Strukturen der Seele

Die Entwicklung des menschlichen Bewußtseins

 

Schmerzende Seele Heft Nr. 5

Mai 2011

Jacoba Janssen

Michael Nehmann

 

 

Prüfet alles, doch das Gute behaltet

 

Vorwort Seelenstrukturen

Nach der in den vorherigen Heften erfolgten Einführung speziell in die Thematik der Eltern- und Kindbeziehung und all dieser Probleme, die sich aus der ungenügenden Erziehung auch aufgrund des kindlichen Trotzes ergeben, wollen wir hier die Strukturen, wie die Seele mit dem körperlichen Bewußtsein verschaltet ist, ein wenig deutlicher aufzeigen. Es ist vor allem nötig, daß die Eltern gerade in christlichen Ländern erkennen und es beachten, wie alle vorhergehenden Bewußtseinsstadien der Völker, die sie z.B. in jahrhundertelangen Kämpfen und Seelen-Entwicklungsprozessen erworben haben, nun in der kindlichen Erziehung zu Ausdruck kommen, so daß man in der ElternKind Beziehung auch alle diese Stadien des Bewußtseins vom Nomaden bis zum Heiden, vom Heiden bis zum Christen erkennen, nachvollziehen und korrigieren kann.

Das Kind durchläuft mit seiner familiären Entwicklung also gleichzeitig jene Stadien des Bewußtseins der Völker, welche sich diese in harten seelisch-körperlichen Prozessen erworben haben, so dass hier in Kurzform alle vorherigen Entwicklungsstadien des menschlichen Bewußtseins bis hin zum Christen durchlaufen werden und erst, wenn die kindliche Seele, durch die Liebe der Eltern geführt und weitergeführt, nun auch den christlichen Standpunkt erarbeitet bzw. angenommen hat, verfügt solch eine, nun vom Kinde zum Erwachsenen gereifte Seele über die Fähigkeit, ihr Kreuz in allen Situationen zu erkennen und zu tragen und die Menschen damit also auch in ihren Schwächen zu ertragen und kommt sehr nahe dem göttlichen Bewußtsein. Somit gibt es ebenso, wie die Völker aufgrund ihrer seelischen Entwicklung eine gewisse Reife erfahren, dieselbe Reife und Ausreifemöglichkeit auch für all jene Kinder und Jugendlichen, die sich in solch einer christlichen Gesellschaftsordnung befinden. Sicherlich gilt das übergeordnet für alle Kulturen, aber wenn z.B. bei Völkern, wo sich noch Nomaden oder Heiden befinden, deren seelische Prozesse durchlaufen werden, so können diese Eltern ihre Kindern nicht weiter erziehen und entwickeln, als wie sie selbst in ihrer seelischen Entwicklung gekommen sind.

Kein Nomade kann jemanden über sein nomadisierendes Bewußtsein hinaus erziehen und erst recht kein Kind mit einem christlichen Bewußtsein bilden, und selbst einem Heiden ist es nicht möglich, ein Kind mit einem christlichen Bewußtsein zu erziehen, denn die Eltern müssen ja diese Fähigkeit des christlichen Bewußtseins vorher besitzen, bevor sie diese Fähigkeit ihren Kindern vermitteln können. Was man sich verschafft hat, das kann man auch verteilen, doch wenn gewisse, seelenbildende Maßnahmen und Entwicklungsstadien nicht erreicht worden sind, kann nicht erwartet werden, daß andere dies von jemanden erlernen könnten, der selbst nicht über solch eine Fähigkeit verfügt. Die Fähigkeit, die eigenen Kinder und später auch andere Menschen über den eigentlichen Zustand deren Bewußtseins hinaus weiter zu führen, ein Kind also durch das Stadium des Nomaden bis hin zum Heiden und von dort bis zum Christen zu führen, kommt allerdings auch für den Christen nur, wenn genügend Liebe und Nächstenliebe vorhanden ist, weil gerade in solchen seelischen Entwicklungsformen ein Kreuz auf die Eltern oder Erzieher von solchen Kindern zukommt, das es gehörig in sich hat. Ist es schon ein Problem, daß sich die Ehegefährten in Liebe und Respekt annehmen und die Mängel ihrer eigenen Kindheit erkennen, aufarbeiten und sich gegenseitig helfen, um eine möglichst innige Einheit untereinander zu erreichen, so ist es für das kindliche Bewußtsein derjenigen, die z.B. in solche, mit ihrem Kreuz hadernden Eltern und Familien hineingeboren werden, umso schwieriger die Einheit von Liebe und Nächstenliebe, von Sicherheit und Geborgenheit, von Familie und Heimatgefühl zu erleben, zu erwerben und als göttlichen Wert zu behalten.

Kaum jemanden von den Eltern ist bewußt, wie sich die zwei Fälle des menschlichen Bewußtseins, hinweg vom göttlichen Bewußtsein, hier auf dieser Erde so ganz konkret auswirken und was es so eigentlich bedeutet, was es für sie selbst bedeutet, wenn sie sich mit ihrem Bewußtsein noch im sexuell – adamitischen Stadium befinden oder wenn sie darüberhinaus wieder in das luziferische Stadium zurückgekehrt sind. Was bedeutet es also für einen Erwachsenen, wenn er in sich noch nomadisierende Strukturen seiner Seele besitzt und sich demzufolge so verhält, wie sich die primitiven Nomadenvölker verhalten? Warum kann solch einer, an sich erwachsener Mensch, kaum mit sich und seiner Umwelt klarkommen und hat es nicht gelernt, eine entsprechende Körperpflege oder Wohnungspflege anzunehmen und hat es auch nicht gelernt, ein gewisses Heimatgefühl und diese Geborgenheit zu erleben, vermag es also auch nicht, eine stabile Arbeitssituation durchzuhalten und vermag es überhaupt nicht, sein Kreuz mit sich und erst recht nicht mit anderen zu ertragen und auszuhalten, kann weder Frau noch Kind halten oder führen, noch ihnen irgendetwas Vernünftiges und für das Leben in einer Gemeinschaft Taugliches zu vermitteln?

So wollen wir hier, unter der göttlichen Anleitung stehend, einmal schauen, wie sich das alles verhält und was der Einzelne tun kann, um die alten Fehler zu verhindern und diese, aus dem Trotz und den Verletzungen gebildeten Verhaltensmuster seiner Seele abzuändern und in Nächstenliebe zum Guten umzuwandeln. Warum also das Kreuz lebensnotwendig ist, weil es ohne diesem keine Rückkehr aus den gefallenen Bewußtseinsstadien zum Göttlichen hin gibt und warum, wenn wir das Kreuz als Hebel und Mittel der Rückkehr zu Gott betrachten, wir dieses Kreuz nur durchhalten, wenn wir den göttlichen Träger desselben auch wirklich kennen. Denn ohne Kenntnis darum, wer Gott für uns so eigentlich ist und warum Er überhaupt zu uns gekommen ist, können wir diese kindlichen Stadien des Nomaden, Heiden oder alttestamentarischen Streiters nicht überwinden. Wir müssen und sollten ganz deutlich die Konsequenzen der Ablehnung des christlichen Bewusstseins erkennen und sollten andererseits aber auch die große Chance und Gelegenheit wahrnehmen, die auf uns zukommt, weil Gott in Person, weil das Wort als Fleisch zu uns gekommen ist und uns mit diesem Kreuz mit uns selbst und auch mit anderen hilft. Gott, d.h. das göttliche Bewußtsein kommt ganz konkret in einem Menschen, in einem Gottesmenschen, in einem Nächsten auf uns zu, wenn wir Gott selbst als Nächsten für uns erkennen und lieben und deshalb das Kreuz auch tragen, was uns das Leben so beschwerlich macht. Jesus kommt uns als wahrer Christ, als Kreuzträger, als Messias entgegen und hilft uns bei der Entwicklung unseres menschlichen Bewußtseins hin zum göttlichen – und hilft uns dabei, daß so erlebende Kreuz mit all diesen Umwandlungs- und Rückführungsprozessen durchzuhalten.

Mit dieser Schrift wollen wir, aus dem Wunsche des göttlichen Bewußtseins heraus, dazu beitragen, daß der göttliche Standpunkt wieder tiefer und deutlicher erkannt, anerkannt und nachvollzogen werden kann. Dazu betrachten wir diese seelischen Strukturen, die sich aus dem Abfall von Gott ergeben, aber nicht von oben nach unten, und schauen deshalb nicht vom Vollkommenen auf das Unreife, sondern wir wollen diesmal aus der kindlichen Sichtweise von unten nach oben schauen, wollen aus der Perspektive des kindlichen, nomadisierenden Bewußtseins zum heidnischen Stadium schauen und von diesem bis hin zum christlichen, und dabei berühren wir zwangsläufig das satanische und luziferische Bewußtseinsprinzip und wollen besonders darauf schauen, wo das kindliche oder jugendliche und erwachsene Stadium sich in einer gewissen Gefahr befindet und den Entwicklungsprozeß vorzeitig abbricht.

Wir beten, daß uns dieses Vorhaben unter der Anleitung des göttlichen Bewußtseins gelingen möge und wir im Herzen tatsächlich die Verbindung zu Jesus halten, denn sonst ist solch ein Unterfangen unmöglich. So nehmen wir also das Kreuz an, solch eine Arbeit auf uns zu nehmen und wir nehmen es in Liebe an.

Michael Nehmann

Coba Janssen

15. Mai 2011 Bad Münder

 

 

Entwicklungszüge im 1. Stadium des Bewußtseins

Das Stadium des Kleinkindes – die erste Phase des Bewusstseins

 

Wird ein Kind geboren, so ist die weitere Entwicklung des Kindes bis hin zum Erwachsenen davon abhängig, in welch einer Umgebung es hineingeboren wird. Sind es noch sehr primitive Strukturen oder sind es schon höherstehende Kulturen? Hier betrachten wir einmal die Entwicklung eines Kindes innerhalb einer christlichen Gemeinschaft. Die ersten Lebensjahre wird sich das Kind in der mütterlichen Sphäre befinden, denn es ist ganz natürlich, daß die Beziehung Mutter-Kind eine sehr nahe und eine sehr intensive ist, angefangen vom Beginn der Schwangerschaft bis zur Entbindung des Säuglings, welches an der mütterlichen Brust all die Liebe und Geborgenheit empfängt bis hin zum Kinde, das die Außenwelt betrachtet und die mütterlich-häusliche Welt mehr und mehr verläßt. Die ersten sieben oder acht Lebensjahre wird das Kind beinahe ausschließlich in der mütterlichen Sphäre geführt und es wird den Vater sicherlich wahrnehmen, doch die normale Kind- Mütterliche Bindung ist weit stärker, als es jene zwischen Kind und Vater ist. Mit der Hinwendung zur Außenwelt, die ab dem 6. oder 7. Lebensjahr hier in den christlichen Kulturen mit dem Schulanfang verstärkt beginnt, gelangt das Kind dann mehr in die väterliche Sphäre, die wir mit der Außenwelt gleichsetzen können.

Betrachten wir nun diese Phase des Kleinkindes und Kindes, wie sie sich bis zum siebenten Lebensjahr ergibt. Da dies allerdings keine wissenschaftliche Abhandlung sein soll, sondern nur gewisse, die Seele formende Strukturen aufgezeigt werden sollen, so sind hier auch etliche Stadien des kindlichen Bewußtseins nicht berücksichtigt. Es handelt sich bei dieser Ausarbeitung, wenn man so will, nur um die Hauptstrukturen, also nur um die großen Grundzüge. Wer es möchte, kann diese Grundstrukturen der Seele noch weiter verfeinern, aber wir wollen vorerst überhaupt den Fokus auf diese Positionen der Entwicklung der Seele richten.

In den ersten Lebensjahren sollte das Kind die Geborgenheit des elterlichen Heims erfahren, sollte es sich wohl und sicher fühlen, sollte nicht nur die Versorgung der Grundbedürfnisse, sondern sollte vor allem die elterliche Liebe und Fürsorge empfinden, so daß es in seinem kindlichen Bewußtsein fühlt, daß es geliebt wird, daß es überhaupt erwünscht ist und daß es einen Platz erhält und ihn ausfüllt. Es sollte seine Familie als Lebensmittelpunkt wahrnehmen und sich als Teil dieser Familie fühlen, die dieses Kind trägt und annimmt und welche dieses Kind erträgt und annimmt. Was sollte darüberhinaus noch vom Kind gelernt werden? Das gewisse familiäre Zugehörigkeitsgefühl ist schon angesprochen worden, damit sich die Sicherheit auch einstellt, eine eigene Identität zu bilden, um ein Ichbewußtsein nicht nur zu finden, sondern auch zu entwickeln.

Hierbei erfährt das kindliche Bewußtsein die erste große Trennung vom Ich seiner Eltern und hier besonders vom Ich seiner Mutter. Ist es die ersten Lebensmonate bis zum Alter, wo es anfängt zu laufen, noch sehr eng mit dem Ichbewußtsein seiner Mutter verbunden und kann solch ein Kleinkind noch keine eigene Ich- Identität besitzen, so bildet sich ab dem Moment, wo die Zähne durchbrechen, das Gedächtnis und das Kind lernt einige Begriffe zu behalten und zu sondieren, und mit dem Prozeß des Kauens wird es gewisse, schon eigenständige Erfahrungen bewußter erleben, wird in seinem Magen das wohlgenährte Völlegefühl kennenlernen, wird lernen müssen, aufzustoßen, Bäuerchen zu machen um erst danach wieder für eine andere Tätigkeit freizuwerden. Mit dem Prozeß des Laufens beginnt sich das eigenständige Ich deutlicher zu bilden und nimmt sich als getrennt vom Bewußtsein seiner Mutter wahr, denn das Kind kann nun selbst diese behütete Sphäre seiner Mutter verlassen, und kann selbst in deren Arme oder in die Arme des Vaters und der anderen zurückkehren und wird mit Freude und Jubel erwartet.

Nun wird das Kind mehr auch zum aktiv Handelnden und erlebt, wie es selbst mehr und mehr Einwirkungen auf die Umgebung hat und wie sich der kindliche Erfahrungshorizont weitet. Es erfährt sich als eigenständiges Individuum, weiß, wie es heißt, weiß, wer es ist und reagiert auf seinen Namen und lernt, die Dinge beim Namen zu nennen und vor allem entwickelt sich auch eine große Freude auf diese wunderbare Welt, die sich ihm in Liebe zuneigt. Die Problematik hier: Wenn die Eltern - und hier besonders die Mutter - noch viele Probleme mit sich selbst hat und es deshalb nicht vermag, eine sorgsame Mutter zu sein, so wird sich das kleinkindliche Bewußtsein aufgrund gewisser Versorgungsmängel dann sehr früh vom mütterlichen Bewußtsein trennen, weil es dieses als unzuverlässig erkennt und dann selbst bestrebt ist, um die Aufmerksamkeit und um sein Lebensrecht zu streiten. Die spontane und natürliche Lebensfreude wird im kindlichen Bewußtsein einen Bruch erhalten und schon sehr früh werden gewisse Sorgen und Befürchtungen dieses kleinkindliche Bewusstsein trüben.

Ein gewisser, kleinkindlicher Trotz bildet sich heraus und diese Geborgenheit in der mütterlichen Sphäre erhält ihren ersten Riß und das kindliche Ich fühlt sich unsicher und unverstanden. Je nach dem Trotzanteil des Kindes fühlt sich die Mutter herausgefordert

und nimmt dann ihr Kind auch als eigenständig und von ihr getrennt wahr, doch diese kindlich-mütterlichen Phasen wechseln. So können sich Mutter und Kind durchaus wieder als Einheit empfinden und herzlich liebkosen, und dennoch gibt es diese Stadien, wo sich das Kind und die Mutter als eigenständiges Wesen begreifen. Die Mutter wird es natürlich durchaus vermögen, zwischen sich und ihrem Kinde zu trennen, doch oft genug ist sie dennoch mit dem kindlichen Ich verbunden und schafft dann von sich aus eine Einheit und identifiziert sich dann mit ihrem Kinde, während sie andererseits auch genau das Gegenteil davon erlebt. Für das Kind ist dieser Prozeß schwieriger, denn es fühlt sich mit seiner Mutter weitgehend einig und nur der entsprechende Trotzanteil des Kindes bewirkt, daß es sich von der Mutter als getrennt empfindet.

