Adams Fähigkeiten

jl.ev11.027. Kapitel

   01] Sagte Ich: »Rael, ganz sicher habe Ich gewußt, wie wenig Wirkung Ich mit Meiner Lehre hier ausrichten werde, und Meine Worte haben das auch oft genug bestätigt. Da Ich aber auch in Meinem Geiste, das ist als der Vater in Mir, noch viel weiter hinaus als über die Zeiten dieses Volkes sehe, so kann Ich auch genau erkennen, daß dieser Weg der einzig richtige ist. Der ureigentliche Grund aber liegt in weit tieferen Geheimnissen der Schöpfung, als ihr überhaupt ahnet. Und diese euch zu erklären, bin Ich hier in dein Haus gekommen; denn alle diese, die hier jetzt in Meiner Nähe sind, stehen in engster Beziehung dazu und müssen schon bei Lebzeiten durchschauen können, wohin sich denn alles zieht, damit sie in rechter Weise das Feld weiterhin beackern, das Ich ihnen zuweisen werde.
   02] Und so höret denn: Es ist euch allen doch schon längst bekannt, daß es Menschen gibt, die ein inneres, in sich verschlossenes Leben führen, und solche, welche nach außen streben, sich um das Innere, den Geist, gar nicht oder wenig kümmern, sondern nur danach trachten, wie sie eine möglichst glorreiche Rolle vor ihren Mitmenschen spielen.
   03] Wenn ihr dieses betrachtet, so müßt ihr zugestehen, daß es ein Streben nach außen und ein Streben nach innen gibt - Geistmenschen und Weltmenschen. Beides Streben gibt, da es vorhanden und demnach vom Gottesgeiste eingesetzt ist, einen Mittelpunkt, in dem sich beide Arten berühren und gerecht vor Mir, dem Vater, sind. Beide Bestrebungen können sich aber auch von diesem Mittelpunkt oder besser von dem Ruhepunkt Meines Erschaffens entfernen und sodann in Verkehrtheiten verstricken.
   04] Soweit diese beiden Bestrebungen gerecht vor Mir sind, sind sie zu vergleichen mit einer Frucht, welche in sich den lebensfähigen Samen trägt, um sich aber die ernährende, dem Menschen zuträgliche und ihn speisende Hülle. Jede Frucht zeigt aber zunächst die zum Genuß anreizende äußere Form, und erst der Kluge versteht es, den inneren Samen zu sammeln und einzupflanzen und auf diese Art mit Mühe und Arbeit sich neue, fruchttragende Bäume und Sträucher zu ziehen.
   05] Seht, so wie schon die Natur euch lehrt, daß vorgegangen wird, den Körpermenschen zu ernähren, so geschieht es auch mit dem Geistmenschen! Es muß eine Frucht geschaffen werden, die Samen und genießbare Speise darbietet. Da aber diese Speise nicht nur den Menschen allein zukommt, sondern auch dem ganzen Universum, so müssen da auch ganz besondere Wege eingeschlagen werden. Da aber weiter den Menschen der freie Wille gegeben worden ist, so können sie sich auch von dem gerechten Erschaffungspunkt, von dem aus die beiden Richtungen hinausgesetzt wurden, entfernen. Ihr werdet das aus dem Weiteren viel leichter begreifen.
   06] Der erste Mensch, der so hinausgestellt wurde, daß er, im gerechten Gleichmaße geschaffen, Samen und Kost gleichsam in sich trug, war Adam. Er war nicht der erste Mensch überhaupt, wohl aber der erste Mensch, der aus freiem, eigenen Antrieb zunächst den Kern Meines Wortes in sich zu pflegen, zu vervielfältigen und freiwillig weiterzugeben bestimmt war. Er war der erste freie Mensch und damit schöpferisch in sich entwicklungsfähig. Allen anderen Wesen vorher war nur die Kraft begrenzt in Mir gegeben, die sie aber aus sich heraus frei nicht derart verwenden konnten, als erst Adam. Sie standen daher nur in der Weisheit, die ihnen gegeben war, nicht aber in der Liebe, die sie in sich selbst frei entwickeln sollten.
   07] Die Nachkommen Adams entwickelten sich nun in der Art nach außen und innen. Nach außen diejenigen, welche bestimmt waren, die große Anzahl verkörperter Wesen zu werden, um, im Fleische eingeschlossen, in sich die Nahrung aufzunehmen, welche den Samen umschließend verhüllt, um dadurch selbsttätig zu werden, das heißt also, von denen, die den innersten Stamm bildeten, die Lehre behüteten, zu lernen und nun fähig zu werden, nach ihrer Eigenart sich in der Liebe zu erwärmen.
   08] A
lle diejenigen Menschen, welche leben, sind ja schon als geschaffene Geister vorhanden, entstehen daher nicht erst als völlig neugeboren im Geiste, wie ihr wißt. Der Zweck ihrer Einkleidung ist aber lediglich der, freie Selbstbestimmung nicht aus der Weisheit heraus, in der sie ja von Anbeginn geschaffen, sondern aus der Liebe heraus, die sich ja nun in Mir verkörperte, zu erlangen. Fehlt aber der innere Lebenssame, der stets bewahrt werden muß auf oft sehr künstliche Weise vor jedwedem Verderben, so kann dieses Ziel nicht erreicht werden.
   09] Der kleine Stamm nun, der bestimmt ist, den Samen zu bilden, sind vom Anbeginn Adams nur wenige gewesen und hat sich als das Volk der Juden erhalten. Alle anderen Völker können mehr oder weniger als die äußere Frucht angesehen werden, zur Speisung derer, die aus dem großen Sammelbecken der Urgeister den Fleischweg gehen wollen. Diese Urgeister, einmal eingekleidet, müssen aber auch jedes Erinnerungsvermögen einer Präexistenz verlieren, damit sie sich eben frei entwickeln und nicht, getrieben durch das Bewußtsein eines Vorlebens, darauf Rücksicht nehmen. Geschähe letzteres, so wäre die Weisheit die entwickelnde Triebfeder und nicht die Liebe. Erstere überlegt, letztere handelt nur nach Glauben und Gefühl.
   10] Ihr wißt also nun, daß das jüdische Volk zu vergleichen ist mit dem Samen der Frucht, - doch wohlgemerkt, nicht die einzelnen Menschen als Juden an und für sich, sondern nur das Prinzip, der Geist, welcher in den Gemütern lebte und das Volk großzog, jetzt aber auch den Seelen fast gänzlich abhanden gekommen ist.«

