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Das Büchlein vom reinen Leben

 

-----Ursprüngliche Nachricht-----
Von: Franz Kreuzwegerer [mailto:franz.kreuzwegerer@utanet.at]
Gesendet: Freitag, 24. Januar 2003 07:46
An: Lothar Bross
Betreff: Buchempfehlung

Lieber Lothar,

 

Liebe Christine, lieber Jens

 

Maria, meine Frau,  bestellte ein Büchlein, aufgrund eines Hinweises in einem Buch. Es heißt: Das Büchlein vom reinen Leben von Arthur Maximilian Miller.

ISBN 3-925051-01-5.

Der Autor hat den wahren geistigen Sinn des Lebens in eine Sprache verfaßt, daß es wert ist, sich dieses Büchlein zu kaufen. Es kostet 11 Euro.

In einer Buchhandlung in St. Pölten, wurde mir gesagt, daß dieses Büchlein vergriffen ist. Ein Verkäufer in dieser Buchhandlung hat uns dieses Büchlein geschenkt. Seine Eltern kauften sich dieses Büchlein, hatten aber anscheinend kein Interesse mehr. Nachdem ich es gelesen (eigentlichen überflogen habe) und auch Maria gelesen hat, habe ich es eingescannt. Wir wollten es einigen Geistesgeschwister zukommen lassen. Ich wollte mich aber doch versichern, daß dieses Büchlein vergriffen ist, und suchte im Internet nach dem Verlag und wurde fündig. Und siehe da, das Büchlein wurde sogar angeboten. Ein Anruf beim Verlag als letzte Absicherung, und die Bestätigung erfolgte mit einem „Ja".

Wenn man es über eine Buchhandlung bestellt, kann es sein, daß sie im in ihrem Suchprogramm nachsehen, und das Büchlein nicht finden. Dann sollen sie es direkt beim Verlag bestellen.

Ich habe eine Leseprobe beigelegt. Es sind die ersten paar Seiten. Ich habe bewußt nicht besondere Abschnitte ausgewählt.

Es gibt zwei Stellen, wo der Autor Gott Vater und Sohn Gottes wie als zwei getrennte Personen erwähnt (eine davon habe ich in der Leseprobe dabei: Das Stufengebet I. Gebet um das rechte Erinnern). Aber das sollte für uns Kenner von Swedenborg und Lorber kein Problem darstellen, denn das gesamte Werk ist ein Juwel, welches wert ist, es zu kaufen. Und außerdem kann man aus dieser Formulierung nicht darauf schließen, daß der Autor es auch so buchstäblich meint und glaubt. Aber wenn man überkritisch ist, stoßt man sich vielleicht zu sehr daran.

Falls Du es Dir besorgst und gelesen hast, würde ich mich freuen, wenn Du mir mitteilst, wie es Dir gefallen hat.

Zu bekommen bei

Michaels Verlag und Vertrieb GmbH

Sonnenbichl 12

86971 Peiting

Deutschland

Tel. 08861-59018

Fax 08861-67091

 

 

LESEPROBE

Zueignung

Vor Jahren habe ich für Dich ein Büchlein geschrieben, liebe, jungfräuliche Freundin! Ich nannte es »Das Büchlein vom reinen Leben«. Noch ist mir die Stunde gegenwärtig, in der ich die Zueignung an Dich schrieb, und wie heiter mir dabei zumute war.

Da schrieb ich: »Dieses Büchlein könnte ich auch ungeschrieben lassen; denn es ist Dir nicht not. Soll ich aber darum von meinem Beginnen wieder ablassen? Weil nicht Not dabei ist? Ach es verlangt uns danach, auch einmal etwas ohne Not zu verrichten! Denn diejenigen Dinge, die ohne Not verrichtet werden, das eben sind die reinen Dinge«.

Ja. Und dennoch war dieses erste Büchlein voller Irrtümer. Denn ein junges Gemüt ist nicht so fein und genau wie ein altes.

Und darum soll es jetzt auch vernichtet werden. Ehe ich es aber vertilge, will ich es nochmal schreiben.

Wem eigne ich es diesmal zu?

Dir, und immer wieder Dir!

Aber nicht Dir, wie Du bist in Deiner Natur und Beschränkung, sondern Dir, wie Du bist in Deinem Wesen.

