Vom Wesen der Musik

Peter Keune

Tagungsvortrag vom 27.10.2002

 

Alle Dinge der Schöpfung sind Ausdruck göttlicher Kräfte und entsprechen himmlischen Urbildern. Als Gott in der Urschöpfung Sein "Es werde" aussprach, waren es die Schwingungen dieses Wortes, welche das Licht hervorriefen. Das "Werde" (im lateinischen "Fiat") setzte ungeheure Kräfte in Form von Wellen in Gang, die letztendlich zu der gegenwärtigen Schöpfung führten. Wir bezeichnen diese Wellen auch als "Schwingungen", denn alles Geschaffene ist in Wirklichkeit Ausdruck einer bestimmten Schwingungsfrequenz, selbst die grobstoffliche Materie, die, wie wir aus der Physik wissen, aus Energiefeldern aufgebaut ist. Bei dem Phänomen "Licht" ist uns diese Tatsache ganz geläufig und wir wissen um das große Spektrum der sichtbaren und unsichtbaren Frequenzen und wissen, dass wir nur einen kleinen Bruchteil der ganzen Palette erfassen können. Dass uns die jenseitigen Welten unsichtbar sind, liegt an der Beschränktheit unserer Sinne, bzw. der Unmöglichkeit, diese Schwingungsebenen wahrzunehmen. In gleicher Weise verhält es sich mit den Tönen, aus deren umfangreichem Spektrum wir nur einen schmalen Ausschnitt vernehmen können. Schon die Hundepfeife lehrt uns das Wissen um höhere Frequenzen. In jüngster Zeit werden sogar den Himmelskörpern tonerzeugende Fähigkeiten zugeschrieben, was auch schon die alten Weisen behaupteten. Kepler (1571-1630), der zahlreiche Entdeckungen auf dem Gebiet der Astronomie gemacht hat, bezeichnete seine Entdeckung von den harmonikalen Gesetzen des Kosmos als die größte. Nach Kepler erzeugen die Himmelskörper unseres Sonnensystems jeweils Töne, die weitgehend der Tonleiter entsprechen. Es könnte demzufolge von einem "Himmelskonzert" gesprochen werden. Nur liegen die Schwingungen in solch' tiefen Bereichen, dass sie ohne Hilfsmittel für uns nicht hörbar sind. "Kepler beendete den Beweisgang mit einem Gebet, einem Dank an den Schöpfer; der die folgenden bezeichnenden Worte enthält: "Siehe, ich habe jetzt das Werk vollendet, zu dem ich mich bekenne. Ich habe dabei alle die Kräfte meines Geistes genutzt, die Du mir verliehen hast. Ich habe die Herrlichkeit Deiner Werke den Menschen, die meine Ausführungen lesen werden, geoffenbart, soviel von ihrem unendlichen Reichtum mein enger Verstand hat erfassen können "   ( Auszug aus dem Buch: "Keplers Weltharmonik heute", Rudolf Haase, Param 1989 in der Reihe: Esoterik des Abendlandes.)  

In dem sogenannten "Vorspiel" zu Goethes "Faust" werden diese Weltharmonien angesprochen. Dort läßt er den Urerzengel Raphael rufen:    

"Die Sonne tönt, nach alter Weise,

In Brudersphären Wettgesang.

Und ihre vorgeschrieb'ne Reise

Vollendet sie mit Donnergang.

Ihr Anblick gibt den Engeln Stärke,

wenn keiner sie ergründen mag.

Die unbegreiflich hohen Werke:

Sind herrlich wie am ersten Tag. "

 

Erst mit dem heutigen Stand der Technik ist es möglich, diese Frequenzen so zu transponieren, dass sie unserem Ohr vernehmbar werden. Töne haben nämlich die Eigenschaft, sogenannte Oberschwingungen zu bilden, die neben der Grundschwingung Teilschwingungen höherer Frequenzen bilden. Und das gleiche wiederum in der nächsten Ebene. Obwohl sie für das menschliche Ohr nur sehr beschränkt hörbar sind, bilden sie zusammen mit ihrer Grundschwingung erst die Fülle des Tones. Gleichgültig, ob für uns hörbar oder nicht, sie sind vorhanden und haben eine wichtige Funktion im Schöpfungsganzen. Das Wie und Warum soll uns in den folgenden Ausführungen beschäftigen.

Oben wurde gesagt, dass alle Dinge den himmlischen Urbildern entsprechen. Dies trifft auch auf die Schwingungen, bzw. Töne zu, welche jeweils mit bestimmten geistigen Bereichen korrespondieren. Das Wort Gottes verkörpert den Urton des Schöpfungsaktes, wobei die Buchstaben und erst recht das ausgesprochene Wort Wesensänderungen in uns hervorrufen. Oder geläufiger ausgedrückt: Diese göttliche Nahrung des Geistes regt in uns die Wiedergeburt an. Es ist das Wort, welches lebendig ist durch und durch und nach Johannes 1,1 so umschrieben wird:

"Im Anfang war das Wort, und das Wort war bei Gott, und Gott war das Wort. Dasselbe war im Anfang bei Gott. Alle Dinge sind durch dasselbe gemacht, und ohne dasselbe ist nichts gemacht, was gemacht ist ".

Dieses Urwort pflanzt sich in allen Dingen fort, um sie zu dem zu machen, was sie nach dem Plan Gottes werden sollen. Die Heilige Schrift - das Wort - dient dabei auch als Leitfaden oder Wegweiser. In diesem Sinne sind die in ihr vorkommenden Namen und Begriffe nicht als Personen oder Sachen zu verstehen, sondern entsprechen geistigen und himmlischen Dingen. Hierzu Swedenborg in der Wahren Christlichen Religion Nr. 200. III.

"In der Kirche heißt es, das Wort sei heilig, und zwar deshalb, weil der Herr Jehovah es gesprochen habe. Da nun aber die Heiligkeit des Wortes im bloßen Buchstabensinn nicht zur Erscheinung kommt, so findet der Leser; dessen Zweifel an der Heiligkeit dadurch einmal geweckt sind, immer neue Bestätigungen für diesen seinen Zweifel. Liest er das Wort, so fragt es in ihm beständig: »Dies soll heilig sein, und dies göttlich?« Damit sich nun derartige Gedanken nicht bei vielen Menschen zunehmend einschleichen mögen und das Wort infolgedessen als eine wertlose Schrift verworfen werde, wodurch die Verbindung des Herrn mit dem betreffenden Menschen zugrunde gehen müßte, hat es dem Herrn gefallen, eben jetzt den geistigen Sinn desselben zu offenbaren und wissen zu lassen, wo in ihm das göttlich Heilige verborgen liegt. Beispiele mögen dies beleuchten: Im göttlichen Wort wird bald von Ägypten oder Aschur; bald von Edom oder Moab, bald von den Kindern Ammons und von den Philistern, bald von Tyrus und Sidon oder von Gog gehandelt. Wer nicht weiß, daß durch diese Namen Dinge des Himmels und der Kirche bezeichnet werden, kann dem Irrtum verfallen, daß Gottes Wort viel von Völkern und Nationen, aber nur wenig vom Himmel und von der Kirche handele, das heißt viel von weltlichen und wenig von himmlischen Dingen. Erfährt er aber; was durch jene Völker oder ihre Namen bezeichnet wird, so kann er von seinem Irrtum wieder zur Wahrheit zurückfinden ".

