Verurteilung des Priesters Ramon

Am Nachmittag sollte die Verhandlung mit Ramon fortgesetzt werden. Von zwei Soldaten begleitet wurde er vorgeführt und bei dieser Gelegenheit sieht ihn der Grieche. Er folgte dem Gefangenen und steht auf einmal auch vor dem Richter und Sardellus, die erstaunt aufschauen. Der Richter fraget den Griechen nach seinen Wünschen und da spricht er: „Herr, gegen diesen Priester habe ich auch Klage zu führen. Mich und meinen Herrn betrog er nicht, aber Hunderten ließ er die ganze Habe wegnehmen. Seine Gewalt ging soweit, dass, wenn er ein junges Menschenkind sah, stempelte er es zum Christen, um einen Grund zu haben, es fortzuschaffen. Dieser hat einen Handel mit Menschen getrieben.“

Der Richter fragte: „Kannst du das beweisen?“ Der Grieche sagte: „Sofort, denn unter meinen Treibern ist einer, den mein Brotherr gekauft hat. Dieser tut Treiberdienste und kann sofort meine Aussage bestätigen. Darf ich ihn holen?“ Der Richter: „Hole ihn, aber spreche nicht mit ihm, ein Soldat mag mitkommen.“

Der Grieche ging mit dem Soldaten, da sagte der Richter: „Ramon, deine Sachen stehen schlecht, wenn sich alles bestätigt, ist das Kreuz dir sicher. Warum willst du kein Geständnis machen?“ Ramon: „Wie werde ich etwas gestehen, einem Römer gegenüber erst recht nicht, ich habe ein Recht so zu handeln!“ Der Richter: „Ramon, du bist der erste nicht, der dieser Trugidee zum Opfer fällt. Siehe, dein Gott konnte wohl die retten, die du gefangen nahmst, aber dich läßt Er fallen, weil Er mit Menschen wie du Seine Liebe nicht besudeln lässt. In diesen Tagen habe ich genug gesehen und der Jünger Jakobus hat mir deinen Gott Jehova in einem anderen Licht gezeigt.“

Der Grieche kommt mit seinem Treiber und spricht: „Herr, kein Wort sage ich zu meinem Treiber. Der Soldat kann es bezeugen. Frage du ihn selbst über das, was du wissen begehrst.“ Der Treiber stand ruhig vor den Römern und sah Ramon ganz fest an.

Da fragte der Richter den Treiber: „Kennst du diesen Menschen, sprich die Wahrheit, du stehst vor einem römischen Gericht.“ Der Treiber: „Herr, was soll ich sagen. Ich kenne den Menschen nicht, aber er ist es, der mich und noch einen anderen Bruder vor mir, sowie auch viele andere aus unserem Ort gefangen nahm, unter Prügeln und Hunger auf Wagen lud, wo wir tagelang gebunden lagen und uns nicht rühren konnten. In Sidon wurde ich von einem Kaufherrn gekauft und musste dort als Leibeigener alles tun, was befohlen wurde.“

Der Richter: „Bist du Christ?“ Der Treiber: „Noch nicht, weil ich keine eigene Willensmeinung haben darf, aber gern möchte ich einer sein!“ Der Richter: „Für deine Freiwerdung werde ich mich einsetzen, würdest du aber diesem da, der dir und den anderen solch unsagbares Leid zufügte, auch vergeben können?“ Der Treiber: „Herr vergeben, das wird schwer sein, denn was er mir zufügte, das könnte ich ihm vergeben, dass er aber meine Mutter fast zu Tode prügelte, weil sie uns nicht hergeben wollte, kann ich ihm nicht verzeihen, denn meine Mutter war mir alles!“ Der Richter: „Es ist gut mein Sohn, gehe wieder an deine Arbeit, ich werde gutzumachen versuchen, was verbrochen wurde.“

Die 30 Geretteten wollten auch bei Nikolaus bleiben und gingen sofort an die Arbeit. Samino holte mit seiner Karawane Lebensmittel. Alles war zugeschnitten, um das Werk recht bald zu beenden.