Wem also? -

Der jungfräulichen Frau.

 

Was ist das reine Leben?

Wohin gehe ich mit dieser Frage, um Antwort zu erhalten?

Ich gehe mit ihr zur Sprache und zum Worte. Denn die Sprache und das Wort sind vom Urbeginn her und nicht vom Menschen gemacht. Denn Gott schwieg in sich selbst, und als er sprach, ward aus ihm der Sohn gezeugt, und aus dem Sohne ward der Mensch gezeugt. Das Wort, das ist der Sohn, das Wort, das ist der Mensch. Ich gehe also zum Worte mit meiner Frage. Ich frage das Wörtlein, das da lautet: »rein«.

Am Anfang ist eine Reibung, eine kristallene Härte, in sich kreisend, wie ein Rad herrollend, fest und klar: das ist das »r«. Das heißt, jetzt ist eine Schöpfung entstanden, ein Rad ins Rollen gebracht, ein kristallenes Rad.

Aber obwohl die Schöpfung hohe und niedere Reiche in sich beschließt und große Vielfalt in den Reichen, so widerspricht sie nicht sich selbst, vielmehr ist sie in allen Dingen sie selber. Es ist eine Einigkeit und ein Wohllaut in allen Gliedern. Darum rollt das Rad in einem Wesen fort, das »ein« heißt, das heißt, es läuft in der Einigkeit mit sich selber fort, es ist noch nicht entzweit. Es hat eine einige Bahn. Es ist ein Stern und geht in der Höhe hin. Es ist eine Welt, die noch nicht gefallen ist.

Nun denke den Kristall: Er ist dunkel. Da fällt der Sonnenstrahl hinein, sogleich tut er sich auf. Er leuchtet und spiegelt, er wächst und schwindet, er hat Leben.

Du siehst das Licht nicht ohne den Kristall, du siehst den Kristall nicht ohne das Licht.

Aber eines siehst du im andern.

So ist hier also ein Träger, fest, dunkel, klar. Und es ist auch ein Getragenes da, beweglich, rinnend und leuchtend. Und zwischen beiden ist das Leben. Und wenn auch das Licht von höchster und feinster, der Kristall hingegen von tiefster und dichtester Natur ist: was im Grunde des Göttlichen das Licht ist, das ist im Grunde des Irdischen der Kristall: ein dunkles, geronnenes Licht, eine versteinerte Klarheit. Darum sind diese beiden ein Wesen, und ist eines im andern, und das Leben, das zwischen ihnen ist, ist lauter.

Das Licht geht ein und aus und verderbt sich nicht, der Kristall hält sich den Speeren hin und wird von ihnen nicht verwundet.

Das also ist der Grund des reinen Lebens: immer im selben Wesen wohnen, Licht beim Lichte (dunkles Licht beim lichten Lichte und umgekehrt), Klarheit bei der Klarheit (himmlische Klarheit bei der irdischen Klarheit und umgekehrt), Wohlklang beim Wohlklang.

So geht das Obere durch die Sphären und Dichtigkeiten herab ohne Hinderung und Aufenthalt und ohne Vermischung. Und so lebt das Untere und Dunkle im Lichte, ohne zu zerbrechen oder zu zerfallen. Ein jedes ist fest in sich selber.

Ja, wer dies vermöchte: seines Wesens klar inne sein und in allen Dingen und in allen Sphären in diesem Wesen zu wohnen und nicht daraus zu weichen, der genösse Einigkeit, der lebte das reine Leben.

Und er wüßte nichts, das ihn verletzte, und er selber könnte wandeln, ohne zu verletzen.

 

Das reine Leben ist im Anfang, alsdann geht es verloren

Wenn der Morgen heraufgeht, ehe die Sonne da ist, fällt der klare Tau. Dann ist der Himmel unverstellt und ohne Makel.

Darinnen steht der Morgenstern wie eine große Süße. Und alle Berge liegen rein gezeichnet um den Himmelsrund. Dann ist die Seele regsam wie das Wasser, hell und froh und ohne Trübung, und das Auge wie ein frischer Brunnen.

Aber es kommt der Tag und die Schwüle und Hitze, am Himmel ziehen die Dünste, die Luft wird dumpf und stockend, und es brütet auf ein Unheil zu.

Und das Tagwerk kommt, und die Mühsal und der Zorn, der Widerwillen und die Begier.

