Sardellus findet seine Schwester Danila wieder

Da tritt Danila an das geöffnete Zelt und sieht ihren Bruder. Dieser aber ergreift Danila und spricht: „Danila, bist du es wirklich!“ Ich bin es, Sardellus. Denke aber nicht, dass ich den Glauben an Jesu dem Heiland aufgebe.“

Sardellus: „Das sollst du auch nicht, aber weißt du, dass nun gerade du es bist, dir mir endlich das gibt, nach dem ich so sehr suche. Hier ist unser Hausgötze, sieh her, mit Füßen trete ich auf ihn. Ich kann mich endlich ganz frei machen für deinen und hoffentlich auch meinen Heiland.“

Danila umarmt ihren Bruder und spricht unter Weinen: „Sardellus, nun sind alle Leiden bezahlt, mag kommen was will, der Heiland ist nun felsenfest in mir verankert, nun weiß ich auch, dass du volle Erlösung findest.“

Sardellus: „Danila, dort, dieser ganz einfache Bruder, schaute vorhin den Vater und die Monika. Laß dir von ihm erzählen, mir kommen doch nicht die rechten Worte.“ Danila: „Sardellus, der Bruder geht noch nicht fort, da bleibt mir immer noch Zeit, sag mir aber, wie kommst du hierher, bist du an unserer Rettung beteiligt? Ich war recht krank und fürchtete, von hier gehen zu müssen ohne mit euch ausgesöhnt zu sein. Wo und wann ist Vater gestorben? Siehe, ich konnte nicht mehr von der Liebe zum Herrn lassen und in der Liebe zum Herrn spürte ich nichts von der Trennung von euch.“

Sardellus: “Danila, nun ist alles gut, komme mit in das Haus des Nikolaus und wenn du willst, schlafe in meiner Kammer, nur um das eine bitte ich dich, führe du mich ein in das Wesen des Heilandes Jesu!“ Danila: „Ganz recht, Sardellus. Vorerst aber wollen wir die anderen nicht vergessen, denn in der Liebe zu den anderen wird das Wesen des Herrn offenbar. Und du bist der Jünger, der immer bei dem Herrn war. Dich erkenne ich noch ganz genau, denn du bist der einzige von deinen Brüdern, der dem Herrn zuliebe die Heimat verließ und mit dem Herrn zog.“

Jakobus: „Danila du hast recht. Die anderen aber taten auch, wozu ihr Herz sie drängte. Du wirst rechte Freude noch erleben und nun mache das Maß der Liebe voll und gehe mit Sardellus.“ Die anderen waren erschüttert, dass gerade Sardellus seine Schwester finden mußte.

Da sagte Danila: „Gerade hier sehe ich die Liebe des Heilandes, dass Er nur mit Seinen Getreuen das höchste Ziel erreichen will, während die anderen sich erst durchringen müssen. Nicht, dass sich Sardellus durchringen soll, o nein, denn Sardellus ist ja voll des größten Verlangens nach der Liebe des Herrn, um meinetwillen mußte dieses alles geschehen, denn wir sind wahrlich schwach geworden in der Stunde der Prüfung. Keinen Tag länger hätten wir durchhalten können, da wir durch die Leiden und Qualen völlig entkräftet waren. Nun aber steht die Liebe des Herrn und die ganze Herrlichkeit Seiner Führungen in einem ganz anderen Licht vor uns. Diese erlebte Liebe sollen wir zu unserer Liebe machen.“

Sardellus: „Fühlst du dich noch krank“, fragte Sardellus besorgt. „Der Wirt Nikolaus wird alles tun was ich wünsche.“ Danila: „Sardellus, sorge dich ja um alles nicht mehr, denn hier ist keine Sorge mehr am Platze. Lasse ganz den Herrn in dir walten, wie der Wirt den Herrn walten läßt und du wirst neue Wunder der Liebe erleben. Wir sind geborgen in Ihm und sollen uns nur von einer Sorge leiten lassen, dass wir das Heiligtum Seiner Liebe in uns bergen, aller Feinde zum Trotz.“

