Lohengrin

                      Romantische Oper von Richard Wagner  

                               Im christlich-geistigen Entsprechungssinn

                               gedeutet von Karl Dvorak, St. Pölten  

   

 

Personen :  

   

Lohengrin:   Der göttliche Liebegeist, eingelegt in die Seele am Tage der Eingeburt, im höchsten Sinne der Herr selbst.
König Heinrich:      Der göttliche Geburtsgeist der Seele, er will die Seele sammeln unter seiner alleinigen Herrschaft.    Sein bester Feldherr oder  Helfer dabei soll der menschliche Verstand sein.  
Elsa:        Der reinere Teil der Menschenseele,  die aus dem Gottwort-Wissen gläubig gewordene Seele.    
Friedrich von Telramund :  Der menschliche Verstand, der nur auf eigenes Wissen traut. Er sollte sich  dem Gottwort oder dem Gottesurteil fügen, was er aber noch nicht will, weil seine Eigenliebe dagegen arbeitet.        
Ortrud:          Die selbstsüchtige Eigenliebe des Menschen, im anderen Sinne:  Das Dämonische des Luziferischen, die Hölle.                                                     

                                        

Persönliche Worte von Richard Wagner über Lohengrin:  

Lohengrin sucht das Weib, das an ihn glaubt, das nicht fragt, wer er ist, woher er kommt, sondern ihn liebt, wie er ist und ihn liebt, weil er so ist, wie er ihr erscheint. Er sucht das Weib, der er sich nicht zu erklären, nicht zu rechtfertigen habe, sondern das ihn unbedingt liebe. Aber an ihn haftete unabstreifbar der verräterische Heiligenschein der erhöhten Natur. Er kann nicht anders als wunderbar zu erscheinen. Das Staunen der Gemeinheit, das Geifern des Neides wirft seine Schatten bis in das Herz des liebenden Weibes. Zweifel  und Eifersucht zeigen ihm, daß er nicht verstanden, sondern nur angebetet wurde, und entreißen ihm das Geständnis seiner Göttlichkeit, mit dem er nun vernichtet in seiner Einsamkeit zurückkehrt.  

Inhalt des 1. Aktes :  

Antwerpen in der ersten Hälfte des 10.  Jahrhunderts . König Heinrich I. ist nach Brabant gekommen, um auch hier einen Heerbann gegen die Bedrohung durch die Ungarn auszurufen. Bei dieser Gelegenheit erfährt er, daß das Land ohne Herrscher ist und in Zwietracht lebt. Der alte Herzog hatte kurz vor seinem Tod  seine beiden Kinder Elsa und Gottfried der Vormundschaft  des Grafen Friedrich von Telramund unterstellt und diesem auch das Recht auf die Hand seiner Tochter verliehen, die ihn jedoch abwies. Nun klagt Telramund Elsa an, ihren Bruder Gottfried ermordet zu haben, um auf diese Weise einem heimlichen Liebhaber die Herrschaft über Brabant zu verschaffen. Deswegen, so behauptet er, habe er seinem Recht auf Elsas Hand entsagt und Ortrud zur Frau genommen, die letzte aus dem Geschlecht  des heidnischen Friesenfürsten Radbod, das vor der Christianisierung das Land beherrscht hatte. Der König läßt Elsa vorführen, die zu der Anklage nicht Stellung nimmt, sondern in träumerischer Verzückung einen gottgesandten Ritter beschreibt, der für sie kämpfen und ihre Unschuld erweisen wird; ihm will sie ihre Hand und die Herrschaft über ihr Land schenken. Telramund weigert sich, für seine Anklage einen Beweis zu erbringen und stellt sich zum Gottesgericht. Als die erste Aufforderung des Heerführers unerhört bleibt, wiederholt er seinen Ruf nach einem Streiter für Elsa, die mit ihren Frauen zum Himmel fleht.

Da erscheint auf dem Fluß ein Ritter in einem von einem Schwan gezogenen Boot. Er steigt ans Ufer und erklärt, er wolle Elsas Unschuld im Kampfe erweisen und ihr Gatte werden, unter der Bedingung, daß sie niemals nach seinem Namen und seiner Herkunft frage. Elsa vertraut sich ihm vorbehaltlos an. Auf ein Zeichen des Königs beginnt das Gottesgericht; nach kurzem Kampf stürzt Telramund, aber der fremde Ritter  schenkt ihm das Leben. Unter allgemeinem Jubel werden Elsa und ihr Erretter auf die Burg gebracht.  

 

Geistige Entsprechungsdeutumg, 

ohne Anspruch auf Vollständigkeit, gestützt auf die Lehren des Herrn, gegeben durch Jakob Böhme, Emanuel Swedenborg und Jakob Lorber. Ausgelegt im himmlischen Sinn. Die  Personen werden hier zu handelnden Geist- und Seelenkräften im Menschen selbst :  

Die geistige Entsprechungsdeutung  liegt hinter den Geschehnissen und Personen. Sie liegt noch tiefer als die Symbolbedeutung. Die Entsprechungen müssen deshalb von Komponisten oder Künstler nicht erkannt werden, so war es vielleicht auch bei Richard Wagner. Er war wohl Mystiker und hat in seinen Verinnerlichungen diese herrliche Musik und die Texte dazu aus Gott oder aus Geistbereichen innewerden dürfen, wie dies bei echten Genies der Fall ist. Während seines meditativen Zustandes empfand Wagner die herrlichen Melodien und Worte aus seinem Inneren. Kenner der inneren Entsprechungswissenschaft können aber nur mit Hilfe des göttlichen Wortes den wahren inneren Geistsinn aus den Kunstprodukten heraus empfinden.  

Es ist die Eigenliebe des Menschen, verkörpert durch Ortrud, welche den besseren Teil der Seele des Brudermordes beschuldigt. Elsas Bruder, der in der Oper eine stumme Rolle hat, stellt das göttlich erwachte Gewissen oder im höheren Sinne das Gottbewußtsein dar. Dieses Gewissen aber wird immer wieder von der Eigenliebe (hier: Ortrud) des Menschen verdrängt und sogar getötet.  

König Heinrich ordnet deshalb ein Gottesgericht an. D.h. er überläßt es völlig der göttlichen Eingebung , wo Recht und Urteil gegeben wird. Entweder bei der Gläubigkeit der Seele, durch Elsa vorgebildet, oder beim kalten Menschenverstand , durch Telramund dargestellt.  

Da tritt nach dem wahren Gebet der Elsa Lohengrin , der göttliche Liebegeist in Aktion, von einem Schwan gezogen. Der Schwan bezeichnet den heiligen Geist. Der Nachen, in dem der Ritter angefahren kommt, bezeichnet die himmlische Lehre aus dem Gottwort.

