetzt Zeuge Seiner Liebes- und Lebenslehre.”

Amatus geht zu Baltasar und spricht: „Ich kenne dich schon lange, dass du aber mit Juden Bruderschaft machst, geht mir nicht in meinen Verstand. Du musst nicht bei Sinnen gewesen sein,. dich so zu vergessen. Bist du denn nicht im Bilde, was heute alles geschieht seit eben dieser Jesus den Menschen den Kopf verdreht? Noch nie war die Not des Menschen so ins Riesengroße gestiegen als jetzt und wir Römer können einfach nichts dagegen tun. Vor einigen Tagen erst haben wir eine große Karawane getroffen, die nichts als nur Menschen hatte. Ich habe leider kein Recht und auch keine Soldaten, sonst wäre es den Juden schlecht ergangen.”

Baltasar: „Amatus, ich sehe jetzt alles mit ganz anderen Augen, das, was dich empörte, ist Verbrechen, daran ist aber der Mensch selbst schuld. Die seinwollenden Priester handeln ja aus eigenen Willen und nicht nach Jehovas Willen und die Anhänger des Heilandes Jesu, sind wohl bereit, für Ihn zu sterben und jede Last auf sich zu nehmen, aber sie alle haben noch falsche Begriffe - wie du.”

„Wieso,” fragt Amatus. „Was habe ich mit Juden zu schaffen? Nichts - gar nichts! Nicht einmal ihre Herberge nehme ich in Anspruch, mich ekelt dieser Judenglaube. Bei unseren Göttern ist ja auch nichts Göttliches zu erleben, aber menschlicher geht es zu.”

Baltasar: „Du sprichst recht, weil du noch nichts Göttliches erlebtest. Wenn du aber Dinge erlebt hättest wie ich, würdest du vielleicht alle Menschen umarmen! Wir wollen auch nicht streiten, sondern uns freuen, denn jede Begegnung mit einem Menschen sehe ich heute als ein Geschenk des ewigen Gottes an und dieses macht mir Freude!

Amatus: „Auch wenn der Andere dir nichts Gutes will?“ Baltasar. „Auch da, denn alles, was mir heute im Leben begegnet oder widerfährt, hat sein Gutes und wenn ich nur daran lerne. Du aber möchtest jedem aus dem Wege gehen, an dem du keinen Vorteil hast.“

Amatus: Ganz recht, aber im Sinne meines Herrn, Dem ich verpflichtet bin. Ist die nicht in Ordnung?“ Baltasar: „Aber gewiss, darum wundere dich nicht, wenn andere auch so denken und doch werdet ihr trotz allem eurem Vorteil ärmer und ärmer. Es gibt nur ein Leben und das ist dieses, welches sich für andere einsetzt. Dies ist meine Aufgabe und dabei gewinne ich doppelt. Erstens die Liebe und Achtung meiner Mitmenschen und zweitens die Liebe und den Segen des Herrn. Wenn ich dir alles schildern wollte, was ich an Segen erlebe, so würdest du mich nicht verstehen. Eines aber sei dir gesagt, dass du heute Jakobus bei dir aufgenommen hast, ist Gottes Wille, Dem du aus dem Wege gehen willst.“

Amatus: „Dann ist es eben schlimm für deine Jakobus, denn in meinem Lager gilt nur mein Wille und ich habe das Wort des Jakobus, dass er mir meine Leute mit Jehova in Ruhe lässt. Stimmt es Jakobus?“ Jakobus: „Ja, es stimmt, vor mir habt ihr Ruhe. Ob ihr aber vor Gott Ruhe haben werdet, ist abzuwarten. Schon jetzt sage ich dir, Gott kannst du nicht entfliehen und je eher du ihn suchst, desto besser ist es für dich.“

Amatus: „Jakobus, bange machen gilt nicht und deine Worte flössen mir nicht die geringste Sorge ein.“ „Ich möchte dich auch nicht unglücklich machen, sondern ganz glücklich sehen“, erwiderte Jakobus. „Dass du mich aufgenommen hast, ist mir und meinem Gott ein großer Dienst und dafür bin nicht nur ich, sondern auch der Ewige Gott dankbar!“

