Iwan

  

 

Es war Abend geworden, die Arbeit war getan. Da kamen alle Männlein und Frauen mit ihren großen Kindern. Bei Kaspar ging es auf einmal recht enge zu, die Wirtschaft konnte fast niemand mehr aufnehmen. Als Letzter kommt Herminus mit seinem Weibe und bringt einen Sack, den er Jakobus vor die Füße stellt.

 

Da sagte Jakobus: „ Herminus, ich danke dir im Namen meines und auch deines Gottes, weil du als erster vor deinen Mitbewohnern dein Haus gereinigt hast. Krischan mag deine Götter hinaustragen. Rein soll in Zukunft Kaspars, wie auch deines und der anderen Häuser von den toten Götzen sein. Vernehmet die Botschaft, die ich euch allen zu übermitteln habe von dem wahren und ewig lebendigen Gott:

 

Ihr alle lebtet in einem Sein und Leben, welches Gott, der Ewige, allein wusste. Eure Tagesmühen lohnten auch nur mit dem Nötigsten, und eure Götter brachten auch keine Freuden, nur Opfer. Von nun an wird es anders sein. Mein ewiger Gott und Schöpfer Himmels und der Erde will der Eurige sein. Er hat längst vorgesorgt für alle eure Bedürfnisse, Er will euch allen sogar noch mehr geben, damit ihr auch den anderen, die zu euch kommen, von dem Segen reichen könnt. Alles ist Sein Werk, alles Seine Liebe, die euch schützt vor Not und schlimmen Zeiten, wenn ihr in treuer Hingabe und Glauben an Ihn, Sein Gebot der Liebe in euer tätiges Leben umsetzt!

 

Sehet Andree, euren Bruder, dieser wohl einer der Jüngsten unter euch, höret auf ihn, denn er hat Ihn, den wahren Herrn und Gott, am besten erfasst und Ihm geopfert sein Herz, er sei euer Priester. Du aber Andree, sei du der Diener aller. Lasse dein Herz offen für alle, die zu dir kommen, schließe es aber fest zu, so man dir dein Heiligtum nehmen möchte. Und nun erfahret die reine Wahrheit über Gott:

 

Gott ist Gott über alles Bestehende. Fremd und unbegreiflich wird euch Seine Allmacht, Seine Allkraft und Seine Herrschaft bleiben. Darum sandte Er Sein ewiges Wort aus Seinen Himmeln und wurde Fleisch. Als Jesus – den Menschensohn – lernten wir Ihn kennen, als Gottessohn offenbarte Er den in Ihm wohnenden Gott und nannte Ihn VATER. Angefeindet, verfolgt von den Priestern, die wohl Gott kannten, aber treulos handelten, brachte Er das größte Opfer: Sein Leben!

 

Vergessen war Sein Leben, Sein Lieben, Sein Wirken, von dem ihr gehört habt. Die Armen und Kleinen durften sich nicht dagegen wehren. Er wurde ein Opfer und in diesem Opfer der Retter aller, auch für euch! – Ja, staunt weiter über meine Worte! Sein vergossenes Blut ist die ewig zur Tatsache gewordene Wahrheit geworden, dass alle, die daran glauben, Eigentum des Sohnes Jesus werden, die Er Selbst vertritt vor Gott, Seinem Heiligen Vater!

 

Aber nun höret weiter: dieser Jesus verblieb nicht im Tode, sondern nach drei Tagen bekundete Er Selbst Seinen Sieg über allen Tod und hat das Leben zu Seinem ewigen Eigentum gemacht!

 

Hier fließet euer Brunnen, nie wird diese Quelle versiegen, er bleibt euch als Eigentum für euch, und die nach euch kommen. So, wie diese Quelle fließt, fließt auch Sein Leben euch zu! Wir taten nichts, als nur das Erdreich beseitigen, dass wir zum Quell stießen, so dass es fließen kann, allen zum Segen. – Beseitigt nun auch bei euch und in euch alles Erdreich falscher und toter Götter, dann wird in euch der Strom des wahren Lebens fließen und euch nähren und sättigen aus Seinem Geist, der Liebe und wahres Leben ist!

 

Liebe sei euer Leben, Liebe sei euer Streben und Liebe das Band, das alle umschlingt, weil in dieser Liebe Jesus, der Heiland und Erretter, euer Eigentum sein will. Reiniget eure Herzen, aber zuvor alle eure Behausungen, denn Jesus will euch ganz, damit ihr Ihn auch ganz besitzen könnet, zu eurem und aller Heil. So übermittle ich euch Seinen Segen und die Verheißung, dass Er sich weiter offenbaren wird durch Seine lebendige Gnade und Erbarmung.“

 

Sie schwiegen alle, kein Laut war vernehmbar in der vollen Stube. Da sagte Iwan: „ Verzeihe, Jakobus, wenn ich dich unterbreche, ich kann nicht mehr schweigen vor dieser gewaltigen Liebe. Mir brennt mein Herz vor Sehnsucht, diesem uns neu Gewordenen meinen Dank auszusprechen. In meiner Stummheit hätte ich das größte Opfer gebracht, um meine Sprache wieder zu gewinnen, und nun höre ich nichts von opfern, nichts von der Schuld, die ich zu begleichen habe, sondern empfange Segen Seiner Liebe. Ja, ich danke es diesem Gott, dass ich Salome als mein Weib an mein Leben binden kann. Wie kann ich ein froher Mensch sein in dem Bewusstsein, ein Schuldner zu sein? Sage auch darin die Wahrheit, du lieber Gottesbote und Menschenfreund.“

