Einkehr des Griechen Baltasar

Ehe Nikolaus etwas erwidern konnte, fährt eine Karawane in den Hof, alle schauen hinaus - im nächsten Augenblick kommt ein braungebrannter Grieche. Nikolaus sehen, ihn umarmen - war eins.

Da sagte der Grieche: „Nikolaus, Herzensbruder, endlich sehe ich dich wieder,- mein Glück ist groß, größer aber wäre es so ich endlich den endgültigen Beweis hätte von dem, was du in mir angefacht hast. Überall wo ich war, höre ich Vermutungen, vernehme dieses und jenes, auch Schlechtes, aber nie kann ich die volle Wahrheit erfahren.“

Nikolaus: „Baltasar, heute erlebst du der Liebe Lahn, hier sehe ich das Häuflein glücklicher Menschen, die die Liebe des Herrn und Heilandes gestern und heute erfahren haben. Beeile dich mit deinen Leuten, dass du an dem Liebesmahl mit teilnimmst, welches wir halten wollen, um Den Herrn und Heiland zu erfreuen! Ist Er denn hier, fragte Baltasar, sich umsehend, welcher ist es denn?“

Nikolaus lächelt und spricht: „In jedem ist Er hier anwesend, was Seine größte Freude ist. Schau mich nicht so fragend an, denn in dir ist Er ja auch aufs Neue zu uns gekommen. Wir haben darum auch auf euch gerechnet mit dem Mahl.“

Das Mahl war gerichtet, die große Stube war voll, alle hatten Platz, da sagte Nikolaus: „Liebe Freunde, mein Herz ist übervoll vor Freude, ich möchte danken, aber mir fehlen die Worte. Darum sage ich nur: Herr, segne dieses Mahl, das Deine Liebe erschuf, ihr alle aber betrachtet es als Liebe von unserem so heiß ersehnten Jesus, Der im Geiste und in Seiner Liebe unter uns ist. Du aber, Herr Jesus, nimm unsere Liebe als die Deine an!“

Baltasar der neben Nikolaus saß, sagte: „Bruderherz, mir ist es als ob ich träumte, noch nie, seit ich dich kenne, waren soviel hier beisammen. Seit wann bist du denn der Templer Freund und wer ist denn der Freund an deiner Seite? Ist es einer von den Jüngern des Herrn?“

Nikolaus: „Du hast recht empfunden, es ist Jakobus, des Heilandes Bruder und Sein Sendling. Du wirst ihn hören. Diese beiden Priester an dem anderen Tische sind auf dem besten Wege, unsere und des Heilandes Freunde zu werden. In mir ist eine Riesenfreude, denn durch Jakobus ist unserem Ort viel Leid erspart geblieben und er hat ein Feuer angefacht, wie es zu des Heilandes Zeiten auch nicht anders gewesen sein kann. Wenn es so ist, Bruderherz, dann opfere ich meinen Wein, den ich in meinem Wagen habe, denn der deine ist für ein solches Fest doch zu sauer!“

Jakobus: Bruder, lasse deinen Wein in deinem Wagen, der Meister sieht deine Liebe als geschehen an. Dein Wein, Nikolaus, den du heute auf den Tisch bringst, soll dem besten Wein nicht nachstehen. Alle sollen erfahren, wie Jesus der Herr und Meister die Liebe lohnt! Du glaubtest um der Liebe willen - darum soll dein Herz übervoll vor Freude sein. Heute sollt ihr alle erleben die Gnade und den Geist, der nur erfreuen und erquicken will!“

Nikolaus voller Freude stand auf und ergriff den gefüllten Becher. Er sagte: „Meine lieben Freunde und Brüder! Wir erleben jetzt eine heilige Stunde! Der übergute Heiland Jesu hat unsere gemeinsame Liebe gesegnet. Aus Seinem übervollen Herzen spendet Er Segen über Segen, unsere Freude soll der Seinen nicht nachstehen, darum wird Er unseren Wein, der bekanntlich sauer ist, in einen süßen umwandeln.

