Laurentius

 

 

Er sah Laurentius lange an und sagte: „Ich bin Jakobus, des Heilandes Jesu Bruder“. Laurentius: „Es wird mir schwer werden, mit dir Freundschaft zu schließen, denn dein Bruder ist ein Geächteter, ich aber bin ein Römer. Aber sag, hast du wirklich Sabine geheilt?“ Jakobus: „Ja und nein, ich war nur der Vermittler, geheilt hat sie der Geächtete, der aus diesem schmachvollen Tod als Sieger hervorging“. Laurentius: „Du machst mich verwirrt, Jakobus. So ist also die Totenauferstehung Wirklichkeit und kein Betrug von den Nazarenern?“

 

Jakobus: „Der Betrug ist das Werk der Templer. Ich bin Zeuge dessen, der da lebt und leben wird ewig und bin gesandt, Zeugnis zu geben von diesem Leben, was da ausgehet von Ihm. Sabine ist nur ein kleiner Beweis dieses neuen Lebens“. Laurentius: „Wenn ich Sabine und ihr Leiden nicht so genau kennen würde, ich würde dich als Betrüger in die Galeeren stecken, doch hier ist mehr, als Verstand, hier ist Unmögliches möglich geworden“. Jakobus: „Laurentius, warum unterordnest du dich toten Götzen, wo der Lebendige, Wahre und Ewige dir schon so viele Beweise Seines Seins, Seiner Liebe und Weisheit gegeben hat? Du glaubst, jene Götter haben den Irrtum aufgeklärt, als deiner Mutter jenes Schmuckstück abhanden gekommen war“. Laurentius: „Jakobus, was weißt du davon, damals war ich noch ein junger Mann und du ebenfalls“.

 

Jakobus: „Alles weiß ich, Laurentius! Deine Mutter war eine Griechin, die es mit ihren Göttern nie ernst nahm, da ihr Vater viel mit Juden handelte. Euer Priester aber fürchtete, sie ganz verlieren zu können, darum versteckte er bei Gelegenheit das Schmuckstück und beließ deine Mutter in dem Glauben, es sei gestohlen oder abhanden gekommen. Zur Freude deiner Mutter überraschte er sie eines Tages mit der Kunde, das Schmuckstück befinde sich im Hause, sie solle es auf dem Dache in einem Mauerriss suchen lassen. Deine Mutter fragte, woher er die Kenntnis habe. Da sagte der Priester, du warst selbst Zeuge, die Götter sind dir wohlgesinnt, sie offenbarten mir den genauen Fundort. Da gingst du mit dem Priester hin und richtig, der Priester hatte recht, das Schmuckstück hatte sich wiedergefunden. Aber nie ist dir der Gedanke gekommen, dass es der Priester gewesen sein könnte“.

Laurentius: „Du behauptest, der Priester sei es gewesen, um auch mich und meine Mutter den Göttern zu verpflichten?“ Jakobus: „Er hat auch sein Ziel erreicht, denn mit einer seltenen Hingabe und Treue blieb deine Mutter ihrem Glauben getreu. Auch du kannst dich bis heute noch nicht entschließen, an den wahren und lebendigen Gott zu glauben, dessen Sohn Jesus von Nazareth war!“ Laurentius: „Aber, mein Freund, was du mir erzählst, klingt genau so wahr wie des Priesters Darstellung. Wie willst du mir beweisen den Betrug jenes Priesters?“ Jakobus: „Beweisen kann ich es nicht, aber jener Priester kann sich diese Tat nicht vergeben, sie verschließt ihm den Weg zu Jesus“. Laurentius: „Aber Jakobus, seit wann sind denn Tote bemüht, Handlungen – im Erdenleben begangen – sich vergeben zu wollen, du wirst mir immer rätselhafter“.

