Der Liebe Lohn

 

 

Jakobus ging durch die Menge, um dem einen oder anderen ein paar aufmunternde Worte zu sagen. Dann kommt er zu Abgarus und spricht: „Mein Bruder, mit übervollem Herzen danke ich dir für die Arbeit für den Herrn. Sieh nur, wie sie alle dich lieb haben, kannst du dir eine noch größere Freude wünschen? Ich sage dir, noch viel, viel mehr Freude wirst du erleben, denn Zeno hat das Leben erfasst, Rudomin ist sein treuer Helfer, denn seine Gabe ist das Schauen. Es werden euch Dinge offenbart werden, von denen ihr alle noch keine Ahnung habt. Die Feier ist beendet. Nach und nach wird der Platz leer werden, den Tempel lasst Tag und Nacht offen. Es genügt, so des Nachts eine kleine Lampe brennt als Symbol“.

 

Abgarus: „Bruder, eine Herzensbitte habe ich an dich. Komme heute noch in mein Haus, ich lade Zeno und seine Priester, du aber bringst die drei Frauen mit. Ich muss euch heute noch um mich haben, denn ohne ihre Arbeit wäre nicht der Erfolg geworden“. Jakobus: „Gerne erfülle ich deine Bitte, Bruder Abgarus, es gilt auch an den Abschied zu denken. Meine Mission ist erfüllt, an anderen Orten ist meine Anwesenheit wichtiger. Aber, Bruder, keine großen Ehrungen, die Liebe sei das Band, was uns bindet“.

 

Ach, wie viele sehnten sich noch nach einem Worte von dem Jünger, alle wollten ihm so gerne danken. Helena war nicht erfreut, beim König zu erscheinen, da aber Ilona und Irene zuredeten, ging sie mit. So wurde am Nachmittag geruht.

 

Als die Sonne sich neigte, empfing Abgarus seine Gäste. Zeno, Hermes und Rudomin waren schon anwesend. Der große Speisesaal war in einfacher Art für ein Abendmahl gedeckt, zu dem alle die geladen waren, die sich um das Werk Jesu besonders hervorgetan hatten.

 

Abgarus war voller Freude, begrüßte alle in herzlichster Freude mit den einfachen Worten: „Meine lieben Freunde, es ist meinem Herzen Bedürfnis, an Stelle des Herrn und ewigen Gottes Jesus Christus, euch zu danken. Wie einsam war ich oft, da ich mit wenigen nur sprechen konnte von Dem, Dem wir alle zu danken haben, und heute erlebe ich die Liebe meiner Landeskinder. Wundert euch deswegen nicht, dass ich gerade heute euch mit meiner Liebe und meinem Dank beglücken möchte. Wie wunderbar ist alles geordnet. In langen Nächten habe ich oft nachgedacht, wie kann meinem Volk die rechte Wahrheit beigebracht werden, und das Ergebnis heute? Fast alle begehrten die Taufe. Wir wollen ohne Zwang das Abendmahl einnehmen, aber zuvor bitten: Herr Jesus, sei Du unser Gast und segne uns alles, was Deine Liebe bescheret hat. Amen“.

 

Nach dem Essen bleib man an der Tafel sitzen. Da sagte Jakobus zu Rudomin: „Bruder, lege alle Scheu ab. Denke, es sind alle deine Brüder und Schwestern, und du willst allen dienen mit dem, was dir der Herr schenkte. Nicht umsonst hat dich der Herr berufen und dir eine neue Heimat gegeben, darum mache dich würdig der Gnade, ein Berufener zu sein“.

 

Erst langsam, dann immer sicherer schilderte Rudomin sein Schauen. Rudomin begann: „Ich bin kein Redner, darum bitte ich um Nachsicht, so ich Fehler begehe. Ich sah heute im Tempel den Herrn das erste Mal, als der Jünger die Worte des Herrn übermittelte. Ich habe weniger den Worten gelauscht, der Herr war mir wichtiger. Als die Worte beendet waren, war auch mein Schauen beendet.

 

Als die vielen zu uns ins Wasser kamen, sah ich, wie auf einem Schleier sitzend, viele schöne Gestalten. Ganz deutlich erkannte ich auch deinen Sohn, mein Herr und König. Als der Jünger dein neigendes Haupt mit Wasser benetzte, machte dein Sohn das Zeichen des Kreuzes über dich. Sein Gesicht glänzte wie die Sonne.

