Liebe ohne Ende

 

 

Es dunkelte bereits, als Jakobus sich nach seinem Quartier begab, sehnsüchtig erwartet von Helena, denn kaum konnte sie sich erwehren der vielen Fragenden und Neugierigen, die die Kunde vernommen hatten von den Heilungen am Tempelhain. Da sie selbst unwissend war, blieben die Leute und warteten auf Jakobus. Da erinnerte sie sich der Worte des Jüngers, ihnen Labung und Stärkung im Namen des Herrn zu geben und, o Wunder, das Brot und die Früchte wurden nicht weniger. Wohl verschwieg sie den Wartenden das Wunder, aber sie fragten doch, da sie arm sei, wo sie das gute Brot her hätte. Da sagte sie: „Der heilige Gott, dem dieser Jünger dient, lässt ihn nicht darben. Doch so ich eine Bitte hätte, gehet und kommt morgen wieder, und vergesst eure Kranken nicht“. Die Meisten gingen, aber einige blieben und lagerten sich vor dem Haus.

 

Endlich war Jakobus gekommen. Voll Scheu, wagten die vor dem Haus Wartenden nicht, ins Haus zu treten. Da sagte Jakobus: „Der Friede des Herrn und ewigen Gottes sei mit euch. Eure Neugier muss einem herzlichen Verlangen in euch Platz machen, das Wort des ewigen und lebendigen Gottes ist für einen Zeitvertreib zu schade. Prüfet euch ernstlich, ob ihr willens seid, die Botschaft des Friedens und ewigen Lebens anzunehmen, dann wird euch nichts vorenthalten werden. Doch zuvor müsst ihr mit euren Göttern brechen, denn der wahre und ewige Gott will nicht neben euren toten Göttern angenommen sein. Seine Liebe und Gnade sei euch Weckruf und Kraft für euer ferneres Beginnen. Amen“.

 

Jakobus ging wieder ins Haus. Helena, die jedes Wort hörte, war erstaunt, wie der Jünger die Besucher erkannt hatte, darum sagte sie: „Dein Gott ist nun auch der meine. Ein Strom von Segen ergoss sich über mein Haus, sodass alle Not und Sorge vorüber ist und einer Freude in mir Platz gemacht hat, dass ich immer danken möchte. O du Jünger und Verkünder deines Gottes, lehre mich, wie ich zu Ihm beten darf, denn sichtbar ist die Gnade und der Segen. Das Brot reichte für alle, das Nachtmahl ist bereit, ohne dass im Schrank etwas fehlt“.

 

„Helena, sagte ich nicht, du solltest die Herrlichkeit Gottes sehen? Der ewige und heilige Gott sieht dein hilfsbereites Herz, dieses ist Ihm, der größte Dank. Willst du aber in aller Inbrunst  mit Ihm sprechen, so versenke dich in aller Stille in dein eigenes `Ich`. Wenn alle Gedanken sich nur auf Ihn, den Ewigen und Lebendigen einen, dann sage:

 

`O, Du Vater aller Liebe und des Lebens, der ich Dich bleibend in meinem Herzen tragen möchte, komme zu mir und zu allen Menschen und errichte Dein ewiges Reich des Lebens, darin nur Dein Wille geschehe, den uns Deine Liebe offenbarte. Unser täglich Brot für Leib und Seele schenke Du uns, und vergib all unser Irren und alle Schuld, die sich in uns ansammelte, wie auch wir vergeben, die in unserer Schuld stehen. Dein Geist lasse nicht zu, dass Versuchungen kommen, die mich von Dir trennen könnten und von Deinem Leben, und mache uns frei von noch in mir lebenden Übeln, denn Dein Reich ist das Ewige und alle Kraft und Herrlichkeit die Deine. Amen`.

 

Siehe Helena, wenn du solches zu Ihm sagst mit reinem, gläubigem Herzen, dann sei gewiss, Er wird alle deine Sehnsucht erfüllen und sich als Der erweisen, der alles erfüllt und jede Sehnsucht stillt, was deinem Heile dient. So wollen wir das Nachtmahl nehmen und dann ganz in Seinem Schutze der Ruhe pflegen. Morgen wird sich vieles offenbaren“.

