FIDELIO    von  Ludwig von Beethoven 

Christliche Entsprechungsdeutung  von  Karl  Dvorak

 

Personen und ihre Bedeutung 

Leonore                     Der Geburtsgeist

Florestan                   Der Urichgeist

Rocco                         Das menschliche Selbstbewußtsein, das Gott zugewendet ist.

Don Pizarro               Das Böse im Menschen

Don Fernando            Engelshelfer

Marzelline                  Die Glaubensliebe des Menschen

Jaquino                       Der Glaubensverstand des Menschen

 

Einleitende Bemerkungen : 

Fidelio heißt zu deutsch  die Treue. Die Oper hat zwei Aufzüge mit einem ais dem  Französischen kommenden Text, übersetzt von Josef Ferdinand  Sunleitner und Georg Friedrich Treitschke. In dieser Oper wird durch Text, Inhalt und Musik die Treue einer Gattin dargestellt, die ihren Gatten, der zu Unrecht im Gefängnis schmachtet, unter Einsatz ihrer ganzen Persönlichkeit befreit.  Wir wollen die Oper in der Art der ehelichen Liebe, der Dualliebe deuten. 

Inhalt des 1. Aufzuges 

Wir befinden uns im Zimmer des Rocco. Rocco ist Kerkermeister in einem großen Strafgefängnis . Der Pförtner der Strafanstalt, Jaquino, ist in die Tochter des Rocco, Marzelline,

verliebt. Marzelline hat sich aber in Fidelio verliebt. Fidelio ist  die verkleidete Leonore, die Gattin des Florestan, der im Gefängnis  als Strafgefangener in Einzelhaft festgehalten wird.

Leonore hat sich in einen Mann verkleidet, sich als Hilfsdiener im Gefängnis verpflichten lassen , um in dieser Rolle ihren Mann befreien zu können. Marzelline hat nicht erkannt, dass Fidelio nur eine in einen Mann verkleidete Frau ist.

Der verliebte Jaquino sucht das Jawort Marzellines abzugewinnen. Marzellnes Herz gehört aber nur noch Fidelio. Jaquino wird in seinem ungestümen Werben durch ein Klopfen an der Tür unterbrochen. Er  öffnet, Rocco kommt mit Fidelio herein. Sein junger Gehilfe gefällt ihm nämlich. Er ist durchaus bereit, Fidelio zu seinem Schwiegersohn zu machen.  Leonore bittet Rocco, ihr sein volles Vertrauen zu schenken  und bei der Befreiung aller gefangenen zu helfen. Rocco sagt zu. Nur zu einem Gafangenen könne er Fidelio nicht mitnehmen.

Dieser würde wohl auch nicht mehr lange leben, da er auf Befehl des Gouverneurs kaum noch zu essen bekäme. Leonore ahnt, daß dieser Unglückliche ihr Mann Florestan ist.  

Die Szene wechselt. Wir sehen den Gefängnishof. Pizarro, der Gouverneur der Strafanstalt, wird durch einen Brief gewarnt, daß der Minister Don Fernando überraschend die Gefängnisse kontrollieren wird. Pizarro  bleibt nichts anderes übrig als seinen Feind Florestan töten zu lassen, damit ihn Don Fernando im Gefängnis nicht entdeckt. Rocco weigert sich, Florestan zu ermorden. Pizarro beschließt deswegen, Florestan selbst zu erdolchen.

Rocco soll in Florestans Verließ ein Grab schaufeln, um dort die Leiche verscharren zu können.

Leonore befallen schreckliche Ahnungen. Auf ihrer Bitte läßt Rocco die Kerker öffnen und die Gefangenen in den Gefängnishof herauskommen. Fidelio ist tief enttäuscht als sie bemerkt, daß sich Florestan nicht darunter befindet. Rocco verspricht ihr, sie zu dem Gefangenen mitzunehmen, da er wohl noch heute sterben müsse. Pizarro tritt auf. Er ist empört, daß sich die Gefangenen im Gefängnishof befinden. Rocco kann ihn wieder besänftigen. 