Jakobus sagte zu Nikolaus: „Bruder, ich bekomme den Ruf weiterzuziehen. Dein Lebenswerk geht dem Gelingen entgegen. Was du hier tust, ist ja nicht aus dir, sondern aus dem Herrn. Bleibe in dem Geiste und du wirst immer mehr und mehr innewerden, wie dich der Herr beleben wird! Alles, was wir noch zu besprechen hätten, gibt dir der Geist ein und die Liebe deiner Brüder. In all den Angelegenheiten als Vorsteher deiner Gemeinde lasse den Geist walten, der Liebe, Weisheit und Ordnung ist.“

Nikolaus: „Jakobus, du wirst uns fehlen. Siehe, mit dir ist Arbeit, Segen und vor allem die Wahrheit zu uns gekommen. Simon hat ja den Willen, aber es wird doch noch an Manchem fehlen.“

Jakobus: „Nein, Nikolaus, trage du ihn im Glauben und durch die Macht der Liebe und sei du dir bewusst, der Herr gibt allen das ihnen Nötige. Siehe, deine Liebe zeitigt Früchte. Das Werk wird bestehen, solange du mit Dem verbunden bist, Der das A und das O ist! Darum bleibe in diesem Geiste und sei dir bewusst, dass nur Jesus und wieder Jesus über dieses alles Seine Hände hält, denn Er, der Meister der Liebe, gab ja dir nur den Geist, du aber gibst ihm die Frucht des Geistes, nach der Er Verlangen hat, und wahrlich, Er ist reich beglückt über deine Liebe. Wenn in deinem Herzen das Bestreben immer lebendiger wird, dann sei versichert, es ist des Herrn Geist. Wird aber in dir die Freude größer, dann sei bewusst, es ist des Herrn Freude, der, in dir Wohnung genommen hat. So richte dich nun damit ein, alles soweit in Ordnung zu bringen, dass in dir keine neue Fragen kommen, denn die auf und in den Wegen des Herrn wandeln, müssen bewusst Menschen sein.“

Der Richter hatte alles Trübe und Traurige hinter sich. Der Priester, der so unmenschlich und teuflisch handelte, wurde zu 15 Jahren schweren Galeeren verurteilt, die anderen zu Zwangsarbeit bei Nikolaus, bis die letzte Ernte unter Dach und Fach ist. Der Verurteilte wurde unter Bewachung abtransportiert und nach diesem traurigen Geschäft sagte der Richter zu Jakobus: „Jetzt endlich bin ich soweit, um mit dir über den Gekreuzigten zu sprechen. Ich habe es bisher vermieden, um nicht Stimmungen walten zu lassen, die schließlich aufgestiegen wären.“

Jakobus: „Ich wusste es, auch ich hielt mich in einer gewissen Ferne, um dich nicht im Geringsten zu beeinflussen.“ Der Richter gab Jakobus die Hand und sagte: „Für dieses danke ich dir besonders. Ich weiß, dass in dir der Geist des Auferstandenen lebt. Ich erlebe die Wahrheit und das Leben des Erstandenen ja an den Geretteten. Aber ich kann immer noch nicht mit euch gehen. Wie kommt es, dass du dem Pistorius die Bitte des Erstandenen unterbreitetest, beide Karawanen zu befreien? Wie kommt es, dass du den Auftrag und keiner von den anderen denselben erhielt? Mir kommt dieses merkwürdig vor!“

Jakobus sieht lange den Richter an und spricht: „Alles was von dem Herrn in einem Menschen als Offenbarung angenommen wird, richtet sich nach dem Zustand und nach dem Verhältnis, wie der Mensch zu Gott steht. Du kennst Moses und die Propheten, du kennst aber auch David und Salomo und du bist immer unbefriedigt bis zur Stunde gewesen. Wie kommt es, dass dir die Offenbarungen an die Gottesmänner das nicht geben konnten, was es den Gottesmännern war? Siehe, es lag daran, weil sie zu dem Herrn in einem anderen Verhältnis standen. Du weißt, auch, dass gerade der Stadthalter die Lehre des Herrn und Meisters Jesu gefördert haben will. Du weißt auch, dass gerade der Stadthalter am meisten Jesu prüfte und von Seinem Geiste erfüllt war. Nicht nur einmal wollte der Stadthalter die Lehre des Auferstandenen zum Gesetz machen, aber da war Jesu, der ihm abriet und warum? Weil die Freiheit der Menschen nicht beengt werden sollte und da Jesus den Tempel nicht angriff und alle die Heiden mit der gleichen Liebe behandelte, so konnte Ihm, dem Herrn, auch kein Vorwurf gemacht werden.

