Ein herrlicher Sieg

 

 

In einem finsteren Gelass flucht Levi, dann pocht er an die feste Tür und der wachhabende Soldat fragt nach seinem Begehr. „Öffne, Soldat, ich möchte mit dir reden“ – „Nein Gefangener, nur durch dieses kleine Fenster kannst du mit mir reden, aber mach es kurz, jede Unterhaltung ist verboten“.

Als der Soldat das Fenster geöffnet hatte, spricht Levi: „Mann, ich bin reich, viel reicher als dein Herr. Lass mich fliehen, mit Gold will ich es dir lohnen“. – „Nein Gefangener, der Tod wäre mir sicher und dein Gold wäre die Ursache dazu. Aber warum willst du fliehen, da sich dir doch Möglichkeiten bieten, frei zu sein? Darius sagte, sobald der Gefangene Reue zeigt, lass es mir melden, ich möchte nicht sein Unglück. Siehe, deine Freiheit würde dich nicht so viel Geld kosten, wie du mir bietest. Auch Arnaut sagte betrübt zu mir: `Schade um Levi, dass er in seinem Starrsinn beharrt, Darius will sein Bestes“. Levi: „Melde Darius, ich möchte ihn sprechen“.

 

Es dauerte noch zwei Stunden, da ließ Darius durch zwei Soldaten Levi holen. Ein kleines Zimmer hatte Joram zur Verfügung gestellt.

 

Darius. „Levi, es freut mich. Dass du den Wunsch hast, mich zu sprechen, doch nur eine Bedingung stelle ich: Ehrlichkeit! Denke nicht, dass du mich hintergehen kannst, du weißt, einen Helfer habe ich, Jesus ist sein Name“. Levi: „Herr, ich bin dein Gefangener. Wie kann ich wissen, dass du ehrlich bist, so ich mit gebundenen Händen vor dir stehe. Es ist das erste mal, als Gefesselter vor Menschen zu stehen“.

 

Eigenhändig nahm Darius dem Levi die Fesseln ab, dann sagte er: „Levi, euch Juden ist nicht zu trauen, doch sei versichert, dein Leben ist verwirkt, so du fliehen wirst. Merke dir, Ehrlichkeit ist meine Haupttugend, aber ich bin auch vorsichtig. Ehe du etwas sagst sei versichert, mir liegt nichts an deinem Untergang, sondern an deiner Rettung. Deine Rettung aber bedeutet, dass du dich frei machst von deinem Hass gegen Jesus, den Gekreuzigten und Auferstandenen, Änderung deiner Gesinnung, die sich nur bereicherte auf Kosten anderer“. Levi: „Herr, leicht gesagt, aber was kann ich anderes tun, als versprechen, so ich in Freiheit bleiben will. Ich soll meinen Hass begraben gegen Jesus. Nun, ich meine, einen Toten zu hassen ist ja ein Unding und an seiner Auferstehung zweifle ich. Bringst du mir Beweise, dass Er wirklich lebt, dann war eben mein Leben ein großer Irrtum. Über meine Gesinnung kann ich nicht urteilen, da ich mir noch nie Mühe gab, dieselbe kennen zu lernen, es liegt eben so im Blut“.

 

Darius: „Levi, deine Sprache gefällt mir besser als gestern, und ich soll dir Beweise bringen, dass Jesus wirklich lebt. Hast du denn vergessen, wie Jakobus, der Jünger und Bruder Jesu, den Beweis brachte?! Sei versichert, Jesus hätte Jakobus nicht erleuchtet und geführt, so Er dich untergehen lassen wollte. Denke an den Spruch deiner nun auch seligen Mutter: `Elies, halte deinen Glauben fest, dass dich Gott nicht fallen lässt`, oder was verlangst du noch für Beweise? – Nun ich gefestigt bin im Glauben an den Herrn und Meister Jesu, sage ich dir aber auch, spiele nicht mit der Gnade Gottes, denn furchtbar würde dich der Ernst und die Strafe Gottes treffen. Halte dir deine jetzige Lage vor Augen, wenn auch nicht der Tod, aber die Galeeren sind dir sicher. Für alle Zukunft bist du ein geschlagener und erledigter Mann. Dein Vermögen, welches sehr groß sein muss, wie du den Soldaten unterrichtet hast, ist für dich bestimmt verloren. Änderst du deine Gesinnung, ja dein ganzes Leben, versuchst du, gut zu machen, was an Schuld du dir bisher aufgebürdet hast, würdest du wieder ein freier, ja sogar geachteter Mann. An Jesu zu glauben, verlange ich ja nicht, nur deinen Hass sollst du begraben“.

