Miriga

 

 

Schon am frühen Morgen brachte man einige Kranke zu Annuschka. Durch die Botschaft des Semja war das ganze Dorf auf den Beinen. Man wollte Jakobus sehen, der Kranke gesund machen kann, der aber auch die Wahrheit über den Wundermann Jesus bringt. Annuschka, ganz verwundert über diese vielen Leute, weiß sich keinen Rat, bis endlich Jakobus kommt und nach kurzen Worten auch die wenigen Kranken heilt.

 

Semja ist voller Leben und fragt, ob er auch Kranke heilen könne. Jakobus: „Semja, wenn du glauben kannst, dass der Herr wirkend bei dir ist, dann ist es auch dir möglich, denn nicht ich kann heilen, sondern der Herr in mir. Der Glaube ist das Bedingende, die Liebe das Ausführende!“

 

Unter Belehrungen wurde der Tag ausgenützt. Die Leute eilten in ihre armselige Hütten, versorgten das Vieh und kamen wieder mit etwas Brot, sie wollten nichts versäumen.

 

Jakobus zu Miriga: „Gehe mit deinem Kinde an diese Stelle, wo du mich antrafest, dein Mann ist auf dem Wege nach hier. Erwarte ihn, wie du mich erwartet hast, damit eure Wiedersehensfreude von niemand getrübt wird“. Miriga: „Auf dein Wort hin warte ich, denn nun weiß ich, dass Stani lebt“. Sie nahm ihr Kind und eilte schnell nach der bezeichneten Stelle.

 

Es dauerte an zwei Stunden, dann kommen strahlenden Auges Stani und Miriga, freudig begrüßt von allen. Nach der ersten Freude spricht Stani zu Jakobus: „Ich könnte viel erzählen von dir, lieber Freund, denn die ganze Gegend bis hierher ist voll der lebendigen Freude über den lebendigen Gott, von dem auch ich überzeugt bin, nur trage ich noch zuviel des Widersprechenden über Jesus von Nazareth mit mir herum. Die einen behaupten, Er sei Gott, andere sagen, Er war nur ein Mensch, wieder andere erklären, Er ist unser himmlischer Vater. Die meisten behaupten, Er sei der Heiland und Messias, und zuletzt gibt es noch welche, die Ihm übersinnliche Kräfte zusprechen“.

Fragt Jakobus: „Was sagst du nun?“ – Stani: „Er ist ein Heiland gewesen. Sein Tod war für viele ein Schrecken, Seine Auferstehung aber hat bewiesen, Er ist Gottes Sohn“. – Jakobus: „Stani, bleibe bei deinem Glauben. Werde tätig in diesem Gottessohnesgeist, dann wird dir das andere hinzugegeben werden“.

 

Semja: „Jakobus, wenn schon die Meinungen über Jesus so verschieden sind, was sollen wir tun? Es geht ja nicht an, dass wir Seine erlebten Herrlichkeiten verdunkeln oder herabsetzen. Gib du uns zum Abschied noch das rechte Bild von Jesus“. Jakobus: „Gerne, aber bringt erst alle eure Häuslichkeiten in Ordnung. Dann kommt wieder, damit wir ungestört den Abend verbringen können. Ich werde mit dir in dein Haus einkehren, weil auch die beiden, Annuschka und Mirigia, vieles mit Stani besprechen möchten“.

 

Alle waren wiedergekommen. Das Haus der Annuschka war voll, aber für Jakobus hatte man einen Platz freigehalten. Als die Letzten kommen Jakobus und Semja. Voll Erwartung schauen alle auf Jakobus.

 

Jakobus spricht: „Liebe Männer, Frauen und Kinder, gerade so wie heute haben wir oft um den Herrn und Meister Jesu gesessen und auf Seine Worte gelauscht, die uns allen so viel gaben. Ihr wisst nun um den wahren Gott und Herrn, aber in euch brennt die Sehnsucht, ganz mit Ihm bekannt zu werden, auf dass in euch volle Klarheit und Verbindung mit Ihm werde, die nun eurem Leben vollen Inhalt und den rechten Sinn geben.