Nun muß man auch wissen, dass der Mensch, welcher als Ebenbild Gottes geschaffen wurde,("Das ewige Bildnis ) dadurch Ebenbild ist, weil er den gleichen strukturellen Aufbau des Kosmos, wie den der geistigen Welten verkörpert (Mikrokosmos). Es besteht eine ausgeprägte Korrespondenz ( d.h. Entsprechung. Swedenborg verwandte dieses Wort in seinen Urschriften. Es drückt noch mehr die gegenseitige Wechselwirkung zwischen den Ebenen aus.)  zwischen dem Makrokosmos (als die geistige Schöpfung) und dem Menschen als Mikrokosmos. Die hierarchischen Ebenen der geistigen Welten nennt Swedenborg "Grade." ( Swedenborg meint von einander getrennte Stufen der Entwicklung.) (Die lehre von den Graden   ) Sie wurden in seinen Abhandlungen ausführlich beschrieben. Hier soll nur darauf hingewiesen werden, dass im Menschen die Grade den natürlichen, geistigen und himmlischen Entwicklungsstufen entsprechen und wie übereinander angeordnet erscheinen. Zudem sind sie strikt von einander getrennt, so dass der natürliche Grad nicht in den geistigen und dieser nicht in den himmlischen hineinragt. Wenn ein Mensch z.B. den natürlichen Grad verlassen kann, geht er in einen neuen Grad über, nämlich den geistigen. Durch die Resonanzen der höheren "Schwingungsebenen" (im Sinne der Wirkungsweisen von Obertönen) werden die niederen Ebenen angeregt und für die höheren Einflüsse zugänglich. Das Prinzip der Schöpfung beruht also auf dem ausgesprochenen Urton Gottes, dem "Werde", welcher durch seine Schwingungskräfte Resonanzen hervorbringt und diese als Formenwelt festhält. Nun könnten selbst die göttlichen Kräfte keine Wirkung hervorrufen, wenn sich dieser Urkraft der Schwingungen nichts entgegen stellen würde, an der sie ihre Kräfte im Sinne von Kraft und Gegenkraft entfalten könnte ( Im Großen Evangelium Johannes Bd. 2,229 ( ) finden sich wichtige Hinweise zu diesem Thema.) . Wir werden dieses Phänomen bei der Abhandlung über die Wirkungsweise der Musik noch näher erläutert finden.

In der Heiligen Schrift wird die Erwähnung eines Urvaters der Musik gemacht, nämlich Jubal. Wir lesen in der Genesis (I.Mose 4,17 ff.):

" Und Kain erkannte sein Weib; die ward schwanger und gebar den Hanoch. Und er baute eine Stadt, die nannte er nach seines Sohnes Namen Hanoch.                                                                                                                                                                   (18)Hanoch aber zeugte Irad, Irad zeugte Mehujael, Mehujael zeugte Metuschael, Metuschael zeugte Lamech.                                   (19 )Lamech aber nahm zwei Frauen, eine hieß Ada, die andere Zilla.                                                                                                      (20) Und Ada gebar Jabal; von dem sind hergekommen, die in Zelten wohnen und Vieh halten.                                                            (21) Und sein Bruder hieß Jubal; von dem sind hergekommen alle Zither- und Flötenspieler.  

Hierzu die Erklärung Swedenborgs in den Himmlischen Geheimnissen Nr. 417:

"Vers 21.. Durch den Namen seines Bruders Jubal wird bezeichnet die Lehre der geistigen Dinge derselben Kirche. Durch den Vater jedes Zither- und Orgelspielers werden die Wahrheiten und Güter des Glaubens bezeichnet ".

Himmlische Geheimnisse 418:

"Im vorigen Vers ((Anm. behandelt den Bruder Jabal, der in den Zelten auf dem Feld  ( Die Zelte und das Feld bezeichnen nach Swedenborg die Vorbildungen der Kirche, daher im Lutherlied "Eine feste Burg" vom Herrn, der "das Feld behalten" wird, gesprochen wird.)  wohnte)) wird von den himmlischen Dingen, welche die der Liebe sind, gehandelt,. in diesem von den geistigen Dingen, welche die des Glaubens sind,. diese wurden durch die Zither und Orgel ausgedrückt. Daß durch die Saiteninstrumente, als durch Zithern und dergleichen, die geistige Dinge des Glaubens bezeichnet worden sind, kann aus vielem abgenommen werden (multis consatant), dergleichen Instrumente bildeten auch in dem Gottesdienst der vorbildlichen Kirche nichts anderes vor; ebenso auch die Gesänge, daher so viele Sänger und Musiker; und zwar aus dem Grund, weil jede himmlische Freude eine Herzensfröhlichkeit hervorbringt, die sich kundgab durch Gesang, und hernach durch Saiteninstrumente, die dem Gesang nacheiferten und ihn erhöhten; jede Erregung (affectio) des Herzens hat auch das an sich, daß sie Gesang hervorbringt, somit auch solches, was zum Gesang gehört; die Erregung des Herzens ist etwas Himmlisches, der Gesang aus ihr etwas Geistiges. Daß der Gesang und ähnliches das Geistige bezeichne, konnte ich auch abnehmen an den Engelchören, die doppelter Art sind, himmlische und geistige,. die geistigen Chöre sind vermöge ihrer geflügelten Akkorde (ex eorum sono canoro alato), denen der Ton der Saiteninstrumente verglichen werden kann, wohl unterschieden von den himmlischen, von denen, vermöge der göttlichen Barmherzigkeit, im Folgenden. Die Uralten bezogen auch, was himmlisch war; auf das Gebiet des Herzens, und was geistig war; auf das der Lungen, somit das Geistige auf alles, was den Lungen zugehört, wie die Gesangsstimmen und ähnliches, und eben damit auch auf die Stimmen oder Töne solcher Instrumente; und dies nicht nur aus dem Grund, weil Herz und Lunge eine gewisse  Ehe darstellen, wie die Liebe und der Glaube, sondern auch weil die himmlischen Engel zu dem Gebiet des Herzens, die geistigen Engel aber zu dem der Lunge gehören. Daß dergleichen hier verstanden wird, kann man auch daraus wissen, daß es das Wort des Herrn ist, in dem kein Leben wäre, wenn bloß erzählt würde, daß Jubal der Vater der Zither- und Orgelspieler war; auch brächte es keinen Nutzen, dies zu wissen ".  

Himmlische Geheimnisse 419.