jl.ev11.075. Kapitel

Zweck des Todes Jesu; Vorgänge während der Zeit im Grabe

   01] Was ist denn aber nun geschehen, während der Leib im Grabe lag, und was war denn der eigentliche, zwingende Grund Meines Sterbens? - Hierüber soll jetzt eine kurze, aber klare Erklärung folgen. Und so höret:

Bedeutung und Aufgabe Adams

   02] Es ist bereits früher öfter auseinandergesetzt worden, daß Adam als erster Mensch im Sinne der völligen Geistesfreiheit - dieser Erde dazu erschaffen worden war, eine Form zu bilden, aus der heraus die Materie wieder zum freien Geistesleben zurückgeführt werden könnte. Dazu gehörte aber vor allen Dingen die Überwindung der Materie selbst, das heißt; es mußte durch freien Entschluß ein Zustand geschaffen werden, der nach der einen Seite hin die Besiegung aller niederen, als irdische Lüste, Begierden und Neigungen bekannten Eigenschaften aufwies, um nach der andern Seite ein freies Aufsteigen zum reinsten Geistesleben zu ermöglichen.
   03] Es ist schon oft genug gesagt worden, daß die menschliche Seele aus kleinsten Anfängen besteht, welche, wachsend und zu immer höheren Bewußtseinssphären sich entwickelnd, schließlich im Menschen wieder diejenige Form erlangen, welche eben als irdische Form nicht weiter mehr entwicklungsfähig ist, wohl aber in ihrer seelischen. Deswegen begegnen sich im Menschen zwei Prinzipien: das Ende des materiellen Lebens als höchst ausgeprägtes Selbstbewußtsein und der Anfang eines seelischen, unwandelbaren Lebens in der höchsten errungenen Formenvollendung. Deswegen kann der Mensch auf dieser Messerschneide des irdischen Lebens sich dem Bewußtsein, daß er lebt, wohl nicht verschließen - denn dessen ist er sich selbst Beweis -, aber dennoch gar keine Ahnung davon haben, daß er an der Schwelle eines geistigen Lebens angelangt ist, welches nun in der unwandelbar bleibenden Menschenform seinen Anfang nimmt, - mit anderen Worten: nachdem er viele Leibeswandlungen, welche die Menschengestalt als Ziel sich setzten, durchgemacht hat, bleibt diese jetzt in ihrer allgemeinen Gestaltung unberührt; wohl aber beginnt jetzt eine seelische Wandlung, die das Ziel hat, sich immer mehr dem Gottgeiste Selbst zu nähern und mit Diesem in eine Gemeinschaft zu treten.
   04] Wer nun zu denken vermag, der denke! Was kann geschehen, wenn nicht dieser Übergang vermittelt wird? Denn hier stehen sich Materie und Geist schroff gegenüber, die sich wohl gegenseitig immer mehr verfeinern, nie aber - als Polaritäten - ganz berühren können. Es muß doch jedenfalls hier ein Weg gezeigt, eine Brücke geschlagen werden, über welche es möglich ist, von der Materie zum Geiste zu gelangen, - und dieser Weg muß ein Beispiel sein, dem jedermann nachzufolgen imstande ist. Würde dieser Weg nicht gefunden, das heißt also, würde nicht ein Mensch denselben betreten, so würde der Austritt aus der Materie, um in ein freigeistiges Leben hinüberzukommen, unmöglich werden.
   05a] Es muß also das Bestreben der Gottheit Selbst sein, Ihre Geschöpfe, welche Sie aus Liebe und zu ihrer Rettung in den Materie ganz einzwängte - nachdem diese die Grenze erreicht haben, von wo der geistige Weg möglich ist -, auch zu Sich heranzuziehen und so in das Verhältnis des Vaters zum Kinde zu führen. Adam sollte diese Brücke in sich bauen und hatte es eigentlich sehr leicht, indem die Anreizungen der Materie sehr gering waren im Vergleich zu jetzt. Es bedurfte bei ihm nur der Selbstbesiegung, des Gehorsams, so war die Brücke geschlagen, und in ihm konnte das geistige Leben blühend erwachen, da Gehorsam gegen Gott bei einem Menschen, der sonst frei von jedweder Sünde ist, das einzige Prüfungsmittel ist.

Bedeutung und Folgen des Ungehorsams von Adam

   05b] Erst aus dem Ungehorsam folgen alle anderen Vergehen von selbst, wie jeder bei Kindern leicht beobachten kann. Nun fiel Adam, und damit war ein Zurücktreten in die Materie, das heißt in diejenige Polarität geschehen, welche sich ebensoweit von Gott entfernen kann, als zu Gott Selbst zu immer höheren Seligkeiten aufzusteigen vermag.
   06] Mit diesem Falle aber war die Sünde deswegen in die Welt getreten, weil Gott nie ein Werk schafft, um es etwa wieder zu zerstören, sondern der einmal geschaffene Weg wird weiterverfolgt, sozusagen zu korrigieren gesucht, weil die göttliche Weisheit von vornherein die Folgen eines Mißlingens berücksichtigt. Soll es aber heißen, freie Geschöpfe zu schaffen, keine Geistmaschinen, so ist der Weg der Selbstentwicklung im Menschen überhaupt nur der Weg hierzu. Mit dem Entstehen des Menschengeschlechtes als Völker aber war die Folge der sämtlichen Sünden, die in langer Reihe als nun immer tieferer Fall bestehen, gegeben, da deren Anfang als Ungehorsam nun einmal bestand. Das heißt, wäre Adam nicht ungehorsam gewesen, so hätte auch keiner seiner Nachkommen ungehorsam sein können, weil er in sich sodann einen Keim vernichtet hätte, der dann nicht mehr fortvererbt werden konnte. So aber befruchtete er diesen Keim, und in seinen Nachkommen wuchs er zu dem Baume aus, der das Licht der Sonne durch sein starres Blätterdach kaum mehr hindurchscheinen läßt.

