-----Ursprüngliche Nachricht-----
Von: Anita
Gesendet: Montag, 20. Januar 2003 01:11
An: Freundeskreis-Lorberliste@yahoogroups.ca
Betreff: [Freundeskreis-Lorberliste] Der Glaube und die Weltmenschen

Hallo ihr Lieben

Heute schrieb mir ein Freund in seiner Mail von einer kleinen Eingebung, die er hatte. Weil es so schön zu unserem Thema passt, habe ich ihn um Erlaubnis gebeten, seinen Text hier in die Liste setzen zu dürfen:

Du stehst vor einem Berg und jemand sagt dir: diesen Berg hat noch keiner geschafft und keiner ist zurückgekommen, der da hinaufgeklettert ist. Dieser Berg, das ist der Glaube. In einer alten Legende, die du gehört hast, heißt es aber, daß auf der anderen Seite des Berges ein wunderbares Land liegt, wo Milch und Honig fließt. Was ist nun stärker: Die Angst oder der Mut? Und wie du da unten vor dem Berg stehst kommt ein anderer daher und fragt dich, ob er dir den Bergführer machen soll. Das ist Jesus. Er erzählt dir von dem Land, das auf dich wartet, wo alles Leid aufhört, wo alle in Liebe miteinander umgehen, wo Zank und Hader aufhört, wo Freude die Trauer ablöst, was machst du? Du zauderst, gehst zurück in dein Dorf, sprichst mit den Bäumen, sprichst mit denen, die sich auch nie getraut haben den Berg zu erklimmen und sie geben dir recht: Der Berg ist zu steil, was für ein Bergführer soll das sein, wenn nie jemand zurückgekommen ist? Du bist zufrieden mit dem was du hast.

Nimm mich, ich lebte einst auch in deinem Dorf und ich hörte von dem Land hinter dem Berg, es lies mir keine Ruhe, ich war neugierig geworden, aber andererseits hatte ich Angst, Angst nie mehr in mein geliebtes Dorf zurückkehren zu können. Eines Tages sagte ich mir: Wenn mir dieser Berführer über den Weg laufen sollte, will ich es mit ihm probieren, aber der Bergführer war unauffindbar. Da sagte mir jemand, probier´s doch alleine, was hast du zu verlieren? Und so machte ich mich eines Tages auf, um den Berg zu erklimmen, ein steiler Berg, eine Wand. Es war mühsam, es dauerte Stunden, um auch nur ein paar Meter an Höhe zu gewinnen und dann die überhängende Wand, ich kam nicht mehr weiter, ich saß fest, kein Vorwärts, kein Rückwärts.

In meiner Verzweiflung schrie ich um Hilfe und plötzlich wurde von oben ein Seil herabgelassen und ein Mann seilte sich zu mir ab, es war jener Bergführer, den ich so lange vergebens gesucht hatte und plötzlich war er da und half mir. Er sicherte mich, kletterte nach oben und zog mich dann zu sich hinauf, über den Vorsprung. Den Rest der Wand des Berges gingen wir zusammen und es war gar nicht mehr so schwierig, wie noch zu Anfang meiner Klettertour, denn der Bergführer kannte die Wand wie seine Westentasche, sicheren Trittes verhalf er mir nach oben. Und je weiter ich nach oben kam, desto weiter wurde mein Sichtfeld, das graue Dorf da unten im Tal, das mein ein und alles war, erst jetzt erkannte ich, wie eng und schattig es war. Hier oben schien die Sonne und ich blickte bereits auf viele Dörfer und Städte der Erde, ich erkannte wie meine Angst es war, die mich festgehalten hatte. Bald waren wir auf dem Gipfel des Berges angekommen und ich durfte einen Blick auf die andere Seite des Berges werfen. Es war unbeschreiblich schön und übertraf meine kühnsten Vorstellungen. Ich bedauerte jene, die nichts ahnten von dem Land hinter dem Berg und so fragte ich den Bergführer, ob ich nicht jenen unten im Dorf Mut machen könnte und ihnen von meinem Erlebnis erzählen könnte und der Bergführer sagte, daß das eine gute Idee sei.