" Wie die himmlischen Dinge das Heilige der Liebe und die Güter aus demselben sind, so sind die geistigen Dinge die Wahrheiten und Güter des Glaubens; denn Sache des Glaubens ist, zu verstehen nicht bloß was wahr; sondern auch was gut ist; die Glaubenserkenntnisse schließen beides in sich; aber so sein, wie der Glaube lehrt, ist himmlisch. Weil der Glaube beides in sich schließt, so wird es bezeichnet durch zweierlei Instrumente, durch Zither und Orgel. "  

Es ist auch interessant, dass die Bibel ursprünglich nur gesungen wurde, um die Herzensfröhlichkeit auszudrücken. Unterstützt wurde diese Freude durch das Spielen der Zither, was auf Grund von eingehenden Forschungen bestätigt wurde. Auf der CD einer französischen Produktion wurden diese uralten Gesänge original getreu eingespielt  ( La Musique de la bible revelee, hannonia mundi, France, Nr. 190989) . (Musikbeispiel 1 - Siehe letzte Seite sowie wird noch verlinkt).

So schön diese Musik ist, erkennen wir aber auch die Mangelhaftigkeit der damaligen Musikinstrumente. Es war eine Jahrtausend lange Entwicklung nötig, um die Instrumente optimal zu gestalten. Noch Beethoven und andere zeitgenössische Tondichter rangen um die Wiedergabe ihrer "gehörten" musikalischen Einfälle. Erst heute sind wir in der Lage - auch von der Fertigkeit der Spieler her gesehen - den Vorstellungen der großen Meister näher zu kommen. In neuerer Zeit können riesige Orchester ganze Tongemälde äußerst plastisch aufbauen, wie z.B. in Mussorgskys "Bilder einer Ausstellung".      (Musikbeispiel 2).

Aber es ist auch die Mangelhaftigkeit der inneren Übertragung "himmlischer Musik" in die irdische Dunkelheit, die den Komponisten zu schaffen macht. Ein Erlebnis ist mir noch aus meinen ersten Jahren in Bietigheim in Erinnerung. Es muß Ende der 60er Jahre gewesen sein. Die musikalische Umrahmung der Tagung oblag damals u.a. dem Harfenspieler Heiner Buchert, der sein wunderschönes Instrument auf der Bühne stehen hatte. Seine Musik war immer frei interpretiert und er sang Psalmen zum Lobe Gottes. Einmal erzählte er uns von einem Traum, in dem er himmlische Musik vemahm: Jedoch an seine irdische Harfe gelangt, hatte er zwar den Ton noch im Ohr, allein er konnte ihn nicht so wiedergeben, wie er ihn gehört hatte.

 In dem sehr interessanten Buch von Abell, "Gespräche mit berühmten Komponisten" ( Arthur M. Abell: "Gespräche mit berühmten Komponisten - über die Entstehung ihrer unsterblichen Meisterwerke, Inspiration und Genius", G.E. Schroeder-Verlag, 2. Auflage 1973) schildert dieser, wie er mit dem bekannten Geiger Josef Joachim viele zeitgenössische Komponisten nach der Herkunft ihrer Musik befragte. So auch Richard Strauß und besonders ausgiebig Johannes Brahms. Die Aussagen aller Komponisten waren darin übereinstimmend, dass sie nicht die Urheber der Melodien seien. Alle empfanden die Beglückung der Inspiration und die anschließende Qual sie festzuhalten. Richard Strauß empfahl Abell und Josef Joachim sogar, Swedenborg zu lesen. In Brahms Ausführungen war ebenfalls oftmals von diesem die Rede.

Nun wollen wir uns von der natürlichen Ebene zur geistigen wenden, die wir neben Swedenborg besonders in den Werken Lorbers und Mayerhofers so eingehend geschildert finden.

Zwei Schaltstellen zur Umsetzung höherer Einflüsse werden uns entsprechungsmäßig durch Swedenborg geschildert. Einmal ist es das Herz, welches dem Einfluß des Himmlischen und damit der Liebe entspricht und zweitens die Lunge, die mit dem Geistigen korrespondiert und somit der Weisheit zugeordnet ist. Dementsprechend sind die jeweils daraus hervorgehenden Tätigkeiten Ausdruck jener Sphären. Das Gefühl der Liebe wird durch die zarte Bewegung des Streichens der Saiteninstrumente ausgedrückt, während die Lunge als Ausdruck der Weisheit den Luftstrom über die Stimmbänder leitet und dadurch der Gesang hervorgerufen wird, bzw. die entsprechenden Instrumente geblasen werden können. So werden Sphären angeregt und entfalten verschiedene Wirkungen. So hat man festgestellt, dass der Einfluß von Musik auf Pflanzen, Tiere und damit auch auf den Menschen positive, bzw. negative Auswirkungen hat, je nach Art der Musik. So geben zum Beispiel Kühe mehr Milch ab, wenn sie schöne Musik hören, Pflanzen zeigen ein besseres Wachstum und in jüngster Zeit wird sogar der Einfluß von Musik auf Wasser nachgewiesen. (V gl. Emoto "die Botschaft des Wassers) (8 Aus dem Japanischen: Masuro Emoto, verlegt von Hado Kyoikusha, L..H.M. Co. Ltd, (mit deutschem Begleittext). (siehe

Der Einfluß von Liebe und Weisheit kommt ursächlich vom Herrn. In Ihm sind diese beiden Elemente miteinander verbunden, was gemeinschaftlich ebenfalls mit Herz und Lunge korrespondiert. Viele Instrumente kommen daher in einer Mischform vor, das heißt sie werden sowohl mit der Hand, als auch durch Luft betrieben. Ein solches Instrument ist z.B. die Orgel, wobei man sogar noch zusätzlich singen könnte. Die Flöten, Klarinetten und Posaunen gehören auch zu dieser Gruppe. Die Orgel gilt als Königin der Instrumente, weil sie durch ihre Register alle Klangfarben der übrigen Instrumente nachahmen kann. Die Töne, die wir empfangen, sind demnach Mischungen aus dem großen Spektrum von Liebe und Weisheit und finden hier auf der Erde ihre entsprechende Resonanz in der Vielfalt unserer Instrumente. Da die Materie den reinen Schwingungen Widerstand entgegen setzt, kann die Wiedergabe nur ein schwaches Bild von der himmlischen Klangfülle geben.

Nun wollen wir die einzelnen Töne hinsichtlich ihrer Frequenzen betrachten. Tiefe oder hohe Töne rufen eine in uns fühlbare Resonanz hervor, die auf Rückschlüsse im Sinne der Entsprechung schließen lassen.