 

Die seelische Abnabelung des Kindes von seiner Mutter

 

Ist diese Ichbildung des Kindes einmal geschehen und hat es sich vom Bewußtsein seiner Mutter ein wenig abgenabelt, dann kann es die Welt auch besser aus dem eigenen Standpunkt wahrnehmen und doch ist dieses „Seelen-Ich“ des Kindes noch nicht vollständig vom Bewußtsein seiner Mutter abgenabelt. In der Geburtsphase wird die Abnabelung des kindlichen Organismus vom Organismus seiner Mutter erst ganz zuletzt getätigt und in diesem Stadium, wo das Kleinkind sich als eigenständiges Ich empfindet, beginnt im Grunde genommen ebenfalls eine Abnabelung, aber diesmal eben die seelische. Doch dieses Stadium der Abnabelung der kindlichen Seele vom Bewußtsein seiner Mutter dauert einige Jahre und solange dieses Stadium währt, solange kann sich das Kind mit seiner Mutter identifizieren und hält sich in einer geschützten Umgebung ähnlich dem geschützten Bauchraum der Mutter auf. Später gelangt das Kind freilich in die väterliche Sphäre und es braucht auch jene Anteile der Seele, die es vom Vater in all der Liebe empfängt, um mit seinem Ich vollständig auszureifen, doch zu Anfang befindet

sich das Kind eben noch mehr in der Sphäre seiner Mutter, und deshalb wird es erst hier seine seelische Abnabelung auch mit Hilfe des Vaters erfahren können, vorausgesetzt, es läuft alles in einer liebevollen Umgebung ab.

Im Alter von ungefähr sieben Jahren sollte das Kind mit seiner seelischen Bildung soweit sein, daß es diese mütterliche Fürsorge in seiner eigenen Seele übernommen hat und nun auch in der Lage ist, seinem eigenen Körper gegenüber jene Werte zu bestätigen und ihn bewußtseinsmäßig zu führen und anzunehmen, ganz so, wie dieses Kind es von seiner Mutter gelernt hat. Hier ist ein wichtiger Umstand, den wir genauer ins Auge fassen sollten. Wenn die Mutter ihrer Fürsorge nachkommt, so hat sie es der Seele des Kindes gewissermaßen in all der Liebe eingeschrieben und ihr Kind hat ihre Werte derart übernommen, daß nun dieses Kind all diese seelischen Werte und Vorstellungen seiner Mutter nun auch seinem eigenen Körper gegenüber durchsetzen kann, so daß man sagen könnte, dass nun der Körper des Kindes so in die Aufmerksamkeit des Kindes gerät, wie die Mutter dies mit dem Kind selbst praktiziert hat. Die Mutter bringt dem Kinde alles bei und das Kind wendet dies auf seinen eigenen Körper an: Das Kind ist also reinlich geworden; es hat gelernt, sich körperlich zu pflegen; es hat gelernt, sein Zimmer aufzuräumen; es hat gelernt, auf Sauberkeit zu achten etc. Es kann deshalb all diese körperlichen Regeln der Hygiene ohne weiteres annehmen und für sich selbst anwenden, und hat darüberhinaus allerdings auch gewisse andere, mehr seelische Werte angenommen. Es ist ehrlich, aufrichtig, höflich, bescheiden, folgsam geworden, usw.

Diese mütterlich-kindliche Bindung bewirkt also erstens einmal die Übernahme gewisser, körperlich- gesundheitlicher Pflegemaßnahmen und Hygienevorstellungen, sowie dann auch schon die notwendige Disziplin und Strenge, um sich als kindliche Seele gegenüber dem Wollen und Streben der rein körperlichen Bedürfnisse durchzusetzen. Die Disziplin und Strenge und Durchsetzungsfähigkeit der kindlichen Seele gegenüber ihrem körperlichen Begehren und Trieben wird also primär in dieser ersten Phase der Seelenbildung des Kindes gebildet und allein schon deswegen sollte eine gute Mutter nicht nur klug sein, sondern auch über eine gewisse Strenge verfügen, denn die Mutter hilft dem Kinde bei der nötigen Disziplinierung gegenüber seinem körperlichen Bewußtsein. Von daher ist es sehr schädlich, wenn schwache Mütter ihren Kindern zu viel gewähren, denn damit nähren sie nur deren Trotz und Eigenwillen und solch ein Kind hat dann kaum noch genügend Kraft, um sich als Erwachsener gegenüber seinen körperlichen Begierden durchzusetzen.

 

Wir halten also fest:

a) Zwischen Mutter und Kind gibt es also nicht nur eine körperliche Abnabelung wie bei der Geburt, sondern es gibt auch eine seelische Abnabelung dergestalt, daß über einen Zeitraum von mehreren Jahren sich das kindliche Bewußtsein mit demjenigen seiner Mutter verbindet und dann später wieder löst. Meist beginnt mit dem Prozeß des Laufens dann auch schon diese Bildung des kindlichen Ichs und dennoch kann sich das Kind noch nicht vollständig als getrenntes Wesen erleben, sondern hängt noch über

viele Jahre mit dem Bewußtsein seiner Mutter zusammen. Im Extremfall wird die vollständige Trennung erst im Erwachsenenalter geschehen und kann ohne Vater auch nicht vollzogen werden.

b) Während dieser Zeit lernt das Kind besonders, daß es über einen eigenen Körper verfügt, den es auch zu hegen und zu pflegen hat und somit lernt es die für das weitere Leben anzuwendende Disziplin und Strenge, damit nicht das körperliche Begehren des Kindes der Herr über die Seele wird. Das Kind lernt es, sich mit seinem Ich zu identifizieren und erkennt sich dabei als körperlich eigenständig und getrennt, doch von seiner Seele her noch mit seiner Mutter und seinem Vater verbunden.

c) So, wie die kluge Mutter ihr Kind herzt und führt, so kann sich dann solch ein Kind gegenüber seinem körperlichen Bewusstsein benehmen, kann seinen Körper führen und anleiten und kann darüberhinaus auch nicht nur die entsprechende Körperpflege und Zimmerpflege, sondern auch eine gewisse Seelenpflege tätigen, denn es wird zu einem ehrlichen, bescheidenen, aufrichtigen und demütigen Kinde erzogen.

d)Wo sich gewisse Trotzwerte im kindlichen Bewußtsein zeigen, sollte die verantwortliche Mutter vor allem bestrebt sein, diesen kindlichen Trotz zu mildern und durch ihre kluge Erziehung immer im Einklang mit dem Vater diesen Trotz in Nächstenliebe zu verwandeln. Der Trotz des kindlichen Bewußtseins verhindert, dass es sich als Teil einer Familie begreift. Der Trotz des Kindes stellt dieses über die Familie. Mutter und Vater werden vom trotzigen, kindlichen Bewußtsein als böse betrachtet.

d) Der Vater wird in diesem Stadium des Kindes als mehr oder weniger nahestehend empfunden. Er wird erst als hinter der Mutter stehend, mehr verdeckt wahrgenommen und die Gefahr besteht, daß der Vater als streng oder böse vom kindlichen Trotz her klassifiziert wird.

 

Gefahren des kindlichen Stadiums

 

Das kindlich-mütterliche Stadium hat allerdings mehrere Gefahren-Punkte und kann -ähnlich der körperlichen Geburt - ebenfalls sehr problematisch sein. Das kindliche Stadium der ersten Lebensjahre ist ja noch sehr körperlich orientiert und das Kind muß

noch alles erlernen und somit ist nichts selbstverständlich. Der Körper muß beherrscht werden, die Motorik muß geübt sein, die Sprache und eigentlich alles, was der spätere Erwachsene zum erfolgreichen Leben benötigt, wird in den ersten Lebensjahren angelegt und ausgebildet. Dieser anfänglichen körperlichen Bewußtseinshaltung des Kleinkindes entspricht noch ein gewisser Eigensinn und Trotz, denn das kindliche Bewußtsein wird vieles versuchen und verwirklichen wollen, was die Eltern - und hier besonders die Mutter - als nicht lebenstauglich ansehen und es darum ihrem Kinde auch versagen. Der Trotz des körperlich erwachenden kleinen Menschenkindes wird deshalb von seiner Mutter gezügelt und in vernünftige Bahnen gelenkt.

Und genau hier liegt ein großes Problem, denn wenn die Mutter selbst in ihrer kindlichen Bewußtwerdungsphase noch immer gewisse Verletzungen hat, so kann sie ihr Kind nicht genügend reinigen. War die Mutter in ihrer eigenen Kindheit in genau dieser Phase selbst noch trotzig und konnte ihre Mutter nicht dafür Sorge tragen, diesen kindlichen Trotz abzubauen, und konnte selbst der Vater sein Kind nicht erreichen, so verfügt solch eine Mutter eben nicht über diese Verhaltensweisen, ihr eigenes Kind über dieses Bewußtseinsstadium hinaus zu führen und seelisch weiter auszubilden. So, wie sie sich in ihrer Kindheit selbst aus der elterlichen Erziehung verabschiedet hat, so wird sich dann ihr eigenes Kind ebenso verabschieden und solch eine Mutter wird in ihrem Kinde dann eigentlich ihre eigene Verhaltensweise von früher erleben und nacherleben können und sie wird nun auch deutlich an sich erfahren, was sie früher ihrer Mutter oder ihren Eltern angetan hatte.

Ein konkretes Beispiel mag dies verdeutlichen:

Es ist beispielsweise eine Mutter nicht angeleitet worden die Hygienemaßnahmen seitens ihres Körpers und ihrer Wohnung anzunehmen und hat sie dies im Zusammenleben mit ihrem Mann nicht korrigiert, so kann sie diese, an sich selbstverständliche Forderung, ihrem Kinde oder ihren Kindern auch nicht beibringen und wenn nun der Vater des Kindes versuchen sollte, nun seinerseits auf diese körperlichen Pflegemaßnahmen Wert zu legen, so sieht er sich einer Verschwisterung von Mutter und Kind gegenüber, denn beide verfügen über die ähnlichen Trotzwerte. Sind sich die Eltern nun allerdings in der Liebe zum Kinde darüber einig, daß diese Erziehungswerte dem Kinde vermittelt werden sollten, dann kann die Mutter anhand der praktischen Anleitung mit ihrem Kind nun selbst die Korrektur ihrer damaligen Versäumnisse erleben und somit können Vater und Mutter, allein durch ihre Liebe zum Kinde bedingt, auch ihre alten Versäumnisse und Trotzreaktionen in ihren Kindern erkennen und sie mit ihnen zusammen überwinden. Doch sollte die eheliche Beziehung der Eltern schon in dieser Phase sehr problematisch sein, so werden sie ihren Kindern dort nicht helfen und also auch bewußtseinsmäßig nicht weiter entwickeln können. Streit, Streß und Empörungen und Krankheiten sind vorgezeichnet und werden sicherlich auch kommen.

 

Die 1. Phase im Bewußtsein des Kindes

 

Wenn wir nun, der besseren Übersicht und des Verständnisses der Entwicklung der Kulturen zueinander, dieses kleinkindliche Stadium als jenes des Nomaden bezeichnen, so bedeutet das nicht, das hier eine moralische Wertung oder Aburteilung geschieht, sondern es soll nur die seelische Verbindung zwischen Eltern und Kind – und also auch die Beziehungen zwischen der Natur und den Völker untereinander - einmal ordnungsmäßig betrachtet werden, damit jeder einzelne für sich erkennt oder es erkennen kann, wo da noch etliche Defizite liegen und wie die weiterführende Entwicklung ist. Keinesfalls wird hier von uns der Finger oder der drohende Blick erhoben, sondern wir wollen in einer geschwisterlichen Fürsorge eigentlich nur helfen, Fehler in der Entwicklung der kindlichen Seele aufzuzeigen und ein Handwerkszeug bereitzulegen, damit sich der einzelne selbst erkennen und behandeln möge.

Das erste Stadium des Nomaden entspricht also dem oben angeführten Säuglings- bis Kleinkindstadium, entspricht also einem Zeitraum von der Geburt bis zu ca. 2,5 – 3 Jahre. Der Säugling bekommt die ersten Zähnchen ungefähr ab dem 6. Monat und bis dorthin geht im allgemeinen auch die Säuglingsphase, denn dann, wenn die Zähne gebildet sind, wird das Kind schon an den Brustwarzen knabbern und die Mutter beendet automatisch diesen innigsten Prozeß zwischen Mutter und Kind. Sicherlich kann diese Säuglingsphase auch sehr viel länger aufrechterhalten werden, aber dann besteht eben auch die Gefahr, daß solche Kinder sich sehr schlecht zu einer genügenden seelisch-körperlichen Stärke entwickeln werden. Mit der Bildung der Zähne wird das kindliche Gedächtis gebildet und sowie der Prozeß des Kauens und Zerkauens

der Nahrung einmal begonnen wurde, kann der Noch-Säugling in seiner Entwicklung weiter ausreifen, denn nun muß er selbst die entsprechende Arbeit der Nahrungszerkleinerung vornehmen, muß besonders auf das Aufstoßen und die Ruhe nach der Aufnahme der Nahrung achten, bzw. die Mutter achtet natürlich darauf und das

Kindchen lernt es zu sondieren, was ihm bekommt und was es nicht mag.

Dieses Stadium der Zahnung und die Fähigkeit des Kauens und der Aufnahme in den Magen, der Abgabe in den Darm und der sonstigen Verwertung geht ungefähr bis in das Alter von 2-3 Jahren und bis dahin ist das kindliche Gedächtnis schon bedingt geformt und aufnahmefähig. Ähnlich aufnahmefähig, wie dies der kindliche Magen zeigt und genau hier liegt wieder ein gewisses Problem. Ist, durch die Unreife der Mutter bedingt, der Magen des Kindes durch die Aufnahme zu harter Nahrungsmittel wie Fleisch, Wurst, Käse, zu früh schon einer zu großen Belastung ausgesetzt worden, dann bedeutet dies für den seelischen Bereich, daß ebenfalls das Gedächtnis schon ziemlich strapaziert worden ist und die Fähigkeit des langsamen Kauens und Zerteilens der Nahrung evtl. schon beeinträchtigt wurde, weil das Kindchen zu schnell schlingt und würgt. Hier kann sich schon der würgende und schlingende, kaum kauende und kaum in der nötigen Ruhe befindliche „Schlingel“ bilden und viele hyperaktive Kinder haben hier schon die ersten Wurzeln, weil sie in dieser kindlichen Phase zu sehr belastet wurden und in ihren beiden Mägen, dem körperlichen Magen und dem seelischen Gedächtnis, einfach zu viel harter Kost aufgenommen haben. Mit der allmählichen Fähigkeit zur gröberen und härteren Nahrungsmitteln lernt es das Kind ganz natürlich, nicht nur den körperlichen Organismus, sondern auch die seelische Auffassungsgabe zu bilden und gerade deshalb muß die Mutter in dieser Phase bis ca. 3 Jahre da sehr behutsam sein und keinesfalls sollte das Kind in eine andere, als die häusliche Umgebung gelangen, denn dann würde nicht nur die Nahrungsaufnahme uneffektiv werden, sondern auch der seelisch aufnahmemäßige Geistmagen, also das Gedächtnis, würde schon zu früh überstrapaziert werden.

Ruhiges und langsames Kauen vorausgesetzt, wird der Magen nicht überbelastet und ebenso ist es mit dem Geistmagen, dem Gedächtnis, denn wenn die kindlichen Erfahrungen nur allmählich in diese Sphäre des Kindes gelangen, dann wird dieses Gedächtnis auch nicht überstrapaziert werden können. Doch wenn die Zuwendung nach Außen genau in solch einer Phase des Kleinkindes geschieht, dann wird eben das Gedächtnis als Geistmagen überbelastet und die Seele, die zur Aufnahme der geistigen Nahrung, ja des Gedächntnisses bedarf, kann diese Nahrung nicht mehr richtig aufnehmen, nicht mehr richtig verarbeiten und erst recht nicht mehr richtig nutzen. Die Folgen solch unbedachter Handlungen seitens der Mutter erfordern vom kindlichen Organismus, daß es dann eben schauen muß, wie es mit dem Zuviel an grober Nahrung und an geistigen Eindrücken fertig wird. Hyperaktivität und Legasthenie ist nur eine Folge solch unachtsamen Verhaltens.

Genau in dieser Phase ab einem Jahr sollte das Kind es auch lernen, sein Stuhl ordnungsgemäß zu entsorgen und in dieser Praktik liegt zugleich auch der seelische Reifeprozeß, daß es nun langsam beginnt, Gut und Böse zu unterscheiden. Gute und angemessene Reaktionen bringen ihm von der Erwachsenenwelt zugleich auch die entsprechenden Freundlichkeiten und Belobigungen, schlechtes oder unerwünschtes Benehmen dann eben die gewissen, für das Kind, unangenehmen Sanktionen. Hier mit der Zahnung und der Abgewöhnung der mütterlichen Brust, dem Kauen, dem Verdauen, dem Sprechenlernen, der sauberen Stuhlentleerung, dem Laufen, lernt es das Kleinkind, viel von seinem Trotz abzubauen.