 

Über die Gesetze der Natur, der Tiere und Menschen brauche ich nichts zu sagen, da sorgen eure Priester, aber um die heiligen Dinge des Lebens mangelt es euch allen noch. Euer Bruder Semja wird euch in Zukunft dienen, denn ihm wurde das Meiste offenbart. Denkt immer daran, der Mensch ist Bewohner zweier Welten, einer vergänglichen und einer ewigen. Um das Vergängliche brauche ich euch nichts zu sagen, aber um das Ewige sind wir nochmals zusammengekommen. Wer konnte uns wohl besseren Aufschluss geben über die geistige und ewige Welt, als nur der Herr und Meister Selbst?

 

Wenn ihr jetzt die heiligen Sterne seht, kommt heilige Ehrfurcht über euch, und gerade diese Sterne sind Welten, riesig, riesig groß. Diese sind bewohnt gleich dieser Erde, aber in diesen Sphären sind die Wohnstätten auch bewohnt von vielen, vielen seligen Geistern, von denen sehr viele auf dieser Erde lebten, und nun heute den Menschen dienen. Eure Schwester Mirigia, welche in ihrer Kindheit oft von schönen Menschen erzählte, die so durchsichtig wie Sonnenstrahlen waren, soll auch von jetzt an, um ihres Glaubens willen, wieder die Sehe erhalten, womit sie euch allen viel dienen kann. Und Mirigia, bist du bereit, deinen Mitmenschen uneigennützig zu deinem und ihrem Heil zu dienen? Du bist bereit. So will ich dir im Namen des Herrn Jesus die Hände auflegen, und so empfange nach deiner Liebe und deinem Glauben. Amen. - Mirigia, nun überwinde alle Scheu und erzähle, was du schaust. Fürchte dich nicht, denn der Herr ist die ewige Liebe“.

 

Erst langsam, dann immer fließender spricht Mirigia: „Unsere Stube wird immer größer und größer. Wir sind nur ganz wenige, aber viele, viele sind gekommen, um zu sehen, um zu lauschen dem Gottesboten. O, es sind welche mit lichten Kleidern und ihre Augen leuchten wie funkelnde Sterne. Es sind aber auch welche da im grauem Gewand mit unruhigen Blicken. Dort winkt der Vater, er winkt mir zu und hat, wie ich sehe, sehr große Freude. Immer mehr und mehr Wesen kommen, ja, ist denn dieses möglich, so viele Menschen gibt es doch gar nicht. Lieber Jakobus, ist dieses ein Trugbild oder Wirklichkeit?“

 

Jakobus: „Mirigia, glaube. Das Ewige lässt sich nicht vortäuschen, es zeigt sich in realer Wirklichkeit. Wir Menschen sehen es nur nicht, nur die dazu Berufenen und Erwählten“. Mirigia: „Ja, ich will glauben, selbst auf die Gefahr hin, dass man mir nicht glaubt.

 

Ja, die vielen Tausende kommen immer näher. Wo wollen sie denn hin, sie werden uns ja erdrücken. Jetzt machen sie Halt. Auch sie werden geführt von strahlenden Wesen. Alle schauen auf uns, jetzt knien sie sogar nieder“. Da sieht Mirigia neben sich den Herrn stehen, wie Er die übergroße Menge segnet. Erst will sie erschrecken, doch da spricht Jakobus: „Der Herr ist in unsere Mitte getreten, Er segnet uns und die vielen, die Mirigia schaut. Vernehmet nun durch meinen Mund, was der Herr und Meister uns allen, allen sagen will.

 

Er spricht: „Meine Kinder, endlich ist die Stunde da, wo auch Ich, euer Vater und Gott, Mich euch offenbaren kann. Wohl seid ihr an Zahl klein, die ihr noch im Fleische lebt, gegen jene Zahl, die bereits Bewohner der geistigen Welt sind. Die Botschaft, die Ich bringe, ist für alle die gleiche. Wohl bin Ich der Herr, ihr aber seid alle Meine Geschöpfe. Um euch vom Geschöpflichen zu entbinden, wurde Ich auch Mensch und trug das vergängliche Erdenkleid. Nicht um Meinetwillen, sondern um der Menschen Heil und Rettung nahm Ich auf Mich alle Lasten und Bürden dieser Erde. Auch Ich musste ringen und kämpfen um die Befreiung von den Fesseln, die Meine Entwicklung zu dem Vollkommenen aufhalten wollten. Aber es gelang Mir mit dem Aufgebot Meiner in Mir liegenden Kräfte doch so frei zu werden, dass Mir alle Himmel, alle Kräfte untertan waren, und die niederen Mächte vor Mir zitterten.