 

So immer neue zu uns ins Wasser kamen, sah ich auch neue Gestalten. Es war mir, als wenn die getauften Brüder und Schwestern die Gestalten mitnahmen. Darum passte ich auf, wie Helena, unsere Wohltäterin, sich mit den anderen taufen ließ. Ihr verstorbener Mann, den ich sehr gut kannte, war bei ihr und blieb auch lange, bis zwei Lichtgestalten ihn in ihr Licht einhüllten.

 

Die Taufe war beendet. Zum Danke lagerten sich die Glücklichen, und nun kommt ein schönes Erleben. Ungefähr 50 herrliche Gestalten bringen oder schweben mit einer herrlichen Girlande über die Betenden und schlingen uns alle ein. Dann kommt der Herr Selbst, nimmt in jede Hand ein Ende und spricht die herrlichen Worte, die wir durch den Jünger hörten. Als Er Amen. Amen. Amen spricht, lässt Er ein Ende los und wirft uns allen die Blumen zu, bis die Girlande alle war. Und, o Wunder, jeder hatte eine Blume, und auch jetzt noch, an der linken Seite, wo das Herz sitzt. Du, mein König, hast eine große weiße Blume, die ich leider nicht mit Namen bezeichnen kann, während Helena die selbe Blume, aber in rot hat. Jeder hat eine andere Farbe, aber wie ich feststelle, sind bei den Frauen alle ins rötliche. Dann segnete uns der Herr. Beim Entschwinden nimmt er alle Gestalten mit oder in Sein Licht auf. Dies ist mein Schauen gewesen“.

 

Zeno, ganz aufgeregt über das Schauen seines Helfers, spricht: „Aber Rudomin, du hast doch noch gar nichts gesagt über dein Schauen“. – „Nein, mein Oberpriester, ich hätte auch heute nichts gesagt, wenn der Jünger des Herrn nicht gemahnt hätte“. Jakobus: „Es ist so, Rudomins Wesen muss sich erst noch ganz klären. Noch ist er nicht so frei, um vertreten zu können, was er schaut. Durch jahrelange Besessenheit war er nicht sein eigener Herr in seiner Welt, sondern die, die ihn beherrschten. Aber freut euch mit ihm, er wird euch noch vieles übermitteln.

 

Du, Bruder Zeno, bediene dich immer seiner, denn bei Kranken wird er dir immer gute Dienste leisten. Jede Besessenheit wird erkannt, da er ja die Geistwesen sieht, die da den einen oder anderen belasten. Auch beim Verscheiden eines Menschen wird er alle Vorgänge schauen und euch als Priester wertvolle Dienste leisten. Auch dir, Abgarus, wird er großer Helfer sein. Jeden Menschen, der es nicht ehrlich und offen meint, wird er sofort erkennen und dich aufmerksam machen können“.

 

Abgarus: „Das ist mir ganz neu, dass auch hier der Herr so wunderbar vorsorgt. Da sind ja mit einem Schlag alle Sorgen zu Ende, wenn wir in allen Dingen klar sehen dürfen“. – „Du wirst noch genug Arbeit bekommen, mein Bruder im Herrn, aber der Herr, als der immer Sorgende, wird dir in deinem Geiste offenbaren, was du tun sollst. Helena wird die Gabe einer Wehmutter empfangen und viel Segen stiften, wenn die Neugeborenen mit dem Segen des Herrn ihren Erdengang antreten.

 

Liebe Freunde, wünscht euch keine Gabe vom Herrn, sondern machet frei, was so herrlich in euch liegt. Keinem wird etwas neu geschenkt, sondern es liegt alles in euch. Jede, auch die kleinste Liebe aus dem Reichtum eurer Innenwelt, ist Geschenk des himmlischen Vaters und ist dazu da, um zu beglücken und sich zu bereichern am Heilandsleben.

 

Du Hethmann, denkst, `ja, es ist alles schön und gut, aber was nützt es dem Menschen, so er es nicht weiß? Was nützt mir der Schatz in meinem Hause, wovon ich nichts weiß? Wie vieles besser wäre es, so allen bekannt wäre, was in uns liegt`. Bruder Hethmann, was du jetzt dachtest, ist noch auf deinem Grund gewachsen. Lasse erst den Christus in dir dein Grund werden, dann wirst du dir der Schätze in deinem eigenen Hause bewusst werden.

 

Ihr alle, meine Brüder und Schwestern, seid euch alle bewusst, die Gnade des Herrn gleicht einem Vorratshause, die Liebe ist der Schlüssel dazu. Beides ist gegeben, um den Geist des Herrn zu verwirklichen, nur mit dem Unterschied, Vergängliches gibt sich aus, Ewiges vermehrt sich je nach dem Maße, nachdem man austeilt.

