Vortrag anläßlich der Swedenborg-Tagung im Mai 2001 in Horath

von Arnulf Kreuch:

 

Der Tempel Salomos

 

Vormittags-Vortrag

 

Einleitungsgebet:

Wir besinnen uns auf den Herrn Jesus Christus. Er möchte uns alles geben. Wir bitten Ihn, uns zur Aufnahme zu befähigen. Wir bitten Dich, unsere Herzen zu heilen. Sei Du mit Deiner Liebe in uns gegenwärtig, mit Deiner Weisheit, Kraft und Umsicht, damit der Tempel, der Du bist, eröffnet werde, damit sich die lebendigen Ströme Deiner Liebe, Deiner Wasser, Deines Feuers in uns ergießen. Lasse uns bitte zu einem Bild Deiner Ähnlichkeit werden, damit Deine Liebe in der sichtbaren und unsichtbaren Welt ewigen Bestand erhält, zunehmend vervielfältigt und immer kostbarer. Herr Jesus Christus, bleibe Du bei uns, denn ohne Dich können wir nichts tun. Segne uns bitte. Amen. 

Der Tempel Salomos oder besser der Tempel des Herrn ist nichts anderes als das, was der Herr geboten hatte. Diesen Tempel gibt es nicht mehr und wird es auch gemäß der Offenbarung des Johannes auch nicht mehr geben. Wir wollen aber ein Verständnis dafür gewinnen, weshalb es diese Wechselfälle gibt. Denn dies alles ist keine Zufälligkeit, sondern die Veränderung liegt im Heilsplan Gottes.

Wir sollen Vertrauen in unseren Weg bekommen. Dies ist ein Gesichtspunkt, der hier verdeutlicht werden soll.

Der zweite Gesichtspunkt ist folgender: Wenn es diesen Tempel nicht mehr gibt, so können wir uns fragen, was an seiner Stelle getreten ist. Wozu sind wir eingeladen, was mit der Tempelzerstörung ein Ende gefunden hat? Dieser Gesichtspunkt verschafft uns einen Ausblick in unsere Zeit.

Es gibt einen dritten Gesichtspunkt: Weshalb bedurfte es dieses Tempels, eines solch mächtigen Gebäudes? Ist der Herr ehrsüchtig, prunksüchtig ? Ganz gewiß nicht! Alles, was sich um den Tempel herum bildet und was wir in der Schrift über ihn lesen, ist ein Ausdruck innerer geistiger Bilder und Zustände, die sich im Äußeren manifestieren. Somit wird dieses mächtige Gebilde auf das Wesen Gottes und auf unseren Weg zu Ihm hin zurückgeführt. Er hat eben nichts mit Ehrsucht oder Prunksucht, mit ehrerbietiger, kühler Größe zu tun, die sich einem Betrachter in der damaligen Zeit aufgedrängt haben mag, denn er war schon sehr groß, prächtig und übermächtig.

Alle folgenden Bilder stammen von einem Juden, der den Tempel in wunderbarer Weise, dem äußeren Bild des Tempels und seiner Feste sehr getreu wiedergegeben hat. Sie sind in dem Buch mit dem Titel „Der heilige Tempel von Jerusalem“ enthalten. Der Autor ist Chaim Richman. Das Buch ist im Hänssler-Verlag, Holzgerlingen unter ISBN 3-7751-2782-8 für deutsche Leser veröffentlicht worden. In diesem Buch wird nur das äußere Bild des Tempels dargestellt und beschrieben. Es kostet ca. 20,-- DM. 

Im Folgenden Ansichten und einen Grundriß über die örtliche Lage  :

                                                

 

 Der Tempel Gottes, den Salomo gebaut hat, ist mächtig und erhaben, er ist unübersehbar und bringt in uns Gefühle hervor , fordert sie auch ein. Diesen Tempel mit seiner prächtigen Innenausstattung gab es nicht immer. In der Genesis finden wir hierüber kein Wort. Der Tempel wird erst in der Mitte der Geschichte Israels errichtet.  

Wie ist dieser Verlauf erklärbar?

Um dies besser verstehen zu können und sich diesem Geschehen anzunähern, ist es wichtig, erst einmal auf die Zeit vor dem Tempelbau zurückzugehen.

Welche Epochen, welche Inhalte gab es damals, welche Um- und Zustände gab es für die Menschen in Beziehung auf Gott? 

Emanuel Swedenborg weist in den „Himmlischen Geheimnissen“ immer wieder auf  drei große geistliche Epochen in der Menschengeschichte hin. Er unterscheidet das goldene, das silberne und das kupferne Zeitalter.  

Das goldene Zeitalter ist mit Adam verbunden. Der Name Adam steht für den Menschen.

Im silbernen Zeitalter lebte Noah.

Das kupferne Zeitalter beginnt mit Abraham. 

Diese drei Epochen sind grundlegend verschieden. Sie zielen und steuern direkt auf das hinaus, was wir dann unter David und Salomon erstehen sehen. Die nachstehende Übersicht  soll diesen Verlauf erklären.   

Der obere Teil dieser Darstellung beginnt mit dem goldenen Zeitalter und der Kirche Adam´s. Die Kinder befinden sich im Garten Eden vor dem Sündenfall. Swedenborg stellt für diesen Zustand die Beziehung der Menschen zu Gott als das Wesen dieser Kirche dar.  Hier waren die Menschen noch fähig, mit dem Göttlichen in sich durch Innewerdungen verbunden zu sein. Sie sahen den Herrn und die geistige Welt. Sie sahen die Engel, was das linke Bildchen verdeutlicht, und nahmen das innere Wirken des Herrn wahr.  Das rechte Bildchen soll ein Sinnbild für den Garten Eden sein.  