Geistige Entsprechungsdeutung 

Der Kerkermeister Rocco ist ein gutmütiger Mensch, der Gott gehorsam sein will.

Gutmütig und gehorsam ist er in Bezug auf die Menschheit.  In Bezug auf seine Person ist Rocco das menschliche Selbstbewußtsein, das Gott bereits zugewendet ist, an ihn glaubt und ihm gehorsam sein will.

Marzelline ist die Glaubensliebe des Menschen, der Pförtner Jaquino der Glaubensverstand. Jaquino, der Glaubensverstand ist in Marzelline, die Glaubensliebe verliebt. Es muß ja ein Liebesverhältnis zwischen Verstand und Liebe bestehen, will der Mensch ein liebender Mensch sein. Jaquino will deswegen Marzelline seine Liebe klarmachen. Marzelline hat sich aber heimlich in Fidelio verliebt und will ihn deswegen nicht erhören. Sie ist als die Glaubensliebe in  eine besondere Liebe zu der Liebestreue in Fidelio gefallen, zumal Leonore als Dual des Florestan in der Entsprechungsdeutung die Mutter der Seele oder die Kirche Gottes im Herzen des Menschen oder der mütterliche Gottgeit, die göttliche Liebe oder der Wille darstellt.  Ihre Ausrichtung gibt das 3. Quartett in dem 1. Aufzug wieder : 

Marzelline für sich : Mir ist so wunderbar, es engt das Herz mir ein; er liebt mich, es ist klar, ich werde glücklich sein. 

Marzelline deutet die göttliche Liebe Leonores falsch.

Leonore für sich :   Wie groß ist die Gefahr, wie schwach der Hoffnung Schein ! Sie liebt mich, es ist klar , o namenlose Pein. 

Leonore erkennt, daß Marzelline in sie verliebt ist. Sie kennt auch die Gefahr, die ihrem Gatten begegnen wird. 

Rocco für sich: Sie liebt ihn, es ist klar, ja Mädchen , er wird dein ! Ein gutes , junges Paar , sie werden glücklich sein ! 

Die Verwirrung ist komplett, Rocco glaubt, daß Leonore und Marzelline ein Paar werden. Dies ist aber unmöglich und Jaquino, der leerausgeht, sagt für sich : 

Mir sträubt sich schon das Haar, der Vater willigt ein, mir wird so wunderbar , mir fällt kein Mittel ein!                                                          

Jaquino ist verzweifelt. Er sieht, daß seine Liebe endet, weil sie nicht angenommen wird. Alle, bis auf Leonore, die klarer sieht, sind betört. Für alle arbeitet die Zeit, die alles klären wird. 

Rocco und Leonore begeben sich in die unteren Gefängnisräume. Rocco macht Leonore Mut, denn Kerkermeister zu sein ist eine schwere Aufgabe. Rocco, der das menschliche Selbstbewußtsein darstellt , das schon Gott zugewandt ist, somit den göttlichen  Glauben und Gehorsam symbolisiert, geht mit Leonore in die tieferen Schichten seines Bewußtseins ein.

Leonore ist der mütterliche Gottgeist im Menschen, die göttliche Liebe oder der göttliche Wille , die treue Liebe, die alles versucht, mit dem äußeren Gehorsam des Menschen in die Tiefen der Seele einzudringen , um sie zu läutern.  In Bezug auf die Dualität ist zu bemerken, daß Leonore das weibliche Dual des Florestan ist. Rocco ist der gutmütige Mensch, der Gott gehorsam ist und seinen Willen für den Gehorsam einsetzt. Marzelline ist der gutmütige Mensch, der für die göttliche Nächstenliebe offen ist und sich in die göttliche Treue verliebt,

während Jaquino der gutmütige Mensch  ist, der für die Wahrheit in der Nächstenliebe offen ist,

weshalb er sich auch in Marzelline verliebt. 

