10. Kapitel – Das Wesen des Äthers und des Sonnenlichts. 23. März 1842 [Fl.01_010,01] Ihr werdet vielleicht schon dann und wann gehört haben, daß je tiefer eine Gegend der Erde ist, desto dichter auch die Luft in derselben ist. Dieses ist eine ganz natürliche Folge, nachdem nicht nur die Luft, sondern alle Dinge, je näher sie strahlenförmig dem gemeinsamen Mittelpunkte rücken, auch desto dichter werden. Je mehr sie sich aber von diesem Mittelpunkte entfernen, desto lockerer kommen sie auch nebeneinander zu stehen. [Fl.01_010,02] Was an und für sich die einen Erdkörper umgebende Luft ist, wüßten wir sonach schon zum Teil aus dem Verlaufe der gegenwärtigen Mitteilung, noch mehr aber aus anderen schon lange gegebenen Erläuterungen über die Dinge der naturmäßigen Welt.

[Fl.01_010,03] Um euch, Meine Lieben, jedoch eines längeren Nachsuchens zu entheben, so sage Ich es euch noch einmal, daß die Luft, wie alle gesamte Materie, nichts anderes als ein geistig-materieller und materiell-geistiger Konflikt ist, und daß alle diese geistigen Potenzen, je tiefer sie liegen, sie auch desto ärger sind, und je höher über den Planeten sie sich aufhalten, sie auch desto lieblicher, friedsamer und beständiger sind. [Fl.01_010,04] So wir nun dieses wissen, da wird es uns doch nicht schwer sein, wenigstens in einem allgemeinen Überblick die Erde samt der sie umgebenden Luft nach ihrem Gehalte zu erkennen und darob mit leichtem Mute zu sagen: Das Gesamtwesen des Erdkörpers samt der ihn umgebenden Luft, soweit hinaus auch diese reicht, ist nichts als eine Gradation der
Geister, welche sich in einem solchen Planeten gesetzt hat, um den uns schon bekannten Rückweg anzutreten. [Fl.01_010,05] Ja, werdet ihr fragen, was erfüllt denn hernach den weiten Raum zwischen der Sonne und einem Planeten? [Fl.01_010,06] Die Naturforscher lassen hier einen äußerst leichten und nachgiebigen Äther auftreten. Was würden aber die Physiker sagen, so sie ersichtlich dartun müßten, was denn dieser Äther an und für sich ist? [Fl.01_010,07] Wahrlich, eine solche Frage würde sich schwer einen Preis von fünfzig Dukaten erringen! Denn fürs erste läßt sich der Äther durch kein Mikroskop betrachten, nachdem schon die viel dichtere Luft von keinem Mikroskop mehr partiell empfunden wird; aber chemisch könnten die Physiker den Äther untersuchen, so sie in ihre Retorten irgend einen bekommen könnten. Aber da die Region des eigentlichen Äthers erst bei einer Höhe von zwei, drei, vier und bis gegen den Nordpol hin gar erst zehn deutsche Meilen hoch über der Erde beginnt, so wird es wohl allen Naturforschern etwas schwer werden, sich zum Behufe ihrer Untersuchung bei ihrem Leibesleben von dorther einen Äther zu verschaffen. [Fl.01_010,08] Wir aber wollen einen viel bequemeren und sichereren Weg gehen, nämlich den des inneren Glaubens, Vertrauens und den Weg der wahren Liebe. Auf diesem Wege steht einem Ochsen- und Schafhirten der Sirius beschaulich näher, als auf dem finsteren Wege des überaus kurzsichtigen Forschens von seiten des menschlichen Verstandes ein Regentropfen, der dem überaus mathematischen Naturforscher auf die Nase gefallen ist. [Fl.01_010,09] Und so sagen wir: Der Äther ist ebenfalls ein geistiges Wesen, welches sich zwar zu allen Planeten positiv, zu den Sonnen aber negativ verhält. [Fl.01_010,10] Den Äther bilden somit äußerst reine, friedliche und duldsame Geister; denn wären sie das nicht, wie schwer würden es da die Weltkörper haben auf dem Wege um die Sonne, welcher da ist eine weitgedehnte Bahn, durch welche sich der Planet mit außerordentlicher Geschwindigkeit bewegen muß! [Fl.01_010,11] Da aber diese Äthergeister alsonach äußerst reine, friedsame und nachgiebige Geister sind, so findet an ihrem Dasein nichts irgend ein Hindernis in seiner Bewegung, – und möge das sich bewegen wollende oder zu bewegen genötigte Wesen oder Ding noch so gering und unscheinbar sein. [Fl.01_010,12] Sehet nun, Meine Lieben, da wir nun dieses wissen, so wird es wohl nicht mehr schwer sein, das Leuchten einer Sonne und die Fortpflanzung ihres Leuchtens zu ermitteln! Jedoch bevor wir noch solches zu tun vermögen, müssen wir gegenüber den Planeten auch der leuchtenden Sonne einige Augenblicke schenken und uns fragen: Wie sieht es da aus, und was geschieht daselbst? [Fl.01_010,13] Solches ist ja doch notwendig; denn sonst müßt ihr über kurz oder lang euch ja doch selbst fragen: Wie kann man jemandem die Wirkung erklären, so man ihm die Ursache der Wirkung verschweigt? [Fl.01_010,14] Daß die Sonne ein äußerst stark leuchtender Weltkörper ist, braucht niemandem näher erklärt zu werden; denn solche Erklärung geben jedem seine eigenen gesunden Augen. [Fl.01_010,15] Wie aber wird sie also überaus stark leuchtend? Und wie sieht es auf ihrer Oberfläche aus und also auch bis zu ihrem Mittelpunkte? [Fl.01_010,16] Sehet, das ist eine ganz andere Frage, welche noch in aller Kürze beantwortet sein muß, bevor wir zu unserem Hauptthema fruchtbringend zurückkehren können! [Fl.01_010,17] Es muß euch bei den Sonnen zuallererst schon ihre außerordentliche Größe auffallen, derzufolge eine Sonne nicht selten eine, ja mehrere Millionen Male größer ist denn ein oder der andere ihrer Planeten. [Fl.01_010,18] Was ist sonach die Sonne für sich selbst? [Fl.01_010,19] Die Sonne für sich selbst ist ein Planet von vollkommenem Zustande, und alle anderen Planeten sind nur Trabanten dieses großen und vollkommenen Planeten.