So steht es auch in der Genesis. Adam, der für alle damaligen Menschen steht, unterhielt sich mit Gott. Adam kannte alle Tiernamen, er kannte die Beschaffenheit aller Dinge, verstand ihren tiefen Sinn und den Zielpunkt der Schöpfung. Diese Menschen hatten nicht die Not, sich über ein Lehr- und Glaubensgebilde einen Weg zu erarbeiten. Sie befanden sich in einem Zustand, der mit unserem ersten Verliebtsein verglichen werden kann, in dem wir wissen, mit der Richtigen oder dem Richtigen verbunden zu sein. Alles, was in dieser Liebe um uns und mit uns geschieht, befindet sich in der Ordnung und ist gut.

Wenn wir dies negativ sehen, so sagen wir, daß die Liebe blind mache und noch der Wahrheit, der Weisheit und der Zurechtweisungen bedarf. Aber im goldenen Zeitalter gab es auch die Weisheit. An erster Stelle stand jedoch die herzliche Verbundenheit, die dann Kraft der Weisheit Gottes das Wie und Wohin, ihren Weg finden durfte.  

Dieser Zustand ging verloren. Wenn wir ihn in uns aufklingen lassen, dann ist es verständlich, daß es eines äußeren Gebildes wie dem des Tempels nun wirklich nicht bedurfte. Denn der Tempel war das geöffnete Herz, die Verbundenheit mit dem Herrn und es gab die Außen-Innenschau, die im wesentlichen der Zustand des Innewerdens ist.  

Worin bestand der Gottesdienst?  Der damalige Gottesdienst war keine Form oder Zeremonie, dieser Gottesdienst war vielmehr das Leben selbst, das Sich-Ergreifen, Sich-Erfassen und Beleben-Lassen von der allzeit schöpfenden und tragenden Liebe Gottes. Von da heraus bedurfte es keines besonderen Kulturraumes. Gottesdienst im geistigen Sinn war die Nächstenliebe aus der Gottesliebe, die sich nicht auf einen Raum begrenzt abspielen kann. Es gab auch besondere zeremonielle Treffen. Swedenborg  spricht von Versammlungen in Hainen. Wenn wir einmal einen Gottesdienst in der freien Natur erleben, so befinden wir uns in einer ganz anderen Atmosphäre. Wir sind gesteigert empfindsamer und begeistert. Hier sind wir den Einflüssen des in der Natur waltenden Lebens ausgesetzt. Es ist das von Gott her fließende geistige Leben, in der Ordnung angelegt, das so viel Innerliches zum Klingen bringt. Hier konnten die Menschen in der äußeren Natur den Tempel Gottes, Sein Werk  und Seine Schöpfung im Äußeren erblicken.  

So waren Berge nicht nur Erhöhungen, sondern sie waren Erhebungen zum Herrn. In den Pflanzen erkannte man in ihren Graden und aufsteigenden Arten die in den Himmel wachsenden Gedanken. Und die Sonne vermittelte am stärksten den Eindruck von der Liebe und der Weisheit Gottes, denn der Herr ist die Sonne, die wir ebenfalls in dem oberen Teil sehen. Sie ist die geistige Sonne, die unser Weltall, das Natürliche und Geistige zusammenhält, uns immer wieder neu belebt und uns ausrichtet.

In den „Himmlischen Geheimnissen“ von Swedenborg können wir hierzu zu dem Zustand der ältesten Kirche lesen: „Diese Kirche stammte mehr als alle Kirchen im Weltall aus dem Göttlichen. Sie war im Guten der Liebe zum Herrn. Ihr Wille und Verstand bildeten eine Einheit und somit ein Gemüt. Deshalb hatten sie ein innewerdendes Gewahren aus dem Guten, denn bei ihnen floß der Herr aus dem inneren Weg in das Gute ihres Willens ein und durch dieses in das Verstandes-Gute oder Wahre. Aus der Liebe bildete sich das notwendig entsprechende, aufbauende und geleitende Wahre, ohne Widerspruch zwischen den beiden. Daher kommt es, daß die Kirche im Vorzug vor den anderen “Mensch“ genannt wurde, ein Ebenbild Gottes.“  

Der Mensch der alten Kirche hatte keinen anderen Dienst als einen inneren, wie er auch in den Himmeln ist. Der Himmel hatte Gemeinschaft mit den Menschen, sodaß sie eine Einheit bildeten. Dieser Zustand der herzinnigen reinen Liebe zu Gott ging verloren.

Versetzen wir uns nun in den mittleren Teil der Darstellung. 

Der Zustand der ersten Kirche ging durch den Sündenfall verloren. Jetzt kam der Mensch in einen Zustand, in dem der Mensch aus eigener Kraft und Überlegung ein eigenes Weltbild, ein eigenes Gottesbild, ein eigenes Verhältnis zu den Dingen gestaltete. Er aß vom großen Baum der eigenen Erkenntnis. Es genügte dem Menschen nicht, von Gott geführt zu werden.

In der Genesis heißt es: „Es ist nicht gut, daß der Mensch allein ist.“ Dies klingt anders als es gemeint ist. Swedenborg schließt diesen Satz so auf: „Der Mensch fühlte sich nicht mehr gut in dem allein vom Herrn Geführt-Werden.“  Dies geht später in dem Turmbau zu Babel über, der die eigene Erhebung verdeutlicht. Das eigensinnige Ergreifen tritt an die Stelle des liebevoll anhänglichen, zu Gott gewendeten Gemütes. Am Ende steht die Sündflut.  

