Lohn der Glaubenstreue

 

 

An einem frühen Morgen, wo, wie immer, Abgarus seine Morgenandacht verrichtete, hörte er auf einmal die Worte: „Abgarus, Ich habe deinen Glauben geprüft, deine Treue und deine Geduld macht Meinem Herzen große Freude. Darum will ich auch Mein dir gegebenes Wort einlösen. Meine Gnade hast du erlebt, nun soll sich Meine Herrlichkeit an dir und deinem ganzen Hause offenbaren, damit der Feind alles Lebens nicht mehr den geringsten Boden finde. In drei Tagen wird Mein Bote Mein lebendiges Wort zu euch bringen“.

 

Abgarus schaut rechts und links, niemand ist zu sehen. „Herr ich hörte Deine Worte, sah Dich aber nicht, ich glaube Deinen Worten“, spricht er, stieg vom Dache und sagte zu Brachus: „Höre, des Herrn Wort kündete mir, dass in 3 Tagen der erwartete Bote kommt, sorge, dass er nicht aufgehalten wird auf dem Wege zu mir“. Spricht Brachus: „Herr, auch ich weiß, dass ein Jünger kommt. Ich habe deswegen große Freude. Soll ich den Torhüter benachrichtigen?“ – „Nein, Brachus, alles bleibe, wie es ist, der Herr weiß ja um alles“.

 

Endlich war der erwartete Tag gekommen. Abgarus änderte nichts in seiner Ordnung. Als aber die Sonne am höchsten stand, und sich noch kein Jünger sehen ließ, wurde er doch unruhig. Darum sandte er Brachus in die Stadt, um Erkundigung einzuziehen.

 

Unweit des Stadttores war ein kleines Haus, welches einer Witwe gehörte. Im Garten spielten zwei Kinder, da nahte sich ein Fremder. Einige Hunde, die frei herumliefen, verbellten die Kinder, die in ihrer Angst zu dem Fremden liefen, und machten viel Geschrei. Die Hunde aber zogen vor dem Fremden den Schwanz ein und winselten. Dies sah die Mutter der Kinder. Als sie aus dem Hause zu ihren Kindern eilte, waren die Kinder in der Obhut des Fremden. Sie dankte ihm mit vielen Worten.

 

Dieser aber sagte: „Der Friede sei mit dir. Was ich tat ist nicht des Dankes wert. Doch so du mir etwas tun willst, reiche mir einen Trunk frischen Wassers, denn es ist sehr heiß heute“. – „Dann tritt ein in mein Haus, doch zuvor lasse es zu, dass ich dir die Füße reinige“. Sie nahm ihre Kinder, ging dem Gast voran. Mitten unter der Tür reinigte sie ihm die Füße und sagte: „Sei willkommen, wer du auch seiest, ich vertraue dir. Betrachte dieses Haus als das deine, denn noch kein Mensch wünschte mir den Frieden, um den ich so ringe“.

 

Sie brachte eilends einen Krug frischen Wassers, ein Stück Brot, und sprach: „Stärke dich, du meines Hauses Gast. Ein mehreres kann ich im Augenblick nicht bieten, für die Nacht werde ich etwas besorgen“. – „Ich danke dir, Helena. Weil du mir dein Heim als eigen angeboten und mir volles Vertrauen entgegenbringst, sollst du herrlich belohnt werden, doch nicht mit Schätzen dieser Erde, sondern mit solchen, die dir den wahren Frieden bringen. Ich bin ein Bote des Friedens und ein Künder der ewigen Heilswahrheit“.

 

Andächtig hörte die Frau diese Worte. Dann segnete der Gast Wasser und Brot und stillte seinen Durst, dann nahm er noch etwas Brot. Da sagte die Frau: „Wie wusstest du meinen Namen, du bist ja kaum in die Stadt gekommen?“ – „Helena, wer mit dem wahren und ewigen Gott verbunden ist, weiß um manches, was andere nicht wissen. Ich weiß auch, dass dein Mann vor sechs Monaten an einer tückischen Krankheit verstorben ist. Du sollst aber nicht mehr traurig sein, denn der Gott des Friedens ist auch ein Gott des Lebens. Du wirst ihn noch näher kennen lernen, und alle Traurigkeit soll in Freude umgewandelt werden. Ich bringe euch allen die Botschaft des Lebens, des Lichtes und der ewigen Wahrheit, die uns durch Jesus, den Heiland offenbart wurde“.

