Von:
Gesendet: Donnerstag, 2. August 2001 11:54
An: Freundeskreis-Lorberliste@yahoogroups.com
Betreff: [Freundeskreis-Lorberliste] Ungeschaffene Engel: "Aufenthaltsort" ???

Lieber Joachim,
könntest du da vielleicht mal deine Sicht über den "Aufenthaltsort" der
ungeschaffenen Engel darstellen?
Damit habe ich immer noch Probleme. So wie du es schreibst, meinst du,
dass alle urgeschaffenen Engel -also auch, wenn noch nie inkarniert- sich
im 3. Himmel aufhalten, also dem Himmel der wahren Kinder Gottes.
Dem widerspräche ja, dass man dazu einen extrem freien Willen haben muss
und sich
diesen Himmer nur auf unserer Erde, (ok ok, auf der Sonne etc? auch)
verdienen kann.
Nun heißt es ja bei Lorber, dass die uingeschaffenen Engel diesen freien
Willen, wie wir ihn haben, gar nicht besitzen. Gruß
thomas

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Lieber Thomas (V.),

die hier von Dir gestellte Frage nach dem "Aufenthaltsort" der ungeschaffenen
Engel bewegt mich auch. Ich habe deshalb mal versucht  in der NO durch J.
Lorber etwas hierüber zu finden. Fündig bin ich aber "nur" geworden in der
'Haushaltung Gottes' Bd.1, Kap. 5 (Das Geheimnis der Schöpfung). Ich sage
"nur", weil sogar diese Aussage nur ein indirekter Hinweis ist.

Dieses Kap. der HHG scheint in der ganzen Neuoffenbarung die einzige
Fundstelle über die Ur-Anfänge der Schöpfung zu sein, also über den Zustand
der Schöpfung vor dem Geisterfall. Denn erst ab da hat ja die Schöpfung des
Weltalls begonnen. Vor dem Geisterfall gab es  ausschließlich geistige
Schöpfungen: diesem Teil der Schöpfung (den Ur-Anfängen) rechen wir ja auch
die ungefallenen Engel zu.

Dieses Kap. der HHG beschreibt bis einschließlich Ziff. 20 Zustände und
Ereignisse in dieser ersten Schöpfungsphase und in Ziff. 21 heißt es dann
u.a.: "Und es dauerte (erregte Mitleid) die Liebe (der Gottheit) der
Verlorenen (die Heerscharen der Geister die gemeinsam mit Luzifer von Gott
abfielen). Von hier an bezieht sich dann  a l l e s  in der gesamten
Neuoffenbarung (in allen Werken) auf die Abweichler (auf uns): deren Bindung
und Wiedererlösung. Über die un- oder ur-geschaffenen Geister,  die rein
geblieben sind - also nicht am Fall beteiligt sind - ist dann nur in
bestimmten Sonderfällen die Rede. HHG 1.5 ist nach meinem Verständnis die
einzige Textstelle, die etwas über die  S c h ö p f u n g  "vor" unserer
materiellen Schöpfung aussagt.

Das heißt für mich, dass wir nichts über die ungefallenen Geister oder
ungefallenen Engel aussagen können, mit Ausnahme dessen, was Raphael uns
sagen darf. Sie sind - weil sie als Geistwesen rein blieben - in und bei Gott
geblieben. Deshalb ist eine Frage nach deren Ort gar keine Frage, die
gestellt werden kann. Wir begrenzte Wesen können darüber nichts aussagen
wollen; wir sollten darüber nicht spekulieren. Das uns in HHG 1.5 Mitgeteilte
sollten wir in seiner Größe und Poesie so stehenlassen wie es uns durch
Lorber gesagt wurde und es nicht hinterfragen, sondern staunend annehmen wie
es da steht.

Aus dem, was in Kap. 5 HHG zu lesen ist, ergibt sich dann auch, dass die H i
m m e l  (alles Stufen) erst eine "Einrichtung" in der Schöpfung sind, die ab
dem Geisterfall gilt, ebenso triff das auf die  H ö l l e n  zu (vgl. die
eMail von Thomas Noack dazu). Da ist dann auch keine Diskrepanz zwischen
Swedenborg und Lorber: nur andere Worte zur Beschreibung der geistigen und
himmlischen Sphären ab dem Zustand des Falles der Geister und ihrer
Rückführung zu Gott in den dafür eigens bereitgestellten Himmeln (aber auch
Höllen zur Läuterung).

Ich bin sehr der Meinung, dass wir Zustände, die vor der Erschaffung der Welt
liegen (vor dem Fall der Geister), nicht in unsere Überlegungen und
Spekulationen einbeziehen.
  
In diesem Teil der HHG heißt es ja auch, dass Adam an den Platz des gefallen
Luifers gestellt wurde. Luzifer und die große Schar der mit ihm gleich oder
ähnlich Gesinnter (wir) fiel aus der Ordnung, und der Neubeginn wurde an
Luzifers statt mit Adam gemacht (vgl. Genesis). Die Zustände dahinter bzw.
davor und der Gründe sind außerhalb unserer Reichweite.

Diesbezüglich scheint es bei Swedenborg klarer zu sein als bei Lorber, denn
Swedenborg macht nach meinem Verständnis gar keine Aussagen über den Zustand
"vor" der Weltschöpfung: er beschreibt was in der Welt ist und sein soll.
Durch Lorber jedoch dürfen wir für einen Augenblick auch in die Zustände vor
der Welten_Erschaffung (des Kosmos) hineinschauen. Das sollte uns aber nicht
verleiten, dies in unser Denken und Urteilen abwägend einbeziehen zu wollen.

Dass der Herr gelegentlich und für Sonderaufgaben reine, also ungefallene
Engel - z.B. Raphael (vgl. GEJ) - einbezieht, ist eine andere Sache und
sollte uns nicht verleiten, mit solchen punktuellen Aspekten die Zustände vor
dem Fall ergründen zu wollen: wir können dabei vermutlich nur auf Irrwege
gelangen. Also: Ich denke die Frage nach dem Aufenthaltsort der ungefallenen
Engel sollte man erst gar nicht stellen, weil diese als reine geistige Wesen
noch (immer noch) bei Gott sind (HHG 1.5). Dass sie aber auf der Erde
inkarnieren können, um 'Kinder Gottes' werden zu können, ist wiederum ein
anderes Thema und kann uns auch nichts sagen über rein geistige Zustände vor
dem Fall eines Teiles dieser Geister (zu denen wir gehören).

Herzliche Grüße

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Von:
Gesendet: Donnerstag, 2. August 2001 13:12
An: Freundeskreis-Lorberliste@yahoogroups.com
Betreff: [Freundeskreis-Lorberliste] Eigen-schöpferische Tätigkeit der Engel
In einer eMail vom 01.08.01 19:31:28 (MEZ) - Mitteleurop. Sommerzeit schreibt
j-herbst:


[GEJ.03_003,04] Ich selbst (Raphael) habe bereits mehrere Welten mit kleinen
Sonnen geschaffen und sie alle aus mir heraus vollkommen bevoelkert.
Und
alle diese Welten sind mit allem oft besser denn diese eure Erde
ausgestattet. Alles pflanzt sich dort also fort wie hier, und die Geister
sind dort so wie hier einer hohen Vollendung faehig. Und warum sollten sie
es auch nicht sein? Denn es ist am Ende doch ein jeder Geist aus Gott,
gleichwie die Keime der kuenftigen Gewaechse nun schon mehrere Milliarden
Male aus den Vorsamenkeimen reproduziert worden sind

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Lieber Jo,

vielen Dank für Deinen Hinweis auf GEJ 3.003. Mir war nicht geläufig, dass
ungeschaffene Engel und auch Menschen, die Kinder Gottes geworden sind (dann
= Engel im Liebehimmel), in einer so umfassenden Weise selbst schöpferisch
sein können und dürfen. Der Engel Raphael zeigt hier großartige Persektiven
auf.

In einer eMail an die Liste vom 17.07. habe ich mal gefragt: "Mir geht es im
Kern darum, erahnen zu können, wozu der Herr Seine vollendeten und lebendigen
gewordenen Kinder dann einsetzt (sie sollen bildlich ausgedrückt ja nicht nur
brav um IHM sein), sondern sicherlich Sinnvolles in Liebtätigkeit in den
Himmeln auch tun. ..."

Auf dieses Anliegen hatte niemand in der Liste reagiert. Mit Deinem Hinweis
auf GEJ 3.003 - nun in einem anderen Zusammenhang - hast Du mir eine
hilfreiche Antwort gegeben.

Dass zeigt auch, und ich bin froh darüber, dass die Kinder Gottes nicht nur
selig in den Armen des Vaters liegen werden (IHN dann in Seinem eigenen
Tätigksein evtl. sogar behindern), sondern selbst weitreichende Aufgaben
eigenständig ausführen sollen (siehe Raphaels Hinweise). Das ist eine viel
schönere Perspektive als am Händchen gehalten zu werden. Das zeigt aber auch,
wie erwachsen man werden muss, um dies je erreichen zu können.

Hildegard von Bingen spricht in ihren Bildern über den Herrn von solchen
Tätigkeiten der Kinder Gottes. Dass darüber auch etwas im Werk durch Lorber
steht, freut mich und zeigt auch an diesem Beispiel, dass Hildegard
sicherlich als ein "Vorläufer" der Neuoffenbarung gelten kann.

Herzliche Grüße

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Von: j-herbst
Gesendet: Donnerstag, 2. August 2001 23:14
An: Freundeskreis-Lorberliste@yahoogroups.com
Betreff: AW: [Freundeskreis-Lorberliste] Eigen-schöpferische Tätigkeit der Engel

Lieber ..! 