In der großen Stube ging es sehr eng zu. Die Tische waren alle voll besetzt. In der Küche fehlten vor allem die Hände die das Mahl fertigmachen sollten. Da war es Danila, die zu den anderen Frauen, die nicht so gelitten hatten sagte: „Wollen wir nicht in der Küche der Wirtin zu Hand gehen, ich habe das Gefühl, dass es an Hilfe fehlt, die Zeit ist vorüber wo Engel uns Menschen halfen. Jetzt müssen wir die Engel ersetzen.“ Da wollten alle mithelfen und wie rasch ging mit einmal alles. Die Wirtin brauchte nur anzuweisen und in kurzer Zeit konnte die Hälfte der Anwesenden essen und die andere Hälfte half denen, die das Essen in die Zelte trugen.

Nikolaus sagte zu Jakobus: „Bruder, das geht nicht mit rechten Dingen zu. Das Essen in den Kesseln müßte längst alle sein, doch was erlebt mein Weib, der Kessel wird nicht leer!“ Jakobus: „Nikolaus, mache nicht viel Aufhebens, dass du, dein Weib und deine Kinder das Wunder erleben zu eurer Festigung. Für die anderen mag es ruhig die Folge eures Fleißes sein. Der Herr kann doch mit Wundern aus Seiner Allmacht nicht mehr unser Helfer sein, sondern mit der Liebe die wir als Seine Getreuen Ihm zurückgeben.

Du wirst die größte Freude an Sardellus und seiner Schwester noch erleben. Nur um eines bitte ich dich, lasse auch den Gefangenen ihre Speise zukommen und bitte Pistorius, dass er dafür sorgt, dass ihnen nichts vorenthalten wird.“ Nikolaus: „An die dachte ich allerdings nicht mehr, es ist gut, dass du mich daran erinnerst.“

In zwei Stunden waren alle gesättigt. Die Anstrengungen des Tages erforderten Ruhe, darum sagte Jakobus: „Schwestern und Brüder, es ist spät geworden. Der Tag hat soviel Kräfte gefordert, dass es an der Zeit ist, die Ruhe aufzusuchen. Jeder von uns mag in seiner eigenen inneren Welt alles ordnen, dass morgen die Liebe und Gnade Des Herrn immer heller und leuchtender offenbar wird. Ihr habt heute mehr denn als nur Offenbarungen erlebt, sondern den Herrn Selbst und so macht euch würdig dieser herrlichen Gnade. Möge Sein Geist in euch alles beleuchten und auch in die rechte Klarheit führen, denn ihr müßt euch auch klar werden, was mit euch werden soll. Würde ich euch beeinflussen, dieses oder jenes tu tun, wäre es gefehlt. Ganz freiwillig müssen eure Entscheidungen sein und dass wir alle an euer Glück denken, soll heute wie immer, eure Freude sein. Seid in Seiner Liebe gesegnet und von dem Geiste gestärkt, der euer alle Heil will, dann werdet ihr auch dem Leibe nach gestärkt sein. Ruhet in dem Bewusstsein: Der Herr ist unsere Burg und Sein Friede wir euer Friede sein! Amen.“

Schon zeitig in der Frühe wurde es lebendig in der Herberge, in den Zelten war noch Ruhe. Die Treiber versorgten ihre Tiere und je mehr es Tag wurde um so mehr traten aber auch Anforderungen an Nikolaus heran. Da kam nun Jakobus und sagte: „Bruder, lasse dein Weib sorgen, dass Frühmal ist ja fertig und Der Herr kann sich nur da überherrlich beweisen, wo Ihm das Vertrauen entgegengebracht wird. Dein Weib hat in Sardellus Schwester eine herrliche Hilfe, ihr gelingt es mehr denn uns, Hilfe zu bringen, denn auf sie hören alle.“