Brachus, auf dem Wege zum Stadttor, sieht Jakobus im Hause der Helena sitzen, schnell tritt er ein. Er bleibt betroffen stehen, denn Helena saß auf dem Fußschemel, ihre beiden Kinder lehnten an ihr und lauschten andächtig den Worten des Langersehnten.

 

Jakobus drehte sich um und sprach: „Brachus, der Friede des Herrn sei mit dir“. – „Bruder Jakobus, endlich bist du gekommen, dem Herrn Jesus allen Dank, alles Lob und alle Ehre, Abgarus erwartet dich, wirst du mitkommen?“ – „Ja, ich komme mit. Da mir aber Helena ihr Heim angeboten hat, werde ich für die Dauer meines Hierseins hier wohnen. Helena, es werden viele in dein Haus kommen, bist du bereit, dieses Opfer auf dich zu nehmen? Viele Kranke werden kommen, und du wirst viel Geduld haben müssen, da ich viel abwesend sein werde“. – „Herr, alles will ich tun und ganz deine Magd sein“. – „So nicht, Helena, ich bin kein Herr, sondern ein Bote des Herrn. Nenne mich Bruder Jakobus, wie Brachus es tat. Bemühe dich nicht um mein Leibeswohl, ich benötige nur die kleine Kammer für meine Leibesruhe, alles andere wird dir gebracht werden, und du sei mir ganz Schwester“. Noch ein paar Segensworte, dann ging Jakobus mit Brachus nach dem Besitztum des Königs Abgarus.

 

„Der Friede des Herrn sei mit dir“, so begrüßte Jakobus den Fürsten, der allein im Vorgarten den Jünger in einem Lehnstuhl erwartete. Dieser aber konnte kein Wort hervorbringen. Er drückte beide Hände des Jüngers an seine Brust und wollte sich erheben, da sagte Jakobus: „Der Herr will, dass du gesund seiest, erhebe dich, fortan soll dich keine Krankheit mehr behindern“.

 

Da stand der König auf und sagte: „Gelobet und gepriesen seiest Du, Herr Jesus. Du hast Dein Wort wahr gemacht, hast mich kranken, elenden Menschen frei von meinem Leibesübel gemacht. O Du Herr alles Lebens, Du Licht alles Lichtes, Du Sieger über alles Leid, wie soll ich Dir wohl danken?“ – „Indem du vorderhand schweigst und nur dein Herz reden lässt. Der Herr sieht dein Herz und kennt alle deine Gedanken. Die Zeit ist gekommen, wo Er Seinen Geist allen schenken will, die eines guten und reinen Herzens sind“.

 

„Wie soll ich dich nennen, du herrlicher Bote meines Gottes und Herrn?“ – „Nenne mich Bruder Jakobus, eines anderen bedarf es nicht. Dass ich unserem Herrn Jesus dienen darf, ist Seine übergroße Gnade, dass ich lieben darf, ist Sein herrliches Leben. In diesem Leben folge ich dem Ruf des Herrn und wünsche, dass alle in deinem Lande, mit denen ich in Berührung komme, dieses Leben erkennen und erfassen möchten“.

 

„Auch dieses ist mein Wunsch. Doch, Bruder Jakobus, in meinem Hause ist viel Platz, wähle dir das beste Gemach. Ich will dich halten, wie meinen Sohn, du sollst dich ganz wie zu Hause fühlen“. – „Abgarus, mein Bruder im Herrn, ich habe schon gewählt, bei der Witwe Helena habe ich ein Daheim gefunden. Es werden viele aus der Stadt und Umgebung kommen, teils aus Not, teils aus Neugierde. In diesem kleinen Häuschen werden die vielen Leute viel freier und froher sein, als in deinem königlichen Hause. Denn bedenke, Abgarus, ich bin zu allen gesandt, das Heil soll keinem vorenthalten werden“.