Der alte Elegius kommt und bringt Salz, Brot und Wein und spricht: „Bis zum Mittagsmahl dauert es noch ein Weile. Stärkt euch, vorläufig kann ich euch nichts anderes bieten.“ Baltasar: „Aber Freund, entschuldige dich doch nicht. Dein Brot und dein Wein wird uns schmecken als käme es aus des Kaisers Brotkammer. Du weißt ja gar nicht, wie gut dein Brot schmeckt.“

Elegius: „Aber Baltasar, wie redest du da. Ich, der Wirt, der das Brot selbst gebacken hat, soll nicht wissen wie es schmeckt, da hört doch alles auf.“ Baltasar: „O nein, Elegius, es geht erst richtig an. Komm iss mit uns und bringe auch Amatus einen Becher, er wird auch mit uns trinken.“

Als Elegius mit noch zwei Bechern kam und einschenkte, sieht er, dass er einen anderen Wein hat, er kostete ihn und spricht: „Was ist denn das für ein Wein?“ Er nimmt auch etwas Brot, kostet es und geht in die Küche zu seinem Weibe; als er wieder kommt, sagt er: „Mein Weib sagt, ich wäre betrunken, es wäre doch das alte Brot und auch der alte Wein, koste du, Amatus.“

Amatus kostet und spricht: „Elegius, wirklich, du musst betrunken sein, dein Brot und dein Wein ist derselbe wie gestern, ich wüsste nicht, das dieses anderes Brot wäre.“

Jakobus: „Nun koste noch einmal, Amatus, der Herr will, dass dir Seine Segnungen nicht vorenthalten werden.”

Amatus sieht Jakobus und Baltasar an, nimmt das Brot, bricht sich ein Stückchen ab, kostet es und spricht: „Das ist ein anderer, besserer Geschmack, ich stehe vor einem Rätsel.” Nun kostet er auch den Wein, trinkt immer wieder, schüttelt seinen Kopf, steht auf und spricht: „Nun ist aber Schluss, entweder ich bin ein Narr oder ihr seid es. Es ist bestimmt ein anderer Wein und zwar ein viel besserer.”

Jakobus sieht Amatus scharf an und spricht: „Amatus, die Segnungen aus der Kraft Gotts sind keine Narreteinen, sondern sehr ernste und gewaltige Sprachen aus Ihm.. Du brauchst es ja nicht anzuerkennen, nur ist es besser für dich, wenn du die Beweise der Gotteskraft als wirkliche ansiehst. Wie muss denn nach deinen Begriffen Gott sein, den du anerkennen willst? Mit deinen Göttern bist du ja auch nicht zufrieden, wenn du es auch nicht nach außen merken lässt.”

Amatus: „Jakobus, ich will nichts mit euerm Gott zu tun haben, meine Gründe kennst du ja, ich möchte dich bitten, lasse mich in Ruhe.” Jakobus: „Gut, Amatus, dein Wille ist Gott heilig, mir wird er auch heilig sein, und nun wirst du bitten müssen, wenn du Gott brauchst. Du aber, Elegius, koste nicht nur, sondern esse und trinke nach Herzenslust und bringe deinem Weibe davon, damit sie auch die Wunder grosser Gottesliebe erlebe!”

Elegius: „Da will ich lieber mein Weib holen, es ist besser, sie erlebt durch euch die Wahrheit.”

Jarmela kommt und spricht: „Ist es denn gar so wichtig, dass ich von meiner Arbeit zu euch kommen muss?” Baltasar: „Es ist so, das Brot und den Wein sollst du nochmals kosten, denn Elegius ist nicht betrunken sondern voll der größten Freude und er weiß warum!”

Jarmela sieht die Männer an, rasch nimmt sie das Brot, bricht etwas ab und isst es langsam - schüttelt ihren Kopf, dann nimmt sie den Becher, der vor ihrem Mann steht und kostet ganz langsam und spricht: „Elegius, du hast recht und es schmeckt ganz anders. Lasse dich unterrichten, wie wir zu diesem Brot und Wein kommen. Ich muss in die Küche, sonst wird das Essen nicht fertig.”

Elegius spricht: „Nun habt ihr gehört was Jarmela sagte. Es ist nun an euch, mir die Wahrheit nicht vorzuenthalten.”

Amatus steht auf und spricht: „Mir ist es wichtiger, nach meinen Leuten zu sehen. Morgen ist ja Sabbat und da wollen sie nichts tun und es ist nötig, dass ich übermorgen weiter fahre.”