Unsere Freude ist so groß, dass wir keinen Wunsch mehr hätten als nur den, dass Er selbst sichtbar unter uns wäre. Da wir aber uns mit Seiner Gnade begnügen, sollen wir recht dankbar bleiben. Trinket alle mit mir, auf dass Seine Liebe mit jedem Tag uns bewusster werde und wir alle Ihm zur Freude leben und uns allen zum ewigen Heile!“

Der Wein war wirklich zuckersüß - alle strahlten, weil sie nun auch ein Wunder erlebten.

Elias kostete immer und immer wieder. Er sagte zu Schimba und Simon: „Sagt uns der Wein nicht, welch große Toren wir waren. O der großen Gottesliebe, die uns aus dem Abgrund errettete! Jetzt sehe ich es erst richtig ein. Simon, kannst du dir ausdenken, wir sitzen hier beim besten Wein wo wir vor dem Richter stehen müssten. Jedenfalls möchte ich nun Jesus kennen lernen. Du, Schimba, weißt noch zu wenig, deine Kraft stützt sich auch nur auf deinen Glauben. Ich werde Jakobus bitten, mir zu helfen!“

Elias geht an den Tisch des Jakobus und spricht: „Jakobus, als Bittender komme ich zu dir. Meine Absicht, Jesus zu meiden, ist hinfällig! Ich möchte Jesus kennen lernen. Nicht Seine Macht und Kraft, durch die Er Wunder wirkt, sondern Sein Leben, Seine Liebe, mit der Er Seine Feinde zu Freunden macht. Für einen, dem Er Wohltaten über Wohltaten gab, infolge seines Glaubens und seiner Anhänglichkeit ist es nichts Grosses; denn dies tun fast alle Menschen - aber denen - die nur Schlechtes für Ihn und Seine Anhänger wollten, ist es etwas außerordentlich Grosses und so gut, wie noch nie da gewesen.

Es ist wahr - bei Seiner Kreuzigung soll Er `Vater, vergib ihnen, denn sie wissen nicht was sie tun` gesagt haben. Es ist dies eine Regung, die man öfter erlebt. Nun aber erlebe ich selbst, dass es Wahrheit ist, und der Umschwung meiner Gedanken stützt sich auf Tatsachen, die ich eben erlebe! Uns drohte Strafe, dafür erleben wir Liebe, weil wir uns überzeugen ließen, dass das Tempelgetriebe nicht mehr den Geist Jehova trägt.

Ich muss bekennen, dass dieses genug der Liebe wäre, aber nun wir eine Liebe erleben, die uns, den Unzuverlässigen - den Unerprobten zuteil wird, ist das Verlangen da. Wie ist es in Wahrheit um Jesus? Wir erleben nicht nur Seine Liebe, sondern uns wird derselbe Lohn zuteil, den die erlebten, die für Ihn gelitten haben. Es ist nicht zu viel verlangt, so ich dich bitte, gib mir Aufklärung, führe mich in das Wesen des Menschen ein, der ja kein Mensch, sondern Gott sein muss!“

Jakobus: „Dieser Bitte komme ich gern nach, da ja schon Simon weiß, dass ich nicht nur ein Jünger, sondern ein Zeuge Seiner Geburt Seines Lebens, Seiner Entwicklung, Seines Sterbens und Seiner Auferstehung bin. Und so wollen wir nicht vom Tempel oder von uns reden, sondern nur von Ihm! Von Ihm, weil Er alles getan hat um den Willen des Heiligen Vaters zu erfüllen! Er hat es vollbracht! Vollbracht aus Kräften, die wohl göttlich waren, aber die Er sich zu Eigen machen musste.

Was es an Kampf und Ringen bedeutete, kann kein Mensch ermessen, da es noch keiner fertig brachte, was es bedeutete, in einem Hause, wie bei Vater Josef zu leben, der nur ein Bestreben kannte, den Willen Jehovas und den des Tempels zu erfüllen - und kann auch nur der begreifen, der es erlebte! Wohl erlebten wir Wunder über Wunder, aber wie bald war es vergessen, wenn wir Jesus in Seinem Ringen sahen! Dieser ringende Jesus erschien uns oft als unbarmherzig. Wie oft grollte der alte Vater Josef, wie oft brach Er Mutter Maria das Herz und wie oft bestürmten wir Ihn `werde ein gehorsamer Sohn und ein lieber Bruder`. Zum Steinerweichen baten wir Ihn und was wir im Gebete errungen, und was wir uns alle an Mühe auferlegten, davon weiß niemand, nur Jesus allein.