Der Vokal "a" schwingt ganz tief im Brustraum nahe dem Herzen und regt die Liebe an, "u" liegt etwas höher, ,,0" hält die Mitte und ist wieder verbindend, während "e" deutlich Richtung zum Haupt ausstrahlt, das "i" endlich hält die oberste Position im Gehirn und verkörpert damit die reine Weisheit. Hinzu kommen natürlich die persönlichen und die geschlechtsspezifischen Stimmlagen, wie es auch keine Regel ohne Ausnahmen gibt. Der Mann entspricht seinem inneren geistigen Gemüt der Liebe und seinem Denken und Schlußfolgern nach der Weisheit, während die Frau inwendig die Neigung zur Weisheit hat und von ihrem Wollen her mehr die Liebe aus der Weisheit verkörpert ( Dies wird auch aus den Körperformen ersichtlich, die beim Weibe weicher sind, als beim Manne. Entsprechungsmäßig verkörpert die Liebe sich im Bild des Fleisches. Menschen ohne jegliche Liebe sind in der geistigen Welt wie Gerippe ersichtlich.). Die tiefe Stimme des Mannes unterstreicht akustisch diese innere Liebesschwingung. In der russischen Liturgie werden deshalb ausschließlich Männerchöre eingesetzt, die damit die Anbetung Gottes durch die reine Liebe ausdrücken wollten. (Musikbeispiel 3).

Die Frau als Ausdruck der inneren Neigung zur Weisheit verfügt entsprechend über eine höhere Stimmlage. Darüber hinaus kommen stimmliche Zwischenlagen sowohl bei der Frau als Sopran oder Alt, sogar Kontra-Alt, oder entgegengesetzt als Koloratur-Sopran vor, wie auch beim Manne: Tenor, Bariton, Bass. Durch diese Streuung können auch auf der Erde alle Klangfärbungen, also geistige Zustände, einzeln oder im Zusammenspiel ausgedrückt werden. Nachfolgende Übersicht soll das Gesagte verdeutlichen:

 

Der Herr ist in Seiner Liebe und Weisheit unterscheidbar eins

(Innerhalb Seiner Schöpfung können sie getrennt erscheinen)  

 

Himmlische Einflüsse (Liebe)

geistige Einflüsse (Glaube)

Das Herz

    (Liebe-Gutes)   

Die Lunge

(Liebe-Wahres)

Hervorgehende Neigungen

Luft, Geistiges

(Tätigkeiten durch die Hand)

Nur Lunge

(Tätigkeiten durch den Mund)

 

Lunge und Hand

Instrument

Mann

Weib

Instrument

Instrument

 

 

 

 

 

Zither

Baß

Mezzosopran

Posaune

Flöte

Harfe

Bariton

Alt

Trompete

Trompete

Violine

Tenor

Sopran

F-Flöte

Posaune

Klarinette

 

Koloratur

C-Flöte

Tuben

Bratsche

 

 

Pikoloflöte

 

Cello

 

 

 

 

Kontrabaß

 

 

 

 

Pauke

 

 

 

 

 

Ein Beispiel für die Sopranstimmlage sind die Lieder der Hildegard von Bingen, welche alle die Weisheit Gottes in der Schöpfung loben (H.v. Bingen stand einem Frauenkloster vor und hatte daher auch nur Frauenstimmen zur Verfügung.) ( ). Da aber die Liebe Gottes überall als Grund- ton mitschwingt, ist der hellen Stimme ein tiefer Fidelton unterlegt. (Musikbeispiel 4).

Durch Resonanzwirkungen können die entsprechenden Ebenen bei Hörern angeregt und sensibilisiert werden.

Die Nutzwirkungen (Swedenborg) des Gesagten lassen sich aus der Anordnung der Schöpfungsgrade ableiten. Wie schon gesagt wurde, kann das Natürliche durch Töne und Schwingungen hin zum Geistigen erweckt, und das Himmlische im Geistigen angeregt werden. Der Einfluß geschieht jeweils durch Vibration der Obertöne, bzw. Untertöne.

Diese Verhältnisse gleichen genau denen der natürlichen Schöpfung, in der die einzelnen Planeten Resonanzkörper der Sonne, bzw. deren höhere Zentralkörper bis hin zur Urka  ( Nach der Neuoffenbarung ist diese die Zentralsonne unserer Hülsenglobe. Astronomisch handelt es sich dabei um den Regulus.)  sind. Diese Töne, welche jeweils nur sehr niedrige Schwingungsfrequenzen aufweisen, sind im Verein mit den zahllosen Lichtstrahlen im Universum trotzdem die Energieträger für die ganze Entwicklung auf den Erdkörpern.

Die Sphäre des Herrn bildet in der geistigen Welt den innersten himmlischen Grad, von dort absteigend erscheint erst der himmlische, dann der geistige und schließlich der natürliche Grad, bis hin zur materiellen Ebene. In dieser untersten Ebene enden die geistigen Sphären und sind so gesehen dort "in ihrer Fülle" (Swedenborg). Inwendig trägt die natürliche Schöpfung daher das Bild der geistigen Schöpfung mit all ihren Graden und Abstufungen in sich. Auf der letzten Ebene, die unsere Erde darstellt, hat sich der Herr Selbst nach Seiner Menschwerdung als lebendiges Abbild in jedes Menschen Herz als sogenannten Geistfunken (Geburtsgeist) (Swedenborg spricht mehr vom Einfließen des Herrn in diese Ebene, was aber das gleiche meint. Denn erst wenn sich der Mensch dem Göttlichen öffnet, beginnt dieser Geistfunke in uns einzufließen.) eingeschlossen, um so die Wiedergeburt seiner Kinder bewirken zu können. (siehe hierzu ) Dadurch ist der Mensch der Anlage nach inwendig und der Gestalt nach auswendig das Ebenbild Gottes.() Diese innerliche Anlage kann allerdings erst durch ein Leben nach den Geboten bzw. den Liebesgesetzen aktiviert werden, indem dieses Leben nach der Ordnung dem göttlichen Geistfunken Resonanz verschafft. Musik ist hierbei "Werkzeug" zur Anregung der höheren geistigen Sphären und wurde von jeher so eingesetzt. Erst in der Neuzeit nahm die Säkularisierung der Musik immer mehr zu. Auf der anderen Seite hat Musik eine größere Breitenwirkung bekommen, so daß heute jeder mit Hilfe seiner Musikanlage einen eigenen Konzertsaal im Hause (oder Kopfhörer) hat. Vielleicht hat der Herr diese technische Entwicklung gerade darum zugelassen, damit so die fehlende Religionsbereitschaft ein wenig kompensiert werden kann. Von den negativen Seiten unserer Musikbranche wollen wir hier nicht sprechen, aber hoffen, dass der Herr diese auch allmählich in bessere Sphären lenken wird. Ansätze gibt es schon. So hat 1984/85 eine Sendereihe des Südwestfunks über die Welt der Töne eine über alles Erwarten große Resonanz gefunden. Es handelt sich um die Sendereihe von Joachim-Ernst Berendt über Musik in der Welt, die er in allen möglichen Ebenen eingefangen und deren Urgrund er ausfindig gemacht hat. In ihr waren sowohl die interstellaren Urtöne zu hören, wie die "Sprache" der Wale und das "OM" der tibetanischen Mönche, welches wir in unserem "Amen" wiederfinden. Diese Sendereihe ist wohl über 80 mal weltweit ausgestrahlt worden und heute auf CD erhältlich ("Die Welt ist Klang - Nada Brahma", Joachim-Emst Berendt, ausschließlich im Verlag Zweitausendeins), desgleichen die Folgesendung: Vom Hören in der Welt - das Ohr ist der Weg.