Daß Lohengrin Telramund nicht tötet, sondern ihn nach dem Kampf begnadigt, will sagen, daß der menschliche Verstand von dem Liebegeist nicht erdrückt wird, sondern im Gegenteil: Ihm wird die Chance gegeben, sich reuig zu Gott zu wenden.  

 

Inhalt des 2. Aktes :  

Während in der Burg Elsas Rettung gefeiert wird, sitzen Telramund und Ortrud niedergeschlagen im nächtlichen Hof. Friedrich macht seiner Frau heftige Vorwürfe. Sie trage die Schuld an seinem Ehrverlust, denn sie sei es gewesen, die als angebliche Zeugin von Elsas Brudermord ihn zur Anklage verführt habe. Da sie ihm außerdem die bevorstehende erneute Herrschaft ihres Geschlechtes prophezeit habe, hatte er sie zur Frau genommen. Ortrud steht zu ihren Behauptungen und erklärt, der fremde Ritter habe beim Gottesgericht durch bösen Zauber gesiegt. Wenn er jedoch seinen Namen nennen  müsse oder das kleinste Glied seines Körpers verliere, sei seine Macht dahin. Mit List oder Gewalt will sie dem Schwanenritter sein Geheimnis entreißen. Friedrich läßt sich überreden, ihr dabei zu helfen. Elsa erscheint auf dem Söller und Friedrich verbirgt sich auf Ortruds Geheiß. Heuchlerisch fleht Ortrud nun Elsa an, sie als verstoßene Gattin des meineidigen Telramund zu sich zu nehmen. Während Elsa, durch Mitleid erfaßt, in den Hof hinuntersteigt, bittet Ortrud die entweihten Germanengötter um Beistand bei ihrer Rache an den Christen. Dann beginnt Ortrud, Elsas Glauben an den gottgesandten Ritter zu untergraben, indem sie darauf verweist, er könne ebenso unverhofft auf wundersame Weise verschwinden, wie er kam.

 

 

Arglos nimmt Elsa sie zu sich in die Kemenate.

Bei Sonnenaufgang  versammeln sich die Männer. Der Heerrufer verkündet die Ächtung Telramunds  und gibt bekannt, daß am selben Tage die Hochzeit Elsas mit dem fremden Ritter  gefeiert werden soll, der am kommenden Tag das brabantische Heer gegen die  Ungarn führen wird. Vier Gefolgsleute Telramunds beraten, wie man sich dem neuen Herrscher widersetzen könne. Da tritt Telramund heimlich zu ihnen und erklärt, er wolle den Fremden öffentlich der Zauberei anklagen. Die vier Edlen verbergen ihn rasch vor den Augen des Volkes.  

Von Edelknaben und ihren Frauen geleitet, schreitet Elsa feierlich zum Münster, wo die Trauung vollzogen werden soll. Da macht ihr Ortrud plötzlich als Gattin Telramunds den Vortritt streitig. Mit anzüglichem Hohn verweist sie auf die fragwürdige Herkunft von Elsas zukünftigem Gatten.  

Als der König und der Schwanenritter dazukommen, verstummt Ortrud, aber jetzt tritt Telramund vor, bezichtigt den Fremden der Zauberei und fragt ihn vor allen Anwesenden nach Namen und Herkunft. Der Ritter erwidert, er sei allein Elsa Rechenschaft schuldig, und der König spricht sich öffentlich für den neuen Herrscher von Brabant aus. Elsa wird jedoch von Zweifeln gequält, und Telramund nutzt die Gelegenheit, ihr zuzuflüstern, er werde sich heute Nacht in ihrer Nähe verbergen. Rufe sie ihn, wolle er dem Ritter einen winzigen Teil  von seinem Körper abtrennen, dann sei der Zauber gebrochen und der Fremde werde sie nie wieder verlassen. Nach längerem innerem Kampf ringt Elsa sich zu einer erneuten Bekräftigung  ihres unbedingten Glaubens an ihren Retter durch. Der König führt das Brautpaar in das Münster.  

Zur Musik :  

Einen musikalischen Höhepunkt bildet zweifellos der 2. Aufzug und zwar die große Szene zwischen Elsa und Ortrud , die mit der zarten Lyrik von Elsas Gesang an die zarten Lüfte beginnt , dann schmerzhaft schneidend durch Ortruds klagenden Ruf unterbrochen wird. Der Gegensatz der beiden Charaktere ist in seiner musikalischen Zeichnung außerordentlich prägnant. Die beiden Pole der Lohengrin-Musik werden hier auf engem Raum eines Duos kunstvoll zusammengefaßt. Berühmt aus der Musik im 2. Akt ist der Zug zum Münster. Eine marschartige Melodienfolge aus dem lichten Gedankenkreis der Gralsthematik.  

Bedeutung des Innensinnes :  

Der menschliche Verstand  Telramund und seine Eigenliebe Ortrud wollen den Gotteinfluß, durch Lohengrin dargestellt, in der reinen Seele Elsa  nicht zulassen. Jetzt setzen die Versuchungen ein. Das Böse bekämpft das Gute. Das Gottwort-Wissen von Elsa wird in Frage gestellt. Ja noch ärger kommt es : Elsa nimmt den Zweifel der Ortrud in ihr eigenes Herz auf und damit besiegelt sie, nämlich die reine Seele, ihren Fall, ihren Sündenfall in die Versuchung. Elsa sehr bewegt : Wie schlecht ich deine Güte preise, Allmächt'ger, der mich so beglückt,  wenn ich das Unglück von mir stieße, das sich im Staube vor mir bückt ! O nimmer ! Ortrud ! Harre mein ! Ich selber laß dich zu mir ein !  

So sehen wir hier zwei Charaktere aufeinanderprallen. Die eine pur höllisch, die andere himmlisch liebend. Und hier geschieht eine Nächstenliebe, die böse Folgen hat. Eine Nächstenliebe, die nicht von Gott kommt, sondern von menschlicher Humanität ! So zieht nun das Unheil in das Haus der Elsa und das singt uns auch Telramund. Elsa aber besingt noch immer ihr Glück und meint, sie hätte das wahre Glück besessen. Das wahre Glück, das sich nur im Glauben gibt !  

Kehr bei mir ein ! Laß mich dich lehren, wie süß der Wonne reinster Treu ! Laß zu dem Glauben  dich bekehren : Es gibt ein Glück, das ohne Reu !  