Das Hinübergehen in ein neues Zeitalter verbinden wir mit dem Namen Noah. Das Wesen dieser Kirche ist der Weinberg, denn die ursprüngliche Liebebrücke gibt es nicht mehr.  Jetzt muß der Mensch einen Umweg nehmen. Von Gott wurde dem Menschen ein anderer Zuweg aufgebaut. Er ist etwas mühseliger. Wir sehen einen Menschen mit einem Buch. Dies versinnbildlicht die äußere Belehrung. Über zunehmende Lehrsätze findet über dem allgemeinen Glauben eine erste ausrichtende Bewegung  auf das Reich Gottes statt. Reflektion, Kenntnisse, Erkenntnisse und Glauben stehen am Anfang dieses Weges. Jesus Christus kam, um auch diese Dinge ins Lot zu bringen, denn auch diese Dinge gingen verloren.  

In diesem Zeitalter finden wir nicht mehr die Sonne als den Mittelpunkt, sondern nur noch den Mond als den Reflektor des Sonnenlichtes. Der Mensch nimmt Licht auf, reflektiert, behandelt, gibt es in einer Form weiter oder verarbeitet und verinnerlicht es. Gegenüber dem goldenen Zeitalter gibt es einen großen Unterschied. Es gibt nur noch eine äußere Heranführung. Die Menschen vermochten nicht – wie die des goldenen Zeitalters – die Außenbilder deutlich auf ihren geistigen Gehalt hin zu erkennen. Ihnen wurde nicht mehr inne, was sie aussagen sollten. Damals waren alle Bilder Fingerzeige, Hinweisschilder Gottes auf Sein Reich und auf den inneren Weg zu Ihm. Es ist schon ein Unterschied, ob ich erst zu buchstabieren anfangen muß, um ein Wort zu bilden und ob ich lesen lernen muß, um die Begriffe auf ihre Bedeutung zusammnzuklauben, um mich alsdann zu fragen, ob ich das glaube. Mit diesem Glauben stehe ich dann doch erst in der Ausgangsposition und werde zu dem herangeführt, was ich so inniglich wie im goldenen Zeitalter ohne diese Schritte innerlich wahrnehmen kann. Erst diese Liebe führt zur Liebtätigkeit und erweckt dann wieder ein Leben, in dem ich einen Aufschluß bekommen kann. Aber es war in dieser Zeit über die Betrachtung der äußeren Dinge durchaus noch möglich, auf die innere geistige Entwicklung zum Herrn zurückzukommen. Auch damals war es offenbar noch nicht nötig, ein so großes, unübersehbares Gebäude in die Welt zu stellen, an dem man nicht vorüberkam.  

Auch diese Betrachtung dient als eine Zuführung für den Tempelbau. Durch Swedenborg gibt uns der Herr folgende Erklärung: „Aber nachdem das Himmlische, was der Liebe zum Herrn angehört, verloren gegangen war, da war das Menschengeschlecht nicht mehr in jenem Stand, von den Gegenständen als Mittel himmlische und geistige Dinge des Reiches zu ersehen. Aber gleichwohl wußten die Alten nach der Sündflut aus ihren Überlegungen, daß jenes bezeichnet wurde und wegen dieser Bezeichnung hielten sie es für heilig. Daher war der vorbildliche Gottesdienst der alten Kirche eine geistige Kirche. Sie war nicht die des Innewerdens, sondern es war die der Erkenntnis, denn sie war verhältnismäßig im Dunkeln. Immerhin verehrten sie das Äußere nicht, sie gedachten durch das Äußere nur an das Innere.

Entscheidend war also, daß sie das Äußere nicht verehrten. Ein Unwetter kann mich an das Innere ermahnen, denn auch ein Unwetter ist ein Sinnbild Gottes, umzukehren, und mich zu reinigen. Die Sonne in ihrer Pracht kann mich an die Liebe und Fürsorge, an das Hervorbringen aller guten Dinge erinnern. Alles dies trugen die damaligen Menschen noch als Lehre und Erkenntnis noch in ihren Herzen.  

Diese Zeit war noch gesegnet, aber auch sie ging verloren. Die Menschen mühten sich nicht mehr sonderlich, die die tätige Nächstenliebe als Ziel hatte. Man stellte vielmehr die Lehre an die erste Stelle. Im goldenen Zeitalter erschlug Kain, als der bloße Glaube, die Liebe im Menschenherzen, durch Abel vorgebildet.  Diesmal wurde die Nächstenliebe getötet und die Lehre in den ersten Rang erhoben.  

Die geistigen Bilder, die Liebebotschaften in den äußeren Dingen gingen verloren, weil man an einer Lehre festhielt, die nicht mehr die Wahrheit an und in sich ist. Festgehalten wurde nur das Äußere, man gab sich der Magie hin und betete Götzenbilder an. Aus Bäume wurden heilige Bäume, aus Orte heilige Ortschaften. Es wurden heilige Schreine geschnitzt. Man kam immer mehr von dem einen Gott ab. Die Dinge verselbständigten sich wie in dem alten Ägypten. Ägypten hatte  auch Abbildungen des einen Gottes, aber die Liebe und die Beziehung zu Gott und alles Gute gingen verloren. Der Mensch wurde glaubenslos, verlor die geistige Botschaft, die aus den Himmeln kam.  

Blicken wir nun zum unteren Teil der Darstellung.