Die geistigen Anregungen über Musik können auf der Erde nur unvollkommen aufgenommen werden, da uns die höheren Grade noch verschlossen sind.(  In Rosemarie Brown´s  Buch "Musik aus dem Jenseits" äußert sich Franz Liszt, der himmlische Musik durch das Medium "Klangkörper" vermitteln will: "Es wäre, als wenn er mit Fausthandschuhen Klavier spielen sollte". )    Trotzdem nimmt der Mensch die jenseitigen Einflüsse auf, die sich zuerst nur ahnend bemerkbar machen, bis sie in geistigeren Zuständen klarer zum Ausdruck kommen.

Der Herr drückt diese Verhältnisse durch Gottfried Mayerhofer in den "Lebensgeheimnissen"15 wie folgt aus:

[Lg.01.012,68] "Nachdem diese Töne als ein geistiges Produkt wieder nur einem Geiste mitgeteilt, also nur von diesem verstanden werden können, so ist diese Sprache der Seele nicht zugänglich, wie sie, noch zu wenig mit dem Geiste verbunden, sie wohl ahnen, in künftigen Genüssen schwelgen, aber sie nicht sich. deutlich machen kann!

Deswegen geht auch die Musik mit ihrer großen Gewalt auf das menschliche Herz und jedes andere Wesen unverstanden über diese Erde hinweg,' die Erhabenheit fühlt ein jeder; nur das " Warum" weiß keiner! -

Ihr habt nun, um diese Luft-Schallwellen aufzufangen oder ähnliche Töne selbst hervorzubringen, verschiedene Instrumente erfunden, welche geeignet sind, dieses Vibrieren der angeregten Luftwellen, auch in den Stoffen, aus denen jene zusammengefügt sind, ähnliches Erzittern der Bestandteile derselben hervorzubringen, indem auch dort gebundene gleichgesinnte Geister sich lösen.

Dieses Lösen und Vermischen mit den freien Geistern der Luft gibt dann jedem Instrument seinen eigenen Klang, wo bei manchen Instrumenten zwei, drei und mehr verschiedene Gegenstände zusammenwirken müssen, um den rechten Ton hervorzubringen, welcher dadurch bezweckt werden soll!"

In seinen weiteren Ausführungen ()wird darauf hingewiesen, wie alle Instrumente der Natur nachgeahmt sind. Wichtig ist auch der Hinweis, über den Charakter der Vibration:

[Lg.Ol_O12,82] "Ein großer Unterschied, dass auch dazu beiträgt,  die Töne, ihre Vibrationen und Modulationen zu verändern, ist dies, daß wie beim Menschen so auch bei lieren die eingeatmete Luft eine andere als die ausgehauchte ist (Anrn. Die Harmonika nutzt diese Möglichkeit optimal.) ; in der einzuatmenden Luft liegen andere Elemente gebunden, die im Körper des lieres eingesaugt, verarbeitet und chemisch zersetzt werden, beim Singen der Vögel zum Beispiel ist der Klang meist aus den Elementen der eingeatmeten und ausgehauchten Luft zusammengesetzt, das heißt ausfiir die Vögel belebenden und abgestorbenen Elementen,' nun sehet, ebendeswegen ist der Ton des Gesanges eines jeden Vogels verschieden, weil er beim Einatmen wohl die gemeinsame Luft, aber beim Ausatmen nur das ihm Unbrauchbare ausstößt, und dieses Ausgestoßene bei jedem Tiere etwas anderes ist, so wie auch beim Menschen,' so ist der Schall, welchen diese ausgestoßenen Stoffe in Vereinigung mit der Luft hervorbringen - neben den verschiedenen Gesangsorganen - auch ein verschiedene!; und so ist wie überall auch in dieser Hinsicht aus einem einfachen Prozeß eines und des nämlichen Stoffes die Verschiedenheit seiner Verwendung dasjenige, welches wieder Meine Göttlichkeit und Meine Macht zeigt, indem Ich auch hier wie stets mit wenigem vieles zu bewirken verstehe. "

Wenn man die Erde wie einen Menschen betrachtet, entspricht (ebenfalls nach Gottfried Mayerhofer  (Gottfried Mayerhofer "Lebensgeheirnnisse", 12. Kapitel: "Sprache, Kunst, Musik", Lorber Verlag, Bietigheim)  die nördliche Halbkugel dem geistigen Menschen, während die südliche mit dem natürlichen korrespondiert. So ist die ursprüngliche musikalische Klangwelt in den Ländern der südlichen Halbkugel sehr viel rhythmischer, was sich in den typischen Tänzen und Musikinstrumenten (z.B. Trommeln) ausdrückt, während die nördliche Halbkugel sehr viel mehr geistige Musik (Bach, Mozart, Beethoven etc.) hervorgebracht hat und z. T. noch bringt, welche die Bewegungsabläufe des Körpers unberührt lassen. Interessant sind auch die weiterführenden Ausführungen über die Sprache,  Kunst und Musik, die hier aus Platzgründen leider weggelassen werden müssen. ( )

Um die geistigen Verhältnisse der Wirkungsweisen von Tönen besser zu verstehen, sind im Folgenden die Erklärungen des Herrn an Robert Blum und seine Freunde über ein himmlisches Konzert zitiert. In diesen Sphären, wo die hindernde Materie wegfällt, zeigen sich nun die geistigen Grundlagen der Tonwelt unmittelbar.

In Band 2 "Von der Hölle bis zum Himmel" (Lorber Verlag) lesen wir:

[RB.O2_291,12] "Robert und sein Gehilfe richten sogleich den Tisch zurecht. Und Ich, die Monarchen und noch einige andere nebst Robert, dessen Gehilfe Peter und die zwei Weiber; setzen uns dazu und essen und trinken von allem, was sich auf dem Tisch befindet, Nach dem Essen erheben sich alle die vielen Gäste und stimmen Mir ein großes Loblied an, das Robert überaus gut gefällt.

Nachdem das liebliche Lied, von zarten Liebesworten überströmt, zu Ende ist, beginnt erst ein allerwahrstes Himmelskonzert von den Galerien herab zu ertönen, Den Anfang macht eine herrliche Kantate mit Begleitung vieler reinst gestimmter Harfen, deren Ton aber hellsanft klingt, daß auf der Erde wohl kein Toninstrument einen Ton in solcher Reinheit hervorzubringen vermöchte, Das Ähnlichste wäre noch der Ton einer Äolsharfe, so ein reiner und gleichmäßiger Wind der reinen Saiten harmonische Punkte zu ertönen nötigt ".