Jakobus sagte nichts, aber Elegius spricht: „Das wundert mich nicht, dass Amatus euch meidet, denn nun weiß ich, ihr seid Anhänger des Gekreuzigten! Mit wäre es lieb, ich könnte von euch die ganze Wahrheit erfahren. Zuviel des sich Widersprechenden ist geschehen.” „Ganz recht”, erwiderte Baltasar, darum ist ja Jakobus hier, um euch die Wahrheit und Licht zu bringen. Mit dir ist leicht reden, da du dich ja schon von deinen Göttern frei gemacht hast.”

Elegius: “Ich bin noch nicht frei, Baltasar, noch treten in mir Zweifel über Zweifel auf, ob ich wirklich recht tat. Sehe ich aber auf den Nutzen der Gütter, da verschwindet alles Trübe, denn Nutzen hatten nur die Priester und dieses konnte ich nicht mehr vertreten.”

Baltasar: „Du wirst nicht genug Worte zum Danken haben, wenn einmal das Licht aus Gott zum Durchbruch in dir gekommen ist. Jedenfalls wird Jakobus euch allen Diener sein nach dem Willen des ewigen und wahren Gottes. Der gekreuzigte Heiland und Jesus lebt. Er ist nicht im Grabe geblieben - dies zu deiner Beruhigung! Er lebt und alle, die an Ihn glauben, werden auch leben, dies ist mein Bewusstsein und meine Seligkeit schon jetzt. Was muss es aber für eine Seligkeit sein, so wir immer davon erfüllt sein werden? Dieses erfüllt mich schon jetzt mit Freuden.”

Elegius: „Baltasar, dies sind auch nur Reden und ich brauche Beweise. Das schönste Wort gilt mir nicht viel, Tatsachen wären mir lieber. Siehe, meine Tochter liegt jahrelang krank danieder und an eine Gesundung ist nicht mehr zu denken. Was in meinen Kräften und in meinen Mitteln lag, habe ich getan und der Erfolg ist gleich Null. Nein, nein, Worte sind billig und wir gehen dabei zugrunde. Wenn nur einmal alles ein Ende hätte, dann wäre Frieden.”

Baltasar: „Meinst du Elegius? Der Friede, der ein Frieden sein soll, den kann aber nur Der geben, Der da Friede und Ruhe ist und dieses ist Gott von Ewigkeit zu Ewigkeit!

Sieh mich an, ich bin auch nur ein Mensch und doch innerlich so reich und voll der herrlichsten Ruhe. Wem verdanke ich aber dieses? Nur Gott, Dem Ewigen Lebendigen, der mir durch Jakobus offenbart wurde.”

Elegius spricht zu Jakobus: „Kann ich auch zu dieser Ruhe kommen und was muss ich tun?” Jakobus: “Glaube an den wahren Gott, der uns in Jesu offenbart wurde, aber nicht, wie es die Heiden tun, sondern lebendig, mit dem Herzen!” Elegius: „Mit dem Herzen? Du sprichst in Rätseln!”

Jakobus: „Nein lieber Freund, ganz natürlich soll dein Glaube sein.Wie wir mit dem Herzen das Heiligst hüten und uns kein Opfer zu groß ist, so soll es auch mit dem Glauben an den wahren Gott sein. Der Glaube soll uns beleben und einem neuen Geist in uns Raum machen. Denn wer da glaubet und nach der Lehre des Herrn lebt, wird eine neue Kreatur werden. Alles Alte wird vergehen und Neues wird immer wieder Neues gebären. Du möchtest gern deine Jenna gesund sehen und was muss da vorausgehen? Ein Glaube , dass sie wieder gesund wird. In dir liegt Sehnsucht über Sehnsucht. Der Gott der Juden ist dir nicht fremd und doch bist du, so ein Priester der Juden kam, demselben in einem großen Bogen aus dem Weg gegangen. Als Priester musstest du aber wissen, dass in einem Priester der Gott dir entgegenkommt, den der Priester vertritt. Dieses waren ja oft deine eigenen Worte.”

Elegius: „Gewiss, aber Mann, wie kannst du dies wissen? Schon seit 10 Jahren bin ich nicht mehr Priester.”

Jakobus: „Ich weiß auch nichts, aber der Gott, der in mir entgegenkommt, weiß es und Er weiß noch viel mehr, du wirst viel gutzumachen haben; denn die Krankheit deiner Jenna ist die Auswirkung der vielen Flüche, die man dir sandte.”