Danke für die mail. Ich hatte die Botschaft vom 17 auch nicht bemerkt. Falls ich noch bessere Zitate finde, werde ich sie nachliefern. Die Hildegard Zitate würden mich auch interessieren, insbesondere dort wo sie vom großen Schöpfungsmenschen spricht. 

[HGt.02_086,07] Sehet hierher: Jorias ist durchglüht bis zur äußersten Haut! Er schaut und genießt nun schon die unermeßlichen Schätze aus Mir, – ja Schätze, die unvergänglich sind ewig und unverbrauchbar, da sie sich also mehren und mehren ins Unendliche, wie sich da mehret das Weizenkorn auf der Erde, nur mit dem Unterschiede, daß die verzehrten Schätze der Liebe sich stets verherrlichter und ins Unendliche vermehrter erneuern, während das Weizenkorn der Erde, wenn es in die Erde gesät worden ist, sich selbst nur höchstens hundertfach wiederbringt.

[HGt.02_086,08] Wahrlich, wahrlich, sage Ich euch, diese Erde und alles, was auf ihr, in ihr und über ihr ist, und die Sonne und alles, was da ist in ihr, auf ihr und über ihr, und alle die großen Sterne mit ihren zahllosen Weltenheeren und mit ihrem Lichte und mit allem, was da ist in ihnen, auf ihnen und über ihnen, und was da war und sein wird nach undenklichen Zeitläufen, und den ganzen Himmel in aller seiner Unendlichkeit, alle zahllosen Myriaden der Engelscharen mit aller ihrer Herrlichkeit, ja Mich Selbst habt ihr in euch!

[HGt.02_086,09] Wie ist demnach der doch ein Tor, der hier um ein Stückchen Erde streitet, wie es schon zu öfteren Malen unter euch der Fall war, da er doch eine ganze, wahrhaft lebendige Erde, die für ihn ewig nimmer vergehen wird und auch ewig nimmer vergehen kann, sondern sich nur nach seiner Lust und seinem freien Willen stets vergrößern, stets mehr verherrlichen und stets mehr vervielfachen wird, in sich birgt und trägt, und also auch alles früher Bezeigte!

[HGt.02_086,10] Denn wenn es nicht also wäre, da wäre niemand eines Gedankens fähig; alles aber, was da jemand denken kann und mag, und wie vielfach und wie immer gestaltet, muß ja doch wohl also in ihm vorhanden sein wesenhaft, wie da in dem Samenkorne schon vorhanden ist eine endlose Vielheit seiner selbst nebst allen dasselbe produzierenden Pflanzenbestandteilen, ohne welche Beschaffenheit keine Fortpflanzung ins Unendliche denkbar wäre.

[HGt.02_086,11] Wenn also gestaltet euch aber eure Gedanken lehren, was ihr alles unendlichfältig in euch berget und traget wesenhaft und Ich als der Schöpfer alles dessen und euer wahrer Vater euch nun auch noch dasselbe enthüllend sage und ihr nichts als nur der wahren Liebe bedürfet, um euch in den Vollbesitz aller dieser unendlichen Schätze zu setzen, – saget, ein wie großer Tor ist demnach der, so er sich kümmert und sorgt um eine Faust voll Staub der nichtigen Erde, die da nur ist ein prüfendes Trugbild oder eine barste Scheinwelt, während er doch zahllose Sonnenheere in sich birgt, die da echt sind und unvergänglich!

[HGt.02_086,12] Darum sehet an den Jorias; der zeigt euch nun, was die Liebe vermag, und zu was allem sie allein euch verhelfen kann.

[HGt.02_086,13] Daher seid künftighin keine Toren mehr, und fliehet die Welt, und suchet euch selbst und Mich in euch!

[HGt.02_086,14] Habt ihr mit eurem Liebelichte da alles gefunden, so werdet ihr wohl einsehen, wie viel die ganze Erde wert ist gegen den geringsten inneren Schatz des Lebens aus Mir.

[HGt.02_086,15] Wer aber da erglühen wird in der Liebe gleich dem Jorias, der wird auch finden, was er nun gefunden hat!

[HGt.02_086,16] Du, Mein geliebter Jorias, aber stehe nun auf, und zeige den anderen den kleinsten Teil dessen, was du nun in dir aus Mir gefunden hast durch deine Liebeglut! Amen.“  

87. Kapitel

[HGt.02_087,01] Und alsbald erhob sich der glühende Jorias und begann folgende Worte nach dem Willen Abedams an alle die anwesenden Väter zu richten und stellte ihnen getreu den kleinsten Teil des nun in sich gefundenen Schatzes, der unendlich ist, dar; die Worte aber, die er zu ihnen sprach, lauteten also:

[HGt.02_087,02] „Väter, Brüder, Kinder, Mütter, Weiber und Töchter, höret! Wahrlich, wahrlich, wahrlich, kein äußerer Sinn unserer Seele kann es je erfassen, was Gott, unser heiliger, liebevollster Vater, denen vorbereitet hat, die Ihn allein über alles lieben und ihre Herzen nimmerdar abwenden von Ihm, und auch keines Menschen Zunge wird solches je wiedergeben können!

[HGt.02_087,03] Oh, wie wäre solches auch da möglich, wo uns die Worte verlassen und sicher niemand mehr in sich ein Wort finden wird und kann, durch welches er imstande wäre, nie geahnte, viel weniger noch geschaute Dinge vernehmlich zu bezeichnen! Und so er auch alsbald bilden möchte neue Worte, wer wird sie aber verstehen, und wer die endlos vielen sich dann erst merken?!

[HGt.02_087,04] Daher kann nur ein kleinster Teil eines kleinen Teiles allhier zum schwachen Verständnisse kundgegeben werden. Ich sage, liebe Väter, Brüder und Kinder, nicht umsonst ‚zum schwachen Verständnisse‘, denn ein irdisches Wort ist ja kaum nur die äußerste Rinde eines mehrere Hunderte von Jahren alten Baumes.

[HGt.02_087,05] Wer aber kann aus derselben das innerste, wunderbarste Leben des Baumes erkennen, wer im Baume selbst den mächtig gewordenen Keim und in diesem die endlose Vielheit dessen, was da noch verborgen liegt und erst mit der Zeit zum Vorscheine kommt sichtbar unseren Augen?!

[HGt.02_087,06] Und wer möchte endlich erst erkennen aus dem Äußersten der Rinde die geistigen Wunder alle, welche eine allerkleinste Faser des Holzes in sich birgt.

[HGt.02_087,07] Wie daselbst das Laub, die Blüte, die Frucht mit allen ihren sie umgebenden und sie durchdringenden Teilen von vielen tausend Geisterhänden vorbereitet wird, von ihnen dann zur rechten Zeit durch alle die zahllos vielen Kanälchen zu den Ausmündungen an den Zweiglein geführt und dort erst endlos wunderbarer ausgebildet wird nach der bestimmten Form und nach allen uns wie nur immer möglich fühl- und wahrnehmbaren Eigenschaften?!

[HGt.02_087,08] So wenig wir aber alles dieses und noch zahllos mehreres der Außenrinde des Baumes entnehmen können, – um noch viel weniger kann jemand das allerkleinste Teilchen dessen durch Zungenworte wiedergeben, was dieser unser aller heiligste, liebevollste Vater in den Herzen derer vorbereitet hat, die Ihn über alles lieben!

[HGt.02_087,09] O Liebe, Liebe, Liebe, du große, heilige Liebe, welche Fülle, welche Tiefe des Lebens und des Lichtes fassest du in dir!

[HGt.02_087,10] Gott, Gott Selbst ist die reinste Liebe, und diese Liebe ist vor uns allen; sie ist unser aller heiliger, liebevollster Vater, hier – in unserer Mitte, – da – in unseren Herzen!

[HGt.02_087,11] Vor den Augen des Fleisches und der Seele auch liegt es verborgen, aber nicht also vor denen des Geistes, in dem die Liebe wohnt, ja der selbst Liebe ist aus der endlosen Liebe unseres heiligen Vaters.

[HGt.02_087,12] Dem Geiste ist ein Sandkörnchen mehr denn dem fleischlichen Auge diese ganze Erde und der ganze gestirnte Himmel, so er auch geschaut werden könnte in aller seiner Außenpracht, gleich wie der Fleck der Erde, auf dem wir wandeln, also nahe! 

[HGt.02_087,13] O Sandkörnchen, du großes Wunderwerk, was bist du, – wie groß und herrlich! Wer ahnt die unaussprechliche Majestät dessen, das da unbeachtet an seiner Fußsohle kleben bleibt?! Es ist ja nur ein winziges Stäubchen!

[HGt.02_087,14] O Väter! Glaubet es nicht! Es ist kein Stäubchen! Eine Welt, eine unermeßlich große Welt ist es! In ihren weiten Räumen wallet Licht und Leben!

[HGt.02_087,15] Große Ströme durchziehen ihre weiten Kristalltäler; auf ihren sehr hohen Bergen brennen tausend und tausend Sonnen, voll des herrlichsten Lichtes aller Farben, und zahllose Wesen in den nie geahnten, wunderbarsten Formen beleben diese große Welt! Licht und Wärme ist ihre Nahrung; ihre Bewegung gleicht einem Wanderer, dem ein hohes Reiseziel vorgesteckt ist.

[HGt.02_087,16] O du Körnchen, du Körnchen, du allein ja wärest mir genug für die ganze Ewigkeit!

[HGt.02_087,17] O Väter, Brüder und Kinder, – ich vermag nun nichts mehr zu reden; denn größer und herrlicher stets wird ja schon dies Stäubchen!

[HGt.02_087,18] Was soll da erst sein eine ganze Erde und ihre stets herrlichere Vervielfachung im Ganzen, wie in allen ihren unzähligen Teilen.