Leichtfertiger Glaube  und Liebtätigkeit, nicht von Gott eingegeben, sondern aus menschlichen Überlegungen kann nur Leid bringen. So auch hier in der Oper und so auch in unserem Leben. Telramund, der den menschlichen Verstand vorbildet und nur dem eigenen Wissen traut, erkennt zwar, daß nun das Unheil in das Haus eintritt und er sagt noch Ortrud nach :  

Vollführe ,Weib, was deine List ersonnen; dein Werk zu hemmen fühl' ich keine Macht ! Das Unheil hat mit meinem Fall begonnen, nun stürzet nach, die mich dahin gebracht ! Nur eines seh ich mahnend vor mir stehn : Der Räuber meiner Ehre  (nämlich Lohengrin) soll vergehn !

 

Dies alles ist ein Vorgang, der sich in unserer Seele abspielt, wenn der göttliche Geist, der Ritter Lohengrin, in unserer Seele nicht voll und ganz angenommen wird in der göttlichen  Liebe . Nur im Glauben geschieht dieses schreckliche Versuchsbild. Das Glück des reinen Glaubens geht verloren. Aber noch ist es nicht so weit , noch lebt Elsa und vertraut ihrem Lohengrin. Doch die Wege sind bereits vorgezeichnet. Noch ist der Herr Bräutigam der Seele.

Die Hochzeit wird gefeiert. Aber schon in der Brautnacht wird die verhängnisvolle Frage von Elsa an ihren Ritter gestellt werden und damit das Ende der Verbindung  Lohengrins mit Elsa bewirkt.

Bedenken wir: Lohengrin bezeichnet den göttlichen Liebegeist im Menschen, der bei unserer Geburt in uns eingelegt wird. Elsa ist die reinere Seele,  die bestimmt wäre, vom Geist Gottes voll und ganz durchdrungen zu werden (Verklärung der Seele). Darum kann man nur sagen: Oh Mensch, lasse das Glück deines Glaubens nicht verloren  gehen durch die Einsprache deiner selbstsüchtigen Eigenliebe und deines menschlichen Verstandes , damit dein Lohengrin, der göttliche Geist , nicht verschüttet wird und sich von der Seele zurückziehen muß.                 

Noch lebt Elsa und vertraut ihrem Lohengrin, der Herr ist noch Bräutigam der Seele und die Hochzeit wird gefeiert. Das Volk vernimmt es , unser Nachwesen , und die Edlen und Frauen. Telramund wird in Acht und Bann geschlagen. Lohengrin wird als gottgesandter Mann ausgerufen, der im Lande die Krone von Brabant tragen wird. Doch sagen sie und verkünden: Der Held will nicht Herzog genannt werden, sondern Schützer von Brabant. Alles  freut sich. Von göttlichen Geistern wird alles getan und gefügt, daß die Seele völlig vom Liebegeist durchdrungen wird. Aber die Eigenliebe des Menschen und sein eigener Verstand wollen dies verhindern. Noch erlebt die Seele die himmlischen Freuden des göttlichen Einflusses. Äußerlich wird es im Opernspiel dargestellt, indem Elsa zum Münster schreitet. Was aber bedeutet das Schreiten der Elsa zum Münster ?  Die Seele wird in die Kirche Gottes aufgenommen, in die innere Kirche Gottes, keine äußere Mauerkirche Gottes. Die Liebe Gottes darf sich vielmehr in der Menschenseele ausbreiten. Aber wir werden es erleben: Das Negative, symbolisiert durch Ortrud, will dies nicht zulassen. Und auch Telramund nicht, der kalte menschliche Verstand ! Beide haben sich verschworen, das Glück des reinen Glaubens in der Seele des Menschen zu zerstören. Und Gott muß dieses zulassen, damit die Seele gefestigt wird.. Man nennt diese Zulassung Gottes die Versuchungen und kein Mensch kann ohne Versuchungen wiedergeboren oder vollendet werden, d.h. der Liebegeist kann die Seele nicht völlig durchdringen, sie verklären. Und deshalb muß dies alles geschehen, damit die Seele liebesreif wird für die göttliche Liebe. So versucht also das Negative im Menschen Elsa die Seele weiter. Der menschliche Verstand Telramund glaubt nicht an einen Gotteinfluß beim unbekannten Ritter. Er hält Lohengrins Handlung nur für Zauberei und bekämpft die Leichtgläubigkeit , wie dies alle Nüchternen so gerne tun. Vor dem Münster stellt sich Telramund trotzig auf , obwohl er mit dem Bannfluch belegt ist und stellt an Lohengrin die verbotene Frage , nämlich nach Name , Stand und Ehre frage ich ihn laut vor aller Welt. Doch Lohengrin braucht ihm die Frage nicht zu beantworten . Er antwortet:   

Nicht dir, der so vergaß die Ehren, hab not ich Rede hier zu stehen. Des Bösen Zweifel darf ich wehren, vor ihm wird Reine nie vergehn !

Telramund: Darf ich ihm nicht als würdig gelten, dich ruf ich, König, hoch geehrt  Wird er auch dich unadlig schelten, daß er die Frage dir verwehrt ? 

Lohengrin:  Ja, selbst dem König darf ich wehren und aller Fürsten höchstem Rat !  Nicht darf sie Zweifels Last beschweren, sie sahen  meine gute Tat !  Nur eine ist's , der muß ich Antwort geben; Elsa -  

Nicht einmal der Geburtsgeist (König; Weisheit, ) darf innewerden, daß der Liebegeist (Lohengrin) in ihm Einzug gehalten hat. Nur Elsa, die reine Seele (Goethe spricht ebenfalls von zwei Seelen im Menschen) darf die Frage stellen. Denn sie muß freiwillig verzichten auf Name und Art.

Noch fragt Elsa nicht , obwohl sie schon zweifelt. Ja, Elsa zweifelt, aber noch ruft sie aus:

  Hoch über alles Zweifels Macht soll meine Liebe stehen !                                                            

Die Orgel ertönt aus dem Münster , Glockengeläute. Lohengrin und Elsa gehen in die Kirche. Lohengrin bejubelt Elsa:  

Heil der Elsa, nun laß vor Gott uns gehen !  

Und die Männer rufen: Seht, er ist von Gott gesandt....... 