 

Levi: „Herr, du bist gnädig, ich wäre ein Tor, so ich auf deine Wünsche nicht einginge. Ich kann dir nur versprechen, dass ich mein Leben so einrichten will, wie du es verlangst und nur darum, weil du nicht verlangst, dass ich an Jesus glauben soll. Ich verspreche, kein Wort mehr gegen Jesus zu äußern und bitte dich um Verzeihung , weil ich dich gestern beleidigte, da ich Jesus als Genossen des Beelzebubs hinstellte“.

Darius: „Gut Levi, du bist wieder ein freier Mann. Nun vernimm: Die Sklaven, die du erwerben wolltest, sind durch mich freie Menschen geworden. Durch einen Vertrauensmann lasse ich sie an den Moran-See zu einem Freund bringen. Der Transport verlangt größere Mittel, würdest du etwas beitragen, die Hauptlast trägt sowieso Arnaut“. Levi: „Herr, wie kommt Arnaut dazu, ich war der Veranlasser. Ich gebe dir die Versicherung, dass ich nicht nur den Transport übernehme, sondern sie alle noch beschenken werde, damit sie nicht als Arme dahin kommen“. Darius: „Levi, ist das dein Ernst?“ Levi: „Ja Herr, beim Andenken an meine Mutter, die wahrhaft mein Bestes wollte, gelobe ich es“. Darius: „Dann ist es gut, dein Gut gehört dir wieder. Nun wollen wir wie Freunde reden, wir werden schon einig werden. Doch du wirst den Wunsch haben, mit deinem Freunde Arnaut zu reden, so werde ich schlafen gehen. Wenn ich aber eine Bitte an dich hätte: Lass dir die Freundschaft des Jakobus nicht entgehen, denn er ist nicht nur liebevoll, sondern auch weise“.

           

Am frühen Morgen gab es wieder das gewohnte Bild. Die Tiere wurden versorgt, alles wurde zur Abreise fertig gemacht, und Levi gab die Anweisungen. Mit ihm war wirklich eine Änderung vor sich gegangen. Nun kommt Veit zu Levi, der noch keine Ahnung hatte, dass Levi den Transport übernimmt.

 

Spricht Levi: „Freund, dich muss ich doch kennen, bist du nicht Melchiors Vertrauter?“ Veit: „War ich, durch einen schweren Unglücksfall musste ich hier zurück bleiben und wäre gestorben, so Jesus, der Heiland, mich nicht gesund gemacht hätte“. Levi: „Rede kein solch dummes Zeug. Wie kann ein Toter dich gesund machen, es muss ein Irrtum vorliegen“. Veit: „Nein, es ist kein Irrtum. Jakobus` Begleiter, namens Andree, legte mir im Namen Jesu die Hände auf, so wurde ich gesund. Und gestern früh um die selbe Stunde stand Jesus unter der Türe und segnete uns, ebenso gestern Abend, als wir bei Rake gemeinsam versammelt waren“.

 

Levi: „Bist du geschickt, mir dieses zu sagen? Warum kommst du überhaupt hierher?“ Veit: „Mich schickt niemand hierher, nur das Interesse für die befreiten Gefangenen, die ich im Auftrag des Römers Darius nach dem Moran-See transportieren soll, ist es, warum ich hier bin. Auch ich habe wenig Zeit, da in zwei Stunden Joram, der Wirt und nun Priester, mich mit Ilonka, Rakes Tochter, fürs Leben verbinden wird“.