Der Stadthalter sah dieses auch ein und erkannte in dieser Einsicht die große Wahrheit und Liebe des Herrn und hatte darum auch nur den Wunsch, dass alle seine Beamten die Lehre des Herrn fördern sollten. Leider ist diesem Wunsche wenig Rechnung getragen worden. Ja, ich möchte sagen, feindlich standen viele den Anhängern der Lehre Jesu entgegen bis sie zu dem Bewusstsein erwachten, dass doch der Gott, den Jesu vertrat, der ewig und wahre ist.

Dass nun dieser erkannte Gott mit Seinen herrlichsten Offenbarungen auch vorsichtig ist, muss dir schon dein Verstand sagen und wenn du Offenbarungen von einst und jetzt vergleichst, wirst du erkennen, dass alle Offenbarungen nach dem Erkenntnisgrad abgestimmt sind. Bedenke die Offenbarungen auf dem Berge Sinai und halte denen die Offenbarungen durch Jesu gegenüber. Dort heißt es, Zahn um Zahn und hier liebet eure Feinde, ja segnet die euch fluchen. Und es ist doch ein- und derselbe Gott, aber nicht ein und dieselben Menschen!

Gott kann sich bei allen Offenbarungen nur auf den Boden stellen, auf dem der Mensch steht. Du musst aber auch bedenken, wenn der Mensch Offenbarungen braucht, sollen dieselben auch nur dienen, den Menschen auf eine höhere Stufe zu stellen. Ihr Römer steht schon auf einer höheren Bildungsstufe gegen diese Menschen, die hier leben, aber diese Stufe ist verstandesmäßig. Gott sieht bei allen Offenbarungen nur auf die Herzensbildung, und alle Offenbarungen, die mit dem Herzen aufgenommen werden zeitigen auch ein anderes Resultat als die, die mit dem Verstande angenommen werden. Jesus konnte darum auch die höchsten Offenbarungen empfangen, weil Sein ganzes Inneres auf den Gott gerichtet war!“

Der Richter: „Halt einmal ein, Jakobus, Jesus erhielt die höchsten Offenbarungen, weil Sein ganzes Innenleben auf den ewigen Gott gerichtet war? Mir aber wurde gesagt, dass eben gerade Jesus der ewig Gott war - hier komme ich in eine Sackgasse!“ Jakobus: „Ganz recht, wenn der Mensch Jesus und der Innenmensch Jesu nicht voneinander getrennt werden! Jesus war ein Mensch und Er war genau mit allem behaftet, wie wir alle. Durch das frühe Erkennen Seiner Mission als Mensch wandte Er auch allen Fleiß auf und brachte es fertig, Seinen in Ihm wohnenden Geist mit dem Gottesgeist zu einen, und konnte darum Dinge erleben und empfangen wie noch kein Mensch zuvor alle Seine Kraft, Seine Weisheit und Sein hoher Lebensstand war die Frucht Seines Fleißes und der Gotteignung .“

Der Richter: „Jakobus, da steigen immer neue Fragen auf; aber mit neuen Fragen ist mir nicht gedient, sage mir nur das eine: Ist diese Auferstehung des Gekreuzigten und verstorbenen Jesus eine wahrhaftige, d.h., was ist bei diesen Vorgängen alles wieder lebendig geworden? Ist es derselbe Leib, dieselben Hände und Füße oder ist die Auferstehung eine rein geistige?“ Jakobus: „Alles ist wieder zum Leben erstanden, nichts Verwesliches ist im Grabe verblieben, wir haben uns überzeugt. Sein Leib ist rein vergeistigt und Den trägt Er jetzt und für alle Ewigkeiten. Und alle, die an Ihn glauben und diesen Seinen Geist in sich mit ihrem eigenen Geist einen, werden, genau wie Jesus, auch erstehen und in einem unzerstörbaren Leibe und Ewigkeiten hindurch die Früchte ernten, die durch ihren Fleiß als Mensch zu dem ewigen Gott entstanden sind.“