Nikolaus drückte Jakobus die Hand und sagte: „Bruder, wie kommt es, dass ich gerade jetzt, wo der Herr so ersichtlich mit Seiner Gnade unter uns ist, versage? Ich schäme mich vor mir selbst!“ Jakobus: „Das alles musst du selbst in dir finden. In Dingen, die nur dich und den Herrn angehen, kann auch der Rat eines Bruders falsch sein. Anders wäre es, du wärst in einer seelischen Not, da brauchst du Hilfe. so aber lebst du unter den Wundern herrlicher Liebe und verpaßt das Beste.“ Nikolaus: „Bruder, Bruder, das war die beste Antwort. Ich danke dir!“

Sardellus, der sich mit seiner Schwester die ganze Nacht unterhalten hatte, ruhte nun noch, aber Danila war wie neu geboren. Mit einer Frische begrüßte sie alle und dann ging sie in die Küche und fragte, ob und wieviel nötig sein werde.

Sardellus: „Ach Schwester, noch nie hatten wir so viele Gäste. alles ist mir so unbegreiflich. Mir geht es fast nicht in den Sinn, dass in der Liebe so vieles möglich ist. Wenn du es vermagst, so hilf mir nach eurer Liebe, denn ihr sei ja unsere Gäste.“

Danila: „So nicht, das ist gefehlt. Wir sind keine Gäste und können ja nicht den geringsten Stater bezahlen. Wir sind Kinder eines Vaters im Himmel und es ist die Sorge unseres Vaters, dass alle satt werden. Nicht nur einmal erlebten wir beim Herrn, dass alle satt wurden, ohne je das Geringste dazu beigetragen zu haben. Also lasse mich machen und es wird schon alles richtig werden. Den Männern wollen wir nichts merken lassen von unserer geringen Mühe, die haben heute auch ihren Tribut an die Welt zu bringen.“ Welch eine Freude entwickelte sich nun unter uns allen, wo sie wussten, dass sie gerettet waren, sah ja für alle alles rosig aus und es löste sich darum keine Enttäuschung aus, als Pistorius durch einen Mann alle versammeln ließ.

Sardellus, Nikolaus und Pistorius begrüßten nun die Versammelten und Sardellus sagte: „Meine Freunde, es ist für euch eine Aufgabe, auch allen gerechte zu werden. Ich kam hierher, um die Wahrheit über den wahren Gott zu finden und da ich Gott gefunden habe, stellt Er mich mitten unter euch, die ihr um eures Glaubens willen viel Ungemach erleiden musstet. An euch ergeht nun die Frage: Was hat mit euch zu geschehen? Wer auch euch hat eine Heimat und wer aus euch braucht eine neue Heimat? Es ist gewiss, wenn der eine oder andere wieder in seine Heimalt zurückkommt, fällt der Tempelhass aufs Stärkste wieder auf euch zurück, denn dass wir den Priestern ihre Versprechen ungestraft lassen, geht doch auf keinen Fall.

Um die Arbeit zu erleichtern, bitte ich um eure Mitarbeit, und wer keine Heimat braucht trete aus dieser Mitte heraus, wir schaffen euch dort hin, wo ihr zu hause seid. Für alle, die keine Heimat haben, ist Nikolaus bereit, mit eurer Hilfe euch eine neue Heimat zu bieten. Hier vor uns ist fruchtbares Land, es bedarf nur der Arbeit, um es nutzbringend zu machen. Für Wohnungen würde ich, Kraft der Vollmachten und Befugnisse in Kürze sorgen, ich weiß, der Stadthalter würde alles gutheißen, was ich unternehmen würde. Ihr Männer, wendet euch an Nikolaus und ihr Frauen und Mädchen an Danila. Die Gnade Gottes so wunderbar ersichtlich ist, so bitte ich euch, dass auch euer Beginnen in diesem Geist vor sich gehen soll. Ich habe nun mit den Templern meine Arbeit und wer da noch Klagen vorzubringen hat, mag sich an euren Befreier, Pistorius wenden.