Spätere erfolglose Versuche zur Wiedergutmachung

   07] Oftmals wurde es nun von besonders starken Seelen versucht, durch dieses Blätterdach hindurchzubrechen, um die Sonne durchscheinen zu lassen, und je nachdem dieses auch bei einzelnen Teilen desselben gelang, besitzt die Menschheit uralte Religionen. Nicht aber gelang es diesen starken Seelen, den Kern des Baumes so zu treffen, seine Krone so zu brechen, daß dieser mächtige Baum ersterben mußte. Und zwar gelang es ihnen darum nicht, weil sie selbst in ihrem irdischen Leben nicht ohne Schuld waren, sondern erst die Welt verkosteten, ehe sie Durst nach Wahrheit, nach Gotteserkenntnis empfanden. Die Welt schmeckte ihnen schal,- nun erst suchten sie Besseres.
   08] Die altindischen Religionen sind die ältesten, die euch bekannt sind; denn die altägyptische in ihrer echten Lehre war die älteste, und deren Kenntnis ist verlorengegangen. Alle diese Lehrer waren solch starke Seelen, welche das Blätterdach für sich durchbrachen, den Weg zeigten, auch Wahres und Echtes beschrieben und ausgesprochen haben, jedoch nicht anders schreiben konnten zu ihrer Zeit, wodurch jetzt vieles hinfällig geworden ist, was in seinem Zusammenhange der Dinge leicht erklärlich ist. Darüber nun folgendes:

Unpersönliches Wesen Gottes vor seiner Menschwerdung in Jesus

   09] Gott war, bevor die Einkleidung ins Fleisch als Jesus geschah, unpersönlich. Daher konnte auch niemand zu Seiner Anschauung gelangen, sondern nur zu der Empfindung Seines Wesens, das naturgemäß sich allein als Licht bemerkbar machen konnte, da Gott in Sich Selbst pures Licht ist, das seine Strahlen aussendet. Wo jedoch Licht ist, ist es auch überall; es durchflutet alles und belebt alles. Die Unpersönlichkeit Gottes bedingt aber nun nicht einen Ausstrahlungspunkt, wie von einer Sonne aus, sondern ein Lichtmeer, in dem es keine Konzentration gibt. Diejenigen also, welche geistig zu dem Gottwesen hinaufdrangen, konnten das Gottwesen auch nicht anders empfinden als ein Leben im Licht, das Schweben und Ruhen im Lichte, das wunschlose Sich-Vermählen mit dem Lichte. Als der Mensch Jesus nun die Personifizierung Gottes wurde, war das Empfinden der Gottheit für den, der sich Ihr näherte, ein ganz anderes, - einfach das Sich-Nähern eines Menschen an den andern, und somit haben die alten Seher recht; aber die neueren, welche nach Mir lebten, haben ebenfalls recht.

Geistige Sonne als Sitz der Gottheit vor seiner Menschwerdung

   10] Nach dem Falle Luzifers, als die materielle Welt in die Erscheinung trat, war allerdings die geistige Sonne geschaffen worden als Sitz der Gottheit; aber trotz alledem war diese nicht als eine alleinige Konzentrierung aufzufassen. Das Licht war in der geistigen Welt überall, und für den leiblichen Menschen ist, solange seine Seele an diesen Leib gebunden war, vor Meinem irdischen Leben diese geistige Sonne nicht sichtbar geworden. Das Sichtbarwerden derselben war eine Krönung des Glaubens der Geistwesen; denn erst für diese war sie sichtbar, jetzt jedoch auch dem Menschen, der an Mich glaubt, sowie ihm das geistige Auge geöffnet ist, weil der Mensch Jesus allen, die an Ihn glauben, auch Sein gesamtes Reich jederzeit enthüllen kann.

Gründe der Gemeinsamkeit aller Hochreligionen

   11] Es fragt sich noch: Warum findet man in den alten Religionen dieselben Grundzüge?
   12] Für den, der diese Enthüllungen begriffen hat, wäre es nur verwunderlich, wenn es nicht so wäre; denn sind diese alten Religionen Vorläufer der Lehre des Menschen- und Gottessohnes, so müssen sie auch die Grundzüge der letzteren enthalten, sie können nicht von ihr Verschiedenes enthalten. Daß das Leben der einzelnen Lehrer, welche erstanden, auch Gleichheiten mit dem Meinen enthält, beruht auf demselben Grund.
   13] Würde die altägyptische Religion in ihren urältesten Grundzügen, die durch den späteren Götterkultus nur verwischt auf die Jetztzeit gekommen sind, gänzlich bekannt sein, so würde es heißen, die christliche Religion ist der altägyptischen entnommen, - so sehr gleichen sich diese, hauptsächlich wenn die Wesenheiten des Osiris, der Isis und des Horus genau in ihrem uranfänglichen Sinn erkannt würden.