Nun höret, meine lieben Brüder, statt dass wir Jesus förderten, hemmten wir Seine Entwicklung, statt dass wir Ihn getragen hätten mit unserer Liebe, trug Er noch unsere Schwachheit und lohnte mit Liebe unsere Verkehrtheit! Bis zu Seinem 30. Lebensjahr erlebte Er nie unsere volle Zustimmung. Wir waren wohl an Sein Leben gewöhnt, aber gingen nie mit Ihm! Jesus suchte mit allen Mitteln, die der Liebe möglich sind, uns und auch andere zu gewinnen; aber jeder Versuch Seiner Liebe schlug fehl. Es war die größte Probe Seiner Selbst, dass Er immer von denen, die Er als Mithelfer zu gewinnen suchte, enttäuscht wurde, weil sie versagten. Nur wenige alte treue Juden, Freunde von Josef stützten Ihn und nur darum, weil sie noch die Schrift verstanden.

Endlich kam die Zeit der Erlösung für uns. Wir wurden durch die Veränderung der Verhältnisse überzeugt und wurden mit Ihm völlig eins! Meine Brüder, wie auch Maria erkannten nun die heilige Mission und erlebten tausend Male die Herrlichkeit Gottes, die sich täglich, ja stündlich durch Ihn offenbarte! Von Seinen Lippen kam nie ein Vorwurf, mit keinem Wort rührte Er an unsere Schwächen, sondern Sein Bestreben war Dienen! Dienen und den Willen Gottes erfüllen, den Er ganz klar in Sich vernahm. Ebenso war es auch mit den Taten, die Er aus der Kraft Gottes vollbrachte. Um keine Schätze der Welt hätte Er etwas getan, was Gott nicht zuvor Ihm offenbart hätte. Wie oft bat man Ihn, etwas zu tun, da sagte er manchmal: `Der Vater hat in Mir noch nicht gesprochen!´

So lernten wir von Ihm Geduld und volle Hingebung, lernten den Willen des heiligen Gottes erfassen, um nicht aus uns selbst etwas zu tun, was nicht der Wille Gottes war. Obwohl Jesus in Sich ganz eins mit Gott war, Er Selbst sagte eines Tages: `Ich und der Vater sind Eins` -pflegte Er doch immer noch die heilige Zwiesprache mit Seinem Gott und Vater. Wir nannten es beten. Immer noch suchte Er in Sich nach Dingen, die sich noch nicht ganz mit dem Willen und dem Geiste Gottes deckten um nicht nur nach außen sondern auch nach innen vollendet zu sein! So verschmolz Jesus mit Seinem Vater. Alles was in Seinem Fleische lebte, war nur noch die Hülle Seiner Seele, die ganz in den Gottesgeist eingegangen war. Er hätte jederzeit Seinen Fleischleib ablegen können, aber nach dem Heil- und Erlösungsplan musste ja Sein Leib das Opfer werden, das nach außen nötig war. Nur durch das Fleisch, welches der Träger alles gebundenen Lebens ist, kann der Weg zur Erlösung folgen. Und Jesus, als Gottessohn, vollbrachte das Werk -und der Weg in die wahre Freiheit des Lebens war frei, ist frei und wird auch frei bleiben. Diese Erlösung ist die Erfüllung aller Sehnsucht, ist das Einlösen des Versprechens, welches Gott unseren Urvätern gab, ist die Erfüllung aller Verheißungen, die Gott durch den Mund Seiner Propheten gab.

Einsichtige und verständige Menschen erkennen die übergroße Gnade, die durch Jesus allen Menschen gebracht wurde. Nur verblendete und vom falschen Geist erfüllte Menschen konnten Interesse haben, dass die Mission Jesu zum Scheitern kam. Hätte Jesus durch die Ihm eigene, aus Gott gewordene Allmacht Sich Seiner Feinde erledigt, wäre noch eine Lücke gewesen in dem Werk der Erlösung. So aber war Er gehorsam bis zum Tode, ja bis zum Tode am Kreuz! Und es kann nie und nimmer das Werk der Erlösung angefochten werden, denn es gibt auch keinen anderen Weg als den, den Jesus schuf!