Abraham kannte auch ein Wachstum. Abraham hieß zuerst Abram, der im Götzendienst befangen war. Gott sprach ihn an und forderte ihn auf,  in ein Land zu gehen, das Er ihm zeigen werde. Abraham gehorchte. Alles, was in der Folge über ihn und den Kindern Israels in der Heiligen Schrift niedergelegt ist, kann mit den Worten zusammengefaßt werden: Gott gab uns Seine Sprache und Seine Begrifflichkeit wieder zurück. Er gab uns die Begriffe und Bilder Seines Reiches, Seines Wesens und die Aufforderung für unseren Weg, die in Worten und Bildern nachgelesen werden können. Swedenborg spricht nicht von etwas Heiligem in der israelischen Kirche, er akzentuiert es etwas anders. Er sagt, daß diese Menschen eine andere Aufgabe hatten. Sie sollten die Zeichen und Sprache Gottes in der Heiligen Schrift bewahren, damit Menschen späterer Zeiten und damit auch wir in der Lage sind, aus dem äußeren und völlig korrekten Sinn des Gottwortes etwas Inneres ablesen zu können. Dies ist das Wesen der dritten Kirche.  

Der untere Teil der Darstellung zeigt eine Bühne unseres Lebens. Auf ihr stehen alle Dinge, die wir schon etwas umsetzen können, je nach dem, wie vertraut wir mit ihnen sind. Wir sehen die Gebote, den 7-armigen Leuchter, den Kelch, das Horn als die Kraft Gottes und andere Dinge, die eine geistige Botschaft in sich tragen. Der Herr hat es gefügt, daß das israelitische Volk mit diesen Dingen hantieren und leben darf, um – und dies ist ein Kunstgriff Gottes – die Glocken im Himmel klingen zu lassen, wenn z.B. die Gebotstafeln gezeigt wurden. Den Strang zum Himmel betätigen die Engel, die den linken Rand dieser Darstellung zieren und die Verbindung zum Himmel herstellen. Diesen schmalen Steg hat uns Gott neu errichtet. Wenn wir die auf der Lebensbühne stehenden Dinge berühren, dann öffnet sich in den Himmeln eine entsprechende geistige Sphäre. Über diesen Silberstrang konnte das Leben in den Priester einfließen, der nicht heilig sein mußte.  

Weshalb hat es in dieser Zeit eines Tempels bedurft?

Der Tempel sollte ganz allgemein den Herrn und unsere geistige Wiedergeburt vom Kleinsten bis zum Allergrößten abbilden. Alles, was sich im Tempel abspielt, zeigt unseren Weg zu Gott.  

In den „Himmlischen Geheimnissen“ sagt uns der Herr durch Emanuel Swedenborg:

„Die bei den Juden errichtete Kirche war nicht Kirche in Beziehung auf sie selbst, sondern nur ein Vorbild für die Kirche. Denn damit eine Kirche da sei, muß bei den Menschen der Kirche der Glaube an den Herrn sein und auch Liebe zu Ihm wie auch Liebe zum Nächsten. Diese Dinge bilden die Kirche. Sie waren aber nicht bei dem Volke, das Jakob genannt wurde, denn dieses erkannte den Herrn nicht an. Somit wollte es auch nichts vom Glauben an Ihm und noch weniger von der Liebe zu Ihm oder zum Nächsten hören. Sie waren in der Selbst- und Weltliebe. Daher kommt es, daß bei diesem Volke keine wahre Kirche errichtet wurde, sondern nur das vorgebildet werden konnte, was zur Kirche gehört. Eine Kirche wird vorgebildet, wenn der Mensch den Gottesdienst in äußerlichen Dingen setzt, in solche, die den himmlischen Dingen entsprechen. Alsdann wird durch das Äußere das Innere vorgebildet und das Innere tritt aus dem Himmel hervor, wodurch dann eine Verbindung stattfindet.“

Auch die Sterne stehen für das Entsprechende in diesem Zeitalter, symbolisiert durch den gestirnten Nachthimmel über der Lebensbühne. Übrig sind nur noch die Gedanken an dem Herrn, an Sein Reich. Dies ist die Ausgangsposition, in die hinein der Herr den Tempel, Ihm zum Gedächtnis in die Welt gestellt hat, um unseren Weg zu Ihm aufzuzeigen. Alles das, was wir um diesen Tempel herum denken, sehen und erfahren, hat eine tiefe, innere, geistige Entsprechung und ist so ein Ebenbild des Herrn und ein Sinnbild unseres Weges. Nichts ist überflüssig und zufällig.

Brachten wir nun folgende Darstellung :  

  Wir sehen , daß vier Achsen auf den Herrn zulaufen. Auf das Lamm.

Die rechte obere Achse ist die historische Achse.

Die zweite Achse zeigt den Ort, auf dem der Tempel gebaut worden ist. (die linke untere Achse).

Die dritte Achse (links oben) zeigt die Baumaterialien und die im Tempel befindlichen Instanzen.  Auch die Materialzusammenstellung zeigt ein Bild des Herrn.

Auf der vierten Achse steht der errichtete Tempel.  

In der Zeitachse erblicken wir den Weg unserer Wiedergeburt und erfahren das Wirken des Herrn für unser Heil. Der Weg beginnt in Ägypten, wo die Kinder Israels als Sklaven dienen mußten. Auch der Herr war in Ägypten, ebenso zuvor bereits Abraham. Ägypten war eine Stätte, in der die Kinder Israels in Gefangenschaft lebten. Wenn wir das Bild der äußeren Versklavung in das geistige Zeitbild umsetzen, so befindet sich der Mensch in einer falschen Denkungsart oder in den äußeren Wissenschaften. Swedenborg sagt,  daß Ägypten ein Synonym oder eine Entsprechung für die Wissenschaften (Natur- und Geisteswissenschaften) oder Wißtümlichkeiten  ist. In diesen Wissenschaften kann man sich ganz schwer und gewichtig verrennen und dadurch in eine Sklaverei geraten. „Die Geister, die wir rufen, werden wir nicht mehr los!“ Wir verfangen uns darin. Die Bezüge zum Göttlichen gingen verloren, die durch Abraham durchaus gestaltet worden waren.