Elegius: „Jakobus, ich möchte doch gutmachen,aber man muss es auch können. Wenn dein Gott dieses weiß, wird Er auch wissen um meine Mühe.”

Jakobus: Er weiß es, aber es ist nutzlos, weil du nicht im dem Geiste gutmachen willst, der dir die Geschädigten zu Freunden macht, sondern um Ruhe vor ihnen zu haben.”

Elegius: „Jakobus, ich bin ein großer Schuldner und ohnmächtig den Verhältnissen gegenüber, warum muß aber darunter meine Tochter leiden?”

Jakobus: „Siehe, lieber Freund, wen Gott lieb hat, den straft Er mit seinem Liebsten auf der Erde. Jenna ist dir das Liebste, ihr Tod wäre auch der Deine und Gott kann dich nicht aufgeben, weil du eine große Mission zu erfüllen hast. Kannst du da glauben, dass dich Gott fallen ließe, so Er noch genug Mittel hat, dich zu gewinnen? Sei versichert, dass auch Gott immer an dich glaubte, trotzdem du Ihm immer aus dem Wege gingst. In dem Augenblick, wo du alles Hemmende abstreifst und dich ganz Gott ergibst, wird deine Jenna genesen.”

Elegius: „Wird meine Jenna genesen. O Freund, alles werde ich tun um Jenna’s willen und alles will ich auferlegen, um Gott zu erkennen und in Seiner Wahrheit selbst gesund zu werden.“

Inzwischen waren die Leute des Amatus gekommen. Sie nahmen an den Tischen Platz. Es war nun keine Zeit mehr, sich zu unterhalten. Zwei Töchter, liebliche Mädchen, brachten die Speisen und ohne viel zu reden ging das Essen los.

Auch Baltasar und Jakobus bekamen von der Mahlzeit, welches sie auch mit segnenden Gedanken verzehrten. Es wurde noch viel Lärm von den Leuten gemacht, aber nach einer kurzen Pause verließen sie alle das Gastzimmer, um ihre Arbeiten zu vollenden. Der Sabbat war ihr einziger Ruhetag.

Baltasar sagte: „Was tun wir. Es geht doch nicht, dass wir hier müßig sitzen. Hast du eine Aufgabe?“ Jakobus: „Eine große –mein Bruder. Jenna müssen wir vorbereiten und das kannst du, weil sie dich kennt.“

Baltasar: „Sie war aber noch ein Kind, Jakobus. Ich kann sie mir nicht mehr so recht vorstellen.“

Da kam Elegius zu den beiden und sagte: „Es ist heute ganz schlimm mit Jenna. Was meinst du, Bruder, würdest du und Jakobus einige Minuten zu Jenna gehen. Hat doch der Heiland Jesus so viele geheilt, könntest du nicht einmal die Kraft aus Gott an ihr versuchen?“

Baltasar: „Nein Bruder, es geht nicht, denn mit der Kraft Gottes macht man keine Versuche. Entweder man glaubt an die Kraft und man ist der Mittler zwischen Gott und den Kranken, oder man unterlässt es.“ Elegius: „Ich glaube, ich verstehe dich. Gott verlangt den ganzen Menschen oder nichts, ist es so?“

Jakobus: „Jetzt hast du verstanden; aber Baltasar mag sie besuchen. Ich gehe inzwischen einmal zu den Leuten des Amatus, da ich ja eigentlich zu ihnen gehöre.“

So geschah es. Baltasar ging zu der kranken Jenna und Jakobus ging hinaus zu den arbeitenden Leuten, die an einigen Wagen Ausbesserungen machten, aber es wollte nicht so richtig gehen, es waren doch keine Bauleute. Jakobus sah dies auf den ersten Blick und ohne zu fragen griff er nach dem Werkzeug und half so gut es eben mit dem mangelhaften Werkzeug ging.

