Heilung der Fieberkranken

Nikolaus begibt sich hin zu den Tischen, wo die Kranken sitzen und spricht: „Ihr lieben Menschen! Gleich einem Märchen kommt es euch vor, dass ihr hier an meinem Tische sitzt und konntet euch sättigen. Ihr tragt das Verlangen, alles das zu erfahren, wie es gekommen ist, dass ihr vom Tode gerettet seid. Mischko, euer Bruder, sagte es euch schon, dass Jesus der Heiland es getan habe, der im Geiste unter uns ist. Jakobus, der treue Diener und Zeuge des Heilandes ist es, der uns die Wahrheit über Jesus brachte. Er ist es, der gestern den Iwano bat, euch herbringen zu lassen. Samino, euer Herr, tat es schweren Herzens, denn er hatte euch aufgegeben. Das Schwerste ist von euch abgewendet, noch seid ihr nicht gesund um arbeiten zu können, aber der gute Heiland will, dass ihr lebet und ganz gesund werdet.“

Mischko spricht: „Kannst du uns nicht verraten, was den Heiland abhielt, die Kranken ganz gesund zu machen. Wie oft hörte ich von den Wundertaten des Wundermannes. Er habe sogar Tote lebendig gemacht und nun soll er nur ein halbes Werk vollbracht haben. Das kann ich nicht fassen. Bitte gib rechte Aufklärung. Mein Herz fiebert nach Wahrheit! Samino, unser treuer und gütiger Herr, wollte ja nie etwas hören, aber ich glaube und hoffe, dass auch er nicht abgeneigt ist, die Wahrheit über den Wundermann zu hören.

Samino: „Du hast recht gesagt, Mischko, ich will nun auch die Wahrheit über Jesus, den Heiland, wissen und darum bitte ich dich, du Diener deines Herrn, dass du es tust. Ich sehe mein großes Unrecht ein. Ja höret, ihr meine Getreuen, mein Haß zu den Juden war so groß, dass ich an euch zu einem Mörder geworden wäre. Dieser treue Diener und Zeuge aber wusste um meinen Hass und gab Liebe!“

Da sagte Jakobus: „Meine lieben Freunde, Schwestern und Brüder! Dieser Bitte komme ich gern nach und bekenne freudig von dem Leben, welches in mir drängt zu zeugen von der Liebe, Gnade und Kraft des Herrn Jesu. Viel habt ihr von Ihm gehört, aber in euch ist noch nie das rechte Sehnen gewesen, Ihn auch kennen zu lernen. Jesus von Nazareth war kein Prophet und Wundertäter, sondern der Sohn und Messias, von dem alle Propheten weissagten. Als die Zeit erfüllet war, gingen alle die Weissagungen in Erfüllung, aber das Volk und ihre Priester, die auf den Messias warteten, versagten. Ja, sie wurden Seine Feinde. Nur sehr wenige erkannten Ihn und glaubten Seinen Worten. Die aber an Ihn glaubten und Seine Lehre annahmen, erlebten Seine Kraft und Herrlichkeiten - die ihr Wundertaten nennt.

Wir, Seine Jünger, erlebten manches, was euch unglaubhaft erscheinen würde. Das Volk nahm alle die Segnungen hin und blieb gleichgültig. Ja, meine Lieben, es kam so weit, dass man Ihn am Kreuze zwischen zwei Verbrechern tötete und sie glaubten, Gott dem Ewigen, einen großen Dienst getan zu haben. Wie bald wurden sie eines anderen belehrt, denn am dritten Tag ging Er mit einem herrlichen unzerstörbaren Leibe aus Seinem Grabe hervor zum Schrecken des blinden Volkes und der blinden Priester.

Uns traf Sein Tod schwer, Seine Auferstehung aber brachte uns die herrliche Gewissheit und das Bewusstsein: Jesus lebt und wird ewig leben! Noch mehr brachte uns Seine Auferstehung, denn das Leben, welches Er nun lebte, ist nun unser Leben, und der Geist, aus dem Er als Mensch wirkte, ist derselbe Geist, der durch Seine Liebe und Gnade auch in uns wirkt. Noch mehr wird aber dieser Sein Geist uns offenbaren, so wir immer lebendiger und liebevoller werden. Alles Leben aus Gott ist in diesem Geist offenbar und immer mehr und mehr wird Er uns in die Tiefen Seiner Gottheit führen.

Vor allem, liebe Freunde glaubet, glaubet mit der ganzen Kraft eures Herzens, dass Er, unser Jesus und Heiland, unser Erlöser, uns liebt und ewig lieben wird. Seine Liebe ist wie ein Morgentau , der uns heiligen Frieden in unsere Herzen bringt, dass uns alles, was da kommen möge, immer stärker und bewusster macht, dass Er alles zum Besten aller führt. Wenn ich an die Segnungen denke, die ich auf dieser Reise erlebte, wahrlich, näher kann Gott einem Menschen nicht sein und größer kann keine Liebe offenbar werden, wie sie mir offenbar wurde. Nicht etwa deswegen, weil ich Sein Bruder und später einer Seiner Jünger war, o nein, aber weil ich Sein Leben zu dem Meinen machte und alles, was ich tue, nicht aus mir, sondern aus Ihm tue.“

Samino: „Freund und Wohltäter aller meiner Kranken, wenn es nicht erwiesen wäre in der heutigen Stunde, dass eine wahrhaft göttliche Kraft in dir lebt, müsste ich dich einen Phantasten nennen, wie ihn die Erde noch nicht getragen hat. Diese Beweise aber heute: Iwano wird durch dich gebeten, einen Umweg zu machen - unsere Kranken sind fieberfrei, sind so klar, und nun glaube ich auch, dass sie ganz gesund werden durch den Heiland - aus dem du wirkst! Ja, nun verstehe ich auch dein Anerbieten, wo du sprichst: `Ich erlebe, wie Gott die Fehler gut macht, die die Menschen in ihrem blinden Wahn begangen haben.` Da muss ich sagen, o Gott, habe ich in einer grässlichen Irre gelebt und mein eigenes Leben in diesem blinden Hass vergiftet. Mir ist genug an Worten für heute, die ich hörte, aber nicht genug der Dankbarkeit, die wir diesem wunderbaren Gott schuldig sind. Darum bitte ich dich um dieses, wie wir diesem Gott danken sollen.“

Jakobus: „Samino, liebe wahrhaft und treu alle deine Mitmenschen, dann bringst du den rechten Dank Einst sagte er: `Dieses Volk ehrt mich mit den Lippen, aber das Herz ist ferne.` Tue, wozu die Liebe in dir dich drängt, dann bist du auf dem rechten Wege. Das Drängende in deinem Herzen ist ja der Funken Seines Gottesgeistes, und das Erfüllen des Drängens ist das Entzünden des Lebens- und Liebesfeuers und damit öffnest du ihm Tür und Tor deines inneren Herzens. Das ist alles, um was Er dich bittet, sage, kannst du es einfacher und leichter haben. Denke an die vielen Opfer, die du bringen musstest und wozu haben sie dir gedient Dir den Hass verstärkt, ja friedeloser und innerlich unfrei machte es dich und nun erlebst du, wie dich Gott in deiner größten Bedrängnis sucht und dir Seine Hilfe, ohne dass Er darum gebeten wurde, angedeihen lässt!“

Samino: „Wahrlich, du hast mit jedem Wort recht, und darum will ich von nun an ganz aufhören mit meinem Hass, will vergessen alles Bittere und versuchen, in immer nähere Verbindung mit dem Heiland Jesus zu kommen. Ich habe gefunden, dass es nur der Weg der Liebe ist, auf dem ich Ihm begegnen kann - und so bitte ich euch alle, helft mit, seid mir Gehilfen, damit ich abtragen kann die Liebesschuld.“