Ihre Aussprache hören wir im 5. Terzett :                      

Rocco :Gut, Söhnchen, hab immer Mut, dann wird´s dir auch gelingen ; das Herz wird hart durch Gegenwart, bei fürchterlichen Dingen. 

Leonore : Ich habe Mut ! Mit kaltem Blut will ich hinab mich wagen; für hohen Lohn kann Liebe schon auch hohe Leiden tragen. 

Marzelline: Dein gutes Herz wird manchen Schmerz in diesen 

Grüften leiden ; dann kehrt zurück der Liebe Glück und unnennbare

Freuden.

Rocco :Du wirst dein Glück ganz sicher bauen.

Leonore :Ich hab auf Gott und Recht Vertrauen.

Marzelline: Du darfst mir auch in´s Auge schauen; der Liebe Macht

ist auch nicht klein. Ja, a wir werden glücklich sein.

Leonore: Ja,ja, ich kann noch glücklich sein.

Rocco :Ja, ja, ihr werdet glücklich sein. der Gouverneur ...der

Gouverneur soll heut erlauben, daß du mir die Arbeit teilst.

Leonore  :Du wirst mir alle Ruhe rauben, wenn du auch nur bis morgen weilst.

Marzelline :Ja, guter Vater, bitt´ich heute, in kurzem sind wir dann ein Paar.

Rocco :Ich bin ja bald des Grabes Beute, ich brauche Hülf´, es ist ja wahr.

Leonore:    Wie lang´bin ich des Kummers Beute ! Du, Hoffnung, reichst mir Labung dar.

MarzellineAch, lieber Vater, was fällt euch ein ? Lang Freund und

Rater müßt ihr uns sein.

Rocco : Nur auf der Hut, dann geht es gut, gestillt wird euer Sehnen.

Marzelline :O habe Mut, o welche Glut ! O welch ein tiefes Sehnen !

Leonore : Ihr seid so gut, ihr macht mir Mut, gestillt wird bald mein Sehnen !

Rocco: Gebt euch die Hand und schließt das Band in süßen Freudentränen.

Leonore : Ich gab die Hand zum süßen Band, es kostet bitt´re Tränen.

Marzelline : Ein festes Band mit Herz und Hand ! O süße, süße Tränen . 

Marzelline natürlich bezieht dieses Bekenntnis auf sich, aber Fidelio kann als Frau kein Mann für Marzelline sein, sondern ihre Treue will ihren Florestan befreien. Und so nimmt jeder,  hauptsächlich Marzelline die Aussprüche Leonores für sich. 

Pizarro tritt auf, der Gouverneur der Strafanstalt, der in Bezug auf die Menschheit die Seele von unten bezeichnet, den inkarnierten Teufel, den Bösewicht. Im Menschen selbst bedeutet er das Böse, das  Satanische, das Luziferische, das Flalsche und die menschliche Selbstliebe . Dieser Pizarro will nun als Seele von unten seinen Erbfeind Florestan beseitigen, töten.

Florestan ist das männliche Dual von Leonore.  In der Marschmusik hören wir im gewissen  Sinne die rechthaberischen Gedanken des Pizarro heraus, auch das Kriegerische, das  Satanische, das ja das Gute im Menschen beseitigen will, nämlich Florestan, das männliche Dual Leonores. Es ist dies der Marsch der aufziehenden Schildwache  in Begleitung des Gouverneurs. Leonore erkennt aber die Absicht des Pizarro . Dies hören wir im 8. Auftritt in der Nr. 9 des Rezitativ und der Arie.  Leonore versucht zu verhindern, daß Pizarro als Teufel seine Absicht realsiert und Florestan tötet. Er will ihn töten, weil er ihm einmal die Wahrheit sagte.  Als Dual Leonores  konnte  er Pizarro seine niederen Triebe entdecken  und die Hölle kann nie ertragen, wenn sie entlarvt wird. Dann  sagt sie die Feindschaft an. Leonore durchschaut dies  und erkennt als mütterlicher Gottgeist, wo das Satanische und Höllische einsetzt.  