So verging der ganzen Nachmittag und die Arbeit wurde geschafft. Amatus bemerkte dies mit Freuden und sagte: „Jakobus, heute hast du mir einen großen Dienst erwiesen, ich denke gut nach Damaskus zukommen.“

Jakobus: „Nein, Amatus, dort der fünfte Wagen hält die Fahrt nicht mehr aus. Zuviel hast du aufgeladen, die Achse hält die Last nicht mehr aus.“ Amatus: „Dein Gott will mir wohl bange machen. Nein, da habe ich keine Sorge, es ist mein bester Wagen und der wird noch manche Fahrt mitmachen, obwohl ich zugeben muss, es ist wirklich viel aufgeladen.“

Jakobus: „Amatus, es war nur ein Rat, nicht der meines Gottes, ich kann dieses nicht von meinem Gott sagen lassen, denn sonst würden die Hindernisse für dich zu groß werden, so du Gott brauchst.“ Amatus: Dann nichts für ungut, Jakobus. Ihr Juden seid eben ganz sonderbare Menschen, doch es freut mich, dass du deinen Gott rechtfertigst.“

Baltasar kommt und besieht mit Kennerblick die Wagen. Er muss zugeben, die Karawane ist in Ordnung, die Tiere in guter Pflege und das Reittier des Amatus ein edler Hengst. Amatus ruft das Tier, schnuppert es Jakobus an und wetzt den Kopf an seinem Arm. Amatus fällt bald aus den Wolken, denn das Pferd hat noch keinen Menschen die Liebkosung bewiesen. Er fragt: „Bist du ein Tierfreund, Jakobus?“

Jakobus: „Ich liebe alle Geschöpfe Gottes und ersehe darin die große Weisheit und Ordnung Gottes. Ich bin kein Kenner der Tiere. Dieses muss aber ein edles Tier sein, weil die ganze Art des Tieres eine Feinheit von sich gibt, die ich noch nie beobachtete.“

Amatus gab Jakobus einige Datteln und sagte: „Gib ihm diese Datteln, dann kannst du urteilen.“ Jakobus hielt die Datteln auf der Hand dem Tier hin und ganz behutsam nahm es jedes Mal eine Dattel und verzehrte sie, aber ohne Hast, sondern mit Genuss und Jakobus sagte: „Amatus, so habe ich nur Kinder erlebt, wahrlich hier hat Gott einen Reichtum in diesem Tier offenbart, der alle Menschen zum Nachdenken bringen sollte.“ Nun streichelte auch Jakobus das Tier und sagte zu ihm: „Rit, heute hast du mir große Freude gemacht, bleibe wie du bist.“

Nun ging man in das Gastzimmer zurück, alle waren hungrig und das bereitete Mahl schmeckte gut. Zu aller Staunen kam die kranke Jenna in das Zimmer und suchte Baltasar, der ihr von Jakobus erzählt hatte. Sie hatte ihre Schwäche überwunden und wollte den sehen, der das Zeugnis weiter trug von dem Heiland, der für alle gestorben und vom Tode auferstanden sei.

Niemand von den Vielen hatte ja gewusst, dass der Wirt eine kranke Tochter hatte und nun schauten sie die abgezehrte und leidende Mädchengestalt, die bei allen großes Mitleid auslöste.

Jakobus ging ihr entgegen und führte sie an seinen Platz. Dann sagte er: „Jenna lasse deine Sehnsucht zu dem Heiland Liebe werden und du wirst das Wunder Seiner Liebe erleben. Groß ist die Gnade, aber größer das Leben und in Seinem Leben wirst du erstehen und gesunden.“

„Warum muss ich so leiden“, fragte Jenna, „warum muss ich alles entbehren, was meine Geschwister haben. Ich möchte doch nicht mehr Last, sondern Freude sein. Niemand kann mir die rechte Antwort geben. Gern will ich weiter leiden, wenn ich den Grund weiß.“

Jakobus: „Jenna, der Grund ist der, das dich Gott zu Großem berufen hat. Um dieses zu erreichen, war nur durch dein Leiden möglich. Frage nie mehr, hörst du, nie mehr danach, denn Gott kannst du nicht damit wehe tun, sondern denen, die dich lieben. Dein Leid ist die Sprache des Liebenden Gottes und die Kraft, mit der du alle Schmerzen trugst, sind Gottes Kräfte. Längst wärest du nicht mehr nach menschlichen Ermessen, aber nun sollen alle Schmerzen weichen und deine Schwäche wird sich nach und nach verlieren, je nach dem Grad, wie die Aufgabe erfüllt ist, die der ewige wahre Gott erreichen wollte.“

Jenna: „Was ist das für eine Aufgabe, kann ich dabei helfen?“ Jakobus: „Nein, Jenna, nur wachsen sollst du in dem Glauben an den Gott, den ihr nicht kennt und Der in mir zu euch gekommen ist.“