 

„Heute gebietet der Herr kein Schweigen mehr, sondern zu zeugen aus Seinem Geist und von Seiner Wahrheit, die alle frei machen wird. Mein Brachus, gehe voraus, um die Freude vorzubereiten, denn das große Heil ist zu uns gekommen“. – „O gerne, mein König, dann aber soll Hethmann der erste sein, der die Beweise des lebendigen Gottes erfährt“. – „Ja, tue dieses, Hethmann wird Augen machen, wenn ich als Gesunder umhergehe“. Jakobus verneigte sich ganz leicht vor der königlichen Familie, dann sagte Abgarus: „Diana, ich kann allein gehen, der lebendige Heiland hat mir geholfen. Nun ist alle Trauer vorüber, das Heil ist bei uns eingekehrt“.

Jakobus hatte den Ehrenplatz einnehmen müssen. Die Weigerung hatte zur Folge, dass Abgarus sagte: „Bruder Jakobus, nicht dir gilt der Ehrenplatz, sondern Dem, Den du uns im Geiste bringst. Wenn wir jetzt ein Ehrenmahl halten, gilt es nicht dir, sondern Jesus, dem Lebendigen und Ewigen! Dem Sieger über allen Tod“. Jakobus: „Ich verstehe dich, Abgarus, deine Liebe zu dem wahren Christus ist ein heller Feuerbrand geworden. Ich darf dir versichern, die Freude des Herrn ist groß. Schaust du aber mit Augen der Liebe und Erbarmung um dich, so wirst du manchmal traurig werden, denn unwissend sind die Menschen. Aberglaube und Dummheit beherrschen noch ihre Gedanken, vom wahren und ewigen Leben wissen sie nichts und wollen auch nichts erfahren. Sein urewiger Geist aber, der durch das große Opfer des Lebensmeisters entbunden wurde, soll allen, allen zum Eigentum werden, damit der Mensch sich wiederfinde auf dem Wege und auf dem Boden der rechten Gottesordnung“.

 

Hethmann wird von Brachus geholt. Abgarus geht ihm mit schnellen Schritten entgegen und spricht: „Hethmann, was willst du nun tun? Denn siehe, ich bin nun gesund und alle Schmerzen haben mich verlassen“. – „Herr, deinen Gott will ich zu dem meinen machen, versage mir deine Hilfe nicht“. – „Hethmann, wende dich an Jakobus, den Boten des ewigen und lebendigen Gottes, er ist Sein Zeuge und Sein Vertreter“.

 

Die Begrüßung war formell, aber Jakobus sagte: „Mein Bruder, die Liebe ist ein sanftes Weben, da sie aus dem Herzen der ewigen Liebe kommt. Sie wird auch tief in eure Herzen dringen, wenn sie dafür geöffnet sind. Nicht Gesetzesbande sollen vereinen Gott und Mensch, sondern nur Sein heiliges Leben. Dieses Leben will sich aber allen offenbaren durch den Geist aus Gott, der den Menschen wieder zu einem wahren Menschen macht.

 

Auch wir mussten viel ringen um den rechten Geist, da uns alle viel Falsches und Irrtümliches gebunden hielt, obwohl wir Kenntnis besaßen von Jehova, dem lebendigen Gott, aber durch Jesum wurde uns alles klar. Wir erlebten Seine Führungen, Sein Wachsen und Werden zum Gottessohn, bis zu Seinem Tod auf Golgatha am Kreuze. Wenn alles, was Er lehrte und tat, rein ans Wundertätige grenzte, so war aber Seine Auferstehung vom Tode zum Leben das allergrößte Wunder. Was die Erde noch nie gesehen und erlebt, war Wirklichkeit geworden. Der auf die grausamste Art aus dem Erdenleben Gegangene, ist mit einem unzerstörbaren Leib zur Erde zurückgekehrt, um Seinen Zeugen, und durch diese allen Menschen, den Beweis zu geben: Er lebt.

