Bei Rake

 

 

Darius und Fabian nahmen am Nebentisch Platz. Arnaut bat um die Erlaubnis, mit Levi zu sprechen, sein Inneres drängte ihn, da erlaubte es Darius. Inzwischen kamen aber auch die Treiber und Soldaten, die ihr Morgenbrot verzehren wollten. Da wurde es bald lauter und lauter in der großen Wirtsstube. Darius war bald fertig mit seinem Morgenbrot, dann besprach er sich mit den befreiten Menschen, vor allem mit Ludmilla, die einen freien offenen Blick hatte.

 

Da sagte Darius zu ihnen: „Ich wüsste schon einen Herrn, er wohnt weit weg von hier. Aber nicht als Sklaven würdet ihr dort sein, sondern als ganz freie Menschen. Nur eins hält mich noch zurück, euch dort hin zu senden: ihr seid Menschen, die tote Götter anbeten“. Spricht Ludmilla: „Herr, ich habe noch nie gehört, dass unsere Götter tot sind, im Gegenteil. Die Priester machen uns angst und bange, weil die Götter furchtbar zornig werden können. Zu wem betet denn der Herr, den du für uns wüsstest?“

 

Darius: „Höret, was ich euch sage, jener Herr betet zu dem wahren und lebendigen Gott, den eure Priester den Unbekannten nennen. Ich kenne den wahren und lebendigen Gott, Er ist Liebe, Liebe und wieder Liebe, und die Menschen, die zu Ihm beten, sollen auch Liebe und immer mehr Liebe werden! Darum ist dieser Herr, wie es Sitte ist, kein Herr, sondern ein Vater, dem das Wohl aller seiner Knechte und Mägde am Herzen liegt“. Ludmilla: „O muss das schön sein, lieben dürfen und geliebt zu werden ist meines Herzens Sehnsucht. Mein Leben gäbe ich, wenn es nötig wäre, um der wahren Liebe willen. Herr, nenne mir den Ort und den Herrn, ich möchte zu ihm gehen“. – „Ich auch, ich auch“, sagten die Mädchen.

Einer aber spricht: „Herr, lehre uns den lebendigen und wahren Gott. Am Eifer soll es bestimmt nicht fehlen, denn unsere Götter sind uns längst fremd geworden“. Darius: „Hört, ich kann es nicht tun, aber heute noch mache ich euch mit einem Boten des lebendigen Gottes bekannt. Bis dahin seid ihr ganz frei und Gäste dieser Herberge. Bleibet aber zusammen, damit ich euch habe, wenn ich euch brauche“.

 

Darius und Fabian verlassen den Raum. Da kommt eine der Töchter, die da bediente, und spricht: „Herr, Herr, mein Vater möchte euch gerne sprechen, aber unter vier Augen, er hatte eine schlaflose Nacht“. – „Wo ist dein Vater“, fragte Darius. „In seiner Kammer, er ist voller Verzweiflung“, antwortete das Mädchen, „so habe ich ihn noch nie gesehen“. – „Führe mich hin zu ihm“, spricht Darius. Da ging das Mädchen voran, Darius folgte.

 

In einem schönen Wohnraum erwartete der Wirt den hohen Römer. Da spricht er langsam: „Herr, ich habe dich rufen lassen, ich möchte mich dir anvertrauen. Die Sache mit Levi ist mir sehr nahe gegangen“. – „Wieso“, fragte Darius, „du hast doch nichts mit ihm zu tun, oder arbeitest du mit ihm Hand in Hand?“ – „Nein Herr, aber es ist etwas anderes, nämlich ich bin auch Priester gewesen und dem Tempel untreu geworden. Ich konnte das verbrecherische Treiben der Oberpriester und des Hohenpriesters nicht länger ertragen“. – „Welches verbrecherische Treiben meinst du? Wollte man dich zwingen, ein Verbrechen zu begehen?“ – „Ja Herr, wir Priester und Diener sollten Jesus von Nazareth, an dem viel Volk hing, unschädlich machen. Da nahm ich mein Gold, Silber und alle meine Kostbarkeiten, und floh aus dem Tempel und baute mir ein anderes Leben auf. Durch bezahlte Boten ließ ich mein Weib und meine Töchter holen und wir führen nun ein Leben, wie die Heiden“.