Inhalt des 3. Aktes:  

In einem feierlichen Zug  wird das Paar in das Brautgemach geleitet, wo Elsa zum ersten Mal mit ihrem Ritter allein bleibt. Der Fremde erklärt ihr seine Liebe und weicht ihren zunächst noch zögernden Andeutungen auf das Frageverbot aus. Als sie jedoch immer stärker in ihn dringt  und andeutet, er müsse vielleicht eine unehrenhafte Herkunft verschweigen, mahnt er sie nachdrücklich an ihr Versprechen und erklärt, er sei  "aus Glanz und Wonne " zu ihr gekommen . Damit verstärkt er aber nur ihre Angst, er könne sie eines Tages unverhofft wieder verlassen , und in höchster Erregung stellt sie die verbotene Frage . In diesem Augenblick dringt Telramund mit den vier Edlen in das Gemach ; er glaubt, durch Elsas Frage sei die Zauberkraft des Fremden geschwunden  und greift ihn an , wird aber mit einem Streich getötet. Die vier Edlen tragen seine Leiche  hinaus; auf Befehl des Schwanenritters wird Elsa von den Frauen angekleidet und vor den König gebracht, wo sie den Namen ihres Gatten erfahren soll.  

Am Ufer der Schelde begrüßt der König am nächsten Morgen die brabantischen Fürsten, die ihre Krieger zur Heeresfolge herbeigeführt haben. Der Schwanenritter erscheint und enthüllt die Leiche Telramunds ; er beschreibt den nächtlichen Überfall und gibt dann bekannt, daß Elsa ihr Versprechen gebrochen und nach seinem Namen gefragt habe. Dann gibt er vor allen Anwesenden Antwort: Er sei Lohengrin , der Sohn des Gralskönigs Parzifal, ein Mitglied der Bruderschaft von Rittern, die vom Gral ausgesandt werden, um das Böse zu bekämpfen und die Tugend zu beschützen; dem Gralsritter werden vom Himmel übermenschliche Kräfte verliehen, die er aber verliert, wenn er seinen Namen nennen muß. Weder Elsas Flehen noch die Bitten des Königs und der Männer können Lohengrin bewegen zu bleiben; er prophezeit dem König den Sieg über die Ungarn, dann wendet er sich zum Fluß , auf dem der Schwan mit dem leeren Boot erschienen ist. Ehe er in den Nachen steigt, verspricht er Elsa die Rückkehr ihres tot  geglaubten Bruders und läßt für ihn sein Horn, sein Schwert und seinen Ring  zurück, dann nimmt er wehmütig Abschied  von seiner Gattin. Plötzlich tritt Ortrud auf, die Elsa mit triumphierendem Hohn dafür dankt, daß sie den Ritter vertrieben habe: Der Schwan sei niemand anderer als der verzauberte Gottfried, den Ortrud selbst in diese Gestalt verwandelt habe. In wilder Ekstase erklärt sie ihr Werk für die Rache der alten Götter.  Lohengrin kniet im Boot

nieder und betet; vom Himmel schwebt eine Taube herab, der Schwan versinkt im Fluß und Lohengrin hebt den entzauberten Gottfried aus dem  Wasser, den er als neuen Herzog von Brabant vorstellt, dann verschwindet der Nachen , von der Taube geführt. Ortrud stürzt bei Gottfrieds Anblick zusammen; Elsa umarmt ihren Bruder, dann sinkt sie tot nieder.   

Geistige Deutung :  

Im feierlichen Zuge werden Elsa und Lohengrin in das Brautgemach geleitet. Der Liebegeist, der durch Lohengrin vorgebildet wird, flutet mit seiner göttlichen Liebe in die gereinigte Seele Elsa ein . Dies geschieht im Menschen dann , wenn Gottes Schriftwort voll und ganz angenommen wird. Und darum sagte auch schon Jesus zu seinen Jüngern: Ihr seid rein um des Wortes willen, das ihr von Mir angenommen habt.  

Im Orchestervorspiel hören wir mit dem Brautlied das Wunder der Vermählung des göttlichen Liebegeistes mit seiner Seele . Hier erleben wir eine Fülle herrlicher Musik , die schwungvolle Melodik , die Brautszene einleitend . Der berühmte Brautchor ist weltweit populär geworden.

Zum ersten Mal sind der Ritter und Elsa allein. Alleine heißt im Alleinen der göttlichen Liebeweisheit oder vollen Dualität verschmolzen sein. Hier gibt sich die Seele voll und ganz ihrem Gottgeist hin. Es ist dies der Zustand der ersten Liebe zwischen Mann und Frau oder zwischen der Seele und Gott. Da tritt die Seele in das Brautgemach ihres Gottes und Herrn und Meisters ein und feiert mit Ihm die wahre und ewige Liebe . Jesus sagte: Ihr sollt meine Bräute sein und Ich bin euer Bräutigam.  

Treulich geführt ziehet dahin, wo euch der Segen der Liebe bewahr'!     Siegreicher Mut , Minnegewinn eint euch in Treue zum seligsten  Paar.  Streiter der Tugend, schreite voran! Zierde der Jugend, schreite voran. Rauschen des Festes seid nun entronnen, Wonne des Herzens  sei euch gewonnen!  

Da zieht die Seele mit ihrem Gottgeist dahin , wo der Segen der Liebe Gottes bewahrt wird und der siegreiche Mut ist Minnegewinn, d.h. es ist Gewinn der Ewigen Liebe aus Gott und es wird in Treue das selige Paar vereinen. Göttliche Liebe und Weisheit wird in uns vereint. Streiter der Jugend schreiten voran. Die Streiter der Jugend sind die Engelscharen des göttlichen Innenbereiches , die uns die ewige Jugend bringen. Die Seele ist eins mit dem Vater.  

Doch der Wurm des bösen Gewissens nagt. Die unsichtbare Schlange der Eigenliebe und des selbstbezogenen Verstandes haben die giftige Saat höllischer Gottentfernung in die Seele der Elsa gesenkt. Diese Saat wuchert und wird ihre Früchte bringen. Die Worte Ortruds und Telramunds erwecken in der Seele Elsas Zweifel, d.h. der Einfluß der Hölle selbstsüchtiger Eigenliebe und irrender Menschenverstand hat in Elsas Herzen Wurzel gefaßt. Sie wird von diesem Zweifel hin und hergerissen. Schon wird die Ruhe der Verbindung der Seele mit ihrem Liebegeist gestört, durch diesen Zweifel. Zuerst tritt der Zweifel ganz harmlos auf. In dem Klagelaut , wenn sie sagt: "Wie ach dein Name, den ich nie darf nennen." Oder besser gesagt: Nie kennen darf !  

Die Seele  kann die göttliche Liebe nicht immerzu empfinden,  sie  konnte sie hauptsächlich nur bei der ersten Berührung empfinden , der sogenannten Wiedereingeburt. Dann zieht sich der Geist zurück, um die Seele selbständig zu machen. Und dieses Zurückziehen empfindet die Seele wie einen Zweifel, an dem, was sie erlebt hat. Sie nimmt das Erlebnis der Gottunmittelbarkeit, des unmittelbaren Erlebens der Liebe Gottes als nur irgendein Geschehen, das zufällig war, und zweifelt an dem göttlichen Einfluß dieses Ereignisses.