 

Du, mein getreuer Abgarus, gabst dir viel Mühe, dieses Sein Leiden und Sterben zu verhindern. Er wusste darum und konnte und durfte dieses Opfer nicht annehmen, denn das Gericht und der Tod brauchten einen Erlöser. Wir alle waren entsetzt, verzweifelt und geschlagen. Als Er aber Selbst uns wieder aufrichtete, wurde Seine Liebe unsere Liebe und Sein Leben unser Leben. Aus diesem Leben wirke ich, zu bezeugen Seine Lehre und zu verherrlichen Seinen Geist. Sieben Wochen der größten Gnade erlebten wir noch mit Ihm, dann kehrte Er in Seine Urheimat zurück, um von da aus alle zu überschütten mit Seinem heiligen Geist , die an Ihn glauben und nach Seinen Worten tun“.

 

Fragt Hethmann: „Welches sind Seine hauptsächlichen Worte?“ Jakobus antwortet: „Liebe Gott über alles, deinen Nächsten aber wie dich selbst, denn Gott ist die Liebe und das Leben. Wer diese Liebe zu seinem Leben macht, in dem ist Gott das Wirkende geworden“. Fragt Hethmann: „Was ist zu Seiner Anbetung nötig, um meinen Glauben zu bekunden?“ Jakobus: „Wir haben das Wort des Herrn, dass weder im Tempel, noch woanders, als nur im innersten Herzen die innigste Verbindung stattfinden kann. Wer in seinem Inneren den wahren Grund des Lebens gefunden hat, wird überall, wohin das Auge schaut, Werke der Allmacht und der Weisheit Gottes erblicken, und alle Menschen wie seine rechten Brüder betrachten und im rechten Geiste des wahren ewigen Lebens ihnen dienen. Wer aber innerlich der alte Mensch verbleibt, nur nach seinem alten Menschlichen lebt, für den ist alles, was er schaut `Natur`. Und die Menschen sind und bleiben Produkte der Natur, mit denen man verfahren kann, wie man will. Darum ist die größte Anbetung Gottes die, wenn man arme, kranke Menschen glücklich und gesund macht“.

 

„Glücklich und gesund machen, wer das könnte, wenn dies möglich ist, dann soll es an Eifer nicht fehlen“, erwiderte Hethmann. „Eins habe ich herausgefunden durch die wenigen, aber desto inhaltsreicheren Worte, dass der Glaube an den unbekannten Gott etwas Großes sein muss. Alle Menschen glücklich machen, muss ja zum größten Glück werden. Abgarus, mein König und Herr, dein Land wird das glücklichste werden, denn der lebendige Gott ist ja das Mittel!“ „Hethmann“, erwiderte Abgarus, „was ist größer, die Beweise von Gottes Macht und Herrlichkeit, oder die Lebenslehre?“ – „Herr, die Lehre, denn dadurch können alle Menschen glücklich werden, während durch den Beweis nur einzelne vom Glück erfasst werden“.

 

Diener hatten Speisen und Wein gebracht, darum sagte Abgarus: „Bruder, der du der Abgesandte des ewigen Herrn und Gottes bist, segne dieses Mahl, damit es ganz dem Herrn zur Ehre gereiche“. Jakobus betete: „O Herr, der Du im Geiste und in Deiner herrlichen Liebe unter uns bist, segne Du als Geber diese Speise und habe Dank, damit es uns zur Labe gereiche. Du aber sei gelobt und bedankt für Zeit und Ewigkeit. Amen“.

 

Beim Mahle fragte Abgarus, wie die Reise verlaufen sei, ob ihm Not und Schwierigkeiten die Reise erschwert hätten. Jakobus: „Bruder Abgarus, mein Weg nach hier war eine Kette von Beweisen Seiner ewigen Liebe. Jeden Abend durfte ich die Gnade und die Liebe Jesu Christi bezeugen, so manchem Kranken wurde das Heil, gesund zu werden. Das Geschehen um die Kreuzigung und um die Auferstehung des Herrn ist ja in aller Menschen Mund, nur die rechte Wahrheit mangelt allen noch“. – „Wie stellen sich denn die Priester zu Seiner Lehre und Botschaft?“ forschte Abgarus weiter. Jakobus: „Ja, Bruder, würden wir nur die Lehre bringen, wäre es um das Werk des Herrn geschehen. Da uns aber der Geist treibt, Werke der Barmherzigkeit nur aus Ihm zu tun in großer Kraft und Herrlichkeit, müssen sie verstummen.