 

Diese, im lauten Ton gehaltene Unterhaltung, hatten alle gehört. Sie bedauerten, das Ende nicht erfahren zu können, denn Petro ließ das Mahl auf den Tisch bringen. Sabine in ihrer strahlenden Frische, eilte, mit noch zwei Mägden, mit einer Behändigkeit von der Küche durch das große Gastzimmer, die jede Unterhaltung unterband. So war in kurzer Zeit alles gerichtet, alle hatten Platz genommen. Da sieht auch Armino seinen Lebensretter. Er steht auf und nimmt an Benediktus` Seite Platz, der große Freude hatte, Armino zu sehen.

 

Leider konnte Armino nichts sagen, denn Petro sprach: „Freunde, liebe Freunde, verwundert euch nicht über mich, denn mein Herz ist voll Freude und Dankbarkeit. Ich habe Sabine wieder, die, wie ihr wisst, seit Jahren an der Auszehrung litt. Nun ist sie gesund durch den Boten, den uns Gott gesandt hat, an den ich nun glaube und Ihm getreu folgen werde. Mit welchen Opfern suchte ich die Götter zu bewegen, noch mehr hätte ich getan, so es gefordert worden wäre, nur um ihr Leben zu erhalten. Nun kommt uns Gott, der Wahre, der Lebendige und Ewige in diesem schlichten Menschen entgegen und macht mir Sabine ohne Opfer gesund. Darum genießt alles recht froh, denn heute wollen wir uns freuen und des rechten Gottes in unserer Freude gedenken. Du aber, du wahrer Gott von Ewigkeit, du kamst in der Not zu uns, bleibe auch in der Freude bei uns. Dir alles Lob, allen Preis und Dank und Dir alle Herzen, Amen“.

 

Herrlich schmeckte das Mahl, aber der Wein war sauer, darum kam die rechte Stimmung nicht auf. Auch Laurentius konnte die Worte des Jakobus nicht verdauen.

 

Armino, der wieder mit Benediktus ganz eins war, sagte: „Was sagst denn du zu der Heilung der Sabine?“ Benediktus: „Lass mich mit dem Judengott zufrieden. Ich habe wieder in Edessa viel gehört, was ist denn wahr? Hier und da große Wunderheilungen, wo es aber darauf ankommt, versagt der Nazarener. Frage doch in Edessa, der Thronerbe ging, trotz aller Anstrengungen, die man machte, um den Nazarener herbei zu holen, doch ins Grab. Ich bin eigentlich zufrieden, ich habe mich von den Göttern losgesagt, liebe ein Glas guten Wein, da vergisst man gerne alle Sorgen“.

 

Armino: „Du weichst mir aus, um Sabine fragte ich dich. Was meinst du, könntest du glauben, dass Jesus, der Heiland, dieses Kind geheilt haben könnte?“ Benediktus: „Nein, Armino, weißt du, ich war lange genug der Betrüger und Betrogene gewesen. Du aber bedenke, Jesus ist tot, alles andere sind für mich Märchen“. Armino: „Jakobus, dieser Gottesbote, ist mit Kräften ausgerüstet, die man Jesus nachsagt. Höre, auch dieses hat Jakobus vorausgesagt, dass ihr hier einkehren werdet und du, als mein früherer Lebensretter, wärest darunter, und noch etwas, was kein Mensch wusste“. Benediktus: „Armino, du bist zu leichtgläubig. Gewiss gibt es Menschen mit großen Begabungen, aber deswegen bleibe ich auf meinem natürlichen Boden und lasse die Götter Götter sein, und wo sie sind, in den Gehirnzellen der Menschen. Lieber wäre mir, der Wein wäre nicht so sauer“.

Laurentius war auf Armino aufmerksam geworden, der mit Benediktus sich unterhielt. Er wusste, Benediktus ist schlecht auf die Götter zu sprechen. In seinem Leben war ein Vorgang, der ihn zum Abtrünnigen machte, darum wurde er Soldat.