 

Aber nun mag Rudomin euch noch beglücken mit dem, was sich eben im Geiste hier abspielt“. Jakobus nickt ihm zu, dann sagte Rudomin: „Mein Herr und mein König, gut muss es der gute Gott mit dir meinen, denn Omar, dein Sohn kommt in Begleitung des Herrn, dahinter folgen viele Wesen. Die Wände deines Hauses sind vor meinen Augen völlig verschwunden, ich schaue nur mit geistigen Augen. Mir ist, als wenn wir im Hintergrund sitzen, wo es noch sehr dunkel ist. Omar, dein Sohn, segnet uns alle. O Wunder, eine große Festtafel ist auf einmal da,  in Form eines großen Kreuzes. Die seligen Gestalten schmücken die Tafel mit den schönsten Blumen. Ja, was ist denn das, sie formen ja Buchstaben und Worte. Sie lauten: Jesus Christus, Du bist die vollendete Liebe, in dieser Liebe die vollkommene Gottheit und die ewige Erhaltung. O, wie schön diese Farbenpracht. Jede Blume besingt die Liebe des anwesenden Gottes Jesus Christus.

 

Omar spricht: `o Abba Immanuel, wie glücklich machst du mich in dieser Freudenstunde mit dem Geschenk, dass meine Eltern und Geschwister, sowie die Brüder, alles erfahren dürfen, was sich jetzt in meiner Welt vollzieht`. Spricht der Herr: `Mein Sohn, auch Ich bin glücklich, denn nicht die Meine, sondern deine Liebe ist es, die dieses Festmahl ermöglicht`. Omar: `Wenn es meine Liebe ist, o mein Immanuel, mein Abba, dann wage ich etwas ganz Großes, bitte Dich aber im voraus um Deinen Segen`. Der Herr: `In deiner Liebe ist schon alles recht gesegnet, darum handle ganz frei`. Omar drückt die Hände, die Nägelmale tragen, an seine Brust und spricht: `Dank, mein Abba, in Deinem Namen versuche ich mein Heil. Entschuldige mein Fortgehen, bald bin ich wieder zurück`.

 

Omar verschwindet, der Herr segnet ihn. Nun sehe ich Omar in einer Welt voller Steine, da er niemand sieht, ruft er. Da schauen aus den Löchern Bewohner heraus. Omar geht hin und spricht: `Brüder, kennt ihr mich nicht mehr?` - `Doch, du bist des Königs Sohn, was suchst du hier und störst unsere Ruhe?` - `Nicht stören, sondern um zu erlösen aus eurer Steinwelt, die tot und ohne Leben ist`. - `Bist du gekommen, uns zu predigen von dem Gott, der Liebe sein soll, dann gehe ruhig wieder. Noch haben wir keine Sehnsucht nach einem Gott, von dem wir bisher nichts wussten`.

 

`Ich bin nicht gekommen, um zu predigen, sondern um euch hinauszuführen zu Ihm, wo Er euch erwartet. Unsere Erdenbrüder haben ihren Tempel dem lebendigen Gott geweiht. Die Taufe ist ihnen geworden als Zeichen der Zugehörigkeit zum ewigen und lebendigen Gott und ewigen Vater`. - `Wie willst du uns dieses beweisen? Mit der Erde und ihren Bewohnern sind wir fertig, wir sind für sie ausgelöscht`. - `Aber nicht für den lebendigen Gott. Kommt mit mir, wenn es nicht so ist, dann könnt ihr jederzeit zurück`. - `Wenn dem so ist, dann versuchen wir es. Aber wehe dir, so es sich anders verhält, unsere Hämmer nehmen wir mit`. Da ruft der eine, und nun kommen sie alle und hören die Botschaft und den Versuch, den ewigen Gott, der lebendig sein soll, kennen zu lernen. Es wurden sehr viele.

 

Omar kommt strahlenden Auges und bringt diese große Schar in den herrlichen Festsaal und spricht: `O mein Jesus, mein Heiland, mein Vater und Immanuel, ganz leicht ging es, diese Schar hierher zu bringen. Wenn Du sie nicht magst, so lass sie wenigstens einmal an Deinem Tische essen. Ich will so lange ihr Diener sein, bis sie Dich erkennen`. - `Omar, verraten darfst du Mich nicht, tue, als wenn ich nicht da bin, es sind ja deine Gäste`.