Warum Jesus die Sünde überwand

Was 'Sünde' bedeutet

   14] Inwiefern nun gelang es aber Mir, den Sündenbaum zu brechen und nicht nur das Blätterdach zu durchbrechen?
   15] Zunächst mache sich da einmal jedermann klar, was es heißt, 'sündigen'!
   16] Mancher wird da schnell mit der Antwort fertig sein und sagen: Sünde ist alles, was gegen Gottes Willen verstößt! - Das ist schon richtig. Aber was ist denn Gottes Wille, und wie erkennt diesen der Mensch, der nicht einmal an Gott glaubt und noch viel weniger dessen Willen anerkennt?
   17] Es muß da aus dem menschlichen Leben heraus geurteilt werden. - Sündigen kann niemand gegen Gott, wenn er Ihn nicht erkannt hat. Ebensowenig wie sich jemand an einem Blinden ärgern wird, der da behauptet, es gäbe kein Licht, nur weil er dieses nicht sieht, ebensowenig wird Gott denjenigen bedrücken, der Ihn aus Unverstand nicht erkennt. Wohl aber kann ein Blinder seinen Nachbar oder einen andern Menschen, den er zwar auch nicht sieht, jedoch hört, fühlt, und dessen direkt fühlbare Wohltaten er genießen kann, beleidigen, wenn er sich ihm in irgendeiner Weise widersetzt. Er kann gegen dessen Liebe sündigen; denn trotz der Blindheit kann er sich dessen Wesenhaftigkeit nicht verschließen.

Bedeutung von Jesu Gehorsam und Tod für die Überwindung der Sünde

   18] So ist es auch mit dem geistig Blinden, der gegen das Gebot der Nächstenliebe sehr wohl verstoßen kann, auch wenn er Gott nicht erkennt. Die Nächstenliebe ist der Weg zur Gottesliebe, - das ist schon oft erklärt worden.
   19] Da der Mensch Jesus nun aber dieses Gebot bis in das Kleinste erfüllte, und zwar von Jugend auf, so wuchs in ihm auch die Gottesliebe, so daß er schließlich in ihr aufgehen konnte. Die Sünde hatte keine Macht über ihn; denn er war bestrebt, von dem anfangs sichtbaren Weg der Nächstenliebe, der sich durch äußere Werke kundtut, zu dem innerlichen, unsichtbaren Weg in der Gottesliebe zu gelangen.
   20] Gott hatte Adam ein Gebot gegeben: unbedingten Gehorsam. Er mißachtete es und fiel. Der Mensch Jesus gab sich aus Liebe zu Gott freiwillig dieses Gebot, nichts ohne des Vaters Willen zu tun, und ward dadurch das leuchtende Vorbild zur Nachfolge. Er errang also in sich die Stufe, die Adam nicht errungen hatte, und versöhnte also in sich die Gottheit, die in Ihrer Heiligkeit verletzt war, durch das mißachtete Gebot.
   21] Die Weisheit gab das Gebot; der Wille, die Kraft, verlangte die Erfüllung; die Liebe fand den Weg, in dem Menschen Jesus die Bedingungen zu erfüllen, welche notwendig waren, um den früheren Seligkeitszustand für alle Geschöpfe zurückzubringen. Darin aber, daß nun dieser Weg eröffnet ist, der direkt zu Gott führt, und darin, daß dieser Weg von dem Menschensohn Jesus erfüllt wurde, der dadurch zum Gottessohn wurde, liegt die Erlösung. Das Sterben Jesu ist die Besiegelung des unbedingten Gehorsams. Es wäre nicht notwendig gewesen; aber da die Menschheit in ihrem unbeschränkt freien Willen es durch Luzifers Hauch verlangte, so unterwarf sich Jesus auch dieser Forderung und starb leiblich. -
   22] Das Verfallen von einer Sünde in die andere erzeugt stets größere Seelenhärte. Man spricht von versteinerten Herzen, um diesen Zustand auszudrücken. Wie weit das nun führen kann, ist unabsehbar. Die Materie, die äußere Lust, wächst immer mehr, und naturgemäß schwindet damit das Bewußtsein von irgendeinem geistig seelischen Wesenskern immer mehr. Diese Verhärtung führt schließlich zu einem tierischen Zustand, der nichts weiter als Erhaltung und Fortpflanzung kennt, ohne geistige, innere Freiheit. Die Erlösung aus solchem Zustand bietet nur eine reingeistige Lehre, welche zum sittlichen Bewußtsein der Menschenwürde führt, und diese Lehre wurde gegeben in nicht mißzuverstehender Kürze und größtmöglicher Klarheit. Die Befolgung sprengt die Ketten der Materie, lockert die Bande der irdischen Genußsucht und führt schließlich die materiellen Wünsche und Begierden zu einem Zustande des reinsten Empfindens, als Kenntnis des Bösen, jedoch nicht mehr zur Vollbringung des Bösen, weil das eigene Ich immer mehr zusammenschmilzt, während sonst dieses Ich (Egoismus) sich immer mehr auswächst. Je mehr es schwindet, desto mehr erlöst sich (erweicht sich) die Materiefessel, um schließlich nicht mehr als Fessel empfunden zu werden.
   23] Der Baum der Sünde wurde und konnte also nur durch Jesus gebrochen werden, weil er in sich eben den Gottesgeist umschloß, der bereits Adam das Gebot gegeben hatte, ohne daß dieser es erfüllte.
   24] Man wird nun sagen: Wo liegt denn nun aber der Beweis, daß es sich so verhält, daß nicht die früheren Lehrer dasselbe vollbrachten? Denn was hier gesagt ist, entzieht sich dem Menschenauge, ist ein innerer Vorgang, über den ein anderer als eben Jesus Selbst nicht berichten kann, während der äußere Vorgang, das Auftreten eines vortrefflichen Lehrers, dessen Wandel und gute Lehren, auch das Sterben, sich schon öfter gezeigt hat. Wieso ist nun hier der Sündenbaum wirklich gebrochen und dort nur das Blätterdach durchbrochen? Die äußere Wirkung in der Welt ist wenig zu spüren, denn die Sünde blüht zur Stunde wie noch nie, - und andere als äußere Merkmale kann die Menschheit doch nicht beurteilen!
   25] Ja, das scheint schon auf den ersten Blick so zu sein, aber näher betrachtet - doch nicht!
   26] Jeder, der den inneren Weg beschreitet, wird bald gewahr werden, wie er in Wahrheit beschaffen ist. Der äußere Anschein besagt da gar nichts; denn dieser ist eine hohle Nuß. Wer aber den inneren Weg nicht gehen will, der ist ebensowenig zu überzeugen, oder ihm ist ebensowenig auch nur ein Bild von diesem Wege zu geben, als es unmöglich ist, einem Blinden einen Begriff von den Farben zu geben. Hier entscheidet der Erfolg. Der Weg ist da, betretet ihn, - dann urteilet!

