Weiterreise zu Dinarus

Nun kommt Amatus. Schweigend nehmen sie die Morgensuppe ein und Jakobus spricht: „Bruder, wir wollen uns beeilen, damit wir recht bald bei deinem Herrn sind, denn heute kommt ein großes Unwetter und dann könntest du mit deinen Leuten nicht mehr an dein Ziel kommen.“ Amatus: „Heute, Jakobus? Ich verstehe mich auch auf das Wetter, es sah aber gar nicht so aus; aber da du es sagst, werde ich mich danach richten.“

Mit der größten Eile ging es vorwärts, die Tiere gaben ihr Bestes und nach wenigen Stunden fuhren sie durch die Tore von Damaskus. Der Himmel verdunkelte sich, Wolken zogen sich zusammen und kaum war Amatus vor den Lagerspeichern seines Herrn vorgefahren, entlud sich ein schweres Gewitter. Die Tiere wollten sich nicht beruhigen lassen beim Abschirren und da hatte Amatus nicht die Ruhe, um auf dir Tiere beruhigend zu wirken.

Jakobus aber betete und verband sich mit dem Herrn, da war eine kleine Pause im Wetter und während dieser kleinen Pause gelang es, alle Tiere in die Ställe zu bringen, dann aber tobte das Wetter, als wenn alles zugrunde gehen sollte.

Amatus ging nicht von der Stelle, er sagte: „Jakobus, wenn du nicht gewesen wärst, wären wir noch auf der Landstraße und was da geschehen wäre, ist nicht auszudenken. Meine Leute sind gut, aber vor einem Gewitter haben sie mehr Angst als vor hundert Teufeln. Nun komm, wir wollen zu meinem Herrn gehen, damit, wenn das Gewitter vorüber ist, die Entladung vorgenommen werden kann.“

Dinarus, der römische Handelsherr, war schon unterrichtet von dem Kommen der Karawane des Amatus. Er erwartete ihn und empfing ihn mit sichtlicher Freude. „Sei willkommen, Amatus, du stehst unter einem guten Stern, denn sonst hätte dich das Gewitter auf der Straße überrascht!“ Amatus: „Ja Herr, aber hier, Jakobus, dem haben wir das Glück zu danken, denn er veranlasste, dass wir uns beeilten, schon am frühen Morgen ehe nur ein Mensch an schlechtes Wetter denken konnte. Auf meine Bitte ist Jakobus mit zu dir gekommen, damit auch du Teil von der Gnade Gottes nimmst, die ich auf meiner Heimfahrt erfuhr.“

Dinarus: „Jakobus, bist du einer von den Zwölfen, die mit dem Meister Jesus gingen?“ Jakobus: „Ich bin einer von ihnen, Dinarus und so folgte ich weniger dem Drängen des Amatus, als dem Drängen des Herrn in mir!“

Dinarus: „Jakobus, du machst mir nicht nur eine Freude, sondern machst mich zum glücklichsten Menschen, denn immer war es mein Wunsch, einmal mit einem von den Zwölfen zusammenzukommen. Durch meine Freunde Dimetrius und Ursus bin ich gut unterrichtet; aber von dem Leben, welches von dem Meister ausgeht, bin ich noch nicht so recht erfüllt, darum komm und sei in meinem Hause daheim. Vorerst ruhe etwas, da ich mit Amatus Verschiedenen zu besprechen habe.“

Dinarus schlug an einen Gong und ein Diener erschien. Diesem übergab er den Jakobus, er solle ihn in das Gastzimmer führen und sich ganz zu seiner Verfügung stellen. Der Diener verneigte sich vor Jakobus und sagte: „Komm Herr, damit ich dich führe und befehle über mich.“ Dinarus nickte Jakobus noch einmal zu, dann verließ Jakobus mit dem Diener das Zimmer.