Nr. 9 : Rezitativ und Arie 

Leonore tritt in heftiger innerer Bewegung auf und sieht den Abgehenden mit steigender Unruhe nach :

Abscheulicher ! Wo eilst du hin ? Was hast du vor in wildem Grimme ? Des Mitleids Ruf, der Menschen Stimme, rührt nichts mehr deinen Tigersinn !

Doch toben auch wie Meereswogen dir in der Seele Zorn und Wut, so leuchtet mir ein Farbenbogen, der hell auf dunklen Wolken ruht. Der blickt so still, so friedlich nieder, der spiegelt alte Zeiten wieder, und neu besänftigt wallt mein Blut. Komm Hoffnung, laß den letzten Stern der Müden nicht erbleichen ! O komm, erhelle mein Ziel, sei´s noch so fern, o komm, die Liebe wird´s erreichen. Ich folg dem inner´n Triebe, ich wanke nicht, mich stärkt die Pflicht der treuen Gattenliebe !

O du, für den ich alles trug, könnt´ich zur Stelle dringen, wo Bosheit dich in Fesseln schlug, und süßen Trost dir bringen !

Ich folg´ dem inner´n Triebe, ich wanke nicht, mich stärkt die Pflicht der treuen Gattenliebe ! 

Die treue Gattenliebe kommt hier zu einem meisterlichen Ausdruck. Soweit der Schwur Leonores , die auch das durchführt und alles aufbietet, um ihren Gatten zu befreien. Das kann auch Pizarro, das Böse im Menschen , nicht verhindern. Die Dualliebe wird siegen, wie wir später erfahren. Wie kaum in einer anderen Oper wird die Gattentreue besungen.

Den anderen Gefangenen wird vergönnt, die freie Luft zu atmen. Die Gefangenen sind im Dualgeschehen die Weltseelen, die aufgrund ihres Erbbösen noch nicht fähig sind, sich in die Freiheit einer selbstverwirklichten Geistigkeit ohne fremde Hilfe von außen zu erheben. In Bezug auf unser Inneres sind es die Nachwesen , die noch im Fleische gefangen liegen und erst durch den Geist befreit werden können.  

Gefangenenchor im 10.  Auftritt 

O welche Lust ! In freier Luft den Atem leicht zu heben ! Nur hier, nur hier ist Leben, der Kerker eine Gruft . Wir wollen mit Vertrauen auf Gottes Hilfe bauen. Die Hoffnung flüstert sanft mir zu : wir werden frei, wir finden Ruh ! O Himmel ! Rettung ! Welch ein Glück! O Freiheit, Freiheit, kehrst du zurück ? Sprecht leise, haltet euch zurück ! Wir sind belauscht mit Ohr u. Blick! 

Im Chor der Gefangenen wird die Freude ausgedrückt, die sich einstellt, wenn frische Luft geatmet werden kann. Auf Anraten Leonores hat Rocco dies veranlaßt. Sie hoffte Florestan zu entdecken. Florestan ist der göttliche Geist der Seele, der Mann der Seele, der sogenannte Urichgeist und Leonore ist der Geburtsgeist. Beide erleben wir in uns selbst, auch Pizarro, das selbstsüchtige Ego, das in uns triebhaft herrschen will und allen göttlichen Einfluß  bekämpft, ihn töten will. Durch die Gattentreue Leonores , also mit Hilfe des  Geburtsgeistes kann der göttliche Geist der neuen Schöpfung, der Urichgeist im Menschen erwachen, wie wir erleben  und das Böse kann gefesselt werden. 

