Karawane mit gefangenen Christen wird gefangen genommen

Endlich hielt die Karawane. Alle Hände halfen. Was sich aber für Szenen abspielen bei der Unterbringung der Kranken und Geplagten, läßt sich nicht schildern. Sardellus war außer sich als er mit eigenen Augen sah, was Tempelwut und deren Haß zu Wege brachte. Fünf gefangene Priester und zehn ihrer Diener mussten in ein sicheres Gewahrsam gebracht werden, das von den Soldaten streng bewacht war. Es war ihnen nicht mehr möglich, sich zu befreien.

Das Haus war übervoll. Nikolaus Weib rang die Hände, mit so vielen hatte sie doch nicht gerechnet. Die erste Sorge galt nun denen, die man in die Zelte schaffte. Es galt vor allem Kleidung zu schaffen, denn fast alle waren nackt und ihre Schamtücher waren sogar zerrissen. Es mussten ihre Wunden gereinigt werden, die ihnen Knechte der Priester durch ihre Peitschen und Riemen beigebracht hatten.

Wie dankbar waren die Befreiten. Noch nie hat ihnen das gereichte Brot und der Wein so gut geschmeckt wie heute. Es dauerte auch nicht lange, so brach der Lebenswille wieder durch und sie wurden wieder froher. Im Hause wurden alle gesättigt und endlich konnte Pistorius berichten, denn vor allem Sardellus wollte den ganzen Hergang wissen.

Er erzählte: „Als ich endlich nach langem, erfolglosen Suchen die Karawane sichtete, war mein Bestreben, alles in Ruhe und im Sinne der Liebe, die mir ja einen Beweis geben wollte, zu erledigen. Als die Templer uns sahen, setzten sie sich auch schon zur Wehr, ohne von uns gesprochen zu werden. Zwei meine Leute wurden dabei verwundet, was mich in ungeheure Erregung brachte. Ich schrie: Kein Pardon – dann war es das Werk weniger Minuten und wir hatten die bewaffneten Knechte überwältigt.

Ich sehe mich um, da kommt ein Priester mit einem Speer drohend auf mich zu, aber da er im Gebrauch mit Waffen ungeübt war, habe ich ihm den Speer bald aus der Hand geschlagen und ein Faustschlag in das Gesicht machte ihn unschädlich.

Inzwischen kamen noch vier Priester. Meine Leute waren inzwischen mit den Knechten fertig geworden. Die Priester brüllten mich an, warum ich friedliche Menschen überfalle. Erregt, wie ich war, gab ich zur Antwort: Überfallen nennt ihr meinen Dienst! Ich habe nur zu kontrollieren. Nun sollt ihr aber an mir einen erleben, der nicht das Geringste durch die Finger gehen läßt. Mit Donnerstimme fragt ich: Wer hat hier die Führung? Wer ist Besitzer dieser Karawane? Warum seid ihr Priester bewaffnet?“

Da sagte einer höhnisch: „Du hast ja gar nicht zu fragen, sondern sollst die glücklich schätzen, so wir dich fragen, mit welchem Rechte überfällst du uns?“ Da war es aus `Leute, sichert mir diesen Templer` rufe ich und in wenigen Augenblicken waren alle gebunden.

Nun kam die Ruhe über mich. Noch einmal fragte ich meine Leute: Sind wir angegriffen worden oder waren wir die Angreifer? und es wurde mir gesagt – wir wurden angegriffen, weil wir wahrscheinlich so schnell herangeritten kamen – . Gut sagte ich, wir wollen sehen was bei der Untersuchung herauskommt. Jedenfalls muß ich mich genau informieren lassen. Den anderen Treibern rief ich nun zu, sie sollten anhalten und sich uns zur Verfügung stellen. da kam einer hin und sagte: `Herr, lasse uns nicht entgelten, was diese Herren versündigten. Wir sind arme Fauns und müssen tun, was uns geheißen wurde.`

Hat man euch gezwungen ungesetzliches zu tun fragte ich, da antwortete der arme Mensch: `Nicht nur ungesetzliches, sondern unmenschliches`. Da sagte ich ihm: Wenn dem so ist, fürchte nichts, denn wir Römer handeln nur nach der Gerechtigkeit! Was habt ihr auf eurem Wagen, doch nicht etwa Menschen? Da kam die Antwort: `Nur Menschen- gute Menschen, die niemand etwas zu Leide taten. Ihr Fehler war nur der, dass sie Nazarener sind`.