Baltasar steht auf, geht hin zu Samino und spricht: „O du geliebtes Bruderherz, du sprachst mir recht aus dem Herzen. Wir wollen alle eins sein und dem anderen Gehilfen werden. Wir wissen nun die rechte Wahrheit und alles Irren ist ausgeschlossen, denn hier heißt es nicht: Tuet dieses und jenes, sondern liebet euch und ihr erlebt mich in dieser eurer Liebe. Es mag ja den einen oder anderen nicht so beleben wie mich, aber wer so voll der lebendigen Sehnsucht nach Wahrheit war wie ich, erlebt aber nun auch eine Erfüllung, die nicht mit Worten zu beschreiben ist. Darum, du treuer Diener Seiner herrlichen Liebe erzähle uns von Ihm und von dem, was ihr dabei erlebtet!“

Jakobus: „Bruder Baltasar, allen geht es so! Überall wo die Liebe des Herrn recht erkannt wird, bricht die Sehnsucht durch, mehr zu erfahren von Ihm - und doch sage ich euch: Ja, es waren Stunden großer Wonnen und Seligkeiten und doch wurden wir schwach, als uns Sein Tod unser ganzes inneres Leben erschütterte. Heute aber, wo ich im klarsten Bewusstsein stehe, wo ich immer und immer mit Ihm in engster Verbindung bin, kann mich nichts mehr erschüttern und in meinem Herzen ist eine Ruhe vorhanden, die nur von Ihm ausgeht und mich noch bewusster macht. Was dir kein Mensch an Schönem und Gutem geben kann gibt Er - und immer ist Er bedacht, immer mehr und mehr Sich als Den zu beweisen, der die höchste und herrlichste Liebe ist. So auch wieder in dieser Stunde, die die Liebe allein zu einer festlichen gestaltet. Es liegt nun an euch, ob ihr mit eurer Liebe soweit dem Herrn entgegenkommen könnt, dass Er sich ganz in Seiner lieblichsten Liebe offenbaren kann, denn merket auf: Nicht mit Seiner geheiligten sondern mit eurer Liebe zu Ihm will Er euch offenbaren, welche Herrlichkeiten in eurer Liebe liegen. Damit ihr aber erlebet, wie recht ich zu euch sage, mag Schimba dem Zug seiner Liebe folgen und verherrlichen das Geschenk, welches Der Heiland und Treuer Jesus mit dieser Liebe ihm gab.“

Schimba steht vom Tisch auf und spricht: „Bruder, ich, der Geringste unter euch; soll und darf aussprechen, was ich in meiner Liebe möchte? O, erschrecket nicht über mich, ich möchte, dass alle gesund werden und den Herrn erschauen, der mir so strahlend schön sichtbar ist!“

Da schauen alle -bis auf den Römer- Den Herrn und Saminos Kranke sind alle gesund! Schimba spricht: „Herr - lasse mich nicht mehr von dir - denn Deine Augen sagen mir mehr als dein Bote uns erzählen kann.“

Jakobus spricht: „Meine Lieben, des Vaters Liebe würde noch viel weiter aber um eure Ruhe und um eures Heiles willen seid voll der heiligsten Freude. Sein Auge sagt euch mehr als Sein Mund verraten darf und darum will ich euch übermitteln, was der Herr euch zuruft: `Friede - heiliger Friede sei mit euch! Mein Herz ist voll der seligsten Freude, weil in euch Mein Geist und Meine Liebe lebendig wird.

Wohl ging euer Weg durch Zweifel. Angst und Prüfungen, aber da nun Mein Geist in euch zum Durchbruch gelangt ist, - freuet euch! Freuet euch, weil ihr alle für ewig Mein Eigentum geworden seid, und freuet euch, dass ihr nun nicht mehr allein und verwaist seid, denn Ich bin euer Gott und Vater, meine Liebe ist die eure und Mein Leben wird auch das eure für ewig sein - und ihr werdet den Tod nicht mehr sehen, fühlen und schmecken. Was in euch noch unklar und umnachtet war, ist für ewig beleuchtet von Meiner Lebenssonne - und was euch noch unruhig machte, ist nun Mein Friede in euch. Bleibet in Meiner Liebe und in diesem Frieden, es kann euch nichts mehr das Vermächtnis entreißen, was Ich euch allen gab für ewig! Je mehr ihr zu lieben vermögt, desto mehr wird Mein Geist euch Überkommen und wird euch in alle Wahrheit führen, zu eurem und zu der anderen Heil! Amen!`

Zu ihrer Freude sehen sie noch, wie der Herr Seine Hände ausbreitet und alle segnet, dann verschwand der Herr vor ihren Augen.

Jakobus schwieg, aber Schimba sagte: „Der Herr ist nicht mehr da, aber um so mehr lichte Gestalten sehe ich unter uns. Sie haben eine Freude, denn ihre Augen strahlen und an ihren Gesichtern sieht man, wie glücklich sie sind. Du, Bruder Jakobus, sagtest, ich solle dem Zuge Seiner Liebe folgen und so bitte ich den Herrn. Der, wenn auch unseren Augen unsichtbar, doch noch unter uns ist, dass alle die sehen sollen, die uns in ihrer Liebe und Sehnsucht besuchten.“

In diesem Augenblick sind allen die Augen geöffnet und Schimba spricht: „Herzen geliebte Herzen! Ihr dürft euch mit ihnen unterhalten, Gnade über Gnade erleben wir und auch sie, darum dem Herrn Lob, Preis und Dank!“

Es war auch so. Die Herzen konnten sich mit ihren Lieben verständigen und es dauerte eine geraume Zeit, bis endlich Jakobus sagte: „Nehmet äußerlich Abschied, denn die Zeit ist um, ehe die ewige Liebe euch allen schenkte!“

Alle waren erfüllt von dem Erlebten, nur der Römer nicht, denn wortlos verließ er die Stube. In ihrer freudigen Erregung bemerkten nur die Soldaten das Fortgehen, aber gewohnt, zu schweigen, sagten sie auch nichts, nur Jakobus sagte zu Samino: „Bruder, gehe Pistorius nach, damit er sich nicht noch mehr verliere, denn diese Stunde rüttelt gewaltig an seinem Ich!

Samino ging hinaus. An der Brunnenmauer findet er Pistorius und ihm die Hand reichend, spricht er: „Pistorius, gestern wolltest du mir helfen und heute bin ich es, der dir entgegen kommt, auf das Geheiß der ewigen Liebe.“

„Ich habe dich nicht gerufen, Samino, aber es verwundert mich, dass du mich auf Geheiß der Liebe suchst. Was habe ich mit den Juden zu schaffen, die ja auch deine Feinde sind!“ „Gewesen sind, Pistorius, denn nun kenne ich nur noch verirrte Menschen, denen ich den Weg zur Rettung weisen muss Auch dir! Ja - sehe mich nicht so erstaunt an, auch dir muss geholfen werden; denn wie bald könnte es sein, dass auch wir zu denen gehören, die uns heute so gewaltig beglückten.“

„Mich nicht, Samino, denn das Schemen, welches meinem Vater auf das Haar glich, hatte nur eine Bitte, meine Götter zu verlassen und den Erlöser zu suchen, der mich wieder zu einem rechten Menschen macht.“ „Schemen nennst du es, o Pistorius, und wenn es ein Schemen gewesen wäre, es wollte doch dein Glück und so jemand mein Glück will, habe ich doch nur Ursache, mich zu freuen und was machst du? Willst du noch mehr der Beweise, die dir heute geworden sind? Hast du doch den Herrn gesehen in Seiner lieblichen Gestalt!“