[Fl.01_010,20] Woher rührt denn hernach das außerordentliche Licht, das einen solchen vollkommenen Planeten umgibt? [Fl.01_010,21] Das Licht rührt von der geistigen Liebefreude der diesen vollkommenen Planeten umgebenden Geister her. [Fl.01_010,22] Sind diese Geister etwa schon vollendete Geister? [Fl.01_010,23] Diese Frage muß wieder geschieden werden, und zwar in sieben verschiedene Punkte, welche aber dessenungeachtet eben nicht zu schwer gründlich zu verstehen sein dürften, da sie sich in der schönsten Ordnung nebeneinander befinden. [Fl.01_010,24] Diese sieben Punkte sind demnach sieben verschiedene Geistergattungen in der Sonne, welche miteinander gemeinschaftlich das große Licht der Sonne bedingen. [Fl.01_010,25] Wollt ihr die innere Natur dieser Geister näher erkennen, so blicket auf die sieben Gebote der Nächstenliebe und – diesen sieben Geboten zur Unterlage – die drei, durch welche der Mensch sein Verhältnis zu Gott, seinem Schöpfer, erkennen soll, so habt ihr dann sobald den vollendeten Zyklus des Geisterverbandes auf einem Sonnenkörper. Auch die Farben eines Regenbogens geben euch diese Ordnung zu erkennen. [Fl.01_010,26] Was folgt aber nun aus dieser Vorerinnerung? [Fl.01_010,27] Aus dieser Vorerinnerung folgt nichts anderes, als daß die Sonne in ihrer inneren Sphäre ein Sammelplatz ist von siebenfachen Geistern. Darunter sind solche, welche zur Prüfung von der Sonne erst hinaus in die Planeten versetzt werden, und wieder solche, welche als schon vollendet zurückgekehrt sind; und es bildet dann die erste, noch zu vollendende Klasse des Sonnenkörpers inneren Gehalt, die zweite, aber schon vollendete, des Sonnenwesens äußere lichte Umhüllung. [Fl.01_010,28] Sehet, so ihr ein bißchen scharf zu sehen imstande wäret, so wäre eigentlich der Stein des Anstoßes schon gehoben; aber da ihr noch immer von schwachen Augen und daneben auch etwas harthörig seid, so muß Ich euch schon noch hinzusetzen, daß diese Geister es sind, welche durch ihr Liebe- und Wonnebeben das eigentliche Leuchten der Sonne ausmachen. [Fl.01_010,29] Was aber die Fortpflanzung dieses Lichtes betrifft, so mache Ich euch bloß nur auf die noch zu vollendenden Geister aufmerksam, die sich da noch immerwährend von der Sonne entfernen müssen, – so habt ihr ja diejenige Fortpflanzung des Lichtes auf ein Haar erläutert, davon schon bei der Bildung des Planetenknotens vorerst die Rede war, und auch habt ihr hiermit das Wesen der euch schon oft erwähnten, von der Sonne ausgehenden atomischen Tierchen, durch welche die Schwingungen der schon vollendeten Geister als eine stärkende Gabe an die die Sonne verlassenden unvollendeten Geistern auf die Reise ihrer Vollendung mitgegeben werden.

11. Kapitel – Die Fliege als Licht- und Lebenssammler. 24. März 1842 [Fl.01_011,01] Ihr werdet euch wohl auch fragen und sagen: Es ist alles gut und wahr; aber was treibt denn die Geister der ersteren Art, die noch unvollendet sind, hinaus von der Sonne in die endlosen Räume? [Fl.01_011,02] Und ich gebe euch darauf zur Antwort: Nichts anderes als Meine ewige Ordnung, vermöge welcher diese aus der Sonne wandernden Geister zwar eine positivpolarische Sättigung haben, aber vom Grunde aus an und für sich nur negativ sind. [Fl.01_011,03] Was geschieht denn aber, so zwei gleiche Pole sich nahe zu stehen kommen? Nichts anderes, als daß sie sich so lange abstoßen, bis der bloß nur positiv genährte, aber doch im Grunde an und für sich nur negative Pol alles Positive hintangegeben hat. [Fl.01_011,04] Nun sehet, also sind diese uns bekannten atomischen Wesen im Grunde negative Wesen und können so lange in der Sonne bleiben, solange sie lediglich diesen Charakter beibehalten. Nehmen sie aber allzu gierig eine Lichtsättigung aus dem positiven Polgebiete der Sonnengeister an, so daß sie sich dadurch dem Wesen des Lichtes nach sehr
wenig mehr unterscheiden von den eigentlich positiv-polarischen Geistern, welche die schon vollendeten sind, so werden sie dann auch sobald von den positiv-polarischen Wesen hinausgetrieben, und das mit einer wahrhaft geisterhaften Geschwindigkeit. [Fl.01_011,05] Diese also hinausgetriebenen Geister sind das eigentliche ausstrahlende Licht der Sonne, welches sich, wenn es auf einen Weltkörper fällt, dem positiven Teile nach demselben mitteilt, und welches alsonach das mitgenommene Licht oder vielmehr die noch fortdauernde Liebfreudebebung der vollkommenen Geister ist. [Fl.01_011,06] Dem negativen Teile nach aber werden, besonders bei der Annäherung an einen Weltkörper, diese ausgehenden atomischen Wesen bald ledig ihres positiven Teiles und kehren dann als antipolarische Wesen wieder zur Sonne zurück, – und das ist das Zurückstrahlen des auffallenden Lichtes aus der Sonne. Und da diese Wesen vermöge ihrer großen Schnelligkeit allzeit in einer geraden Linie sich bewegen, so wird es auch erklärlich, warum vom Sonnenlicht beleuchtete Gegenstände überaus klar zu sehen sind, besonders wenn in der atmosphärischen Luft keine Aufregungen stattfinden. [Fl.01_011,07] Wie aber eine also erleuchtete Form allen ihren Teilen nach vollkommen gesehen werden kann, rührt wieder daher, weil jede Materie, aus welcher eine Form gebildet ist, ebenfalls – wie ihr schon wißt – nichts als ein Konflikt geistiger Potenzen ist. [Fl.01_011,08] Wenn sonach diese schnellen Lichtträger aus der Sonne an eine Form stoßen, so nimmt die Form – je nachdem sie ihrem inneren Gehalte nach beschaffen ist – sobald die ihr zusagenden Teile an sich und läßt das für sie Unbrauchbare wieder in der allerhöchsten Schnelligkeit nach allen Richtungen hin von sich weggehen. [Fl.01_011,09] Sonach ist denn das Auge nur ein Aufnahmeorgan für die mannigfachen Unterschiede des Haupt- oder des zurückgeworfenen Lichtes; und diese mannigfachen Unterschiede des Lichtes sind dann auch natürlicherweise die Bildner aller der verschiedenen Dinge in dem für solche Lichtunterschiede tauglichen