 

Das Essen war vorüber, die Tische wurden abgeräumt, nur die Krüge und Becher blieben. Da spricht Petro: „Freunde, wer unter euch nicht ganz meine Freude teilen kann, schließe sich dem Jakobus an, denn in diesem Bruder ist der ewige Gott zu uns gekommen“. Da lächelt Benediktus, aber Laurentius sagt: „Benediktus, sei nicht so erhaben über das, was Petro spricht, denn in Jakobus ist mehr wie ein Mensch hierher gekommen. Du weißt, ich bin ein harter Mann und dulde keinen Betrüger“.

 

Benediktus: „Herr, ich kann wohl vieles verstehen, aber ist mein früheres Leben wegzuwischen? Warum halfen mir die Götter nicht, wo ich sie brauchte? Ist es nicht genug, dass ich mein Leben, solange ich weiß, den Göttern opferte, mir so manche Freude des Lebens versagte? Kam ich mir nicht wie ein Betrüger vor, wo ich der Betrogene war? Nein Herr, lasst mich in Ruhe, ich habe kein Verlangen, mich mit Göttern zu beschäftigen. Auch mit Jesus war es dasselbe. Sein Leben schenkte Er Jehova, und zum Schluss ließ Ihn Jehova genau so untergehen, wie ich untergegangen wäre, wenn ihr Römer nicht gewesen wäret“.

 

Laurentius zog Jakobus hin zu sich und sagte: „Jakobus, wir beide sind nicht fertig geworden mit unserer Unterhaltung. Ich habe hier einen Untergebenen, dem viel Unrecht geschehen ist. Du hast Sabine geholfen, kannst du auch Benediktus helfen?“ – „Nein“ erwiderte Jakobus, „weil er kein Verlangen nach Hilfe hat. Aber da ihm der Wein zu sauer ist, so soll der Wein im Namen des Herrn süß sein, denn nur der Wein ist sein Tröster“.

 

Benediktus will lachen, da spricht Jakobus: „Benediktus, um der Wahrheit willen versuche den Wein und dann sage mir, ob der Wein süß genug ist“. Da trinkt Benediktus und sagt: „Ja, wirklich, das ist guter süßer Wein, aber wie ist denn dieses möglich?“ Jakobus: „Mein armer Freund, dem wahren und lebendigen Gott ist nichts unmöglich, doch glauben muss man an Ihn können.  Aber da der Wein gut ist, sei genügsam, dass du keinen Rausch bekommst, denn im Rausch könntest du Dinge verraten, die dich später reuen würden“.

 

Benediktus: „Sei nicht so geheimnisvoll, ich wüsste nicht, was ich ausplaudern könnte. Übrigens, mir gegenüber brauchst du nicht so geheimnisvoll zu sein, ich bin lange genug Priester gewesen. Von Göttern habe ich vorläufig genug, da möchte ich ganz in Ruhe gelassen werden“. Jakobus: „Ganz recht, Benediktus, aber du musst auch Gott in Ruhe lassen. Es geht auf keinen Fall, dass du Gott angreifst und Seine Führungen unterbindest. Es war deine eigene Schuld, dass du einen Menschen auf dem Gewissen hast, der bestimmt noch leben würde“. Benediktus: „Was weißt du, Jakobus, willst du mich noch elender machen, als ich bin, konnte ich denn als Priester anders handeln?“

 

Jakobus: „Ich will dich nicht richten, auch deine Handlungsweise nicht verurteilen, aber ein Mensch soll Helfer sein, auch wenn die Umstände es verbieten. Dich elender machen hieße ja, meinen Gott schlagen. Nein, frei sollst du werden, ganz frei, und dazu kann dir nur der Herr Jesus verhelfen. Siehe, die kraft des Herrn tat dir Gutes, indem du einen süßen Wein trinken kannst. Ebenso hätte ich auch die Kraft des Herrn, dir den Wein so zu versauern, dass du ganz nüchtern bliebest. Mir aber liegt daran, dir Freude zu machen, dich für Stunden vergessen zu machen, was jede frohe Regung in dir nieder hält. Aber nun sei mit den anderen fröhlich“.