 

Spricht Jakobus: „ Iwan, und ihr alle, höret und vernehmet das Köstlichste, was ein Vater seinen Kindern geben kann:  Vor Ihm seid ihr befreit von aller Schuld, da ja Er Selbst das Lösegeld am Kreuze bezahlte und Sein Blut ist eure Freiheit für eure Seelen. Wenn ihr aber ganz in Seiner Liebe erwachet zum eigenen freien Leben, dann drängt Sein Geist in euch auch so zu handeln, wie Er handelte. Die noch Gebundenen machet frei, indem ihr ihnen helfet als Bruder! Die Armen und Schwachen traget, auf dass ihnen geholfen werde! Nur denen seid recht ernst, die den, nun euch gewordenen lebendigen Gott, wieder nehmen wollen. – Er ruft euch allen durch mich zu: Er will euer Vater sein, ihr aber sollt Seine Kinder werden. Bereichert euch an Seinem Heilandsleben, dann seid ihr schon Kinder hier auf Erden, bis fort in alle Ewigkeit, Amen!“

 

Am anderen Tage, schon in der Frühe, kamen einige, um noch einmal das Wunder zu beschauen. Unter anderem kam auch eine Mutter mit ihrem kleinen Kinde  mit bösem Aussatz im Gesichte. Jakobus, der sich zu der Gruppe gesellte, wurde von der Mutter gefragt, ob es wahr sei, dass dieser Heiland auch Kranke gesund gemacht habe.

 

Da sagte Jakobus: „ o Weib, warum fragst du, wo dich dein Herz drängt, den Heiland Jesu zu bitten, dass Er dir helfe. Ist Er nicht gekommen, um euch zu erlösen von allem, was euch drückt? Glaube, glaube und du wirst die Herrlichkeit Gottes sehen. Glaube, dass dieses Wasser dein Kind heilen wird von diesem Aussatz, und Jesus wird dich nicht enttäuschen, denn Er ist Liebe und Treue denen, die Ihm in Liebe und Treue zu eigen sind!“

 

Ohne ein Wort zu sagen, ging sie hin an den Graben, wo das Wasser floss, wusch ihr Kind und sagte: „ Herr und nun mein Gott! Nicht, dass ich Deine Liebe prüfen möchte, sondern weil ich weiß, Du wirst meinem Kinde helfen durch dieses Dein uns geschenktes Wasser, denn was von Dir kommt, ist gut!“

 

Da fielen die eitrigen Geschwüre von dem Kindesgesicht, in wenigen Minuten war das Kind rein. Da kniete das Weib nieder und betete: „Herr und Gott, wie soll ich Dir danken für das Glück, welches mir geworden ist. Du hast mir alle Sorgen für mein Kind genommen und hast meinen Glauben gelohnt über alles Verstehen. Lasse Dich recht lieben und verlasse uns nie mehr. Denn nun wir die Wohltat Deiner Liebe erlebten, möchte ich nicht mehr ohne Deine Liebe leben. Habe innigen Dank, dass wir zu Dir beten dürfen!“

 

Da war es bei den anderen aus. Erst neugierig über dieses Wunder, besehen sie das Kind. Dann sagte einer: „ Ungern trennte ich mich von meinen Göttern, aber nun bin ich froh, dass ich doch dem Wunsch des Gottesboten entgegen gekommen bin. Du, Jakobus, möchtest du nicht gerne einmal in meinem gereinigten Hause einkehren?“ Spricht Jakobus: „ An meiner Einkehr ist nichts gelegen, denn mit dem Wegschaffen deiner Götter ist ja schon der Herr und Heiland bei dir eingekehrt. Ich aber werde weiterziehen, denn die Herrlichkeit Gottes sollen noch viele erfahren.“

 

So verging noch ein Tag im herrlichen Wirken, wo Andree nicht von der Seite des Jakobus wich. Reich belohnt im Herzen, nimmt Jakobus Abschied von allen und weiter drängt ihn der Geist im Dienst der ewigen Liebe.

 

Andree aber sagte: „Bruder Jakobus, ich habe mit Vater und Mutter gesprochen, ich bleibe mit dir noch einige Tage zusammen. Der Weg über das Gebirge ist beschwerlich, ich aber kenne jeden Weg bis an die Karawanenstraße, die nach Rakka führt. Vater wollte nicht recht, aber Mutter sagte, es wäre für uns alle das größte Geschenk Gottes, so ich mit dir noch länger zusammen bliebe. Ich müsste noch viel von dem wahren lebendigen Gott erfahren, wenn ich Priester sein soll.“ - „Du kommst meinen Wünschen entgegen, Bruder Andree, es wird dir und allen zum Segen gereichen, denn zu der Erkenntnis des wahren und lebendigen Gottes fehlt noch viel.“