So zweifelt unsere Seele,  weil das Fleisch sie drückt. Wie aber ganz anders ist der göttliche Geist Lohengrin, denn er liebt göttlich, selbstlos, ohne Zweck. Er liebt um der Liebe willen.

Das Liebesgeständnis Lohengrin:  

Atmest du nicht mit mir die reinen Düfte ? O wie so hold berauschen sie den reinen Sinn.! Geheimnisvoll sie nahen durch die Lüfte, fraglos geb' ihrem Zauber ich mich hin. So ist der Zauber, der mich dir verbunden, da als ich zuerst, du Süße, dich ersah; nicht deine Art ich brauchte zu erkunden, die sah mein Aug - mein Herz begriff dich da. Wie mir die Düfte hold den Sinn berücken, nah'n sie mir gleich aus rätselvoller Nacht: So deine Reine mußte mich entzücken, traf ich dich auch in schwerer Schuld Verdacht.  

So spricht der Vater zu uns, der Liebegeist in selbstloser, aufopfernder Hingabe zu seiner Seele. Das göttliche Vaterprinzip in uns, durch den Liebegeist eingelegt, ergreift unser Herz und fragt nicht nach unseren Namen, nach unserer Art. Ganz anders bei Elsa. Sie will das Geheimnis wissen und immer dringender und leidenschaftlicher begehrt Elsa nach dem Geheimnis, das sie dann spricht:   

O mach mich stolz durch dein Vertrauen, daß ich in Unwert nicht vergeh !  Laß  dein Geheimnis mich erschauen, daß, wer du bist, ich offen seh. Und da droht Lohengrin: Ach schweige, Elsa .Aber Elsa immer dringender:   Meiner Treue enthülle deines Adels Wert ! Woher du kamst, sag ohne Reue - durch mich sei Schweigens Kraft bewährt !  

Immer drängender will sie erkennen, d.h. die Liebe Gottes voll und ganz in ihrer Seele aufnehmen. Doch das ist noch nicht gestattet, da die Seele noch einige Unreinheiten in sich trägt.  Und würde sich der Liebegeist in die Seele derart eingießen, daß Elsa Lohengrin  wirklich ganz erkennen könnte, dann gäbe es nur zwei Möglichkeiten: Entweder würde die Seele in der Liebesglut verbrennen oder wie wir es in der Oper erleben: Der Geist Lohengrin muß Elsa verlassen, er muß sich zurückziehen, ganz zurück in die heimliche Kammer des Herzens. Der Schwan oder die Taube wird ihn wieder zurückführen in die heilige Burg der göttlichen Inneseiung im Menschen.  

Lohengrin zu Elsa: Höchstes Vertrauen hast du mir schon zu danken, da deinem Schwur ich Glauben gern gewährt ; wirst nimmer du vor  dem Gebote wanken, hoch über alle Fraun dünkst du mich   wert ! An meine Brust, du Süße,  Reine ! Sei meines Herzens Glühen nah, daß   mich dein Auge sanft bescheine, in dem ich all mein Glück ersah. O gönne mir, daß ich mit Entzücken ich deinen Atem sauge ein: Laß fest,     ach ! fest an mich dich drücken, daß ich in dir mög glücklich sein !   Dein Lieben muß mir hoch entgelten für das, was ich um dich verließ ;   kein Los in Gottes weiten Welten wohl edler als das meine hieß.  Böt' mir der König seine Krone, ich dürfte sie mit Recht verschmähn.  Das einz'ge, was mein Opfer lohne, muß ich in deiner Lieb' ersehn ! Drum wolle stets den Zweifel meiden, dein Leben sei mein stolz   Gewähr ! Denn nicht komm ich aus Nacht und Leiden, aus  Glanz und Wonne komm ich her !  

Das einzige, was meine Opfer lohne, muß ich in deiner Liebe ersehen. Bedenken wir, der große Liebegeist hat sich vollkommen in das Opfer hineinbegeben. Er will nicht Reichtum und Glück im irdischen Leben. Er will nur eines: Die Liebe seiner Seele, die Liebe Elsas. Dies taucht immer wieder in unserem Leben auf. Der göttliche Liebegeist verlangt nach der Liebe der Seele. Darum sagt der Vater so schön durch Jesus:  Liebet mich über alles! Und mit der Liebe könnt ihr alles bezwingen.  

Was bedeutet geistig die Frage nach dem Namen ?

Die Antwort lautet :

Der Glaube will Gewissheit. Der Glaube der Gotthingeneigtheit der Seele will die Gewissheit der Gottschau, des Gotterlebens oder der Vision, die himmlische Bestätigung einer charismatischen Begabung. Das will die Seele Elsa. Und sei es nur einmal die Stimme Gottes im eigenen Herzen zu hören oder Jesus zu sehen oder sonst ein Wunder zu erleben. Nicht aus Neugier allein fragt die reine Seele Elsa ihren Gottgeist Lohengrin,  sondern um ihn, den Gottgeist ganz zu besitzen. All die Innewerdungen Elsas , dargestellt durch die Worte, die Lohengrin zu ihr spricht, steigern und erhöhen nur ihren Wunsch der vollen Klarheit, des unmittelbaren  Gotterlebens. Das unerlaubte Drängen erhöht sich in Elsa so weit, bis sie die verhängnisvolle Frage stellt.  

So geschieht es auch bei uns. 

Erinnern wir uns an die Bedingung Lohengrins: Nie sollst du mich befragen! Elsa gab ihm ihr heiliges Versprechen. 