In diesem kindlichen Stadium von ca. 3 Jahren beginnt mit der Abgewöhnung der mütterlichen Brust bis hin zum freien Laufen und der sauberen Stuhlentleerung und der kleinkindlichen Artikulation überhaupt erst einmal die Abgewöhnung und Umwandlung des kindlichen Trotzes. Die Wichtigkeit liegt keinesfalls in der Abgewöhnung solch kindlichen Verhaltens, sondern einzig darin, daß die vorher körperlich unbewußten Prozesse nun mehr und mehr bewußt wahrgenommen und aktiv so umgesetzt werden, daß nun auch die Nächsten damit ins Reine kommen. Mit anderen Worten: Die Abgewöhnung der vorher unbewußten körperlichen Prozesse hat nur dann Erfolg, wenn durch die Erziehungsmaßnahmen der Mutter nun eine entsprechende Verwandlung auftritt und das Kind es dadurch lernt, daß, wenn es seine eigenen körperlichen Prozesse erfolgreich steuern kann, es den Seelenfrieden der anderen nicht mehr bedroht.

Ein schreiendes, trotziges, seinen Kot oder seine Nahrung herumwerfendes Kind wird von seiner elterlichen Umgebung so nicht erwünscht, bedroht den Seelenfrieden seiner Familie und kann nur durch konsequente Gegenmaßnahmen erzogen werden. Innerhalb einer normalen Familienstruktur ist so etwas sehr schnell überwunden und dem kindlichen Trotz helfen auch etliche Infektionskrankheiten dabei, viel von solch einem Verhalten loszuwerden, doch wenn unreife Eltern mit ihren Kindern und gerade mit solchen trotzigen Kindern überfordert sind, dann verlagert sich vieles aus diesem Stadium des Kindes in das nächste Stadium und ist dort schwerer zu erkennen und umzuwandeln. Schauen wir einmal auf die, solch einem Kind entsprechende Kulturstufe eines Volkes, dann sehen wir dort noch äußerst primitive Naturvölker, die in einem sehr harten Überlebenskampf mit der Natur zu kämpfen haben. Die Indios des brasilianischen

Urwaldes, die Maoris Neuseelands und die Aborigines Australiens, die Buschmänner Afrikas und etliche andere Völker entsprechen diesem Zustand.

Sie sind in ihrem täglichen Leben bedroht, haben keine Sicherheiten, hängen von den natürlichen Gegebenheiten vollständig ab und sind darüber hinaus von den anderen Völkern bedroht, die ihnen ihren Lebensraum streitig machen. Sie hängen auf Gedeih und Verderb von ihrer äußeren Mutter Natur ab und haben nur dann eine gewisse Lebenssicherheit, wenn sie sich innerhalb der Regeln dieser Natur einfügen. Die Stämme streiten und kämpfen untereinander ebenso, wie dies die Kinder in solch einem Zustand auf ihre Art und Weise auch nicht anders machen. Ein gegenseitiges Entwickeln und Aufbauen und Aufblühen zu einer höheren Kulturstufe ist ihnen von sich aus nicht möglich, sondern sie benötigen die Hilfe von außen.

Aber anders, als es solchen Primitivvölkern ergeht, ergeht es den Kindern solch christlich erzogener Familien, denn sie können leicht und schnell aus solch einem Stadium freikommen und erfolgreich in das nächste gelangen, auch wenn einzelne Züge des vorhergehenden Stadiums dem nächsten noch anhängen mögen.

 

Die Ausgleichsfunktion bei problematischen Familien

Innerhalb einer jeden christlichen Familien sind immer entsprechende Ausgleichsstrukturen vorhanden, die gewährleisten, daß z.B. eine erkrankte Mutter, Vater oder überhaupt sehr unreife Eltern einen mehr als angemessenen Ersatz in anderen, liebevollen Verwandten oder Mitmenschen finden, die ihrerseits dafür sorgen, daß die Erziehung der Kinder zum Christen hin auch tatsächlich gewährleistet wird. Diese Ausgleichsstruktur gibt es automatisch aufgrund der schon sehr nahen Anbindung an den göttlichen Vater, denn wenn der göttliche Vater dem Bewußtsein des Kindes innerhalb des nomadisierenden Stadiums durch die Eltern oder Anverwandte entgegentritt, dann wird Er auch dafür Sorge tragen, daß diesem Kind in dessen Stadium auch geholfen wird. Oma und Opa und andere Bezugspersonen werden dann aus dieser göttlichen Sichtweise heraus auch schon unaufgefordert da sein und einspringen, es sei denn, das Kind will dies nicht und weigert sich.

Will ein Kind trotzdem nicht den Prozeß der liebevollen Erziehung an sich wahrhaben oder will ein trotziges Kind auch nicht die mehr härtere Gangart seiner Eltern oder anderer Bezugspersonen wahrhaben, dann bleibt es aus eigenem Verschulden in solch einem Stadium seines Bewußtseins hängen und zeigt noch als späterer Erwachsener viele solcher infantiler Muster der Seele und wird, falls es selbst eine Familile gründen kann, dann sehr viel Probleme mit den eigenen Kindern erleben. Wenn es also im vierten Gebot heißt, daß die Kinder ihre Pflicht und Achtung gegenüber ihren Eltern erfüllen müssen, so ist das auch besonders deshalb wichtig, damit zum einen die Kinder ihren kindlichen Trotz ableisten können und zum anderen vor allem, weil, selbst wenn die Eltern völlig untauglich gewesen sind, sie ja im Sinne der göttlichen Ausgleichsfunktion sowieso wunderbare Ersatzeltern geschenkt bekommen haben und es diesen Kindern darum auch an nichts gemangelt hat.

In der Psychologie wird diese frühe Phase des kindlichen Bewußtseins als die anale Phase angesprochen und es wird argumentiert, daß solche Kinder eigentlich nichts loslassen wollen und können und hierbei wird oft auf den Vergleich mit dem kindlichen Kot hingewiesen, den es lernen muß, loszulassen. Für uns macht es weitaus mehr Sinn, nicht diese anale Phase als solche zu bezeichnen oder zu betrachten, sondern sie als kindliche Trotzphase zu erkennen, wo sich das kindliche Bewußtsein noch völlig im Schatten seiner für es sorgenden Mutter befindet und darum auch der Vergleich mit den nomadischen Völkern, die sich ebenso von der Mutter Natur umgeben und umsorgt fühlen – oder aber von ihr gegängelt werden. Mit dem Begriff der analen Phase wird leider nur zu oft die starke Bindung und Verantwortung der Mutter vergessen und es wird an sich eine für die Seele positive Seelenreinigung auch nur höchst negativ – anal – dargestellt und der eigentliche Wachstumsprozeß der kindlichen Seele unterschlagen. Es macht darum auch keinen Sinn, solche, höchst unzutreffenden Begriffe zu verwenden, außer, man will die Beziehung Eltern-Kind auch nur wieder verschleiern und man will die eigene Verantwortung dem Kinde gegenüber nur wieder abstreiten. Aber das werden vernünftige Eltern nicht wollen und sie haben schon selbst herausgefunden, daß sie mit solchen psychologisierten Begriffen nur verschleiern und vernebeln und es ihnen und ihrer Familie nichts bringt.

Vor allem wird die so wichtige göttliche Ausgleichsfunktion sogleich unterschlagen und später, wenn sich das erwachsen werdende Kind dann fragt, was so eigentlich in seinem

Erziehungsprozeß falsch gelaufen ist, wird es die Strukturen seiner Seele auch nicht mehr erkennen können und macht den Fehler, nun seine Eltern vor allem anzuklagen, will von seinem eigenen Trotz und der Erfüllung des vierten Gebotes gegenüber seinen Eltern auch nichts mehr wissen und reagiert dann sehr ungehalten, wenn man es darauf ansprechen würde. Der Nomade im Kinde schlägt dann wieder voll durch und pocht auf sein Recht und wie schwer es ist, einem an seiner Seele verletzten Kind wieder auf die Beine zu helfen, wenn dies erst als Erwachsener zur Besinnung kommt, davon kann wohl jeder selbst ein Liedchen singen.

Es ist wichtig, daß wir unvoreingenommen auf die Strukturen der kindlichen Seele blicken und uns nicht von den psychologischen Begriffen verwirren lassen. Es gibt eine Psychologie der Seele, denn genau das soll ja dieses Wort Psychologie aussagen, doch kann diese Wahrheit dieser Aussage nur in all der Liebe und dem Verständnis getroffen werden. Wenn für die göttliche Liebe kein Raum ist und wenn noch nicht einmal soetwas wie die göttliche Ausgleichsfunktion angesprochen oder erkannt wird, dann hat solch eine vernebelnde und verschleiernde Psychologie keine Relevanz und kann getrost beiseite gelegt werden. Hoffentlich versteht nun kein Mensch dies als Angriff auf die Psychologie oder auf andere Fachbereiche und schon gar nicht auf die Medizin, sondern genau das Gegenteil ist der Fall. Hier wird nicht angegriffen oder verteidigt, hier wird dargelegt und jeder kann für sich selbst den Wahrheitsgehalt an seinem Leben und mit seinem Leben überprüfen. Wir sind da ganz zuversichtlich, daß wir keinem etwas zuleide tun und wem die Aufhellung seiner Seelenstruktur noch zuviel Schmerzen bereitet, der möge noch einmal die vorbereitenden Hefte der Reihe Schmerzende Seele durcharbeiten. Eine Psychologie ohne Gott, d.h. auch ohne Kenntnis eines persönlichen Gottes, kann ja schon gar keine Psychologie sein, denn die Seele stammt aus Gott und wenn der Stammhalter und göttliche Vater noch nicht einmal berücksichtigt wird, so kann auch nichts Gescheites dabei herauskommen und deswegen darf man die Psychologie auch niemals von Gott bzw. vom göttlichen Vater trennen.

 

Die 2. Phase im kindlichen Bewusstsein

 

a) die offenen Arme des Kindes

Jenseits des dritten Lebensjahres beginnt die 2. Phase im kleinkindlichen Bewußtsein, die normalerweise bis zum 7. oder 8. Lebensjahr währt. Von der fürsorglichen Mutter vorbereitet und angeleitet nimmt das kindliche Bewußtsein nun mehr und mehr die Welt auch des Vaters wahr. Sowie das Kind laufen kann und den ersten großen Schritt hinweg in die Arme seiner Mutter und seines Vaters tut, nimmt es auch schon diese väterliche Fürsorge bewußter wahr.

Von der Mutter geführt läuft es bis zum Vater, verweilt dort und kehrt mit seiner Liebe bedacht wieder in die empfangsbereiten Arme seiner Mutter zurück und genau diese Phase der kindlichen Entwicklung findet in der seelischen Ausbildung des Kindes im zweiten Stadium statt. Von der Mutter vorbereitet auf diese väterliche Welt, nimmt das Kind nun den Vater zusammen mit seiner Mutter wahr und wenn nun die Mutter selbst noch Probleme mit ihrem eigenen Vater hat, so finden diese ihren Niederschlag im Verhältnis zu ihrem Mann und sie kann dann das Kind nicht so vorbehaltlos in die Arme ihres Mannes geben und wird immer ein wenig eifersüchtig darauf reagieren, wenn der eigene Mann als Vater ihres Kindes sehr liebevoll reagiert und sich seinem Kinde zuwendet.

Das Kind erlebt dann nicht nur diese ausschließliche Freude und Aufnahmebereitschaft der Mutter, wenn es sich in der mehr väterlichen Sphäre befindet, sondern wird dort schon mit einer gewissen seelischen Belastung konfrontiert, denn es spürt ein gewisses Verhalten seiner Mutter, welches ihm seine Freude nimmt. Aber ebenso kann auch der Vater durch seine eigenen Belastungen, die in die Beziehung zwischen ihm und dem Kind hineinreichen, ebenfalls sehr lieblos handeln und die offenen und liebevollen Arme

seinem Kinde dann auch nicht reichen und so wird schon von Anfang an, bei der ersten Eroberung der kindlichen Welt ein negativer Geschmack für das Kind vorhanden sein. Der Vater kann überhaupt in jeglicher Erziehungsphase, durch seine eigene Reife oder Unreife bedingt, mehr oder weniger erfolgreich helfen. Normalerweise wird dieses Stadium der offenen Arme für beide Elternteile noch keine Probleme bereiten und sollte in unseren christlichen Breiten durchaus gut umgesetzt werden.

Die vorbereitende Phase der Mutter, daß ihr Kind nun auch in die Arme des Vaters gelangt, wird dann nicht so recht erfolgreich sein und somit bleiben einige Trotz- und Verletzungsanteile im Kinde zurück. Dadurch, daß nun auch vom Kinde selbst eigene Erfahrungen getätigt werden, wenn auch noch vorzugsweise unter der Schirmherrschaft seiner Mutter, wird es sich auch selbst als aktiven Anteil innerhalb einer Familie begreifen und lernt, sich nun bewußter innerhalb seiner Familie einzuführen, lernt aber auch, seinen Platz zu entwickeln und zu behaupten. In dieser Bewußtseinsphase befindet sich das Kind noch immer mit einem restlichen Anteil im Bewußtsein seiner Mutter, d.h. sein Ich ist noch immer mit dem Ich der Mutter verbunden und darum lernt es das Kind nicht nur, diesen mütterlich-seelischen Raum in all der Liebe anzunehmen und auszufüllen, sondern auch seinen trotzigen Anteil als eigenständigen Ichanteil, als von seiner Mutter Abgetrenntes, wahrzunehmen. Allerdings ist dieser restliche Anteil auch noch immer problematisch dann, wenn beide noch über einen gewissen Trotzanteil verfügen. Mutter und Kind können sich, was den Eigensinn betrifft, immer dann gegenseitig verbünden, wenn dieser Eigensinn noch gegen die väterliche Autorität gerichtet ist. Dann sind sich beide gegen den Mann und Vater einig und der Vater hat seine liebe Mühe und Not, dort die Stellung zu behalten. Doch wenn der Trotz des Kindes gegen die eigene Mutter gerichtet ist und der Vater selbst damit kein Problem hat, weil er in der Phase seiner Kindheit dort den Trotz gegenüber seiner Mutter verloren hat, dann kann solch ein kindliches Verhalten nichts Negatives bewirken, sondern Vater und Mutter werden gegenüber ihrem Kind einig sein.

Was die Eltern also vor allem beachten müssen ist, wie mit der Erziehung ihrer Kinder alle ihre eigenen Erlebnisse und Versäumnisse wieder Platz nehmen und die erfolgreiche Umsetzung der kindlichen Erziehung durch den eigenen Trotz und die eigenen Versäumnisse blockiert werden, es sei denn, sie hätten  in den späteren Lebensjahrzehnten dort einen gewaltigen Lernprozeß unternommen und die erforderliche Demut gehabt, sich die Korrektur seitens der Schule oder des Berufslebens gefallen zu lassen.

Nun wird also die väterliche Welt auch unter der beschützenden Sphäre der Mutter entdeckt, später beginnt das Lesen und die Sehnsucht zur weiten Welt berührt das kindliche Herz. Keinesfalls förderlich ist es hier, wenn nun TV-Sendungen willkürlich angeschaut werden, denn das kindliche Herz muß noch sehr sorgsam vor den Folgen und Schäden der Außenwelt bewahrt werden. Diese ersten Lebensjahre entsprechen also ungefähr dem geschützten Bereich der Gebärmutter und doch wird schon die Neuigkeit nach Außen und das Interesse auf die väterliche Welt geweckt. In diesem Lebensabschnitt bis ca. 7 Jahre sollten alle körperlichen Regeln und Prozesse vollständig abgeschlossen sein, der kindliche Organismus sollte gesund und gut entwickelt sein, die Milchzähne werden dort abgestoßen und die richtigen Zähne kommen. Mit dem Verlust der Milchzähne verliert nun auch das kindliche Gedächtnis diese gewisse Weichheit und es wird nun zäher und belastbarer ungefähr in der Weise, wie die normalen Zähne auch härter und belastbarer sind.