 

Erst heute, in einem größeren Orte, war ein Junge von einer Otter gebissen. Von weitem sah ich aufgeregte Menschen und einen Judenpriester. Als ich näher kam, beschwörte gerade die Mutter den Priester, ihrem Sohn zu helfen. Da hörte ich die Worte aus des Priesters Mund: `Er ist mit dem Tode gezeichnet, alle Hilfe ist vergeblich, nur Gott allein vermag zu helfen`. Schreit das Weib mit weinender Stimme: `Du bist doch Sein Gesalbter und Sein Stellvertreter, bitte Ihn, doch zu helfen`. Der Priester wollte weggehen, da trat ich hin und sagte: `Mutter dieses Knaben, weine nicht. So du an die Kraft Gottes glaubst, sollst du Seine ganze Herrlichkeit erschauen`.

 

Das Weib stürzt mir zu Füßen und spricht unter Weinen: `Deine Worte, o Fremdling, klingen wie Verheißung, wie Gottesworte. Ja, ich glaube an Deine Kraft, Du großer Gott und Herr Zebaoth`. Da nahm ich das Weib bei der Hand, zog sie empor, berührte den Knaben mit meinen Händen und sagte: `Herr Jesus, Du Lebendiger, Du Leben alles Lebens, erweise Dich auch hier als der Herr über Leben und Tod und gib dieser Mutter ihren Sohn gesund wieder. Dir, Ahab, sage ich: stehe auf und wandle durch die Kraft und Gnade Jesu Christi`. Da stand der Knabe auf, er war gesund. Der Priester aber sagte: `Was tatest du, oder bist du einer von der Sekte der Nazarener?` - `Ich tat, was mich die Liebe gebot`, sagte ich, `es wäre gut, so auch du dich mehr nach der Liebe Gottes, als nach dem Gesetze Mosis richten würdest. Alle Welt ist voll von der Gnade und den Wundern des lebendigen Gottes`. Da ließ mich der Priester bei der Menge stehen und ging schweigend davon, ich aber durfte reiche Ernte halten, alle nahmen die Lehre an“.

Als das Mahl beendet war, bat Hethmann seinen Freund, den Oberpriester holen zu dürfen, doch Jakobus sagte: „Bruder, bemühe dich nicht, morgen ist noch ein Tag. Kranke und Arme habt ihr genug, der Tag geht zur Neige. Du hast in dir noch vieles zu ordnen. So der Herr in dir Wohnung nehmen soll, möchte alles bereinigt sein“. – „Ist dies eure Art, alle Menschen Brüder zu nennen,“ entgegnete Hethmann, „oder bin ich dir wahrhaft Bruder geworden? Ich kenne dich so gut wie nicht, nur deinen Worten muss ich glauben, ich kann nicht anders“.

 

Jakobus: „Bruder, der Geist Christi, der mich belebt, sieht alle Menschen als Bruder oder Schwester, die Liebe aber, als Sein Leben in mir, schlägt zu allen, allen Brücken. So eine ich mein Leben mit dem euren, und will euch geben aus der Fülle des Geistes, damit euer Geist belebet werde und euch wachend macht. Es ist dem Herrn nicht gedient, so ihr aus den Beweisen glaubet, sondern so ihr selbst suchet das Licht, die Wahrheit und das Leben! In Jesus wurde es aller Welt offenbar und aller Welt gebracht. Er es annimmt, wird leben, wer es aber nicht achtet, wird im Tode verbleiben“. Hethmann: „Das verstehe ich nicht, lebten wir doch bisher ohne diesen Jesusglauben“.

 

Jakobus: „Dein Leben ist kein Leben, nur ein notwendiges Gericht, denn dein Fleisch und Blut hat kein Leben, es ist die Hülle deiner Seele. Eine Seele aber, ohne den lebendigen Gottesgeist, ist tot und kann nur durch den beigegebenen Gottesgeist zu höherem Leben erzogen werden. In den folgenden Tagen wird sich noch Gelegenheit genug ergeben, den Unterschied zwischen Leben und Tod kennen zu lernen. Alles, was wir mit unseren Augen schauen, ist dem Vergehen geweiht. Durch den Geist alles Lebens aus Gott wird alles Vergehen auf eine höhere Stufe gestellt. Wäre Gott Selbst nicht Mensch geworden, hätte Er Selbst durch Sein Sterben dem Tod die Macht nicht genommen, würden wenige zum wahren eben gelangen.