Auge. [Fl.01_011,10] So ihr nun dieses wisset und, soviel es mit leiblichen Sinnen nur möglich ist, begreifet, so muß es euch ja endlich doch klar werden, daß somit alles, was sich nur immer materiell darstellt, im Grunde dennoch nichts Materielles, sondern lauter Geistiges ist; nur könnet ihr das Geistige nicht schauen, weil ihr noch nicht in der geistigen Polarität seid. Werdet ihr euch aber einmal in der geistigen Polarität befinden, alsdann wird sobald die entgegengesetzte Erscheinlichkeit eintreten, vermöge welcher ihr dann nur das Geistige schauen werdet, aber alles Materielle euch werdet also hinzudenken müssen, wie jetzt das Geistige zum Materiellen; darum es euch nun auch nicht allzusehr wundernehmen muß, so ihr im Verlaufe dieser Mitteilung hie und da auf Punkte treffet, die euch nicht allzu klar werden können. Denn sollten euch nun schon alle diese Verhältnisse ganz vollkommen klargemacht werden können, so müßtet ihr ganz aus der Materie ins rein Geistige hinübertreten, was für jetzt noch nicht an der Zeit ist. [Fl.01_011,11] Aber soviel es nur immer möglich ist, das Geistige hinein ins Materielle zu erfassen, ist euch im Verlaufe dieser Mitteilung auch zur Genüge gezeigt, welch einen seichten Weg diejenigen einschlagen, welche nichts als die Materie vor sich haben; und wie unverständlich auch werden hingegen diejenigen, welche bei ihren Forschungen überall weit über die Materie hinaus ihre Weisheitssprünge machen. [Fl.01_011,12] Nachdem wir somit im kurzmöglichsten Blick die Unterschiede zwischen Licht und Licht, und Leuchten und Leuchten dargestellt und, soviel möglich, euch gründlich verständlich gezeigt haben, so haben wir auf diese Weise auch den schon besprochenen Vorbau zu unserem Siegesgebäude gemacht und wollen uns sonach wieder zu unserem bereits schon ganz in Vergessenheit geratenen Tierchen wenden. [Fl.01_011,13] Aber Ich sehe schon wieder eine neue Frage in euch, und diese lautet also: Ja, was wird denn aber jetzt auf einmal unsere arme Fliege zwischen Sonnen und Erden und zwischen all diesen jetzt aufgeführten Licht erzeugenden und Licht tragenden Geistern zu tun bekommen?
[Fl.01_011,14] Diese Frage soll sobald beantwortet werden, so ihr da saget: Zwischen Licht erzeugenden und Licht tragenden Geistern, was soll da die Fliege? [Fl.01_011,15] Die Fliege, sage Ich, soll hier ein Medium machen und soll zum Licht sammelnden Geiste werden. [Fl.01_011,16] Sehet, hier liegt der große Knoten begraben! [Fl.01_011,17] Könntet ihr je sagen: Wir begreifen nun dieses Wesen! und müßtet euch dabei selbst das allerlauteste Zeugnis geben, daß ihr nicht wisset, auf welchem Standpunkte es sich befindet, – was wäre da euer Verstehen? [Fl.01_011,18] Ja wahrlich sage Ich euch: Es wäre da wenig Unterschiedes zwischen dem, wie ihr die Fliege oder ein anderes Ding sehet, oder wie dieses Tierchen gesehen wird von einem anderen Tier, außer daß ihr es benennen könnet und sagen, daß es sechs Füße habe, zwei Flügel, einen Leib, einen Kopf und gehöre in das Reich der fliegenden Insekten, – und dann vielleicht noch zwei oder drei Hypothesen darüber. [Fl.01_011,19] Also der Standpunkt eines Dinges ist sonach die Grundbasis, von welcher aus betrachtet das Ding erst in seiner vollen Wahrheit erscheint. [Fl.01_011,20] Was aber ist die Wahrheit eines Dinges? [Fl.01_011,21] Sehet und höret! Das Geistige eines Dinges ist die Wahrheit! Solange dieses nicht ermittelt ist, gleicht alles einer tauben, hohlen Nuß, da nichts innen ist. [Fl.01_011,22] Also der Standpunkt ist die Basis; solches haben wir ausgesprochen, und solches auch muß sich bewähren. Sehet also unsere Fliege auf diesem Mittelstandpunkte! [Fl.01_011,23] Ist sie allein geistig oder allein materiell? [Fl.01_011,24] Nein, müsset ihr sagen, sie ist materiell zu einem Teile – und, darum sie lebt, geistig zum anderen Teile. Sie befindet sich wie zahllose andere Wesen zwischen den zwei Hauptpolaritäten, nämlich zwischen der positiv lebendigen Polarität der Sonne und der negativen Polarität des der Sonne gegenüberstehenden Planeten. [Fl.01_011,25] Das will soviel sagen: Sie ist somit neutral, das heißt, weder ganz positiv, noch ganz negativ. Ja also ist es richtig, gut und wahr: weder alleinig Lichterzeuger, noch alleinig Lichtträger, sondern Lichtsammler. [Fl.01_011,26] Was ist aber das Licht? [Fl.01_011,27] Solches wissen wir, daß es sich repräsentiert aus der Beweglichkeit des Lebens; also ist Licht und Leben eines und dasselbe, und das Licht ist somit nur eine Erscheinlichkeit des Lebens. [Fl.01_011,28] Da aber unsere Fliege ein Sammler ist des Lichtes, wessen Sammler ist sie dann noch? Oder vielmehr: Ist sie dann nicht – ein Sammler des Lebens? [Fl.01_011,29] Wie äußert sich dieses Leben in der Fliege denn nun? Äußert es sich etwa auch noch in einem prunkenden Licht? [Fl.01_011,30] Ihr müßtet blind sein oder ein phantastisches Auge haben, so ihr je von einer Fliege behaupten könntet, ihr hättet sie gleich einem Johanniskäferchen selbstleuchtend herumfliegen sehen. Ja, die Fliege bewahrt ganz musterhaft das Leben in sich, sie läßt es nicht mehr ausstrahlen, und ein dunkles Kleid hat sie angezogen, damit das Leben ja um so mehr sich vermehren könne in ihr. [Fl.01_011,31] Sehet nun, Meine Lieben, wer das Wesen der Demut an der Fliege nicht erkennt, der muß mehr denn dreimal hintereinander blind sein! [Fl.01_011,32] Ihr wißt ihre vielseitige Nützlichkeit; aber das Licht der Welt erkennt sie nicht. Und so muß die fleißige, die emsige, durch jede ihrer Bewegungen sogar nützende Fliege aller Verachtung preisgegeben sein. Warum denn aber das? Weil die Fliege ein Lebenssammler ist und lieber das Leben in sich vermehrt, als mit demselben, sich selbst zerstörend, prunkt. [Fl.01_011,33] Sehet ihr nun den Standpunkt, wie von ihm aus nun Strahlen nach allen Richtungen ausschlagen, damit ihr wohlerleuchtet ersehen möchtet den Sieg, welchen dieses Tierchen allzeit mutig erkämpft?