Inhalt des 2. Aufzuges 

Wir sehen einen unterirdischen Kerker, in dem Florestan in Fesseln halbverhungert liegt. In einer Fieberphantasie glaubt er Leonore zu sehen, die ihn befreien will. Ohnmächtig bricht er  zusammen. Rocco und Leonore steigen in die Gruft hinab und beginnen, das Grab für Florestan zu schaufeln. Florestan erwacht aus seiner Ohnmacht und bittet um Wasser und Brot.

Nun erkennt ihn Leonore. Mühsam reißt sie sich zusammen. Noch darf sie ihn nicht verraten. Rocco gestattet ihr , dem Unglücklichen etwas Brot und Wein zu geben. Pizarro tritt auf. Bevor er den Dolch erhebt, gibt er sich Florestan zu erkennen. Leonore wirft sich dazwischen. Pizarro versucht den vermeintlichen Jüngling fortzudrängen. Er scheut auch keinen  Doppelmord, nachdem sich Leonore mit einem Schrei zu erkennen gab :“Töt erst sein Weib!“ Leonore zieht eine Pistole. Da erschallt ein Trompetensignal, das den Minister ankündigt. Pizarro muß ihm entgegeneilen . Allein geblieben preisen Florestan und Leonore ihr großes Glück , ihre namenlose Freude, endlich wieder vereint zu sein. Die Duale haben sich gefunden. 

In der nächsten Szene sehen wir den Platz vor dem Gefängnis. Der Minister schenkt den Gefangenen im Namen des Königs die Freiheit. Der Minister ist Don Fernando , ein Freund Florestans . Erschütternd erkennt er in Florestan seinen längst tot geglaubten Freund. Er  erfährt von Rocco Leonores heldenhaftes Verhalten. Ihr allein soll es deswegen vorbehalten bleiben, Den Gatten von den Fesseln zu lösen. Pizarro wird von den Wachen abgeführt. Ergriffen und begeistert stimmen alle das Preislied der Gattenliebe an . Damit endet diese wunderbare Oper. 

Innere Entsprechungsdeutung 

Der unterste Kerker entspricht dem Innersten des Menschen, in dem der göttliche Urichgeist gefangen liegt. Dies ist die Hierarchie des Bösen, des Teufels, symbolisiert durch Pizarro, der  Florestan, der den göttlichen Urichgeist symbolisiert , gefangen genommen hat. Der Urichgeist kann nur durch den Geburtsgeist , symbolisiert durch Leonore befreit werden. Sie ist das Weibliche des Gottgeistes. Sie ist der Liebewille, der nun den göttlichen Verstand erlösen will. Sie schafft es nicht allein. Don Fernando. der Minister , ist eine Seele von oben, der für  Gerechtigkeit und Ordnung sorgt. Im Dualgeschehen ist er ein Helfer in der Not. In Bezug auf unser Innerstes stellt er stellt er einen Engelsboten oder Geistführer dar.  

Wegen der angekündigten Inspektion sieht sich Pizarro genötigt, Florestan zuvor zu töten. Rocco verweigert den Tötungsbefehl .  

Der Hauptmann, die Offiziere und die Soldaten sind im Dualgeschehen Weltseelen, die für  alles zu haben sind, für das Gute und für das Böse . Sie verhalten sich neutral , wie die große  Masse , die Hosianna schreit und gleich darauf : „An das Kreuz mit ihm !“  In Bezug auf unser Inneres sind sie dienstbare Geister , die ebnenfalls für jeden Dienst zu gebrauchen sind. Diese dienstbaren Geister werden Gestalter aus unserem eigenen Denken und  Wollen .  

Für das Dualpaar naht die Entscheidung. Entweder gelingt es dem göttlichen Geburtsgeist, den Urichgeist zu befreien, ihn also zum Führer der Seele zu machen, oder das Böse, die Selbstliebe, beherrscht durch die Tötung des Urichgeistes weiter die Seele.  In der Oper Fidelio erweist sich die Gattentreue als Sieger. 