„Ich habe niemand gesehen, ich hatte auch nicht den Wunsch. Überhaupt war mir alles eine Qual - was ich unter euch erlebte.“

„Da bin ich sprachlos, eine Qual nennst du, was uns größte Gnade ist? Pistorius, nie mehr in deinem Leben wirst du diese Gnade der Gnade erleben, die du dir verscherzt hast. Wenn du schon das alles nicht glauben könntest, wie willst du dir die Heilung meiner Leute erklären? Gestern zum Tode geweiht und heute gesund -sag, wie fasst du dieses auf. Denke auch nicht, dass es Jakobus war, der die Kranken gesund machte, sondern Schimba, ein Bewohner dieses Dorfes, der von Jakobus aus der Hand der Judenpriester gerettet wurde.“

„Wieso gerettet wurde? Was hatte sich denn zugetragen. Das interessiert mich.“ „Das kann dir nur Schimba erzählen. Ich hörte es nur von meinen Leuten, darum bitte ich dich, komme mit mir zu den anderen und mache einen Strich hinter alles, was da war und denke an dein und deiner Leute Glück. Ich bin überaus glücklich und so froh. wie ich noch nie in meinem Leben war. Was ist mir noch das Vergangene? Nichts, gar nichts mehr, aber die Zukunft ist mir jetzt wichtig, denn nun habe ich ein Ziel und auch noch ein ewiges, an das ich nie so recht glauben wollte.“

Ohne lange zu reden, gingen beide in das Zimmer zurück. Alle waren so voll Glück, dass auch das Kommen beider nicht weiter beachtet wurde.

Nikolaus aber kam doch hin zu Pistorius und sagte: „Bruder, sei doch ganz zu Hause und ordne dich ganz in diesem Geiste ein. Du erlebst doch, wie alle von einer Freude beseelt sind - auch dir wird das große Glück werden.“

„Nikolaus, du meinst es gut, wie all die anderen, aber du weißt auch, dass es fast eine Unmöglichkeit ist, alles zu glauben.“ „Warum unmöglich? Sind es der Beweise noch nicht genug! Siehe der Wein, welch herrliches Geschenk! So guten süßen Wein haben wir alle noch nicht getrunken.“ „Dein Wein ist sauer, Nikolaus, es ist ein Irrtum deinerseits. An unserem Tisch gab es sauren Wein, wie immer.“

Da sagte ein Soldat: „Du irrst dich, Pistorius. Der Wein ist diesmal süß. Wir haben vorhin, als du draußen warst und wir den Wein tranken uns gerade darüber unterhalten, welch guten süßen Wein wir diesmal haben.“ „Verkoste nochmals, Pistorius, sagte Nikolaus, auch dich will der Herr beglücken, süß soll auch für dich Wein sein!“

Pistorius trank einen Becher, dann sagte er: „Nikolaus, du hast recht, jetzt ist der Wein süß. Wenn du inzwischen keinen anderen Wein gebracht hast, muss ich das schon als Wunder ansehen. Wie soll ich aber das geistige Wesen betrachten, welches mir vorhin mein Leben als ein verlorenes hinstellte und mich bat, ich soll doch meine alten toten Götter lassen?“

„Betrachte es als die größte Gnade, die dir je in deinem Leben geboten wurde, denn das geistige Wesen war in Wirklichkeit dein Vater. Hättest du nicht so ablehnend dich verhalten, wärst du auch beglückt, aber nun erfasse wenigstens die Liebe des Herrn, die offenbar wurde!“

Pistorius: „Ich sehe es ein, ihr meint es wirklich ehrlich, ich will auch ehrlich sein und sage dir, ich wüsste nicht, wie ich mein ferneres Leben gestalten soll, denn bis jetzt hatte ich wirklich Lust am Leben. Wie aber, wenn ich mich zu dem auferstandenen bekennen will und soll mein Leben in Liebe umstalten? Nikolaus, du bist ja auch ein Römer, hast du gar keinen Stolz und keine Ehre mehr?“

„Pistorius, du bist in einem großen Irrtum befangen! Nicht Jesus der Heiland, ist der Entehrte, weil Er am Kreuze Sein Leben beschließen musste nach dem erkannten Gotteswillen in Ihm, sondern die, die Ihn an das Kreuz lieferten. Diese blinden Menschen werden auch noch ihren allergrößten Irrtum einsehen und deshalb die rettende Hand Jesu ergreifen, die sich in den Zeugen oder in dem Wesen im großen Jenseits anbieten. Ich habe mich gewundert, dass nicht Jakobus, sondern Schimba die Veranlassung gab. Wenn ich aber die Liebe des Herrn erschaue, so war ja alles nur deinetwegen. Schimba ist einer der unsrigen, wir kennen ihn, er hätte uns allen gefehlt, wenn er ein Opfer des Tempels geworden wäre. So aber gab er Seine Ehre, Sein Ich dahin und verzieh nicht nur Seinem Peiniger, sondern er heilte ihn auch im Namen, in der Liebe des Heilandes Jesu und durch Ihn erlebten wir die gnadenvolle Stunde.“

„Nikolaus, deine Worte treffen mich schwer, aber sie verletzen nicht - und dir- als einen Römer, kann ich eher glauben als einen Juden.“

„Auch diese Begriffe müssen fallen. Die Liebe gilt allen, denn Liebe ist Treue und Erziehung gegen sich und andere. Diese Liebe will weniger für sich, sondern alles nur für die anderen. Die Liebe fragt nicht, bist du ein Römer. Jude oder Grieche, sondern trägt alle in dem ihr eigenen Geiste, der uns durch Jesus dem Heiland, geschenkt wurde! Lass mich noch etwas mit dem Jünger reden, Nikolaus, mir ist alles unheimlich. Ihr seid von der Liebe durchdrungen, das fühle ich. Jene aber sieht tiefer. Obwohl ich ihm fremd, ja feindlich gegenüber stand, hat er mich doch nicht im Geringsten beengt und das hat meine Einstellung geändert.

„Tue dieses, Pistorius, Jakobus wartet auch dich, ich sehe es an seinen Augen und ich glaube, es ist jetzt der beste Zeitpunkt für dich, Samino, setze dich auch mit zu Jakobus, denn ihr beide bedürfet mehreres, was ich nicht geben könnte.“

Nikolaus bat, etwas platz zu machen. Ein Tisch wurde noch hinzugeschoben, so hatten die anderen keinen Nachteil. Da begann Jakobus: „Freunde, es ist gut, dass ihr den Willen habt, näher bekannt zu werden mit dem Geist, den ich vertrete und für den ich lebe. Du, Pistorius, wirst mit dir nicht fertig, weil dein verstorbener Vater nicht in dieser Liebe dir entgegen kam, die wir vertreten. Du aber hast nicht bedacht, dass ein Geistwesen nicht anders reden kann, wie sein Innenleben erfüllt ist.

Es wird auch noch lange dauern, bis jene Reife erreicht ist, die ihn alles erfassen und verstehen lässt. Wir, in unserem Leben können durch die Gnade des Herrn in einer Stunde mehr erreichen, als dort vielleicht in Jahren. Darum ist ja das Erdensein so wichtig, weil alles, was hier aufgenommen, dort die Grundlagen sind, auf die man bauen muss. Kein Gott und kein Engel kann mir etwas anderes als Grundlage geben, weil auch das Ewige aus Gott allen Gesetzen unterordnet ist.