Mit der erneuten Zahnung im Alter von 7-8 Jahren beginnt also auch wieder ein neuer Lebensabschnitt und das kindliche Bewußtsein wäre nun auch gereift, um z.B. eine Schule zu besuchen und um diese Erfahrungen auch entsprechend zu verdauen. Beginnt die schulische Ausbildung zu früh, so besteht die Gefahr, daß das kindliche Gemüt wieder mit allem möglichen überlastet und damit völlig überfordert wird. Soweit noch einmal ein allgemeiner Überblick, und das entsprechende Stadium eines Volkes wäre das eines beinahe schon seßhaft gewordenen Nomadenvolkes, welches seine festen Gewohnheiten und seine eigenen Herden hätten. Die Lappen, die Berber, die Zulus, die Indianer entsprechen z.B. diesem Stadium. Übergeordnet können wir feststellen, daß z.B. diese kindliche Bildung der Milchzähne, angefangen von der ersten Zahnung bis hin zum Verlieren dieser Zähnchen, das Kind eine entscheidende seelisch-körperliche Entwicklung durchmacht, wo entsprechende Seelenmuster entwickelt werden, wo gewisse Ausdrucksformen der Seele gebildet werden und das dieses „Milchzahnstadium“ des Kindes auch mit demjenigen Stadium der nomadischen Völker verglichen werden kann. Jenseits dieses „Milchzahnstadiums“ beginnt das Stadium des

Heiden.

 

Das Milchzahnstadium des Kindes als nomadisierendes Stadium

 

Gut, wir wollen allerdings nicht zu schnell von Position zu Position springen, denn auch diese Kost hier sollte entsprechend zerkaut, geschluckt und verdaut werden, bevor wir zu weiteren Stadien schreiten. Und deshalb ist noch einmal eine kleine Wiederholung und eine leichte Vertiefung dessen angebracht, was wir bis jetzt herausgearbeitet haben:

1. Das Säuglingsstadium beinhaltet noch eine sehr enge Bindung an die Mutter und der Säugling verfügt noch nicht über ein eigenes Ichbewußtsein, sondern befindet sich mit seinem Ich noch innerhalb des Bewußtseins seiner Mutter. Es ruht dort gewissermaßen schlafend und erst mit der ersten Zahnung beginnt die Abgewöhnung der Brust und die Entfaltung des kindlichen Gedächtnisses beginnt.

2. Bis zum Alter von ungefähr 3 Jahren wird nun das kindliche Bewußtsein geöffnet, die Ichbildung wird bewußt erlebt und alle körperlich relevanten Funktionen werden geübt und dem Bewußtsein unterstellt, so daß das Kind all jenes, was ihm von der Mutter beigebracht wird, dann auch schon mit seinem kindlichen Körper bestätigen kann. Das kindliche Ich entfaltet sich in der mütterlich geschützten Sphäre des häuslichen Daseins, lernt das Gute einzuhalten, lernt den Stuhl zu kontrollieren, lernt das Essen, das Sprechen, das Laufen, etc. und lernt ebenfalls seinen Platz innerhalb seiner Familie zu erfüllen und auszufüllen. Allmählich begreift sich das Kind als eigenständigen Menschen, lernt die Trennung von seiner Mutter und seiner Umwelt anzunehmen und befindet sich dennoch im behüteten Bereich. Es lernt seinen ersten bewußten Schritt auch in die Arme des Vaters und wird vom Vater sodann wieder in die liebevoll ausgebreiteten Arme der Mutter zurückgeschickt und, abhängig von der Reife beider Elternteile, kann das Kind nun mit einer großen Freude auch auf die väterliche

Welt und Außenwelt zugreifen.

3. In der dritten kindlichen Phase, die bis zum Alter von ca. 7 -8 Jahren reicht und mit dem Verlust der Milchzähne beendet wird, gelangt das Kind in die offenen Arme seiner Eltern von sich aus betrachtet. Es lernt auf seine Eltern und auf seine Umgebung mit einer großen Freude zuzugehen. War es im vorhergehenden Stadium noch ein mehr unbewußtes und höchst freudiges Erleben, sich in die offenen Arme der Eltern zu werfen, so wird dies in diesem Stadium bewußter erlebt und das Kind lernt es, sich selbst in diese Welt zu begeben um sie zu erforschen und mit kindlicher Freude auch bewußt zu begreifen.

Weiter oben haben wir noch eine andere Einteilung in die zwei kindlichen Bewußtseinsstadien vorgenommen und weiter unten haben wir aus dem ersten Stadium bis zum Alter von ca. 3 Jahren zwei unterschiedliche Phasen beleuchtet, das des Säuglings und das des Kleinkindes. Nun, das sind hier mehr oder weniger Orientierungshilfen und diese Einteilung sollte nicht so dogmatisch verstanden werden. In einem größeren Werke würden wir sicherlich sehr viel genauer auf diese kindlichen Seelenstrukturen eingehen und noch mehr Stadien klassifizieren, aber hier für den Anfang ist es vorerst nur wichtig, daß wir überhaupt einmal auf solch eine Zuordnung schauen und unsere eigenen Überlegungen dahingehend anstellen, inwieweit wir selbst da etwas erlebt haben. Die Säuglingsphase wird ja auch nicht bewußt wahrgenommen, aber die des Kleinkindes schon und deshalb kann man beide Phasen durchaus zu einem Stadium erklären. Es gibt demnach also zwei Stadien des Bewußtseins bis zum Alter von 7-8 Jahren und diese zwei Stadien zerfallen in diese genannten drei Phasen.

Diese drei Phasen der Bewußtseinsverbindung und der Lösung des Kindes in der Sphäre seiner Mutter lassen sich entsprechenderweise auch in der Entwicklung der Völker wiederfinden und gehen hier mit dem Zustand der Nomadenvölker konform, die in den ersten beiden Zuständen, dem Säuglings und Kleinkindstadium noch in einer äußerst primitiven und mehr matriachalischen Bewußtseinshaltung innerhalb einer sie behütenden Natur leben. Diese Völker sind noch nicht in der Lage, sich die Natur untertan zu machen, sondern sie hängen auf Gedeih und Verderb mit ihrer Mutter Natur wie in einer Symbiose zusammen. Sie können noch keine Trennung im Bewußtsein ihrer Seele zwischen sich und der sie umgebenden Natur vornehmen, doch andererseits ist diese Phase keinesfalls jene des Paradieses. Das Paradiesstadium, um es einmal so zu benennen, erfolgt erst jenseits all dieser Stadien und kann auch nur vom christlichen Bewußtsein aus erreicht werden, doch das werden wir später genauer betrachten.

Hier sei nur kurz dieses Milchzahnstadium benannt und in seinem äußeren Wesen skizziert. Um nun auch die Implikationen und engen Verflechtungen zwischen der Seele und ihrem Körper aufzuzeigen, können wir dieses Kleinkindstadium bzw. dieses Stadium des noch nomadisierenden Bewußtseins einmal in einem ganz konkreten Beispiel offenlegen. Was also geschieht, wenn diese einzelnen bewußtseinsbildenden Maßnahmen nicht so richtig ineinandergreifen?

 

Seelenbildende Strukturen innerhalb des Milchzahnstadiums

 

Im konkreten Beispiel haben wir einen Jungen, der bis zu zwei Jahren an der mütterlichen Brust saugen durfte und schon längst seine Zähne bekommen hatte und eigentlich selbst in der Lage gewesen wäre, seine Nahrung aufzunehmen, gut zu kauen und zu verdauen. Doch der Prozeß des Kauens wurde zu einem Schlingen und Saugen, weil eben durch die sehr lange Brustgewöhnung die Mechanismen des Säugens hier auch auf die Nahrung übertragen wurden. Ebenso lernte es das Kind erst mit ca. 3 Jahren, das es seinen Harn und Stuhl selbst zu kontrollieren hatte. Es gewöhnte sich bis zum Alter von 8 Jahren an seinen Daumen, war körperlich nicht sonderlich beweglich, eher träge und die körperliche Hygiene war ebenfalls sehr mangelhaft und von einer Disziplin im Befolgen der häuslichen Arbeiten war auch nicht groß was zu sehen. Solch ein Kind wurde früher als Muttersöhnchen bezeichnet.

Die schulischen Leistungen waren ungenügend, die Beziehung zur Mutter sehr von Liebe und Verwöhnung geprägt, der Vater wurde als böse und schlimm betrachtet, die Volksschule später nur mit Ach und Krach beendet und die Ausbildung vorzeitig abgebrochen und eine eigene Familie wurde zwar gegründet, doch die Probleme mit und durch die Kinder zerrüttete die Gesundheit der Eltern.

1. Säuglingsphase:

Die Mutter entwöhnte das Kind erst sehr spät von ihrer Brust und tat dies auch deswegen, um vor der starken Sexualität ihres Mannes geschützt zu sein. Hier wurde der kleine Junge ein wenig als Waffe gegen den eigenen Mann eingesetzt. Die Mutter selbst hatte eine sehr schlechte Beziehung zu ihrem Vater, der dann auch sehr früh verstorben ist und sie hing mit einer „Affenliebe“ an ihrer eigenen Mutter. Im Verhalten der Mutter waren also einige Posten noch nicht richtig ausgebildet und dazu gehörte die gewisse Angst vor ihrem Mann, als Folge auch ihrer Angst vor ihrem eigenen Vater, den sie als böse betrachtet hat. Dadurch bedingt war die Beziehung zu ihrem eigenen Mann, dem Vater des Kindes, nun auch wieder unnötig belastet und deswegen suchte sie in der mütterlichkindlichen Beziehung auch einen Schutz vor den als zudringlich empfundenen Mann. Genau dieses seelische Muster des bösen und sexuell zudringlichen Mannes ruhte in ihrer Brust und gelangte mit der Muttermilch in den kindlichen Organismus.

2. Die Kleinkindphase bis zu sieben Jahren:

Die körperliche Reinigung und die Kontrollierung des Harn- und Stuhlganges sowie auch das Laufen und Sprechen begannen auch sehr viel später als normal. Weil die Mutter ihr Kind auch mit sehr viel Liebe verwöhnte, so brauchte ihr Kind auch nicht diese den Körper reinigenden und disziplinierenden Maßnahmen ergreifen und anwenden, sondern die Mutter hielt ihr eigenes Kind unnötig fest, verband sich mehr als sie sollte mit dem Ich ihres Kindes und bildete mit dem Kind zusammen eine Einheit gegen den „bösen“ Vater. Die eigene Geschichte der Mutter tauchte also wieder auf und wurde auf das Kind übertragen, fand in dem Kind einen unbewußt mittragenden Bundesgenossen und deshalb ertrug die Mutter viel eher die Strapazen und unmündigen Verhaltensweisen ihres verwöhnten Kindes, als daß sie sich mit der Sichtweise ihres komplizierteren Mannes auseinandersetzte.

Es war für sie nicht so wichtig, ob und wann das Kind nun endlich laufen lernte oder „trocken wurde“, sondern für sie war es wichtiger, jemanden an ihrer Seite gegen den als böse bezeichneten Vater, hier in Vertretung des eigenen Mannes, zu haben und als das Kind laufen lernte, lief es z.B. nie in die ausgebreiteten Arme des Vaters. Dies durfte eben nicht sein, denn diese Welt war verpönt. Der Vater indes liebte sein Kind, ging treu

und brav arbeiten, aber durfte und konnte es nicht lernen, sein Kind in seine Arme zu nehmen, denn das wurde ihm von seiner eifersüchtigen Frau verwehrt und entsprechende Bemerkungen tauchten auf, daß er zu grob sei, daß er das Kind verletzen könnte, etc. Gut und Böse lernte das Kind folgendermaßen, indem es aus dem Fundus der Mutter heraus alles als gut empfand, was die Mutter tat und dafür eben vieles oder alles das, was der Vater tat, als böse zu begreifen lernte. Streit und Diskrepanzen taten ein übriges, das Kind sah sich in der Sichtweise dieser Einteilung von Gut und Böse bestätigt und der Vater wurde zunehmend von seinem Kinde isoliert.

Die Mutter hemmte ihr eigenes Kind in der Entwicklung seines Bewußtseins deshalb, weil sie ihr Kind als Eigentum betrachtet hat, worüber nur sie selbst verfügen durfte. Es fand also nur eine höchst ungenügende Reinigung vom kindlichen Trotz statt und weder die körperliche Hygiene noch die gewisse Disziplin und auch nicht die freudige Annahme der äußeren Welt konnte hier geschehen, sondern die Mutter war und blieb Dreh- und Angelpunkt des kindlichen Strebens.

3. Die Phase bis zu 7 Jahren änderte sich im Prinzip auch nicht. Die schulischen Leistungen waren miserabel, denn die Mutter konnte ihrem Kinde dort nicht beistehen. Es war auf diese Situation in der Schule nicht vorbereitet, denn es hatte ja vom Vater nichts annehmen können und sollen, somit wurde diese Schule mehr als Zwang und nicht als ein freudiges Lernen verstanden. Überreizungen und legasthenische Züge traten auf und die Schule wurde mal gerade soeben absolviert. Infektionskrankheiten traten dafür sehr oft auf. Aber weil dieser Vater dennoch irgendwie seine Strenge und Mitgestaltung an der kindlichen Erziehung ausüben konnte, nicht weil er durfte, sondern weil er es einfach tat, so erhielt dieses Kind dennoch eine gewisse Disziplin und konnte sich dann auch schon gegenüber den Mitschülern und anderen durchsetzen.

 

Das mütterliche Seelenmuster im Milchzahnstadium

 

Es haben sich also durch die unvorbereitete Mutter, die selbst noch kindlich geblieben ist, gewisse Seelenmuster in die Seele des Kindes hinein verschoben, doch durch die Dynamik des Vaters konnte noch vieles von dem wieder korrigiert werden. Das Hauptseelenmuster dieses Jungen ist dann schon sehr früh gebildet worden und lautet, daß die äußere Welt, die Welt des Vaters, eigentlich böse und unverständlich ist und nur Forderungen an einen stellt. Die Welt der Mutter ist das Paradies und der Vater vertreibt das Kind aus dem Paradies, um die Mutter für sich selbst zu besitzen. So empfindet das Kind die völlig verdrehte Einstellung der Mutter als normal und übernimmt sie mit seinem kindlichen Glauben. Dieses, aus der unreifen, noch trotzigen Haltung der Mutter resultierende Seelenmuster lautet, das die Mutter selbst das Paradies sei oder gewährleiste und ihr Mann und ihr Kind ihr die dafür nötige Liebe und Aufmerksamkeit geben müßten. Zuerst verbindet sie sich mit dem Kinde gegen ihren Mann, wenn sie sich

von ihm aus in ihrem Paradies bedroht fühlt, später wieder kehrt sie zum Mann zurück und verbündet sich mit ihm gegen das Kind, wenn sie vom Kinde bedroht wird. Im Trotz der Mutter liegt ein gewisses Hoheitsgefühl, da sie glaubt und meint, nur sie selbst sei der Schlüssel zum Paradies. Allerdings funktioniert dies nur, wenn sie vom Mann oder vom Kind die dafür erforderliche Liebesleistung erhält. Bekommt sie diese Liebe vom Kind, dann hält sie ihr Paradies im Kampf gegen den bösen Mann aufrecht und später, wenn sich das Kind dann doch aus ihrer Sphäre verabschiedet hat und der Mann noch leben sollte, verbindet sie sich mit dem Mann, um gegen das nun böse gewordene Kind zu streiten. Jetzt, im Milchzahnstadium allerdings bevorzugt sie das Kind gegen ihren Mann und erhofft sich durch diese Liaison mit ihrem Kind oder ihren Kindern, daß sie ihr

bedrohtes Paradies auch vor der bösen Männerwelt beschützen kann.

 

1. Das typische Seelenmuster im Milchzahnstadium lautet:

Die Mutter bildet und erhält das kindliche Paradies und der böse Vater bedroht dieses gemeinsame Paradies von Mutter und Kind.

 

Geschwisterliche Seelenmuster im Milchzahnstadium Unabhängig von dem ersten großen Seelenmuster, welches unter den vehementen Einfluß der unreifen Mutter gebildet wird und allerdings auch durch einen sehr unreifen Vater forciert werden kann, gibt es noch weitere Seelenmuster und somit ist ein folgendes, das erste Seelenmuster bestätigende und verstärkende Muster jenes, wobei sich die Geschwister untereinander mit der Mutter gegen den Vater verbünden. Für einige Lebensjahre bilden sich dann innerhalb der geschwisterlichen Gemeinschaft gewisse Strukturen in der Seele des oder der Kinder heraus, wo sie untereinander in eine gewisse Opposition gegen den Vater treten, was sicherlich von der unreifen Mutter auch begünstigt wird. Dann bilden sie ein gemeinschaftliches Bollwerk gegen den Vater und dieser hat sehr viel zu tun, daß er von diesem Bollwerk nicht überrollt wird. Dieses Seelenmuster könnte man wie die Mauern einer Festung betrachten, die dann um das kindlich-mütterliche Paradies gezogen werden und solch eine Festung ist von dem Vater, sofern er nicht wirklich christlicher Gesinnung ist, auch nicht mehr einzunehmen.