Warum ohne Jesus niemand zum Vater gelangen kann

   27] Ohne Mich kann niemand zum Vater gelangen, und ohne den Glauben an Jesus hat auch noch kein Weiser jemals das allgewaltige Gottwesen als den Urquell aller Liebe, die sich persönlich darstellen kann, empfunden. Das Unpersönliche wird zum Persönlichen nur in Jesus, und diese Vereinigung beider in der Menschenform ermöglicht das Herantreten des Geschöpfes an den Schöpfer, das Aufgehen der Materie in den Geist, die Rückführung der entstandenen Sündenfolge aufwärts über die Scheidewand von Materie und Geist als sonst sich unmöglich berühren könnende Punkte hinweg - Brücke ist das Leben Jesu. -

Wieweit Verstorbene vor Jesu Tod gelangen konnten

   28] Es entsteht also nun die Frage: Wie weit konnten denn nun vor dem Tode des Menschensohnes die abgeschiedenen Seelen gelangen?
   29] Sie konnten natürlich, je nachdem sie eine gegebene Lehre der vielen schon früher aufgetretenen Lehrer befolgten, zur Erkenntnis und auch zur Seligkeit in sich gelangen, natürlich aber nicht zur Anschauung der personifizierten Gottheit.
   30] Das geschah aber nun in der Zeit erstmalig, als der Leib Jesu im Grabe lag. Der rein irdische Leib lag da, während die Seele mit dem innewohnenden Gottgeiste hinüberging und dort allen sich zeigte als Der, der Er ist und war.
   31] Darüber sind hier nur Andeutungen zu geben. Später soll aber auch der genaue Vorgang offenbar werden.
   32] Mit diesem Sich-Offenbaren in der Geisterwelt entstand der Bau und die Bevölkerung des neuen Jerusalem als der Stadt Gottes, und sie wird bestehen bleiben in Ewigkeit.

 