[Fl.01_011,34] Was ist aber eigentlich dieser Sieg? [Fl.01_011,35] Gehen wir nur auf unseren Standpunkt zurück und beachten alle Punkte wohl, die wir bisher vernommen haben! Ja, vom ersten Entstehungsgrunde des Lichtes ausgehend, alles vom Lichte Kundgegebene wohl beachtend, müssen wir ja doch mit Händen und Füßen zugleich begreifen, daß unter allen denkbaren Aufgaben die Aufgabe am schwersten zu lösen ist, nämlich: [Fl.01_011,36] Wie läßt sich das freie Leben binden, und wie vorher das frei herumschwärmende Leben sammeln? [Fl.01_011,37] Wir haben bei der Bildung des Planeten gehört, daß da die Fliege als erstes sichtbares Geschöpf einen solchen Planeten bewohnt. Also hier sahen wir die Fliege zuerst das zerstreute Leben in sich versammelt aufnehmen; jetzt nach dem Lichte sehen wir die Fliege wieder zwischen Sonnen und Planeten als einen Lebenssammler. [Fl.01_011,38] Was ist der Unterschied zwischen jetzt und derjenigen Urzeit, da noch die Fliege der alleinige Bewohner eines Erdkörpers war? [Fl.01_011,39] Einerseits gar keiner, denn heute noch wie damals entspricht sie vollkommen ihrer Natur und Ordnung; aber anderseits wieder ein unendlicher, denn sie steht nun auf der untersten polarischen Spitze nicht nur der Sammlung des Lebens, sondern auch der Umkehr desselben zu stets größeren und innigeren Potenzen und endlich bis zur allerhöchsten Potenz des Urlebens selbst. [Fl.01_011,40] Damals war zwischen ihr und der unendlichen Potenz noch eine unendliche Kluft; jetzt ist sie ausgefüllt durch das Wesen des Menschen, wie durch die fast endlose Vorreihe der Wesen vor dem Menschen. Ist solches nicht als ein endloser Unterschied zwischen damals und jetzt zu betrachten? [Fl.01_011,41] Damals ist es euch gezeigt worden, was dieses Tierchen da war; jetzt wird euch zwar auch dasselbe gezeigt, – aber in demselben wird euch auch der Sieg gezeigt. Und darum ist auch ein endloser Unterschied zwischen damals und jetzt. Denn damals hätte euch noch keine Fliege können singen vom Siege; jetzt aber kann sie solches. Und so ist auch zwischen ihrem damaligen und jetzigen Liede ein endloser Unterschied. [Fl.01_011,42] Und was ist dieser endlose Unterschied selbst? [Fl.01_011,43] Das ist eben der Sieg! [Fl.01_011,44] Und was ist denn der Sieg? [Fl.01_011,45] Hier öffnet eure Hand und ergreifet den Sieg bei eurer eigenen Nase! So ihr's aber noch nicht merken solltet, da muß Ich es euch ja geradehinaus sagen: Das erhaltene Leben ist der Sieg! [Fl.01_011,46] Wie aber behielt die Fliege das Leben? [Fl.01_011,47] Sie behielt es durch ihre große Tätigkeit; denn das Leben will geübt sein! Sie behielt es ferner durch ihre große Demut; denn das Leben will versammelt sein! Sie behielt es durch die blindeste Unterwerfung in Meinen richtenden Willen; denn alles Leben muß gerichtet werden, wenn es sich dereinst gewisserart selbst finden und sich selbstbewußt erkennen soll! [Fl.01_011,48] Wenn ihr nun diese Punkte betrachtet und betrachtet die Gesetze, welche von Mir aus an euch ergangen sind für die ewige Erhaltung des Lebens, und vergleichet dieses alles wohl miteinander, stets vor Augen habend, was der Sieg ist, so werdet ihr doch auch endlich einmal erkennen, was da gemeint ist unter den Anfangsstrophen der Fliege, allda es lautet: Die Fliege, die Fliege, sie singt euch vom Siege! [Fl.01_011,49] Denn dieses schon vor längerer Zeit euch gegebene Liedchen, aus wenigen Strophen bestehend, kann vom Anfange bis zum Ende nur als eine Anfangsstrophe zu diesem euch nun gegebenen großen Liede betrachtet werden. Da ihr in diesem großen Lied erst das eigentliche Siegeslied der Fliege erkennt, und da wir nun den Sieg erkannt haben, so lasset uns jeder bei sich selbst diesen Sieg erschauen und wohl beachten, damit wir dadurch fähiger und fähiger werden, uns gegenseitig stets mehr und mehr näher zu kommen und also den
endlichen allergrößten Sieg zu erfahren an sich, welcher Sieg da ist die Wiedervereinigung jedes einzelnen Lebens mit Meinem urewigen Leben. [Fl.01_011,50] Wie aber solches ohne die allergeringste Beeinträchtigung vor sich gehen wird, wodurch jedes Leben sich selbständig bleibt ewiglich, ungeachtet es mit dem Urleben in der innigsten Verbindung steht, darüber soll uns in der nächsten und letzten Mitteilung die Fliege noch ein kleines Liedchen singen!