Liebe Brüder, Schwestern und Freunde, dies ist das klare Bild von Ihm, von Seinem Leben und Sterben! Das Bild Seiner Liebe, aber würde nur meiner Liebe zu Ihm entsprechen und darum bitte ich euch, schafft in euch durch eure Liebe zu Ihm und allen Menschen ein Bild Seiner Liebe in euch selbst! Nach dem Maße eurer Liebe wird es in euch erstehen und nach dem Geist, den ihr in euch erstehen lasst, wird Er auch tätig werden! Auch Jesus schuf Sich ein Bild Seines Himmlischen Vaters, belebte es mit Seiner Liebe und schuf somit eine Liebe zu Gott, die noch nie zu einer Zeit dagewesen war. Diese Liebe bewegte Gott zu immer größeren Offenbarungen und legte immer größere Tiefen in Jesu Seele frei, und erleichterte damit die Freiwerdung des Ringenden und Kämpfenden.

Alle die Herrlichkeiten, die wir erlebten, waren kein Geschenk Gottes, sondern die innere Welt des freigewordenen Jesus zeigte uns die Herrlichkeiten die in Ihm durch Seine Liebe, durch Seine Einswerdung mit Gott Sein Eigentum geworden waren! Ebenso verhielt es sich mit der Kraft, mit der der Meister all die großen Dinge vollbrachte! Jesus aber blieb demütig, immer herrlicher konnte sich Gott offenbaren und geben. Wir aber verstanden trotz alledem den Meister nicht. Seine Geduld. mit uns war grenzenlos. Oft sagte er:`Wie lange werde Ich euch noch ertragen müssen!` Und heute sehen wir ein, wie dumm und töricht wir waren; wenn das herbeigeeilte Volk die Herrlichkeiten Seiner Liebe erlebte, da wollte das Rühmen und Lobpreisen kein Ende nehmen. Hörten sie aber Seine herrliche Lehre, da schüttelten sie den Kopf und gingen unbefriedigt von dannen. Nur wenige waren es, die Ihn begriffen und diese Wenigen waren meistens Römer oder Griechen.“

Baltasar spricht nach einer kleinen Pause: „Freunde und Du, lieber Gottesbote, lasset mich einmal ein paar Worte sagen, denn was ich empfinde bei diesen gehörten Worten ist tausendfach mehr, als der Wein, der durch deine Kraft süß wurde. Das Bild, welches hier aufgerollt wurde, entspricht ganz meiner Sehnsucht und meiner Vorstellung, die ich mir über Gott machte.

Ich bin viel gereist, bin mit Menschen aller Art zusammengekommen, aber keiner konnte mich so für einen Menschen interessieren, wie du. Ich kenne dich nicht, aber mein Herz sagt mir, dass wir uns kennen lernen müssen und um eines bitte ich dich: Sage mir, ist uns, die wir sogenannte Heiden sind, etwas Besonderes auferlegt, um diesen, deinen Glauben anzunehmen. Es ist wohl schön, dass dieses dein uns übermitteltes Evangelium bekennt, dass er für alle sei - schon dein Besuch sagt ja selbst das. Deine Botschaft gründet sich aber nicht nur allein auf das Glauben, sondern auf das Aufnehmen dieses deines Geistes . Was muß ich tun - ist meine brennende Frage. Jesus interessiert mich gewaltig, aber andere Dinge interessieren mich auch. In der Annahme dieses deines Glaubens liegt aber auch eine Gefahr des Heuchelns oder die des Mitlaufens!“