 

Doch nicht in der Machtentfaltung göttlicher Kräfte sollte sich der Sieg offenbaren, sondern in dem Geist der Demut und Duldsamkeit. Was noch kein Mensch ertragen musste, ertrug Ich. Alle Kräfte zog die Gottheit in Mir zurück. Ich war nur auf Meine eigene Liebe angewiesen, die Mir den Weg zeigte, den der Erlöser zu gehen hatte, durch den Tod, durch finstere Nacht zum Licht.

 

Kindlein, die Qualen des Todes waren nichts gegen diejenigen, die in Meiner ringenden Seele aufstiegen, denn Ich war allein und unverstanden. Die seit Ewigkeiten Mir treueste Diener und Helfer waren, verhüllten ihre Angesichter. Alle die, denen Ich Bruder und Freund war, wurden irre an Mir, und doch gab es keinen anderen Ausweg. Ich musste durch, musste den letzten Blutstropfen opfern, damit alles lebe und sich aufwärts entwickeln kann, zum Vollkommenen. Es gelang; der Sieg in den Höllen wurde schnell erreicht, denn gleich Hammerschlägen pochte ich an die Pforten und offenbarte den Sieg des Lebens. Meine an Mir irre gewordenen Brüder und Freunde richtete Ich wieder auf und erfüllte sie mit froher Zuversicht, dass das Leben, welches nun von Mir ausgeht, für ewig unantastbar  bleibe.

 

Doch das Höchste, was errungen wurde, ist dieses: Ich bin nun kein unnahbarer Gott und Schöpfer mehr. Mein Erdenleben zeitigte den Erfolg, dass alle, die Mich schauen wollen, nun auch schauen können, dass alle, die Mich lieben, auch sichtbar mit Mir verkehren können, und dass alle, die da guten Willens sind, auch Meinen Geist empfangen können. Nun sind alle Tore offen, kein Feind kann euch mehr schaden, wenn ihr Mir, eurem Gott und ewigen Vater die Treue entgegenbringt, die Ich euch entgegenbringe.

 

Ich nenne euch alle Kinder und gebe euch auch Kindesrechte. Und es darf sich jeder bereichern aus dem Füllhorn Meiner Liebe und Gnade, soviel er will und mag, doch nur in Meinem Geist. Mein Geist aber wird eurem Geist Zeugnis geben, dass Ich euch nicht nur Kinder nenne, sondern, dass ihr es auch seid, und seid Meine Stellvertreter geworden, weil Ich um eures Heiles willen erst wiederkommen kann, wenn ihr alle reif geworden seid. So nehmt hin Meine Liebe, Meinen Segen und Meinen Frieden. Amen“.

 

Jakobus schwieg, aber Mirigia sagte: „Noch ist der Herr unter uns, aber die vielen, vielen ziehen sich zurück mit dem Zeichen größter Freude. Sie winken uns immer zu, weil sie wissen, der Herr ist unter uns geblieben.

 

O, Du treuer und ewiger Gott, die Stimme versagt mir. Ich möchte Dich loben, wie es noch kein Mund vermochte, ich möchte Dich lieben, wie es noch niemand konnte. O, bleibe bei uns, weil wir nur einen ewigen Vater in Dir empfangen haben. Du lächelst, und nun vernehme ich auch in mir Deine liebliche Stimme, sie spricht: bleibe in dieser Liebe, im kindlich reinen Glauben. Je mehr du Mir Kind bist, desto mehr kann Ich dir Vater sein. Immer sollst du Meine Worte in dir vernehmen, wenn du in Meinem Geiste, Meinem Heilandsgeiste aus dir stellen willst als nur Liebe und wieder Liebe. Sage deinen Geschwistern: Immer werde Ich unter euch sein, wenn ihr euch gegenseitig dient in Meinem Geiste!