jl.hag1.010. Kapitel: Gottes Versöhnung

   01] Und siehe und höre und begreife und verstehe wohl, was da die ewige Liebe sprach und tat. - Als der gute, heilige Vater vollendet hatte die Rede großen Ernstes, verkündend Gnade für Recht und androhend das Gericht den Übertretern des Gesetzes der übergroßen Gnade und den Tod der Sünde gebend, da ward gerührt die ewige Liebe bis in die innerste Tiefe Ihres erbarmenden Herzens und weinte zum zweiten Male Tränen des Mitleids und Tränen der innigsten Freude und seligsten Wonne über die große, schonende Gnade des so überguten und überheiligen Vaters und sprach in der tiefsten Ergriffenheit Ihres ganzen Wesens zum Adam und zur Eva:
   02] »Du, Adam, du hast jetzt gesehen die fürchterlichen Gerichte Gottes vor deinen Augen vorüberziehen, und die Eva sah und empfand sie durch dich; nun aber will Ich auch ihr die Augen und die Ohren öffnen, und sie - wie auch alle, die aus ihr hervorgehen werden nach der Zahl der Sterne am Himmel und nach der Zahl des Grases auf der Erde und nach der Zahl des Sandes im Meere, welche unendlich ist - soll in aller Zukunft mit eigenen Augen sehen und mit offenen Ohren hören, was die Gottheit tat in Ihrem richtenden Grimme und was darauf die ewige Liebe tat in Ihrer unbegrenzten Erbarmung.
   03] Und das Gesetz habe Ich dir in dein Herz gegraben, wie du es auch in das Herz der Eva graben sollst; und zum Zeichen, das euch und alle, die euch folgen werden, mahnen soll der Gerichte Gottes ob eurer Sünde, will Ich hie und da lassen Berge entstehen, die da brennen sollen abwechselnd bis ans Ende der Zeiten, und will euch hinterlassen den Blitz, der euch mahnen soll der einstigen Zerstörung, und den allezeit folgenden Donner, der euch allezeit stark verkünden soll den Namen des großen und starken Gottes, wenn ihr je Seiner vergessen solltet oder könntet.
   04] Und die Tränen des Mitleides und die der großen Gnadenfreude aus dem heiligen Vater habe Ich hingestellt zum ewigen Zeichen als eine neue Schöpfung um den weiten Raum des Himmels, und sie sollen euch leuchten in jeder Nacht der Erde und sollen euch erquicken in der Dämmerung des Lebens und sollen euch verkünden den werdenden Tag.
   05] Und nun sehet empor zum Himmel; sie leuchten in mannigfaltiger Ordnung und in mannigfaltiger Pracht, - die rötlichen Lichtes zum Zeichen Meines Mitleids, und die weißen Lichtes zum Zeichen der Freude ob der großen Gnade des überheiligen und überguten Vaters. Und derjenige weißschimmernde breite Streif über den Sternen des Mitleids und der Freude, bestehend ebenfalls aus Sternen der Vorzeit durch die Träne der Sich damals schon der gefallenen Geister erbarmenden Liebe, welcher mitten durch des Himmels weiten Raum gezogen ist, diene euch zum Zeichen des ewigen, heiligen Bundes zwischen der ewigen Liebe, die euch und alles, was da ist, werden hieß, und zwischen der alles nach Ihrer ewigen Heiligkeit richtenden Gottheit.
   06] Und nun siehe her, du Adam, und du auch, Eva, in Mein linkes Auge, das über Meinem Herzen eurem rechten Auge gegenüber mild und gnädig euch entgegenstrahlt, - sehet, noch eine Träne hängt an der Wimper desselben, und sehet, diese Träne ist größer denn alle, die schon aus diesen Augen für euch geflossen sind!
   07] Da, wo das große Band am weiten Himmel geteilt erscheint, dorthin blicket gerne und seid allezeit dankbar und tief gerührt, sooft ihr dorthin blicken werdet; denn diese Stelle soll euch und auch der ganzen Schöpfung zum ewig bleibenden Zeichen eures Treubruches mit Mir und Meines damaligen Bruches mit der Heiligkeit Gottes aus Barmherzigkeit mit euch dienen, und das Band soll euch an der Stelle, wo es wieder wie angeknüpft erscheint, erinnern an die große Vermittlung der ewigen Liebe, die Ich bin von Ewigkeit her, zwischen der unantastbaren Heiligkeit Gottes und zwischen euch, die ihr treulos gesündigt habt vor dem Angesichte Seiner unbegrenzten Heiligkeit.
   08] Und nun sehet, dorther ist diese Träne, und dort ist der Ort ihrer Entstehung!
   09] Und diese Träne wird euch und euren Nachkommen einst aufgehen als ein schöner Morgenstern, welcher erleuchten wird alle Völker der Erde, die euch in den Zeiten der Zeiten folgen werden in euren reuigen und trauernden Fußstapfen, und wird noch zuvor waschen die Erde vom stinkenden Schlamme der Sünde und wird reinigen eure Tränen und Zähren der Reue und der Trauer vom Unrate der Schlange.
   10] Und nun sehet noch einmal her: Diese Träne will Ich fallen lassen auf eine noch weiße Blume dieses Strauches zwischen den zwei schon befruchteten Blumen Evas, und aus ihr soll einst emporblühen ein reines Weib, die a der Schlange den Kopf zertreten soll. Und die Schlange wird sie zwar auch in die Ferse beißen, aber das Gift wird ihr nicht schaden; und aus ihr wird hervorgehen, das vor euch jetzt ist, ein schöner Morgenstern allen Völkern der Erde, die eines guten Willens sind, und das ewige Gericht allen widerspenstigen Kindern der Schlange! {a gen.03,15}
   11] Und die Geister aus dem Schoße der Heiligkeit des Vaters werden zur Erde herabkommen körperlich und werden euren Kindern verkündigen die große Zeit und die Art der Ankunft Dessen, der jetzt vor euch steht, und den ihr jetzt noch höret und sehet und fürder nicht mehr hören und sehen werdet bis zur versprochenen Ankunft nach der Verheißung des heiligen Vaters durch Mich als die ewige Liebe in Ihm.
   12] Und nun habet ihr alles vernommen, was euch zu wissen nötig ist zum Empfange Meines Segens!
   13] Und so seid denn gesegnet von der Hand der Macht und von der Hand der Kraft der ewigen Liebe des heiligen Vaters und der Kraft des Geistes, die heilig ist aus Uns beiden, und befruchtet und mehret euch und erfüllt die Erde mit der lebendigen Frucht dieses Segens!
   14] Und allezeit, sooft ihr euch nahen werdet dieses Segens wegen, so opfert Mir zuvor eure Herzen! So ihr dieses unterlassen werdet, so wird die Schlange, die noch lebt und auch leben wird ewiglich im Grimme der Gottheit, die Frucht in euch verderben, und du, Eva, und alle deines Geschlechtes werden statt einer Frucht des Segens eine Frucht des Verderbens zur Welt bringen. Und diese werden zugrunde richten die Kinder des Segens und Lichtes in großer Anzahl, und ihres Tobens und Wütens wird kein Ende sein; und so werdet ihr die Sünde als Erbe an alle übergehen lassen, und eure Schuld wird sichtbar werden bis zur großen Zeit der Zeiten und auch nach derselben.
   15] Und dieses Meines Gnadensegens Opfer eurer Herzen sei euch gegeben als ein heiliger Dienst, den zu verrichten ihr Mir allezeit schuldig seid, sooft ihr euch nähert dieses Meines Segens willen. Dieses neue und leichte Gebot, das ihr soeben empfangen habt aus Meinem Munde, sei die erste Kirche, die Ich gründe vor euch zu Meinem Gedächtnisse, und erinnere euch an die Taten der erbarmenden Liebe dankbar und führe euch zur heiligen Furcht Gottes zurück!

•  gen.03,24] Und er trieb den Menschen hinaus und ließ lagern vor dem Garten Eden die Cherubim mit dem flammenden, blitzenden Schwert, zu bewachen den Weg zu dem Baum des Lebens. {a jl.hag1.010,16}
   16] Einen a sündenlosen Geist als Boten will Ich euch senden von oben mit einem Flammenschwerte in der Hand, damit er euch führe und zeige die ganze Erde von einem Ende derselben bis zum andern; und er wird euch erleuchten die Irrsale der Welt und euch aber auch züchtigen, so ihr abweichen werdet von Meinen Wegen. {a gen.03,24}
   17] Dieses alles sagt die ewige Liebe zu euch im Namen des heiligen Vaters amen.«