 

Du wolltest Abgarus, als er bekundete, dass er mit seinem Sohne gesprochen hat, nicht glauben, du zweifeltest an der Botschaft, die für alle Himmel größte Seligkeit war. Es wird dir deswegen nicht zur Sünde gerechnet werden, aber du hast dir dadurch einen Riegel vor deine Herzenstüre geschoben. Leben kann nur mit Lebendigem geeint werden. Jesus, der Lebendige, kann nur, wo das Tor des Lebens geöffnet ist, aufgenommen werden. Der Herr alles Lebens reicht durch uns einem Jeden die Hand, damit alle Menschen zur Erkenntnis der Wahrheit und des Lebens kommen.

 

Es war viel, was wir, als Seine Jünger, erlebten. Was aber nun, wo der Herr nur noch in Seinem Geiste bei und in uns ist, erlebt wird, geht in das Wunderbarste über. Wir bringen nicht nur die Lehre, sondern auch das Leben. Leben aber kann nur aus Dem kommen, der das Leben Selbst ist. Dieses Leben kann nur aufgenommen werden durch den Geist der Liebe, wovon in einer jeden Menschenseele ein Fünkchen lebt. Jesus und Sein Leben aufnehmen heißt, den Liebes- und Lebensfunken in uns beleben durch die tätige Bruder- und Nächstenliebe“.

 

Hethmann: „Da sieht es noch mager aus, denn die Menschen lieben, will gelernt sein. Es ist noch zu viel, an dem man sich stößt, aber ich glaube, es könnte erreicht werden. Da muss ich dich, mein König und Herr, um Verzeihung bitten, denn in deiner vorbildlichen Liebe bin ich an dir irre geworden“. Abgarus: „Hethmann, sorge dich um dein Heil. Lerne den Heiland und den Herrn Jesus kennen und lieben, dann wird dich Sein Geist in alle Wahrheit führen. Nun bin ich ganz gesund, im ganzen Lande soll keinem das Heil vorenthalten werden. Wer den neuen Glauben annehmen will, soll es tun, wer nicht will, den wollen wir auch nicht mit scheelen Augen ansehen.

 

Vor Jahren hätte ich es als die größte Gnade angesehen, so der Herr und Heiland Jesus in unsere Stadt gekommen wäre, heute aber beherbergen wir Ihn bleibend in uns. Dieses ist tausendmal mehr, da wir von nun an nur aus Seiner Gnade und Liebe leben. O, Du mein Jesus, Du Licht und Lebenssonne, Du Urquell aller Freude und Seligkeit, nimm hin mein Herz, es schlägt nur noch für Dich und Deine Liebe. Dein Leben ist wie ein Strom, der uns belebt von Deiner Liebe, uns stärkt mit Deiner Kraft, lasse uns ganz zu Liebe werden“. Jakobus: „Siehst du, Bruder Hethmann, der König hat das Leben ergriffen, der Tod kann keine Ernte mehr in ihm halten. Alles, was der Erde gehört, ist schon geheiligt, es wird dereinst offenbar werden

 

Für heute möchte es genug sein, morgen werde ich deinen Freund Zeno besuchen. Der Wille des Vaters ist in mir wie ein Licht und Wegweiser, diesen Willen zu erfüllen, ist meine größte Freude. Du, Bruder Abgarus, freue dich der Gnade, Außerordentliches hält die ewige Liebe für dich und die Deinen in Bereitschaft. Rufe mich nicht, ich bin da, wenn die ewige Liebe es wünscht, gib mir auch keinen Boten mit. Der Herr ist mein Führer, Er gibt mir sicheres Geleit. Aber versichern soll ich euch nochmals aus dem Geiste Christi: Er ist bei euch, mit euch, und möchte ganz in euch sein. Sein heiliger Friede bleibe euch“.