Die Zwischenbemerkungen der Teilnehmer auslassend fahren wir fort:

"Robert weiß sich vor lauter Wonne nicht zu helfen, und die zwei Weiber weinen vor Rührung. Helena sagt ganz zerknirschten Gemüts: ,,0 Gott, 0 Gott! Ist das doch eine ergreifende Musik, daß man dabei ganz zerfließen könnte! Jeder Ton dringt entzückend zum Herzen.

Fragt Mich leise der Kaiser Joseph: ,,0 Herr und Vater; von wem ist denn diese Kantate komponiert?" - Sage Ich: "Siehst du dort auf einem Vorsprung den Musikleiter nicht? " - Sagt Joseph: " 0 ja, lieber Vater; aber wie er heißt und wer er auf der Erde war; weiß ich nicht." Sage Ich: "Das ist David, der einstige König in Israel. Dieser ist hier ein Hauptleiter der Musik und zugleich der auserlesenste Schöpfer solcher Tonwerke, die Mir stets ein großes Vergnügen machen. "

Sagt Joseph: "Ja, das will ich aber auch ein Tonwerk heißen! Es klingt in der Gesamtheit wie eine größte Gesangs- und Instrumentalsymphonie. Schon ein jeder einzelne große Ton klingt wie eine ganze, leise durchgeführte Sonate. - Wenn ich auf der Erde je etwas entfernt Annäherndes vernommen habe, wäre es das harmonische Tönen der sogenannten Mundtrommeln mit den feinsten Silberzungen. Im Grunde besitzen auch diese nur einen bestimmten Hauptton, aber innerhalb dieses entfalten sich gleich Liebesgeistern in den zartesten Schwingungen alle möglichen Melodien und Modulationen. So kommt es mir auch hier vor. Die Haupttöne bieten harmonisch die Hauptkantate, aber ein jeder einzelne Hauptton ist belebt von den wunderherrlichsten Sonaten".

Nach einer Weile ertönen die mächtigen Akkorde einer Orgel. Und wie die Akkorde melodisch sich ineinander verschlingen, werden im freien Raum die wunderherrlichsten Formen ersichtlich, ungefähr in der Art, wie man auf der Erde auf dem Weg der Kamera obskura Bilder schafft. Ein Unterschied bestünde darin, daß diese nur Abbilder von schon daseienden Gegenständen wiedergeben kann, während hier stets neue Formen geschaffen werden, weil in den Tönen stets neue Kombinationen zutage treten. Natürlich bringen schon dagewesene Tonkombinationen auch stets dieselben Formen wieder zum Vorschein. Diese Tonbilder aber sind hier überaus hell und wechseln stets in den lebhaftesten Farben und ergreifend schönsten Formen miteinander ab. Dadurch wird nicht nur das Ohr und das Gemüt auf erbaulichste Weise entzückt, sondern auch das Auge und der mit ihm zusammenhängende Verstand der Seele, der gleichsam das Auge der Seele ist.

Nun fragt Mich Robert: "Aber wie ist das? Bei der ersten Kantate haben wir keine solchen Formen und Bilder gesehen,' erst jetzt beim großen, harmonischen Tönen der Orgel kommen sie zum Vorschein." - Sage Ich: "Weil das in Meiner ewigen Ordnung so eingerichtet ist, daß da nichts ohne eine Vorwirkung, Nachwirkung und Gegenwirkung entstehen kann. Die Danksagungshymne von Seiten der Gäste war eine Vorwirkung. Die große Kantate von den Galerien war die Nachwirkung. Und das große Präludium auf der Orgel ist die Gegenwirkung - weil die Töne anderer Art sind und zugleich dieses Präludieren die Gegenthemen der früheren Hymne wie der nachfolgenden Kantate vorführt. Diese Gegensätze stoßen sich, und wo sie sich berühren, werden sie auch sichtbar und machen ersichtlich, was sie sind und sagen.

Auch auf der Erde hat die freilich unvollkommene Musik eine ähnliche Wirkung. Die Zuhörer werden in ihrem Gemüt oft unwillkürlich in ganz fremde Regionen versetzt. Es kommt ihnen dann vor; als ob sie da oder dort wären. Das bewirken die Formen, die durch verschiedene Tonkombinationen in der Seele erzeugt werden und die Seele dann geistig in solche Regionen versetzen. Würde sich nun der Orgelspieler in ganz neuen Tonkombinationen bewegen, denen keine entsprechende Vor- und Nachwirkung voranging, so würden diese Bilder alsbald aufhören, und ihr würdet dann nur herrliche Töne vernehmen, ohne die daraus hervorgehenden Formen.

Zwar entwickelt ein jeder Ton eine bestimmte Form, aber diese wird erst dann sichtbar; so sie sich an eine vorangehende Form gewisserart anlehnen kann. Es ist mit den Lichtbildern ungefähr derselbe Fall. Wenn sich ihnen kein Gegenstand in den Weg stellt, durch den sie aufgehalten werden, fliehen sie unsichtbar und unaufhaltsam ins Unendliche hinaus. Mein Auge kann wohl alles schauen, aber nicht so das Auge eines geschaffenen Geistes, das selbst nicht sein könnte, so es an Mir nicht einen Stützpunkt hätte. Nur ein Erstes kann ein Erstes sehen, ein Zweites nur ein Zweites - und das Zweite ein Erstes nur dann, wenn das Erste die Gestalt eines Zweiten angenommen hat.

So könntet ihr Mich als ein rein göttliches Wesen nie sehen. Da Ich aber ein Zweites, Geschöpflich es, angenommen habe, so könnet ihr Mich sehen insoweit Ich ein vollkommenes, bleibendes Zweites aus Mir Selbst geworden bin.

So wird es auch sein, so ihr in einen der zwei unteren Himmel kommen werdet. Solange ihr nicht das Element dieser Himmel annehmt, werdet ihr stets unsichtbar verbleiben. Hingegen werdet ihr dennoch alles sehen, was sich dort vorfindet, da ihr als Bewohner des obersten Himmels gegenüber einem zweiten und dritten Himmel ein Erstes seid. Sagt Mir nun, ob ihr das alles wohl verstanden habt? "  

Hier verstehen wir, wie die Handwerkskunst des Tondichters jene gehörten Motive (Inspiration einer Melodie) aufbereiten muß, damit sie sich aneinander stoßen. Es ist das Thema "A ", das sich mit dem Thema "B" auseinanderzusetzen hat. Johann Sebastian Bach hat z. B. acht Themen übereinander gebaut (Die Kunst der Fuge), die sich stoßen und ergänzen und auf diese Weise geistige Formen hervorbringen, die in Wechselwirkung auch auf die materielle Ebene Einfluß nehmen.