Jakobus aber besuchte die Kranken mit Schimba. Gegen Mittag waren alle gesund und konnten sich auch auf den Besprechungen der anderen beteiligen. Sardellus ließ die gefangenen Templer vorführen und erlebte in diesen Menschen derart verstockte und bestialische Wesen, dass er zu Pistorius sagte: „Was ist da zu tun mit Menschen von derartigen Wesen mag ich nicht verhandeln. Mir ekelt vor dem Schmutz, der sich mir auftut. Danila hat ohne große Umschweife mir alles geschildert. Oder willst du an meiner Statt die Verhandlungen führen? Sie gehören ans Kreuz.“

Nikolaus sagte: „Sardellus, ich habe einige bekehrte Priester hier, ich werde sie rufen. Wir wollen sehen, was sich tun lässt.“ Nikolaus holte Simon und Elias. Als diese die fünf Priester sahen, erschraken sie. Sardellus, der auf alles achtete, sagte: „Warum erschrecket ihr? Ihr seid doch keine Angeklagten?“

Simon: „Nein, Herr, aber unsere Freunde sind es, die nach Anweisungen des hohen Priesters handelten.“ Sardellus: „Hier kommen nicht die Anweisungen des Tempels in Frage, sondern die Verbrechen, die sie an den Gefangenen begangen haben. Oder sind das auch erlaubte Dinge, wenn man nackte Frauen, die sich auf das Entschiedenste weigern, mit ihren Peinigern der Wolllust zu frönen, ihre Rücken blutig schlägt oder sie an Händen und Füßen fesselt und sie dann ganz der Willkür der Knechte überlässt?“

Simon: „Herr, lasse mich mit ihnen reden, aber allein. Vielleicht gelingt es mir, ihnen ihren harten Sinn zu brechen und aus ihnen wieder brauchbare Menschen zu machen.“ Sardellus gab Nikolaus und Pistorius einen Wink und sie verliessen das Zimmer. Da es ebenerdig lag, gingen sie hinaus und so konnten sie hören was gesprochen wurde. Simon wurde mit Schande überhäuft, weil er an der Sache des Tempels verräterisch gehandelt habe und sie riefen ihm zu: `Ihr habt wohl ganz vergessen, dass immer noch der Tempel und die Römer nicht die Macht haben.`

Als der erste Sturm vorüber war, sagte Simon: „Ihr verkennt die Lage in der ihr stehet, Römer hin oder her, wir sind alle Menschen. Unser Recht sollte sein das Recht und die Freiheit, die die Menschen dem Tempel einräumten, nicht zu missbrauchen. Auch ich habe Nazarener gesucht und zu Gefangenen gemacht. Ich habe sie aber immer noch als Menschen behandelt – ihr aber nicht. Wie wilde Tiere und Bestien habt ihr mit ihnen gehandelt. Eure eingeräumte Macht habt ihr missbraucht und gehandelt wie Teufel. Mein Rat geht an euch: Betreuet eure Untaten, die Römer sind feinfühlige Menschen und vor allem Christen, die nicht euren Untergang, sondern eure Rettung vor Augen haben.“

Ein Priester: „Da bist du wohl auch solch ein verruchter Nazarener geworden! Weißt du, was du in meinen Augen bist? Der größte Verräter, der größte Lump, den ich mir denken kann, geh aus meinen Augen. Schade, dass mir die Hände gebunden sind, mit meinen Händen würde ich dich erwürgen, du wärst nicht der erste.“

Simon: „Soweit hast du dich schon verstiegen! Du dauerst mich. Deine Sache steht schlimm, denn nun wird dich nicht nur das Gesetz, sondern auch Gott strafen. Einem Priester steht nicht das Recht zu, zu richten, darum richte ich dich auch nicht. Aber ihr anderen, lasset euch nicht von eurem Bruder blenden, es geht um euer zeitliches und ewiges Sein.“

Priester: „Halte dein Maul, du Verräter, kein Wort mehr oder ich vergesse mich.“ Simon: „Lasset ihn brüllen, er hat sich schon zu weit vergessen, aber um eurer Rettung willen seid offen und frei.“

 Inhaltsverzeichnis Band III