 

Levi. „Ach; du bist der Mann namens Veit, Arnaut erzählte mir gestern Abend. Jetzt ändert sich das ganze Bild. Aber höre, ich werde den Transport übernehmen und dein Dienst ist hinfällig geworden“. Veit: „Mit Darius habe ich noch nicht gesprochen. Wenn dem so ist, möchte ich mit meinem Weibe und ihrer Mutter doch mitkommen, da ich unter meinen Glaubensbrüdern und Schwestern eine neue Heimat finden möchte“. Levi: „Dem steht nichts im Wege. Jedenfalls habe du Dank für deine Mitteilungen, die mir sehr wichtig sind. Du kannst Darius alles erzählen, aber zu deiner Hochzeitsfeier lade ich mich selber ein, um meines Heiles willen“.

 

Alle befreiten Menschen fanden sich bei Rake ein, um die Hochzeit des Veit zu feiern. Joram im Priesterkleide erschien, dann kommen in Darius Begleitung Fabian, Arnaut, Levi, Jakobus und Andree. Noch nie sahen die Nachbarn Joram im Priesterkleide. Neugierig fragten sie nach dem Grund, und in denkbar kurzer Zeit sind alle in Rakes Stube, um der Trauung zuzuschauen, die in ganz kurzer Zeit vollzogen wurde.

 

Bei den Glückwünschen staunte Darius über Levi, der da sagte: „Der Transport geht erst morgen in der zeitigen Frühe ab. Für heute und bis zum Ziele seid ihr meine Gäste. Ich bitte euch alle, insbesondere euch, die ihr Jesus angenommen habt, dass ihr mir Vertrauen entgegenbringt. Ich bin so voll Freude, dass ich das erste Mal etwas aus Liebe tue, von der ihr schon so viel erlebt habt, und diese Freude kannte ich noch nie. Als du vor ein paar Stunden so ahnungslos von deiner Heilung erzähltest, da glaubte ich, ich sei wieder in jene Zeit versetzt, wo der Heiland Jesus in Judäa die vielen Kranken heilte. Als du, Veit, weg warst, da fühlte ich in mir. Dass ich dir danken musste, denn noch nie glaubte ich an eine Auferstehung des Herrn. Wohl hatte ich viel Groll gegen den Herrn, warum? Weil der Tempel und wir, als Priester, immer mehr verloren. Jetzt zeigt sich erst, dass unser Einkommen pures Geschenk des Heilandes Jesu war. Hätte Er gesagt, löst euch vom Tempel, von euren Priestern, wahrlich, das Volk hätte es getan. Aber nichts davon, sondern Er ermahnte, dass ja alle in der Treue und im Glauben ausharren sollen, bis Sein Werk vollendet wäre. Ich bitte euch, habet rechte Geduld mit mir, dann werdet ihr auch alle mit mir recht zufrieden sein. Denn jetzt ist es mir unmöglich, den Heiland Jesus anzunehmen, da ich ja an Seinem Tode die größte Freude hatte“.

 

Jakobus: „Liebe Schwestern und Brüder und du, neuvermähltes Ehepaar! In meinem Herzen drängt sich die ewige Liebe, euch zu künden die Freude des Herrn, der im Geiste unter uns ist. Voller Segen sollen alle eure Handlungen sein. Volles Leben soll sich um euch entfalten, und in diesem neuen Leben soll sich offenbaren die allzeit gegenwärtige Liebe des Herrn und Meisters. Aus dem Füllhorn Seiner Liebe seid gesegnet, dass sich eure Liebe mit des Heilands Liebe ganz eine und einer dem anderen leuchtendes Beispiel werde. Euer Leben sei geweiht im Dienste für den Geist, der euch erlöste. Wie Er die Himmel erschloss für ein ewiges Leben, sollt ihr auch einen Himmel erschließen, aber in euch, in dem alle wahrhaft glücklich werden sollen.

 

Dir aber, Levi, sage ich, begrabe, was du begraben kannst, sonst bleibst du Knecht deines Verstandes. Es ist des Herrn und Heilands größter Liebeszug, alles, was man Ihm antat, mit Liebe zu vergelten! Alles, was war, ist vergangen. In einem neuen Leben und in einem neuen Geist wirst du geführt und geleitet werden, dass dich die Aufgaben der Liebe so erfüllen, und dass du dich mehr und mehr erkennen wirst! Darum sage ich dir auch nicht, suche Jesum, damit dir Vergebung werde, sondern verwirkliche Sein Leben in dir und du wirst inne werden, dass Jesus, der Heiland, Herr und Gott auch ewige Vergebung und Erbarmung ist.