 

„Was du tatest, musst du selbst mit dir abmachen und sehen, wie du mit Gott fertig wirst. Eine ungesetzliche Tat hast du dir nach unserem Gesetz nicht zuschulden kommen lassen, höchstens, dass der Tempel zu Jerusalem sich an dir rächen wird, und da gibt es ein Mittel: werde römischer Staatsbürger. Dass du Jesus von Nazareth kein Leid antun wolltest, und deswegen dich vom Tempel frei machtest, ist ein Milderungsgrund, der alle deine Vergehen, deinen Geiz und auch deine Hartherzigkeit in einem anderen Lichte erscheinen lässt. Ich hoffe, du wirst dieses einsehen, und als römischer Untertan ein vorbildlicher Herbergsvater werden, und Vieles gutmachen, was sich gutmachen lässt, oder hast du dich am Menschenhandel beteiligt?“ – „Nein Herr, ich liebe Gold und Silber, aber so weit ist es noch nicht gekommen. Ich verspreche feierlich, meine Hände sind rein von diesem Fluch, nur meinen Namen trage ich zu unrecht“. – „Lege deinen Namen ab und sei ab heute wieder der selbe, der du warst. Zwingen kann ich dich nicht, und auch kein Gesetz, wieder Priester zu werden“. – „So will ich ab jetzt wieder Joram heißen und römischer Untertan sein“.

 

„Es sei, im Namen des Kaisers wird dir Fabian das Schild an deine Tür heften. Was hinter dir liegt sei begraben, vor dir liegt ein Leben in Pflichterfüllung und Ehrsamkeit! Dann sei dir bewusst, dass die neue Lehre jenes Nazareners keinerlei Schwierigkeiten erfahren darf, es ist der Wille des Statthalters“. Joram: „Herr, ich danke dir, du nimmst alle Last von meinem Herzen und hast mich zu einem freien Menschen gemacht“. Darius: „Joram höre, danke mit den Händen und mit den Füßen. Ich sehe so viel Not und Elend, dass es einen jammert. Aber nun komme und führe mich zu dem Menschen, der dem Tode geweiht war und nun gesund ist, ich möchte ihn sprechen“.

 

Als Jakobus und Andree das Morgenmahl bei den armen Leuten eingenommen hatten, sieht Rake den Wirt und die Römer kommen. Sie sagt: „Ja seit wann kommen denn die Männer zu uns, wollen sie Veit holen?“

Da tritt Joram ein und spricht: „Rake, zwei Römer möchten in deinem Hause einkehren, hast du etwas dagegen?“ – „Nein, nein“, sie geht den Römern entgegen und spricht: „Willkommen die Herren, es ist wohl eine armselige Kate, aber wir sind seit gestern Abend recht glücklich“. Darius: „Dann freue ich mich auch. Freilich, da ihr ja die Gottesboten aufgenommen habt, ist es ja erklärlich. Dich Jakobus, hätte ich am wenigsten hier vermutet, du wolltest wohl mein Gast nicht länger sein? Dich Hausmutter möchte ich fragen, was hast denn du erlebt, weil deine Augen so strahlen?“

 

Rake: „O Herr, unsagbar glücklich hat uns der Herr und ewige Gott gemacht, denn auf Augenblicke durften wir Ihn schauen, wie Er mit segnenden Händen unter dieser Türe stand. Dann koste diesen Wein. Noch nie ist ein solch herrlicher Wein über meine Lippen gekommen“. Sie nimmt einen Becher und reicht ihn hin. Darius nimmt ihn und kostet, trinkt einige Schluck und spricht: „Fabian koste einmal, noch nie habe ich solchen Wein getrunken. Auch du Joram, verkoste ihn, solchen wirst du nicht in deinem Keller haben“. Beide mussten den Wein loben.

 

Da sagte Darius: „Ich habe genug gesehen und gehört, ich verlange nun keine weiteren Beweise mehr. Jesus muss Gott gewesen sein, denn einem Menschen ist dieses alles unmöglich. Nun ist Seine Auferstehung aus dem Grabe auch kein Wunder mehr, denn Gott, der ewig ist, konnte ja nicht sterben“. Fabian: „Darius, aber Sein Tod am Kreuze, wie soll ich das mir erklären?“ Darius: „Das mag uns Jakobus erklären, aber nicht jetzt, sondern wenn alles erledigt ist, was uns Ärgernis macht.

 

Dürfte ich eine Bitte an dich, Hausmutter, richten? Ich möchte heute Abend mit vielen, denen ich Freude bereiten möchte, dein Gast sein. Erschrecke nicht, du sollst kein Opfer bringen, sondern du sollst auch eine Freude sein. Denn solche Liebe, die ihr seit Wochen einem fremden kranken Menschen entgegen brachtet, soll ihre Krönung finden. Ich könnte euch einladen als meine Gäste, aber es ist in mir so gekommen und dabei bleibe es“.