Jenna: „Erzähle mir von dem Gott. Wie sieht Er aus und was verlangt Er als Opfer? Ist Er erzürnt, weil wir nichts von Ihm wissen?“ Jakobus: „Jenna, Gott ist die höchste Liebe, die größte Erbarmung und Sein Leben ein Ewiges, aber in Herrlichkeit, für die ein Mensch noch keinen Ausdruck hat. Du wirst noch Seine Herrlichkeit erleben, wenn du an Ihn glauben wirst und den Willen hast, dich ganz Ihm zu geben.“

Jenna: „Wenn ich meinen Lieben und allen Menschen Freude machen kann, gern, auch wenn ich nichts davon hätte.“ Jakobus: „Jenna mit diesem Bekenntnis öffnest du die Tür dem Heiland aller Heilande und so trinke von dem Wein, den diese Liebe für dich spendet – sei ohne Furcht, es wird dir nicht schaden.“

Jenna sieht auf ihren zitternden Vater und dann trinkt sie den Becher aus und sagt: „So etwas Gutes habe ich nie getrunken. Vater, Mutter, viel Liebe habt ihr an mich verschwendet, aber so etwas Gutes konntet ihr mir doch nicht geben, nun tut es mir leid, dass ich alles getrunken habe.“

Jakobus. „Es war für dich, Jenna und nimm auch etwas Speise zu dir; dann kannst du mit uns den Abend verleben ohne dass du wieder einen Rückfall erlebst.“

Jakobus erzählte nun aus des Heilandes Wirken und Schaffen, von den Wundertaten an Kranken, Blinden und Tauben und ein williges Ohr nahm alle Worte gläubig auf. Jenna aber war noch nicht zufrieden, mehr noch wollte sie hören von Ihm, von Seiner Mutter, Seinem Vater und den Geschwistern. Jakobus wurde nicht müde, die Herzen zu sättigen und machte das Verlangen immer größer.

Unter den Leuten des Amatus waren auch einige Juden, die wegen geringer Vergehen gegen den Tempel ihr Vaterland verlassen hatten. Einer namens Thomas sagte: „Das alles habe ich schon gehört, aber die Furcht vor den Priestern schloss mir den Mund, da ich ihre Strafe fürchte, aber von diesem Heiland Jesu habe ich auch Dinge vernommen, die Er nur mit Hilfe des Bösen ausgeführt hätte.“

Jakobus: Das ist nicht zu verwundern, Jesus war dem Tempel und seinen Dienern ein Dorn im Auge und mit scheelen Augen verfolgten sie alle Handlungen. Was sie tun konnten, um Ihn zu schädigen, taten sie, und leider ist manches hängen geblieben. Du aber, Thomas, hättest nicht nötig gehabt zu fliehen. Wärest du nur ein einziges Mal zu Ihm gekommen, wäre dir viel Ungemach erspart geblieben. Deine Eltern sind vor Gram gestorben und deine Schwester ist ein Opfer des Tempels geworden.“

Thomas: „Woher weißt du das, ich sprach zu niemandem davon!“

Jakobus: „Gott Der Ewige weiß um alle Dinge, Er weiß auch, dass du deine Schwester bald finden wirst und du kannst ihr dann Bruder und Hilfe sein und daran wirst du erkennen, dass der Heiland Jesu, der auch heute noch wirkend im Geiste mit unter uns ist, nicht im Geiste und im Auftrag des Bösen handelt, sondern aus Seinem Geiste, der nur Liebe, Reinheit und Göttlichkeit ist!“

Jenna spricht: „Du guter Freund, heute bist du bei uns, sprich von dem Heiland Jesu, an Ihm liegt mir und um Ihn lieben zu lernen, muss ich Ihn auch kennen lernen.“

Jakobus: Jenna, ich werde dir ein Wesensbild geben, um deine Sehnsucht zu befriedigen. Also höre: „Dieser Jesus war mein Bruder und der einzige Sohn Seiner Mutter Maria, die um Ihn Leiden und Schmerzen ausstehen musste, schon ehe Er geboren war. Nach der Geburt, dem größten Wunder aller Zeiten, setzten auch schon die Verfolgungen ein, die uns allen wohl Sorgen, aber auch die Herrlichkeit Gottes offenbarten. In Ägypten lebten wir einige Zeit, dann kamen wir nach Nazareth, wo wir unser Handwerk betrieben.