Mit diesem Wort kam mir mit einmal die Mission in den Sinn, der zuliebe ich ja die Karawane suchte, und in mir zog Ehrfurcht vor dem Gott ein, Dem ich zu entfliehen suchte.

Lasse alle aussteigen, übernimm du in meinem Namen alle Sorge um die Menschen. heute lasse alle ruhen, denn morgen möchte ich bei dem Nikolaus am Wege Patmur sein. Dort hoffe ich alle unterzubringen. Dann müssen wir frühzeitig fahren, denn der Weg ist weit, wir haben wenig Wasser und ich kenne keine Quellen.“

So wurde ich nun Zeuge von einem Elend, welches ist selbst nicht im Kampfe erlebte. Du wirst an dich halten müssen um nur einigermaßen ruhig zu bleiben und so möchte ich die bitten, den Leuten heute die Ruhe zu gönnen, denn es sind wirklich Schwerkranke darunter.“

Nikolaus, der das Gespräch mit angehört hatte sagte zu Jakobus: „Bruder, was empfindest du in deinem Herzen?“ Jakobus: „Nur Weh und Schmerz, denn ich fürchte, Sardellus wird hart mit den Priestern umgehen“. Nikolaus: „Können wir da nicht sänftigen, Jakobus?“ Jakobus: „Hier nicht, denn die Wahrheit ist dermaßen überwältigend, dass nur ein Herz voll der größten Erbarmung noch eine Entschuldigung finden kann. Doch soweit ist Sardellus nicht. Wir können nichts dabei tun und müssen sein Gerechtigkeitsgefühl anerkennen, aber würdest du nicht einmal mit mir zu denen in den Zelten gehen?“ Nikolaus: „Gern, aber wir werden Sardellus bitten mitzukommen, damit er auch erlebe, wir im Geist der Heilandsliebe dienen möchten!“ Jakobus: „Habe Dank, Nikolaus. Mit dieser Rede hast du mir eine rechte Freude gemacht. Wir wollen auch den Schimba nicht vergessen, denn er wird es sein, der die Kranken in Behandlung nehmen wird und wer noch mitkommen will, den wollen wir willkommen heißen.“

Sardellus und Pistorius waren sofort dabei und da die Nackten bekleidet wurden, freute er sich die Begegnung der Armen mit dem Jünger Des Herrn.

Es waren ihrer viele, die zu den Zelten traten, Jakobus rief mit lauter Stimme: „Selig seid ihr, die ihr Leid traget, denn unser Leid soll in Freude und euer Schmerz soll auch in Freude verwandelt werden, und so ruft euch der Herr und Meister Jesu zu. Kommet heraus aus den Zelten und erfahret, wie herrlich der Herr eure Treue lohnt.“ Und heraus kamen die Schwergebeugten, andere wurden gestützt. Da sagte Schimba: „Im Geiste ist er hier, eure Rettung ist ja Sein Werk. Dort sehet unseren Bruder Jakobus, den Jünger des Herrn!“

Jakobus sah Sardellus und Pistorius. Mit wenigen Schritten war er unter den Schwerkranken und sagte mit lauter Stimme: „Schwestern und Brüder, der Herr will, dass eure Leidenszeit vorüber ist. Empfanget Seinen Segen und Seinen Geist! Ihr aber, die ihr in Treue in den Tod gegangen wäret, erstehet in Gesundheit und eure Wunden sollen schnell heilen. Lasset aber den Geist der Liebe und Verzeihung walten und Freude über Freude wird in euer Herz einziehen. Nach dem Maße eurer Liebe werdet ihr belebt und nach dem Zuge eurer Erbarmung wird Sein Heiliger Friede in euch auch froh und freudig machen! So geschehe Sein, aber auch euer Wille! Amen.“

Da wurden alle fieberfrei und die Schmerzen wurden erträglicher. Da sagte jemand: „O ihr lieben Freunde und du, Jünger des Herrn! Hochgelobt sei der Name des Herrn und gepriesen Seine Wunderkraft! Hier sehet meinen Rücken. Vor Schmerzen konnte ich nicht mehr liegen und vor Qualen hätte ich am liebsten sterben mögen, er ist so gut wie geheilt. Saget mir, wo kann ich dem Herrn meine ganze Dankbarkeit darbringen, denn das Wunder Seiner Liebe und Kraft ist ja übergroß, dass Er hier sein muss. Da sehet, meine Schwestern wären vielleicht schon gestorben, wenn Er nicht mit Seiner Hilfe zu uns gekommen wäre. O, du Jünger des Herrn, quäle uns doch nicht so mit deinem Schweigen, den jede Minute ist Sehnsucht nach Ihm verbracht, fehlt uns und Ihm.“