[HGt.02_087,19] Was dann erst eine Sonne, was der ganze sichtbare Sternenhimmel, was dann erst der Geister- und Engelshimmel, was sie, was wir, was erst die Liebe Gottes in uns?!

[HGt.02_087,20] Daher liebet, liebet, liebet Ihn; in der Liebe werdet ihr erst erfahren, was die Liebe ist, und wie unaussprechlich gut da ist unser heiliger Vater!

[HGt.02_087,21] O Liebe, du heilige Liebe! Du allein bist alles in allem! O Vater, Du heiliger Vater, Du bist ja diese heilige, große Liebe Selbst!

[HGt.02_087,22] Daher liebet, liebet, Väter, Brüder und Kinder, liebet die Liebe; liebet über alles den heiligen Vater!

[HGt.02_087,23] Denn Er allein ist die Liebe, die ewige, die unendliche! Daher auch Ihm allein alle unsere Liebe ewig! Amen.“ 

Beste Liebe 

J. Herbst

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Von: j-herbst
Gesendet: Donnerstag, 2. August 2001 04:10
An: Freundeskreis-Lorberliste@yahoogroups.com
Betreff: [Freundeskreis-Lorberliste] Gott oder die Engel – Grundsätzliches

 

Frage:

 

Gibt es Probleme, wenn Gott die Gänseblümchen schafft und andererseits aber ein Naturgeist die Gänseblümchen betreut wachsen läßt etc. Ist es schwierig, wenn ein Engel eine neue Schmetterlingssorte erfindet und andererseits aber alle Wesen von Gott stammen? Oder wie ist es zu verstehen, daß einerseits Mercedes mein Auto repariert hat, aber der Techniker doch Fritz Müller war ???

 

Also grundsätzlich nicht vergessen Gott macht alles, aber ( fast ) alles durch seine Diener und Geschöpfe ( da gibt es auch noch Zitate zu ).

 

[GS.02_045,10] Wenn der Geist sagt: Ich bin und denke, so zeigt er dadurch an, daß der Herr in ihm alles in allem ist; und sagt er von sich aus: Ich bin nicht und denke nicht, so redet er, daß ohne den Herrn für sich selbst kein Wesen etwas ist noch etwas vermag. Wie ist es denn aber, wenn der Herr in der tiefen Weisheit Ähnliches von Sich aussagt, der doch ewig alles in allem ist? Sehet, dann bezeiget solches, daß der Herr Selbst in Sich Selbst ewig vollkommen ist und denket. Wenn Er aber spricht: Ich bin nicht und denke nicht, so besagt das soviel als: Alle Wesen sind zwar Geschöpfe von Mir und sind Meine durch Meinen Willen festgehaltenen lebendigen Gedanken; und es gibt kein Ding in der ganzen Unendlichkeit, das Ich nicht gedacht und schöpferisch mit Meinem Willen gefestet hätte. Damit aber Meinen Geschöpfen die vollkommene Freiheit werde, so gebe Ich Meine Gedanken so vollkommen frei, als hätte Ich sie nicht gedacht und nicht geschaffen, auf daß sie nun wie aus sich ganz frei denken, schalten und walten können, als hingen sie von Mir nicht im geringsten ab und als wäre Ich gar nicht vorhanden. 

Das Zitat besagt eigentlich das Gemeinte, nur ist es nicht sehr eindeutig formuliert, es müßte ergänzt werden, daß das freie Denken, schalten und Walten, natürlich auch das Schaffen beinhaltet, was aber eigentlich klar ist, da Denken und Schaffen im göttlichen eh identisch ist. 

[HGt.03_338,09] Sage Mir, wie möglich vollkommener könnte der Mensch wohl gedacht werden, als so er also frei gestellt ist aus Meiner Allmacht hinaus, daß er wie ein zweiter Gott mit Mir, seinem ewig allmächtigen Schöpfer, um seine eigen geschaffene Ordnung rechten kann!? 

Also so ähnlich jedenfalls J J J J J J J 

Beste Grüße 

J. Herbst

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Die Engel bei Swedenborg und Lorber
Ein Beitrag der Reihe "Neuoffenbarungsstudien"

Thomas Noack

Die Engellehre als Widerspruch
Gewisse Vorstellungen Swedenborgs und Lorbers in der Engelkunde (Angelologie) gelten als der eigentlich gravierendste Widerspruch in ihren Lehrsystemen. Demgegenüber sind die Abweichungen in der Frage der ewigen Verdammnis[1] eher nebensächlich. Kurt Hutten, der verdiente Sektenkundler der Evangelischen Zentralstelle für Weltanschauungsfragen, schreibt: In den Werken der beiden Offenbarungsträger "entdeckt man wichtige Gemeinsamkeiten ... Aber diesen Gemeinsamkeiten stehen auch ebenso große Gegensätze gegenüber. Ihr Ursprung liegt in der Lehre von der Schöpfung. Swedenborg richtet sich nach den Aussagen der Bibel: Die Schöpfung ist Gottes Werk. Darum gilt hier: 'Und Gott sah, daß es gut war'. Nach Lorber war die Entstehung des Alls eine Folge von Luzifers Fall. Darum trägt hier die materielle Schöpfung ein negatives Vorzeichen - sie ist mit Schuld behaftet."[2] Hutten bezeichnet die Schöpfungskunde (Kosmologie) als den Ursprung aller Gegensätze. Doch seinen Worten ist auch zu entnehmen, daß bei Lorber die Schöpfungslehre so eng mit der Engellehre, namentlich dem Fall Luzifers, verbunden ist, daß ein Widerspruch auf dem einen Gebiet notwendigerweise auch ein solcher auf dem anderen ist. Wenn Lorber von der materiellen Schöpfung spricht, dann verwendet er stets das Bild vom Fall Luzifers; Swedenborg tut das nie. Für ihn hat sich das Weltall sukzessive aus der geistigen Sonne entwickelt. Von einer Urkatastrophe, die zur Geburt der materiellen Welten führte, weiß der Seher nichts zu berichten. Es wäre also sinnvoll, Engel- und Schöpfungskunde gemeinsam zu behandeln. Aber wer umkreist schon gerne Himmel und Erde ohne Zwischenlandung? Ich werde mich daher zunächst auf die Engelkunde konzentrieren und möchte mich erst später mit der Schöpfungskunde befassen.

Das ist auch aus einem anderen Grunde sinnvoll. Der Luziferkomplex bietet nämlich an sich schon genügend Konfliktstoff. Nicht ohne Grund wurde er in der Kontroverse angesprochen, die Ende der siebziger Jahre zwischen Swedenborgianern und Lorberianern stattfand. Ich hatte Gelegenheit, den Briefwechsel einzusehen, der damals am Rande der offiziellen Veröffentlichungen geführt wurde. Daraus nur zwei Zitate, die u.a. den Geisterfall als Hauptdifferenzpunkt bezeichnen. Friedemann Horn schrieb: "Ich sehe vor allem zwei Fragenkomplexe, die zwischen uns abgeklärt werden müßten ... Wer ist der Urheber der Lorber'schen Diktate (und im weiteren Sinne aller sogenannten Vater-Worte)? ... Der andere Komplex ist die Lehre von Luzifer mit all ihren unsagbar weitläufigen Folgeerscheinungen."[3] Und der exzellente Lorberkenner Wilfried Schlätz schrieb: "Wie ich aus dem letzten Schreiben von Dr. F. Horn an Dich ersehe, gibt es doch größere Lehrunterschiede zwischen Swedenborg und Lorber: 1. Swedenborg lehrt, daß eine abgeschiedene Seele sich in alle Ewigkeit nicht mehr ändern kann und wird und statisch, unveränderlich genau so bleibt, wie sie im Augenblick des Todes in ihrer herrschenden Liebe beschaffen war. 2. Swedenborg lehrt, daß es keine urgeschaffenen Engel und urgeschaffenen Geister gibt. Damit gleichzeitig lehnt Swedenborg die gesamte Lehre vom Fall Luzifers und der daraus entstandenen materiellen Schöpfung ab."[4] Der Luziferkomplex wurde also mehrfach als Lehrgegensatz namhaft gemacht.

Doch worin soll der Streit bestehen? Swedenborg zufolge entstammen die Engel ausschließlich dem menschlichen Geschlecht, folglich gibt es keine urgeschaffenen Engel und schon gar keinen urzeitlichen Engelfall. Lorber dagegen spricht ausdrücklich von "urgeschaffenen Engeln" (Ev IV.105.11); und sein buntes Gemälde vom Fall Luzifers läßt vermuten, daß er diese alte jüdische Mythe im Unterschied zu Swedenborg kritiklos übernommen hat. Das ist in kurzen, zugespitzten Worten der Gegensatz. Doch Ziel der vorliegenden Untersuchungen ist es, den Knoten zu entwirren und zu zeigen, daß der Widerspruch in der angenommenen Weise gar nicht besteht. Ich gehöre zwar nicht zu denen, die aus falsch verstandenem Harmoniebedürfnis alle Brüche und Sprünge beseitigen wollen, denn die Wahrheit zeigt sich stets in Widersprüchen, aber wer das Seziermesser des kritischen Verstandes gebrauchen will, der muß den Schnitt auch dort machen, wo er tatsächlich zu machen ist.

Swedenborg und Lorber gegenüber der klassischen Engellehre
Swedenborg und Lorber haben die klassische Engellehre keineswegs einfach übernommen. Beide haben gezielte und gravierende Veränderungen vorgenommen, jedoch auf völlig verschiedenen Gebieten. Swedenborgs Hauptinteresse gilt der Feststellung, daß die geistige Welt aus dem menschlichen Geschlecht hervorgegangen ist (HH 311-317). Lorbers Hauptinteresse gilt der Feststellung, daß die materielle Welt aus dem Fall Luzifers hervorgegangen ist. Swedenborgs Seherblick schaut sozusagen ausgehend von der Erde nach vorn, in den Himmel; Lorbers Sicht geht von der Erde aus zurück in die Urschöpfung. Dabei sind beide Schauungen auffallend eng mit der Erde, dem Brennpunkt des Geschehens, verbunden.