Draußen sagte Jakobus zu dem Diener: „Höre, ich bin kein Herr und du sollst mir nicht dienen, sondern Bruder sein im Geiste des Meisters Jesu.“ Der Diener: „Woher kommst du, da du vom Meister sprichst, mit noch keinem Menschen sprach ich davon. Was weißt du von mir?“

Jakobus: „Rufus, ich weiß noch mehr, da der Herr mich dich in deiner inneren Sehnsucht schauen lässt. Ich bin einer Seiner Zeugen und durch die Führung des Herrn hier. Du kannst alle deine Freunde hierher bringen, Dinarus wird es gestatten.“

Der Diener: „Wirklich, o welche Freude überbringst du uns, wie darf ich dich nennen? Ich werde doch nicht lästig, wenn ich dich um Worte bitte, die meinen Herzen Ruhe und Sicherheit geben?“

Jakobus: „Rufus, Bruder will ich dir sein und mein Dienst ist Liebe und weiter nichts als Liebe - heute und allezeit. Hast du einen Wunsch, äußere ihn, denn es ist das Herrlichste und Größte, in der Liebe dienen zu dürfen. Nenne mich Jakobus - wie ich ganz frei bin, so sollst du auch frei sein!“

Es dauerte keine Stunde, da war auch Dinarus wieder da. Als er sah, dass Rufus ganz ergriffen war von den Worten Jakobus, sagte er: „Jakobus, weißt du auch, dass es ein Wunder ist, meinen Rufus so ergriffen zu machen? In ihm war ein Sehnen, welches nicht zu stillen war und jetzt sehe ich seine Augen in einem Glanz erstrahlen. Ich danke dir für deine Bemühungen. Aber nun komme mit mir zu meiner Familie, es wird da nicht so leicht gehen!“

Rufus fragte Dinarus, ob er seine Freunde in der Zeit, wo Jakobus hier sei, auch bringen könne. Da sagte Dinarus: „Aber Rufus, wie kannst du nur fragen, du weißt doch, dass ich mich immer zu deinen Freunden bekannt habe. Bringe alle zusammen heute in mein Haus, es gilt, die Liebe des Meisters würdig zu feiern!“ Dinarus nahm Jakobus bei der Hand und sagte: „Nun komm und sei meines Hauses liebster Gast.“

Da sagte Jakobus: „Dinarus, sprich nicht weiter, denn ich rede nicht aus mir, sondern aus dem Geiste des Herrn und so du meinst, ich solle nicht an das Leid deines dir so lieben Weibes rühren, so gebe ich dir die Versicherung, sorge dich um nichts und die Herrlichkeit der ewigen Liebe wird dir offenbar werden. Der Meister weiß um alles, nur das will Er nicht wissen, was du aus und in Seiner Liebe tun willst!“ Dinarus: „Jakobus, mir ist ganz weihevoll zumute, aber nun komm!“

Jetzt verschwindet wieder das Bild, nun bin ich wieder natürlich unter euch.

Dinarus spricht: „Jakobus, ist das wahr, was mein alter Thomas jetzt erlebte?“ Ich bin ganz erstaunt, was ich heute Abend in deiner Gegenwart erlebe!“

Jakobus: „Es ist wahr und gerade du sollst deinem Schwager, so er kommt, alles vorbereiten, so erlebst du die Gnade des Herrn doppelt. Monica wird wieder die alte freudige und immer zu dienen Bereite sein und du kannst vielen zu einer Heimat verhelfen.“

Dinarus: „Ach, Jakobus, ich könnte einige Hundert zusammenbringen, die in ihrer Not zu mir kommen, da ich Römer bin, darum möchte ich dich bitten, bleibe solange, bis mein Schwager kommt und bereite du alles zu einem herrlichen und guten Ende.“

Jakobus: „Ich werde nicht bleiben können, aber da der Herr deine Bereitwilligkeit sieht, wird Er Selbst dir den Dank bringen und so seid im Namen des Herrn ganz frei!“