Schauen wir nun auf diesen Jungen im Alter von 7 Jahren, wie er sich mit seiner Schwester und seinem Bruder auch gegen den eigenen Vater organisiert und das, obwohl er ihn liebhat. Doch das Seelenmuster seiner Mutter ist stärker und der Vater hatte noch nicht die Gelegenheit, sich dem Kinde soweit zu nähern, um nun auch seine liebevollen Empfindungen und Erziehungsmaßnahmen kundzutun und nur dann, wenn sich beide Elternteile wieder inniger und besser begegnet wären, der Riß zwischen ihnen kleiner geworden wäre, würde der Vater wieder näher zu seinen Kindern gelangen können. In der folgenden Phase sollten die Kinder ja auch in dieser väterlichen Sphäre sein, um nun auch von ihm diese gewisse, auf die äußere Welt vorbereitende, Liebesfürsorge zu erhalten. Die jüngere Schwester hat sich da gegenüber ihrem Vater unbekümmerter gezeigt, denn die Hauptlast der Seelenverletzungen der Mutter hat eben der ältere Bruder getragen und somit ist es für sie auch einfacher, von dem Vater dessen

Erziehungsmaßnahmen auch anzunehmen, aber genau deswegen auch gibt es nun zwischen den Geschwistern diesen Riß, wie er sich zwischen den Eltern bekundet.

Nun steht der ältere Bruder noch sehr im Bannkreis seiner Mutter und die jüngere Schwester dafür mehr auf Seiten des Vaters und beide Elternteile versuchen jeweils, ihren Kindern die Liebe zu zeigen. Hier ist ein weiterer, äußerst problematischer Punkt zu beachten, denn wenn der Streit der Eheleute dermaßen ausarten würde, daß es z.B. nun auch eine Trennung zwischen Tisch und Bett geben würde, dann könnte sich der Vater, ohne dies überhaupt erst bewußt zu bemerken, seiner eigenen Tochter zu sehr zuneigen und dann könnten sich sehr leicht auch inzestuöse Beziehungen ergeben. Die Gefahr besteht jedenfalls, daß die eigene Mutter ihre Kinder in die seelische Abhängigkeit zwingt und der eigene Vater dafür einen körperlichen Mißbrauch tätigt. Aber soweit muß es nicht kommen und gerade in christlichen Ländern ist die Gefahr auch nicht so groß und doch müssen wir diesen Punkt hier deutlich ansprechen und darauf hinweisen.

Gerade in den christlichen Ländern greift ja diese göttliche Ausgleichsfunktion. Dann sind auch immer wieder andere, liebevolle Menschen dort, die sich um die Korrektur solch unreifer Eltern und Familien bemühen und bevor es dann zu solchen seelischen und körperlichen Mißbräuchen kommt, wird von anderer Seite auch schon entsprechend eingewirkt. Aber in solchen Gegenden und Ländern, selbst auch in christlichen Ländern, wo die Menschen noch sehr primitiv sind und von dieser christlichen Haltung auch schon kaum etwas angenommen haben oder es vehement ablehnen, sich auf diese christlichen Werte zu berufen, da gibt es solch eine göttliche Ausgleichsfunktion natürlich auch, doch kann sie hier, der Unreife dieser Menschen wegen, denn auch kaum greifen.

Der ältere und der jüngere Bruder waren jedenfalls beide gegen den Vater eingestellt, wollten auf ihr Paradies im mütterlichhäuslichen Raum nicht verzichten und waren dann auch kaum dazu zu bewegen, einmal gewisse Arbeiten und Pflichten zu übernehmen, denn die eigene Mutter stellte sich schützend vor ihren Kindern und so konnten viele der notwendigen Vorleistungen auf dem Wege zu einem gesunden Menschen eben noch nicht umgesetzt werden, weil die Mutter in ihrem Streit gegen den Vater die eigenen Kinder einsetzte. Sie brauchten nicht ihre Zimmer aufräumen, sie brauchten keine häuslichen Pflichten übernehmen, sie brauchten keine gewisse Disziplin an sich walten lassen und die eigene Mutter erhob ihre Kinder sogleich in den Rang beinahe schon Erwachsener, was die Rechte anging, doch den Pflichten nach wurde noch nichts umgesetzt. Selbst wenn es die Mutter dann eingesehen hatte, daß ihre Kinder auch gewisse Pflichten übernehmen sollten, vor allem dann, wenn sie sich überfordert fühlte, was sehr häufig der Fall gewesen ist, dann mußte der Vater dann doch noch eingreifen, um nun auch seine Frau vor den ungezogenen und trotzigen Kindern zu schützen. Aber wehe, wenn der Mann sich in seinem Bemühen, seiner Frau gegen diese „Kinderplage“ zu helfen, dann ein wenig zu weit aus dem Fenster wagte, dann kehrte das alte Muster der Mutter wieder zurück und sie stritt nun wieder gegen den sie eigentlich beschützenwollenden Mann.

baldigen Jugendlichen schauen, die sich dann im Bereich des Vaters bewegen sollten, dann können wir jetzt schon deutlich sehen, wie erhebliche und noch größere Probleme auf diese junge Familie zukommen. In der nächsten Phase tritt ein weiteres Problem auf,

daß nämlich der ältere Bruder oder die ältere Schwester dann unbewußt dazu neigen, sich wie ein Vater oder wie eine Mutter um ihre eigenen Geschwister zu kümmern. Einmal, weil sie die seelische Vernachlässigung aufgrund der Kämpfe ihrer Eltern sehen

und fühlen und zum anderen, weil das kindliche Herz ja aus seiner Liebe heraus den Eltern und Geschwistern auch helfen möchte.

Also übernimmt der ältere Bruder dann automatisch gewisse, mehr väterliche Erziehungsaufgaben gegenüber seinen Geschwistern und die ältere Schwester würde eben diese mütterliche Seite aufgreifen. Das ist nun allerdings nichts negatives, sondern hilft der Familie in ihrer Entwicklung auf jeden Fall, denn diese kindlichen Ersatzeltern können dadurch auch die elterlichen Werte übernehmen und anwenden und die Geschwister bekommen auf diese Weise noch Zuwendungen und Unterstützungen, welche die überforderten Eltern so nicht leisten können. Dieser Umstand tritt ja auch im Falle einer längeren Krankheit der Mutter oder des Vaters ein und ist eigentlich ein wunderbares Mittel, daß die Familie über diese schwere Bürde in dieser Phase ihrer Entwicklung gelangt.

Aber dieses Stadium gehört jenseits des Milchzahnstadiums und wird deshalb hier nur kurz angesprochen.

Im vorliegenden so gewählten Beispiel handelt es sich also darum, daß die Mutter sich als ziemlich schwach und verwöhnt, kaum um die Entwicklung ihrer Kinder kümmern konnte, weil sie sich in ihrem Trotz mit ihnen identifizierte, ihre eigene Kindheit mit einem als streng erlebten Vater nur schlecht verarbeitet hatte, ihre Geschichte dann auch wieder nur auf ihre eigenen Kinder übertrug und kaum etwas zu der Lösung beitragen wollte. Aus der ungenügenden Liebe und mangelhaften Vergebung ihrem eigenen Vater gegenüber hat sich dann für sie selbst in Hinblick auf das Zusammenleben ihrer eigenen Familie dann auch schon eine weitaus größere Problematik ergeben, als wie sie sie in der Kindheit erlebt hat. Nun gibt es allerdings auch andere Fälle und kaum ein Fall ist gleich, aber gewisse Ähnlichkeiten kann man dennoch feststellen und so können solche Beispiele wie Universalmuster betrachtet werden und wir können nun einmal schauen, wie sich eine andere Familie entwickelt, wo die Mutter eben stark und verantwortlich und sogar schon streng gewesen ist.

Eine strenge Mutter wird ihre Kinder sicherlich leicht dazu anhalten, die notwendige Disziplin gegenüber dem Körper und der Seele einzuhalten, diese Kinder werden die körperlich-hygienischen Entwicklungsprozesse gut annehmen und anwenden, werden jedenfalls keine Muttersöhnchen sein und doch liegt hier eine Gefahr, die wir nicht verschweigen sollten. Ob nun streng oder schwach, es ist eigentlich nicht nur entscheidend, wie sich die Mutter in diesen kleinkindlichen Stadien verhält, sondern es ist überhaupt auch entscheidend, wie das Kind selbst in Beziehung zu seinen Eltern steht. Je mehr Trotzanteile in einem Kinde, desto strengere Maßnahmen müssen ergriffen werden, damit die Seele des Kindes nicht vergiftet wird und damit solch ein Kind nicht auch andere vergiften kann. Eine sehr liebevolle Mutter mit milder Handlungsweise kann keinem trotzigen Kinde etwas entgegensetzen, sondern sie würde unter diesem trotzigen Kinde leiden und selbst zu Schaden kommen, es sei, der Vater würde dies bemerken und helfend einspringen.

Darum stehen die Eltern mit der Erziehung ihrer Kinder selbst wieder in ihrem damaligen Erziehungsprozeß und können und sollten noch vieles von früher her korrigieren, denn wenn die eigene Mutter z.B. als zu streng erlebt wurde und solch ein Mensch bis heute darunter hadert, so sollte die Frage erlaubt sein, ob nicht der Trotzanteil dieses Kindes nicht die entsprechenden Reaktionen dieser Mutter zur Folge haben mußte? Die Mutter wird sicherlich immer genügend Liebe für ihre Kinder haben, das ist keine Frage, doch inwieweit sie diese Liebe hinter sanften Worten oder hinter einem strengen Gestus versteckt, das ist auch mehr die Frage des Trotzes und des Eigensinns des Kindes. Eine zu liebevolle Mutter wird ihr Kind nicht vom Eigensinn reinigen oder befreien können und eine zu strenge Mutter läuft Gefahr, das ihr trotziges Kind dann auf lange Sicht nichts mehr mit ihr zu tun haben will.

Also ist es, gerade unter der Sichtweise einer gestrengen Mutter und eines gestrengen Vaters vor allem angebracht, einmal auf den Trotzanteil des Kindes zu schauen und erst danach kann man die Leistungen der Eltern bewerten.

 

Der kindliche Trotz und Eigensinn

 

Es gibt also eine gewisse seelische Größe, die ihrem Wesen nach veränderbar ist, die das Kind und den Erwachsenen allerdings unnötig bedrängt und aufhält und auch seelisch verletzen kann. Diese, nur von der Liebe veränderbare Größe in der Seele des Kindes ist also der Trotzanteil und wird auch als Eigensinn bezeichnet und jedes Kind verfügt über diesen Anteil.

Was ist denn eigentlich der Trotz und wo kommt er her? In der göttlichen Sichtweise handelt es sich ja darum, daß unser menschliches Bewußtsein sich nach dieser göttlichen Vorgabe hin geistig weiter entwickelt und somit können wir feststellen, daß die Entwicklung des menschlichen Bewußtseins zum Göttlichen eine Bewußtseinserweiterung beinhaltet. Demzufolge kann und muß der Trotz also das Gegenteil davon sein und kann als bewußtseinsverengende und das eigene Ich aufhaltende Bestrebung gelten. Beim Trotz gibt es keine geistige Entwicklung und also auch keine, den Standpunkt des anderen begreifende Sichtweise, sondern der Trotz sieht nur sich selbst und seine eigenen Reaktionen und stellt diese über all die anderen.

Die geistige Sichtweise gelingt nur, wenn eine gewisse Ablöse vom eigenen Ich geschieht und das Mittel dazu ist eben die Demut, weil nur durch die Demut bedingt, das eigene Ich in seinen Reaktionen losgelassen werden kann, während der Trotz das genaue Gegenteil davon ist und deshalb kann der Trotz auch als Hochmut betrachtet werden.

Der Trotz ist also ungeistig, beharrt auf die eigene Ichposition und will den Nächsten nicht begreifen, sondern bleibt bei sich stehen.

Der Trotz ist purer Hochmut und stellt sich dadurch automatisch über all die Nächsten und versucht seine eigene Position mit allen Mitteln durchzusetzen.

Der Trotz stellt die Eigenliebe über die Nächstenliebe, betrachtet sich als Mitelpunkt des Universums und verlangt von anderen ebenfalls, daß sie ihn als Mittelpunkt ansehen.

Der Trotz ist Argumenten kaum zugänglich und beharrt eigensinnig auf seine Position und das auch, selbst wenn er um die Unzulänglichkeit seiner Wahrnehmung weiß. Er blockiert und verschließt sich gegenüber den anderen.

Der Trotz nimmt von anderen nur das an, was er für sich selbst gebrauchen kann und was ihm von Nutzen ist. Er fordert von anderem darum eine Unterwerfung unter seiner eigenen Zielsetzung.

Der Trost verkehrt alle himmlisch-guten Werte in das Gegenteil und dort, wo andere den Himmel sehen, sieht er nur die Hölle. Der Trotz kehrt also alles ins Gegenteil um.

 

Wo kommt nun also diese Unfähigkeit des eigensinnigen Trotzes her, daß er sich selbst als Universum begreift und kaum etwas von anderen annehmen will und wenn, dann nur so, wie es der Betreffende für richtig empfindet? Wenn das Kind noch sehr klein ist und dennoch trotzige Reaktionen zeigt, wo kommen diese her, denn es kann doch unmöglich schon diesen Trotz von außen her angenommen haben. Es muß diesen Trotz ja schon in sich selbst haben. Also liegt der Trotz schon von Anfang an innerhalb der menschlichen Seele verborgen und mag in einem Menschen mehr oder weniger schlafen, doch vorhanden ist er auf jeden Fall. Der Trotz ist demzufolge schon ein vorgeburtlicher, also ein pränataler Zustand eines jeden Menschen und ist der Seele vereigenschaftet der, noch bevor die Seele hier auf Erden in einen kindlichen Körper eingezeugt wird, also schon vorhanden sein muß. Ergo besitzt eine jede Seele schon von Anfang an einen gewissen Trotzanteil, der dann je nach der entsprechenden Situation hier auf der Erde zum Ausdruck kommt und abgearbeitet bzw. verwandelt werden kann. Dieser Umwandlungsprozeß des Trotzes ist allerdings höchst mühsam und bedarf da sehr konsequente Maßnahmen, wie wir schon bei kleinen und trotzigen Kindern sehen und erleben können.

Gut, betrachten wir den Trotz als von Anfang an gegeben und als eine gewisse, der Seele anhaftende Erscheinung, die dem Göttlichen entgegensteht, so bedeutet dies, daß in einer jeden menschlichen Seele also solche trotzigen Merkmale vorhanden sind und unser irdischer Werdegang eigentlich auch als Seelenreinigungsanstalt betrachtet werden kann.

 

Das irdische Leben als Seelenreinigung und die Erde als Seelenreinigungsanstalt

 

Wenn also die Seelen von vornherein solche trotzigen Merkmale aufweisen und hier auf dieser Erde entsprechende Gegenmaßnahmen getroffen werden, um diesen Trotz zu wandeln und abzubauen, so ist diese Erde also eine wahre Seelenreinigungsanstalt und so sind die Eltern also auch die gewissen Seelenreiniger und Entwickler hin zu den geistig-göttlichen Werten. Soweit so gut, doch wo kommt der Trotz trotzdem her, wo genau wird er warum gebildet?

Bevor die Seele sich hier auf der Erde entwickelt, muß sie also schon eine Vorexistenz haben und wir wissen es aus vielen geistigen Schriften, wo das Lorberwerk ((Jakob Lorber – seine Schriften sind im Lorber Verlag, Bietigheim, zu beziehen) eine zentrale Rolle einnimmt, warum dies so ist und von woher dies kommt, doch ist selbst in der Bibel genügend darüber ausgesagt und so berühren wir hier den Bereich des Jenseits, den Bereich Gottes und Seiner Engel, den Bereich vom Abfall Luzifers und jenen Bereich, wo Satan das Fleisch der Menschen berückte. Wer von den Lesern hier vorgebildet ist, wird es also durchaus schon wissen, von woher dieser Trotz stammt und

daß sich dieser aus dem Fall und Abfall hinweg von Gott ergeben hat, doch wem diese Thematik hier noch neu ist und wer tatsächlich gewillt ist, diese für ihn neue Thematik seiner Seele wegen zu begreifen, dem müssen wir hier einige Hilfen und Erklärungen nachreichen.

Würde es nur das rein irdische Leben ohne vorheriges Leben geben, dann könnte sich niemand die Existenz des trotzigen Eigensinns schlüssig erklären, denn solch eine Vorstellung, allein irdisch zu leben, würde die Herkunft des Trotzes nicht richtig erklären können. Warum sollte denn der eine Mensch einen größeren Trotz als ein anderer haben? Warum ist überhaupt die Fähigkeit eines jeden Menschen unterschiedlich und warum gibt es keine schlüssigen Vorstellungen und Erklärungen darüber, woher all diese unterschiedliche Ausgestaltung einer jeden Seele kommt? Um diese und andere Fragen zu klären, muß also diese allein irdische Sichtweise überwunden werden, sonst sind alle Bemühungen umsonst und wie wir von der christlichen Religion her wissen, ist

genau dies der Hauptbestandteil der christlichen Religion, daß sie den Menschen hier eine schlüssige Erklärung und ein weiterführendes Entwicklungskonzept seiner Seele anbietet.