 

O, Mutter Annuschka, welch herrliche Krone leuchtet über deinem Kopfe, sie ist dein, wenn du deinen Erdenlauf vollendet hast. Du, Vater Semja, ein großes Licht ist über dir, es wird dich immer mehr erleuchten, und ihr Lieben alle, in euch sehe ich ein Lichtlein, welches eine große Flamme werden soll, damit wir alle niemals mehr im Dunkeln verharren sollen. Die Liebe des Vaters möchte unser Leben sein und Sein Leben hat Er Selbst offenbart!“

 

Jakobus: „Nun ist bei euch meine Mission beendet. Ganz in der Frühe werde ich weiter ziehen, meine Liebe bleibt hier. Du Semja, sei der Diener aus Seiner Gnade, du Mirigia, aber Dienerin Seiner Liebe. Ihr anderen wacht über diese Beiden, damit der Feind des Lebens keinen falschen Samen streuen kann“.

 

Semja: „Jakobus, habe du uns immer lieb, aber noch ein paar Worte schenke nun dieser neu gegründeten Gemeinde über das Leben unseres Heilandes, aus Seiner Erdenzeit. Wir wissen so wenig und doch sagte Er durch deinen Mund, wie schwer Er ringen musste“.

 

Jakobus: „Ja, ihr Lieben, es ist auch so gewesen. Schon seit Seiner Kindheit wusste Er um Seine Mission. Sein Geist offenbarte sich Ihm so, wie sich die ewige Liebe durch Mirigia offenbarte. Er glaubte und folgte jeder Offenbarung, ja, Er wartete auf die göttliche Einsprache und richtete Sein ganzes Leben danach ein, bis endlich Sein eigener Geist mit dem ewigen Gottesgeist eins war. Da gab es viele, viele Kämpfe. Bedenket, in welchem Geist wir erzogen waren durch die Priester, welche Opfer wir dem Tempel zu bringen hatten und welche harten Gesetze zu halten waren. Unser Vater Josef war einer der treuesten im Glauben an Gott und den Tempel. Wir durften keine Gemeinschaft mit Andersgläubigen haben.

 

Was aber tat Jesus? Er kannte keinen Unterschied, Ihm war es gleich, ob der Mensch Jude oder Andersgläubiger war. Er legte nur Wert auf die innere Gesinnung. Da gab es viele Auseinandersetzungen, aber Jesus ließ sich nicht belehren. Wir waren Zimmerleute, arbeiteten manchmal Wochen auswärts und kamen mit vielen Menschen zusammen.

 

Einmal brannte einem Griechen der Schweinestall nieder, ein Blitz hatte eingeschlagen. Händeringend bat dieser meinen Vater Josef, er solle ihm seinen Schweinestall gegen guten Lohn wieder aufbauen. Josef lehnte entschieden ab, aber Jesus bat meinen Vater, doch den Stall zu bauen. Auch diese Bitte des Jesus wurde abgelehnt. Da sagte Jesus: `So werde Ich den Stall allein bauen und werde auch die Folgen zu tragen wissen. Dieses Mal werdet ihr mit eurer Arbeit nicht eher fertig werden, bis Ich mit dem Stall fertig bin`, sprach`s und ließ uns alle stehen. Mit Seinem Werkzeug ging Er zu dem Griechen und baute mit den Leuten des Griechen in drei Tagen einen viel größeren und schöneren Stall.

 

Natürlich blieb dies kein Geheimnis und, obwohl Josef ganz unschuldig war, wurde er von dem Priester mit schweren Strafen belegt. Jesus ging zu dem Priester in die Synagoge und legte den Sachverhalt klar, dass Josef zu Unrecht die Strafe abarbeiten solle. Der Priester aber war für die Worte des Jesus unempfänglich, nicht einen Jota ließ er abhandeln. Da sagte Jesus: `Weil dein Herz so hart wie ein Stein ist , du einen Unschuldigen aber mit harter Strafe belegst, sollst du dich auf deinem Lager nicht mehr bewegen können. Bis du zu der Überzeugung gelangst, dass du ein treuer Diener Jehovas sein sollst und dich unter göttliche Gesetze stellst`. Nach 10 Tagen ließ der Priester Josef kommen und bat ihn um Verzeihung, dann konnte auch der Priester seinen Dienst tun. Jesus aber hat er nicht mehr belästigt. Für Josef aber war es wieder eine Lehre, und der Friede war in unserem Hause wieder eingekehrt.

 

Wieder ein andermal kommt ein Freund des Hauses Josefs zu uns und macht Jesus Vorwürfe, er schände das Haus Josefs und verderbe die Jugend, weil er immer des Abends und des Nachts außer dem Hause zubringe.