Jakobus legte der Frau die Hände auf und spricht: „Schwester, öffne ganz dein Herz und laß alles, was in dir Sehnsucht ist, zur Liebe und Erfüllung werden; denn siehe, der Meister kann dich nur erfüllen mit Seinem Geist und du wirst inne werden, dass du ganz bei und in Ihm bist. Nicht äußerlich kann Er zu dir kommen, sondern in deiner Liebe zu Ihm ist es Ihm möglich, dass Er und den anderen sichtbar wird. Es ist der Liebe größtes Wunder, dass in euch Sein Leben offenbar wird, aber noch größer wird das Wunder sein, wenn ihr in eurer Liebe Sein herrliches Leben offenbart. Sein Leben, was Er im größten Lebenskampf uns zu eigen gab, damit erstehen soll der herrliche Heilands- und Erlösergeist unter uns allen, damit Sein Wesen und Sein Ewiges Leben für ewig Eigentum der Erde und allen Menschen zum Heile werde.“ Da umstanden alle den Jakobus und ein Schein ging von ihm aus, den alle sahen.

Da sagte Sardellus: „Jakobus, hast du etwas getan, damit deinen Worten ein größerer Nachdruck verliehen wird? Noch nie sah ich ein derartiges Leuchten an einem Menschen.“ Jakobus erwiderte: „Sardellus, ich habe nur den Geist walten lassen, der mich mächtig belebt. Die anderen werden es gar nicht merken. Weil du aber mit deinem Verstand alles beobachtetest, liegt auch das Äußere dir näher, als das geistig Innere. Würdest du in solcher Liebe wie Maruschka entflammt sein, wahrlich, du würdest Wunder über Wunder erleben und dein in dir wohnender Geist aus Gott würde Tiefen über Tiefen in Gott schauen, der sich nur nach dem Reifegrad Seiner Kinder offenbaren kann.“

Sardellus: „Das ist mir unverständlich. So erlebt also die Maruschka etwas anderes als ich?“ Jakobus: „Nicht nur Maruschka, sondern ein jeder unter uns. Frage Schimba und bitte ihn, er solle berichten, was er jetzt in diesem Augenblick erlebt. Du wirst aus dem Staunen nicht herauskommen.“

Sardellus rief Schimba und Maruschka zu sich und sagte: Höret, ihr Lieben, das Wunder, welches uns offenbar wird, soll für jeden verschieden sein. Würdest du, so ich dich bitte, mir kundtun, was du jetzt erlebst?“ „Aber gern, lieber Herr! Mein Herz ist übervoll! Ich hätte schon längst gesprochen, aber es ist alles so belebt und da würde so manches verloren gehen. Wenn du, hoher Herr, die anderen um etwas Ruhe bitten würdest, würde ich übergern sprechen.“

Sardellus bat um einige Augenblicke Gehör für Schimba und da sagte Schimba: „Meine Freunde und ihr Vielgeliebten, höret, der Herr läßt mich etwas Wunderbares erleben. Er ist mitten unter uns mit einer Schar der liebvollsten Geister. Dir, Maruschka legte Er die Hand auf dein Haupt und es liegt ein goldener Glanz auf deinem Haar, das ich am liebsten mit der Krone vergleichen möchte und aus deinen Augen strahlt ein Leuchten! Wenn es finster wäre, würden alle das Leuchten sehen. Du Jakobus, bist eingehüllt in eine Sonne, die dich in einem herrlichen Glanz und Leuchten erschauen läßt und bei jedem Wort, welches du sagst, ist es als wenn Lichtfunken aus deinem Herzen kämen und sie dringen in das Innere der Zuhörer. Bei anderen sehe ich wieder Lichtgestalten, die sich am liebsten anklammern möchten. Bei dir, hoher Herr, sehe ich auch eine herrliche Frauengestalt, während aber eine Männergestalt nicht so strahlend sich in deiner Nähe aufhält. Im Hintergrund aber steht der Herr und schaut mit leuchtenden Augen auf uns.