Es folgt der Auszug aus Ägypten.  Dies ist die Zeit unserer Umbildung nach Swedenborg. In dieser Zeit soll sich über mich ein neues Glaubengebäude, neue Gedanken und Reflektionen wandeln. Ich mache mich auf und verlasse den Ort der geistigen Versklavung nach Aufnahme neuer Gedanken, tiefere Erkenntnisse und einer neu gewonnenen Einsicht. Dann setze ich mich auf den Herrn in Jesus Christus in Bewegung.  Durch Vervollkommnung meines Glaubens wachsen meine Liebe und meine Liebtätigkeit. Aber zuvor müssen wir kämpfen. Die Israeliten bekamen es mit den in Kanaa wohnenden Menschen zu tun. Diese Ereignisse sind ein Bild für die geistigen Kämpfe auf dem Weg unserer geistigen Wiedergeburt. Der Weg aus der Sklaverei über die Wüste in das verheißene Land Kanaa findet historisch in König David seinen äußeren Reifepunkt. König David ist es, der alle Feinde niederwirft. Dies ist ein Bild dafür, daß wir auf unsrem Weg zum Herrn geistig vorangekommen sind. Judäa und Israel bildet das himmlische und geistige Reich oder das Liebes- oder Glaubensreich vor. Sie finden wieder unangefochten in der Welt, im Herzen und im Herrn zusammen. Somit haben wir auf der Zeitachse die Versklavung, die Wüstenwanderung, die Kämpfe und den Einzug , symbolisiert durch die Krone und gipfelnd im Herrn, der das Ziel unserer Wanderung ist. 

Auf der gegenüberliegenden Seite der Zeitachse sehen wir den Ort, auf dem der Tempel errichtet werden soll. Es ist der Ort Moriah, auf dem Abraham seinen Sohn Isaak opfern sollte. 

Was hatte es mit Abraham und Isaak auf sich?

Emanuel Swedenborg sagt: „Abraham bildet den Herrn in Seiner Liebe vor, wohnend in den höchsten Himmeln. Er zeigt uns auf der Erde unseren Weg und die Etappen unserer Wiedergeburt. Sein Sohn Isaak ist Er Selbst als Menschensohn, in der Form der Wahrheit und der Lehre, der geistigen Kirche, die in gewisser Weise zum Opfer in die Menschheit gebracht wird.“ 

Dort, wo dieses Opfer durch Abraham vollzogen werden soll, nämlich auf dem Berg Moriah, wird auch der Tempel errichtet. Hier leuchtet uns also auch ein ganz tiefes Bild des Herrn empor. 

Der Baumeister des Tempels ist Hiram aus Tyros. Er ist der Sohn einer Witwe. Hiermit will uns der Herr auch wieder eine ganz tiefe Botschaft vermitteln. Hiram war in der Erzgewinnung tätig und kommt aus einem der zwölf Stämme Israels. Hiram hat es geschafft, daß unsere äußeren Bestrebungen, die sich noch weit in die Welt hinausgelehnt haben, und all unsere Kräfte für das feinsinnige Geistige nutzbar gemacht werden. Die Witwe ist ein Sinnbild für das Weib in der Sonne, die nach der Offenbarung ein Bild der Neuen Kirche ist.  Die Witwe hat keinen Mann, sie ist keine lebendige Kirche mehr, ihr fehlen die Wahrheiten. Ihr Sohn ist Hiram, d.h. wir kommen aus diesem Zustand, in dem in uns keine Kirche mehr ist. Die Liebe und der Glaube sind wie erstorben. Dennoch schafft es der Herr, unsere am Rande des Lebens wie tot liegende Kräfte zu erwecken und zum Aufbau dieses Tempels heranzuziehen. Der Mensch muß aus ganzer Seele, ganzem Herzen und ganzem Gemüte dem Herrn dienen. Der ganze Mensch muß in dieses Werk einbezogen werden, da er sonst ein Opfer der inneren Feinde wird. 

Dies ist die frohe Botschaft: Der Herr schafft es, alle widerstrebenden Teile, die äußeren und inneren Feinde zum Aufbau dienstbar zu machen, symbolisiert durch den Baumeister Hiram. Das Jahr 480 vor Christi ist auf der Zeitachse eine Entsprechungszahl. In diesem Jahr ist mit dem Bau begonnen worden.  Die vier ist ein Symbol für die Erde. In sie , in unsere verkehrte Liebe und in unser verkehrtes Verständnis, soll die göttliche Liebe und Weisheit einfließen. Die 4 steht auch für die vier Himmelsrichtungen oder für die vier Elemente. Der Zustand der Erde wird nun in eine 8 verwandelt. Die 8 ist ein Zeichen der Wandlung. Es entsteht eine neue Periode. Nachdem die 7 vollendet ist, geht es mit der 8 in einen neuen Zustand. Acht ist auch die Zahl der Unendlichkeit, die der Herr Selbst ist und der in der Mitte steht.  Nachdem die Feinde niedergerungen worden sind, beginnt ein neuer Zustand durch Wandlung des alten gefallenen Adams. Sie wird in uns grundlegend durchgeführt. 

Wir können nachlesen, daß am Tempel 7 Jahre lang gebaut wurde. Dies ist eine Zeit, in dir etwas Vollkommenes und in sich Abgeschlossenes entstanden ist. Die 7 ist ein Anklang an dem 7-armigen Leuchter und an die 7 Geister Gottes. Innerhalb dieser Zeit ist etwas Vollkommenes, das den Herrn vorbildet, entstanden. 