Jesus wuchs und gedieh, wie ein jedes Kind, und alle Herrlichkeiten wurden mit Seinem Wachsen weniger. Je größer Jesus wurde, desto geringer wurde unser Glaube an Seine Herrlichkeiten, die wir als Kind mit Ihm verlebten. Als Er aber in das Jünglingsalter kam, wurden unsere Erwartungen ganz zunichte und statt Herrlichkeiten erlebten wir nur Enttäuschungen. So verging die Zeit und die Kämpfe wurden nicht weniger, da ja Jesus auf unsere menschlichen Einwendungen gar keine Rücksicht mehr nahm und nur Sein Ziel, die Einung mit dem Gottes Geiste in Sich zu erreichen suchte. Es ist Ihm gelungen. Von all den Kämpfen und Enttäuschungen will ich schweigen, da ja nicht unsere, sondern die Wesenheit Jesu hervorgehoben werden soll.

Mit 30 Jahren war es soweit und wir alle haben einsehen müssen, wie schwer wir es unserem Bruder gemacht haben. Aus Seinem Munde aber kam kein Wort des Vorwurfes. Endlich aber war Er am Ziel und Er sprach: `Es ist soweit, der Ruf Gottes ist an Mich ergangen` und so gab es für Ihn kein Zurück mehr.

Jesus unternahm noch eine Selbstprobe. Er prüfte Sich bis in das Allerinnerste und dann wurde eine Herrlichkeit offenbar allen denen, die an Ihn glaubten. O, meine Freunde, und vor allem du, Jenna, was das Allergrößte an und in Jesus war, das war Seine Liebe und Erbarmung! Überall wo Er hinkam, brachte Er Freude, brachte Er Erlösung von Übeln, die sich in den Seelen und Körpern eingenistet hatten und Seinen Feinden zeigte Er mit einem Mut und einer Geduld das Leben des Vaters im Himmel, welches in Ihm in allem Tun, Handeln und Wirken zum Ausdruck kam.

Mit Hass verfolgte Ihn der Tempel. Viel Volk lief Ihm nach und dabei litt keiner Hunger oder Durst. So mancher Priester bekehrte sich und wurde Sein Jünger. So mancher hohe Römer hätte gern alle seine Schätze Ihn zu Füßen gelegt, wenn Er sie angenommen hätte. Jesus blieb an äußeren Gütern arm und trug doch einen Reichtum in sich, den damals kein Mensch ahnen konnte, selbst wir nicht. Kam Er in eine Herberge, hörten die Unkosten für den Wirt auf und alle wurden wunderbar gesättigt, allen Kranken wurde geholfen und dann war Seine Lehre der allergrößten Weisheit mit der herrlichsten Liebe verbunden.

Ja, ihr lieben Freunde, es klingt unglaublich, Engel dienten uns Menschen und offenbarten eine Herrlichkeit, die an Märchen grenzt und dabei war alles so natürlich, so klar, dass es auch nicht den geringsten Zweifel hervorrufen konnte. Diese Zeit dauerte an 3 Jahre, dann war auch diese Seine Mission erfüllt und es kam nun für Ihn das Allerschwerste. Er musste diese Seine Liebe verewigen und Sein in Ihm wohnender Geist sollte ja das Vermächtnis werden an alle, die an Ihn glaubten. Es konnte nur durch die Hingabe Seines eigenen irdischen Lebens sein und auch dies Opfer brachte Er uns und starb am Kreuze.

Welch ein Trauern um den geliebten Menschen. Wir alle waren geschlagen und die Hölle triumphierte. Da erstand Er am dritten Tage und machte alles Leid und alle Trauer zu Freude und Leben. Er erschien uns in Seinem neuen unzerstörbaren Leibe, gab uns Seinen Geist und wird auch weiterhin allen denen Seinen Geist schenken, die Ihm nachfolgen werden! So fuhr Er dann, uns allen sichtbar, gen Himmel und Sein Geist belebt und erfüllt uns so, dass wir bezeugen können: Nicht ich wirke, sondern Jesus in mir, und Sein Geist führt uns in alle Wahrheit und offenbart Tiefen der Gottheit, die noch nie Menschen erfuhren!