Der Richter: „Jakobus, ich danke dir für diese Hinweise. Sie genügen vollauf, ich denke, dass wir auch noch etwas zusammenbleiben. Oder dachtest du länger hier zu bleiben. Ich würde dich gern nach Tyrus mitnehmen und gern Zeuge sein von allem, was du bis dorthin wirken wirst.“ Jakobus: „Die zustimmende Antwort kann ich dir noch nicht geben, da die Antwort vom Herrn abhängt. Ich gehöre nicht mir, da ich ganz dem Herrn dienen will. Nur wenn ich ganz in diesem Geiste diene, habe ich auch vollen Erfolg.“

Die anderen hörten mit Interesse das Gespräch und die Folge war, dass immer wieder Wünsche laut wurden. Am meisten Sardellus, der überglücklich war, Danila, seine Schwester, gefunden zu haben und noch immer nicht verstehen wollte, dass gerade sie schwieg, so er den Räumer ihrer Ehre erfahren wollte.

So trat er an Jakobus heran und fragte ihn unter vier Augen, ob er ihm denselben nicht namhaft machen könnte. Jakobus: „Ich kann es nicht, lieber Sardellus, weil der Her es mir noch nicht kündete, aber sage, was willst du tun? Willst du dem Herrn vorgreifen. Warum willst du dem Herrn dieses nicht aufopfern?“

Sardellus: „Jakobus, wir sind Römer und haben eben in bezug auf Ehre andere Begriffe wie ihr.“ Jakobus: „Wir alle zusammen sind Menschen und Ehre ist ein Begriff, den dir nicht Menschen geben können. Der Meister sagte einmal: `Des Menschen Sohn ist nicht gekommen, dass Er sich dienen und ehren lasse, sondern dass Er diene und ehre Den, der Ihn gesandt hat.`

Siehe, darin liegt meine Ehre, dass ich ganz den Willen des Herrn tue. Was die Welt dazu sagt, ob ich gelobt oder getadelt werde, kümmert mich nicht, da mir nur an der Zustimmung des Herrn und an der Einswerdung mit Ihm etwas liegt. Alles, was sich ereignet, sei es schön oder unschön, ist nur Mittel, um dieses längst ersehnte Ziel zu erreichen. Warum willst du es nicht als Mittel ansehen? Für Danila war es eine Schule, sie ist daran gereift. Du müsstest dich darüber freuen und nicht das Vergangene immer wieder lebendig machen.“

Sardellus: „Jakobus, wenn ich das könnte! Es geht aber eben nicht. Ich werde nicht eher meine Ruhe haben bis diese Schmach gesühnt ist.“ Jakobus: „Wenn der Meister so denken würde, glaubst du, dass Er das größte Liebes- und Opferwerk hätte vollbringen können, oder wenn der Meister in der Stunde Seiner Bewährung versagt hätte, dass Er den Tod hätte überwinden können? Nein, Bruder Sardellus, da wäre Er nur ein Moral- und Menschendiener geblieben, der wohl Gutes, aber nicht das Beste mit den Menschen wollte. Das Beste aber, was Er uns brachte, ist ja Sein Leben und dieses ist ewig!“

Sardellus: „Jakobus, verzeihe, ich weiß, du kannst und darfst nicht anders zu mir reden und es wird noch eine lange Zeit dauern, bis ich ganz den Herrn verstehe!“ Jakobus: „Der Herr drängt nicht, aber um deines inneren Friedens willen wünschte ich dir, dass du ganz in den Geist eindringen könntest. du würdest erschauern vor der Macht der Liebe. Bruder, in dem Geist der erbarmenden Liebe wird dir der Verbrecher sogar zum irrenden Bruder, der nur ein Opfer seiner falschen und verkehrten Erziehung geworden ist. Siehe, Danila hat ihm vergeben und dadurch ist sie dem Herrn bedeutend näher kommen. Sie hat Frieden und ist ausgesöhnt mit dem Herrn.“ Sardellus: „Jakobus, nochmals meinen Dank, trage auch du mich um Danilas willen, denn um keinen Preis möchte ich ihren Frieden stören!“