In der obigen Darstellung gibt es noch eine Materialachse. Vom Äußersten zum Inneren sehen wir eine deutliche Verfeinerung. Hier finden wir die Ideen Gottes, die im Bau des Tempels einen Niederschlag gefunden haben. Die Achse beginnt mit recht starken Gesteinsmauern. Die Steine sind mehr oder weniger bearbeitet. Wir werden an das Mineralreich erinnert oder an das Reich, in dem etwas begründet wird. So ist auch der Fels ein Sinnbild für Petrus, für seinen festen Glauben. Hier befinden sich noch wenig bearbeitete oder durchleuchtete Ansichten. Hier sagt man, daß es einen Gott gibt, doch wie unser Weg ist und wie er auf Ihn zuläuft, liegt noch im Verborgenen. Aber diese Wahrheiten ziehen an und man geht durch das erste Tor in den Tempel. 

Die Mauern sind auch etwas Schützendes, sie bringen so etwa zurück, was wir bereits verloren hatten. Wir hatten Gott verleugnet und uns über alle Maßen erhöht. Insofern sind es die ersten schützenden und tragenden Wahrheiten. Sie müssen noch aufgeschlossen  und verfeinert werden. Dies wird uns durch die immer feiner werdenden Filigranarbeiten verdeutlicht. 

Neben dem Glauben, den Erkenntnissen und dem verständigen Bereich gibt es den Willensbereich. Dafür stehen die kostbaren Hölzer. Sie bilden das natürlich Gute, das Heranwachsende und Fruchtbringende vor. Die Frucht des Steines ist sein Schutz. Für den Willens- und Liebesbereich stehen andere Materialien. Es sind die Zedern des Libanon oder die Zypressen, deren Hölzer wir mehr im Inneren des Tempels finden. Wenn wir uns von den äußeren Wahrheiten den inneren, einführenden Wahrheiten nähern, die Taufe im Jordan erlebt haben, dann werden wir in unserer Liebesfähigkeit und Empfindsamkeit immer feinfühliger und feinsinniger. Je mehr wir hineingehen, finden wir immer feinere Materialien und im Allerheiligsten sehen wir Edelsteine jeder Art. Hier werden wir an das himmlische Jerusalem erinnert, wo wir auch von Edelsteinen; Gold und Silber lesen können. Dies alles sind keine eitlen Ansammlungen aus Ruhm- und Ehrsucht, sondern sollen uns anzeigen, wie sich alles verfeinert, je mehr wir in unser Herz gelangen, in dem der Herr wohnt. 

Betrachten wir uns noch einmal den Tempel. Wir sehen, daß er drei große Stufen hat. Es gibt einen äußeren Vorhof, einen inneren Vorhof und den Tempelbau. Im Tempel gibt es eine große Halle, dann kommt der Vorhang und dahinter liegt das Allerheiligste. Im Tempel selbst gibt es also noch zwei Ebenen.

Wir nähern uns dem Tempelinneren durch Umdenken aus dem Äußeren. Dadurch gewinnen wir neue Erkenntnisse. In diesem Sinne symbolisiert der äußere Vorhof  unseren natürlichen Zustand. Es ist der Vorhof der Heiden.  Wenn wir es wagen, durch das Tor einzutreten, dann gelangen wir in den Innenhof. Hier befindet sich eine weitere Treppe zum inneren Vorhof, das auch durch ein Tor begrenzt wird.

                          Postkarte                                              Modell in Jerusalem

Man tritt in den Vorhof, wenn man 12 Stufen hoch gestiegen ist. Hier treten wir in den Vorhof der Belehrung. Diese Aufgaben obliegen den Leviten. Sie bringen den Gläubigen das Wort Gottes näher. Der erste Priester war Aaron, er war Begründer des priesterlichen Geschlechtes, ein Bruder von Moses aus dem Stamme Levi. Diese Männer waren gottberufene geistliche Führer und für die Welt ein Sprachrohr Gottes. 

Wenn wir jetzt ein Herz gefaßt haben, weil wir durch die Belehrungen belebt worden sind, in den zweiten Vorhof zu gehen, so erleben wir dort eine Reinigung. Dort befinden sich die Opferaltäre, das Meer und 10 Becken. Wir kommen also über die Lehre zur Reinigung. Habe ich mich auf diesen Prozeß eingelassen, dann wirkt der Herr von der innersten Kammer mit der Bundeslade über die zweite Kammer, in dem der siebenarmige Leuchter steht, hinaus und belebt unseren inwendigen Menschen bis in unseren äußersten Menschen hinein. Dies ist eine sehr stark vereinfachte Grundidee über die Lehre, Reinigung und unser Begabtwerden und das Einfließen des Herrn in uns selbst hinein. 

Wenn der Tempel ein Bild für das ist, was darin stattfindet und für unsere Wiedergeburt ist, dann müssen wir zuerst begreifen, wie und wo in uns die Wiedergeburt stattfindet. Swedenborg rang um diese Frage und kam darüber in eine geistige Krise und danach in sein Berufungserlebnis. Hieraus konnte er Kunde geben, was die Seele des Menschen ist. Zusammenfassend kann man sagen, daß die Seele des Menschen den ganzen Tempelbereich umfaßt. Das Äußerste ist unser Körper mit unseren Sinnen, mittels dessen wir etwas erfahren. Das Innerste ist die Seele selbst. Swedenborg sagt, daß unsere Seele zwei große Abteilungen hat. Die erste Abteilung ist die auswendige, die zweite Abteilung die inwendige Seele. Man kann auch sagen, daß die inwendige Seele zu unserem Unterbewußten gehört und die äußere Seele zu unserem Tagesbewußtsein. Auf beiden Ebenen finden wir Wille und Verstand. Den Willens- und Verstehensbereich im Inwendigen können wir nicht ergründen und alleine erfassen. Diesen Bereich erfahren wir aber in unseren Gedanken und Emotionen, die der äußere Mensch wahrnimmt. 