Swedenborgs Revolution besteht in der Einsicht, daß Himmel und Hölle dem menschlichen Geschlecht entstammen. Diese Einsicht muß nicht als Widerspruch gegenüber Lorbers Festhalten an einer geistigen Urschöpfung dargestellt werden, obwohl dies häufig so geschieht. Ohne Frage, Swedenborg hat klar gesagt: "Michael, Gabriel und Raphael sind nichts anderes als Engelgesellschaften, die wegen ihrer Funktion so genannt werden" (HH 52; vgl. auch HG 8192c und WCR 300). Das ist richtig; das ist die "innerhimmliche" Sicht der Dinge. Ist damit aber auch ein unauflöslicher Widerspruch zu Lorbers Erzengellehre gegeben? Diese Frage gilt es zu untersuchen. Vorab nur soviel: Swedenborgs Stellung zu den Engeln der klassischen Angelologie und zum Fall eines Teils dieser Engel muß im Rahmen seines Hauptanliegens gesehen und begriffen werden. An und für sich ist die Frage einer geistigen Urschöpfung Swedenborgs Thema nicht. Die Dinge liegen hier ähnlich wie in der alten Streitfrage nach dem Ursprung der Seele.[5] Wenn Swedenborg sagt, die Seele stamme vom Vater, dann will er damit nicht primär in den alten Streit eingreifen, denn diese Äußerung macht er immer nur im Rahmen seiner Lehre vom Herrn. Er will sagen, daß die Seele unseres Herrn vom Urgöttlichen des Vaters abstammte und daher zuinnerst göttlich war, was sich im Prozeß der Verherrlichung auch zeigte. Das Böse konnte ihn daher nur umbranden, wie die Wogen des wildschäumenden Meeres das Land, ihn aber nie völlig überschwemmen, weswegen unser Herr den Kampf gegen das Böse aufnehmen und siegreich bestehen konnte. Ebenso ist die Ablehnung einer geistigen Urschöpfung kein selbständiges Thema Swedenborgs, sondern steht immer im Zusammenhang mit dem menschlich-irdischen Ursprung der anderen Welt. Man kann also die These wagen, daß Swedenborg eine geistige Urschöpfung nur insoweit ablehnt, als sie einen Widerspruch zu seinem Hauptanliegen darstellt.

Lorbers Revolution fand auf einem anderen Gebiet der klassischen Angelologie statt. Nicht der Ursprung der Engel des Himmels, sondern die Folgen jenes überlieferten Abfalls einiger Engel von Gott beschäftigen sein Gemüt. Sah man den Aufenthaltsort der gefallenen Engel vor Lorber in der Hölle, ohne eine rechte Vorstellung davon zu haben, so kann man ihn seit Lorber in der materiellen Weltenschöpfung erblicken. Lorber hat eine ganz unmittelbare Verbindung zwischen der Angelologie und der Kosmologie hergestellt; eine Verbindung, die so nirgends zu finden ist, weder im jüdischen Denken noch im katholisch-christlichen Bereich und wohl auch in der Gnosis nicht. Dort findet man lediglich den Gedanken, daß im Menschen gefallene Lichtfunken eingekerkert sind, die auf das befreiende Licht der Gnosis (Erkenntnis) warten, aber daß die gesammte materielle Schöpfung das Gefängnis eines urgeschaffenen Geistes darstellen soll, hat in dieser Totalität und Konsequenzenfülle wohl nur Lorber gedacht.

Um es auf den Punkt zu bringen: Swedenborgs Interesse gegenüber der herkömmlichen Engellehre ist anthropologischer, Lorbers Interesse hingegen kosmologischer Natur. Das muß man wissen, um nicht Äpfel mit Birnen vergleichen zu wollen.

Himmel und Hölle aus dem menschlichen Geschlecht
Nach herkömmlicher Lehrmeinung sind Engel und Menschen zwei völlig verschiedene Wesensgattungen. Engel sind geistige Wesen, am Anfang der Zeit von Gott geschaffen. Menschen sind geistig-materielle Wesen, bestehend aus zwei Wesenselementen, einem materiellen Leib und einer geistigen Seele. Der Leib gehört so wesentlich zum Menschsein, daß die entkörperten Seelen ihren Leib am Jüngsten Tag wiedererhalten müssen. Außerdem waren die Engel eher da als die Menschen.

Ganz anders hat das Swedenborg gesehen. Zwischen Menschen und Engeln besteht kein wesentlicher Unterschied. Sie sind nur durch die Schwelle des Todes voneinander getrennt. Die vierte Kreaturgattung unterscheidet sich von der fünften lediglich wie die Puppe vom Schmetterling. Das ist Swedenborgs Hauptaussage, alles andere nur Beiwerk, was deutlich wird, wenn man das folgende Zitat aufmerksam liest:

"In der Christenheit ist völlig unbekannt, daß Himmel und Hölle aus dem menschlichen Geschlecht hervorgegangen sind (Stufe der These). Man glaubt allgemein, die Engel seienam Anfang erschaffen worden und daher stamme der Himmel. Der Teufel oder Satan aber sei ein Engel des Lichts gewesen, sei jedoch, weil er sich empört habe, mit seiner Schar hinabgestoßen worden und daher stamme die Hölle (Stufe der Antithese; sie wird nur als Gegensatz zur These referiert). Die Engel wundern sich sehr darüber, daß ein solcher Glaube in der Christenheit herrscht und wollen daher, daß ich aus ihrem Mund versichere, daß es im ganzen Himmel keinen einzigen Engel gibt, der am Anfang erschaffen worden, noch in der Hölle irgendeinen Teufel, der als Engel des Lichts erschaffen und später hinabgestoßen worden ist. Vielmehr seien alle im Himmel wie in der Hölle aus dem menschlichen Geschlecht (Stufe der kontrastreich formulierten These; unmißverständliche Abgrenzung gegenüber der Antithese). (HH 311 mit Auslassungen)

Die Führung des Gedankens ist klar: Himmel und Hölle sind aus dem menschlichen Geschlecht. Wollte man ihren Ursprung aus einer geistigen Urschöpfung ableiten, so wäre das falsch. So gesehen läßt Swedenborg die Existenz einer geistigen Urschöpfung durchaus offen, aber sie darf nicht für den Ursprung von Himmel und Hölle in Anspruch genommen werden. Wir werden später sehen, daß Lorber dies auch nicht tut.

Was für die Engel gilt, trifft auch für die Teufel zu. Urgeschaffene Teufel oder Satane gibt es nicht; alles hat sich aus dem menschlichen Geschlecht entwickelt:

"Bis heute glaubt man auf Erden, es gebe einen bestimmten Teufel, der die Höllen beherrsche; er sei ursprünglich als Engel des Lichts erschaffen, dann zu einem Empörer geworden und mit seiner Rotte in die Hölle hinabgestoßen worden. Dieser Glaube beruht darauf, daß im Wort sowohl vom Teufel und Satan als auch von Luzifer (Lichtbringer) gesprochen wird und man das Wort an diesen Stellen rein buchstäblich versteht. In Wirklichkeit hat man unter dem Teufel und Satan die Hölle zu verstehen, wobei der Teufel die Hölle bezeichnet, die weiter hinten liegt, wo sich die Schlimmsten befinden, böse Engel (oder Genien) genannt. Der Satan hingegen bezeichnet die weiter vorn liegende Hölle, wo sich die weniger Bösartigen aufhalten, böse Geister genannt. Unter Luzifer sind hingegen diejenigen zu verstehen, die aus Babel oder Babylonien stammen, das heißt Geister, die ihre Herrschaftsbereiche bis in den Himmel ausdehnen" (HH 544).

"Teufel sind die im anderen Leben, die Menschen waren und ihr Leben in der Welt in Haß, Rache und Ehebruch verbrachten. Der Teufel bezeichnet nichts anderes als eine solche Höllenschar. Folglich ist die Meinung falsch, es gebe einen Teufel von Anfang der Schöpfung an, und zwar einen anderen als die Menschen, die so (nämlich teuflisch) beschaffen waren" (aus HH 968).

Nebenbei differenziert Swedenborg auch zwischen "Teufel" und "Satan": Teufel bezeichnet das Böse, Satan das Falsche (EO 97, 550).

Interessant ist nun, daß auch Lorber Swedenborgs Anliegen ohne Wenn und Aber übernommen hat und dennoch seltsamerweise Raum genug gefunden hat, um sein eigenes Anliegen, die Verknüpfung des Engelfalls mit der materiellen Schöpfung, ungehindert zur Entfaltung bringen zu können. Das ist aus der Sicht eines Swedenborgianers verwunderlich und hat daher zu Fehleinschätzungen geführt.

Zunächst die Aussagen bei Lorber, die sich problemlos mit denen Swedenborgs decken: "Übrigens gab es im wahren Himmel niemals irgendeinen Engel, der nicht zuvor auf irgendeiner Erde ein Mensch gewesen wäre" (Ev VII.56.8). Auch "wir [Engel] waren einmal auf irgendeinem Weltkörper das, was ihr [Menschen] nun seid" (Ev VI.190.3; vgl. auch Vers 17). Die "Hauptnachkommen des ersten Menschenpaares waren in einer steten Verbindung mit Gott und den Engeln, die ehedem auch, wennschon auf einem anderen Erdkörper, als Körpermenschen gelebt haben" (Ev VIII.128.2).