Leonore kann den Urichgeist entbinden und Pizarro gefangen nehmen lassen. Dies ist die eigentliche Aufgabe aller Frauen. Das männliche Dual kann vom weiblichen Dual aus der Umklammerung des Satanischen befreit werden, in das er sich in der Regel durch sein weltliches Leben verstrickt. 

Deswegen sagt uns der Herr durch Jakob Lorber , daß eine Zeit kommen wird, in der er seine Strahlen im Weibe sammeln werde, um die erloschene Sonne im Manne zu erleuchten (Haushaltung Gottes , Bd. 3, Kap. 30, Vers 20, Robert Blum Bd. 1, Kap 93, Vers8).

„Ein Weib war es, das die Geister ins Verderben stürzte und wieder wird es dereinst ein Weib sein , aus der der Welt eine große Gnade gegeben wird . Und am Ende wird es ein Weib  geben, durch das die Welt gerichtet werden soll.  Von der Erkenntnis dieses Weibes wird es  abhängen, ob zum Leben oder zum Tode. Dieses Weib wird in der Oper Fidelio durch Leonore  vorgebildet . Ihre Erkenntnis, d.h. der Geburtsgeist befreit den Urichgeist und Pizarro wird in  Fesseln geschlagen. Dies ist das hohe Lied der ehelichen Liebe. Hier wird die Dualliebe besungen und die Wiedergeburt durch den neuen Geist eingeleitet, durch die Freigabe des neuen Geistes ,, hier durch Florestan symbolisiert , der neue Geist aus Gott. 

Die Einlegung dieses neuen Geistes wird durch die Musik symbolisiert, die ertönt als Leonore in der Kerker eintritt, sich beide erkennen und verbinden : 

Florestan liegt in Ketten, ausgehungert, gefesselt, nahe dem Tode. Er ahnt die Annäherung seines Duals, die ihm Rettung und Freiheit bringt. Dieses Eindringen in den Kerker erleben wir bei der Begegnung mit unserem Dual. Die Frau wird es sein, die dem gebundenen Mann die Fesseln löst. Denn von ihrer Erkenntnis hängt es ab, ob der Mann befreit wird. Dies erleben wir in der Musik, das Hinuntersteigen in die tiefen Seelenschichten. Der gewaltsame  Durchbruch , die Erinnerung des Urichgeistes an seine göttliche Abkunft, an seinen Zustand  in Gott selbst. All dies wird in der Musik ausgedrückt.  Hier erleben wir, wie der Kampf ausgetragen wird , der Kampf zwischen Pizarro und Florestan, dem Ego des Menschen und dem wahren Gottichen in seiner Brust. Florestan singt in der Arie Nr. 11 : 

Gott ! Welch Dunkel hier ! O grauenvolle Stille ! Öd´ist es um mich her ; nichts lebet außer mir, O schwere Prüfung ! Doch gerecht ist Gottes Wille ! Ich murre nicht ! Das Maß der Leiden steht bei dir. In des Lebes Frühlingstagen ist das Glück von mir gefloh´n. Wahrheit wagt´ ich kühn zu sagen, und die Ketten sind mein Lohn. Willig duld ich alle Schmerzen, ende schmählich meine Bahn; süßer Trost in meinem Herzen : meine Pflicht hab ich getan ! 

Hier erinnert sich Florestan an seinen Zustand im Innergöttlichen, den er nun aufgeben muß, um die Gesamtseele zu retten Oder der Mann erinnert sich an seine Liebe zu seiner Gattin, wie wir es nun erleben: 

Und spür ich nicht linde, sanftsäuselnde Luft ? Und ist nicht mein Grab mir erhellet ? Ich seh´   wie ein Engel im rosigen Duft sich tröstend zur Seite mir stellet. Ein Engel, Leonoren, der Gattin so gleich, der führt mich zur Freiheit, ins himmlische Reich !  