 

Es war so, wie Jakobus sagte. Gleich nach dem Sonnenaufgang kamen schon Besucher, um den Jünger zu sehen, der am Tempelhain so viele Kranke gesund machte. Aber sie gingen nicht ins Haus, sondern warteten auf noch andere, die auch wirklich kamen, mit Wagen und Tragen, worauf Kranke lagen. Auch Ilona mit ihrer Tochter war mitten unter ihnen, ja sie war gerade die Treibende, denn sie war bekannt und in Edessa beliebt, ihre Heilung ging von Mund zu Mund und von Haus zu Haus. Irene ordnete die Kranken vor dem Hause und bat, dass alle recht ruhig bleiben sollten. Sie sei überzeugt, dass alle das große Glück erleben werden, mit dem lebendigen Gott in Berührung zu kommen.

 

Ilona und Irene gingen ins Haus, wo Jakobus mit Helena und den Kindern noch beim Morgenmahl saßen. Da begrüßte ihn Ilona und sagte: „Dem ewigen und heiligen Gotte alles Heil und allen Dank, dir, du lieber Gottesbote unseren Gruß. Unser Herz drängt es gewaltig, zu groß ist das Geschenk Seiner Liebe und Gnade. Wenn ich nicht davon reden darf, wird mir mein Herz zu eng und die Freude zum Kummer. Ich möchte es hinausschreien, was der Herr Großes an mir getan hat und an anderen. Darum bringe ich meine kranken Freunde, empfehle sie dir und dem lebendigen Gott. Wenn du uns aber allen recht viel von dem Lebendigen und Auferstandenen künden würdest, wäre es uns die größte Seligkeit. Wohltaten aufnehmen ist etwas Köstliches, den Wohltäter aber nicht näher kennen, ist etwas Betrübendes“.

 

„Ilona, sorge dich nicht, der Gott, der die Kraft hat, alle Übel zu beseitigen, wird wohl auch die Kraft haben, in dein Inneres zu schauen und alles Unausgesprochene restlos zu erfüllen. Du tatest recht, dass du deine kranken Freunde mitbrachtest, dafür danke ich dir im Namen meines Gottes. Du aber, Irene, lass nie mehr den Gedanken aufkommen, dass es dem ewigen lebendigen Gott zu viel sein könnte. Im Gegenteil, bringe herbei, was sich nach Erlösung sehnt, allen, allen soll geholfen werden. Alle Fried- und Freudlosen sollen erfahren, dass es ein Glück gibt, alle Zweifler sollen in Ordnung kommen. Kannst du dieses als Wahrheit anerkennen?“

 

Irene: „O, du Bote des Friedens, du Künder des Lebens vom Leben. Was soll ich antworten, ist nicht ein jedes Wort so, als wenn Gott Selbst spricht? Dass du gestern meiner Mutter und vielen  Gesundheit gabst, war ein gewaltiges Wunder. Dass du aber in mein Herz schautest, meine geheime Angst und Gedanken fandest, ist noch viel mehr, denn es ist ein Offenbaren von jener Liebe, für die der Mensch noch zu arm ist. O, Du heiliger Gott, Du heiliges Leben, wie eine aufgehende Morgenröte entzündest du Dein Licht und Leben und machst uns reif für Deine Liebe. Allen soll geholfen werden, allen soll Deine Liebe gehören, darum will ich Dir danken mit meinem Leben“.

 

Irene weinte. Da sagte Helena: „Irene, du weißt erst einen kleinen Teil von der Liebe Gottes und bist so ergriffen? Wie wird es dir sein, wenn du erst mitten unter Seinen Wundern stehst? Gestern war ich noch arm und musste zu anderen betteln gehen, heute aber wurden alle gesättigt aus meiner Hand. Hier, schau in meinen Schrank, es ist alles bis oben gefüllt, ohne etwas verlangt zu haben. Ich kann allen geben, solange Jakobus unter uns ist. Willst du noch ein größeres Wunder Seiner Herrlichkeit? Aber das Schönste wirst du erst erleben, wenn du die Wunder Seiner Liebe erlebst“. Jakobus: „So ist es. Seine Macht in der Herrlichkeit soll allen Menschen geoffenbart werden, Seine heilige erlösende Liebe aber soll Eigentum derer werden, die nur in Ihm den heiligen Vater erkennen, und als Seine Kinder in Seinem Geist und in Seiner Liebe leben. Die Wartenden werden ungeduldig, wir wollen uns zu ihnen begeben“.