Man mag es nicht mehr leiden.

Wo ist da die Unschuld des Morgens hin? Wie ist das Herz verstrickt, beladen und verdunkelt! Die Augen der kleinen Kinder, die in der Wiege liegen, sind groß und starr. Sie schauen so rein, als ob sie lauter Heiliges sähen. Es ist kein Hauch von einer Begierde in ihnen und kein böser Wille. Aber gar bald beginnen sie zu wandern und umherzurollen, sie blicken nicht mehr an, sondern blicken aus sich heraus, und lassen Zorn und Widerwillen, Neidbegier und Wollust von sich ausgehen. Und das wächst zuweilen, daß es aus den dunklen Sternen hervorgeht wie eine tobende Schar.

Nach vielen Jahren, wenn man diese Augen wiedersieht, wird man sie nicht mehr erkennen. Denn vor ihrem Abgrund steht nun eine Wolke von Mißtrauen, Mißgunst und Verhohlenheit, von Bitterkeit und Müde und einem unersättlichen Begehren, und hinter dieser Wolke ein düsteres Licht von Not und uneingestandener Verzweiflung.

So geht die Reinheit dahin.

Und die Menschheit im Anfang war auch dem Taue gleich und dem frühen Morgen und sah noch die funkelnden Bilder und den schönen Morgenstern, und hörte aus der Stille sprechen und singen.

Das ist nun alles dahin und kein Gestirn mehr über ihr.

Nun vernimmt sie statt der Stimmen in der inneren Tiefe aller Welt und aller Dinge ihre eigene Stimme, die macht ein lautes Geschrei. Und je weniger dahinter ist, um desto lauter schreit sie.

Da wenn man zurückblickt zu den hohen Alten, und zu den Sagen und Liedern der hohen Alten, wo nicht ein Gran Gemeines in den Bildern, den Worten und den Werken bleiben durfte, da möchte man das Haupt in Scham verhüllen.

Ja, abschüssig ist die Bahn aller Dinge in dieser Welt, sie geht bergunter, vom Hohen in das Niedrige.

Denn diese Welt ist gefallen und kann nur immer wieder fallen, und kann ihre Mitgift nur verschwenden, wie der verlorene Sohn.

 

Wie geht das reine Leben verloren?

Das ist die Frage, die das Herz sich stellt.

Das muß man wissen, wenn man den Lauf der Welt erkennen will.

Allein durch die Begehrlichkeit geht es verloren. Zwar sind die Dinge alle, daß wir sie lieben; allein wir sollten ihrer nicht begehren.

Ist denn ein Unterschied zwischen lieben und begehren?

O Ja, es ist ein Unterschied, derselbe Unterschied wie zwischen rein und unrein.

Ich liebe ein Ding, weil es so ist, wie es ist, und weil es dieses Wesen hat. In seinem Wesen wohne ich mit meiner Liebe, und meine Seele ist voll Freude.

Ich begehre ein Ding, weil ich es mir anheften und in mich hineinziehen will, und weil es mein Besitz werden soll. In meiner Eigensucht wohne ich mit meinem Begehren, und Qual und Unruhe füllt meine Seele an.

Der Liebende achtet des geliebten Dinges und hegt es mit großer Ehrfurcht. Der Begehrende aber achtet des begehrten Dinges nicht und kennt die Ehrfurcht nicht. Er wird das Begehrte vergewaltigen um seiner selbst willen, und wird die Wesenheit des Dinges schänden und vernichten. Was er alsdann besitzt, ist eine Larve. Nun ist eine heimliche und heilige Rache in alles Geschehen der Welt gesetzt:

Denn wer ein Ding mißachtet im Begehren und es an sich bringen und unter sich beugen will, der bringt in Wahrheit sich an das Ding und wird unter das Ding gebeugt. Denn der Begehrende wird keine Ruhe haben und immer dem begehrten Dinge nachtrachten, und dies wird ihn regieren, und er muß sein Sklave sein. Und so fressen ihn die Dinge auf, der doch die Dinge auffressen wollte. So wird er leer und selbst ein Ding.

Daß ein hohes Gesetz und Wesen, das der Seele und des freien Menschen, unter ein niederes Gesetz und Wesen, das der stummen, toten Dinge, gebeugt worden ist, daß dem Niederen die Herrschaft gegeben worden ist über das Hohe: das nennt man die Sünde wider den Geist.