Zweifeln wir nicht ebenfalls an der göttlichen Innewerdung in uns ? Deshalb geschah es auch und geschieht es immer wieder, daß die Seele Elsa Gott rein wissenschaftlich erkennen will. Das ist das Übel ! Der reine Glaube der Liebe, die Gewissheit aus Liebe, die gilt nichts ! Sie wird nicht voll und ernst genommen. Dieses unlautere Drängen der Elsa erhöht sich so weit, bis sie die verhängnisvolle Frage stellt. Sie kommt in eine Art Wahn und starrt vor sich hin und ruft plötzlich aus:  

Dort, dort, der Schwan kommt, dort kommt er auf der Wasserflut geschwommen. Du rufest ihn, es zieht herbei den Kahn ! Lohengrin:  Elsa, halt ein, beruhige deinen Wahn.  Doch Elsa ruft mehr noch wie in Ekstase: Nichts kann mir Ruhe geben, dem Wahne mich entreißen als gelte es auch mein Leben, zu wissen, wer du seist. Und da warnt noch einmal Lohengrin: Was willst du wagen !? Da ruft Elsa: Unselig holder Mann, hör, was ich dich muß fragen, den Namen sag !  Lohengrin ruft:  Halt ein!   Elsa weiter:   Woher die Fahrt !    Lohengrin: Weh dir.  Elsa weiter bohrend :  Wie deine Art ! Da bricht sie ihr Versprechen , da hat sie nun die Frage gestellt und Lohengrin sagt: Weh uns, was tatest du ! Elsa , die vor Lohengrin steht, gewahrt  wie Telramund mit gezücktem Schwert mit seinen Genossen hereinbrechen,  denn Telramund will Lohengrin töten. Elsa schreit:  Rette dich, dein Schwert, dein Schwert ! Sie reicht es hastig Lohengrin,  sodaß dieser es schnell aus der Scheide zieht und Telramund mit einem Streich niederstreckt.  Unser menschliches Verständnis hat versagt, genauso wie Elsa. Alles versagt, alles zweifelt. Nun ist die Frage gestellt. Lohengrin: "Weh nun, all unser Glück ist dahin !" Elsa kann nur noch stammeln: "Allewiger, erbarm dich mein!"

Der Geist zieht sich aus der Seele zurück, in die stille Kammer des Herzens. Die vier Edlen tragen Telramund zum König und Elsa wird auf Geheiß Lohengrins ebenfalls zum König geleitet. An dieser Stelle noch ein Wort zum Erkennen, denn nun wird die Frage beantwortet und Elsa, der König und alle anderen werden Lohengrin erkennen.  Und wenn sie ihn erkennen, dann muß er fliehen . Das Wort erkennen sollen wir biblisch verstehen. In der Bibel verstand man unter Erkennen eine geschlechtliche Verbindung, also einen leiblichen Zeugungsakt. Solch eine Verbindung im sinnlich-geschlechtlichen Liebesakt ist aber zwischen Seele und Geist nicht möglich. Deshalb muß sich der Geist zurückziehen.  Elsa verlangt, unsere Seele verlangt die Liebe Gottes voll und ganz spürbar in sich wahrzunehmen. Aber natürlich auf ihre Art. Die Seele kann noch nicht geistig lieben, weil sie noch nicht vergeistigt ist. Deshalb sehnt sie sich nach dieser Liebe. Und in diesem Sinne ist die Liebessehnsucht ein biblisches Erkennenwollen. Sie wollte seinen Namen wissen. Das ist darunter zu  verstehen. Die Seele will auf ihre Art die Liebe Gottes auskosten. Das geht nicht. Die Seele kann nur auf göttliche Art die Liebe Gottes schmecken , genießen, erleben, denn Gott ist Geist und liebt geistig und nicht seelisch. Erst die verklärte Seele , die Geist gewordene Seele kann  den göttlichen Geist in der Liebe fühlen, empfinden und erleben. Deshalb muß sich der Geist zurückziehen. Es ist also die Seelenliebe schuld an der Trennung. Noch ist die Seele Elsa nicht in reiner Gottunlauterkeit des Geistes, noch ist die Seele Elsa nicht vergeistigt, wie Eckehard von Hochheim sagt. Und deshalb zieht sich der Geist zurück. So geschieht es uns Menschen immer wieder, wenn wir nach Gott schmachten. Jesus kann sich nur einer geschlechtslosen, reinsten Liebe offenbaren. Unter geschlechtslos wird eine Liebe verstanden, die geistig ist, pur geistig und keinen seelischen Bezug hat.  

Im gleichen Augenblick wie Elsa an Lohengrin die verbotenen Fragen stellt, stürzt Telramund ins Brautgemach und will den Ritter töten. Doch Lohengrin streckt ihn mit einem Streich nieder und Elsa fällt in Ohnmacht . Dies bedeutet, der menschliche Verstand Telramund muß völlig abgelegt, muß vernichtet werden, damit die göttliche Vernunft vom Glauben leben kann, die durch Elsa vorgebildet wird.

Lohengrin weist die Frauen an, sich um Elsa zu bemühen und begibt sich zum König, um sich vor diesem zu verantworten..  

Nun erfolgt die letzte Verwandlung.  Wir stehen wieder wie am Anfang der Oper auf dem Platz am Ufer der Schelde, der König vor der Gerichtseiche. Im Morgengrauen versammeln sich die Ritter mit ihrem Gefolge, um mit dem König ins Feld zu ziehen. Dies bedeutet, daß die besseren Wesenheiten, unser Nachwesen, der Seele mit dem Gottgeist verbunden werden. Elsa wird nun vom König freudig begrüßt. Betroffen bemerkt er ihre Verstörtheit. Lohengrin erscheint. Zunächst legt er Rechenschaft ab, warum er Telramund getötet hat.  Dann erhebt er Anklage gegen Elsa, die ihr Gelübte gebrochen und die verbotenen Fragen gestellt habe. Nun könnte er nicht länger verweilen, dürfte die Trabanter auch nicht ins Feld führen. Bevor er sie aber verlasse, wolle er sein Geheimnis enthüllen.  

Nun bringt Lohengrin zwei Klagen vor: Die erste Klage , daß er Telramund erschlug, zum anderen sollt ihr Klage hören , daß zum Verrat an mir ließ sich betören das Weib, das Gott mir anvertraut. Und da sagt der König: " Elsa, wie konntest du dich so vergeh'n!"

"Und  wehe", rufen die Frauen , und die Männer: " Elsa, wie konnte das geschehen."

Und Lohengrin spricht dann immer strenger : " Ihr hörtet alle, wie sie mir versprochen, daß nie sie wollt erfahren, wer ich bin. Nun hat sie ihren teuren Schwur gebrochen. Treulosen Rat gab sie ihr Herz dahin. Zu lohnen ihres Zweifels wildem Fragen sei nun die Antwort länger nicht gespart. Des Feindes Drängen durfte ich sie versagen, nun muß ich künden, wie mein Nam' und Art. Er sei gesandt vom Gral, dessen Ritter stets helfend eingreifen wollen, die aber ihr gutes Werk nur zu Ende führen dürfen,  so lange sie unerkannt bleiben .

Mein Vater ist Parzifal und trägt die Krone des Grals,  sein Ritter ich bin, Lohengrin genannt.

Im fernen Lande - unnahbar euren Schritten - liegt eine Burg, die Montsalvat genannt wird.