jl.hag3.024. Kapitel: {25.04.1843}

   01] Unterwegs aber fragte der Herr den Kisehel: »Nun, Mein geliebter Kisehel, der du ehedem so manche Bedenklichkeiten über dieses Wesen Mir gegenüber in deinem Herzen hast aufsteigen können lassen, was sagst du denn nun zu diesem Zeuger der Lüge und alles Truges?
   02] Möchtest du ihm nicht auch jetzt so einen halben Glauben zollen und es dich bedünken lassen, ob doch vielleicht hier und da in seiner vorigen an euch drei allein gerichteten Drachenmaulrede nicht irgend etwas von einer Wahrheit steckt?
   03] Entäußere dich so ein wenig nun vor Mir über diese Meine sehr gewichtige Frage!«
   04] Der Kisehel aber bat den Herrn seiner früheren Herzenstorheit wegen ganz zerknirschten Gemütes um Vergebung. Und als der Herr ihm erst völlig versichert hatte, daß Er ihm schon gar lange alles vergeben hätte, da fing er an, seinen Mund zu öffnen, und sagte endlich nach einer kleinen Pause:
   05] »O Herr, Du allein heiliger, guter liebevollster Vater! Was die allerbarste und allerhandgreiflichste Lüge dieses für mich nahezu namenlosen Wesens betrifft, so bin ich nun darüber wohl also im klaren, wie da noch gar helle leuchtet die Sonne jetzt noch ziemlich hoch über dem abendlichen Horizonte, und ich bezweifle auch sogar diejenigen Worte aus dem Munde dieses Wesens, welche es vor Dir geredet als völlig wahr angab.
   06] Denn ich merkte es gar wohl, wie es sich, wo es sich nur ein wenig tun ließ, selbst allzeit mitleidig anzog und allezeit auch wo möglich die Schuld entweder offenbar oder aber doch wenigstens sicher, wo nur möglich, heimlich auf Dich schob, darum ich auch einige Male im kaum aufzuhaltenden Zuge war, mit diesem von Dir mir gegebenen Machtstabe der schönsten Lügnerin so einen recht handfesten kreuzweisen Gegenbeweis aufs Maul zu legen.
   07] Daraus aber ist es doch wohl zu ersehen, in welcher Wahrheitsachtung dieses Wesens Worte bei mir nun stehen!
   08] Darüber wäre ich somit völlig - wie schon gesagt - im klaren; aber etwas anderes ist in mir, das sich noch immer hin und her wirft gleich einem zertretenen Erdwurme! O Herr, Du siehst es wohl in mir; darum möchte ich Dich darüber nun wohl um ein kleines Lichtchen bitten!«
   09] Und der Herr wandte Sich zum Kisehel völlig und sagte zu ihm: »Also höre denn!
   10] Siehe, die Satana, der Adam und die Eva sind darum wie eins, und dann der Kahin und seine Nachkommen ebenfalls wieder wie eins, weil fürs erste sich die Satana im Adam, aus ihm in der Eva und aus der Eva im erstgezeugten Sohne hätte sollen völlig aus Gehorsam zu Mir gefangennehmen, damit sie also wäre völlig vollendet worden und dadurch dann
alle fernere Zeugung als vollendet wie in den Himmeln aus ihr hervorgegangen wäre!
   
11] Dieses Wesen aber wollte das nicht, da es es gereute, darum (daß) es Mir so viel Gehorsam bezeigen solle aus sich.
   12] Im Adam wollte es nicht nach Meinem Maße sein; darum einte es sich in der Sichselbstanschauung, ging bald in die vollste Eigenliebe über, und der Mensch Adam ging als eine traurige Wohnung dieses Wesens umher und achtete der Dinge nicht, die ihn umgaben.
   13] Alsbald mußte Ich da eine wesenhafte Teilung vornehmen, nahm aus Adam das sich in ihm weiblich Gestaltete und beließ in ihm allein nur den männlichen Geist und stellte den weiblichen Geist als Eva frei in eine neue, schöne Wohnung außer dem Adam.
   14] Der Adam aber erkannte in der Eva alsbald sein zweites Selbst und hatte also ein großes Wohlgefallen an ihm.
   15] Da aber das zweite Wesen in sich gar bald merkte, daß es nun schwächer war als das erste, da sann es bald auf eine List, sich möglicherweise über das erste Wesen zu erheben.
   16] Die List aber gelang sogleich nicht. Adam verwies der Eva männlich und kräftig ihre Begierde; das war aber auch genug.
   17] Das zweite Wesen sammelte sich in seinem männlichen Teile, beließ in der Eva das schwach wähnende Weibliche zurück und entwand sich ihr in der Gestalt einer Schlange als ein scheußliches Zwitterwesen, aus welchem heraus es männlich und weiblich zugleich agieren (wirken) konnte, wie es sich denn auch gar bald zeigte bei der ungesegneten Zeugung Kahins, die euch bekannt ist.
   18] Nun siehe, Ich mußte darob die ganze Schöpfung umgestalten und anstatt der vollkommenen Zeugung die unvollkommene mit dem Vorbehalte segnen, daß diese nicht eher von Mir angesehen werden kann, als bis sich das angeerbte Übel aus dem Grundwesen Satanas durch die reinste Liebe zu Mir gänzlich verzehren wird, indem (da) im Adam wie in der Eva ein Teil der Satana notwendig zurückblieb, welches sich gegenseitig fortwährend begierlich anfallen muß, weil es von der wennschon getrennten, aber dennoch eigentümlichen Doppelnatur der Satana ist.
   19] So denn auch konnten der Adam wie der Kahin in hellen Momenten sprechen wie die Satana selbst; dennoch aber war weder der Adam, noch die Eva, noch der Kahin das eigentliche Grundwesen selbst, so wenig ihr als Teile Adams und Evas mehr (noch) grundweslich Adams und Evas seid.
   20] Siehe, also aber wie in Adam und Eva wird nun dies Wesen fortwährend in aller Kreatur geteilt und geschwächt, bis es sich also hin ans Ende der Zeiten wird völlig zerteilt haben und am Ende von ihm nichts mehr als die leere Form übrigbleiben wird und ohne Leben, da all ihr Liebeleben übergehen wird und muß in eine ganz neue Kreatur in euch, nun schon Meinen Kindern!
   21] Also stehen die Sachen; jedoch sagt davon niemandem etwas! Ich weiß warum; daher schweigt von allem dem! Amen.«