 

Sabine setzte sich an Jakobus` Seite und sprach: „Du lieber Gottesbote, bleibe recht lange bei uns und erzähle uns recht viel von dem herrlichen Heiland Jesus. Seit wann kennst du Ihn?“ Jakobus: „Seit Seiner Geburt, liebe Sabine, Er war mein Bruder. Sein ganzes Leben, Seine Entwicklung vom ersten bis zum letzten Atemzug ist in mein Inneres eingebrannt, was kein Mensch der Erde mir wieder nehmen könnte. Die Welt erfuhr nicht den 10 000. Teil von dem, was ich und durch Ihn erlebte“. Sabine: „O ihr glücklichen Menschen, wie seid ihr zu beneiden, welch herrliches Leben müsst ihr geführt haben. Wenn ich mir vorstelle, Er, als die Liebe und die Lebenssonne, wie müsst ihr euch unter den Strahlen dieser Liebe wohlgefühlt haben, es muss ein Himmel auf Erden gewesen sein. Nichts von Not, nichts von Leid, Kummer, wie muss Er euch fehlen!“

 

Jakobus: „ O Sabine, du bist in einer großen Irre, weil du von deinem großen Sehnen, von deiner menschlichen Erkenntnis ausgehst. Bei uns im Hause Josefs war alles, bloß kein Himmel. Jesus war Liebe, aber Er war auch hart und streng. Sein Leben war pur Kampf mit Sich, während Er mit uns größte Nachsicht übte. Mein alter Vater war einer der gerechtesten und streng gläubigsten Juden. Für ihn gab es die Erfüllung aller Gesetze, die der Tempel vorschrieb. Streng mit uns hielt er auch darauf, dass alles Vorgeschriebene streng befolgt wurde, z.B. die Speisen, das Beten, Andachten, Zehnten und vor allem das strenge Einhalten des Sabbats und der Festtage.

 

Jesus aber entwickelte Sich schon in Seiner Kindheit zu einem Freigeist. Nie besuchte Er die Schule oder die Synagoge und war doch klüger, als wir alle. Nie betete Er vor uns, sondern nur für sich allein. Alle Gesetze waren Dinge, die gehalten wurden, um kein Ärgernis zu erregen. Wenn es aber galt, einen Liebesdienst zu tun, hielt Ihn kein Gesetz oder Sabbat zurück. Auch vom Gegenteil weiß ich. Man verlangte eine Arbeit von Ihm, Er war hart und lehnte ab mit den Worten: `Ich tue es nicht, Ich will Meine Seele nicht beschweren`.

 

Je älter Er wurde, um so schwerer wurde es für uns. Wir verstanden Ihn nicht und machten Ihm das Leben schwer. Wie weinte Seine Mutter über Sein Verhalten und beschwor Ihn, sich doch uns und allen anzupassen. Er aber lehnte ab, wich aus, und warum? Weil Er schon frühzeitig den in Sich klaren Geist aus Gott zu Seinem Führer und Leitstern machte, um eben jenen Reifegrad zu erreichen, der Ihn, den Menschensohn, zum Gottessohn machte. Es gelang Ihm. Mit 30 Jahren tritt Er Sein Lehramt an und offenbarte allen, die Ihn hören wollten, den wahren und ewigen Gott und tut Wunder und Zeichen allerorts, die ihr vernommen habt. Viel Volks lief Ihm nach und glaubte. Der Tempel aber war und blieb Sein Feind und hatte auch seinen Zweck erreicht, Ihn unschädlich zu machen“. Sabine: „O du blindes Volk, warum ließt ihr es zu, dass dieser Wohltäter sterben musste?“