Die Seele stammt aus Gott, der Mensch wurde nach Seinem Bilde geschaffen und durch den Fall Luzifers ergab sich der erste große Abfall vom göttlichen Bewußtsein, weil sich das nun eigenständig zu entwickelnde Leben Erfahrungen gegenübersah und Entscheidungen tätigen mußte, die es nun auch selbst zu verantworten hatte. Der luziferische Fall ist deshalb auch eine Frage der Entwicklung des menschlichen Bewußtseins und geschah auch darum, damit dieses Bewußtsein nun auch eigenständige Erfahrungen tätigen konnte um dann, durch diese Erfahrungen gereift, nun völlig frei und in dieser freiheitlichen Bewusstwerdung von sich aus den göttlichen Standpunkt, diesmal eben freiwillig, zu übernehmen.

Von daher ergibt sich hier schon ein gewisser Trotzanteil der Seele, daß sie, ihrer freiheitlichen Entwicklung wegen, also auch den Gegenpol zu Gott annehmen kann, um dann eigenständige Erfahrungen zu erleben. Hier wird schon einmal ein großer Anteil dieses Trotzes sichtbar, der das eigene Ich des Menschen in die göttliche Position erhebt, damit dieser Mensch dann an sich und anderen erlebt, inwieweit es also stimmt, was er da tut und macht. In einem weiteren Schritt braucht solch ein Mensch allerdings auch wieder andere, denen er vorgestellt ist, um dann diese gottähnliche Position durchzuführen und somit kommen auch schon die Kinder ins Spiel.

Die Eltern vertreten hierdurch auch schon eine göttliche Position gegenüber ihren Kindern und je weniger Trotzanteil vorhanden, desto besser gelingt dieser Erziehungsprozeß, doch wenn der Trotzanteil noch zu groß sein sollte, dann schauen die Eltern nun doch wieder mehr auf sich als auf ihre Kinder und können diesen Erziehungsauftrag oder diese Art der Reinigung vom Trotz auch nicht mehr richtig durchführen.

Im adamitischen Fall, also im zweiten Fall des Bewußtseins, dort wo sich Adam und Eva sinnlich-geschlechtlich verbunden haben um mit der Zeugung von Kain ihre Gottähnlichkeit zu beweisen erhielten sie also die Gelegenheit, sich wie Gott selbst zu Kain zu verhalten und das ging genau deswegen auch schief, weil eben die Zeugung von Kain nicht unter der Aufsicht Gottes und also auch nicht mit Seinem Einverständnis geschah, sondern dieser Akt der nur körperlich-fleischlichen Zeugung aus einer trotzigen Erwägung heraus geschah. Wäre diese Zeugung unterblieben, so wäre der Trotz von Adam und Eva noch weiter verringert worden und erst dann, wenn sie des göttlichen Einverständnisses sicher gewesen wären, wäre die Zeugung erfolgreich verlaufen und Kain hätte dann auch nicht seinen Bruder erschlagen, sondern diese geschwisterliche Beziehung hätte funktioniert.

Doch so, wie es damals stattgefunden hat, findet es auch heutzutage immer wieder statt und somit gibt es eigentlich keine richtig funktionierenden Geschwister, es gibt keine geschwisterliche Liebe in der Weise, wie sie es geben sollte, aber dafür gibt es nun all diese Bemühungen und Seelenkämpfe, daß nun der Trotz in der ehelichen Gemeinschaft vor allem abgebaut werden sollte und erst, wenn der eigene Ehepartner zum Bruder oder zur Schwester gereift ist, gibt es diese Art der Liebe, wo Kain den Abel eben nicht mehr

erschlägt.

Der Trotz gliedert sich demzufolge in die zwei großen Bereiche, die wir einmal als den luziferischen Fall ansprechen und zum zweiten bildet sich der Trotz aus jenem Anteil, wo es sich um die Zeugung eines Kindes handelt, das eben nicht unter der Aufsicht und unter der Liebesvorgabe des göttlichen Vaters geschehen ist. Für den luziferischen Anteil des Trotzes können wir vorerst nichts groß bewirken, denn er ist uns ja schon vor dieser irdischen Existenz gegeben, doch für den adamitschen Fall können wir etwas tun, indem wir die Zeugung unserer Kinder der Obhut Gottes unterstellen und indem wir, bevor wir selbst Eltern werden, das vierte Gebot in allem erfüllen.

Unser Versäumnis hier auf Erden ist also nicht allein diese luziferische Haltung unserer Seele, sondern vor allem dieses mehr adamitische, sich in der Sexualität sinnlich Ergreifende, welches bewirkt, daß wir unsere gottähnliche Stellung unseren Kindern gegenüber mißbrauchen, wenn und weil wir sie nicht unter der Obhut Gottes gezeugt haben, sondern uns aus eigenem Trotz von IHM abgewendet haben. Für diesen Anteil stehen wir nun auch in der Verantwortung und genau dieses Fehlverhalten bewirkt in unseren Kindern entsprechende Reaktionen, die wir dann sehr mühsam wieder korrigieren können. Doch hätten wir vorher unseren eigenen Trotz gezügelt und hätten wir die Erziehung unserer Eltern besser angenommen und umgesetzt, so würden wir

nicht unseren eigenen Trotz noch auf unsere Kinder übertragen haben.

Nun wird der eine oder andere einwenden, daß er noch keine Kinder gezeugt hätte und das ihn diese Problematik so auch nicht betreffen würde, also schauen wir einmal, ob das so auch stimmt. Wenn man Kinder hat, so wird man an diesen Früchten seiner Liebe

sicherlich auch deutlich sehen können – wenn man will – was man seinerzeit so alles falsch gemacht hat und sollte es, den eigenen Kindern zuliebe, dann auch schon korrigieren. Doch wenn diese Kinder als Früchte dieser Liebe noch nicht vorhanden sind, so bedeutet das jedoch nicht, daß man nicht den Trotz und die eigenen Verfehlungen von damals nicht sehen könnte, denn der Same ist ja schon da und es bedarf nicht unbedingt der Ausgeburt des Kindes um zu sehen, welchen Samen man in sich trägt. Welchen Samen man in sich trägt und welche Kinder sich daraus ergäben, kann man sicherlich sehr deutlich daran erkennen, wie man sich selbst zu seinen Eltern stellt.

Hat man von seinen Eltern gewisse Anteile übernommen und andere, noch näher dem Trotz stehenden Anteile noch nicht gereinigt, so wird man in genau diesen, noch dem Trotz unterstehenden Anteilen ja auch einen gewissen Trotzanteil in seinem Samen tragen und es ist unerheblich, ob dies nun einen Mann oder eine Frau betrifft, denn diesen seelischen Samen besitzen beide Geschlechter. Jeder Mensch kann für sich selbst wahrnehmen, inwieweit er noch diesen, seine Seele vergiftenden und ihn vom göttlichen Bewußtsein abhaltenden Trotz in sich trägt und dieser kommt vor allem auch dann heraus, wenn man mit einem Gefährten sehr intensiv zusammenkommt. Aber auch die Belastungen auf der Arbeit zeigen deutlich an, wo der Haken ist.

Bei der Reinigung vom Trotz gibt es die schon erwähnten, verschiedenen Phasen im Bewußtsein der Menschen und gerade diese Kindheitsphasen sind vor allem auch Trotzreinigungsstadien. Wir konnten ja sehen, wie sich da eine ungenügende Reinigung

aufgrund der familiären Problematik dann bis ins Erwachsenenalter verschiebt und sogar auf die Kinder und Kindeskinder übertragen wird. Krankheiten entstehen und werden ebenfalls vom Trotzanteil her verursacht, denn die saubere und reingeistige Seele hat ja nichts mehr, was in ihr verletzt oder krank werden könnte. Aber diesen Zustand einer reinen und reingeistigen Seele zu erreichen ist schon unglaublich schwierig für die schwache und gebrochene menschliche Seele. Sicherlich hat uns Jesus dort alles notwendige gezeigt und vorgelebt, doch wir sehen ja an uns selbst sehr genau, ob und inwieweit wir dem Folge geleistet haben und wenn wir da klüger zu Werke gegangen wären, dann bräuchten wir solch eine Schrift weder entwickeln, noch müßte sie von irgendjemanden gelesen werden.

In diesem Sinne könnte man die Bewußtsseinsstadien eigentlich auch als Trotzstadien ansprechen und die Schmerzen und Krankheit einer Seele so betrachten, daß sie durch den eigenen Trotz entstehen, der sich verletzt und beleidigt fühlt und tatsächlich glaubt, man trachte ihm nach dem Leben. Dabei ist es genau andersherum, denn der Trotz verzehrt das Leben und sollte durch geeignete, erzieherische Mittel in Liebe und Nächstenliebe verwandelt werden.

 

Die göttliche Gerechtigkeitsfunktion

 

Entscheidend zu wissen ist, daß eben das, was man in der Kindheit getan und erlebt hat, dann im Sinne der göttlichen Gerechtigkeit wieder auf einen zurückkommt und das, wenn man früher die Sichtweise des Kindes erlebte, man dann später die Sichtweise des betroffenen Elternteils erleben wird. Dann die eigene Kindheit aus der Perspektive des Vaters oder der Mutter erlebt und dann im Erwachsenenstadium entweder die erfolgreiche Kindheitsbewältigung an seinen eigenen Kindern sieht, oder aber die Probleme der Kindheit tauchen nun in den eigenen Kindern wieder auf. Es gibt kein Weglügen und es gibt kein Mittel, diese göttliche Gerechtigkeitsfunktion auszuschalten und somit ist diese, in den Kindern später erlebte Wiederkehr der eigenen Problematik von früher auch die eigentliche Chance, ein evtl. verpfuschtes Leben wieder in den Griff zu bekommen einfach deswegen, weil man seine Kinder liebhat und ihnen nichts Böses will.

Sehr oft haben gerade auch familiär belastete Kinder unglaublich liebevolle Erfahrungen mit anderen Menschen und oftmals mit Engeln oder mit dem himmlischen Vater selbst, ohne das es ihnen bewußt ist. Später mögen sie dann herausfinden, daß es der göttliche Vater selbst gewesen ist, der in einer entscheidenden Situation auf sie zugekommen ist und es gibt eigentlich kaum ein Kind, das nicht über solche oder ähnliche Erfahrungen verfügt. Wie oft haben gerade die kleinen Kinder durch ihren kindlichen Glauben an die Eltern und an die Liebe Gottes überhaupt Erfahrungen gemacht, wo ihnen Jesus freundlich und gütig entgegenkam und wo das kindliche Herz voller Freude jauchzend und glücklich war inmitten von Leid und Kummer der Eltern und wo manches kindliche Gebet in einer befreienden Liebe dem Herzen entsprang und frisch und fröhlich wie ein Quell das Wesen des Kindes berührte und es liebevoll gestaltete und wo dieser heilige und heilende Zauber der Liebe des Kindes dann auch wieder die Herzen der Familie berührte und sänftete.

Doch dann kommt eben mit aller Wucht wieder diese, das kindliche Gemüt bedrohende äußere Welt und diese innigste und schönste, aber eben noch sehr unbewußte Erfahrung verblaßt im täglichen Alltag. Nun jedoch können wir uns wieder bewußt solchen Erfahrungen zuwenden und sie aufs neue nicht nur im Gedächtnis beleben, sondern sie auch tatsächlich wieder neu und wunderbar, diesmal allerdings bewußt erfahren, wenn wir bereit sind unseren Trotz zu überwinden.

 

Das zweite Stadium im Bewußtsein des Kindes

 

Die Sphäre des Vaters und die Beziehung zur Außenwelt

 

Jenseits des Milchzahnstadiums beginnt für das Kind eine Zeit, wo es sich der Außenwelt mehr und mehr zuwendet und deshalb die schützende Sphäre der Mutter und des Elternhauses verläßt. Es beginnt die Zeit der schulischen Ausbildung, es beginnt die Zeit, wo sich das kindliche Bewußtsein mehr nach außen öffnet, Beziehungen zu anderen tätigt und schon mehr in die Sphäre des Vaters gelangt und mit ihm einiges erlebt, wo andererseits aber die Mutter noch immer ein Mitspracherecht hat. Hat solch ein behütet aufgewachsenes Kind in einer guten Eltern-Kind Beziehung dort keine negativen Seelenmuster gebildet, so wird es auch den Kampf oder die Einstellung gegen den Vater nicht nach außen übertragen, es wird überhaupt nichts in solch einer, die Seele belastenden Art und Weise nach außen tragen, einfach deswegen, weil solch ein Kind das auch nicht erlebt hat.

Das zweite Seelenmuster der negativen Geschwisterliebe, wo es mit seinen Geschwistern gegen den Vater und später gegen die Mutter streitet, oder wo es sich als Folge dessen dann auch schon wie Ersatzeltern gegenüber anderen aufspielt, wird es so dann auch nicht geben können. In einer wahren christlichen Erziehung so, wie es von oben her gedacht ist, mit der Erfüllung der Gebote – und hier vor allem des vierten Gebotes geregelt ist, werden sich deshalb auch keine negativen Seelenmuster ergeben können, doch ist solch ein Fall sicherlich sehr selten und genau deshalb schauen wir eben auf die anderen Fälle, bei denen sich diese negativen Seelenmuster gebildet haben.

Wie sieht es dort z.B. mit dem kleinen Jungen aus, der jetzt im Alter von 7-14 Jahren sich in der Schule, zuhause und unter seinen Freunden bewähren soll und mit seinem Wesen die Bestätigung der von den Eltern übernommenen Werte und Moralvorstellung leisten sollte. Er wurde von seiner Mutter im Milchzahnstadium erheblich verwöhnt und damit an Leib und Seele geschwächt, er organisierte sich mit seinem Bruder gegen den Vater, denn er und sein Bruder trugen die Last der Mutter mit, die selbst mit ihrem bisherigen Leben nicht klargekommen ist und somit rutschte ein Teil der mütterlichen Unreife auch wieder in das kindliche Bewusstsein dieses Jungen ab und belastete ihn umso mehr. Die Folge dessen ist eben die Bildung dieser zwei negativen Seelenmuster, zuerst gegen die väterliche Sphäre und dann auch der Zusammenschluß mit anderen gegen die Autoritäten. Die antiautoritäre Erziehung ist dann auch schon die Folge davon, wenn zuerst die Autorität des Vaters beschnitten wird und zweitens dann auch die Mutter ihre Autorität gegenüber ihrem verwöhnten Kind verliert. Dieser Junge lernte es nun, sich mit anderen gegen die Autoritäten zu verbünden und das bewirkte eine gewisse Disziplinlosigkeit im Umgang mit der Schule und mit all den anderen häuslichen Pflichten und Arbeiten. Auch Arbeiten, die mehr im Äußeren stattfinden, wie z.B. Rasenpflege, Gartenarbeiten, etc. wurden sehr unwillig ausgeführt. Wenn er mit anderen eine Beziehung einging, dann handelte es sich primär darum, sich einen Beistand gegen etwas zu verschaffen und weniger darum, für etwas zu sein. Es wurde also mit Freunden

nichts positives in der Richtung entwickelt, daß nun in Bezug auf die äußere Welt und ihre Arbeitsbeziehungen etwas Aufbauendes getan wurde, sondern die Freunde vertraten den kleineren Bruder im Einsatz gegen die äußere Welt, gegen die Schule, gegen den Vater, gegen die Autoritäten und andererseits wurde der mütterliche und behütende Schutz auch bei und mit ihnen gesucht. Es fiel diesem Jungen sehr schwer, sich in die Berufswelt einzugliedern, denn die arbeitsmäßigen Pflichten zuhause wurden

nur als Zwang erlebt und er konnte nicht einsehen, wozu die Berufswelt nötig ist. Darum trug er noch immer einen sehr starken Trotz gegen alles, was von außen auf ihn zukam und wollte diese mütterlich-behütende Sphäre nicht loslassen. Darum war es für ihn sehr schwierig, sich in der Schule zu konzentrieren und somit hatte er erhebliche Lernprobleme. Nach einer Arbeit im Hause oder im Garten beispielsweise hinterher alles aufzuräumen, war dann beinahe unmöglich und es kostete die Eltern sehr viel Mühe, ihm

die Grundbegriffe der Ordnung einzubläuen und das gelang auch nur, weil sich der Vater dann endlich doch durchsetzte und den negativen Einfluß der Mutter überwand um den Preis, daß er nun mit beiden wieder sehr großen Streß bekam.