Glaubt ihr, dass es Jesum als Mensch anders ergangen ist? Auch Er musste sich die Grundlagen für Sein Ewiges Sein formen und schaffen und er tat es mit einem eisernen Willen, der uns manchmal irre an Ihm machte. Ich, der ich Jesus seit Seiner Geburt kenne, habe ja Seine Entwicklung miterlebt. Es war ja der größte Wunsch Jesu, ich solle Ihn ja in allem recht verstehen - und was tat ich! Ich - der ich Himmel und Seligkeiten mit Ihm genossen hatte, stellte mich manchmal gegen Ihn.

Glaubt ihr, dass nur ein einziges Mal Jesus gegrollt hätte? O nein, traurig machte es Ihn und erst später, als der ewige Gottesgeist in Ihm zum Durchbruch kam, wurden wir sehend. Was wir an Gnaden erlebt hätten, ist ja nicht auszusprechen; aber ist versichert, es langte auch so. Heute bin ich in und mit Ihm so verwachsen, dass ich ohne Ihn überhaupt nichts mehr tun kann, Sein Geist gibt mir, was ich brauche so auch in dieser Stunde.

Dass du Pistorius, den Herrn nicht sahest, war nicht Strafe, sondern Liebe, denn Gott will freiwillig angenommen sein und nicht durch Zwang. Hättest du Ihn geschaut, so wäre es ein Gericht für dich gewesen. So aber darfst du nach deinen freien Entschlüssen dich entscheiden. Geistige Wesen schauen ist wohl herrliche Gnade, aber nicht bindend, Geistige Wesen geben wohl einen Beweis, ewigen Fortbestehens aufgrund ewiger Ordnungsgesetze, binden und verpflichten aber nicht an Gott: Habt ihr mich recht verstandene?“

Samino spricht: „Lieber Freund, gut habe ich dich verstanden, aber die Wesen, die ich heute erschaute, trugen alle den Stempel höchster Seligkeit. Ich habe sie gekannt, sie waren als Menschen nicht die Besten. Waren denn bei ihnen die Grundlagen so, dass sie wirklich frei von allem und selig sind?“

Jakobus: „Samino, sie erfassten die rettende Heilandshand, als Er ihnen in ihrer finsteren Welt Seine Erlöserliebe offenbarte - und dieses war nur einmalig. Nie mehr wird und kann Der Herr in der Unterwelt so wirken, als Er es in den drei Tagen vor Seiner Auferstehung tat. Sehet, drei Jahre hatte Er Zeit, um allen Menschen diese Seine mit Gott einsgewordene Liebe zu offenbaren, dort aber in der Geisterwelt standen Ihm nur drei Tage zur Verfügung und sie brachten vollkommene Erlösung denen, die annahmen, wie auch denen heute vollkommene Erlösung wird, die Ihn annehmen und auf dem Boden Seiner uns gegebenen Lehre ihr Leben danach einrichteten. Es genügt durchaus nicht, die Lehre anzuhören und zu bejahen; sondern den Geist aus dieser Lehre, die uns gegeben wurde, sich immer mehr und mehr anzueignen.

Dieses kann aber wieder nur geschehen, so das eigene Ich immer mehr in den Hintergrund tritt und das Gottesleben eben den Menschen mehr und mehr erfüllt. Siehe, Samino, zu allen Zeiten gab es Weise, gab es Menschen, die einen hohen Stand erreichten in bezug auf Seelenreinheit, aber das Beste fehlt ihnen, dass der in Ihnen wohnende Gottesgeist über allem Seelischen stand. In Jesum dem Herrn, erlebte die Welt einen Menschen, der über alles Seelische stand, d.h. alles Seelische hatte sich dem Gottesgeist unterordnen und der Geist war der belebende und ausführende Pol.“

Samino sprach: „Das verstehe ich nicht, du redest von Geist und vom Seelischen, was ist Geist und Seele?“

Jakobus: „Samino, Seele ist alles was du menschliches als dein Eigen nennen kannst. Geist ist aber das, was in deinem Menschlichen die Grundlagen alles Tuns und Handelns sind. Auch Gottlose sind Träger eines Geistes, aber nicht des Gottesgeistes, sondern des Ichgeistes der da abstammt aus dem Gefallenen und Gerichteten, welches der Erlösung bedarf. Seele ist noch alles, was ein jeder Mensch auf dieser Erde mitbekam, um es auf die Stufen des Gottesgeistes zu stellen, der alles ins Dasein stellte. Der erste Mensch dieser Erde, der alles in Vollkommenheit in sich trug, versagte, weil er dem Zug des Geistes seiner Seele folgte und nicht dem Zug des Gottesgeistes.

Um aber den Menschen auf jene Stufe des ersten geschaffenen Menschen zu stellen, wurde eben Gott Mensch und vollbrachte das große Werk. Ein Werk, das den Menschen wieder auf die Stufe stellen sollte, wie einstens den ersten Menschen auf die Stufe der Vollkommenheit. Darum denket nicht, dass der Mensch im Besitze des wahren Gottesgeistes ein Knecht und Diener seiner Seele ist, sondern ein Träger des Geistes, der alles in Vollkommenheit gestalten kann. Dieses erlebten wir in Jesus. Eins Seiner Worte lautete: `Mir ist gegeben alle Gewalt im Himmel und auf Erden.`

Saget, wo könnte wohl ein Mensch dieses von sich sagen? Wir aber erlebten es auch. Tote wurden lebendig, Blinde wurden seihend, Taube hörend; alle Elemente gehorchten Seinem Willen. Es gab nichts, was Jesus nicht wusste oder konnte. Auch uns ist es gegeben, aus diesem Geiste zu wirken, aber nur in dem Maße, als wir Träger dieses Seines Geistes sind! So erfahren wir auch Dinge, die nur Gott allein wissen kann. Der Gottesgeist offenbart unserem Geist alles, was uns und den dient. Er gibt uns Anweisungen für unser Handeln, die Freiheit aber des Tuns ist und bleibt gewahrt.

Um euch aber einen Beweis zu geben, wie wahr ich zu euch spreche, sage ich euch. dass der Herrliche und Ewige in mir offenbart, dass ein Römischer Kommissar unterwegs ist, der mich durchaus sprechen und hören will. Dieser kommt aus Edessa, von wo ich komme. Es ist ihm unbegreiflich, dass der bisher kranke König mit einmal wieder gesund wurde und alle Götter dem ewigen Gott weichen mussten.“

Pistorius spricht: Kannst du auch seinen Namen nennen, wenn Er hier eintrifft?“ „Gewiss, es ist Sardellus, aus altem römischen Geschlecht. Er wird morgen Abend hier eintreffen. Freilich wird er mich nicht mehr hier vermuten, aber da es Gott so fügt, warte ich sein Kommen ab.“

„Bringt er Begleitung mit, fragt Nikolaus. Da ich von diesem Manne noch nichts hörte, möchte ich ihm rechte Freude machen.“

„Ja, tue dies, aber nicht nur diesem, sondern allen, die bei dir Einkehr halten. Er kommt mit nur fünf Männern in zwei Wagen und will nicht nur hier, wo ich weilte, sondern auch dort, wo Jesus lebte, Erfahrungen sammeln, weil es ihm unmöglich erscheint, dass ein Toter wieder zu Lebenden reden kann.“

Pistorius spricht: „Ich danke dir, ich werde morgen Abend wieder hier sein. Diese Begegnung muss ich erleben und gebrauche auch sie, denn alles heute Erlebte geht über meine Begriffe. Eins versichere ich dir, lieber Freund, das heutige Erlebnis hat mich gewaltig in meinen Grundsätzen erschüttert. Ich schäme mich nicht, dieses zu sagen. Wenn ich dir dienen kann, sage wie ich es tun könnte.“