 

Alle treten vor das Haus. Jakobus machte das Zeichen des Kreuzes und spricht: „Der Friede Gottes und Seine helfende Liebe sei mit euch, und Seine Gnade sei immerdar bei euch. Es ist gut, dass ihr das Verlangen habt, den lebendigen Gott kennen zu lernen. Er hat mich berufen zu eurem Dienst. Ich war ein Zeuge Seiner Macht und Herrlichkeit, als Er im Kleide eines Menschensohnes unter uns lebte. Bedenket, welche Liebe in Gott, dem Schöpfer Himmels und der Erden sein muss, wenn Er alle Seine Himmel verlässt, um als Mensch unter Menschen zu leben, alles getreulich tut, was nötig ist, um alle göttlichen und menschlichen Gesetze zu erfüllen. Ich habe Ihn von Seinem ersten bis letzten Atemzuge erkannt, war Zeuge Seiner Taten, Seines Lebens. Es war eine Kette von Beweisen Seines göttlichen Seins, und trotzdem hat Ihn die Welt nicht erkannt, hat Ihn verachtet, ja sogar ans Kreuz geschlagen.

 

Wenn ihr erschauert unter meinen Worten, so ist es begreiflich, aber nun kommt das Tröstliche. Er ist nicht im Tode verbleiben, sondern herrlich erstanden. Allen, allen, die an Ihn glauben werden, wird dasselbe Leben, welches Er jetzt lebt. Ich bin ein Zeuge dieses Seines Lebens, es offenbart sich allen als Liebe. Aber nicht einer Liebe, was ihr als Liebe versteht, sondern einer Liebe, die erlösen, erretten, beglücken will und von einem Frieden begleitet ist, den auch ihr, als Menschen dieser Erde, nicht kennt.

 

Gestern sagte ich zu einigen von euch, ihr müsst mit euren Göttern brechen. Heute sage ich noch dazu, brechet auch mit euren falschen und verkehrten Anschauungen, damit Gott euch ganz erlösen, ganz glücklich machen kann. Dort kommen noch welche, darum wollen wir noch etwas warten und ihnen den Gruß der Liebe Gottes nicht vorenthalten“.

 

Viele waren es, darunter einige Priester, die wohl etwas hörten, aber nicht die ganze Wahrheit erfuhren. Sie wollten den Jünger hart anfahren, aber Jakobus trat auf die Straße und sagte: „Der Friede und die Gnade des lebendigen Gottes sei mit euch. Lagert eure Kranken auf diese Seite, wo die anderen Kranken schon liegen, euer Verlangen wird erfüllt werden“.

 

Da trat ein Priester vor und sagte: „Was ich gestern Abend hörte, hat mich veranlasst, hierher zu kommen. Ich kann euch alle nicht begreifen, wie ihr eure Götter so beleidigen könnt. Habt ihr alle Wohltaten vergessen, die euch wurden, wollt ihr denn euren Untergang heraufbeschwören, indem ihr einem Manne nachlauft, der nur ein Zauberer sein kann?“ Tritt Irene hervor und spricht: „Hermes, du kennst mich und meine Mutter, schaue ihre Glieder an, schau ihr in die Augen, dann sage, ist dieses einem Zauberer möglich? Du kommst, verurteilst, ohne geprüft zu haben, redest von einem Untergang, den wir heraufbeschwören. Während dieser Bote nur Worte des Lebens gab, die noch nie aus deinem Munde kamen, bist du mit deinem Urteil fertig. Dadurch hast du uns bewiesen, dass du ganz arm und ohne Liebe sein musst“. Hermes: „Wer erlaubt dir, in diesem Ton mit mir, einem Priester, zu reden und meine Würde in den Schmutz zu ziehen? Sei froh, dass ich dich nicht strafe“. Irene: „Ich fürchte deine Strafe nicht mehr, denn ich bereue, dass ich falschen Göttern meine Zeit geschenkt habe. Hier erleben wir einen lebendigen Gott, der nicht nur Worte, sondern auch Taten hat“.

 

Jakobus tritt hin und spricht: „Hermes, du bist gekommen, Gericht zu halten, hast aber nicht bedacht, dass der lebendige Gott, von dem du Kunde hast, im Besitz aller Macht und Kraft ist. Es wäre mir ein leichtes, dich im Namen dieses Gottes taub und stumm zu machen, ich tue es aber nicht, weil es ein Gericht wäre. Ich will gern zurücktreten und für immer taub und stumm sein, wenn du im Namen deiner Götter diesen Kranken die Gesundheit gibst. Ja, noch mehr, dein Knecht will ich sein und dein Wille soll der meine sein. Also tue nach meinen Worten, du bist gerechtfertigt und die Ehre deiner Götter ist gerettet“.