Eine Schar ganz junger, aber lichtstrahlender Wesen sind um Ihn und nun sehe ich, wie die herrlichen Wesen Bänder, nein Lichtstreifen um uns weben und wie herrlich, ein jeder hat ein andersfarbiges Lichtband an die Lieben, auch an dich geknüpft. Jetzt hält der Herr beide Arme hoch, als wenn Er uns segnet und, o Wunder, aus seinen Händen, aus Seinen Augen, sogar aus Seinem Mund strömen Strahlen von Licht und beleuchten all die schönen Bänder. Diese aber strahlen das ihnen eigene Licht wieder zurück, es ist eine Schönheit, dieses Strahlen! O, wenn ich Maler wäre und dieses Lichterstrahlen nur festhalten könnte. O, jetzt wird das Licht immer stärker. Der Hauptstrahl wendet sich Jakobus zu, nein, aus Jakobus kommt das Strahlen und geht hin zum Herrn. Diese Strahlen dringen aber nicht, wie bei den anderen, in das Innere, sondern ballen sich in seiner Hand zu einem Kelch. Der Kelch wird voll des kristallenen Wassers, ein Lichtwesen verneigt sich hier weilenden Wesen.

Wieder erlebe ich ein neues Wunder. Die Lichtvollen erstrahlen noch heller und die weniger Strahlenden verändern sich auch zu ihrem Vorteil. Jetzt reicht ein strahlender Engel der bei dir Weilenden den Kelch. Sie trinkt nicht, sondern reicht denselben dem männlichen Wesen. Dieses trinkt und viel heller strahlend seine Augen, ja sogar das Gewand nimmt eine hellere Farbe an. Nun trinkt auch die strahlende Gestalt, gibt den Kelch zurück und der Mann reicht der hellen Frau die Hand und diese zieht ihn von hier fort; aber zuvor legt sie dir, hoher Herr, die Hand auf deinen Kopf, während der Mann dich nur ansah.

Sie sind verschwunden, aber um so mehr der lieblichsten Wesen drängen sich hin zu den Geretteten. Von denen geht auch ein herrliches Strahlen aus und der Herr segnet ihre Liebe, die sie denen erwiesen. Dich, Pistorius, lässt Der Herr besonders bestrahlen und gern würde die herrlichen Wesen uns auch aus diesem Kelch trinken lassen, aber wir sind eben noch im Fleischleibe! Meine Innere sagt: Es ist genug und so, hoher Herr, werde ich nun wieder schweigen!“

Sardellus spricht: „Aus allem kann ich mir nicht viel nehmen, aber sage mir, Jakobus, ist das alles wahr? Kann nicht die Fantasie dem Schimba einen Streich spielen? Es klingt mir alles so märchenhaft. Wer ist die Lichtgestalt und wer der Mann. Kannst du mir da rechte Auskunft geben?“

Jakobus: „Gewiß, Sardellus, diese Lichtgestalt ist deine in ihrer frühesten Jugend verstorbene Schwester und der Mann dein Vater. Deine Schwester hat den Herrn in aller Fülle erkannt und ihr Wesen ist Liebe und nur Liebe, während dein Vater immer noch zu sehr mit dem ihm anhängenden Göttern ringt. Heute nun ist es der Liebe deiner Schwester gelungen, ihn von der Liebe und Erbarmung des Herrn zu überzeugen und zwar durch dein Suchen nach der Wahrheit des wahren Gottes.“

Sardellus: „Wieso ich, was weiß ich von meiner Schwester, die seit 20 Jahren längst vergessen ist und was wird sie von mir wissen? Überhaupt sage mir, kann denn ein Verstorbener nach solch langer Zeit sich noch an uns erinnern. Du gibst wahrlich Rätsel auf – und mein Vater, war er nicht ein rechtlicher Mann?“

Jakobus: „Sardellus, du wirst doch nicht zweifeln an der Wahrheit, die dich der Herr erleben läßt, denn gerade um deinetwillen hat der Herr alles so geführt und das größte Wunder wirst du heute noch erleben, denn deine noch lebende Schwester befindet sich dort im Zelt. Aus Scham vor den Vielen, die gekommen sind, ist sie mit noch einer anderen nicht aus dem Zelt getreten.“ Sardellus: „Was sagst du – meine Schwester?“

Jakobus: „Ja, dein Schwester Danila, die um ihres Glaubens willen sich von euch trennte.“ Sardellus packte Jakobus an den Armen und sagte ganz aufgeregt: „Jakobus, es ist ja ganz unmöglich. Danila, die ich seit 10 Jahren nicht mehr sah, ist hier? Komm führe mich zu ihr!“

Da ging Jakobus mit Sardellus an das Zelt und sagte: „Danila, komm heraus und erlebe die Wunder des Heilandes Jesu, die dich jetzt für alles Leid belohnen.“

 Inhaltsverzeichnis Band III