So brachte er mich sicher wieder ins Dorf zurück und freudigen Herzens erzählte ich allen von dem, was ich gesehen hatte. Aber die Bewohner des Dorfes glaubten mir nicht, sie sagten, daß noch keiner zurückgekommen ist, der den Berg hinaufgeklettert war, sie sind alle umgekommen in den Schluchten und Spalten des ewigen Eises. Und ich erzählte ihnen vom Bergführer, der den Weg kenne, aber sie wollten nicht auf mich hören, sie gingen wieder an ihre Arbeit, sie sprachen mit ihren Bäumen, sie sammelten Gräser und Kräuter und begnügten sich mit dem was sie hatten. Und wenn es donnerte, da sagten sie, das sei der Donnergott und wenn es blitzte, da sagten sie, das sei der Feuergott und wenn es regnete, dann sagten sie, das sei der Gott des Wassers, der seine Schleusen öffnet. Und wenn ein Felsbrocken von der Wand herunter kam, dann sagten sie, daß sei der Gott des Zornes.

Soweit dieses Bild.

Alles Liebe und Gottes Segen

Anita

                                            
Von: Anita B.
Gesendet: Sonntag, 9. Februar 2003 01:43
An: Freundeskreis-Lorberliste@yahoogroups.ca
Betreff: [Freundeskreis-Lorberliste] Wo Liebe ist, kann keine Sünde sein

Lieber Peter

Myrta muss Dir logischer Weise selber beantworten, wie sie das gemeint hat.

Trotzdem möchte ich Dir schreiben, was dieser Satz von ihr und der Umstand, dass Du Dich als Sünder bezeichnest, bei mir ausgelöst hat.

Vor längerer Zeit war ich für ein paar Jahre in einer "Mini-Sekte" gefangen. Alles, was ich in der Zeit dachte und tat, geschah in der 200%-igen Überzeugung, dass es richtig ist, der Wahrheit entspricht und bei unserem Herrn die größte Freude auslösen müßte.

Heut weiss ich, dass genau das Gegenteil der Fall war. Ich habe viele Menschen verletzt, enttäuscht, ihre berechtigten Bedürfnisse nicht wahr genommen usw. Und IHM standen sicherlich alle Haare zu Berge  :-)

Aus heutiger Sicht würde ich nimmer mehr so handeln! Aber in der Zeit, wo ich es tat, war meine Liebe zu unserem Vater mein größter Antrieb - ich wollte meine Sache für IHN möglichst gut machen.

In Deinem Sinne wäre ich also auch eine große Sünderin. Für mich sehe ich das aber anders. Wenn man sich als Sünder betrachtet, bedeutet das, dass man die ganze Zeit mit dem Gefühl herum rennt, Schuld auf sich geladen zu haben. Man ist nicht mehr frei. Diese Schuldgefühle wiederum führen dazu, dass man anderen Menschen gegenüber, die Fehler in den gleichen Situationen machen, wie man sie selber auch macht, oft viel härter reagiert, weil sie einem eine Art Spiegel vorhalten und man die eigenen Schuldgefühle ungewollt und unbewußt auf den anderen überträgt.

Diese Schuldgefühle hindern einem daran, liebe- und verständnisvoll auf einen Mitmenschen zu reagieren und oft sind sie auch noch der Grund dafür, dass man dem anderen seine begangenen Fehler nicht verzeihen kann. Denn solange man Schuldgefühle hat, hat man sich selber auch noch nicht verziehen!

Darum sehe ich mich selber nicht als Sünderin und habe ehrlich gesagt gegen das Wort "Sünde" eine recht große Abneigung. Es ruft in mir zu viele negative Gefühle wach, die mir im Religionsunterricht und in der kath. Kirche immer wieder ins Bewußtsein gepaukt wurden. Diese wiederum verhindern bei mir, Liebe und Mitgefühl im Umgang mit meinen Mitmenschen walten zu lassen.

Das Wissen darum, dass ER uns alle unsere Fehltritte und alle dadurch entstandene Schuld auch augenblicklich verzeiht, erfüllt mich mit unendlicher Dankbarkeit und diese wiederum mit einem noch größeren Empfinden von Liebe, die ich dann an andere weiter geben kann. Wäre dem nicht so, wüsste ich nicht, wie ich nach allem, was ich mir in diesem Leben schon geleistet habe, weiter leben sollte.

Das hat aber nichts damit zu tun, dass ich denken würde, ich könnte mir ja jeden Blödsinn erlauben, weil ER mir ja doch nicht böse ist....

So ist das bei mir. Bei jemand anderem ist es sicher wieder etwas anderes.

Alles Liebe und Gottes Segen

Anita

 

                                          

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Liebe Anita,

Das Hintergrundmotiv paßt  zu unserer seelisch-geistigen Entwicklung. Die Lilie hatte Jakob Böhme als Symbol für unsere Wiederbegurt gewählt.

Herzlichen Gruß

Lothar, 9.2.03