Nun tritt das Weib in die Sphäre des Mannes  hinein,  im Jubel wird erkannt, im hohen Jubel der Freude finden sich die Duale. Leonore reicht Florestan Brot und Wein, durch ihre Liebe getränkt, und Rocco gestattet dies. Alle Erkenntnisse Leonores, des Geburtsgeistes, die er durch den Kopfverstand empfangen hat, werden an dem Urichgeist , Florestan , abgegeben . Dadurch wird der Urichgeist belebt und im 13. Terzett dankt Florestan den vermeintlichen Kerkerdienern für die Speise und für den Trank..                                  

Rocco leise zu Leonore : Ich lab´ ihn gern, den armen Mann, es ist ja bald um ihn getan.

Leonore für sich: Wie heftig pochet dieses Herz ! Es wogt in Freud und scharfem Schmerz.

Florestan für sich : Bewegt seh ich den Jüngling hier, und Rührung zeigt auch dieser Mann, o Gott, du sendest Hoffnung mir, daß ich sie noch gewinnen kann.

Leonore für sich : Wie heftig pochet dieses Herz, die heere, bange Stunde winkt, die Tod mir oder Rettung bringt.

Rocco für sich : Ich tu´, was meine Pflicht gebeut, doch haß ich alle Grausamkeit.

Leonore leise zu Rocco : Dies Stückchen Brot, ja, seit zwei Tagen, trag´ ich es immer schon bei mir.

Rocco: Ich möchte gern, doch sag´ ich dir, das hieße wirklich zu viel wagen.

Leonore: Ach ! Ihr labtet gern den armen Mann.

Rocco              Das geht nicht an, das geht nicht an .

Leonore            Es ist ja bald um ihn getan !

Rocco              So sei es, ja, du kannst es wagen !

Leonore            Da nimm das Brot, du armer Mann !

Florestan , Leonores Hand ergreifend und  an sich drückend : O, Dank dir, Dank ! O Dank ! Euch werde Lohn  in besser´n Welten ! Der Himmel hat euch mir geschickt. O Dank ! Ihr habt mich süß erquickt.

Leonore : Der Himmel schicke Rettung dir, dann wird mir hoher Lohn gewährt.

Rocco :  Mich rührte oft dein Leiden hier, doch Hilfe war mir streng verwehrt.

Florestan : Bewegt seh´ ich den Jüngling hier, und Rührung zeigt auch dieser Mann, o wenn ich sie gewinnen kann !

Leonore :Ihr labt´t  ihn gern, den armen Mann !

Rocco  : Ich labt´ ihn gern den armen Mann , es ist ja bald um ihn getan... 

Rocco zu Leonore : Alles ist bereit. Ich gehe das Signal zu geben.

Leonore : O Gott, gib mir Mut und Stärke ! 

Rocco pfeift laut.

Florestan : Was ist das ?

Leonore : Sei ruhig , sag ich dir. Und was du auch hören und sehen magst, vergiß nicht, daß überall eine Vorsehung herrscht. Ja es gibt eine Vorsehung !                       

Gleich wird Pizarro auftreten, um den göttlichen Geist zu töten, der in Florestan vorgebildet ist.  

Wir erleben die Szene, in der sich Pizarro auf Florestan einstürmt und sagt:  

Er sterbe ! Doch er soll erst wissen, wes ihm sein stolzes Herz zerfleischt. Der Rache Dunkel sei zerrissen !  Sieh her !  Du hast mich nicht getäuscht ! Er schlägt den Mantel auf. Pizarro, den du stürzen wolltest ,  Pizarro, den du fürchten solltest, steht nun als Rächer hier. 