 

Sich an Veit wendend, spricht er: „Mein Sohn, um deinetwegen komme ich in dieses Haus, und da ich in allen Dingen klar sehen will, frage ich dich, kannst du dich jetzt noch besinnen auf die letzten Stunden, ehe du verwundet wurdest? An den Grenzen zwischen Tod und Leben ist wenig beschieden, genaue Angaben zu machen“. Veit: „Herr, ich weiß nur, mir war sehr heiß, ich litt qualvollen Durst und hatte merkwürdige und wüste Träume. Aber besinnen kann ich mich auf nichts. Auf einmal steht ein Mann vor mir, es war dort, Andree, dann war mir, als wenn ein anderer vor mir stand. Von dem ging eine wohltuende Kühle aus, die mich belebte. Ann war es wieder Andree und ich konnte aufstehen“. Darius: „Wie sah der Mann aus, von dem das Leben ausging, kannst du Genaues sagen?“ Veit: „Nein Herr, doch jetzt kommt die Erinnerung. Es muss der Herr gewesen sein, denn vor einer viertel Stunde sahen wir Ihn dort an der Tür stehen!“

 

Darius: „Veit höre, was ich dir sage. Wenn du es nicht genau sagen kannst, dann schweige so lange, bis du Gewissheit hast, damit die Neugierde anderer nicht befriedigt wird. Wie fühlst du dich heute, würdest du Jesum, dem lebendigen Gott, ein Opfer bringen und für einige Monate Sein Diener sein? Ich habe 20 junge Menschen, die ich sicher versorgt hätte. Es sind ungefähr 30 Tagereisen, ein mir lieber Freund bedarf dringend guter Arbeitskräfte, und für die Heimatlosen wäre es eine Heimat und sicheres Brot“. Veit: „Herr, bestimme die Stunde, ich bin bereit. Mein Leben gehört nicht mehr mir, sondern Dem, der es mir wieder schenkte, Jesus, der lebendige Heiland, ist es!“ Darius: „Dann ist es gut, mein Freund, es wird dein Schaden nicht sein. Betrachte dich von jetzt an als einen freien Römer. Wenn du einen Wunsch hast, ich erfülle denselben gern, so es in meiner Macht liegt. Überlege es dir gut, denn heute und morgen sind wir noch hier“.

 

Der Tag brachte viel Angenehmes, aber auch viel Unangenehmes. Die Versorgungsfrage wurde geregelt, bis ins kleinste der Transport organisiert. Nur Levi blieb hart und unbeugsam. Er wurde in Obhut der Soldaten gegeben, sein Gut kam den Menschen zu gute, die durch ihn ihre Heimat verloren hatten.

 

Arnaut ging Darius zur Hand, so dass er sagte: „Arnaut,deine Bereitwilligkeit macht meinem Herzen Freude. Du hast großen Verlust erlitten, den ich dir leider nicht ersetzen kann infolge deiner verkehrten Handlungsweise. Aber als Römer hast du gewisse Vorrechte, die dich in einen besseren Stand versetzen werden“. Arnaut: „Herr und großer Menschenfreund, was ist mein Verlust gegen das, was ich hier gewonnen habe. Ich vermache den jungen Menschen meine Wagen und Tiere, und will noch ein paar Zentner Silber dazu geben, die in meinem Wagen liegen“. Darius: „Arnaut, nun hast du dein Wort erfüllt, denn dieses Opfer habe ich nicht erwartet. Mit dem Silber kann viel geschafft werden, was diese jungen Menschen brauchen. Es ist eine große Hilfe für den neuen Brotgeber. Der ewige Gott wird es dir mit doppeltem Segen lohnen! Was wirst du beginnen?“ Arnaut: „Herr, ich bin kein sesshafter Mensch, ich bin und bleibe ein Händler“.

 

Darius: „Höre lieber Freund, wir brauchen ehrliche Männer an festen Plätzen. Die Art des heutigen Handelns gefällt mit nicht. Wir brauchen mehr Handelsherren, die von einem Ziel zu einem anderen ihre Ware bringen. Der Statthalter möchte in den Städten große feste Handelshäuser sehen, um dem Handel eine neue feste und ehrliche Form zu geben, wie es schon in einigen großen Städten ist. Dann können auch solche Geschäfte, wie du und Levi es wolltet, mehr unterbunden werden. Der Menschenhandel hat Formen angenommen, die geradezu erschreckend und teuflisch sind. Aus Kleinasien werden junge Menschen geraubt und zu hohen Preisen verkauft. Und aus Judäa beginnt ein Menschenhandel, der vom Tempel organisiert ist. Wir sind machtlos, weil es keine Kläger gibt, darum muss eine Kontrolle kommen, damit das Übel gebunden wird“.