Das ferne Land, von dem hier die Rede ist, ist der Himmel, das Reich Gottes, unnahbar den menschlichen Schritten. Kein Geborener, kein Geschaffener, kann sich dieser Burg nähern.

Es ist eine Ritterburg und stellt das Innerste des Himmels dar. Ein lichter Tempel steht dort inmitten, so kostbar, wie auf Erden nicht bekannt. Der lichte Tempel symbolisiert die Stadt Gottes, das neue Jerusalem nach der Johannesoffenbarung.  Andererseits das Innerste im Herzen Gottes. Und darin ist ein Gefäß vom wundertätigem Segen. Es wird dort als höchstes Heiligtum bewacht. Das Gefäß vom wundertätigem Segen ist der Gral oder das Herz Gottes.

Alljährlich naht vom Himmel eine Taube, um neu zu stärken seine Wunderkraft ; es heißt der Gral und selig reinster Glaube erteilt durch ihn sich seiner Ritterschaft, wer nun dem Gral zu dienen ist erkoren, den rüstet er mit überirdischer Macht; an dem ist jedes Bösen Trug verloren, wenn ihn er sieht, weicht dem des Todes Nacht. Selbst wer von ihm ins ferne Land entsendet, zum Streiter für die Tugend Recht ernannt, dem wird nicht seine heil'ge Kraft entwendet, bleibt als sein Ritter dort er unerkannt. So hehrer Art doch ist des Grales Segen, enthüllt - muß er des Laien Auge fliehn; des Ritters drum sollt Zweifel ihr nicht hegen.  

Früher gab es Gralsritter, die sich berufen fühlten, u.a. auch Parzifal, den Gral zu hüten. Im Mittelalter zogen die Ritter aus, um den Gral zu entdecken. Sie suchten ihn äußerlich. Er ist aber in uns . Der Gral ist das Herz in uns, das seelisch-geistige Herz, das die Segnungen des heiligen Geistes , von Gott kommend, in sich aufnehmen kann . Jesus nennt dies durch Jakob Lorber ein positives Bläschen im Herzen, das die pure Essenz der Gottliebe am Tage der Eingeburt aufnimmt.

Lohengrin ist der göttliche Liebegeist. Dieser Name ist bedeutungsvoll. Er setzt sich zusammen aus " Lohe" und "grin" . Lohe ist der altgermanische Name für Feuer. Unter Lohengrin soll also das Feuer der göttlichen Liebe verstanden werden, die am Tage der Eingeburt in den Geist der Menschenseele eingelegt wird. Diese Lohe soll grünen, ausgedrückt durch die Silbe "grin". Lohengrin, das Feuer der göttlichen Liebe soll zum Grünen kommen. Aber wenn die Seele noch so unreif ist und eigenbegehrlich Gottliebe in sich spüren will , da muß sich der heilige Gottgeist wieder zurückziehen und warten bis die Seele durch ihren Opfertod der Liebe  die Gottgleichheit erlangt hat , durch die Kreuzigung ihrer  selbst..  Wer das Leben liebt, wird es verlieren ! Wer aber sein Leben hingibt, der wird es bekommen. So muß die Seele Elsa warten, bis die Seele die gottgleiche Liebe besitzt, die gottgleiche Liebesreife !  Deshalb ist auch Elsas Verzweiflung umsonst. Und schon taucht der Schwan mit dem Nachen auf, den säumigen Lohengrin wieder zurückzubringen in die Burg, in die Bereiche, wie er ja zu Beginn der Gralserzählung sagte, die unnahbar euren Schritten ist. Dorthin muß Lohengrin wieder entführt werden, zurück in die Urheimat des Göttlichen. Und das geschieht in unserem Herzen. Dieses Zurückweichen fühlen wir Menschen dann so, daß der Gläubige sagt: " Ich spüre jetzt von Gott überhaupt nichts, wo ist mein Gott, wo ist mein Jesus, den ich am Tage der Eingeburt in solch flammender Liebe erleben , fühlen durfte, im Körperlichen sogar. Wo ist er ?"  Da sagt uns der Herr im Weg zur Wiedergeburt durch Jakob Lorber : " Und wenn der Gottgeist aus meiner Liebe sich in eurem Geiste gießt und da hinausflutet in die reinere Seele , dann kann er doch nicht in der reinen Seele bleiben, weil es dort noch fremde Gäste gibt. Dort ist noch das Eigenliebige der Menschenseele. Und da zieht sich der Geist zurück."  

 So auch hier in der Oper.  

Es ist erschütternd ! Und Lohengrin sagt noch: "Was rissest du nun mein Geheimnis ein, jetzt muß ich, ach, von dir geschieden sein. Ich muß, ich muß, mein süßes Weib ! Schon zürnt der Gral, daß ich ihm ferne bleib. Getrennt, geschieden sollen wir uns sehen. Dies muß die Strafe , dies die Sühne sein ! Des Grals Ritter, habt ihr ihn erkannt, dann ist die Zeit, daß er von euch muß geh'n!"                                                            

Und dann singt Lohengrin sein Abschiedslied :  

Mein lieber Schwan .. und verkündet darin das Glück, welches er mit Elsa hätte erleben können, wenn ihm die verbotene Frage erspart geblieben wäre.   Lohengrin zum Schwan:  Mein lieber Schwan ! Ach diese letzte, traur'ge Fahrt,  wie gern hätt ich sie dir erspart ! In einem Jahr, wenn deine Zeit  im Dienst  zu Ende sollte gehn - dann durch des Grales Macht befreit,  wollt ich dich anders wieder sehn !      Zu Elsa : O Elsa ! Nur ein Jahr an deiner Seite hatt' ich als Zeuge deines Glückes ersehnt ! Dann kehrte, selig in des Grals Geleite, dein Bruder wieder, den du tot erwähnt.  Kommt er dann heim, wenn ich ihm fern im Leben,  dies Horn, dies Schwert, den Ring sollst du ihm geben. Dies Horn soll in Gefahr ihm Hilfe schenken, im wilden Kampf dies Schwert      ihm Sieg verleiht, doch bei dem Ringe soll er mein gedenken, der einst auch dich aus Schmach und Not befreit !  Leb wohl, leb wohl, mein süßes Weib !  

Dies Horn, dies Schwert, diesen Ring soll Gottfried, der Erbe von Brabant erhalten, den alle tot geglaubt haben. Das Horn ist die göttliche Liebe, das Schwert ist das göttliche Wort und der Ring ist die treue Verbindung der ehelichen Liebe , in der der Herr der Bräutigam ist und die Seele die Braut. Und so verläßt er Elsa. So zieht sich der Gottgeist völlig in die heimliche Kammer der Burg Montsalvat zurück und die Seele ist wieder allein.  