Die nachfolgende Aussage des Herrn über die Sichtbarmachung von Licht und Ton ist aber noch aus anderer Hinsicht wichtig für unser Verständnis der materiellen Welt.

fRB.O2_292,O9] Sage Ich: "Das liegt als ewige Ordnung in einer jeden ersten, einfachsten Grundkraft. Jede Kraft ist unauflösbar in der Art ihres Grundseins. So ist es klar; daß sie in sich und aus sich heraus fortbestehen muß. Die Kraft ist sonach stets da, ob sie sich äußert oder nicht. Solange sich aber eine Kraft nicht äußern kann, besteht sie in sich selbst nur als eine stumme Kraft und ist in ihrem Bestand nach außen hin, als ob sie gar nicht da wäre. Soll die Kraft aber nach außen wirkend auftreten, muß ihr ein Gegensatz gestellt werden. Und dieser Gegensatz kann kein anderer sein als eine Gegenkraft, durch welche die erste in ihrem ruhigen Fortfluß gestört wird. Wo ein solcher störender Konflikt geschieht, wird sowohl die eine wie die andere Kraft ersichtlich.

Die erste geht aber dabei unfehlbar in eine zweite über und umgekehrt die zweite in die erste. Erst auf diese Weise werden die beiden Kräfte einander wahrnehmbar und somit auch in der Art ihrer Tätigkeit ersichtlich. [RB.O2_292,iO] Einige Bilder sollen euch diese wichtige Sache näher beleuchten. Betrachtet das einer Sonne entströmende Licht. Denkt euch die Sonne, wie sie ist in ihrem Sein und Bestehen. Gäbe es aber in der ganzen Unendlichkeit kein der Sonne verwandtes Auge, das sich als sekundäre Kraft der Sonne gegenüberstellte und das Licht auffinge, durch das die Sonne im Auge ihresgleichen bildet und dadurch in eine sekundäre Kraft übergeht: Wäre da die Sonne nicht so gut wie gar nicht vorhanden? Hat sich aber ein Auge gebildet, in dem die Sonne sich gewisserart selbst wiederfindet, so tritt die Sonne als Primitivkraft dem Auge gegenüber in ein erscheinliches Dasein. Schließt sich das Auge, so ist das Auge für die Sonne wie gar nicht da, und auch die Sonne selbst hat fürs Auge das erscheinliche Dasein verloren.

Ich will dir doch noch ein anderes Bild geben. Stelle dir einen starken Riesen vor! Versetze ihn in einen leeren Raum, in dem sich kein Gegenstand vorfindet, an dem der Riese seine Kraft erproben könnte. Stelle ihm eine Fliege als Gegenkraft so vor, dass er sie mit seinen Händen nicht erreichen kann. In diesem Fall wird die Fliege in einer gleichen Kraft wie der Riese dastehen und wird den Riesen zu einem Zweikampf herausfordern können, so sie einen Stützpunkt hat. Hat aber auch der Riese einen solchen Stützpunkt, werden ihm Millionen Fliegen nichts anhaben können. Und so muß jede Kraft erst eine Gegenkraft finden, sonst kann sie sich nicht äußern und in die Erscheinlichkeit treten. Eine Kraft muß sich an der andern versuchen, sonst ist sie wie gar nicht da. "

In diesen Ausführungen wird ganz klar gesagt, dass, wie eingangs erwähnt, auch der Herr ohne eine Gegenkraft nichts bewirken könnte! Insofern ist Er genötigt, Sich diese Gegenkraft erst zu schaffen, um Seine Gedanken und Ideen in die Schöpfung umzusetzen.  

Es ist für uns noch im Irdischen lebende Menschen unmöglich, das Wesen der Musik zu verstehen, da sie absolut geistig ist. Dank der Eröffnungen des Herrn haben wir einen kleinen Einblick in dieses Gebiet erhalten. Wir haben vernommen, worauf es ankommt: Wir müssen das Herz geöffnet halten, damit der Herr Selbst, der ja in Seiner Liebe "Urton" der Schöpfung ist, einen Widerhall im Geistfunken des Menschenherzens findet. Jegliches Wort Gottes trägt diesen Ton der Liebe in sich und es ist unsere eigentliche Aufgabe, diesen zu erkennen. Unsere Herzensliebe findet mit Sicherheit Jenen, den es liebt - auch im Buchstaben. Und so braucht man nicht lange zu grübeln, sondern der Geist Seiner Liebe spricht uns im Herzen an. Daher sind auch die Eingangsworte des Herrn als Vater der Liebe in der Haushaltung Gottes gewissermaßen der Schlüssel zum Verständnis des ganzen folgenden Riesenwerkes.

"Wer das vorliegende Werk lesen wird mit einem demütigen und dankbar gläubigen Herzen, dem wird daraus allerlei Gnade und Segen zuteil werden, und er wird im Werke den rechten Autor nicht verkennen " (18Hausha1tung Gottes, Band 1, Vorrede des Herrn, Vers 2).  Wer diesen Schlüssel nicht findet, bekommt auch keinen bleibenden Zugang. So ist der Ton Seiner Stimme die Kraft, die uns umwandelt und zu neuen Menschen macht. Oder anders ausgedrückt - erst zu seinem Ebenbild umgestaltet.

In Goethes "Harzreise im Winter" wird vom Menschen gesprochen, der "Abseits" seinen Weg nicht findet. Am Ende ruft der Dichter aus: "Ist auf Deinem Psalter - Vater der Liebe – ein Ton, seinem Ohre vernehmlich, so erquicke sein Herz ..."

Goethe war schon in jungen Jahren ein Swedenborganhänger und Johannes Brahms (der Abell viel von Swedenborg bekannte) vertonte diese Zeilen in der sogenannten "Alt-Rhapsodie". Diese Stelle geht auch dem Hörenden ins Herz - "Vater der Liebe – ein Ton seinem Ohre vernehmlich ..." (Musikbeispiel 5).

Es gehört wirklich nur ein Ton dazu, unser Herz erzittern zu machen - in der Wonne der Liebe zum Vater - und damit in der Neuwerdung unseres Wesens! Dieser Ton, der verborgen in allen Werken Gottes ruht, wurde an einer Stelle des Lorberwerkes (19Großes Evangelium Johannes, Band 4, Kapitel 22,5)   nur ein wenig angerissen. Es ist die Stelle, an der Jarah, des Wirtes Ebahls Töchterchen ihren Lehrer Raphael, der in der Urzeit Henoch, Verkünder des göttlichen Wortes war, um einen himmlischen Gesang bittet. Raphael, der zur Zeit Jesu kein irdischer Mensch war, sondern ein Engel des Herrn in leichter materieller Umhüllung, läßt nur einen Ton zu, weil ein Mehr das Leben der Zuhörer kosten würde.