 

Arnaut: „Herr, der Plan ist gut, aber es fehlt an Vermögen. Es gibt viele Ware, auch genug Karawanen, nur ganz Reiche können dieselben an den Abnehmer absetzen, wir tauschen untereinander. Freilich gehen viele auf Abwege, wie es auch bei mir und Levi der Fall war, wenn es der Herr Selbst nicht verhindert hätte“. Darius: „Es freut mich, dies zu hören, auch bin ich glücklich, dass mein Wanken nun zu Ende ist und es nur noch einen Gott und Heiland gibt, der meinem Beruf und meiner Mission eine ganz andere Richtung gibt. Manchmal habe ich den Statthalter der Schwäche bezichtigt, so er Verbrecher mit einer noch nie da gewesenen Milde behandelte, jetzt verstehe ich sein Handeln. Des Statthalters Blick war darauf gerichtet, einem jeden, der vom Gesetz abirrte, noch Gelegenheit zu geben, dass er sich bessern konnte. Vielleicht gelingt es doch noch, den Levi zu retten“.

 

Es kamen heute keine Fremden, darum lud Darius auch den Joram ein, zur alten Häuslerin zu kommen. Alle zwanzig, die da frei wurden, nahm Darius selbst mit, und Arnaut brachte seine alten bewährten Leute ins Haus der Rake.

 

Veit und Ilonka richteten Sitze und Ruhebänke in genügender Anzahl, so dass trotz der Raumschwierigkeiten doch alle Platz hatten. Mit sichtbarer Freude segnete Jakobus all die Kommenden, die da an diesem Tage schon viel vorbereitet waren, die Kunde und die Botschaft des lebendigen Gottes zu hören. Nur verschiedene Nachbarn waren als Neugierige gekommen, da sie von dem Wunder an Veit gehört hatten.

Darius sprach einige Worte zu den Versammelten und machte sie aufmerksam, dass sie etwas hören werden, was ihnen unglaubhaft erscheint. „Es hat ein jedes das Recht, sich zu äußern, mag es dafür oder dagegen sein. Fürchte sich ja niemand, dass ihm etwas geschehe, ihr alle seid unter meinem Schutz, denn ich habe gefunden, dass diese Tage von dem ewigen Gott gewollt sind. Sammelt euch, dann mag uns Jakobus etwas erzählen“.

 

„Liebe Freunde, liebe Mitmenschen, die ihr mir alle Brüder und Schwestern seid, der Friede Gottes sei mit euch! Ich möchte euch nicht sagen, was ihr in Zukunft tun oder lassen sollt, dieses ist nicht meine Mission, sondern ich bin ein Zeuge und Jünger des Herrn Jesus, dessen leiblicher Bruder und treuester Freund ich war.

 

Meine Eltern und auch ich erlebten während der Kinderjahre Jesu die größten Herrlichkeiten, die zu schildern ich Tage brauchte. Die Entwicklung des Kindes war schon ein Wunder, und mit zwölf Jahren war man im Tempel zu Jerusalem bestürzt über die Weisheit des Knaben, der nie eine Schule besucht hatte. Solange wie die Pflege meiner Eltern, und meistens auch durch mich, nötig war, war Jesus ganz willig und gehorsam. Mit den Jahren aber, wo Er mit uns zur Arbeit ging – Er wurde gleich uns ein Zimmermann – ging ein Wechsel in Ihm vor. Jesus fand in sich den Erzieher, der Ihn zu dem Werke erzog, zu dem Er gedungen war.

 

Von dieser Zeit an konnte niemand mit Ihm auskommen, der nicht auf Seine Ideen und Gedanken einging. Wir erlebten Tage des größten Schmerzes. Jesus ging Seine eigenen Wege, Er war liebreich, aber auch streng. Für Ihn gab es kein Gebot, so es nicht auf Liebe gegründet war. Wie schwer mein Vater litt, säßt sich nicht schildern, und Seine Mutter Maria beschwor Ihn oft mit Tränen im Auge, doch abzulassen von Seinen verkehrten Anschauungen. Die Folge war, noch größere Entfremdung, bis Er das 30. Lebensjahr erreicht hatte.