 

Jakobus: „Jesus unterordnete Sich dem Willen Gottes, Sein Tod ist ja eben unser Leben. Nur durch das größte Liebesopfer konnte eben dieser zur Vollreife gelangte Geist allen, allen Menschen zum Eigentum angeboten werden. Nur durch diesen Geist aus Ihm war es möglich, dich gesund zu machen, und in diesem Geist ist Er auch unter uns. Kannst du dieses verstehen?“ Sabine: „o ja, ganz gut. Aber ob dich unsere Freunde verstehen, bezweifle ich, denn sie haben eine gewisse Abneigung gegen euch Juden. Ich wäre glücklich, wenn es dir gelänge, sie zu überzeugen“.

 

Laurentius: „Freund, deine Vorstellung in Ehren, aber sie hält meiner Kritik nicht stand. Es macht Gott wenig Ehre, Seinen Sohn schutzlos den Feinden zu überlassen. Eine schwache Stütze, so du sprichst, Jesus unterordnete Sich dem Willen Gottes. Dieser Gehorsam ist wohl Jesus sehr hoch anzurechnen, aber ich komme da mit Gott in Konflikt“. Jakobus: „Du magst als Römer, nach deinen Ehrbegriffen, recht haben, aber es galt eine Erlösung zu schaffen, und nur der geringste Einfluss göttlicher Kräfte hätte das Erlösungswerk beendet“. Laurentius: „Wieso? Jesus starb doch und blieb als der Besiegte am Platze“.

Jakobus: „Was starb, lieber Freund, war nur die Hülle oder das Vergängliche, denn nach drei Tagen stand Er mit einem unzerstörbaren und unvergänglichen Leibe unter uns! Nicht als Besiegter, sondern als Sieger über allen Tod und alles Gericht. Eben, um dem Tod die Macht zu nehmen und um alles zu erfüllen mit Seinem Leben, musste Er sterben. Gott wusste seit Ewigkeiten, dass ein allergrößtes und allerschwerstes Opfer nötig war, um die Macht des Bösen zu brechen, damit ein Weg gefunden werde zur Erlösung und Errettung aller, die von der Macht des Bösen gefangen waren. Darum wurde Gott Selbst Mensch, nahm Knechtsgestalt an blieb Sich gehorsam bis zum Tode am Kreuz. Nicht Gott ließ den Menschensohn im Stich, sonder Gott als Menschensohn trennte Sich von Seiner Gottheit und brachte als Mensch das allergrößte und allerschwerste Opfer“.

 

Laurentius: „Das verstehe, wer kann, ich nicht! Habt ihr denn gewusst, dass Gott, euer Jehova, in einem simplen Menschen unter euch lebte, ich bin begierig auf deine Antwort“. Jakobus: „Ja und auch nein. Oft waren die Beweise so überwältigend, dass wir wussten, Jesus ist Gott. Sahen wir aber wieder Sein Menschliches, dann wurden wir irre. Oft wunderte sich Cyrenius, der Statthalter, dass wir an Jesus irre wurden, denn für euch Römer war und blieb Jesus Gott“.

 

Laurentius: „Ich danke dir, Jakobus. Jetzt ist mir wenigstens klar, warum wir Römer euch Nazarenern nicht hinderlich sein sollen. Cyrenius ist tiefer eingedrungen, als ich und viele andere, aber deswegen bin ich noch nicht ganz klar über Gott und Jesus. Es wurde durch Jesus ein Weg gefunden zur Erlösung aller. Schön und gut. Waren denn alle Menschen Verlorene, die erlöst werden mussten? Siehe, ich bin mir keiner Schuld bewusst, jemals Handlungen getan zu haben, die mich zum Verlorenen machen. Musste Jesus auch um meinetwillen sterben?“

 