 

Es war aber für Jesus ein Bedürfnis, jeden Abend 1 bis 2 Stunden unter freiem Himmel Selbstbetrachtung zu pflegen. Dieses war Sein Gottesdienst, und Er war mit keiner Bitte zu bewegen, diese Gewohnheit abzulegen.

 

Da sagte Jesus zu dem alten, ehrlichen Mann: `Du meinst es ehrlich und wirklich gut mit Mir, aber was du verlangst, ist rein menschlich. Nicht Ich verderbe die Jugend, sondern ihr selbst seid es, weil ihr Riegel vor ihre jungen Herzen legt. Was weißt du von Mir, nicht. Möchtest du aber nur ein einziges Mal mit Mir gehen, es würde dir zu einem großen Segen sein`. Spricht meines Vaters Freund: `Aber Jesus, das hieße ja, Dich in Deiner Schwäche zu unterstützen. Siehe, wir sind alt, haben keine Kinder, nur eine Enkelin. Wenn Du nun in mein Haus kämst, wir würden Dich gleich einem Sohn halten. Du würdest der Erbe meines nicht kleinen Besitzes sein und eine andere Zukunft haben, als bei deinen Brüdern, die da alle gleich so arm sind, wie Dein Vater Josef `. Da sagte Jesus: `Du bietest Mir dein Haus, deine iebe an, dies soll dir unvergessen bleiben. Ich bedarf aber dieser solcher Liebe nicht, da Ich nach Schätzen dieser Erde kein Verlangen habe `.

 

Über diese Absage waren meine Brüder entsetzt. Es gab deswegen viel Unfrieden, aber Jesus blieb fest bei Seinen Vorsätzen, bis endlich Josef fragte: `Jesus, hast Du über Dein und Deiner Mutter Zukunft recht nachgedacht? Dein Verhalten gibt keine Garantie für eine sorgenfreie Zukunft `. Da sagte Jesus: `Josef, höre. Das, was aus dir spricht, ist nicht Liebe, die im Herzen geboren wird, sondern Einfluss des Fürsten dieser Welt. Würde Ich nachgeben und deiner Sorge Rechnung tragen, dann wäre nicht nur deine, sondern die Zukunft aller gefährdet. Statt Mir zu helfen, hindert ihr Mich, statt Mich zu verstehen, verratet ihr die göttliche Liebe, die in Mir um das Lebensdasein ringt. O, Josef und Maria, wenn des ewigen Gottes Geduld so kurz wäre, wie eure, so stände längst keine Sonne mehr am Himmel `.

 

Nach diesen Worten verließ uns Jesus wiederum für eine volle Woche. Er blieb fern ohne jede Nahrung, was Ihn tüchtig mitnahm. Ließen wir Jesus gehen, ging unsere Arbeit aus den Händen. Er, als der Jüngste, brachte mehr fertig, als einer von uns. Versäumte Er ein oder zwei, drei und mehrere Tage, holte Er alles wieder ein. Nur mit Vorwürfen durften wir nicht kommen, sofort war die Freude hin.

 

Seht, ihr Lieben, so rang Jesus nach jener Reife, die Ihn fähig machte zum Heiland, zum Gottessohn. Auch während Seiner Lehramtstätigkeit, im Besitz göttlicher Macht und Kraft, blieb Er sich treu und suchte die Einsamkeit auf, um sich immer noch mehr zu vertiefen mit dem in Ihm wohnenden Gottesgeist. Ach, wie groß war das Unrecht, weil wir Ihn so wenig unterstützten, wie klein war unsere Liebe gegen Seine Liebe!

 

Nun sahen wir die große Herrlichkeit, die sich täglich aufs neue offenbarte, und diese Herrlichkeit ist uns geblieben und wird euch verbleiben, wenn ihr alle in Seinem Geiste liebend tätig bleibt. Gott ist dieses Leben Selbst, um dieses Leben musste Jesus ringen. Auch uns kann dieses Leben nicht zugeworfen werden, alle müssen danach ringen, und dazu schenkt Er Seine Kraft, Seinen Geist, Seinen Frieden und Seine Freude. So, wie Er uns durch Seine Liebe alles Schwere vergessen macht, so wollen auch wir alle durch Seine Gnade die anderen alles vergessen machen, damit das Herz für Jesus, unseren Gott, frei werde“.