 

Nach einer selbst auferlegten Prüfung in der Wüste, trat Er in die Öffentlichkeit und bekundete den wahren lebendigen Gott in einer Art und Weise, die Ihm die Feindschaft des Tempels und das Vertrauen des ganzen Volkes brachte. Überall, wohin Er kam, brachte Er Freude und Zufriedenheit. Kranke wurden gesund, ja sogar Tote wurden lebendig, es gab nichts, was Ihm nicht möglich war. Alle Elemente gehorchten Ihm, aber das größte Wunder waren Seine Worte. So einfach, so schlicht, so wahr, nicht ein einziger Mensch konnte Ihm etwas widerlegen. Immer zeugte Er von Sich und Seinem Gott und heiligen Vater, der in Ihm lebte! Immer größer wurde die Zahl der Anhänger. Was hat nicht der Tempel alles versucht, Ihn zu vernichten, aber nie gelang es.

 

Wir nannten Ihn nur Herr und Meister, und nun höret genau zu: Der Meister legte uns klar, dass Er viel leiden und einen schmählichen Tod sterben müsse. Wir wollten es nicht glauben, wollten es nicht hören, aber Er sagte bestimmt: `Wenn der Menschensohn dieses Kreuz nicht annehmen will, wird alles Bestehende der Auflösung und dem Verderben entgegen gehen`. Deswegen wurde das Wort Fleisch und lebte unter uns und wir erlebten unsagbare Herrlichkeiten.

 

Es geschah, Jesus wurde gekreuzigt. Überlasset es mir, zu schweigen von dem, wie es uns allen war. Sein Tod war unser größtes Unglück.

 

Da erscheint Er uns, wie Er lebte, hier und da besuchte Er die geschlagenen Herzen und machte sie wieder froh. Da wurde in uns etwas lebendig durch Seine Auferstehung, und dieses Leben ist geblieben und wird auch bleiben. Dann erfolgte Sein Scheiden von uns, sichtbar, wo Er wieder zurückkehrte in Seine Urheimat, in Seine Urhimmel, aber Seinen Geist ließ Er zurück. In diesem Geiste und in Seiner Kraft diene ich euch.

 

Sein schönstes Wort: `Kommet her zu Mir, die ihr mühselig und beladen seid, Ich will euch erquicken`. Machet es euch zu eigen, denn Er ist wahrhaftig Liebe und heiliges Leben. Wer in dieser Liebe bleibet, bleibet in Gott und Gott in ihm!

 

Hier war Er der Menschensohn und wurde durch Seinen Gehorsam zum Gottessohn. Jetzt aber ist Er das Leben, welches allen Tod überwunden hat. Wer an Ihn glaubt und in tätiger Liebe Sein Leben aufnimmt, wird auch leben mit Ihm bis in alle Ewigkeit“.

 

Eine heilige Ruhe überkam die Zuhörer. Da steht der Wirt auf und spricht: „Wenn ich einige Worte sage, so tue ich es um der Nachbarn willen. Ich muss jedes Wort bejahen, was Jakobus, der treue Diener und Gottesbote schilderte, denn ich war auch Priester. Mir wurde es zu arg, die Hetzereien gegen Jesus von Nazareth wurden immer schlimmer. Tot oder lebendig sollten wir Ihn bringen, so dass ich aus dem Judenlande floh und hier einen anderen Erwerb suchte und fand.

 

Seit gestern, wo ich den wahren Gott erst richtig erkannte, bin ich wieder ein anderer. Ich will euer Freund und Bruder sein. Keiner soll sich mehr über mich beklagen brauchen, über Lieblosigkeit von meiner Seite. Ich bitte euch um Vergebung, wo ich hart war. Jesus hat aus mir einen anderen, einen dienenden Joram gemacht. Auch kann ich manches von Jesum erzählen, was heute in mir lebendig wurde“.

 

Ludmilla steht auf und spricht: „O ihr Lieben, lieben Menschen, in welchen Himmel sind wir versetzt worden! Wie trostlos war unsere Vergangenheit. Liebe war nur etwas für die Hohen und Reichen, und jetzt heißt es: `Wer an Ihn glaubt und Sein Leben in tätiger Liebe aufnimmt, wird ein Leben aufnehmen, welches bis in Ewigkeit währet`. Ja, warum jubeln wir nicht und bleiben immer noch stumm? O ihr armen Götter, euch wird man nicht nachtrauern, denn vor dieser Jesusliebe vergehet ihr in Nichts.

 

Du aber, Du Jesus der heiligsten Liebe, habe Dank, dass Du uns in Deiner Liebe nicht weniger, eher größer und herrlicher bist. O komme zu uns und erquicke uns, das Wort Deines Boten hat eine Sehnsucht entfacht, o komme und stille unsere Herzenssehnsucht. Öffne unsere Augen, dass wir Dich schauen und unsere Herzen, dass wir Dich fühlen. Du hast uns herausgerissen aus einem Leben der Angst und Not, wir gehören Dir jetzt und allezeit!“