 

Hermes: „Fremdling, man soll die Götter nicht versuchen, zu Taten zwingen wollen, die nicht ihren eigenen Entschlüssen entspringen“. Jakobus: „Also, mit anderen Worten: du kannst es nicht, mein Priester Hermes. Wäre es nicht richtiger, du würdest die Ohnmacht deiner Götter öffentlich anerkennen, denn persönlich bist du ja davon überzeugt. Hier wird dir ein lebendiger Gott offenbart, der für ewig nur der Eine und Wahre, dem wir auch unser Dasein danken.

 

Es ist eine unglückliche Stunde für dich, denn siehe, über 100 sind gekommen, die von dem lebendigen Gott Kunde erwarten, und über 20 Kranke wurden gebracht, die ihre Gesundheit zurückerhalten möchten. Du willst oder kannst ihnen nicht helfen, da deine Götter nicht existieren. So muss ich es tun, weil der lebendige Gott in Seinem Geist lebendig unter uns ist. Weil aber ein Kranker nicht fähig ist, Worte des Lebens so aufzunehmen, dass sie wieder Leben erzeugen, so wollen wir erst einmal die Kranken besehen und du, Hermes, sollst Zeuge sein, was Gott in einem Seiner Diener vermag“.

 

Hermes wäre gerne auf und davon gegangen, aber eine Macht hielt ihn fest. Er wusste, jetzt kommt die Entscheidung. Jakobus sagte: „Hermes, ich will zurücktreten, wenn du es vermagst, diesen Kranken zu helfen, noch ist es Zeit für dich“. Hermes schwieg.

Nach einigen Minuten trat Jakobus hin zu den Kranken, segnete sie und sprach: „Höret, der Gott alles Lebens, aller Macht und Kraft will nicht den Niedergang der Menschen, sondern dass sie erstehen in Freude und Zufriedenheit, damit sie erkennen, dass Er einer ist, der Anteil an eurem Leben nimmt. Denket darum nicht, dass ich es bin, der euch Hilfe bringt, sondern glaubt, dass Gott es ist, der in Seinem Erlösergeiste, im Geiste Seiner erlösenden Liebe unter uns ist. Ich vermag ohne Ihn gar nichts, darum bittet auch ihr, wie ich Ihn bitte, um Seine Hilfe und um Seine Liebe und Gnade. Du aber, Du ewiger und herrlicher Gott, Du Leben alles Lebens, Du Gott der Macht und Kraft, in Deine Hände lege ich das Geschick dieser vor mir liegenden Kranken. Du gabst Dein Wort: `Um alles, was ihr Mich bittet, will Ich euch tun`. So bitte ich Dich, als Dein Diener und Sendling, erweise Dich auch an diesen Kranken als der Herr über alles Leben und Sein. Erfülle uns mit Deiner Kraft durch Deine herrliche Gnade. Amen. Ihr aber alle, die ihr gekommen seid und gebracht wurdet, erstehet in Gesundheit durch Seine Kraft und Liebe. Amen“.

 

Wie ein Blitz durchdrang es die Kranken, die Anwesenden fühlten auch den Strom. Da stand einer nach dem anderen auf und wollte auf Jakobus zueilen. Dieser aber sagte: „Meine lieben Brüder, meine lieben Schwestern, danket ja nicht mir, sondern Dem, der euch die Gesundheit wiedergab. Es ist Ihm aber der Dank in euren Herzen viel lieber, als der Dank aus eurem Munde. Da ihr aber schon seit Tagen nichts genossen habt, so sollt ihr euch erst einmal sättigen und dann die Kunde vernehmen von Seiner erlösenden Liebe und Erbarmung. Du aber, Helena, bringe Brot, Feigen und Datteln, damit wir diese schwachen Seelen stärken“.

 

Helena, die am ganzen Leibe zitterte, weil sie von der lebendigen Gnade so ergriffen war, schaute auf Jakobus. Dann wurde sie ruhiger, ging ins Haus und holte das Brot und die Schüsseln mit den Früchten. Jakobus brach unter Segensworten das Brot und nahm aus der Schüssel einige Früchte und reichte jedem nacheinander Brot und Früchte. Das Brot wurde aber nicht alle, die Schüssel bleib immerzu voll.