Jakobus: „Mein Freund, deine Annahme ist rein menschlich und ist Produkt deines Verstandes. Das Evangelium von Jesu ist eine Kraft, die da selig macht - aber selig im Herzen! Willst du ein Jünger und Nachfolger Jesu sein, so bemühe dich, Jesu kennen zu lernen und dir Sein Wesen anzueignen, dann nimmst du Seinen Geist auf und dann macht Er aus dir eine neue Kreatur - einen neuen Menschen. Dein ganzes Tun und Schaffen trägt dann den Stempel dieses Jesuswesens. Dein Interesse wird zu etwas Bewusstem und dein Verstand wird zum Regulator deines Geistes im Sinne der Liebe aus Gott. Ja - noch mehr kann ich dir sagen! Du bist in diesem Geist ein Gefäß der ewigen Wahrheit aus Gott geworden! Könnte ich diese Botschaft verkörpern, wenn ich dieselbe nur im Kopfe trüge - oder könnte ich diesen Geist aus mir wohl bekunden, wenn ich nicht der Träger dieses Geistes aus Gott wäre?

An Rednern hat es noch nie gefehlt, wohl aber an Nachfolgern im Sinne des Meisters der Liebe! Er gab uns Seinen Geist, wir aber dürfen auch Seinen Geist allen übermitteln; aber zuvor muss dieses Gefäß gereinigt sein und, lieber Freund, dich zu einem Gefäß zuzubereiten für Ihn oder Seinen Geist - ist auch die einzige Bedingung. Der Meister brauchte 30 Jahre, um das Gefäß für die sich offenbarende Gottheit zu werden, wir aber sollen das Gefäß der offenbarenden Liebe aus Jesus sein und zu alledem hilft Er uns selbst, so der rechte Wille vorhanden ist. Hast du mich recht verstanden, denn in dir sehe ich noch Fragen über Fragen!“

Baltasar: „Du hast recht, in mir bewegt sich viel, bis jetzt musste ich mich nur mit Brosamen begnügen und diese waren auch noch zweifelhaft. Hier steht auf einmal das große Wunder vor uns. Ist es da nicht zu verwundern, wenn ich nun frage, ist es möglich, auch Den zu schauen, der im Geiste in mir oder bei uns ist? Das Natürliche zog ich immer dem Unnatürlichen vor; wenn der Meister der Liebe mich so erfüllen und so beleben kann, muß Er doch auch hier sein! Was ist wohl schuld, dass ich dieses Liebewesen nicht schauen darf?“

Jakobus: „Baltasar, den Wunsch haben wohl alle, die Seine Liebe erfuhren. Es ist möglich, Ihn zu erschauen, aber nicht Bedingung, denn alles hängt von der Reife und von der Sehnsucht und der Liebe ab, die zu Ihm entbrannt ist. Ja, ich muss bekennen, dass der Geist Jesu sich am herrlichsten offenbarte, wo man sich mit Seiner Liebe begnügte. Eines Seiner Worte lautete: `Wirket und lebet so, dass niemand Mich vermisst, denn ihr seid Vertreter und Repräsentanten Meiner Liebe und Erbarmung´ und sehet, liebe Freunde, wie ihr nun die Nähe und Gegenwart des Herrn fühlt und empfindet, so sollen auch alle diejenigen empfinden, die um euch sind!“

Baltasar: „Lieber Freund, ich will alle Fragen zurückstellen! Ich sehe, dass jede Frage ein noch gehegtes Misstrauen darstellt. Ich fühle nicht nur die Wahrheit deiner Worte, sondern auch das Leben, wie es Oberwasser in mir gewinnt - habe darum Dank für deine Hinweise!“

Jakobus: „So nicht, lieber Freund und Bruder, dein ganzes Leben soll ein Dank sein! Ich wirke nicht, weil ich soll, sondern weil es mir Bedürfnis ist! Das Leben der Liebe aus Jesum, unserem Herrn und Meister, gehört ja erst uns, wenn wir es den anderen übermitteln - dieser Dienst ist ja unsere Seligkeit und das Ausreifen für höhere Aufgaben. Eines Ausruhens bedarf es nicht, die Heilandsliebe ist wie ein Quell, der immer Leben spendet und in den anderen neue Quellen erschließen will. Darum beweist sich das Leben der Liebe von selbst und schließt alle Fragen aus. Hast du einmal das rechte Leben in dir aufgenommen, wirst nicht nur du zu einer neuen Schöpfung aus Gott, sondern du selbst wirst erleben, dass um dich auch alles wie neu erscheint.- Aber nun möchte Schimba etwas fragen.“