Aber nicht nur die Engel, auch die Teufel sind allesamt aus dem menschlichen Geschlecht: "Bevor es aber keinen Menschen auf einem Weltkörper gab, da gab es auf demselben auch keinen persönlichen Teufel" (Ev VIII.35.16). "Es gibt in der ganzen Natur- und Geisterwelt keine sogenannten Urteufel, sondern nur solche, die schon früher als unverbesserlich schlechte und lasterhafte Menschen einmal auf der Erde gelebt haben" (Ev V.97.5). Da dieses Wesen, nämlich Satan, "sich aber schon in solcher Zeit eine Menge gleichgesinnter Geister aus dem menschlichen Geschlecht herangebildet hatte, so wirkte es dann durch diese seine Engel; denn ein Diabolus oder Teufel ist nichts anderes als ein in der Schule des Satans herangewachsener und ausgebildeter Geist" (EM 56).

Nach dem Gesagten kann man Lorber nicht den Vorwurf machen, er leite in schroffem Gegensatz zu Swedenborg Himmel und Hölle woanders als "aus dem menschlichen Geschlechte" her. Was hat es dann aber mit den urgeschaffenen Engeln und dem Fall Luzifers auf sich?

Widersprechen Lorbers "urgeschaffene Engel"
dem Swedenborg'schen System?

Wir haben gesehen, daß es auch für Lorber ganz in Übereinstimmung mit Swedenborg "im wahren Himmel niemals irgendeinen Engel" "gab", "der nicht zuvor auf irgendeiner Erde ein Mensch gewesen wäre." So weit, so gut. Nun gibt es aber für Lorber auch "urgeschaffene Engel" (Ev IV.105.11) bzw. "Erzengel" (Ev V.106.10). Sie "wurden endlos lange eher geschaffen, als irgendeine Spur von einer materiellen Schöpfung vorhanden war" (Ev II.134.2). "Fleisch und Blut" haben sie "nie getragen" (Ev II.79.3). Damit ist klar, daß diese Engel nicht zu den Engeln des Himmels gehören können, denn die haben alle "Fleisch und Blut" getragen. Lorber unterscheidet folglich zwei Gattungen von Engeln: a) urgeschaffene Engel und b) Engel aus dem menschlichen Geschlecht. Dabei macht er sich die unterschiedlichen Bedeutungen, die im Begriff "Engel" anklingen, zunutze: Engel sind a) entsprechend der Grundbedeutung des Wortes Boten[6] des Herrn und b) entsprechend dem allgemeinen Verständnis die Bewohner des Himmels.

Die Himmelsengel sind jedem Swedenborgianer ein Begriff; weniger bekannt ist, daß "Engel" für den Seher noch weit mehr bedeutet: "Unter 'Engeln' wird im Wort der Herr verstanden, weswegen der Herr selbst 'Engel' genannt wird. Von daher bezeichnen 'Engel' auch das Göttlich Wahre, denn das vom Herrn ausgehende Göttlich Wahre macht den Himmel, folglich auch die Engel, die den Himmel bilden" (HG 8182b). "Durch den Engel wird im höchsten Sinne der Herr bezeichnet, hernach der Himmel der Engel (die Himmelsengel), und dann auch das vom Herrn ausgehende Göttlich Wahre" (EO 647). "'Engel' bezeichnen im Wort etwas vom Herrn, d.h. Göttliches." (HG 4085).

All diese Stellen bieten außerdem noch interessante Parallelen zur Vertiefung des Verständnisses. Speziell zu den Erzengeln meint Swedenborg: Michael, Raphael und andere bezeichnen "eine engelhafte [= von Gott ausgehende] Funktion, somit das Göttliche des Herrn hinsichtlich dieser Funktion" (HG 8192c). Die Himmelsengel nennt Swedenborg himmlische, geistige, natürlich-geistige und natürlich-himmlische Engel (HH 31), je nach dem Grad der Aufnahme für das eigentlich Engelhafte. Uns interessieren nun die höheren Bedeutungsebenen des Begriffes "Engel", denn den dort noch vorhandenen Platz füllt Lorber ideenreich aus.

Zunächst, indem er das Wesen der "urgeschaffenen Engel" von dem der Engel des Himmels unterscheidet, wobei der Begriff "Bote" sehr originell aufgefaßt wird. Die "urgeschaffenen Engel" sind mit Gott so eins wie das ausstrahlende Licht mit der Sonne (Ev V.106.9). Von einer Sonderung oder gar Selbständigkeit der Botenkräfte Gottes gegenüber dem Urwesen Gottes kann keine Rede sein. Während die Engel des Himmels ein "Eigenes" haben (GLW 114), weil sie die Erfahrung der Sünde (als Sonderung gedacht) gemacht haben, sind die Urengel Gottes "eigentlich noch kein Ich" (Ev III.180.20). Sie sind lediglich Funktionen Gottes. Ihre völlige Abhängigkeit von Gott beschreibt Lorber in zahlreichen Bildern und Worten: Die Erzengel "sind pure Aufnahmegefäße des göttlichen Willens und hernach die Austräger [daher Boten] desselben!" Sie "sind gewissermaßen die Flügel des göttlichen Willens und sind sonach ganz eigentlich der göttliche Wille selbst" (Ev II.136.6). "Wir Engel sind im Grunde ja nichts als Ausstrahlungspunkte des göttlichen Geistes! Wir sind gewisserart der personifizierte, kräftigst wirkende Wille Gottes". Wir sind "nichts als Arme und Finger des Herrn". "Von uns gehört alles, was du an uns siehst, dem Herrn; nichts ist als irgend selbständig uns zu eigen, und es ist eigentlich alles an uns der Herr Selbst". Wir sind "des Herrn Wille und Tat" (aus Ev III.180). Die schon mehrfach verwendete Stelle Ev VII.56.8 lautet vollständig:

"Übrigens gab es im wahren Himmel niemals irgendeinen Engel, der nicht zuvor auf irgendeiner Erde ein Mensch gewesen wäre. Das aber, was ihr euch unter den als reine Geister geschaffenen Engeln sehr irrig vorstellet ist nichts als die auswirkenden Kräfte und Mächte Gottes, durch die Gottes Allgegenwart, in aller Unendlichkeit wirkend, bekundet wird".

Das hier von Lorber ausgebreitete Verständnis vom unselbständigen Wesen der Erzengel kann als Interpretation ihrer Namen aufgefaßt werden, denn die Endsilbe -el in Rapha-el, Micha-el, Gabri-el und Uri-el bedeutet "Gott" und weist die Erzengel als Qualifikationen Gottes aus. Raphael heißt "Geheilt hat Gott", Michael "Wer ist wie Gott?", Gabriel "Mann oder Kraft Gottes", Uriel "Mein Licht ist Gott" (vgl. auch Swedenborg EO 548). Diesem Namensverständnis folgend benennt Lorber die Erzengel im 5. Kapitel der "Haushaltung Gottes", wo von der geistigen Urschöpfung die Rede ist, nicht mit ihrem Namen, sondern mit einem Sinnspruch (HGt I.5.12), den der interessierte Leser selbst nachlesen kann.

Die Erzengel Lorbers sind geistige Gebilde, d.h. Gedanken und Ideen Gottes, und als solche nicht unähnlich den Gedankenformen eines Menschen. Nur kann Gott im Unterschied zum Menschen seine Gedanken und Ideen aus sich herausstellen, ohne an eine vorgegebene Materie anknüpfen zu müssen. Die "erstgeschaffenen Geister" sind "die freien und belebten Ideen Gottes im endlosen Raume" (Ev II.224.1). Oder: "Die urgeschaffenen großen Geister sind ja eben die Gedanken in Gott und die aus ihnen hervorgehenden Ideen" (Ev VII.18.2). Als Gedankenformen besitzen sie noch längst nicht die Objektivität (Gegenständlichkeit) materieller Dinge. Man darf Lorbers Erzengellehre nicht grobmateriell auffassen. Die ersten großen Gedankenfiguren Gottes sind die Urformen der Schöpfung und sind, wie es schon der Name Engel sagt, Boten oder Ausstrahlungen des großen, heiligen Schöpfungsgedankens in die Weiten des endlosen Schöpfungsraumes. Lorbers Erzengellehre ist sonach eine geistige Deutung des Wunders "Schöpfung". Im Unterschied zu Swedenborg hat Lorber die Naturwissenschaften nie ernsthaft studiert. Wem mag es da verwundern, daß sein Verständnis der Schöpfung ein ganz anderes ist als dasjenige Swedenborgs? Man lasse nur einmal einen Philosophen und einen Botaniker ein und denselben Baum beschreiben! Ihre Aussagen werden so unterschiedlich sein, daß man Mühe haben wird zu glauben, ihnen liege derselbe Baum zugrunde.

Die Erzengel als "der personifizierte Ausdruck" "des göttlichen Willens und der göttlichen Kraft" (Ev V.106.9) oder als "sonderheitliche Repräsentanten der allgemeinsten Gotteslebenskraft" (Ev III.32.9) erscheinen stets "in der Gestalt eines Menschen" (Ev II.195.5), denn die Gedanken und Ideen Gottes verbinden sich immer "nach der Urform Gottes" (Ev II.227.2), welche die Menschenform ist. Gleichwohl sind die Engel nur "Licht und Feuer" (Weisheit und Liebe): Einzig die Liebe, die selbst Gott den Herrn "zum Menschen vor euch [Menschen] zeihet, macht auch uns Engel zu Menschen vor euch, ansonst wir nur Licht und Feuer sind, hinauszuckend durch alle die endlosen Räume als große, schöpferische Gedanken, erfüllt mit Wort, Macht und Willen von Ewigkeit zu Ewigkeit!" (Ev III.180.3). Das Personifikationsprinzip kann einem Swedenborgianer nicht fremd sein; man denke nur an die weitreichenden Folgerungen Swedenborgs aus dem Göttlich Menschlichen des Herrn! Die folgenden Belege zeigen, daß sich die Schöpfungen des Geistes stets menschlich figurieren:

"Eine jede Neigung des Guten und zugleich des Wahren ist in ihrer Form Mensch." (GV 66). "Die Liebe zusammen mit der Weisheit ist in ihrer Gestaltung Mensch, weil Gott, der die Liebe und Weisheit selbst ist, Mensch ist." (GLW 179). "Das Göttlich Hervorgehende ist im größten und kleinsten Mensch." (Ath. 178).