Insgesamt ist die Seele von Geburt an verdorben. Eine Triebfeder unserer Eigenliebe und unseres Weltverständnisses im falschen Sinne bewegt unseren äußeren Menschen bis in das Äußerste hinein. Wir wären für die Ewigkeit verloren. 

Die frohe Botschaft ist aber, daß wir vom Herrn her eine Möglichkeit erhalten haben. Es ist unser Anteil, den wir den geistigen Menschen nennen. Dieser ist nicht Angehör des Menschen, sondern Angehör des Herrn. Es ist die Pforte des Herrn, durch die der Mensch in Sein Reich eintritt. Es gilt allerdings zwischen Geist aus unserem Tagesbewußtsein und Geist zu unterscheiden, von dem der Herr hier spricht. 

Er sagt: „Siehe, Ich stehe vor der Tür und klopfe an!“  Es kommt nun darauf an, daß wir zu unserem Inwendigen vermittels des auswendigen Menschen ja sagen. Dadurch öffnen wir die Tür. Dieses Ja-sagen ist nur möglich, wenn in uns eine Umbildung stattgefunden hat.  Wenn wir von unserem verkehrten Leben Abstand nehmen wollen und eine Umbildung vollziehen wollen, dann öffnet sich diese Tür.  Wenn wir diesen eigenen Beitrag leisten, dann wirkt der Herr im inwendigen Menschen in einer Weise, die wir nicht erfassen können. 

Mose sprach: „Hier bin ich, Herr!“  Auch Abram sprach: „Ich ziehe aus in ein fremdes Land!“ Wenn wir Abstand nehmen wollen, dann vollzieht der Herr im inwendigen Menschen ein großes Heilswerk, das von uns zum Teil nicht einzusehen ist. 

Dies ist in Kürze die Struktur, wie  unsere Wiedergeburt verläuft. Erforderlich ist unser bewußtes Nein-sagen zum äußeren Leben. Dann wendet der Herr unsere verkehrte Liebe. Über Sein himmlisches und geistiges Reich verfügen wir nicht. Dieses Reich ist geschützt. Es sind unsere Reste, die Er zurückgenommen hat. Hier können wir nichts verdrehen. 

Fassen wir dies in einer weiteren Übersicht (3) zusammen:

  Feste Seite 2

 

 Unser äußerer Mensch entspricht im Tempel dem Vorhof der Heiden. Hier sind die Menschen vom Herrn ganz abgefallen. Unser auswendiges Tagesbewußtsein befindet sich im ersten und zweiten Vorhof, wenn es sich  auf den Herrn zubewegt. Mit dieser Zuwendung kann es dort umgebildet werden. Dort hören wir in den dortigen Predigten Gottesworte. Kraft der Umbildung können wir wahrnehmen, daß Jesus unser Inwendiges reinigt. Wir sehen den Opferaltar, der hierfür als Sinnbild steht. Wenn dies geschieht, dann fließt das himmlische Reich über die hinterste Kammer des Tempels vermittels des geistigen Reiches, das die große Halle vorbildet, in unseren Geist, der sich im seelischen Bereich befindet. So ist der Tempel eine wunderbare Struktur auch für unsere innere Beschaffenheit, wenn wir uns das Wirken des Herrn vergegenwärtigen. 

In der vorstehenden Übersicht sehen wir, wie sich der körperliche (braune Farbe) und der natürliche Mensch (grüne Farbe) auf den Vorhof der Heiden und auf den 1. und 2. Vorhof verteilen. Nur die Halle und das Allerheiligste sind ein Angehör des Herrn (gelbe Farbe). 

Im Vorhof der Heiden befinden sich die Felsmauer und die Völkerschaften. Dort gibt es kein geistiges Leben im Sinne des Herrn, das auf Ihn ausgerichtet ist. Im zweiten Vorhof finden wir das große Meer, die 2x5 Becken, den Opferaltar und die 12-stufige Treppe mit zwei Säulen. Alles dies ist auch in unserem inwendigen Menschen vorhanden. Das große Meer sind die allgemeinen großen Einflüsse, die Wahrheiten aus dem Herrn, die wir jetzt durch unsere Mitarbeit um- und einsetzen müssen, damit sich unser Glaubensleben vervollkommnet. Die 2 x 5 Becken sind unsere inneren Gefäße und Aufnahmeorgane für das, was der Herr in sie im guten und heiligen Sinne einfüllen möchte. Die 2 x 5 können wir auf das Vernünftige und Verstandesgebiet beziehen, weil es hier auch Verstand und Willen gibt. Dort befinden sich unsere tiefsten Gefäße, in die der Herr Liebe und Weisheit eingießen möchte. Von dort kann das Leben wieder in die Welt hinaus fließen. 

Betrachten wir dies nun von der Schöpfungsgeschichte her.

Am ersten Tag erkenne ich, was des Herrn ist. Hier ist die Belehrung. Wir erfahren, was der Mensch ist. In der Verkennung und in dem Wahn, das alles sein eigen ist, wenn er so denkt, empfindet  und lebt, dann befindet er sich ja in diesem Zustand. Swedenborg sagt,  daß dies durch Belehrung umgedacht und umgepolt werden muß. Hierdurch erwächst ein Erschrecken und ein Reinigungswille.

Die Tage 1 bis 3 drücken das aus, was im inwendigen Menschen wesentlich geschieht. Daraus erwächst eine neue Liebe und ein neues Verständnis über das Opfer, das ich bringen will. Dann will ich vom bisherigen Leben Abstand nehmen. Dies alles vollbringt im wesentlichen der Herr. Wenn ich mich hierauf einlasse, komme ich in den Zustand der Tage 4 bis 6 der Schöpfungsgeschichte und in alle Wahrheiten. Alle geistige Liebe kann in mich einfließen. 