Jakobus: „Lieber Freund, wenn du willst, so kontrolliere die Karawanen scharf, denn es werden zu viel der gefangenen Brüder und Schwestern als Sklaven verkauft von den Schergen des Tempels. Durch Jesus Lehre ist das Einkommen der Priester stark zurückgegangen und so versuchen sie auf diese Art ihr Einkommen zu erhöhen, da der Tempel dieses duldet.“

Pistorius: „Nicht möglich, wir Römer dulden nur den Menschenhandel im Rahmen der Gesetzlichkeit. Kannst du mir vielleicht durch Vermittlung des lebendigen Gottes einen solchen Karawanenzug sagen?“

„Gewiss, Pistorius, dann aber versäumst du die Begegnung mit Sardellus. Pistorius: „Ich werde dann lieber den Brüdern helfen und auf die Begegnung des Sardellus verzichten.“

Jakobus: „Die erste Prüfung hast du bestanden, Jesus dankt dir und so höre: Morgen ganz in der Frühe reitest du mit deinen Leuten nach Westen. Auf der großen Karawanenstraße nach Antiochia kannst du die Karawane überholen, die sehr langsam vorwärts kommt. Der Transport kommt deshalb ganz langsam vorwärts, weil einige Treiber und viele Gefangene schwer erkrankt sind. Begleitet ist die Karawane von einigen Priestern, mit denen ein Römer leicht fertig werden kann.“

Pistorius: „Dann will ich mich auch mit den Leuten zur Ruhe begeben. Habe nochmals Dank und erbitte für mich die Hilfe deines und hoffentlich auch bald meines Gottes.“

Nikolaus begleitete Pistorius und seine Soldaten in ihre Kammern und versprach, frühzeitig die Morgensuppe fertig zu haben und bat, er solle doch mit den befreiten Brüdern und Schwestern zu ihm kommen. Es ist hier soviel braches, aber fruchtbares Land, dass Hunderte ihr gutes und reichliches Auskommen hätten.

„Wenn alles wahr ist und es glückt, dann komme ich“ war die Antwort. Noch lange blieben die Freunde beisammen, dann riet Jakobus, zur Ruhe zu gehen und Samino versprach, auch noch länger zu bleiben.

Der folgende Tag diente ganz der gegenseitigen Liebe. Hilfsbereit unterstützten die Frauen den Nikolaus, so dass niemand Mangel an Essen oder Trinken litt und Jakobus konnte dem einen oder anderen ganz in der ihm eigenen Liebe dienen. Schnell verging der Tag und unter den Brüdern machte sich eine Unruhe geltend, denn der erwartete Römer kam nicht. Samino fragte: „Bruder, solltest du dich geirrt haben?“

„O nein, lieber Samino“, sagte Jakobus, „aber du könntest einen Wagen fertigmachen und Sardellus holen, denn sie haben Unglück gehabt und der Wagen lässt sich nicht so leicht reparieren. Es würde große Freude auslösen, so du ihm zu Hilfe kämest.“

Samino: „Aber gern - sage mir die Stelle wo ich sie treffe.“ In wenigen Minuten fuhr auch Samino mit noch einem seiner Treiber an die bezeichnete Stelle und in zwei Stunden waren sie mit den Römern zurück. Sardellus konnte sich nicht genug wundern, dass gerade Jakobus, den er suchte, es war, der ihm an dem Unglückstag zu einem Quartier verhalf, denn er hatte jede Hoffnung aufgegeben. Die Begrüßung war darum viel herzlicher, aber Jakobus sagte: „Die ewige Liebe, die um alles weiß, sorgte für dich!“

Sardellus: „Für mich? Das verstehe ich nicht, denn noch nie hatte ich etwas für sie übrig, im Gegenteil, feindlich stehe ich zu dem jüdischen Tempel und seinem Gebaren. Sie betrachten sich als die Herren und sabotieren unsere Gesetze.“ Jakobus: „Auch dieses weiß die ewige Liebe, aber sie kann nicht auf jeden einzelnen ihrer Begriffe eingehen, sondern handelt nur nach dem Zuge rechter und wahrer Liebe. Du kennst Moses und die Propheten, aber den Geist, der die Propheten drängte und Moses erleuchtete, kennst du nicht. In Edessa wurde dir so vieles unverständlich, von den Wundern der Liebe gar nicht zu reden, du bist irre an dir, irre an deinen Göttern und suchst in der Ferne, was dir so nahe liegt.“

Nikolaus begrüßte seinen Gast aufs herzlichste und ließ die Tische decken, da man auf ihn wartete. „Auf mich wartete? Wusstet ihr, dass ich komme?“ „Aber gewiss, seit gestern Abend schon hat Samino nicht gesprochen.“ „Nein, ich betrachtete es als Zufall, dass gerade Jakobus mir Hilfe schickte, die ich suchte.“

Samino sagte: „Warum soll ich viel reden, ist es nicht besser, wenn alle die Freude erleben, die die Liebe uns schenkt?“ Ein reichliches Mahl hatte Nikolaus bereiten lassen und der Wein stand in Krügen auf den Tischen.

Ist hier ein Fest, fragte Sardellus. Hier in diesen abgelegenen Ort so viele Gäste?“ Nikolaus schüttelte sein Haupt und sagte: „Ein Fest ja - ein Fest der Freude und Liebe und Dankbarkeit. Bis jetzt waren wir immer noch nicht unterrichtet über das rechte und wahre Sein des Heilandes Jesu. Wir erfuhren wohl dieses und jenes, auch manches Sichwidersprechende und erlebten nun in Jakobus; dem Jünger und Diener der ewigen Liebe, die Wahrheit und das Leben des wahren Gottes. Darum freuet euch alle. Alles das, was auf den Tischen steht, ist ja das Geschenk von Ihm. Bruder Jakobus, segne du, alle Stellvertreter des Heilandes, dieses Mahl.“

Jakobus stand auf, sah alle mit leuchtenden Augen an und sagte: „Mein Jesus, mein Heiland und ewiger Vater! Wiederum hast Du Deine Liebe so herrlich bekundet und hast uns überreich beschenkt mit diesen Deinen Gaben. Wir bitten Dich, segne Du sie durch die Kraft Deiner Liebe und segne alle, die an diesem Deinem Liebesmahl teilnehmen. Wir danken Dir für Deine Liebe und Deine Gegenwart, und so erfülle uns mit Deinem Geiste, damit wir immer noch mehr mit Dir Eins werden! Amen“.

„Amen“ - sagten die anderen. Dann griffen sie zu den Speisen und dem Wein und sprachen dabei von den herrlichen Erlebnissen in den zwei Tagen. Sardellus mit seinen Begleitern griff auch wacker zu und der Wein belebte auch ihre Herzen. Trotz aller Fröhlichkeit blieben sie in den Grenzen und in seliger Erwartung. Jakobus tranken sie zu und jeder hätte sich am liebsten allein mit ihm unterhalten. Eine Stunde dauerte das Essen, dann wurde es lautlos, bis dass die Krüge und Becher von den Tischen abgeräumt waren.

Eine kleine Stille trat ein - dann sagte Jakobus: „Sardellus, die Stunde ist da, die du ersehntest, nun kannst du sprechen von dem, was dich quälte und auch gleichzeitig bedrückte.“

Sardellus nickte mit dem Kopfe und sagte: „Ja, die Stunde ist da, wo ich mir endlich klar werden möchte mit all dem, was mich so gewaltig bewegte. Ich habe eine Liebe erlebt, wie noch nie in meinem Leben. Seine Liebe, die selig macht und auch elend. Eine Liebe, die in den Himmel hebt und auch gleichzeitig in den Jammer!