Jakobus: „So hart wie es klingt, lieber Laurentius, auch für dich starb Er. Für alle, alle Menschen, wie auch für die seufzende Kreatur gab Er Sein Leben. Denn alles Materielle, wie auch alles Fleisch, ist ja nicht aus der Hand des Schöpfers hervorgegangen, wie es jetzt ist, sondern wurde durch die Untreue und den Ungehorsam des ersten geschaffenen Urerzengels seines hohen Lebensstandes beraubt und dem Tod und Gericht ausgeliefert. Gott aber, als Liebe und Erbarmung, suchte einen Weg, eine Lösung, und fand sie im Geiste der Demut und hingebenden Liebe. An diesem Geiste scheiterte die Macht des Bösen und gab den Menschen den Geist der erlösenden Liebe zum freien Eigentum. Darum musste  Gott dieses Opfer bringen“.

 

Laurentius: „Jakobus, du magst recht haben, doch ich kann ohne weiteres deine Erklärungen, die mir einleuchtend sind, nicht als pure Tatsache hinnehmen, denn mit der Annahme deiner Glaubensmaximen müsste mein Glaube ausgelöscht sein. Es ist aber nicht so leicht, was mir 30 Jahre liebe Gewohnheit war, ohne weiteres auszulöschen. Kannst du Beweise erbringen, dass das Blutopfer Jesu oder deines Gottes wirklich Erlösung brachte? Es ist leicht zu sagen, geht den Weg der Demut und Liebe, dann werdet ihr erlöst sein vom Tod und Verderben. Meines Wissens werden jetzt 100.te dem Tode preisgegeben, und warum? Weil sie an einen Erlöser glauben. Auch meine Rede klingt hart, aber die Tatsachen, die wir leider nicht verhindern können, sprechen das Gegenteil“.

 

Jakobus: „Für mich klingt es nicht hart. Auch ich würde mein irdisches Leben in die Waagschale legen, denn ich bin ja der Welt so gut wie gestorben durch die erlösende Liebe Jesu. Nicht mehr ich lebe, sondern Jesus in mir. Nehmt mir meinen Leib, dann werde ich getragen in das ewige Reich des Lebens, dessen Friede, Freude und Seligkeit kein Ende haben wird. Während die, die an das ewige Leben nicht glauben und in ihrem alten Ichleben verbleiben, hinüber gehen in Nacht und Grauen, in Finsternis und Schrecken, und dieses zu beweisen, ist nicht schwer.

 

Hier sitzt Sabine, ihre Seele ist gereinigt durch das entsetzliche Leiden, und kann schauen mit ihren geistigen Augen, was den anderen Menschen nicht möglich ist. Es ist dieses kein Wunder, sondern die natürliche Folge dieser dir nun geoffenbarten  Wahrheit aus Jesus. Was der alte Mensch in sich abnimmt, nimmt der neue Mensch aus Gott zu. Es ist dabei nicht nötig, zu wissen, Jesus, der Herr ist mein Helfer, sondern die Gnade des Herrn offenbart sich, ohne dass der Ringende und Leidende davon weiß“.

 

Laurentius: „Jakobus, jedes Wort ist ein neues Rätsel. War dein Jesus auch so geheimnisvoll und rätselhaft?“ Jakobus: „Lieber Herr und Freund, für die, die nicht mit Ihm gingen, war Er das größte Rätsel und Fragezeichen. Für die aber, die Ihn liebten und mit Ihm gingen, war Er das Einfachste und Natürlichste. Seine Worte waren klar und nicht zu widerlegen. Ja, Sein Wort ist das Wort eines wahrhaftigen Gottes und wird nie und nimmer vergehen. Eher gehen Welten zu Grunde, ehe nur ein Tippelchen eines Seiner Worte vergehen wird!“

 

Laurentius: „Jakobus, ich weiß nicht, soll ich deinen Glauben, oder deine Sicherheit bewundern. Jedenfalls werde ich Gebrauch machen von deinem Hinweis auf Sabine“.