Dadurch geht die Reinheit verloren.

 

Der Tod ist der Lohn

Nun ist es in der Art des Lebens begründet, daß immer aus einem Geschick ein neues entspringt. Denn sowie das Niedere Gewalt hat über das Hohe, so wird es diese Gewalt auch brauchen. Alles Begehrte haßt den Begehrer, weil er es töten und verzehren will. Und wo man Tod in die Welt hineinschreit, da hallt es Tod wieder heraus. Das Begehrte antwortet dem Begehrer wieder mit Tod. Und weil nicht der Begehrer sondern das Begehrte die Herrschaft hat, so wird es den Tod über den bringen, der es zuerst zu töten im Sinne hatte. Es wird ihn in lauter Schein locken und in diesem Schein ersticken.

Begierde führt zu Leidenschaft, und Leidenschaft bannt, fesselt und zerstört mit Feuer. So gerät man durch Leidenschaft in Schwäche, dann in Benommenheit, dann in Sinnlosigkeit, dann in Vernichtung. Erst ist es am Geiste, dann an der Seele, dann am Leibe.

Wenn zwei Wesen beieinanderwohnen, wo eines das andere liebt, so werden sie entweder immer beisammen bleiben oder, wenn ein Grund ist, daß sie auseinanderweichen, so wird nur Scheidung entstehen. Und eines wird am andern reich geworden sein.

Wenn aber zwei Wesen beieinander wohnen, die einander begehren, so werden sie mit Klauen ineinanderhangen, und wenn sie auseinander müssen, reißen sie einander entzwei. Und nicht bloß Scheidung wird entstehen, sondern Tod.

Also kommt das Leid und kommt der Tod aus dem Begehren.

Die Liebe bringt das Wohlsein. Die Liebe bringt das Leben.

Aber die Liebe bindet nicht.

Die Liebe ist die wahre Freiheit.

 

Das Stufengebet

I.

Gebet um das rechte Erinnern

O mein Vater im Himmel, der Du die beiden Orte gegeben hast, zwischen denen ich hin- und hergehe, solange ich in der Verbannung bin, den Ort des Äußeren und den Ort des Innern, ich habe mich zu sehr und zu tief in den äußeren Ort eingewohnt.

So bitte ich Dich von Herzen, wende Du mich nach innen, nach dem Ort, wohin Du mich von Anfang an gesetzt hast. Denn Du hast es so gemeint mit mir, daß ich keinem Äußerem gehöre und kein Knecht sondern ein Sohn sei. So hast Du mir auch des Sohnes Angesicht gegeben von Anfang an, daß ich Deinem ewigen Sohne angehöre und von ihm sein Wesen habe.

Aber Du hast mir auch mein eigenes Wesen gegeben, das ich erst ahne in mir und das ich noch nicht weiß. Und obwohl es das Wesen Deines lieben Sohnes in sich hat und sein Eigen ist, so hast du in Deiner göttlichen Großmut und in der unendlichen Freiheit Deiner Gedanken und Entschlüsse, mir in diesem Wesen zugleich sein eigenes gegeben, das niemand gleicht von anderen menschlichen Wesen, daß ich ich selber bin, wie Du Du selber bist.

Doch dieses alles ist Dein Geschenk und Deine Gnade und nicht mein eigenes Ding. Denn auch meine einzige und alleinige Eigenheit kommt von Dir her und ist Deine Eigenheit. Dies aber ist ein Geheimnis, das alles Begreifen übersteigt. Diese meine von Dir gegebene Eigenheit laß mich erkennen und anschauen, daß ich zugleich erkenne, wie töricht und erbärmlich meine von mir in meinem Eigendünkel gewollte und gesetzte Eigenheit ist, wie blind und krampfhaft und mir selber fremd. Daß ich erkenne, daß nichts eigen sein kann, was nicht aus Dir ist, und daß kein Eigentum ist außer in Dir.

Dies laß mein Erinnern sein, daß ich durch Dich meiner erinnert werde und durch mich Deiner alle Zeit meines hiesigen Lebens!

Dies bitte ich Dich, mein guter Vater und ewiger Herr, durch Deinen Sohn Jesus Christus.

Mit freundlichen Gruß

Franz