„Ja, Bruder Jakobus, ich möchte fragen, ob das alles auch das Richtige ist! Es ist mir der Gnade zu viel, ich muss mich immer noch fragen, kann das Wahrheit sein, dieses heilige und lebendige Glück in mir? Da muß dann aber der Herr mit Seiner Hilfe bald eingreifen, denn diese Seligkeit ist auf die Dauer nicht zu ertragen!“

Jakobus: „Sorge dich nicht darum, denn auch neue Prüfungen werden dein in dir entstandenes Leben festigen. Bleibe in dieser Liebe, die du durch deine Liebe, deinem Bruder Simon erwiesen hast und gar bald wirst du die Freude erleben, die aus deiner Handlung entstanden ist. Vergesset alles was dahinten ist und schauet alle auf, auf den Herrn, der unsere Zukunft ist!“

Simon spricht: „Mir ist alles noch wie ein Traum! Du sprichst -vergesset was hinter euch liegt-, ja kann man das überhaupt vergessen, was man in seiner Verkehrtheit und aus blindem Hass tat!

Ich möchte schreien vor Weh und Schmerz, weil ich das viele Leid nicht mehr gut und rückgängig machen kann. Ich sitze hier am Gnadentische und nehme die verzeihende Liebe des Herrn wie etwas Selbstverständliches hin, während die, die ich in die Sklaverei brachte, vor Sehnsucht nach Freiheit verschmachten und vielleicht irre an dem Herrn geworden sind!“

Jakobus: „Ich verstehe dich Simon, es wird dir auch schwer werden, alles gut zu machen, was du getan hast, aber warum sich mit Vorwürfen quälen, wo der Herr dir helfen will, alles ins Gleiche zu bringen? Sagte ich nicht, dass der Mensch im Geiste der Jesusliebe eine neue Kreatur wird? Im Geiste dieser Liebe versuche gutzumachen und du wirst die helfende Liebe Jesu erfahren!“ Simon: „Wenn dem so ist, dann will ich nicht säumen mit meinem ganzen Vermögen zu dienen denen, um vergessen zu machen, was ich ihnen tat.“

Baltasar geht auf Simon zu und spricht: „Freund, darf ich dir dabei helfen! Ich habe überall Handelsplätze und auch Verbindungen im Geiste dieser Liebe die ich heute erlebe diene ich dir gern. Ich habe viele Verfolgte und auch Leidende gesehen. Es würde mich mit Freude erfüllen, so ich beitragen könnte Glück zu bringen. Also schlag ein, es gilt, ein Gefäß dieser heiligen Liebe zu werden!“

Simon: „Hier - meine Hand, und werde mein Freund, so ich daran denke, ich, ein Verbrecher, der in die Galeeren gehört und jetzt durch die Gnade Gottes ein Gesegneter! Es ist zu viel - zu viel, o Elias, du mein Freund - kannst du die Gnade ermessen? Ich noch nicht, ich sehe immer noch mein Schlechtes und mein Verdorbenes!“

Nikolaus: „Nun aber Schluss mit den Vorwürfen! Ich denke, wenn der Herr dir ein neues Leben schenkte, so schenkte Er es dir nicht, um wie ein altes Weib zu klagen, sondern um ein Mann zu werden, der das Vergangene als eine böse und harte Schule ansieht und das neue Leben danach einrichtet. Heute erlebst du grosse Freude. Wie willst du aber die Freude ertragen die dir wird, wenn du dein Wiedergutmachungswerk beginnst? Säume nicht! Nicht nur unser Segen, sondern auch des Herrn Segen wird dich begleiten.