Mit diesen Worten ist mein Zustand geschildert und darum möchte ich aus diesem Ungewissen herauskommen und mein Leben auf eine natürliche Grundlage stellen. Es muss in meinem Leben etwas nicht gestimmt haben, sonst wäre ich nicht in diesem Zustand. Die Liebe, die ich in Edessa erlebte, war eine andere als wie früher. Gern wurde ich dort gesehen, Im Königshause wurde ich wie ein Bruder behandelt und die Priester kannte ich nicht mehr. Früher sehnten sie mein Kommen herbei -weil es immer viel zu regeln gab- und jetzt ersehnten sie mein Kommen um mich die Liebe erleben zu lassen, die sie alle belebte.

Ja, was soll ich da noch erzählen. Solange ich unter ihnen weilte, hob es mich in den Himmel. Ich war allein und hatte keine Ruhe. Die Götter stellten sich zwischen mich und die anderen. Wundert es euch, wenn ich den Wunsch hegte, dich, Jakobus, zu sehen, zu hören und zu sprechen? Auch unter euch ergeht es mir genau wie dort. Mir ist wohl, mir ist feierlich zu Mute und doch steigt in mir eine Angst auf, wenn ich allein bin.“

Jakobus spricht: „Lieber Sardellus, den wahren Gott sucht man aber nicht mit einem Götzen in der Tasche! Siehe, der Herr, der da um alles weiß, ließ dich Liebe und Freude erleben, Freude, die aus dem Himmel kommt. Wärest du in der Ordnung, so wärst du mit einem Frieden erfüllt und in dir würde es jubeln und dieses wäre dir der unantastbare Beweis des wahren Gottes! So aber ließest du dich von Regungen leiten, die teils beglücken und teils wieder voll Verlangen machen. Entscheide dich .ganz!

Warum bist du durchdrungen von einem Pflichtbewusstsein deinem Kaiser gegenüber, und das Gesetz muss bis auf das letzte Tüpfelchen erfüllt werden? Weil du deinem Kaiser verpflichtet bist und hast ihm den Treueid geleistet. Gott aber, der dir eine Gelegenheit nach der anderen gibt, Ihn in Seiner Liebe und in Seinen Gnadenführungen zu erleben, widmest du wohl manche Stunde deines Verstandes, aber dein Herz verschließest du ängstlich, um deine Götter nicht zu verlieren!

Entscheide dich zu dem einen oder anderen, das ist der Rat, den ich dir gebe: denn es könnte dir geschehen, dass du dir selbst den Weg versperrst und dich dann nicht mehr zurecht findest. Um dir aber das Zwecklose deiner Götter zu beweisen und dass sie nicht das Geringste vermögen, will dich der Herr von den Götzen befreien, die du immer bei dir trägst. Sei aber deswegen nicht traurig, sondern freue dich, weil die ewige Liebe dich sucht und dich für immer gewinnen will.“

Sardellus griff unwillkürlich an seine Toga. Er erschrickt. Wahrhaftig, sein Götze war verschwunden. Nur kurze Zeit lagerte ein Schatten auf seiner Stirn, dann sagte er: „Jakobus, dein Herr handelt schnell, er hätte mich auch damit ganz verlieren können.“

Jakobus: „Nein, Sardellus, was der Herr anfängt, führt Er auch herrlich aus! Er hätte dich nur eine kurze Zeit allein gelassen und wenn du nicht mehr gewusst hättest wohin, hättest du doch wieder den Herrn gesucht, da deine Götter ausgespielt haben. Um dich aber ganz frei zu stellen und auch den Schein eines Zwanges von dir zu nehmen, will der Herr, dass ich dir dein Eigentum zurückgebe. Hier hast du deinen Götzen wieder und nun handle frei nach deinem eigenen Wollen! Wir aber wollen diesen weihevollen Abend beschließen und morgen uns ganz in den Dienst der ewigen Liebe stellen.“ Mit Ausnahme weniger waren alle einverstanden und bald lag in der Herberge alles in tiefster Ruhe - bis auf Sardellus. Der kleine Götze ließ ihn nicht zur Ruhe kommen.

Schon zeitig war Nikolaus Weib mit ihren Töchtern in der Küche um das Morgenmahl für die vielen Gäste zu bereiten, aber überall war eine Hemmung. Es wollte nicht so recht klappen. Da kommt Jakobus in die Küche und spricht: „Nehmt euch Zeit, auch für euch soll heute Feiertag sein. Wir sind auch mit Geringerem zufrieden. Richtet doch alles so, wie ihr es sonst gewohnt seid. Des Herrn Liebe und Gnade wird nicht offenbar, so ihr ein Festmahl richtet, sondern wenn in euch alles festlich für den Herrn gerichtet ist!“

Das Weib spricht: „O du Jünger des Herrn da kennst du Nikolaus schlecht, wie er es anordnet so muss es geschehen!“

Jakobus: „Heute nicht, tue wie ich dir sage und auch Nikolaus wird zufrieden sein. Gegen Abend aber werden noch an 50 Gäste kommen, dann wirst du mit deinen Töchtern sehen, was alles in der Liebe möglich ist.“

Mit kurzen Grüssen lässt er die Frauen in der Küche und geht in den taufrischen Morgen hinaus. Er sieht, wie die Treiber um ihr Vieh besorgt sind, welches sie auf die Weideplätze geführt hatten. Ein Treiber geht auf Jakobus zu, ergreift seine beiden Hände und spricht: „Lieber Jünger des Herrn, wie soll ich dir bloß danken für diese Wohltaten, die wir durch dich und von dir erhalten haben? Es drängt mich, dir zu danken.“

Jakobus: „Nein, das solltest du nicht tun, da der erste und größte Dank Dem gebühret, der uns alles gab. Freue dich aber der großen Gnade, die sich auch heute wieder übergroß offenbaren wird und trage dazu bei, dass die Lauen und Trägen lebendiger werden.“ Treiber: „O du Jünger des Herrn! Alles will ich tun was du mir sagst, denn mir ist es, als wenn alles anders, alles Schöner geworden wäre.“

Jakobus: „Es ist noch alles so wie es war. Nur von einem anderen Geist bist du beseelt. Deine Seele hat in sich den Strahl aufgenommen, der durch die Gnade Gottes allen Menschen geboten wird. Da du aber nun von einem anderen Geist beseelt und getrieben wirst, so wehre dich nicht dagegen, denn der Heiland möchte dich ganz besitzen und dich ganz mit Seiner Liebe erfüllen; wenn du nur tun willst, was dir geheißen wird - bleibst du nur ein Knecht und Diener des Herrn!