12. Kapitel – Die Fliege als Symbol der Demut. 25. März 1842, Karfreitag [Fl.01_012,01] Was unter dieser Beeinträchtigung verstanden wird, habt ihr zwar schon im Verlaufe dieser Mitteilung zur Genüge gehört, ja nicht nur im Verlaufe dieser, sondern auch mehrerer anderer Mitteilungen habt ihr es schon zu öfteren Malen empfangen, wie man dessenungeachtet für sich allein dastehen kann, wenn man sich auch in seinem Herzen auf das innigste vereinigt mit seinem Schöpfer. Es ist euch aber dessenungeachtet noch immer dunkel ums Gefühl, und der Glaube hat noch ein hartes Feld, und die Seele nimmt es schwer auf, wie der Mensch im Geiste ein vollkommen freies, selbständiges Leben haben könne, welches aber doch also gebunden ist mit dem Urleben des Schöpfers, daß es mit diesem vollkommen nur ein Leben ausmacht. [Fl.01_012,02] Ja, wahrlich solches in der irdischen Beschränktheit zu erfassen, ist wohl außerordentlich schwer, und Ich sage euch: Wer es nicht lernt von dem bescheidenen Liedchen der Fliege, oder nun noch deutlicher gesprochen, wer es nicht lernt aus der wahren, allerinnersten Demut auf dem Wege des Kreuzes, ja noch deutlicher und heller gesprochen, wer es nicht lernt von Mir, dem Vater, der Ich die allerhöchste und allerinnerste Demut Selbst bin, der wird es nicht begreifen, und sicher auch zu häufigen Malen ewig nimmerdar verstehen, nämlich, wie Vater und Kinder vollkommen Eines sein können. [Fl.01_012,03] Damit ihr euch aber davon eine gegründetere Vorstellung machen könnt, so wollen wir die Blicke noch auf zwei große Dinge richten, nämlich auf einen großen Menschen, der da heißt „Welt“, und auf einen anderen großen Menschen, der da heißt der „Himmel“. [Fl.01_012,04] In Hinsicht auf den ersten Menschen, in formell-materieller Hinsicht betrachtet, sind ganze Hülsengloben voll Sonnen und Welten kaum Nervenwärzchen seines Wesens zu nennen, und so dieser Mensch auch in dieser seiner Größe sich vollkommen als ein Leben ansieht also, wie ihr euch als ein Leben ansehet, – besteht er darum wirklich nur aus einem Leben? [Fl.01_012,05] Ich meine, um das einzusehen, daß dieser große Weltenmensch ein gar vielfaches Leben lebt, brauche es weiter gar nichts, als nur einen Schwarm Fliegen anzusehen, und sie werden es durch ihr Gesumse kundgeben, daß schon sogar sie als erste Tierlein für sich ein abgeschlossenes Leben haben. Um wieviel mehr muß der Mensch für sich dasselbe bekennen, und noch mehr eine ganze Erde voll Völker und anderer lebender Wesen zahlloser Arten, und noch bei weitem viel mehr eine Sonne mit ihren vollendeten Wesen, und noch bei weitem viel mehr eine Zentralsonne um die andere mit ihren allervollkommensten und allermächtigsten Geistern, und endlich noch mehr eine abgeschlossene Hülsenglobe für sich, die doch ein nahe endloser Inhalt ist sogar schon von zahllosen Weltkörpern, geschweige erst von den Wesen auf denselben. [Fl.01_012,06] Und doch sind all die Hülsengloben, alle Zentralsonnen, alle Nachzentralsonnen, alle Planetarsonnen und alle andern Nebensonnen mit ihren Planeten und all den Wesen auf denselben, in eigentlichster Hinsicht betrachtet, nichts als Körperteile dieses großen Weltenmenschen, der für sich ein so gut abgeschlossenes Leben hat wie jeder Mensch von euch auf der Erde und samt dieser in diesem großen Weltenmenschen. [Fl.01_012,07] Sehet, das ist nun die Betrachtung von der materiellen Seite.
[Fl.01_012,08] Nun lenken wir unseren Blick auf den Himmelsmenschen, gegen dessen Größe sich dieser vorhin ausgesprochene große Weltenmensch gerade so verhält, wie ein trillionster Teil eines Atoms gegen die Größe des vorbekannten Weltenmenschen. [Fl.01_012,09] Ja, der Himmel in seiner menschlichen Hinsicht ist so groß, daß alle die zahllosen Milliarden der Hülsengloben, aus denen dieser große vorbenannte Weltenmensch besteht, sehr bequem in dem Rohre eines Härchens auf seinem Leibe Platz hätten, so zwar, daß sie alle ihre Bewegungen im selben machen könnten, ohne nur je die Wände dieses Haarröhrchens zu berühren! [Fl.01_012,10] Nun denket euch, wie viel Leben hat nun dieser Himmelsmensch schon in einem Haarröhrchen oder wenigstens in einem dem Haarröhrchen entsprechenden anderen Leibesteile, und wie viel Leben muß er dann erst in einem Gliede haben, wie viel in seinem Herzen erst, und wie viel in seinem ganzen Leibeswesen, – und doch denkt dieser ganze Himmelsmensch für sich nur als ein einfacher, für sich allein bestehender Mensch, während doch in ihm zahllose Milliarden und Milliarden der allervollkommensten Engel und Geister alle also abgeschlossen für sich denken und leben wie der große Himmelsmensch! [Fl.01_012,11] Ja, in dem Himmelsmenschen gibt es noch andere Verhältnisse, durch welche vollkommen gleichdenkende und gleichliebende Wesen einen Verein bilden, der, für sich genommen, entsprechend einem irdischen Weltkörper oder wenigstens einem Teile desselben, vollkommen einen Menschen darstellt, welcher wieder ganz auch vollkommen für sich denken und fühlen kann, so als wäre er nur ein einzeln für sich dastehender Mensch. [Fl.01_012,12] Ja, Ich sage euch noch hinzu: Es gibt in Meiner Unendlichkeit sogar mehrere solcher Himmel, und jeder Himmel ist für sich wieder ein vollkommener Mensch, und alle die Himmel bilden erst zusammengenommen wieder einen also unendlichen Menschen, welcher von niemandem gedacht und empfunden werden kann denn allein von Mir, da er eigentlich Mein Leib selbst ist oder der Gott in Seiner Unendlichkeit, der da Seine Selbst- und Alleinheit gewiß auf das allerbestimmteste und allerklarste denkt und fühlt, – und doch welche Vielheit des Lebens in Ihm! [Fl.01_012,13] Wenn ihr