 

Omar nötigt, Platz zu nehmen. Da spricht der eine: `Höre, dies ist ja ein Götterhimmel! Wer sind denn diese strahlenden Wesen, du wolltest uns ja zum lebendigen Gott führen`. - `Nehmet erst einmal Platz, genießet mit Freude die herrlichen Gaben, alles weitere kommt von selbst`. - `Nun, Hunger haben wir mehr als zuviel, setzen wir uns, unsere Hämmer legen wir zu unseren Füßen`. Sie legen die Hämmer zu ihren Füßen, wo sie sich hinsetzen, und Omar spricht: `Meine Freunde, greift zu, im Reiche des ewigen Lebens gibt es kein Hungern und Darben, alles ist da, um zu beglücken`. Sie langen zu.

 

Der eine, der ihr Anführer ist, sitzt neben dem Herrn. Er spricht: `Bist du schon lange hier beim Omar und mit seinem Gott, der ewig sein soll, einverstanden?` - `So lange Omar hier ist, bin ich auch hier. Mit dem lebendigen Gott bin ich ganz einverstanden`. - `Da bin ich neugierig, Den kennen zu lernen. Weißt du, in unserer Steinwüste ist auf die Dauer kein Leben. Dies Brot ist das erste, was ich seit meinem Erdenabschluss zu mir nehme`. - `Dann verkoste auch diesen Wein, den kann nur der lebendige Gott keltern. Wer davon genießt, wird nicht berauscht, sondern vom Leben erfasst`. - `Wenn es erlaubt ist, gerne, es ist aber kein Becher da`. - `Tut nichts, Ich habe doch einen, trinken wir zusammen`.

 

Da trank der Herr und gibt ihn dem anderen. Dieser trinkt und spricht: `Du, höre, das ist aber ein Wein! Wenn schon der Wein so gut ist, wie muss erst der Gott sein, der ihn macht. Kannst du Ihn mir nicht einmal zeigen, denn um des lebendigen Gottes willen sind wir hier`. - `Ja, mein Freund, da kann ich dir nicht helfen. Hast du die Blumen noch nicht recht betrachtet, sie sagen doch mehr, als das Predigen`.

 

`Du hast auch recht, wo habe ich denn meine Augen gehabt? Jesus Christus, Du bist die vollendete Liebe. Ja, lieber Freund, die fehlt uns allen noch. Da scheint Omar doch besser daran zu sein, als wir. Sein Gesicht strahlt vor Wonne, während wir... o, nicht mehr daran denken. Dürfen wir hier bleiben und uns nützlich machen, bei den Steinen ist doch verlorene Zeit?` - `Omar hat euch geholt für dauernd, es fragt sich, ob ihr wollt. Eure Steine werden euch nicht vermissen, ohne wahres Leben ist auch euer Leben ein verlorenes. Ich bin Omars Freund, was Ich sage, gilt so viel als das seine, und Meines Freundes Wort als das Meine. Darum frage Ich dich, wollt ihr hier bleiben und ein neues Leben beginnen? Frage deine Brüder, ob sie auch wollen`. - `Ja, sie wollen`.

 

Nun geht aber der Becher von Hand zu Hand, immer fröhlicher werden alle, da spricht der eine: `Du, ich glaube, wir werden auch gute Freunde werden. Aber um eines bitte ich Dich, lerne mich den Jesus Christus, der die vollendete Liebe ist, recht bald kennen, denn unter dieser Liebe möchte ich nicht länger ohne Liebe sein`. Jetzt ist dieses Erleben zu Ende“.

 

So endete dieser Sabbat in herrlicher Weise. Vieles wurde noch geschildert, Jakobus konnte allen gerecht werden und die Segnungen blieben nicht aus.

 

Bei Helena war nun alle Not behoben, nur dienen und helfen war ihr Leben. Ilona und Irene waren die Sängerinnen, die das Leben der Heilandsliebe besingen konnten, auch in ihrem Tun und Handeln. Zeno war ein rechter Priester, der immer das Rechte fand durch die Liebe und Gnade des Herrn und durch die Mithilfe des Rudomin.

 

Die Saat, die Jakobus gesät hatte, war herrlich aufgegangen, besonders bei Abgarus. Dieser hatte auch als Letztes von Jakobus die Verheißung bekommen, dass der Herr und Liebemeister ihm noch zwei Jünger senden werde, die die Aufgabe haben, seinem Volke die Liebesbotschaft  zu bringen, damit auch diese seine Sehnsucht erfüllt werde. Sie wurde erfüllt.

 

Abgarus erlebte noch glückliche Jahre. Immer größer wurde bei allen das Verlangen nach dem rechten Gott. Durch die Gnade Gottes wurde sein Land zu einer Gemeinschaft, die nur einen Herrn kannte: Jesus Christus, den Ewigen und Lebendigen.

 

 

 * - * - * - * - *