"Als Ebahl dieses ausgesprochen, sagte Raphael: "Nun horchet und passet wohl auf! "

Daraufhin vernahmen alle wie aus weiter Ferne einen zwar sehr schwachen, aber so unbeschreibbar reinsten Ton, daß sie alle in eine Entzückung gerieten und Zinka in einem großen Enthusiasmus ausrief "Nein, so singt kein irdischer Sänger! So  kann nur ein Gott singen oder mindestens ein Engel Gottes!"

Der Ton aber ward nach und nach stärker; lebensvoller und mächtiger: In der größten Kraft wie von tausend Posaunen ausgehend, klang er wie ein Quartsextakkord in Des-Moll, von der kleinen in die eingestrichene Oktave mit der Wiederholung der Oktave reichend, nahm darauf wieder ab und verlor sich am Ende wieder in ein schwächstes As (eingestrichen) von nie vernommener Reinheit.

Alle waren von diesem einen Tone so entzückt, daß sie in eine Art Betäubung ihres Sinnenlebens übergingen und sich in einer gewissen Ohnmacht befanden. Der Engel mußte sie erst alle wieder auf Meinen Wink beleben. Alle erwachten darauf wie aus einem seligsten Traume, und Zinka, voll Enthusiasmus, stürzte auf den Raphael zu, umarmte ihn mit aller Gewalt und sagte: "Junge! Du bist kein Sterblicher! Du bist entweder ein Gott oder ein Engel! Ja, mit dieser Stimme mußt du ja auch die Toten erwecken und alle Steine beleben können! Nein, nein, nein! So einen überhimmlischen Klang hat wohl noch niemals irgendein Sterblicher auf der ganzen Erde vernommen! 0 du überhimmlischer Junge du! Wer lehrte dich denn solche Töne aus deiner Kehle erklingen machen?!

Oh, ich bin ganz weg! Noch zittern alle meine Lebensfibern von der unbeschreiblichen Schönheit und Reinheit dieses Eintons! Mir kam es nicht einmal vor; als hättest du den unerhört reinsten Ton aus deiner Kehle entwickelt, sondern so kam es mir vor; als hätten sich alle Himmel aufgetan und eine Harmonie aus dem Munde Gottes wäre über die tote Erde ausgegossen worden!

0 Gott, 0 Gott Abrahams, Isaaks und Jakobs, - Du bist kein leerer artikulierter Mundlaut! Du bist allein die Wahrheit und die reinste, ewige Harmonie! Ach, dieser Ton, dieser Ton! Ja, dieser Ton gab mir alles Verlorene, er gab mir meinen Gott, meinen heiligen Schöpfer und Vater wieder; er war für mein Gemüt ein reinstes Evangelium aus den Himmeln! Was vielleicht tausend und abermals tausend Worte nicht vermocht hätten, das bewirkte dieser eine Ton aus den Himmeln; er hat an mir einen Menschen vollendet! Mein ehedem steinernes Herz ist wie Wachs an der Sonne und so zartfühlend wie ein hängender Tautropfen!

0 Johannes, dessen Todesverkünder ich mit dem gebrochensten Herzen sein mußte! Hättest du solch einen Ton im letzten Augenblick deines irdischen Seins vernommen, wahrlich, dir müßte des Leibes Tod zur lichtumstrahlten Pforte in die Himmel Gottes geworden sein! Aber in dem dunklen Kerker; der dich Geheiligten Gottes barg, hörte man nur Töne des Jammers, der Not und der Trauer!

0 Menschen, Menschen, Menschen! Wie arg muß es in euren Herzen und wie finster in euren armen Seelen aussehen, die ihr das nicht vernommen habt, was ich nun vernommen habe, und das auch nicht fühlen könnet, was ich nun fühle und zeit meines Lebens fühlen werde! 0 du großer, heiliger Vater im Himmel, der Du ein vollebenswarmes Flehen auch eines Sünders niemals unerhört gelassen hast, - wenn ich dereinst von dieser Kummer- und Totenwelt scheide, dann lasse mich ein paar Augenblicke zuvor noch einmal einen solchen Ton vernehmen, und ich werde allerseligst diese Erde verlassen, und meine Seele soll darauf ewig loben Deinen allerheiligsten Namen!

Nach diesen schönen und aller Anwesenden Gemüter tief erbauenden Exklamationen des Zinka sagte die Jarah: '0 Raphael, Raphael! Welch ein ganz anderes Wesen bist du nun, als du vormals warst! Du hast mir ja ganz mein Herz zerbrochen! Ach, hättest du den Ton doch lieber gar nicht gesungen!'

Sagt Raphael: 'Warum hast du mich dazu genötigt?! Ich wollte es ja eigentlich ohnehin nicht; aber da ich den Ton nicht mehr zurücknehmen kann, so macht das gerade auch nichts! Denke dabei, daß in den Himmeln Gottes alles diesem Tone gleichen muß, so wirst du dich für die Folge desto ernster bestreben, dein Leben so einzurichten, daß es in allen seinen Erscheinungen, Wirkungen und Einrichtungen diesem einen Tone gleicht; wessen Leben aber nicht diesem Tone gleichen wird, der wird in das Reich der ewigen und reinsten Liebe nicht eingehen '.

Weitere Hinweise zu Musik finden sich u. a. in der "Natürlichen Sonne" im Kapitel über den "Miron"  ( ), sowie gegen Ende des "Bischof Martin" über die Wirkungen des Sonnenkonzertes auf die Anwesenden.

 

Nachstehend Angaben über Musikbeispiele, die hier erwähnt wurden: 

 

Musikbeispiel 1

Ps. 24, aus La musique de la bible, harmonia mundi, France 190989

Musikbeispiel 2

Modest Mussorgsky: Bilder einer Ausstellung, "Das große Tor von Kiew", verschiedenste Interpreten

Musikbeispiel3

Z.B. Missa Russica, 1000 Jahre russische Liturgie, bei Koch - Schwann, 3-1212-2

Musikbeispiel 4

Hildegard von Bingen aus Symphoniae, geistliche Gesänge deutsche harmonia mundi GD 77020

Musikbeispiel 5

Alt-Rhapsodie, Orchesterlieder Johannes Brahms, verschiedene Aufnahmen

   

"... Schau gen Himmel und sieh! Am hohen Tempelgewölbe

Funkeln Sterne; da glänzt Gottes unsterbliche Schrift.

Kann dein Auge sie zählen? Dein Ohr die Stimme vernehmen,

Die des Erschaffenden Ohr ewig und ewig vernimmt?

So tönt alles um dich. Ein Strahl der Sonnen erklingt dir

Sieben Töne des Lichts, golden und heilig im Klang.

Allenthalben strömet dir zu das große Geheimnis

Deiner Vollendung; du lernst ewig und ewig daran ..."

 

(Aus: Cäci1ia, Die Tonkunst. Zerstreute Blätter von I.G. Herder. Gotha 1793)

 Unter der Tonbandnurnrner 772 des Tonbanddienstes von Peter Keune gibt es obigen Originalvortrag von der Bietigheimer Wochenendtagung vom 27.10.2002 mit entsprechenden Musikeinspielungen.