diese zwei Bilder nun nur ein wenig vergleichet und dann im Geiste durchgehet, so wird es euch ja doch nimmer entgehen können, daß in einem ewigen und unendlichen Leben sich zahllose Leben frei bewegen können und genießen allda die allerhöchsten Wonnen des Lebens vollkommen, während sie doch nur Teile des einen Hauptlebens in Gott sind. [Fl.01_012,14] Sehet, solches singt also die Fliege in der Demut; und die Demut ist die eigentliche wahre Hauptfliege des Menschen selbst! Denn wie die Fliege im Weltteile anfängt, in sich den Sieg über das Leben zu gewinnen, also fängt auch die Demut im Menschen an, auf dieselbe Weise das allerfreieste Leben aus Gott aufzunehmen und es einzuschließen in sich und dann durch ihre Beharrlichkeit und durch ihren Mut groß- und starkzuziehen in sich dieses ewige Heiligtum, welches da ist der lebendige Christus in einem jeden wahren Menschen. Und wenn dessen Leben übergegangen ist in alle Teile der Seele und durch die Seele auch in den fleischlichen Leib, so ist dann solche Erscheinlichkeit, ja wirkliche Handlung im Geiste ja doch ein Sieg, ja wahrlich der allerhöchste Sieg, welchen je ein Mensch sich erkämpfen könnte; denn durch diesen Sieg hat er ja in sich das allerhöchste Leben Gottes gefangengenommen, hat es sich zu eigen gemacht durch die Liebe und wurde nun Eins mit dem ewigen Gott, dem Vater aller Liebe. [Fl.01_012,15] Saget Mir, ist solches nicht ein Sieg, von dem euch die Fliege singt? [Fl.01_012,16] Wollt ihr aber die Fliege, die euch da singt von diesem Siege, recht verstehen, da fraget die eigene wahre Fliege in euch, welche da ist die vollkommene Demut, und diese wird euch die große Antwort geben: Ja, durch sie werdet ihr es empfangen, was da ist ein rechter wahrer Sieg! [Fl.01_012,17] Wie aber die Liebe ist eine Frucht der Demut, so ist die ewige Wahrheit oder das Licht allen Lichtes eine Frucht der Liebe; und so die Liebe wächst aus der Demut und die
Wahrheit aus der Liebe, so ist das ein rechtes Wachstum und ist ein wahrer Baum des Lebens und ein wahrer Baum aller heiligen Erkenntnis des Lebens, und alles, was desselben ist zeitlich und ewig. [Fl.01_012,18] Wer aber da die Geheimnisse des Lebens etwa gar durch seinen Weltverstand ermitteln will, der wird wohl nimmer dieselben irgend ermitteln, sondern wird durch den Verstand noch das wenige Leben verlieren, das er sich ehedem in seiner Kindheit erwirtschaftet hatte. Denn wahrlich sage Ich euch: Wer solches innere Wort, wenn es sich kundgibt – entweder in eines jeden bessergesinnten Menschen Herzen durch mahnendes Gewissen oder als vernehmliches Wort durch den Mund eines Geweckten –, nicht mit kindlich einfältig-frommem Sinne glaubt und dann aber nicht nur ein bloßer Hörer solchen Wortes verbleibt, der sich höchstens bloß verwundert, bald über dieses, bald über jenes, was darinnen vorkommt, – sondern ein Täter desselben wird, da sage Ich euch noch einmal: Wahrlich, wahrlich, es wird das Hören und Sehen niemanden in den Himmel bringen, sondern allein das Tun! [Fl.01_012,19] Ihr habt aber im Verlaufe dieser Mitteilung vernommen, daß das Leben nicht ehedem zurückkehren kann, bevor es gerichtet wird; und zugleich müßt ihr auch wissen aus dem Evangelium, allda es heißt: „Nicht Ich, sondern das Wort, das Ich zu euch geredet habe, wird euch richten.“ [Fl.01_012,20] Sehet, sonach ist das Wort ein Richter für den, der es tut, zum ewigen Leben – und für den, der es nicht tut, zum ewigen Tode; denn niemand kann zur Gewißheit gelangen außer auf dem tätigen Wege des Kreuzes nach dem Worte, welches da nichts als die Demut und die Liebe predigt. Wer aber da ist ein bloßer Hörer und tut nicht nach dem ihn zum Leben richten sollenden lebendigen Worte, der wird sich auch nicht vereinen können mit der positivlebendigen Kraft desselben, sondern wird verbleiben in seiner negativen Polarität des Todes, aus welcher da wohl schwerlich ewig je sich wieder ein positiv-polarisches Leben entwickeln wird. [Fl.01_012,21] Was sind aber die ersten Kennzeichen eines solchen Gerichtes zum Tode bei einem Nichttäter des Wortes? [Fl.01_012,22] Die ersten Kennzeichen sind die Zweifel an der Echtheit eines oder des anderen Teiles göttlicher Offenbarung. [Fl.01_012,23] Was ist aber ein solcher Zweifel denn an und für sich? [Fl.01_012,24] Ein Zweifel ist da nichts anderes als eine Ohnmacht des inneren Lebens, zufolge welcher der Geist in sich zurücksinkt und in der Seele kein anderes denn ein mattes naturmäßiges Zwielicht scheint, wobei ein Teil des Lichtes noch von den matter und matter werdenden Strahlen des Geistes, ein Trugteil des zunehmenden Lichtes aber von der alle Sinne täuschenden Welt herrührt. [Fl.01_012,25] Wohin hernach solche Geistesohnmachten führen, das wird keiner großen Erklärung mehr bedürfen, so der Geist nicht bald wieder von neuem erweckt wird durch ein kräftiges Tun nach dem Worte. [Fl.01_012,26] Wer aber da im Verlaufe dieses Lebens nicht wird übergehen in die wahre positive Polarität des ewigen Lebens, der wird sich selbst richten für die negative Polarität, aus welcher er ewig nimmerdar erstehen wird. [Fl.01_012,27] Es verhalten sich aber diese beiden Polaritäten wie Geistiges und Materielles, oder wie lebendige innere Frucht und wie tote äußere Schale. [Fl.01_012,28] Wer da übergehen wird in die Frucht, der wird übergehen ins Leben; wer aber da wird übergehen in die Schale, der wird auch übergehen in den Tod. [Fl.01_012,29] Ihr wisset aber ja schon, daß in jeglichem Dinge, und also sicher noch um so mehr in Gott, sich zwei Polaritäten befinden; und wie das göttliche Sein ein ewiges ist, also müssen auch diese zwei Polaritäten ewig sein.