In diesem Augenblick sehen alle den Herrn, wie Er die Hände ausbreitet und spricht: „Heiliger Friede, Heiliges Wehen umgibt euch. Es ist Mir Freude, euch dienen zu können und jetzt, wo der Wille zum Durchbruch gekommen ist, ganz Mir zu gehören, künde Ich euch, dass Ich euch gehöre. Meine Gnade soll an euch sich so erweisen, dass ihr Meine Nähe und auch Meinen Einfluss spüren sollt und so der Feind euch Fallen legt, sollt ihr Meine Wanderungen verspüren. Denket nicht, der Herr in Seiner Liebe hilft euch, o nein! Werdet euch bewusst, dass nur Mein Geist in euch Führer, Licht und Klarheit ist und ihr werdet reicher werden an Erkenntnis und Klugheit!

Du, meine Monica, die du die Seele dieser kleinen Gemeinde bist, du warst es, die als Licht und Bahnbrecher diese Herzen zu Mir führen konnte und jetzt, wo du Meine Liebe und Weisheit nicht fassen konntest, sollte Ich dir zürnen? O Kindlein, eher ginge die Welt zugrunde, ehe Ich ein Kindlein fallen lasse. Darum sorge dich um nichts mehr, als dass du nur Liebe bist.

Du, Dinarus, du Säule in Meinem Reiche, überragst alle an Treue, aber du sollst nicht mehr soviel denken, sondern in Meiner Liebe bewusst sein, dass alles, aber auch alles dieser deiner Liebe aus Mir gelingen wird. Bereite alles in Meinem Namen und in meinem Geiste, dann wirst du einst, wenn du in deiner eigenen Welt an Meiner Seite eingehen wirst, eine Menge von Herzen finden, die nur Dank, Freude und Jubel kennen.

Du, Thomas, dir bleibe das Schauen und die Gabe, Kranke zu heilen, doch hüte dich vor den Heuchlern, die im Schafskleid umhergehen! Meine Liebe soll sein wie ein milder Tau, erfrischend und belebend, eure Liebe aus Mir aber soll sein Balsam, der auch die verwundeten Herzen heilt. Seid aber auch gewiss, dass ihr eine Zeit zu überwinden habt, die das größte Vertrauen an euch stellt. Seht ihr einen fallen, so fallt nicht über ihn her, sondern hebt ihn auf und bettet ihn im Geiste an Mein Herz und ihr werdet frei werden und eure Liebe wird zu einem Rettungsanker. Seid euch gegenseitig immer eine Notwendigkeit und das Leid wird euch nicht mehr zu schwachen, sondern zu starken Kindern machen Meinen Frieden gebe ich euch, Meinen Frieden lasse ich euch und Meine Liebe werde zu eurem Leben! Amen.“

Langsam verschwindet der Herr! Alle stehen unter einem Eindruck, der sie schweigen lässt.

Da spricht Thomas: „Der Herr ist immer noch, mein Auge wurde nicht geschlossen!“

Monica spricht: „Bruder Jakobus, so lebte der Herr immer in meiner Phantasie. Was war nun richtig? Meine Phantasie oder das jetzige Schauen. Es ist doch das größte Wunder, dass genau so, wie der Herr seid Monaten in mir lebte, jetzt sich offenbarte.“

Jakobus: „Es ist kein Wunder, Monica! Da, wo das Kindlein sich ein Bild machte von dem Gegenstand seiner Liebe, da wird sich auch das Bild als wahr erweisen. Würdest du dir ein falsches Bild von dem Herrn gemacht haben, so wäre das Bild von Ihm gar nicht lebendig in dir geworden, sondern wäre tot geblieben. Mancher falsche und verkehrte Gedanke ist ja auch eine Schöpfung des Menschen, aber geschaffen aus der Seele, und bald wird er sich als falsch erweisen, während Gedanken aus dem rechten Geiste von Dauer sind, ja noch herrlicher werden! Und so werdet Schöpfer im Geist der Liebe und Alles, was ihr in euch herausstellt, wird euch später wieder entgegenkommen und euch beglücken, je nach der Liebe, die es schuf.

 Inhaltsverzeichnis Band III