Somit werden auch die Gedanken und Ideen Gottes, die er als Schöpfer gedacht haben muß, Menschenform haben, obgleich sie ihrem innersten Wesen nach "Licht und Feuer" sind.

Die Erzengel oder Urgedanken Gottes erscheinen zwar als Menschen, werden aber erst dann Menschen, wenn sie einen der zahllosen Erdkörper im Weltall als Wesen aus Fleisch und Blut betreten. Der Fleischesweg, den der Herr als der reinste Geist gegangen ist, ist das Nadelöhr, durch das die alte Schöpfung hindurch muß, um zur neuen Schöpfung zu werden. Die neue Schöpfung Gottes ist Jesus Christus und die Wiedergeburt. Jesus Christus, die neue Gedankenschöpfung, daß Gott Fleisch werden mußte, um das Sterbewesen des Ackerbauern zu erlösen. Und die Wiedergeburt, die Neuschöpfung des Geistes, derzufolge wir Gott von Angesicht zu Angesicht erschauen werden wie ein Bruder den andern. Das erst ist der neue Himmel, der "wahre Himmel" (Ev VII.56.8) aus dem menschlichen Geschlecht.

Swedenborg hat eine geistige Urschöpfung zwar nie zum Thema seiner Offenbarung gemacht, erwähnenswert ist aber seine Vorstellung von den Strahlengürteln rings um die geistige Sonne. Sind diese Strahlengürtel mit Lorbers Erzengeln verwandt? Den Texten zufolge handelt es sich bei den Strahlengürteln um überhimmlische Sphären aus dem Licht des Göttlich Wahren und dem Feuer der Göttlichen Liebesglut. Nach allem, was man von Swedenborg weiß, wird man auch von Substanz und Form sprechen müssen und von Wesen in Menschengestalt. Die Texte lauten: "Das unmittelbar vom Herrn ausgehende Wahre kann, weil es aus dem Göttlich Unendlichen kommt, von keiner lebenden Substanz, die ja endlich ist, aufgenommen werden, somit von keinem Engel [Himmelsbewohner!]. Deshalb hat der Herr aufeinanderfolgende Sphären (successiva) geschaffen, durch die das unmittelbar ausgehende Göttliche Wahre wie durch Mittel(glieder) mitgeteilt werden konnte. Aber die erste dem Göttlich Wahren entstammende Sphäre ist des Göttlichen noch zu voll, als daß sie schon von einer lebenden und endlichen Substanz, einem Engel also, aufgenommen werden könnte. Deshalb schuf der Herr noch eine weitere Sphäre, durch die das unmittelbar ausgehende Göttlich Wahre einigermaßen aufnehmbar wurde. Diese Sphäre ist das göttliche Wahre im Himmel. Die ersten beiden Sphären [= das Göttlich Wahre und die erste Sphäre?] sind über den Himmeln und sind gewissermaßen Strahlengürtel (cingula radiosa) aus dem Flammenmeer rings um die Sonne des Herrn." (HG 7270b).

Auch in "Himmel und Hölle" kommt Swedenborg auf diese Strahlengürtel zu sprechen. Dort heißt es jedoch nicht, das Göttlich Wahre werde angepaßt, sondern die Liebesglut des Herrn, was freilich kein Widerspruch ist, denn in den überhimmlischen Sphären sind Liebe und Weisheit bzw. Wahrheit noch eins: "Der Herr als Sonne fließt nicht unmittelbar in die Himmel ein, sondern vermindert auf dem Wege die Glut seiner Liebe stufenweise. Diese Herabminderungen erscheinen als Strahlengürtel rings um die (geistige) Sonne" (HH 120). Im Lorberwerk kennzeichnet Raphael das Wesen der Erzengel mit den Worten: "Wir sind um Gott herum [cingula radiosa] so ungefähr das, was das aus der Sonne ausfließende Licht [Divinum Verum] ist" (Ev V.106.9).

Zusammenfassend kann man sagen, daß Lorbers Erzengelvorstellung dem Swedenborg'schen System nicht widerspricht, weil Lorber a) Swedenborgs Hauptanliegen wahrt und b) Swedenborgs Vorgaben sehr geschickt mit konkreten Ideen ausfüllt. Lorbers Erzengel gehören einem Bereich an, der mit den Himmeln nichts zu tun hat und somit auch mit den Engeln des Himmels nicht kollidieren kann.

Der Fall Luzifers: Ein alter Mythos neu gesehen
Ursprung und Verbreitung
Der Mythos vom Fall Luzifers, des Satans, der ein Engel des Lichts war, geht auf Jesaja 14.12-15 zurück. Dort beginnt der Text mit den Worten: "Wie bist vom Himmel du gefallen, du Leuchtender, Sohn der Morgenröte!" Das hebräische Wort "Helel", hier mit "Leuchtender" übersetzt, wurde in der griechischen Bibelübersetzung (Septuaginta) mit "eosphóros" wiedergegeben, aus "eos", das "Frühlicht" und "phero", "bringen". Dementsprechend wählte die lateinische Bibelübersetzung (Vulgata) "lucifer" (lux und ferre = Lichtbringer), so daß man seitdem lesen kann: "quomodo cecidisti de caelo lucifer qui mane oriebaris (Swedenborg: lucifer, filius aurorae)". So kam Luzifer in die Heilige Schrift, und seither rätselt die Fachwelt, was es mit seinem Namen wohl auf sich habe.

Allerdings sollen sich schon in der Schöpfungsgeschichte Hinweise auf einen Kampf im Himmel finden lassen. Friedrich Weinreb berichtet, nachdem er auf unterschiedliche Schreibweisen der "Lichter" des vierten Schöpfungstages hingewiesen hat: "Die mündliche Überlieferung [des Judentums] erzählt, die Lichter hätten zwar bei ihrer Erschaffung vollständige Lichter werden sollen, im Himmel aber sei es zu einem Kampf gekommen ..."[7] Und Lorber schreibt: "Der Fall der erstgeschaffenen Geister ... ist die große Scheidung, von der Moses sagt: 'Da schied Gott das Licht von der Finsternis!'" (Ev II.224.1).

Im Judentum war der Mythos sehr verbreitet, wie die Apokryphen des Alten Testaments und das Neue Testament zeigen. So liest man im "Buch Henoch": "Weiter sah ich mit meinen Augen, während ich schlief, und ich sah den Himmel oben, und siehe, ein Stern fiel vom Himmel herab" (86). Und in der ebenfalls apokryphen Schrift "Das Leben Adams und Evas" spricht der Teufel "aufseufzend": "Adam, meine ganze Feindschaft, Neid und Schmerz geht gegen dich, weil ich deinetwegen vertrieben und entfremdet ward von meiner Herrlichkeit, die ich im Himmel inmitten der Engel hatte, und deinetwegen auf die Erde hinabgestoßen ward." (12). Im Neuen Testament künden 2.Petrus 2.4 und Judas 6 von der Engelsünde.

Die christliche Kirche hat diesen Mythos unverändert übernommen. Swedenborg und Lorber hingegen haben ihn neu gesehen. Swedenborg geht von Jesaja 14 aus und deutet diesen Text im Sinne der Entsprechungskunde. Lorber geht von der ursprachlichen Bedeutung der Worte "Luzifer" (Helel) und "Satan" aus und kommt auf diese Weise ebenfalls zu einem vertieften Verständnis. Beide Neuoffenbarer lehnen die vulgäre Erzählform als falsch ab, denn sie entspringt dem viel zu oberflächlichen Buchstabenverständnis.

Swedenborgs Deutung der Jesajastelle
Ausgehend von Jesaja 14 sieht Swedenborg in Luzifer den alten Geist der Erhebung gegen Gott, der schon in Babel herrschte: Wohlan, lasset uns einen Turm bauen "und seine Spitze sei im Himmel" (Gen 11.4). "Unter Luzifer sind [daher] diejenigen zu verstehen, die aus Babel oder Babylonien stammen, d.h. Geister, die ihre Herrschaftsbereiche bis in den Himmel ausdehnen." (HH 544). Luzifer ist somit auch ein Bild für diejenigen, die sich Göttliche Vollmachten anmaßen, z.B. die Macht, den Himmel auf- und zuzuschließen oder Sünden zu vergeben (GV 257 und 231). Da dies nur auf dem Wege der Entweihung des Wortes geht, bezeichnen Luzifer und Babel auch dies (EO 24). Den luziferisch-babylonischen Geist sah Swedenborg in der katholischen Kirche und in gewissen höllischen Gesellschaften am Werke. Er ist aber sicherlich auch andernorts wirksam. Ich sehe in Swedenborgs Zuschreibungen lediglich Beispiele und setze sie nicht absolut. Das Leuchtende in "lucifer, filius aurorae (Lichtbringer, Sohn der Morgenröte)" erklärt Swedenborg mit dem anfänglichen Eifer für die Sache des Herrn. Da aber inwendig meist nur das Verlangen, Herrschaft über andere ausüben zu wollen, vorhanden ist, tritt früher oder später die Entweihung der heiligen Gegenstände zutage (GV 257 und OE 1029.11).