Die aber dem Herrn ganz zu Eigen sind, werden zu Seinen Kindern erhoben und Kindern steht das volle Recht zu von allen Gnadengaben aus Ihm vollen Gebrauch zu machen. Siehe, das kann ich aber nur den Wenigen sagen, die den Strahl aus der übergroßen Gottesliebe in ihrer Seele aufgenommen haben. Und nun merke auf dich selbst und gib Raum der Liebe Gottes in dir, mein Bruder!“

Der Treiber ergreift beide Hände des Jakobus, mit Tränen in den Augen spricht er: „Bruder nennst du mich, Bruder bin ich dir - Bruder, o du Seligkeit- das Wort Bruder! Immer wurde ich geschoben und getrieben. Als Kind wurde ich verkauft an einen Herrn, der nur eines kannte, seine Untergebenen zu drangsalieren. Was habe ich erdulden müssen mit den anderen, bis endlich der Tod unseres Herrn mich und die anderen frei machte. Wir kamen zu anderen Herren, wo es viel besser war und sind dann endlich von Samino gekauft worden, der uns unsere Freiheit gab. Ich aber habe noch keinen Gebrauch von meiner Freiheit gemacht; denn Samino diene ich, solange ich lebe - er ist ein guter Herr!“

Jakobus: „Mein Bruder, mich freut es, dass du Treue und Liebe mit Gleichem lohnst. Darum wird es dich hundertfach beglücken, so du die Liebe des Heilandes mit Liebe und Hingebung lohnen wirst. Bleibe aber immer recht getreu und demütig, dann wird dir der Heiland immer mehr und mehr geben, auf dass du dann die große Gnade erkennst und aus Seiner Gnade bewusst wirst, dass du Sein Kind geworden bist. So sei nun recht stille und werde in dir fest um der anderen willen, die noch nicht so ganz den Herrn erfassen können.“

Mit einem Händedruck geht Jakobus weiter. In diesem Menschen aber, den er jetzt so beglückte, hatte er einen Bruder und einen Diener für den Meister gewonnen. Beglückt und innerlich dankbar dem Herrn bemerkte er nicht, dass der römische Sardellus Jakobus folgte. Sardellus hatte jedes Wort gehört, das Jakobus mit dem Treiber gesprochen und das in diesem Römer ein Feuer entzündet hatte, welches ihn vor Sehnsucht nach Klarheit fast verzehrte.

Von innen getrieben, drehte sich Jakobus um und spricht: „Sardellus, hast du dich noch nicht durchringen können zum lebendigen Gott und Herrn! Warum wird es dir zu schwer, die Gnadenhand Gottes zu ergreifen, die dich zum freien und frohen Menschen macht?“

Sardellus: „Jakobus, ich möchte, aber es lässt mich nicht - die Götter lassen mich nicht los. Was soll ich tun, um den ewigen Gott als meinen Gott anzuerkennen? Es ist mir selbst ein Rätsel, dass ich von meinen Göttern nicht loskomme, hättest du mir doch den Götzen nicht wiedergegeben, da wäre mir die unruhige Nacht erspart geblieben!“

Jakobus: „Du irrst, Sardellus, den Götzen musste ich dir auf Geheiß der ewigen Liebe wieder zurückgeben, damit du dich aus dir selbst frei machen und den wahren und lebendigen Gott in der höchsten Freiheit annehmen kannst. Denn Gott ist ein Gott der Liebe und des Lebens und will aus Liebe angenommen sein. Welches Glück würde dir wohl erstehen, so du von Seiner Allmacht ergriffen würdest. Immer müsstest du Knecht und Diener bleiben und nach deinen Taten belohnt werden! Der Herr aber sehnt sich nach Kindern der Liebe, nach Kindern, die ganz in Seinem Geiste handeln und mit Ihm in ständiger Verbindung stehen. Wenn du schon als Vater deinen Kindern nicht den Gesetzen aufwartest, sondern sie mit all deiner Liebe zu rechten Kindern erziehen willst, ebenso handelt auch der ewige Vater!“

Sardellus: „Jakobus, jetzt habe ich dich sehr gut verstanden! Kann ich aber nur mit Liebe allein den ewigen Gott erringen?“

Jakobus: „Nur mit Liebe allein - weil in der wahren Liebe aus Gott die Erfüllung aller Gesetze liegt. Du hast soviel schon von dem ewigen Gott vernommen, hast Wunder Seiner Liebe an anderen erlebt, und ein toter Götze lässt, dich nicht nach dem Ewigen greifen?! Da kann kein Götze schuld sein, sondern der falsche Geist, den falsche Priester in dir großzogen. Als in Edessa die heidnischen Altäre eingerissen wurden von denen, die den Geist alles Lebens aufgenommen hatten, zog Angst und Furcht bei denen ein, die sich von ihren toten Göttern nicht trennen konnten. Als aber nichts geschah, im Gegenteil, alle vor Freuden überglücklich wurden, da siegte das Leben aus Gott und aus irrenden Menschen wurden rechte Gotteskinder!

Was trennt dich von Gott? Hast du dich ernstlich gefragt? O nein, denn du bist Herr deiner selbst und wirst es auch bleiben - so oder so. Dass der Herr dich sucht, kannst du nicht abweisen, weil die Sehnsucht nach Klarheit im Vordergrund steht! Dort hinten - der einfache Treiber des Samino - hat Gott er- und begriffen und ist restlos glücklich. Was bei dem einen möglich ist, müsste auch bei anderen möglich sein. Dort waren es nicht Wunder und Zeichen sondern. demütiger Glaube und Hingabe. Darum, lieber Sardellus, reiße ein, was dich noch abhält und werde ein freier, glücklicher Mensch, damit auch du endlich wahrhaft glücklich machen kannst. Lasse uns umkehren, das Morgenmahl ist bereitet und man wartet auf uns.“

Sardellus: „Woher weißt du das? Kümmert sich denn auch Gott um das Tagtägliche?“ Jakobus: „Aber gewiss, Sardellus! Im Kleinsten ist Er ja am Allerherrlichsten und selig - wer das erkennt!“

Es war auch so. Man wollte ohne Jakobus das Morgenmahl nicht einnehmen und Nikolaus war im Begriff, Jakobus zu suchen. Da kamen die beiden. Wie herzlich wurden alle von Jakobus begrüßt, dann segnete Jakobus alle und dann das Mahl. Welch ein feierlicher Friede beseelte all die Herzen und Samino sagte nach dem Mahl: „Jakobus, ich bleibe solange wie du hier bleibst. Alle meine Leute sind gesund! Ich versäume doch nichts und gewinne soviel, dass ich nicht genug danken kann.“

Jakobus: „Samino, bleibe nach deiner Liebe, denn noch sind nicht alle von dem Geist erfüllt, der wahrhaft glücklich machen soll. Siehe, Glauben und Glauben ist verschieden - viele sind zum Glauben gelangt ihrer Heilung willen; aber der Herr legt Wert auf die Handlungen, die ihrem Glauben entspringen. Glaube ohne Liebe ist kein Glaube, da die Kraft fehlt, zu werden zu einem Träger, zu einem Gefäß des Geistes. welches der Meister allen verheißen hat, ehe Er ganz von uns ging!“

Samino fragte: „War es nötig, dass der Meister gehen musste? Er als Gott konnte doch auch Seinen vergänglichen Leib zu einem Unsterblichen umstalten und all der Hass der Priestersippe wäre nicht zur Auswirkung gelangt. Wenn der Meister mit einem unzerstörbaren Leib unter den Menschen geblieben wäre, hätten sie doch letzten Endes auch an Ihn glauben müssen. All das Leid, welches heute die Priester verursachen, unterbliebe und die zersetzenden Gerüchte müssten einer Wahrheit weichen.“

Jakobus: „Samino, du sprichst nach menschlichen Begriffen und hast nach deiner Meinung auch recht, aber wenn du einmal durch den Geist in die Tiefen Seiner Gottheit geführt wirst, dann wirst du anderer Überzeugung sein. Jesus Sterben ist ja unser Leben und Seine Auferstehung die Erlösung von allem Tod und Gericht. Wäre Jesus nach deiner Meinung ohne dieses Geschehen bei uns und unter uns geblieben, wäre Seine Lehre rein vermenschlicht worden und Sein herrliches Wort hätte an Wert verloren. Nie hätten die Menschen von Seinem Geiste etwas aufgenommen und nie hätten sie die Segnungen in sich erfahren, die durch Seinen Geist in uns allen offenbar wurden.