Pizarro zieht einen Dolch und will sich auf Florestan stürzen und ihn ermorden. Dies wird aber durch den tapferen Einsatz von Leonore verhindert. In dieser herrlichen  Szene stellt sich Leonore, ihr Leben preisgebend, schützend vor Florestan.  Leonore enthüllt  sich als Gattin Florestans . 

Pizarro:  Soll ich vor einem Weibe beben, so opfre ich beide meinem Grimm ! Geteilt hast du mit ihm das Leben, so teile nun den Tod mit ihm. 

Leonore zieht ihre versteckte Pistole und bedroht ihn.  Da erschallt  ein Trompetenhorn und kündet den Minister Don Fernando an. Die Engel kommen und verhindern den Sieg der Hölle.  Pizarro, das Ego muß sich geschlagen geben.

Don Fernando ist eine edle Seele von oben, die für Gerechtigkeit und Liebe sorgt. Hier ist er der Helfer in der Not, den Gott den Dualen schickt. In uns sind es Engelsboten oder Geistführer, die aus geistigen Ebenen zu uns kommen und dem göttlichen Geschehen in uns Hilfe leisten. Sie sind Führer und Lehrer, die auch von außen helfen können. 

Auch die Dankbarkeit des Florestan wird im 13. Terzett ausgedrückt. Diese Dankbarkeit steigt  zum äußeren Menschen auf, wenn er erlebt, daß sich der göttliche Geist bemerkbar macht oder wenn sich Duale finden. 

Leonore  und Florestan : O namenlose Freude !

Leonore:  Mein Mann an meiner Brust !

FlorestanAn Leonorens Brust !

Leonore und Florestan: Nach unnennbaren Leiden so übergroße Lust !

Leonore:   Du wieder nun in meinen Armen !

FlorestanO Gott ! Wie groß ist dein Erbarmen !

Beide:        O Dank dir, Gott, für diese Lust !

FlorestanO himmlisches Entzücken !  ... Leonore

Leonore :    Florestan !

Beide  :        O namenlose Freude, nach unnennbaren Leiden so übergroße Lust. 

Im inneren Sinne verbinden sich Geburtsgeist und Urichgeist, die Duale haben sich gefunden. Don Fernando erkennt seinen Freund Florestan und läßt Pizarro in Ketten abführen. Auch die Gefangenen werden befreit. Wir hören den berühmten Chor der Gefangenen und  den Jubel des Volkes . welche das Dualpaar begrüßen : 

Chor : Heil sei dem  Tag, heil sei der Stunde,    die lang ersehnt, doch unvermeint, Gerechtigkeit mit Huld im Bunde vor unseres Grabes Tor erscheint ! 

Nun setzt das neue , himmlische Leben ein, denn die Seele ist zur Wiedergeburt gereift. 

Chor : Wer ein holdes Weib errungen, stimm´ in unser´n Jubel ein. Nie wird es zu hoch besungen, Retterin des Gatten sein.

Florestan : Deine Treu´ erhielt mein Leben, Tugend schreckt den Bösewicht.

LeonoreLiebe führte mein Bestreben, wahre Liebe fürchtet nicht.

Chor   :  Preist mit hoher Freude Glut Leonores edlen Mut.

Flortestan und Chor: Wer ein solches Weib errungen, stimm in unser´n Jubel ein, Liebend sei es hoch besungen, Retterin des Gatten sein.

Leonore : Liebend ist es mir gelungen, dich aus Ketten zu befrei´n. Liebend sei es hoch besungen, Florestan ist wieder mein !

Marzelline, Jaquino, Don Fernando, Rocco Wer ein solches Weib errungen, stimm in unser´n  Jubel ein. Nie wird es zu hoch besungen, Retterin des Gatten sein. 

Hiermit endet die Oper Fidelio, die treue Gattenliebe, die uns aus dem Grabe herauslöst, als Mann und als Frau, als göttlichen Geist aus dem Grabe Satanas, in dem wir gefangen sind und bleiben, solange nicht die Liebe lebendig wird.