Dann kann ich in den 7. Tag eingehen, damit der Himmel mit seiner Liebe einfließt und ich ein himmlischer Mensch werde. 

Dies sind die Verlaufsformen über die beiden Treppen und Türen, die unterschiedlich gestaltet sind.  Erst ist alles noch derb und dann wird es wunderbar und köstlich. 

Betrachten wir nun den Bereich, der des Herrn ist. Er vermittelt ihn uns, er ist aber nie unser Eigentum. Zunächst ein Blick in die große Halle mit dem Vorhang zum Allerheiligsten:

In der großen Halle finden wir wunderbare Dinge wie die Schaubrote, den Weihrauch und den 7-armigen Leuchter. Im Allerheiligsten hinter dem Vorhang befinden sich die Bundeslade und abgebildete Cherubime.   

Wenn wir noch einmal die Struktur des Tempels betrachten, dann haben wir die Felsmauer, den Mauerhof, das Tor, die bessere Tür , den Opferaltar, den Leuchter, die Schaubrote und den Vorhang passiert. Hier noch ein Blick auf den Opferaltar, den Leuchter und die Bundeslade:

Hinter dem Opferaltar befindet sich die bessere Tür und wir blicken in die große Vorhalle mit der Weihrauchsäule.  

„Ich bin das Brot des Lebens!“, sprach Jesus. Die Schaubrote deuten auf das Abendmahl des Herrn hin. Weihrauch, Gold Myrrhe sind die heiligen Gedanken in unserem Willens- und Verstehensbereich. Der 7-armige Leuchter ist auch ein Bild des Herrn mit Seinen 7 Geistern, Seiner Liebe und Wahrheit. Die Bundeslade enthält Seine Gesetzestafeln.  

Beim Durchschreiten des Tempels bis in die große Halle haben wir die Verfeinerung der Materialien  von groben Steinen bis zum Gold und den Edelsteinen gesehen. Neue Materialien befinden sich in der Halle und im Allerheiligsten. Dort sind Edelhölzer verarbeitet worden. Sie sind ein Ausdruck des Guten und des sehr Guten. Die Palme und der Ölbaum sind Sinnbilder für Sein Reich und für Seine Liebe.  

Erst sind die Gefäße aus Eisen und Messing, die Gefäße für den Weihrauch werden aus Silber sein und im Allerheiligsten finden wir Gold und Edelsteine, die die Verfeinerung vom natürlich Körperlichen über die Seele zum rein Geistigen versinnbildlichen.  

Dies alles steht auch für die Liebe, für die Wahrheit oder für die Weisheit und für das menschliche Verstehen im guten Sinne. Blicken wir zurück, dann stehen die groben Materialien für unser noch Verkehrtes und für unsere Torheit.  

Kehren wir noch einmal zur Namensachse zurück, die sich in der unteren Zeile der obigen Darstellung 3 befindet. Hier ist der Herr Abraham im himmlischen Bereich. Im geistigen Bereich finden wir Isaak und im natürlichen Bereich Jakob und für den sinnlichen Bereich steht Ismael.  

Alles verwebt sich zu einem Ganzen. Es wird immer feiner, kostbarer und immer mehr ein Angehör des Herrn Selbst. Alle Abteilungen gehören zum Menschen und befinden sich in uns. Der Bereich, den die große Halle und das Allerheiligste vorbilden, sind aber völlig geschützt und abgetrennt für Menschen, die abwegig leben.  

Denken wir auch an die Treppen. Sie haben je 12 Stufen. Sie stehen für die Vervollkommnung und Begabung unseres Glaubens im umfassenden Sinne mit der Liebe und wir sehen ein wunderbares Tor, durch das der Herr zu uns heraustritt. Die kostbaren Säulen stehen für die Liebe und Weisheit. In der Halle finden wir schöne, immer feinsinnigere Bilder und Strukturen. Wir finden den Wein als Sinnbild für geistige Wahrheiten. Wir gehen in sie ein, wenn wir dieses Tor passieren. Das große Meer soll das Wasser aus dem Teich Silva sein, mit dem die Tür und auch der Altar besprenkelt wurde. Es ist das heilsame Wasser, in die die neuen heilsamen Wahrheiten für unsere Liebe erstehen können. Es gibt kostbare Ornamente mit einer tiefen Symbolik

Im Vorhof sehen wir den Opferaltar. Der Opferaltar ist ein Bild dafür, daß wir unsere alten, gefallenen Neigungen und Bestrebungen für den Herrn aufopfern sollen, um in das andere Leben eintreten zu können. Dies ist das Wesentliche für den 2. Vorhof. Dabei wird dann dieses Leben in unsere Gefäße, in unser Verständnis und in unseren Willensbereich einfließen und von dort gleichsam wie Ströme des lebendigen Wassers heraustreten. Dies ist vielleicht auch ein Bild, das bei Hesekiel beschrieben ist an das von den unter der Schwelle des Tempels heraustretenden Strömen von Wasser spricht.  

Gehen wir nochmals in den Tempel hinein. Die große Tempelhalle ist ein Bild für das geistige Reich des Herrn. Die Schaubrote, der Leuchter und die Weihrauchschale mit dem Altar sind ein Sinnbild für das Wesen des Herrn. Mit Seiner geistigen Liebe und Wahrheiten ist Er in der Luft , im Rauch, in den Wolken gegenwärtig und insgesamt im 7-armigen Leuchter. Noch ist das himmlische Reich verschlossen, durch den Vorhang getrennt. In der Vorhalle haben wir aber schon einen Einblick in das Wesen und in den Bereich des Herrn. Von dort überkommt uns Sein himmlisches und geistiges Reich, wenn wir es wollen.