[Fl.01_012,30] Wer da durch das Wort gerichtet wird, oder sich vielmehr selbst richtet nach dem Worte, der nimmt das Leben in sich auf und entspricht der göttlichen positiven Polarität, welche da ist das allerfreieste und unumschränkteste Sein. [Fl.01_012,31] Wer aber das Wort nicht tatsächlich aufnimmt in sich, sondern es bloß nur durch seinen negativen Verstand laufen läßt, den wird das Wort selbst richten hin zur negativen Polarität, welche da ist das Grundprinzip alles Materiellen und somit alles Todes und alles Beschränktseins; – woraus da hervorgeht, daß die naturmäßige Welt ebensowenig ewig je mehr ein Ende nehmen wird wie die geistige, sondern wird bleiben als eine ewige negativ-polarische Unterlage alles Geistigen und Freien. Welches Los demnach das glücklichere ist – für alle Ewigkeiten der Ewigkeiten entweder der negativen oder der positiven Polarität Gottes einverleibt zu werden, oder: ein ewig wonnevollst freiester Engelsgeist zu sein, oder ein gebannter Satan in einem toten Steine –, solches möget ihr nun selbst entscheiden. [Fl.01_012,32] Wahrheit ist zwar für den Lebendigen überall, aber für den Toten gibt es in der ganzen Ewigkeit nirgends ein Licht. [Fl.01_012,33] Und solches ist bei sich zu tragen, solches, was da allzeit die Wahrheit soll besagen; und eben solches ist ein überaus gutes Ding, ja das ist der ewige Ring des Lebens, in den ihr eindringen sollet, der sich aber nicht nur zur Unterhaltung des Verstandes, sondern ernst in der Tat nur drehet, und durch diese erst die Wahrheit als des wahren Lebens Licht in ihm erstehet und ihn durch-und-durchwehet. [Fl.01_012,34] Sehet, wenn ihr nun dieses begreifet, da werdet ihr auch wohl begreifen, daß der Ton ist wie die Pfeife, oder das Licht wie das Leben, und der Lohn wie die Arbeit, oder die Erkenntnis oder das Selbstbewußtsein des ewigen Lebens in sich wie die Tat nach dem Worte; und wie der Berg, also des Krümme, oder wie geartet das Leben, so gestaltet auch der Pol desselben; und wie das Herz, also auch dessen Stimme, oder wie die Demut im Herzen, also auch das lebendige Wort im selben. [Fl.01_012,35] Nun werdet ihr wohl kaum mehr fragen: Wer mag dies in sich begreifen; wem wird dieser Ölzweig reifen? Denn ihr wißt aus dem Verlaufe dieser Mitteilung, was die Wahrheit und was das Licht ist, und werdet demnach auch wissen und leicht begreifen, wie die Wahrheit ist ein Licht dem Lichte, und ein Licht dem Lichte zum Gerichte, d. h. entweder zum Gerichte, das da kehret das Leben zum Leben, oder umgekehrt, wie ihr es schon wißt. [Fl.01_012,36] So ihr alles das Gesagte wohl überdenket, möget ihr da die Frage noch nicht verstehen: Kannst du nun um Sonnen freien, wie im Licht die Erd' entweihen? Oder auf deutsch gesagt: Kannst du zweien Herren dienen? [Fl.01_012,37] Denn wer da um Sonnen oder um lebendige Vollendung freiet, wie kann der mit diesem Lichte sich zur Außenwelt wenden, um durch dieselbe sich zu bevorteilen?! Oder damit ihr es noch deutlicher versteht: Wie will der durch seinen Verstand göttliche Wahrheiten ziehende Mensch dadurch zum ewigen Leben gelangen, so er nicht das Wort in sich zur Tat will kommen lassen?! [Fl.01_012,38] Ein solcher ist ja, der im geraubten Lichte das Erdreich, auf welchem er fürs Leben tätig sein soll, durch seine Trägheit entweiht! Oder wissen solches nicht schon sogar die Physiker, daß sich gleiche Polaritäten nie anziehen, sondern allzeit abstoßen? So aber die Erde faul und träge ist für sich, wird sie da wohl je können durch Untätigkeit belebet werden?! [Fl.01_012,39] Daher ist dieses ja klar, daß man zweien Herren nicht dienen kann, – also nicht zugleich dem müßigen Verstande und der lebendigen Tat. [Fl.01_012,40] Wer aber da um Sonnen freien kann, der soll ja mit dem Lichte die Erde nicht entweihen, sondern sie vielmehr segnen durch seine Tat, damit ihm da auch aus der Erde eine Sonne wird. [Fl.01_012,41] Und also ist der Aufruf an den finstren Zweifler, daß er fliehen solle, wenn Ich Sonnen niederziehe, vollgültig. Aber wohin soll er fliehen?
[Fl.01_012,42] Die Fliege mag er fragen, und sie wird es ihm sagen, welchen Zug das Leben nimmt, und wie es dann zurückkehren solle, ausgerüstet mit großen Wucherprozenten; aber die Fliege wird ihm auch noch sagen, wohin er noch fliehen kann, ja vielmehr fliehen muß, so er nicht zurückkehren mag durch die Tat des Wortes zum ewigen Leben alles Lebens. [Fl.01_012,43] Wer da nur schon ein wenig seine Augen geöffnet hat, der wird auch gar nicht lange zu suchen brauchen, um die ganze Unendlichkeit voller Hirsche zu erblicken, die da wahrlich um die Wette rennen zum Urziele, dahin das Leben schon in unserer Fliege seine Richtung nahm; denn „Hirsche“ und „stets freier werdendes Leben“ bezeichnen ein und dasselbe. [Fl.01_012,44] Wißt ihr nun das, so wisset ihr auch, wer und wie er da heben kann die endlose Kette der Wesenreihe, die da aufsteigt zum Urborne alles Lichtes und alles Lebens. [Fl.01_012,45] Es ist aber die Frage hier gestellt an den Verstandesmenschen, ob auch er, der Tatlose, zu heben vermag diese Kette, und gleicherweise auch die zweite und letzte Frage: Magst du der Wahrheit Spur nicht finden, nämlich durch die Tat, wer wird dich sonach der Nacht des ewigen Todes entbinden? [Fl.01_012,46] Ich meine, diese letzte Frage bedarf etwa wohl keiner Erläuterung mehr, sondern es wird euch doch schon aus dem Verlaufe dieser Schrift hinreichend bekannt sein, daß man, um sich der Nacht des ewigen Todes zu entbinden, ein lebendiger Täter des Wortes sein muß, – und nicht bloß ein Hörer, endlich gar ein Kritiker, ja was noch mehr ist, ein Verächter und sodann gar ein Leugner Meines Wortes. [Fl.01_012,47] Wer aber da sein will ein wahrer Täter des Wortes, dem muß dasselbe also vollkommen ernst sein, darum er dann mit Meinem lieben David aussprechen kann: „Gott ist mein rechter Ernst; ich will singen und dichten; das ist auch meine Ehre. Wohlauf denn, ihr Psalter und Harfen! Ich will frühe aufsein. Ich will Dir danken, Herr, unter den Völkern und will Dir lobsingen unter den Leuten; denn Deine Gnade reicht, soweit die Himmel sind, und Deine Wahrheit, soweit die Wolken gehen. Erhebe Dich, Gott, über den Himmel, Deine Ehre über alles Land; auf daß Deine lieben Freunde erlediget werden, hilf mit Deiner Rechten und erhöre mich!