Lorbers Namensdeutungen
Lorber gelangt zu seiner Interpretation, indem er von der ursprachlichen Bedeutung der Begriffe "Helel" und "Satan" ausgeht. "Helel" bedeutet "Leuchtender", "Satan" bedeutet "Widersacher" oder "Gegner". Der folgende Text[8] behandelt das Wesen Luzifers. Wer ihn aufmerksam liest, findet sowohl das Leuchtende als auch das Widerstehende: "In diesem Geiste wollte die Gottheit Selbst den festen Punkt der eigenen Wirksamkeit feststellen, gleichwie ein Mensch, welcher geht, in dem festen Stützpunkt der Erde erst einen festen Punkte findet, seine Kraft wirken zu lassen und sich fortzubewegen. Der Widerstand, den die Erde selbst bietet, ist aber gerecht, ja, ist das Mittel, daß die Kraft eigentlich zum Vorschein kommt und dadurch Fortbewegung geschieht. Diese abgegebene Kraft, welche in den neu erstandenen Geist eingelegt wurde, war der Gegenpol, d.h. war der gerechte Gegensatz aller der Eigenschaften, die ihr als göttlich bezeichnet, welcher deswegen aber nicht ungöttlich ist, sondern nur ermöglicht, das rechte Licht der Erkenntnis zu verbreiten." (Ev XI.17.6). Der "erstgeschaffene Geist" hieß "'Luzifer' (d.h. Lichtträger)", weil er "in sich das Licht der Erkenntnis" trug und "als erstes Geistwesen die Grenzen der innergeistigen Polaritäten recht wohl erkennen" konnte. (Ev XI.17.12; vgl. auch Vers 11). Hier wird die Entstehung von Bewußtsein geschildert.

Es klang schon an, daß der Bewußtseinsträger zugleich auch (gerechter) Gegner bzw. Gegenüber Gottes sein muß. Damit sind wir bei der geheimnisvollen hebräischen Buchstabenkombination "stn", die Lorber einmal weiblich (Satana), einmal (Satan) vokalisiert (EM 56), womit der Zwiespalt im Wesen der bewußten Schöpfung, somit auch des Menschen, angedeutet ist, die einesteils Aufnahmegefäß Gottes sein kann, sich andernteils aber auch diesem Einfluß verschließen kann. Swedenborg hat auf das Wechselseitige der Verbindung mehrfach hingewiesen, ferner auf "die Verbindung des Aktiven und Passiven" (WCR 588). Erwähnt seien auch Swedenborgs Ausdrücke "Hauptursache" und "werkzeugliche Ursache" (WCR 473). Diese Begriffspaare verdeutlichen die Zusammengehörigkeit von Sein und Gegensein. Ausgehend von der Grundbedeutung Satans als Widersacher oder Gegner Gottes hat Lorber den Widerstand als die Grundlage alles Seins erkannt. Dazu die folgenden Abschnitte: "Keine Kraft kann irgendetwas wirken, wenn sich ihr nicht eine Gegenkraft entgegenstellt." (Ev II.228.6; vgl. auch 10; Ev II.229.1). Die Gegensätze sind zunächst in Gott und von da aus in den geschaffenen Wesen. Satan ist dasjenige "Wesen" (Seinsausdruck), das die Gegenkräfte zum Schweigen bringen will und daher selbst zum Schweigen gebracht wird und fortan nur noch ein toter Seinsausdruck ist, den Lorber in der Materie erkennt: "Satan ist eine große Persönlichkeit und entspricht der zu starren Ruhe und Trägheit; denn diese geschaffene erste große Persönlichkeit wollte alle anderen Kräfte in ihre Wesenheit vereinen und ist aber darum tot und tatunfähig geworden in sich selbst. Aber die in ihr besiegten anderen Kräfte ruhen dennoch nicht völlig, sondern stehen in einer fortwährenden Tätigkeit und personifizieren sich dadurch wie selbständig. Durch solche Tätigkeit beleben sie aber das Grundwesen wie mit einem Scheinleben, und dies Leben ist dann offenbar nur ein Trugleben einem wahren freien Leben gegenüber. Solche besiegten und doch den Sieg nicht annehmen wollenden Kräfte sind dann das, was man dem Satan gegenüber 'Teufel' oder 'böse Geister' nennt." (Ev II.229.12f).

Wir sehen, daß Lorber die hebräischen Wortwurzeln geistreich aufschließt und Swedenborg'sche Ansätze verarbeitet.

Der Fürst der Welt
Einen "persönlichen Ursatan" lehnt Lorber ebenso wie Swedenborg ab, allerdings erreicht Lorber dies anders als Swedenborg, indem er die materielle Schöpfung mit dem Satan gleichsetzt: Einen "gewissen persönlichen Ursatan und persönliche Urteufel hat es in der Wirklichkeit niemals woanders gegeben als nur in der gerichteten Weltmaterie aller Art und Gattung" (Ev VIII.34.21). "Verstehe sonach unter 'Satan' im allgemeinen die ganze materielle Schöpfung und unter 'Teufel' das getrennte Spezielle derselben." (Ev VIII.34.9). "Der Satan ist die Zusammenfassung des gesamten Materiemußgerichts[9]" (Ev VIII.35.14). Der "Teufel oder der Satan" "ist die tote Materie und die in sie gebundenen und dadurch oft eine überaus lange Zeit hin gerichteten Geister" (Suppl. 249). "Sieh, das, was man 'Satan' und 'Teufel' nennt, ist die Welt mit aller ihrer verführerischen Pracht" (Ev V.94.2). "Es gibt zwar keine urgeschaffenen Erzteufel in der Art, wie ihr euch dieselben vorstellet, - aber dennoch ist alles der Materiewelt in seinem Urelement ebensoviel wie ein urgeschaffener Erzteufel ... und wer sich von der Welt und seinem Fleische zu sehr gefangennehmen läßt, dessen Seele ist dann auch ein persönlicher Teufel ..." (Ev IX.134.7). Lorber versteht also den "Fürsten der Welt" des Johannesevangeliums sehr wörtlich als "Fürst der Materie" (Ev XI.17.27). In der "Welt" ist ein böser Geist wirksam, der mittels seiner "verführerischen Pracht" die Menschen verführen will. Nun hat Hutten (s.o.) dagegen eingewendet, daß für Swedenborg die Schöpfung gut ist (WCR 78), während sie für Lorber böse ist. Diese Gegenüberstellung ist aber nur teilweise richtig, auch Swedenborg schreibt nämlich: "Wer die Welt und nicht zugleich den Himmel in sich aufnimmt, der nimmt die Hölle auf." (JG 16). Wenn nun die "Welt" böse machen kann, dann kann sie an sich nicht gut sein. Bildhaft gesprochen ist in ihr ein böser Geist wirksam, der sich nur aufgrund des Einflusses aus den Himmeln Gottes nicht aus-wirken kann, weswegen der johanneische Christus ausruft: "Jetzt ergeht ein Gericht über diese Welt; jetzt wird der Fürst dieser Welt ausgestoßen werden." (Joh 12.31). Die Hutten'sche Berufung auf den biblischen Schöpfungsbericht ist in den Augen eines Swedenborgianers auch deswegen bedenklich, weil dort überhaupt nicht von der Schöpfung der Welt, sondern von der Wiedergeburt des Menschen die Rede ist.

Die Materie ist für Lorber umhülltes oder "fixiertes Geistiges" (Ev II.195.4): "Die Materie selbst ist demnach nichts anderes als ein gerichtetes und aus sich selbst verhärtetes Geistiges; noch deutlicher gesprochen, ist sie eine allergröbste und schwerste Umhäutung oder Umhülsung des Geistigen." (Ev IV.103.4). Swedenborg bezeichnete den natürlichen (materiellen) Grad als "Behälter (continens = Zusammenhaltendes oder Umschließendes)" der vorhergehenden (geistigen) Grade (GLW 209). Er verwendet die Muskelfasern als Beispiel (GLW 190) und schreibt: "Man muß wissen, daß jeder Grad vom anderen geschieden ist mittels eigener Hüllen (velamina) und alle Grade zusammen mittels einer gemeinsamen Hülle" (GLW 194). Lorber sprach von "Hülse" (Ev II.232.3). Auch für ihn sind das Geistige und das Materielle getrennte Grade: "Das Geistige aber kann mit all der noch so harten und groben Umhülsung nie selbst zur vollkommenen Materie werden" (Ev IV.103.5).