So diene ich auch in diesem Geiste euch und es liegt an euch selbst, ob ihr in diesem Glauben an Ihn und Seine Lehre tätig werden wollt. Liebt euch und alle eure Nächsten wie euch selbst, das ist der Grundzug Seiner Liebe. Dienet euch untereinander aus diesem Seinem Geist, und in Fülle werdet ihr die Gegenwart des Herrn erleben, wie wir und alle sie erlebten. Dass der Herr in Seinem Geiste unter uns ist, bezeugt meine Liebe aus Ihm zu euch, dass er aber auch persönlich mitten unter uns ist soll Jenna bezeugen.“

Jenna schrie auf, sie breitete die Arme aus und weinend sagte sie: „Du bist es, Du bist es! Schon immer sah ich Dich in meinen Träumen ohne zu wissen, wer Du bist. O bleibe bei uns und hilf uns allen aus unserer Not und lasse uns wieder recht froh werden.“

Da sagte Jakobus aus dem Herrn: „`Meine Tochter, bald wird deine Sehnsucht gestillt und bald wirst du Meine Herrlichkeit erschauen. Von nun an soll dich kein Leiden mehr bedrücken und deine Seele soll frei erden. Darum erstehe im Glauben und in der Gewissheit, dass Ich, Dein Heiland und Ewiger Vater, es bin, der alles so zulassen musste um eures ewigen Heiles willen. Wachse in Meiner Liebe und bereichere Dich an Meinem Leben, dann werden deine Hände und Füße Mir dienen und dein Herz immer danken!

Ihr anderen aber glaubt, dass Ich es bin, der durch Menschenmund Verheißungen gibt und lasset in euch Meinem Leben und Meiner Liebe Raum gewinnen. Dass ich es aber bin, der da ist das A und das O, so soll Jenna in Gesundheit vor euch erstehen. Wer aber noch zweifelt oder gar diese Meine Liebe anfechtet, wird einen schweren Stand haben.

So segne Ich euch alle und verheiße euch Meinen Frieden und Meine Kraft, die nach dem Maße eurer Hingabe euch wird! Amen!`

Alle sahen wie Jenna ein anderes Aussehen bekam. Elegius weinte und sagte: „O Gott, o Gott, was muss ich für ein Tor gewesen sein, dass ich Dich so floh! Und nun bist Du in aller Herrlichkeit doch gekommen! Gib mir die Kraft, dass ich Dich erkennen und an Dich glauben kann um Deiner Liebe willen!“

Die anderen Schwestern umarmten Jenna und weinend sagten sie: „Jenna, wie sah der Herr aus? Was sagten Seine Augen?“ Jenna: „Schön, sehr schön! Sein Kleid war die frische aufgehende Sonne und Seine Augen sagten: Ich liebe dich!

Vater, und Mutter, mir ist so wohl, ich fühle eine Freude und einen Jubel in mir. Ich könnte vor Freude weinen und vor Jubel alle umarmen; aber ich möchte Ihn, den herrlichen Heiland, nicht betrüben, da Er ja mitten unter uns ist. Seht ihr Ihn den nicht?

Du aber, du bester Freund, der du uns das Schönste brachte, kannst du nicht immer bei uns blieben? Wir würden bestimmt auch so gute Menschen werden wie du!“

Jakobus: „Jenna, ich muss wieder mit Amatus weiterziehen, aber der Herr bleibt doch hier, und meine Liebe ist doch auch nur des Herrn Liebe. von nun an wirst du die Priesterin Seiner Liebe sein und in der Kraft Seiner Liebe wirst du vielen zum Segen werden. Komm, damit ich dir im Namen des Herrn die Hände auflege und so empfange die Gabe des Heilens aus Ihm, unserem Herrlichen und ewigen Gott. Allen, denen du dienen wirst, wird es sein, als wenn Gott ihnen diente und dein Wort soll so sein, als wenn Gott zu Ihnen gesprochen hätte.“

Noch lange blieben sie beisammen, selbst Amatus blieb. Er hüllte sich aber in Schweigen.

Jakobus hielt eine kleine Morgenfeier am Sabbat und bat, alle sollten in der rechten Ruhe bleiben und sich mehr und mehr auf den Meister einstellen, dann aber besahen sich alle die Umgebung mit anderen Augen an erhielten Beweise, wie alles Äußere zu dem Menschen sprechen kann.

 Inhaltsverzeichnis Band III