An diesem Tage noch bat Danila um eine Unterredung, wo Sardellus zugegen war. Danila sagte: „Bruder Jakobus, ich habe ein Anliegen und brauche deinen Rat, damit es mir nicht zur Herzensnot werde. Es handelt sich um den Priester, der mich misshandelte. Siehe Jakobus, dieser Priester bat mich flehentlich um Vergebung. Er ist bereit, jedes Opfer zu bringen, um mich vergessen zu machen, was er in seiner Blindheit tat. Ich antwortete ihm, dass ich das wohl nie vergessen könnte und er habe das mit sich selbst abzumachen. Gott kann nur das vergeben, was ein Mensch sich selbst vergeben kann. Darauf spricht er zu mir: Wenn ich mir nur das vergeben und ungeschehen machen könnte. Ich bin verurteilt hier zu arbeiten, ich muss dich jeden Tag sehen, wohne unter demselben Dach mit dir und in meinem Herzen brennt die Qual über meine Untat. Nun ich alles das Verkehrte und Böse eingesehen habe, mein ganzes Leben wie es bis jetzt war, ist ja nichts weiter gewesen als eine große Lüge und nun sehr ich unter euch eine Gemeinschaft, die ja das Gegenteil von dem ist, was wir oder der Tempel will. Da habe ich nur einen Wunsch, zu vergeben oder gutzumachen.“

Da sagte ich zu ihm: Es freut mich, dass du den Weg zu mir gefunden hast. Auch deine Strafe wird zu Ende gehen bis dahin kannst du innerlich viel ausreifen. Eines Gutmachens bedarf es ja nicht mehr, da ja der Herr schon alles gutgemacht hat. In meinen Augen bist du ohne Schuld und ich will dir gern dazu verhelfen, dass du ganz gerettet wirst und in die Gemeinschaft der Menschen deinen Platz ausfüllen kannst.

Da fällt mir der Mann zu Füßen, küsst mir den Saum von meinem Kleide und spricht: `Danila, mit diesen Worten machst du mich zu einem neuen Menschen!` Ich aber sagte: Stehe auf, denn es geziemt sich nicht, vor Menschen zu knien! Werde demütig und voll erbarmender Liebe, dann wird auch dir Gott entgegenkommen und dir verhelfen zu dem, was dein Wille und Wollen ist.“

Sardellus sagt: „Wer war der Priester?“ Danila: „Josef ist es, nur ein blindes Werkzeug des Tempels, der unter Zwang des Karawanenbesitzers handelte.“ Sardellus: „Danila, du willst hier bleiben und unter Umständen den Mann heiraten?“ Danila: „Ja, Bruder, schon immer beobachtete ich den Mann und ich muss sagen, er hat sich gewaltig geändert. Ich habe ihm aber noch mit keinem Blick Hoffnung gemacht, mit Ausnahme von heute.“

Sich an Jakobus wendend, sagt Danila: „Bruder Jakobus, wie ist deine brüderliche Meinung, welchen Rat gibst du mir?“ Jakobus: „Gar keinen, Danila, denn das sind deine eigenen Angelegenheiten; denn bei allem deinem Tun und Wollen kommt es ja auf den Geist an, aus dem du es willst und tust. Ein Gelingen ist ja nur möglich, wenn alles aus dem Geist der Liebe geschieht und dazu kann dir nur der Herr in dir die Kraft und das Gelingen geben!“

Danila: „Jakobus, du gibst mir viel in dieser Stunde. Du und Sardellus seid die einzigen Menschen, mit denen ich darüber sprach. Es bedarf auch nun keines Wortes mehr. Ich weiß meinen Weg und dass es nicht mehr über Golgatha geht, ist des Herrn und Meisters Liebe die Garantie. Sardellus, was ich in mir empfinde, seit ich die Gedanken als Liebe und Helfen hinausstelle, kann ich dir nicht sagen, es wäre Entweihung, wollte ich darüber sprechen. Siehe, was andere als das größte Übel und Demütigung ansehen, ist mir zur größten Freude und Herrlichkeit geworden. Ein größeres Geschenk hätte mir der Herr gar nicht geben können und in Josef, dem Gefallenen, habe ich einen neu erstandenen Bruder gefunden, für den ich bereit wäre, jedes Opfer zu bringen.“