Dass du, mein Bruder Baltasar, dich erbietest, dem Simon zu helfen, ist mir Gewähr, dass das Werk gelingt! Nun will ich auch das meine tun, also höret: Schicket die Verlassenen und Heimatlosen zu mir. Hier, wo die ewige Liebe uns so Großes schenkte, soll eine Burg sein für die Verfolgten. Eine Heimat soll ihnen werden, die ihnen volle Erfüllung ihrer Sehnsucht bringt!“

Jakobus: „Meine lieben Freunde, Brüder und Schwestern - nun ist der Durchbruch erfolgt. Eurer Liebe sind nun alle Wege offen und nun bitte ich euch, verkostet noch einmal euren Wein und wir wollen anstoßen auf die Liebe, die ihr eben ausgeboren habt. So sei gesegnet, du Liebe, die nur für die anderen wirken will, sei gesegnet du Liebe, die gutmachen wird und sei gesegnet du Liebe, die neue Liebe verbreiten will im Namen des Herrn, der da spricht: `Auch Ich segne diese Liebe, die ein Teil von Meiner Liebe ist. Was aus Mir gegeben ist, ist wohl schon gesegnet aber trotz alledem segne Ich nochmals gern, um Meine Freude zu bekunden, die ich in eurer Mitte erlebe.

Wie ich als Mensch so gern diente, so diene ich auch heute und allezeit. Wie Ich keinem meiner Feinde einen Vorwurf gab, so sie sich zu mir bekannten, so gebe Ich auch euch keinen Vorwurf; denn in dem Eingehen in Meinen Liebegeist und Willen übernehme Ich das Werk zu sühnen, was in falscher Verblendung begangen wurde. Eure Liebe sei Mein Leben, dann führt euch Mein Gott die Wege, wo ihr euch bewähren könnt! Der neu gesegnete Wein sei das Sinnbild Meiner Liebe, trinket und lasset alles in euch zur Liebe werden.

Dir, Schimba, soll die Gabe des Schauens werden und löse ein was du versprachst; denn in dieser Stunde löse Ich ein, was Ich dir versprach. So seid auch ihr gesegnet in Meinem Geist und Mein Friede sei euer Leben - euer Wollen lasset Tat werden- dann wird Mein Geist euch allezeit führen die Wege, die zum Heile aller dienen! Amen.`“

Jakobus nahm den Becher und trank - desgleichen auch die anderen, dann sagte Simon: „Das größte Wunder der allerhöchsten Liebe haben wir verschmeckt. Es ist genug der Gnade und der Liebe! Lasst uns wahrhaft tätig werden. Jede Stunde unseres Säumens ist Sünde gegen diese Liebe. Noch nie war ich ein Mensch, der große Versprechen gab, aber heute tue ich es. Mein Leben soll von nun an dieser Liebe gehören.“

Jakobus spricht: „Lieber Bruder Simon! Der Herr will kein Versprechen, aber ich nehme es als Anlass und bitte dich, bleibe hier in dieser Gegend als Diener der Liebe! Schimba wird dir ein treuer Helfer sein und in Nikolaus hast du eine Stütze. So wollen wir uns auf das große Werk konzentrieren und immer bedenken, dass es doch noch so viele gibt, die die reine Wahrheit um Jesu noch nicht wissen. - Du. Baltasar, hast immer noch wünsche. darum bitte ich dich, bleibe noch bis morgen. Was du an Zeit verlierst, gewinnst du an Gnadenbeweisen, und Simon möchte dir doch aus seinem Irrtum so manches offenbaren, um dir zu danken, weil du ihm helfen willst seine Schulden abzudecken. - Suchen wir unser Lager auf. Der morgige Tag wird viel Neues bringen!“

Früh schied Iwano von den Brüdern, zuvor erhielt er eine größere Summe Gold von Simon, die er anwenden soll, um Christensklaven frei zu kaufen.

Jakobus umarmte Iwano und sagte: „Bringe der Liebe ein kleines Opfer, mein Bruder Iwano und mache einen Umweg über das Gebirge. Du wirst einen Karawanenzug treffen, der Fieberkranke hat. Der Führer dieser Karawane ist mir bekannt. Darum wirst du es leicht haben, ihn zu bewegen, hierher zu kommen. Der Herr sei mit dir und deiner Liebe und du wirst innewerden, dass der Herr der treueste Helfer und Förderer deiner Liebe ist! Rechne nie auf Dank, aber wisse, dass der Herr dein Dank ist.“

 Inhaltsverzeichnis Band III