Objektiv betrachtet ist die Materiewelt der sogenannte Satan (Gegenpol Gottes, des Geistes), subjektiv betrachtet ist es das Prinzip "Welt" (der Fürst der Welt) im Menschen und personal betrachtet ist es der Mensch selbst, wenn er sich von diesem Prinzip vereinnahmen läßt. Die subjektive Deutungsstufe kommt in den folgenden Texten zum Ausdruck: Die "Trägheit oder stets steigende Lust zum Müßiggange" "ist eben jener böseste Geist, den die Schrift 'Satan' nennt." (Ev V.204.8). Swedenborg schrieb: "Müßiggang läßt das Gemüt zusammensinken und erweitert es nicht, tötet den Menschen ab, statt ihn zu beleben." (WCR 694c). Das Prinzip "Welt" ist die träge Ruhe, die sich nur allzu leicht auf die noch unreifen Geister überträgt wie eine unheimliche Krankheit, und sie in ihr Grab reißt. Die Heilige Schrift nennt die träge Weltruhe im Menschen "das Gericht" und verordnet als Gegenmittel die "Liebtätigkeit": "Wer mein Wort hört und dem glaubt, der mich gesandt hat, hat das ewige Leben; er kommt nicht ins Gericht, sondern ist aus dem Tod ins Leben hinübergegangen." (Joh 5.24). Daß Müßiggang aller Laster Anfang ist, weiß schon der Volksmund; so kann es denn auch nicht verwundern, wenn Lorber den Fürsten der Welt auch mit folgender Lasterkette charakterisieren kann: "Lüge, Trug, Stolz, Habsucht, Eigenliebe, Neid, Haß, Herrschgier, Mordlust und allerlei Hurerei." (Ev V.220.2). Wie nahe Lorber der Swedenborg'schen Wortwahl kommen kann, zeigt der folgende Text. Swedenborg differenzierte bekanntlich zwischen Satan und Teufel und schrieb: "Satane werden jene genannt, die im Falschen und von daher im Bösen, Teufel jene, die im Bösen und von daher im Falschen gewesen sind." (WCR 281m). Ganz ähnlich Lorber: "Und siehe, ebendieses Falsche, die Lüge und der Trug, ist geistig genommen der 'Satan', und alle die einzelnen, daraus notwendig hervorgehenden Laster sind eben das, was man 'Teufel' nennt; und eine jede Seele, die irgendeinem der zahllos vielen Laster als begründet ergeben ist, ist ein Teufel in Person und ein tätiger Ausdruck eines oder des andern Schlechten und Bösen" (Ev V.94.3).

Satan kam zu seiner Ehre, ein persönliches Geistwesen im Reigen der himmlischen Gottessöhne zu sein, hauptsächlich durch das Buch Hiob. Doch dieses ist "voll von Entsprechungen", weil es "ein Buch der Alten Kirche" ist (WCR 201). Auch Lorber hat Werke geschrieben, die den Satan als personales Wesen auftreten lassen. Ich denke hier insbesondere an die "Haushaltung Gottes", aber auch an "Das große Evangelium Johannis" und an die Jenseitswerke. All diese persönlichen Auftritte sind jedoch reine Entsprechungsbilder, wie Lorber selbst bestätigt: Der "Satan, der den frommen Hiob so sehr versuchte" "war der gerichtete Geist seines Fleisches, d.h. dessen verschiedenartige Begierlichkeiten!" "Daß" "der Satan und die Teufel von den alten Weisen [Swedenborgs 'Antiqui'] unter allerlei Schreckensbilder dargestellt wurden, hat den Grund darin, damit die Seele unter allerlei argen Formen sich einen Begriff bilde, welch eine Not ein freies Leben zu erleiden hat, so es sich wieder von dem Gerichte der Materie gefangennehmen läßt. Ich selbst habe meinen ersten Jüngern einmal den Satan in einem entsprechenden Bilde auftreten lassen, und sie entsetzten sich gewaltigst vor demselben [vgl. Ev I.225]. Desgleichen geschah auch zu öfteren Malen bei den Altvätern dieser Erde ["Haushaltung Gottes"]; doch damals ward keine Erklärung darum wörtlich hinzugesetzt, weil die Alten aus dem Geiste der Weisen die bildliche Darstellung auf dem Wege der inneren Entsprechungen wohl verstanden" (aus Ev VIII.34 und 35).

Wollte man das Lorberwerk zum Zeugen für einen "persönlichen Ursatan" machen, so würde man es grob mißverstehen. Lorber beseitigt diese Schimäre, indem er den Fürsten der Welt tatsächlich in der Welt erblickt. Das Weltall hat nach Lorber Menschenform. Und nach dem Vereinsprinzip sind die naturmäßig bewohnbaren Welten "chaotische Konglomerate von Seelen zu Seelen, welche in der Urzeit der Zeiten als ordnungsmäßige Gefäße der Geister aus Gott bei dem allgemeinen Falle des einen großen Gemeingeistes notwendigerweise mitfallen mußten." (GS II.66.5). Das Vereinsprinzip ist auch in folgender Aussage enthalten: "Der Satan ist die Zusammenfassung des gesamten Materiemußgerichts, und was seine Persönlichkeit betrifft, so ist diese an und für sich nirgends da, wohl aber ist sie als ein Verein aller Art und Gattung von Teufeln nicht nur dieser Erde, sondern aller Welten im endlosen Schöpfungsraume anzusehen, gleich wie auch ... alle die zahllos vielen Hülsengloben am Ende ihrer gemeinsamen Zusammenfassung einen übergroßen Schöpfungsmenschen darstellen. Im kleineren ist freilich auch ein Verein aller Teufel eines Weltkörpers ein Satan, und im kleinsten Maße ein jeder einzelne Teufel für sich." (Ev VIII.35.14-15). Doch das ist nun schon Schöpfungskunde und gehört deshalb nicht zu unserem eigentlichen Thema!

Abschließend noch ein Wort zum Begriff "Fall". Was soll "fallen" in einer geistigen Urschöpfung bedeuten, die noch kein Oben und Unten und auch noch keine Schwerkraft im materiellen Sinne kennt? Der folgende Text bietet daher neben dem kosmologischen ein anthropologisches Verständnis. Der "Fall" bezeichnet das gestörte Gleichgewicht der Kräfte Gottes (bzw. des göttlichen Einflusses) im Menschen, ist also ein Bild für den verelendeten Zustand des unwiedergeborenen Menschen: Der Fall "der urgeschaffenen Engel" ist "nur ein entsprechendes Bild von ebendem, was ich dir ehedem von der Erschaffung oder sukzessiven Bildung eines ganzen Weltkörpers mitgeteilt habe ... Und siehe nun, darin besteht dann auch fortwährend insolange der Fall der Engel oder der Gedanken und Ideen aus Gott - die wir auch die von Gott beständig ausgehenden Kräfte benamsen können -, als wie lange sie in ihrer Gesamtheit im Wesen des Menschen nicht den siebenten Geist [Barmherzigkeit od. Sanftmut] in sich zur wahren und höchsten Vollendung gebracht haben" (aus Ev VII.17.12, 18.1 und 20.10).

Ergebnisse
Als Ergebnisse wollen wir festhalten: 1.) Swedenborg und Lorber sind sich darin einig, daß Himmel und Hölle ausnahmlos aus dem menschlichen Geschlecht entstammen. 2.) Swedenborg lehnt daher die Vorstellung von Erzengeln und vom Teufel als urgeschaffenen Persönlichkeiten ab. Er tut dies, indem er diese Begriffe "innerjenseitig" als Vereine deutet. Lorber hält an urgeschaffenen Engeln und den Fall des Lichtengels fest, lehnt aber ebenfalls die Vorstellung ab, daß es sich dabei um Persönlichkeiten handelt. Die Erzengel sind "eigentlich noch kein Ich" und die Persönlichkeit des Ursatans besteht lediglich in der materiellen Schöpfung, die sich, wie alle Schöpfungen Gottes, in Menschenform zeigt. Ausgehend von den ursprachlichen Bedeutungen der Worte "Engel", "Helel" (Luzifer) und "Satan" versucht Lorber eine tiefgeistige Deutung, die der Entsprechungskunde Swedenborgs alle Ehre macht. 3.) Zur Frage des Widerspruchs der Lorber'schen Urengel- und Luziferlehre zum Swedenborg'schen System: Lorbers Erzengel und Luzifer gehen der materiellen Schöpfung voran (oder versinnbildlichen ihr innerstes Wesen); Swedenborgs Erzengel folgen ihr nach, sind nämlich Engelsgesellschaften im Jenseits. Hier muß man jedoch kein Entweder-oder, sondern kann ein Sowohl-als-auch annehmen, weil völlig verschiedene Bereiche angesprochen werden. Es handelt sich um komplementäre Sichtweisen. 4.) Lorbers Erzengel- und Luziferlehre ist Schöpfungslehre. Die Verträglichkeit mir Swedenborgs Kosmologie wäre daher gesondert zu untersuchen.

Fußnoten:

[1] siehe OT 4/91 

[2] Kurt Hutten. Seher, Grübler, Enthusiasten: Das Buch der traditionellen Sekten und religiösen Sonderbewegungen. 14. Aufl. (Stuttgart: Quell Verlag, 1989) 607. 

[3] Brief an Peter Keune vom 1.9.1976. 

[4] Brief an Peter Keune vom 20.9.1976. 

[5] Präexistentianismus, Emanatismus, Generatianismus oder Kreatianismus? Swedenborg vertritt eine Form des Generatianismus.

[6] Man beachte den alttestamentlichen Engel oder Boten des Herrn (malak-Jahwe). Manchmal wird zunächst von einem Engel gesprochen, der Redende dann aber als der Herr bezeichnet (Gen 16.7-11 und 13). Das zeigt, daß der Engel des Herrn keine selbständige Persönlichkeit ist. 

[7] Friedrich Weinreb. ] Die Symbolik der Bibelsprache: Einführung in die Struktur des Hebräischen, Nach der Bearbeitung von Dr. Friedemann Horn, 5.Aufl. (Bern: Origo 1981) 44. 

[8] Der 11. Band des Werkes "Das große Evangelium Johannis" wurde 27 Jahre nach Lorbers Tod durch Leopold Engel niedergeschrieben, wird aber seit eh und je zur Neuoffenbarung Lorbers gerechnet. 

[9] "Materiemußgericht" ist bei Lorber nur ein anderes Wort für materielle Schöpfung. Lorber begreift die natürliche Welt als einen zwangsweisen, d.h. nach Naturgesetzen ablaufenden Prozeß (deswegen Mußgericht), dessen Ausrichtung die Entstehung des Menschen ist. "Gericht" ist also von "ausrichten" abgeleitet, und der gesamte Begriff "Mußgericht" will einen bestimmten Aspekt des Naturgeschehen oder der natürlichen Weltordnung sichtbar machen.