Der Freundeskreis war ähnlich strukturiert und konnte auch nicht anders sein, denn sie entstammten ja ähnlichen Verhältnissen und so gab es einen allgemeinen Konsens gegen die Welt der Eltern, vor allem gegen jene des Vaters und so wurde dieses Stadium des „Heiden“ nicht richtig absolviert. Entsprach die Zeit davor jenem Zustand im Bewußtsein des Kindes, wo es noch mehr nomadisierende Züge trug und durch eine kluge mütterliche Erziehung innerlich seßhaft gemacht wurde, so sollte diese Zeit nun dafür Sorge tragen, daß dies Kind nun zum Wohle der Familie wirkte, sich freiwillig in diese Struktur einfügte und eine deutliche Nächstenliebe auftreten konnte und sich unter der Obhut des Vaters nun auch bewährte. So wie der Heide im Gegensatz zum Nomaden seßhaft ist, seine Äcker und Felder bestellt, sich daraufhin Berufszweige ergeben und sich eine rege Arbeitswelt auf der soliden Grundlage der Familie entfaltet, so sollte sich das Kind in diesem Stadium entwickeln, um dann im nächsten auch diese äußere Welt erfolgreich in Besitz zu nehmen. Für den Jungen war dies so nicht möglich, denn er schleppte aus dem ersten Stadium noch zu viele Belastungen seitens seiner Mutter mit. Im zweiten Stadium bekam er noch zusätzlich einiges von seinem Vater aufgebrummt und so dauerte es auch nicht allzulange, bis er im Kreuz mit beiden stand und dann sehr schnell das elterliche Haus verließ.

Dem Vater war es nicht bewußt, daß er sich seinem Kinde vermehrt zuwenden, es anleiten und anlernen sollte, es geduldig führen sollte und mit ihm eine Vater-Kind Beziehung aufbauen sollte, es auf die Arbeitswelt vorbereiten sollte, aber intuitiv versuchte er sein bestes und für den Jungen selbst war es nicht so leicht, diese negativen Vorgaben der Mutter zu überwinden. Auch identifizierte der Vater sein eigenes Kind noch mehr als im Bannkreis der Mutter stehend und lag im ständigen Clinch mit der Mutter gerade auch wegen dieser kindlichen Erziehung, die ja nun eigentlich in seinem Bereich fiel. Aber die Mutter ließ ihr Kind nicht freiwillig aus ihrem Bereich und so gab es ein ständiges Hin- und Her. Doch taten sich hier schon die ersten Risse zwischen Mutter und Kind auf und der Vater konnte etwas in der Liebe tun und dort eindringen. Aber jedesmal, wenn er in den Augen der Mutter zu streng reagierte, schloß die Mutter wieder die Festung, zog die Brücken hoch und der Vater blieb isoliert und einsam außen vor. Wenn der Vater dann den Fehler beging und in seiner Enttäuschung oder Wut gewaltsam gegen diesen seelischen Mißbrauch der Mutter vorging, dann wurde der Graben zwischen ihnen noch tiefer.

Der Vater projizierte seinen Ärger gegen seine Frau dann auf sein Kind und nahm dadurch die Gegenstellung ein. Hier im konkreten Fall war es so, daß der Vater selbst eine sehr schwache Mutter hatte, die ihn entsprechend verwöhnte und dann dafür einen sehr gestrengen Vater erlebte, der das korrigieren wollte. Also hatte er ein ähnliches Seelenmuster wie seine Frau, die ja selbst auch von ihrer Mutter verwöhnt wurde und dann einen strengen Vater erlebte. Allerdings hatte der Vater seine Erziehung nun doch schon besser verdaut und einiges von seinem Vater angenommen, doch nun, in seiner eigenen Familie, erlebte er mit seinen Kindern, wie auch bei ihm alles von früher auf ihn zurückkam und er jetzt einmal die Sichtweise seines eigenen Vaters erleben konnte, der

seinerzeit mit ihm Streß gehabt hatte. Nun erlebte er die Sichtweise seines damaligen Vaters und er selbst sah sich in der Handlungsweise seines Sohnes ihm gegenüber. Aber es war ihm nicht so bewußt, daß er sich eigentlich selbst in der Handlungsweise seines Sohnes ihm gegenüber so erlebte, wie sein Vater ihn damals erlebt hatte.

Also beide Elternteile erlebten in ihren Kindern, wie sie selbst zu ihren Eltern gestanden haben und wie sich die Erfüllung oder Nichterfüllung des vierten Gebotes dann sehr deutlich bei ihnen selbst zeigte. Auch hier kann man diese göttliche Gerechtigkeitsfunktion sehr gut wahrnehmen. Entweder haben die Kinder eine „Heidenangst“ vor dem Vater, weil sie soviel Trotz in sich tragen und sich von der Mutter her gegen ihn organisieren, oder aber sie nehmen ihren Vater in all der Liebe an und bestätigen ihm damit auch die Liebe der Mutter.

 

Die Heidenangst der Kinder vor der Welt

 

Von der Mutter verwöhnte Kinder erleben dann eine sehr unangenehme väterliche Welt und bekommen als Gegenmaßnahme zu ihrem kindlichen Trotz dann auch eine harte Gegenwehr seitens ihres Vaters zu spüren und je nachdem, wie sie ihre Eltern annehmen und in der Liebe verbleiben, bleibt also ein unerledigter Trotzrest übrig, der dann wieder auf sie zurückkommt. Entweder in der Beziehung zur Arbeit in den Auseinandersetzungen mit anderen Menschen oder dann, wenn sie denn selbst Vater oder Mutter geworden sind. Der Trotzrest ist jener Anteil, wo sie die Erziehung ihrer Eltern nicht mehr annehmen und sich aus dieser Erziehung verabschiedet haben. Ist in ihnen noch das mütterliche Seelenmuster gegen ihren Vater aktiv, so können sie dieses

Stadium, wo der Nomade zum Heiden gewandelt werden soll, nicht richtig akzeptieren und erleben dann einiges von dem, wo man den Ausspruch verwendete, daß solche Kinder, oder eben die besagten Nomaden, dann eben eine Heidenangst bekämen.

Die Heidenvölker haben eine Heidenangst vor den alttestamentarischen Völkern wie den Juden, den Moslem und den Christen, die noch sehr nahe dem alten Standpunkt von Auge um Auge und Zahn um Zahn stehen. Dieser Standpunkt ist eben der alttestamentarische Standpunkt. Die damaligen Heiden, als eigentliche Nomaden, waren oftmals wie vor Angst betäubt, wenn sie sich den Römern oder den späteren, schon christlich gewordenen Germanen gegenübersahen und selbst der Kampf zwischen den mehr alttestamentarischen Franken gegen die noch heidnischen Sachsen trug viele grausame Züge, denn die Franken unter Karl dem Großen machten kurzen Prozeß mit den Heiden. Dieses Stadium im Bewußtsein der Völker kommt, wie gesagt, also auch in der kindlichen Erziehung wieder zum Ausdruck. Wenn der eigene Vater dann diesen fränkisch-alttestamentarischen Standpunkt einnimmt und sehr streng und z.T. auch gewaltsam gegen seine (Heiden) Kindern vorrückt, so bekommen diese gewissermaßen eine Heidenangst vor solchen noch nicht völlig christlich gewordenen Vätern und organisieren sich dann lieber mit anderen gegen diesen Vater, als das sie in der Demut verbleiben und dessen Gerechtigkeit annehmen.

Wenn nun der Vater vollends in der Liebe bleibt, daraufhin den wahren christlichen Standpunkt erkennt und dann eben sein Kreuz mit seiner Frau und seinen Kindern trägt, dann kann und wird er dieses Seelenmuster zwischen Mutter und Kind verhindern und wird dann stellvertretend für den alttestamentarischen und gestrengen Vater seiner Frau und auch stellvertretend für seinen eigenen Vater, der ähnlich war, dann vieles von dem abarbeiten, was die beiden Väter von dem wahren christlichen Standpunkt trennten, denn er wird es nun an sich selbst erleben. Er wird nun an sich selbst den Standpunkt seines Vaters erleben und kann, in der Liebe zum Nächsten begriffen, nun auch diesen alttestamentarischen Standpunkt überwinden und vollends christlich werden. Doch ohne die Kenntnis von Jesus Christus und ohne eine entsprechende Liebe zu IHM geht das nicht. Solch ein Vater, oder solch eine Mutter, kann es in dieser größeren Liebe und Reife dann verhindern, daß sich in den Kindern diese zwei sehr negativen Seelenmuster bilden und vor allem können sie es verhindern, daß sich die Geschwister untereinander gegen beide oder gegen einen von ihnen organisieren.

Wir sehen also verschiedene Standpunktebenen zwischen den Kindern und den Eltern und sogar den Großeltern, und alles kulminiert in solch einer gegenwärtigen Situation, wo das Kind gewisse Verhaltenszüge aufweist, die von der Mutter oder von dem Vater übernommen wurden. Über viele Generationen zieht sich der Entwicklungsprozeß vom Nomaden zum Heiden und zum Christen hin, aber er kann auch innerhalb nur einer Generation erfolgreich durchlaufen werden, wenn die Eltern diesen christlichen Standpunkt mehr oder weniger schon an sich erleben und der Trotzrest, den sie ihren Kindern nicht abringen konnten, muß von diesen dann eben selbst wieder korrigiert werden und wenn nicht, dann kommt von Außen sogleich ein entsprechendes Korrektiv in Form von Katastrophen, Unfällen und Krankheiten auf sie zu.

Nun befinden wir uns dort, wo sich die Kinder im Alter zwischen 7 – 14 Jahren aufhalten, mit einer gewissen Toleranz von einigen Jahren kann es auch zwischen 8- 16 sein, jedenfalls ist dies die Phase, wo im kindlichen Bewußtsein der heidnische Standpunkt entwickelt und überwunden werden soll, bis im nächsten Schritt dann eben das alttestamentarische und dann auch christliche Bewußtsein erreicht werden sollte. Was für den Vater mit der Überwindung des alttestamentarischen, strengen Standpunktes von Auge um Auge und Zahn und Zahn gilt, hat also sein Pendant in der Situation der Mutter, die natürlich ebenfalls alttestamentarisch sein kann und nun weiter zur Christin geführt werden könnte. Das gilt für beide Elternteile gleichermaßen.

Hier, im Fall des Jungen, haben wir allerdings einen allgemein, weitaus verbreiteteren Typus einer Familie aufgegriffen, denn in der Mehrheit ist die Frau in den heutigen christlichen Kulturen doch sehr verwöhnt und schwach geworden und ist unter der Schwelle der alttestamentarisch starken und zähen Frauen nun doch schon in das Weichbild der heidnischen Frauen abgeglitten. Solch eine Frau wird, wenn sie einen mehr alttestamentarischen Ehemann erlebt, es dann sehr schwer haben und wird sich automatisch mit ihren Kindern gegen diesen gestrengen Ehemann organisieren. Aber gerade deswegen kann solch ein Vater und Ehemann dann auch die restliche Hürde im Bewußtsein überwinden und vollends christlich werden, wenn er sein Kreuz auch annimmt und trägt.

Im Idealfall würden sich zwei schon christlich gewordene Menschen ergreifen, in einer wunderbaren Liebe annehmen und könnten dies ihren Kindern vermitteln, aber dieser Fall ist sehr selten und häufiger ist es, daß einer von den Beiden alttestamentarisch ist und der andere ihn dann in Liebe trägt und ertragen muß, bis beide Ehepartner dadurch gereift, dann vollends christlich geworden sind. Gut, das werden wir in späteren Kapiteln

noch genauer beleuchten, hier soll es vorerst nur angerissen sein.

 

Die Seelen-Muster im Heidenstadium

 

Nun haben wir im Milchzahnstadium gesehen, wie sich dort die Seelen-Muster bilden und die Mutter sich einmal zusammen mit dem Kind oder den Kindern gegen den Vater stellt, wie zum zweiten sich die Geschwister untereinander zuerst gegen den Vater und später dann auch gegen die Mutter organisieren, wie sich drittens dann auch schon elterliche Ersatzstrukturen bei den Kindern so leicht herausbilden können, indem das ein oder andere Kind dann eben die mütterliche oder die väterliche Rolle übernimmt. Wir haben also drei große Muster der Seele herausgearbeitet und wollen nun einmal schauen, wie sie sich im Heidenstadium entwickeln, wo sie noch viel gravierender wirken, als im ersten Stadium des Kleinkindes.

 

1. Seelen-Muster gegen den Vater

 

Im zweiten Stadium des kindlichen Bewußtseins, dort wo sich nun die richtigen Zähne bilden und sich das Kind der Außenwelt zuneigt, sollte sich normalerweise eine freudige, aufnahmebereite Einstellung ergeben, die für ein seelisch gesundes Wachstum unabdingbar ist. Wenn jedoch, wie wir vorher gesehen haben, im ersten Stadium noch etliche Trotzreste nicht abgeleistet werden konnten, weil die Seelenreinigung des Kindes nicht vollständig gelang, so wird sich hier das erste große Seelenmuster gegen den Vater noch weiter verstärken und die Brisanz dieser Seelenbelastung noch weiter erhöhen. Allerdings kann durch einen weiteren Reifeprozeß der Eltern - und hier besonders auch des Vaters - dieses kindliche-mütterliche Paradigma abgebaut und überwunden werden. Es ist also nicht unabdingbar, daß diese Seelenprägung der Kleinkindphase auch ins nächste Stadium gelangt, vor allem dann nicht, wenn die Eltern sich um eine gute und vor allem auch um eine christliche Beziehung zueinander bemühen und ihre interne Kommunikation verbessern. Andererseits können sich diese Seelen-Muster ab hier neu bilden und sie müssen im Milchzahnstadium noch nicht deutlich herausgetreten sein.

Was aber, wenn die Mutter ihrem Kind nun doch diese Einstellung gegen die angeblich böse, väterliche Welt eingeflößt hat und hier im zweiten Bewußtseinsstadium des Kindes eine Fortsetzung findet? Wie schon erwähnt, werden die Leistungen in der Schule und in der häuslichen Pflicht nicht so berühmt sein, werden gewisse Freunde dieses Muster sogar noch verstärken und vor allem wird der Riß zwischen den Eltern noch größer werden. Der Vater gelangt in eine zunehmende Isolation gegenüber seinem Kinde und das Kind wird der Zankapfel seiner Eltern werden. Im Extremfall können die Eltern bei einem trotzigen Kind, daß sich dann zu sehr seiner Mutter zuneigt, um seinen häuslichen Pflichten zu entgehen, ihre eheliche Beziehung lösen. Die Mutter wird mit solch einem „bösen“ Mann nichts mehr zu tun haben wollen und der Mann wird gegen die Allianz von Mutter und Kind nichts mehr bewirken können und später auch nicht mehr wollen, weil er aus der bösen Ecke, in die er gedrängt wurde, nicht mehr hinaus gelangt.

Oftmals fängt der Mann dann an, nach einer „Ersatzliebe“ zu greifen und ein gewisser Alkoholkonsum stellt sich dann automatisch ein oder andere Ersatzmittel zum Streßabbau werden benötigt und das alles nur, weil der interne Trotz in dieser Familie nicht überwunden werden kann. Ein zweites Kind innerhalb solch einer Ehe kann wieder völlig anders sein und braucht überhaupt keinen nennenswerten Trotz zu haben. Dann können sich die beiden Kinder untereinander sehr verschieden verhalten und der eine kann Züge von Kain aufweisen und der andere welche von Abel. Jedenfalls ist die Bandbreite der Reaktionen und der kindlichen Verhaltensweisen aufgrund der unterschiedlichen Charaktere sehr groß.

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Auch hier kann man diese göttliche Ausgleichsfunktion erkennen, denn wenn z.B. ein Kind mit einem großen Trotzfaktor in eine belastete Ehe hineingeboren wurde, so wird oder kann das nächste Kind dann umso weniger belastet sein und wird von sich aus schon eine gewisse, ausgleichende Seelenverfassung mitbringen. Solche verschiedenen Kinder werden sich untereinander arrangieren und das eine Kind kann dann vieles von dem verhindern, was das andere Kind ohne weiteres tun würde. Dadurch wird sehr häufig auch die Bildung der negativen Geschwisterliebe gegen den Vater verhindert, weil dort ein Kind sehr ausgleichend und sanftmütig ist. Auch die Kinder untereinander können deshalb wieder ausgleichend auf die eheliche Situation ihrer Eltern wirken und es muß nicht sein, daß die Mutter z.B. alle ihre Kinder gegen den Vater einnimmt.