 

Hermes, der alles beobachtete, das Gesundwerden, die Austeilung des Brotes und der Früchte, sagte: „Du musst entschuldigen meine Härte und meinen Eigenwillen. Was ich mit meinen Augen jetzt sah, ist noch nie da gewesen. Was Millionen Worte vielleicht nicht vermocht hätten, hat diese Tat deines Gottes fertiggebracht. Ich gebe mich dir zu eigen, damit ich deinen Gott wahrhaft erkennen kann“. Jakobus: „Hermes, dieses brauchst du nicht, sondern lerne an den lebendigen Gott glauben und Ihn lieben, dann erfüllst du alles, was Er von dir fordert. Doch entschuldige, meine Zeit gilt diesen da, die sich noch nicht getrauen, zu essen“.

 

Sich an die Geheilten wendend, spricht Jakobus: „Esset ruhig, es soll euch zur Stärkung eures Leibes und der Seele dienen, denn diese Speise ist euch gegeben aus der Liebe des Herrn und ewigen Vaters, der im Geiste unter uns weilt, euch stark und aufnahmefähig machen will für Sein Wort und Seinen Liebegeist. Wer aber von euch noch Hunger verspürt, kann ruhig von dem Brot bekommen, es wird für alle reichen“.

 

Nur Ilona bat um etwas Brot, die anderen waren noch unfrei. Als aber Ilona das Brot verkostete, brach sie in Tränen aus und sagte: „O, du guter Gott, was musst Du für ein Herz voll Liebe haben, wenn schon das Brot von Dir solch wunderbaren Geschmack hat. O, könnte ich Dich doch sehen und vor Deine Füße hinsinken. Warum bin ich so arm und kann Dir nichts geben, als nur mein Stammeln. O, Du guter Gott, lass Dich erkennen, lass Dich erfassen, denn ohne Dich ist mir das Leben undenkbar“.

 

Ilona konnte nicht mehr weiterreden. Sie sank auf den Erdboden, ihre Hände verdeckten ihr Gesicht. Jakobus hob sie empor und sagte: „Ilona und ihr alle, vernehmet, was mein Wort, welches ein Wort des Herrn ist, euch jetzt geben wird. Dieser Gott hat sich geoffenbart im Menschensohne Jesus, dessen Zeuge und Jünger ich bin. Sein Leben war ein heiliges, Sein Wandel ein vorbildlicher und Sein Tun die Erfüllung des heiligen Gotteswillens, den Er in Sich vernahm. Es gab kein Ding, von dem Er nicht wusste. Ihm war die entfernteste Sonne so bekannt, wie ein Sandkörnchen an Seinen Füßen. Es gab kein Leid, was Er nicht beseitigen konnte, ja der Tod musste nach Seinen Worten die Beute wieder herausgeben. Alle Elemente waren Ihm gehorsam, mit kurzen Worten, Er war ein Herr über alle Dinge.

 

Diesen herrlichen Menschen tötete man am Kreuze, weil es nach dem Heilsplan der ewigen Liebe der einzige Weg war, um die Menschen vom sicheren Tode und Untergang zu erretten. Weil Jesus dies alles an Sich geschehen ließ, ist der Weg zu Gott frei. Es gibt keine Hindernisse mehr vor Gott, denn alles dieses schuf Jesus. Nur eins konnte Er nicht, die Hindernisse beseitigen, die ein jeder in sich trägt, die ihn von Gott und Seinem Erlösergeist trennen.

 

Suchet in euch, in eurem Inneren ist eine Welt, die euch allen noch fremd und unbekannt ist. Darum sprach auch Sein Mund die Worte: `das Himmelreich ist in euch`, und ein andermal: `die ärgsten Feinde werden eure Hausgenossen sein`, die eigenen weltlichen Wünsche und Begierden. Es ist darum so wichtig für euer ganzes zeitliches wie ewiges Leben, dass ihr euch selbst erkennt, und in diesem Erkennen werdet ihr auch Gott finden.

 

Es wäre falsch, wollte ich euch einen Gott künden, dem ihr pur untertan sein sollt. Da ich aber Gott kenne, durchdrungen bin von Seinem Wesen, kann auch mein Zeugnis nicht anders sein, wie Gott, der Ewige und Heilige, in mir lebt. Betrachtet mich nicht als einen Diener Seiner Gottheit, sondern als einen Vertreter Seines Geistes, Seiner Liebe und Erbarmung“.