 

Dir, mein lieber Joram und Priester, eine Bitte hätte ich an dich: Sei deiner Gemeinde Freund und Vater. Und lasse einen Brunnen graben, der an deiner Herberge liegt, damit die Bewohner dieses kleinen Fleckens nicht mehr beunruhigt werden von den wüsten Gesellen der Landstraße.

 

Ungern trenne ich mich von euch, aber die ewige Liebe mahnt mich an meinen Dienst. Ihr habt Gnade über Gnade empfangen und nun danket mit Liebe an euren Nächsten, denn nur in tätiger Liebe sichert ihr euch den Frieden und das Heil eurer Seele. Ziehet hin in Frieden. Amen“.

 

Noch einen Tag blieben alle zusammen. Als der Abend hereinbrach, sagte Jakobus zu Andree: „Komme du mit Ludmilla zu Rake, ich habe ein Drängen in meinem Herzen“.

 

In der Gaststube des Joram war viel Leben, fast zu viel des Guten bot Levi. Veit und Ilonka blieben bei Rake, die dem Treiben fern geblieben war. Da wurde niemand gewahr, wie Andree und Ludmilla die Gaststube verließen. Jakobus hatte keinen festen Platz. Bald war er hier, bald dort, den einen dieses, den anderen wieder etwas anderes sagend. So war er auch still gegangen, um bei Rake den Abend zu beschließen, der der letzte in diesem Ort war.

Ganz ernst und feierlich saßen die Fünf am Tische, auf Jakobus wartend, endlich war die Sehnsucht erfüllt. Jakobus spricht: „Friede, Friede und nochmals Friede erfülle euch, denn die ewige Liebe ist unter uns. Morgen scheide ich von euch, doch in dieser Stunde, mein Andree, will der Herr durch mich dir Ludmilla anvertrauen und dir zum Weibe geben. Eure Herzen liegen offen vor mir, ich brauche nichts zu fragen, sondern ich lese in euch die Antwort, dass ihr in treuer Liebe verbunden sein wollt, bis in Ewigkeit. Macht euch bereit für die Gnade, denn der Herr und Meister wird euch segnen“.

            Da stand der Herr sichtbar unter ihnen und allen hörbar sagte Er: „Kindlein, freuet euch der Gnade, die sich in dieser Stunde über euch ergießet. Es ist Meinem Herzen Bedürfnis, euch persönlich zu dienen. Dir, du treue Rake und Hüterin dieses kleinen Hauses, die du Mir dienest, ohne Mich zu kennen. Dir, Veit und Ilonka, gab Ich Meinen Segen zu eurem Bund. Jetzt aber sage Ich noch aus Meiner heiligsten Liebe: Vergesst diese heilige Gnadenstunde nicht, denn Ich kann nicht immer so zu euch kommen, wie in dieser Stunde. Traget Mich in euren Herzen, dann wird Mein Geist alles in euch ersetzen.

            Du Andree, du Feuergeist in Meiner Liebe und du, Ludmilla, in strahlender Liebe steht dein Herz zu Mir. Ich führte euch zusammen, um in euch Kinder zu finden, die ganz in Meinem Liebesgeist nichts Größeres wollen, als zu dienen in dieser Kindesliebe. Ich segne euch als Mann und Weib, doch dies sei noch euer Geheimnis. Ich selbst werde euch beide, wenn auch unsichtbar, begleiten, es soll eine Probe dem Lebensfeind gegenüber sein. Lasst euch nicht begeifern von der Schlange, und wartet mit der Zeugung, bis ihr auch nach dem Gesetz vor aller Welt ehelich verbunden seid. Alle Himmel sind Zeugen dieser Weihestunde, alle schauen auf euch, die ihr Erlöser werden sollt denen, die noch Gebundene sind. Ich könnte euch alle Himmel erschauen lassen, aber nun ihr Mich geschauet habt, ist euch Größeres geschehen. Und warum? Weil Ich auch Großes von euch erwarte. So nehmet hin Meinen Vatersegen, dass er in euch Kraft und Leben werde. Meine Liebe und ;ein Friede erfülle euch zum Heil für alle. Amen. Amen. Amen“.