Bedenket alle, dass Jesus uns nicht beglücken kann, wenn wir nicht Träger Seines Liebesgeistes werden wollen und Er kann uns zu keinem neuen Leben in uns verhelfen, wenn wir das alte Anerzogene und alles das, was im Widerspruch zu Ihm und Seinem Wesen noch in uns vorherrscht, nicht ablegen wollen. Sein Geist in uns macht uns zu neuen Menschen und Sein Geist, der Geist von Golgatha, erschließt in uns das Tor, dass auch Er in Seiner ganzen Liebe und Persönlichkeit in uns und um uns sein kann. Er ist mitten unter uns. Ich fühle Seine Gegenwart und die Einsprache von Ihm. Ihr aber müßt erst in euch alles reinigen durch Seine Kraft und Gnade – dann werdet ihr Seine ganze große Herrlichkeit erfahren, die Er sich auch erst erringen musste im größten Kampfe Seines Lebens!

Es war Ihm gelungen, die wahre Einswerdung mit Gott herzustellen zwischen Vater und Sohn – gleich wie Feuer und Licht. Die daraus hervorgehende Wärme aber wird das belebende, erlösende und segnende Leben sein, welches uns in uns immer mehr und mehr zu einem gläubigen und bewussten Leben verhilft. So aber einmal alles dieses erkannt und dieses neue und herrliche Leben durch Seine Gnade und Liebe gefördert wird, ist unsere Erlösung zur vollen Tatsache geworden. Siehe Sardellus, in diesem Geiste und in diesem Leben ist der Weg zu allen frei, der Weg, der zum wahren Herrn und Gott und in unsere eigene Welt führt. Zum Herrn und ewigen Gott, weil ich ohne Ihn nichts vermag und in meine eigene innere Welt, die nur mit Ihm in die rechte Ordnung gebracht werden kann.

Alles muß aber in der rechten Art und Weise und nur freiwillig vor sich gehen, andernfalls wir nie und nimmer zur rechten Gottesverbindung kommen könnten. Nun aber wollen wir uns hinaus begeben und uns vorbereiten zu einem Werke, welches du Nikolaus, beginnen wirst und dazu die Hilfe des Bruders Sardellus nötig haben wirst.“ Nikolaus: „Da bin ich aber neugierig, was ich da tun soll, denn bis jetzt bin ich noch ohne jede Absicht.“

Draußen war ein herrlicher Tag. Die Tiere weideten im frischen Grase und in dem kleinen Bächlein, welches durch das große Besitztum des Nikolaus ging, spiegelte sich die strahlende Sonne.

Jakobus sagte: „Bruder Nikolaus, heute noch wirst du vor der großen Aufgabe stehen, vielen Menschen Arbeit und Brot zu geben. Dir aber fehlen die Wohnungen, um sie zu beherbergen und siehe, hier vor deinen Augen hast du diesen großen Platz, der zu nichts weiter dient als zur Weide. Oft dachtest du, `wenn ich nur Möglichkeit hätte, Menschen herzubringen` und heute wird dir diese Gelegenheit werden. Da es aber besser ist, durch die Gnade des Herrn sich vorzubereiten, wird alles viel schneller vor sich gehen.“

Nikolaus spricht: „Jakobus, du meinst wohl die Karawane, die Pistorius finden soll, wenn er in sich den Zug göttlicher Liebe verwirklicht. Jakobus: „Ja, Nikolaus, hoffentlich werden es dir nicht zuviel werden, denn Pistorius ist auf dem Wege hierher, er weiß keinen anderen Rat als nur hierher. Er ist überwältigt von der Freude, die ihn so durchdringt. Nun hat er Beweise über Beweise von dem lebendigen Gott.

Sardellus: „Wie viele werden es sein? Wenn du, Jakobus, uns sagen könntest, ob diese auch hierbleiben möchten, wäre uns viel gedient!“ Jakobus: „Erschrecket nicht, es sind weit über hundert, die keine Heimat haben und noch viele, die sich erst entscheiden müssen.“

Samino spricht: „Nikolaus, möchtest du wirklich hier Wohnungen anlegen? Sind denn auch Lebensmöglichkeiten gegeben. Die vielen Menschen wollen doch essen und bekleidet sein.“ Nikolaus: „Gewiß möchte ich dieses und wenn ich Jakobus richtig verstanden habe, will uns der Herr vorbereiten und braucht unsere Hilfe.“ Da nun den anderen dieses nicht so wichtig war, ließen sie sich von Jakobus auf eine kleine Anhöhe führen, von aus sie eine schöne Fernsicht hatten. Hier führte er nun die Zuhörer hinein in das Leben der Jesuliebe, die auch heute wieder einen herrlichen Beweis bringt. Vor allen wollten sie gerne wissen, wie es möglich sei, Dinge zu offenbaren, die erst später unter Beweis zu stellen sind.

Jakobus verstand es nun, die Kraft des Geistes und der Liebe so zu beleuchten, dass nun die Sehnsucht und das Verlagen immer größer wurden, Den ganz kennen zu lernen, der aus übergroßer Liebe nur die Rettung und die Glücklichmachung aller im Sinne hatte.

Mittag wurde es – dann machten sie sich auf, in die Herberge zu gehen, da es zeit war, das Mittagsmahl einzunehmen.

Fast gleichzeitig waren auch Nikolaus, Sardellus und Samino gekommen. Sie hatten rechten Hunger und waren von dem vielen Reden und Laufen auch recht durstig geworden. Nach dem Mahle waren Besprechungen über die Arbeit, wozu viele hilfsbereit tätig waren und Jakobus als Zimmermann gab Hinweise, die man beherzigen wollte. So verging der Nachmittag in anstrengender Arbeit.

Jakobus sagte: „Höret auf, denn Pistorius wird in kleinen Stunden hier sein. Die Karawane hat nicht so viele Zelte, um allen ein Nachtlager zu geben. Errichtet noch welche, damit wir dann umso zufriedener auf unsere Arbeit schauen können.“

Rasch verging es mit den Zelten, da Samino eine Lebendigkeit entwickelte, die alle in Erstaunen setzte. Dieser aber sagte: „Um der Liebe willen, muß alles in Liebe werden“.

Langsam im Schneckentempo, fuhr die Karawane. Den Tieren merkte man die Anstrengung an. Die Hälfte aller Menschen lief neben und hinter dem Wagen, die anderen aber lagen müde und krank auf dem Wagen. Auf einem Wagen lagen einige Priester und deren Knechte gebunden, weil sie sich wehrten, Pistorius Folge zu leisten.

Pistorius kam allein angesprengt, rasch war er vom Pferde, dann sagte er: „Nikolaus, es ist alles reine Wahrheit was Jakobus sagte, aber nun sehe du zu, wie du mit den Vielen fertig wirst. Vor allem haben wir schrecklichen Hunger und noch größeren Durst und die Tiere können sich bald nicht mehr bewegen, es ist mir das größte Wunder, dass ich alle und alles hierher bringen konnte.“

Sardellus fragte: „Hast du Schwierigkeiten gehabt?“ Pistorius: „Genug Herr, solch ein Gesindel von jüdischen Priestern ist mir noch nie begegnet, Teufel ist zu wenig gesagt, das Gericht wird ich mit denen befassen müssen. Ich möchte aber auch nicht alle in das Haus bringen lassen. Könnte ich nicht diese Zelte bekommen, um den Kranken und Geplagten eine ruhige Nacht zu geben?“ Nikolaus spricht: „Wir haben im Namen des Herrn vorgebaut und Jakobus ist ja noch hier. Es wird die Liebe Des Herrn überherrlich offenbar werden.“

 Inhaltsverzeichnis Band III