“ (Psalm 108). [Fl.01_012,48] Singt hier nicht David, daß Gott sein rechter Ernst ist? [Fl.01_012,49] Wie kann aber Gott sonst bei den Menschen sein als im Worte?! Also das Wort muß dem Menschen ein Ernst sein, darum er es singen soll oder hören und dann dichten oder tun; und das ist die Ehre oder das Licht des Menschen selbst. [Fl.01_012,50] Wohl ruft hier David Psalter und Harfen auf und will frühe aufstehen, um was denn zu tun? [Fl.01_012,51] Nichts als das Wort; denn wer das Wort in sein Herz aufnimmt und tut danach, der dankt und lobsinget Mir auf den besten Psaltern und Harfen, – und tut solches unter Völkern und unter Leuten, oder er befindet sich in der Mitte der zwei euch schon bekannten Polaritäten und strebt mitten hindurch zu Gott empor, und läßt sich weder irremachen von den Völkern, noch von den Leuten, oder von seinem Verstande, noch von seiner Trägheit. [Fl.01_012,52] Ja wahrlich, wer solches tut, dem Gott, wie dem David, ist ein rechter Ernst, der weiß gar wohl, wie weit Meine Gnade reicht, oder wie weit das Leben von Mir in alle ewigen Räume hinausgeht, welches da sind die Himmel, von denen euch heute Genügendes gesagt wurde; auch weiß er, was die „Wolken der Wahrheit“ sind, nämlich daß sie sind die Geister des ewigen Lebens. [Fl.01_012,53] Ja, wem da Gott ist ein rechter Ernst, der erkennt in sich den Sieg und ruft ebenfalls mit David: „Erhebe Dich, Gott, über den Himmel – oder über dieses mein früheres Leben –, und Deine Ehre – oder Dein lebendiges Licht – ströme aus über alle Lande meines Wesens, auf daß dadurch alle lieben Freunde, oder alle, die sich dem Leben zugekehrt haben, auf welcher Stufe sie sich auch noch immer befinden möchten, bald von allem, was des Todes ist, erlediget werden möchten!“
[Fl.01_012,54] Ja, dem Gott, wie dem David, ein rechter Ernst ist, der wird gleich ihm noch am Ende rufen: „Herr, mein Gott und mein Vater, siehe, mein Herz ist übervoll von Liebe zu Dir! Siehe, aus dieser Tiefe meiner Demut flehe und schreie ich zu Dir, auf daß Du mir helfen möchtest mit Deiner Rechten, oder daß Du mir geben möchtest das wahre Licht des Lebens und ich dann mit Dir werden könnte ein einzelnes vollkommenes Leben; und also erhöre mich, mein Gott!“ [Fl.01_012,55] Sehet, das ist eine rechte Bitte für den, der da bei sich sagen kann im Geiste und in aller Wahrheit: „Gott ist mein rechter Ernst!“ [Fl.01_012,56] Denn wem Gott ein rechter Ernst ist, der wird sich auch vollkommen kehren zu Gott und wird nicht mit dem einen Auge zurückschauen auf die Welt und bloß mit dem andern aufblicken zu Gott. Er wird nicht nur seine Augen, sondern sein ganzes Wesen wird er erheben zu Gott! Aber wie es jetzt an der Zeit ist, glaubet es Mir, da gibt es gar wenig Ernstes zu Gott, und die Menschheit ist samt und sämtlich in die größte Lauheit übergegangen, und den letzten Tropfen lebender Kraft, den sie noch innehat, verwendet sie lediglich für Weltliches. [Fl.01_012,57] Wieviel des zurückkehrenden Lebens zu Mir da herauskommen wird, das werdet ihr ohne große Kopfbeschwerden an den Fingern abrechnen können, und seid versichert, die Worte „zahllos“ und „unendlich“ werden wir hier nicht gebrauchen! [Fl.01_012,58] Aber solle uns deshalb etwa bange sein? O Meine lieben Kindlein, mitnichten! Denn dessenungeachtet geht doch alles den Weg, welchen Mein richtendes Wort vorschreibt, entweder aufwärts oder abwärts; und so ganz frei gesprochen: Obschon die Erde um ein teures Lösegeld erkauft wurde und wurde in das Zentrum gestellt zwischen Meine zwei unendlichen Polaritäten, so befinden sich aber dessenungeachtet in der weiten Unendlichkeit noch gar viele Erden, auf welchen treuere Kinder wandeln als auf dieser alleinig undankbarsten, – und doch habe Ich keiner das getan denn dieser! [Fl.01_012,59] Doch die Ewigkeit ist noch nicht zu Ende; ihre Fortdauer ist endlos! Wehe dieser Erde, so Ich Mein Herz von ihr abwenden werde und zuwenden einer andern! [Fl.01_012,60] Solches beachtet wohl, was alles ihr in dieser Fliege empfangen habt, und tut danach! Haltet ferne euren Verstand, aber desto näher euer Herz, so werdet ihr den wahrhaften Sieg des Lebens in euch erkennen und werdet euch aufschwingen können zu dem siebenfachen Lichte, und zum dreifachen Lichte über das siebenfache Licht! [Fl.01_012,61] Solches sage Ich euch aber noch schließlich hinzu: So da jemand hätte einen Zweifel und könnte nicht vollends glauben solcher Mitteilung, auf daß er dadurch tätig würde in seinem Herzen, der tut besser, so er es nicht anrührt; denn hat er es angerührt, so hat er sich verstärkt den inneren Richter zum Tode. Hat er es aber nicht angerührt, so wird sein Gericht auch leichter und der Weg zum negativen Pol erträglicher, und vielleicht nach Ewigkeiten möglich umwendbar. [Fl.01_012,62] Wer es aber liest und es betrachtet als einen kräftigen Wegweiser zum Leben und tut danach, wahrlich, der hat auch schon den Sieg in sich, welches Alles ist der allein heilige Liebewille eures Vaters ewig. Amen. – – –

13. Kapitel – Ein Trost aus der hohen Weisheit, die allhier zu lösen ist. 6. März 1842, Sonntag [Fl.01_013,01] Solches ist bei sich zu tragen, / Wahrheit allzeit zu besagen, / Das ist gar ein gutes Ding, / Einzudringen in den Ring, / Der sich allzeit ernst drehet, / Da die lichte Wahrheit wehet. [Fl.01_013,02] Wie die Pfeife, so der Ton, / Wie die Arbeit, so der Lohn, / Wie der Berg, also des Krümme, / Wie das Herz, also des Stimme! / Wer mag dies in sich begreifen? / Wem wird dieser Ölzweig reifen? [Fl.01_013,03] Wahrheit ist ein Licht dem Lichte, / Licht dem Lichte zum Gerichte. / Kannst du nun um Sonnen freien, / Wie im Licht die Erd' entweihen? / Finstrer Zweifler, fliehe,
fliehe, / So Ich Sonnen niederziehe! / Sieh, die Hirsche rennen Wette; / Magst du heben diese Kette? / Magst der Wahrheit Spur nicht finden, / Wer wird dich der Nacht entbinden? – –