Jakobus: „Danila, der Herr hat deinen Willen und deine Liebe gesehen, kein Opfer sollst du bringen, sondern der Herr wird dir dein Vorhaben segnen und dich überreich belohnen. Überlasse alles der Zeit. Wie du ausreifen musstest, so mag auch der andere Teil ausreifen und menschliches Wollen wird zu einer Ernte, wenn es im Geiste Jesu sich vollendet!“

Sardellus sagte: „Bruder Jakobus, hier siehst du wieder, wie recht du hattest, indem du mich zurechtrichtetest. Was hätte ich für Schaden angerichtet, wenn ich den Namen gewusst hätte. Nun sieht alles ganz anders aus. Wir sind gewiss noch arme und kleine Menschen. Wir glauben, Großes zu wollen und hätten dabei genau so verkehrt gehandelt wie die armen Priester. Danila, nun werde ich dir auch nicht mehr hinderlich, sondern förderlich sein. Warum muss der Mensch wohl solche Umwege machen?“

Jakobus: „Auf das er klug und weise wird oder glaubst du, dass du je einen verirrten Menschen verstehen könntest. Siehe, ich hielt mich die ganze Zeit zurück um mit keinem Wort in das Geschehen einzuwirken und nun habe ich auch herzliche Freude daran. Auch den anderen wird es zum Heile gereichen.“

Nikolaus erlebte ein Wunder über das andere; trotzdem nur Karawanen einkehrten, war doch alles bekannt geworden. Neue Händler kamen und was sie erlebten war mehr als man sich vorstellen kann. Diese wieder schwiegen nicht über das Erlebte und wenn auch einer einmal etwas zuviel sagte, konnte der andere nichts anderes tun, als zugeben.

So kam an diesem Tage Baltasar mit seiner Karawane. Er konnte gar nicht genug die herrliche Liebe loben.

„Baltasar, was hast du bloß angerichtet, Bruderherz“, sagte er zu Nikolaus. „Weißt du auch, dass eine römische Besatzung hierher kommt. Dein Werk ist von oben anerkannt und es soll gefördert werden mit allen Kräften und du, Jakobus, nimm dich vor den Templern in Acht. Tausendfältig hat man dich verflucht, weil du den Römern durch dein Gesicht verraten hast, wo die Karawanen aufzufinden waren.“

Nikolaus: „Ach, mein Bruder Baltasar, sorge dich nicht um mich, solange es der Herr nicht will, werde ich ihr Opfer nicht werden und wenn es um meiner Vollendung willen geschehen sollte, so müsste ich ihnen ja nur noch danken. Denke ja nicht, dass etwas ohne Grund geschieht. Der Herr weiß um alles. Er weiß auch um das Schlechte und meistens ist es so, dass der Lebensfeind den Herrn treffen will und das Kind des ewigen Vaters ist nur das Opfer. Glaubst du, dass der Herr da nicht mit einer besonderen Liebe hinter dem Kinde steht?“

Baltasar: „Jakobus, du zündest aber ein Licht in mir an – daran dachte ich noch nicht, o wie sind wir noch dumm!“ Jakobus: „Nicht dumm, Baltasar, nur noch fremd in der großen Liebe unseres Gottes und Vaters. Was glaubst du wohl, wie wir geführt werden mussten, ehe wir erkennen konnten, dass in Jesus, unserem Bruder, Gott Selbst zu uns gekommen ist und heute ist mir alles so natürlich, so klar, dass es nichts einfacheres geben kann.“

Da sagte der Richter: „Jakobus, ich wollte eigentlich dich nicht sehr in Anspruch nehmen, um die anderen nicht zu schmälern, da du aber von selbst auf die Zeit der Entwicklung des Auferstandenen kommst, möchte ich dich bitten um einen kleinen Vortrag und vor allem, wie lebte eigentlich Jesus als Mensch im Alter von 20 Jahren und wie verhielt Er Sich gegen den Tempel und gegen die Römer?“

 Inhaltsverzeichnis Band III