Züchtigung des Priesters Ramon

Noch mehr brüllte dieser Priester. Da kommt Sardellus mit den anderen und gebietet zu schweigen, da er jetzt vor der Gerichtsstelle stehe. Voller Wut und Haß schreit dieser: „Nie und nimmer! Wir erkennen euch als Gericht nicht an – wir sind die Herren!“

Pistorius ruft zwei Soldaten und spricht: „Schaffet diesen da hinaus und 25 Hiebe auf den Rücken, aber nicht vor den Augen der anderen, weil er uns als Gerichtspersonen beleidigt. Keine Schonung – hört ihr!“

In einigen Minuten war Ruhe, dann sagte Sardellus: „Höret, ihr Verblendeten, wir wollen doch nicht euren Untergang. Liebt ihr das Leben so wenig, dass ihr euch von uns nicht überzeugen lasst. Wir wollen euch doch Helfer, aber nicht Rächer sein!“

Ein Priester: „Herr, am Leben liegt uns nichts mehr, wir sind in das Leben hineingezerrt worden. Für uns gibt es keine Rettung – nur den Tod. Lasset ihr uns am Leben, nimmt es uns der Tempel. Es ist wahr, wir haben nicht wie Menschen sondern wir Tiere gehandelt. Wir sind Opfer der Verhältnisse, die uns nicht mehr loslassen.“

Sardellus: „Mann, rede nicht solchen Unsinn! Wer eine Untat getan hat muss damit rechnen, dass früher oder später die Sühne kommt. Ich kenne auch Moses und die Propheten und die Priester und die Psalter eures Königs David. Mit keinem Buchstaben wird bestätigt, dass ihr wie Verbrecher handeln könnt, nur weil ihr Gesalbte Gottes seid. Aber meine Schwester Danila habt ihr blutig geschlagen, sie geschändet und ihren Körper krank gemacht. Dass euch kein Gott diese Untaten verzeihen kann. Die Umfrage bei den anderen wird noch manches hervorbringen, sodass euch die Strafe kaum erlassen werden kann.“ Ein Priester: „Herr, geschehen ist geschehen. Ich unterordne mich deiner Gewalt und bitte um ein mildes Urteil.“ Auch die anderen sagten ähnliches.

Da sagte Nikolaus: „Wir wollen heute nichts mehr unternehmen, wir wollen die vier allein lassen und den Anführer trennen von den anderen.“ Sardellus: „Mir kann es recht sein, aber nun möchten einmal die gefangenen Knechte zu Wort kommen. Wir werden zu ihnen gehen.“ Bei denen angekommen sagte Sardellus: „Pistorius, lasse die Fesseln lösen. Diese sind ungefährlich und nur Opfer.“

Als die Bande gelöste waren, spricht einer: „Herr, wer du auch seiest, gehe mit uns nicht so schwer ins Gericht. Zu diesem Dienst sind wir gepresst worden und nicht nur einmal haben wir die Peitsche bekommen, weil wir mit der Anführung zögerten, die unsere Herren von uns forderten.“

Sardellus: „Eure Aussagen müssen nachgeprüft werden. Wenn es sich so verhält wie du eben sagst, dann seid ihr frei. Ihr müsst uns aber jederzeit zur Verfügung stehen.“ Ein Knecht: „Herr, löse uns vom Tempel, mache uns zu Soldaten, so es angeht. Unter Teufeln kann es auch nicht schrecklicher sein.“

Sardellus: „Nun, zu Soldaten kann ich euch ohne weiteres nicht machen; aber in den Dienst dieses Vorstehers könnt ihr treten und dann werdet römische Untertanen. Wem gehört eigentlich die Karawane?“ Da schweigen sie alle, aber Sardellus sagt: „Warum schweiget ihr?“

Ein Knecht: „Herr, wir haben geschworen zu schweigen, der Schwur bindet uns.“ Sardellus: „Kein Schwur hat mehr Gültigkeit, da ihr jetzt Römer seid. Ihr habt nun die Interessen eures Herrn zu vertreten und euer Herr vertritt euch – und so will ich nicht mehr fragen. Nikolaus, frage du!“

Nikolaus: „Ich bin Nikolaus, der Besitzer dieses großen Grundes und dieser Herberge – von dieser Stunde an eurer Brotherr! Nie werdet ihr es bereuen, dass ihr in meine Dienste getreten seid. Ich bin aber auch ein Christ und hoffe, dass auch ihr nicht gegen das Christentum handeln werdet, sondern euch von selbst zu Christus bekennt, aber noch sind Fragen zu erörtern und dazu brauche ich euch. So frage ich: Wer ist der Besitzer dieser Karawane? Es geht doch nicht an, dass wir die Karawane für uns behalten wollen. Sie muss ja dem Besitzer wieder zugestellt werden.“ Da spricht einer: „ Die Karawane hat keinen Besitzer, denn der Besitzer, ein persischer Händler, wurde von uns erschlagen auf Befehl des Priesters Ramon, weil der Perser die Schweinereien nicht dulden wollte. Es kam zu mehrfachem Streit zwischen Ramon und ihm und in einem solchen Streit wurden wir gezwungen, das gemeinste zu tun, was je von uns verlangt wurde.“

Sardellus: „Hat der Getötete Weib und Kinder oder Verwandte? Was ist euch darüber bekannt?“

 Inhaltsverzeichnis Band III