In diesem Augenblick triumphiert Ortrud, die selbstsüchtige Eigenliebe, das Teuflische in der Menschenseele und ruft : " Fahr heim, du stolzer Held, daß ich jubelnd der Törin (Elsa) melde, wer dich gezogen in dem Kahn. Am Kettlein, das ich um ihn wandt, ersah ich wohl, wer dieser Schwan ! Es ist der Erbe von Brabant ", der verzauberte Bruder Elsas, den Ortrud ja verzaubert hat.

Der Herzog Gottfried, der Bruder Elsas, stellt aber das verlorene Gottbewußtsein in der Menschenseele dar. Gottfried, der Friede Gottes in der Seele des Menschen, der Totgeglaubte. Jetzt gesteht Ortrud ein, daß sie Elsas Bruder verzaubert hatte, der nun nie mehr erlöst werden könnte. Über dieses Ortrud-Geständnis sind alle entrüstet und da versinkt Lohengrin in ein kurzes Gebet. Die weiße Gralstaube sinkt über seinen Nachen nieder, der verzauberte Schwan taucht unter und an seiner Stelle hebt  Lohengrin den jungen Herzog  Gottfried aus dem Fluß. Dann erst steigt Lohengrin in den Nachen, den nun die Taube als Sinnbild des heiligen Geistes mit sich fortzieht. Während die Brabanter  ihrem jungen Herzog huldigen, sinkt Elsa entseelt zu Boden.  

Da nun die menschlich rein gewordene Seele Elsa all ihre Liebe durch ihr Sterben zum Opfer bringt,  wird das Gottbewußtsein, Herzog Gottfried , also der Friede Gottes aus dem Wasser gezogen. Die göttliche Wahrheit des Wortes oder das Wasser erlöst so den Menschen aus seiner satanischen Verknüpfung. Die Gnade Jesu Christi unseres Gottes und Vaters steht über dem Gesetz. Und da endet die Oper. Elsa ist entseelt, tot sinkt sie hin. Ihr letzter Ruf war : " Mein Gatte, mein Gatte !"                 

Und so wird der Friede Gottes unser weiterer Führer in jenseitigen Zuständen. Die Seele hat hier auf Erden nicht das Höchste gewagt. Sie konnte das Versprechen nicht halten und muß darum noch einmal den Tod erleiden, sterben, um drüben im Jenseits ihren Lohengrin zu finden. Der Wahn ist kurz, die Reue lang !  

Abschlußworte zu Lohengrin :  

Wir Erdenmenschen erkennen den Wert des irdischen Lebens leider oft zu spät !

Wir wollen von unserem Lohengrin die Frage beantwortet haben, wissenschaftlich erkennen, was gläubige Liebe längst empfinden kann, in der Tiefe des Herzens : Das Geheimnis vom Gral, das Geheimnis, daß der Mensch-gewordene Gott der Liebe vor 2000 Jahren sein Herzblut für uns opferte, für dich und mich und alle, die an ihn glauben können. Dieser Lohengrin kommt zu Dir und mir und allen und will sie aus den irdischen Bereichen locken.

Das Jahr der Erprobung und Bewährung ist unser irdisches Leben, unser Leben hier auf dieser Erde, das so wenige im rechten Maße bestehen. Und das ist doch wirklich schade und sehr , sehr traurig, daß wir den hohen Wert dieses Lebens nicht erkennen, sondern fragen und Zweifel bekommen, obwohl wir in diese Erdinkarnation gekommen sind, mit dem Versprechen an Gott und Vater, nie zu zweifeln, in all den Lebenslagen. Obwohl wir das wie die Elsa taten und versprachen, nicht zu fragen. Es genügt uns die Liebe, die lebendig aus dem Herzen quillt. Aus dem Herzen, in dem Lohengrin sein heiliges Gralsfeuer eingegossen hat.

So wollen wir erkennen und wir drängen nach dieser Erkenntnis und je mehr wir danach drängen, desto mehr muß sich die Liebe zurückziehen, bis sie völlig erkaltet ist und nicht mehr  wahrgenommen wird. Das ist der Abschied, wo die Taube den Nachen wieder entführt, der uns im Schwane die Liebe brachte.  

Es gibt noch viel Geheimnisse im Lohengrin, die auf Dich und mich warten. Sie werden in dieser Deutung nicht ausgesprochen. Warum werden sie nicht ausgesprochen ? Damit wir selbst das Geheimnis des Lohengrin entdecken dürfen . Das Geheimnis des Namens, der Art und Herkunft, von wannen unser Gralsritter zu uns kommt. Unser Gralsritter kommt aber dann, wenn wir am meisten von der Welt angegriffen und verfolgt werden, in den Versuchungen durch Telramund, unserem menschlichen Verstand, und durch unser eigenes Wissen, daß wir so selbstsicher aufgebaut haben.  Der große Held, er muß fallen. Die Versuchung kommt durch Ortrud, die selbstsüchtige Eigenliebe, die Gattin des menschlichen Verstandes, das selbstsüchtige Wollen des Menschen, das sich von Dämonen und luziferischen Bereichen in ein anderes Wollen zwingen läßt und Knecht der Sünde wird. Denn nur die sind frei, die den freien Willen Gottes, ihres Vaters zulassen. Ja, diese beiden versuchen  unsere Elsa von Brabant, den reineren und besseren Teil unserer Seele. Bei den meisten Menschen bringen sie die Seele zu Fall, zum Sündenfall, wie dies auch an unserer Elsa geschehen ist. Aber wir haben einen Trost : Der Lohengrin , der die Seele verläßt, kommt wieder, in einer neueren Bewußtseinsebene, die drüben sein kann, im Jenseits, oder auch hier bereits auf dieser Erde.  

Es wäre schade, wenn die tiefen Geheimnisse der Gralserzählung und dessen, was uns Lohengrin zu sagen hat, vergessen werden. Mit der Hilfe unseres Herrn, unseres Gottes und Vaters wird unser göttlicher Geburtsgeist und Liebegeist in uns, der hier durch Lohengrin vorgebildet war, die Freuden des Himmels erschließen und wird unsere Seele reifen lassen zur ewigen Geburt in unserem Gott  und Vater.  

Bearbeitung und Niederschrift einer von Karl Dvorak erstellten Musik-Kassette von Annemarie und Lothar Broß

  Gesamter Text von Lohngrin

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  http://videos.arte.tv/de/videos/live-aus-der-mailaender-scala-lohengrin--7105828.html