jl.hag3.030. Kapitel: {03.05.1843}

   01] Es hatte aber - mit Ausnahme des Henoch, Lamech und Kisehel - diese Antwort des Herrn an den Muthael alle ganz gewaltig stutzen gemacht; sie wußten sich darüber nicht zu raten und zu helfen und waren demnach außerordentlich bedrängt in ihren Herzen, indem alle die Väter damals zu ihrer großen Herzensehre ihre Weiber überaus lieb hatten und sie für die größten Geschenke aus den Himmeln hielten, und gar viele hielten die guten und braven Weiber auch für höher und Mir ums bedeutende näher gestellt als sich selbst, und das zwar aus dem sehr leicht begreiflichen Grunde, weil damals die Jungfrauen, wie die Weiber, gar züchtig, sanft, duldsam, ergeben, gehorsam, friedlich, häuslich, dabei aber auch urständlich von bedeutend größerer weiblicher Anmut und Schönheit waren denn in dieser jetzigen, geistig wie leiblich gänzlich verdorbenen Zeit.
   02] Daher also befremdete diese Antwort gar so sehr alle die Väter überaus tief, und sie wandten sich daher alle zu Mir und sprachen in ihren Herzen:
   03] »O Herr, Du allerliebevollster Vater! Gib uns allen zu unserer Beruhigung über Deine erhabenste Antwort an den Muthael ein größeres Licht denn in dem Lichte über unsere sittlichsten, besten Weiber können wir nicht glücklich, sondern nur unglücklich sein, da sie nach Dir doch unser allergrößtes Gut sind und wir Dir für dieses ewig nie genug werden danken können.
   04] Wenn der etwas schroff-weise Muthael sie bisher noch nie hat schätzen gelernt, so erleidet dabei die alte herrlich-gute Ordnung, aus Dir, o Vater, in unser Herz gelegt, doch sicher noch keinen Stoß! Im Gegenteile stellt sich dadurch eben der echt weibliche Sinn in den Weibern in unserm Gesichtskreise ja nur um so vorteilhafter und lobenswürdiger hervor, indem eben durch solch ein festes Halten der Weiber an ihrer Tugend der Mann zuvor gedemütigt werden muß, bevor er einer solchen Gnadengabe von Dir aus, o lieber Vater, würdig sein soll!
   05] Wenn der Mann im Weibe eine Härte findet, so ist das sicher nur die seinige; hat er diese gesänftet, so wird er sicher nur das herrlichste Gegenteil im Weibe finden!
   06] O lieber Vater, laß daher unsere lieben Weiber samt uns von oben sein und nicht von unten!«
   07] Und der Herr öffnete Seinen Mund und sprach zu den Vätern: »Ihr redet wie völlig Blinde noch in Meiner Ordnung!
   08] So ihr nicht wisset, was im Geiste oben und was unten besagt warum fragt ihr denn nicht danach, sondern verlangt dafür von Mir da ein Licht nur, wo ihr keines bedürft, und daß Ich eures törichten Wunsches halber Meine ganze ewige Ordnung verkehren solle?!
   09] Sagt Mir: Verliert denn dadurch vor Mir das Weib etwas, so Ich von ihr gegenüber dem Manne aussage, daß sie von unten sei und also gegen den Mann den notwendigsten Gegenpol ausmacht, ohne den weder der Mann für sich, noch das Weib für sich bestehen könnte?!
   10] Was werdet ihr denn aber sagen, so Ich nun zu euch sage: Ihr seid Mir gegenüber alle von unten her, und nur Ich allein bin von oben!
   11] Höre Ich aber darum nun etwa auf, euer Schöpfer und alleiniger, ewig heiliger Vater zu sein?! Oder habe Ich nicht dich, Adam, aus der Erde Lehm, wie dein Weib, die Eva, aus deiner Rippe erschaffen?!
   12] Da ihr aber alle wisset, daß der Lehm Meine Liebe und die,Rippe Meine Gnade und Erbarmung bezeichnen, da Meine Gnade und Erbarmung eben also euer Leben einschließt, wie da einschließt und verwahrt des Leibes Leben dessen festes Gerippe, so müsset ihr euch ja doch selbst als überblind erkennen, wenn ihr da einen untröstlichen Unterschied findet, wo ihr einen nur übertröstlichen finden sollet!
   13] Saget Mir, was wohl lobenswerter ist: die leuchtende Sonne selbst, oder ihr ausgehendes Licht? Was haltet ihr mir höher da?
   14] Ihr saget in euch: ,O Herr, da ist ja das eine so notwendig und gut wie das andere!'
   15] Gut, sage Ich; so die Sonne als die gesetzte Höhe in sich zu betrachten ist, was ist aber da mit ihrem ausgehenden Lichte für ein Standverhältnis dann?
   16] Ihr saget: ,Das muß dann ja notwendig allenthalben unter der Sonne sein!'
   17] Gut, sage Ich; so aber die Sonne an und für sich keinen höhern Wert hat denn ihr ausgehendes Licht, indem doch die Sonne ohne das ausgehende Licht so gut wie gar keine Sonne wäre und auch gar keinen Wert hätte, so wird das ja dem Weibe doch sicher auch nichts schaden und seinen Wert nicht im geringsten beeinträchtigen, wenn es dem Manne gegenüber notwendigerweise unten steht.
   18] Ich aber sage: Wenn das Weib ist, wie es sein soll, so hat es vor Mir den Wert des gerechten Mannes und ist ebensogut ein liebes Kindlein von Mir als der Mann; verirrt sich aber das Weib, so werde Ich es so gut suchen wie den Mann.
   19] Ein arges Weib aber ist ebensogut arg, als wie arg da ist der Mann; denn der Strahl aus der Sonne ist wie die Sonne selbst.
   20] Es wird aber eine Zeit kommen, da Ich den Strahl sammeln werde im Weibe, um die erloschene Sonne im Manne zu erleuchten!
   21] Verstehet solches, und lasset einmal ab von eurer alten Torheit! Liebet eure Weiber gerecht, aber machet aus ihnen nicht mehr oder weniger, als sie von Mir aus sind! Es ist genug, so ihr sie euch gleich achtet; darüber wie darunter soll eine Sünde sein!
   22] Wer von euch aber noch etwas hat, der komme und rede! Amen.«