 

Der Herr war unsichtbar geworden, da sagte Ludmilla: „O Andree, dies war eine selige Stunde. Wie leuchteten die Augen des Herrn. In meinem Herzen hatte ich einen Drang, Ihn zu umarmen. So will ich aber trotzdem dir im Angesicht des Herrn und Seines Jüngers und vor den Freunden geloben, dass ich dir ein treues Weib sein will, wie es der herr erhofft für dein Lebensglück. Sollte ich schwach werden, stütze mich, denn vor dieser Liebe wird mir bange, es ist zu viel der Liebe“. Jakobus: „Beruhige dich, Ludmilla, der Lebensernst kommt auch zu seinem Rechte. Um den Herrn lieben zu können, musst du frei, ganz frei sein. Die kleinste Rücksicht, die du noch dem Weltlichen opferst, schmälert dich an der Kraft, zu lieben. Es ist die höchste Liebe, und du sollst streben, dieser Liebe zu ähneln. Nun aber beschließen wir den Abend, denn in der Frühe müssen wir scheiden. Bleibet aber noch zusammen, denn man sucht mich bereits“.

 

Es war auch so. Arnaut tritt ein, kommt auf Jakobus zu und spricht: „Bruder, ich habe dich gesucht seit einer Stunde, warst du bei Rake und Ilonka?“ Jakobus: „Fa Bruder, Andree und Ludmilla sind durch den Herrn ehelich verbunden worden. Doch soll es ein Geheimnis bleiben, da der Herr den weltlichen Gesetzen nicht vorgreifen will“. Arnaut: „Ich danke dir für diese Mitteilung und gönne ihr das Glück, und Andree scheint ein reiner Charakter zu sein“. Jakobus: „Habe Dank für dieses Wort, es wird auch dir zur Freude gereichen“.

 

Arnaut: „Jakobus, darf ich Ludmilla, die mir mehr als eine Tochter war, ein Heiratsgut mitgeben, denn ich liebe dieses Mädchen“. Jakobus: „Wenn es dich drängt, dann ja, denn Andree kann es gut gebrauchen im Dienst der Liebe. Dort, Darius winkt, wir wollen zu ihm gehen“.

Noch lange waren alle beisammen in rechter Freude. Dann aber sagte Levi: „Kinder, ruht noch ein paar Stunden, denn vor uns liegen unruhige Tage. Ich habe das Bedürfnis, noch mit Jakobus allein zu sein“.

 

Jakobus und Levi schliefen nicht in dieser Nacht. Obwohl wenig geredet wurde, konnte Jakobus doch guten Samen legen und viel Unkraut sichten. Levi, der nie ein Freund von Zärtlichkeit war, umarmte und küsste Jakobus. In diesem Liebesakt zerschmolz der letzte Rest von falschen Begriffen, und das Bild von Jesus stand in Reinheit vor Levis Augen.

 

Kurz war das Morgenmahl, kurz der Abschied. Da nahm Arnaut Andree und Ludmilla bei den Händen und führte sie an einen bepackten Wagen mit zwei Pferden und sagte: „Bruder Andree, betrachte diesen Wagen als dein. Du sollst in Ludmilla kein armes Mädchen an dein Herz nehmen. Betrachte es als Geschenk der ewigen Liebe“. Andree wollte nicht, aber Jakobus sagte: „Andree, nimm es an, was aus Liebe kommt, soll auch wieder der Liebe dienen. Und dann betrachte dich nur als Verwalter, und der Segen wird groß sein“.

 

So fuhren die Wagen los, nachdem Darius nochmals die Liebe Jesu als herrlichstes Liebesgeschenk pries. Viele Händedrucke, Rake und Ilonka aber segneten, was ihnen bisher Heimat war. Auch Darius rüstete zur Abreise mit seinen Leuten.

 

Arnaut, der nur noch einen Wagen und einen Treiber hatte, nahm Jakobus noch zwei Tagesreisen mit bis Rakka, wi sie in einer großen Herberge abstiegen. Hier verabschiedeten sich die beiden, Arnaut mit schwerem Herzen, denn in den zwei Tagen war ihm Jakobus ein wahrer Bruder, Jesus aber wahrer Vater geworden.