Hier, im Heidenstadium, findet noch einmal eine große Entscheidung statt, ob das Kind noch im Bereich der Mutter verbleiben will oder ob es sich nun verstärkt auch dem Vater

zuwendet? Von der Entwicklungsgeschichte der Seele aus betrachtet sollte das Kind im Heidenstadium allerdings in die Sphäre des Vaters gelangen, um dort für die spätere Außenwelt vorbereitet zu werden und die Mutter sollte ihr Kind in all der Liebe auch dem Vater übergeben. Vorher, wo die Mutter sich um das Kind gekümmert hatte, trug sie in ihrer Liebe zum Mann ja auch diesen Liebesanteil in ihrer Erziehung und somit erhielt das Kind auch diese väterliche Liebe, wenn auch mehr indirekt. Nun kehrt sich dieses Verhältnis um und der Vater wird in seiner Liebe zu seiner Frau sich dieses Kindes etwas stärker annehmen und somit ist in seiner Zuwendung zum Kind auch der mütterliche Anteil indirekt enthalten.

In dem dritten Stadium des Kindes, dort wo es sich um die Erziehung des jugendlichen Bewußtseins handelt, sind dann wieder beide Elternteile zuständig und wirken mehr oder weniger deutlich zusammen, um ihr Kind bis in die Volljährigkeit zu führen und als

selbständigen Menschen in die Außenwelt zu entlassen. Dieses dritte Stadium beginnt dort, wo im Allgemeinen die Pubertät beginnt und endet ca. im Alter von 21-25 Jahre. Dann sollte das vierte Gebot in aller Liebe und Achtung von Seiten des jungen Erwachsenen erfüllt sein. So gründet sich eins aufs andere und alles spielt in wunderbarer Weise zusammen, damit die kindliche Seele sich weiter bis hin zum Erwachsenen ausbilden kann. Die große Gefahr dabei ist jedoch, daß aus dem ersten Seelen-Muster gegen den Vater sich ein zweites nun sehr deutlich herauskristallisiert, und dieses zweite Muster ist das schon bekannte der negativen Geschwisterliebe.

 

2. Seelen-Muster der Geschwister gegen die Eltern

 

Dieses Seelen-Muster der Geschwister untereinander gegen den Vater und später auch gegen die Mutter ist deshalb negativ, weil es gegen die Eltern gerichtet ist. Wenn die Mutter anfänglich aufgrund ihrer Unreife den Fehler begeht, sich mit ihrem Kind oder Kindern gegen den eigenen Mann zu organisieren, so hat sie den Kindern damit ein negatives Seelen-Muster aufgeprägt. Es ist unerheblich, ob sie es gut gemeint hat oder nicht, die Tatsache bleibt bestehen, daß sie die erste Liebe ihres Kindes gegen etwas verwendet hat, anstatt es für etwas zu entwickeln. Also nicht gegen  den Vater sondern für und mit ihm und ebenso darf der Vater im zweiten Stadium, dem Heidenstadium, nicht ähnlich unreif reagieren und nun mit dem Kind zusammen sich gegen seine Frau verbünden, denn dann würde er das negative Muster ebenfalls verstärken.

Wichtig vor allem ist, daß überhaupt keine negative Geschwisterliebe gebildet werden kann, die also nur deshalb entsteht, weil und wenn die Mutter ihre Kinder gegen den Vater negativiert. Die Kinder untereinander bekommen dann ihre „Heidenangst“ vor dem angeblich so bösen Vater und verbünden sich lieber miteinander gegen ihn, als das sie füreinander da sind und ihren Eltern in christlicher Liebe helfen. Das negative Geschwistermuster hat deshalb ähnliche Züge wie das Seelen-Muster zwischen Mutter und Kind, denn beide Muster negativieren gegen etwas und erleben den jeweils anderen als böse. Doch wer empfindet es, ob etwas böse ist oder nicht? Und hier sind wir wieder bei unserem allseits bekannten Trotz, denn nur dieser entscheidet, wer, wann und warum böse ist. Böse für den Trotz ist es also, wenn man ihn in seinem Ausdruck beschneidet und weil dies vorwiegend durch die väterliche Strenge geschieht, so ist aus

der Sichtweise des kindlichen Trotzes heraus der Vater dann eben böse.

Doch wie wir gesehen haben, kann es durchaus auch eine gestrenge Mutter sein, die vom kindlich-trotzigen Bewußtsein für Böse erklärt wird und es kann abweichend vom Normalfall dann eben auch der Vater sein, der gutmütig und sanft die eben schroffe Mutter mildert und solch ein Kind erlebt dann eben die eigene Mutter als sehr böse.

Ein positives Geschwistermuster wäre sicherlich auch möglich und weitaus besser als das negative, denn dann verbünden sich die Kinder untereinander, um ihren Eltern zu helfen, und tun dann genau das Gegenteil von dem, was sie bei der Anwendung des negativen Geschwistermusters unternehmen. Das setzt allerdings relativ wenig Trotz im kindlichen Bewußtsein voraus und setzt vor allem auch eine kluge Mutter voraus, die dort den Fehler ihrer Kindheit, gegen ihren eigenen Vater zu sein, nun nicht noch auf die

gegenwärtige Situation überträgt und in ihrem Mann stellvertretend den eigenen Vater von früher bekämpft.

Diese negativen Seelen-Muster sind für den kindlichen Trotz auch leichter zu bilden als die positiven, denn die positiven setzen ja den gewissen Trotzabbau voraus, denn kein trotziges Kind kann etwas Gutes für andere bewirken, sondern wird nur immer für sich selbst etwas fordern. Eine gemeinsame Geschwisterliebe zum Wohle des Elternhauses setzt also voraus, daß diese Trotzanteile in der kindlichen Seele schon weitgehend abgebaut und in Nächstenliebe verwandelt worden sind. Erst dann können die Geschwister für etwas sein und sind dann auch relativ immun gegenüber den strengeren Handlungen ihrer Eltern, weil sie deren Berechtigung durchaus einsehen.

Wie wir später noch sehen, können diese negativen Geschwistermuster dann in positive verwandelt werden und sollten es auch, denn sonst ist die Entwicklung der eigenen Familie noch immer bedroht und anstelle des angeblich bösen Vaters oder der bösen Mutter, wird dann die äußere Welt für böse erklärt und in Folge auch so erlebt. Hier im Heidenstadium erfolgt jedenfalls noch einmal eine bewußte Auseinandersetzung mit der Sichtweise der Mutter und es kann der Vater in Liebe erkannt und angenommen werden oder aber diese negative Einstellung gegenüber dieser väterlichen Ordnung wird sich mit den Geschwistern verbünden, und Mutter und Kinder werden ein Bollwerk gegen den Vater errichten und ihn isolieren.

Nehmen wir zur Verdeutlichung noch einmal einen konkreten Fall, diesmal eines kleinen Mädchens im Alter von 8 Jahren. Dieses Kind wurde, weil es unter den Geschwistern das einzige Mädchen gewesen ist und dazu auch noch die jüngste, von seinen Eltern verständlicherweise besonders geliebt und schaffte es auch, diese Vorzugsstellung durch seine kindliche Raffinesse auch gegen die an sich fleißigeren Geschwister aufrechtzuerhalten. Die Geschwister, die schon mehr in Haus und Garten arbeiten und wirken mussten sahen es nicht gerne, wie sich ihre jüngere Schwester da hinter dem Rücken ihrer Mutter verschanzte und ihrer Aufgaben nicht nachkam und auch der Vater war nicht in der Lage, sich gegen die Mutter und ihrem Kinde zu behaupten. Zudem war der Vater auch noch zusehr von seiner Tochter angetan, denn er hatte sich ja immer ein Mädchen gewünscht und von daher vermochte er es auch nicht, dort in einer konsequenten Strenge vorzugehen. Allerdings sah er so einiges, was ihm bei seiner Tochter nicht gefiel und dennoch vermochte er es nicht, sich gegen Mutter und Tochter konsequenter durchzusetzen und so erlebte die Tochter einen Vater, den sie eben doch noch bezirzen konnte.

Bei den Jungen hatte diese Erziehung von Vater und Mutter noch so eben funktioniert, doch bei diesem Mädchen ging es nicht mehr, weil sich die Mutter sofort in ihrer Schwäche und in ihrem Trotz mit ihrer kleinen Tochter gegen diese väterliche Welt verbündete. Deshalb gab es doch noch Streß mit dem Vater auch wegen der anderen Kinder, die die Mutter noch immer zu sehr an sich gebunden hielt. Dann kam jedoch noch ein Kind zur Welt und dies war ein Junge, der also unvermutet das Licht der Welt erblickte und damit ganz eindeutig diese Vorzugsstellung seiner Schwester bedrohte. In ihrer kindlichen Liebe hätte das Mädchen durchaus ihren jüngeren Bruder herzen und liebevoll annehmen und behandeln können, doch weil hier die Mutter sich mit ihrem jüngsten Kind nun wieder eine Auszeit in der Familie gönnen konnte und dies auch in der internen Auseinandersetzung mit ihrem Mann nötig hatte, so nahm sie ihrerseits ihr Kind besonders an die Brust und machte es nun zum erklärten Liebling.

Das war nun nicht einmal falsch, denn dadurch konnte die Tochter einmal in eine demütigere Phase gelangen und musste vieles von ihrer Vorzugsstellung neu bewerten, doch leider hatte die Tochter mit dieser neuen Situation da ihren großen Kummer, denn sie war darauf nicht vorbereitet und die Mutter kümmerte sich ab dem Moment auch nicht mehr groß um ihre Tochter und die Brüder empfanden diese Gegebenheit als durchaus positiv, denn nun wurde die Schwester endlich einmal zur tätigen Mithilfe angeleitet. Alles war soweit in Ordnung, für das kleine Mädchen im Alter von 8-9 Jahren allerdings brach nun die alte und gewohnte Ordnung ihrer Vorzugsstellung zusammen.

Was geschah daraufhin? Die kleine Schwester sah und empfand ihren jüngeren Bruder eindeutig als Bedrohung und ein gewisser eifersüchtiger Effekt trat ein. Nicht so sehr, daß man in dieser Schwester hätte Kain erblicken können, der nun aus Eifersucht seinen Bruder erschlug, aber eben so kleinere Trotzwerte waren vorhanden und die Eifersucht der Schwester gegenüber ihrem Bruder war schon erheblich. Dadurch, das die Mutter es versäumt hatte, diesem Mädchen deutlicher ihren Trotz auszutreiben und der Vater da auch nicht aufgepaßt hatte, wirkte sich dieser kindliche Trotz nun erheblich gegen den jüngeren Bruder aus.

Es hätte sich normalerweise ein positives Muster bilden können, indem das Mädchen zusammen mit ihrer Mutter sich um den jüngeren Bruder kümmern und auch sonst ihrer Mutter im elterlichen Hause mehr unter die Arme greifen würde, aber genau das hat der kindliche Trotz verhindert und somit blieb dem Mädchen nur, daß es eine zunehmende Bedrohung in der Existenz ihres Bruders sah. Letztlich verstarb der Bruder dann einfach

plötzlich und die Mutter hat sich von diesem Schock nie wieder erholt und funktkonionierte ab diesem Zeitpunkt nicht mehr. Auch für das Mädchen verbesserte sich dadurch nichts, denn die Aufmerksamkeit der Mutter blieb verloren und so setzte sich dieses Kind dann schon im jugendlichen Alter von ihrem Elternhaus ab und hat seit diesem Vorfall ein unerledigtes Mal in ihrer Seele, denn sie hat einen Bruder verloren, den sie noch nicht lieben gelernt hat und hat darüberhinaus auch ihre Mutter verloren und sie hat ihre Vorzugsstellung verloren.

Dieses Mädchen ist dann nie richtig aus der Sphäre der Mutter freigekommen und ist schon gar nicht in die Sphäre des Vaters gelangt, sondern vom Trotz und Eigensinn getrieben verließ sie vor der nötigen Reife eben ihr Elternhaus und zog hinaus in die weite Welt. Sie suchte in fremden Ländern und Kulturen das Heil ihrer, schon in der Kindheit zu Schaden gekommenen Seele, aber sie konnte es dort nicht finden. Hier erkennt man auch das Gleichnis vom verlorenen Sohn wieder, wenn auch die Verhältnisse etwas verschieden sein mögen.

 

Das Gleichnis vom verlorenen Sohn

 

Wenn das Kind nicht richtig in die Sphäre der väterlichen Zuneigung und Liebe gelangt, so fühlt es sich durch seinen eigenen Trotz bedingt dann dermaßen unwohl in der Nähe des Vaters und seiner kleinen und beschaulichen Welt, daß es sich nach der großen Weite der Welt sehnt und dann auch schon nicht mehr zu halten ist, denn diese nomadenhaften Züge sind in seinem Wesen noch zu stark und die Seßhaftigkeit des gutmütigen Heiden muß dann eben über sehr strenge Erfahrungen von außen erlernt werden.

Im Gleichnis vom verlorenen Sohn ist dieser Umstand deutlich zu sehen, denn dieser Sohn hielt den gestrengen Vater nicht aus, wollte vor der Zeit sein irdisches Erbe ausgezahlt bekommen, denn das geistige Erbe des Vaters hat er nicht gewollt. Dann trieben ihn diese noch trotzig gebliebenen, nomadenhaften, vagabundierenden Züge in seinem Wesen fort und als das materielle Erbe verpraßt war – und ein geistiges ja noch nicht erworben worden ist, stellte sich die Sehnsucht nach dem Vaterhause wieder ein. Dem Kind ging es in der Fremde zu schlecht und darum wollte es wieder heim. Genau so ist dies auch bei diesen Kindern und ebenso ist es also auch bei diesem Mädchen und der dann schon erwachsen gewordenen Frau geschehen. Die doch sehr kargen und unzumutbaren Verhältnisse in der Fremde trieben das Kind immer wieder zurück, aber es hat die beengten Verhältnisse im väterlichen Haus dann doch nicht richtig angenommen und konnte sein damaliges, kindliches Fehlverhalten weder erkennen, noch revidieren.

Ähnlich schwach, wie es der Vater seiner Tochter gegenüber war, erwählte sie sich dann auch schwache Männer und so konnte dann auch keine erfolgreiche Familie gegründet werden und die ehelichen Beziehungen konnten sich einfach nicht entwickeln. Ihr gänzlich unbekannt gab es ja diese verschiedenen Seelen-Muster, wobei jenes Geschwistermuster, welches sie sehr eifersüchtig auf ihren kleinen Bruder schauen ließ, ihr dann immer wieder im Wege stand. Wurde in ihrer Situation einmal ihre Stellung als Nr. 1 bedroht, dann reagierte sie sehr schroff oder sehr unglücklich und depressiv, jedenfalls hatte sie nie gelernt, mit solch einer Situation umzugehen. Dieser Konflikt brannte auf ihrer Seele und so suchte sie unbewußt durchaus die Lösung und versuchte, sich in christlichen Kreisen mit Brüdern und Schwestern zu umgeben und dennoch war es ihr nicht möglich, dort einen Bruder oder eine Schwester für bleibend zu erhalten. Immer wieder verlor sie ihre Brüder und Schwestern auf eine für sie unbegreifliche Weise. Das dies an ihrem Seelen-Muster lag, welches ihre Seele ständig im Vordergrund sehen wollte und aufgrund dieser Rang- und Eifersucht jeden Bruder wieder eliminierte, ist ihr dann nicht bewußt gewesen und so häuften sich dort die gewissen Erfahrungen. Einerseits trieb es sie hinaus in die Fremde, wo sie aber immer wieder umkehren mußte und andererseits verlor sie dort oder in der Heimat immer wieder ihre Geschwister.

 

3. Seelen-Muster des Kindes als Schwester oder Bruder der Eltern

 

Wenn nun die Mutter oder der Vater jeweils eine sehr starke Bindung an das Kind haben und aufgrund eigener Probleme dort im Heidenstadium das Kind nicht als Kind, sondern eher wie eine Schwester oder wie einen Bruder heranzieht und behandelt, so wird solch ein Kind viel zu früh auf eine Position mit seinem kindlichen Ich gehoben, wo es in Wirklichkeit nicht hingehört, sondern wo es noch sehr viele Jahre benötigt, um sich dort auf natürliche Weise hin zu entwickeln und diese Ich-Position auch zu halten. Diese Gefahr der Überhöhung besteht gerade im Heidenstadium, denn ab diesem Alter kann das Kind als Mittragender der Seelenlast der Mutter oder des Vaters herangezogen und umgestaltet werden und kann damit diese kindliche Position des Heiden einfach überspringen, um sogleich in jene des christlichen Bruders oder der Schwester zu gelangen. Das ist natürlich auch wieder eine gewisse seelische Vergewaltigung des Kindes, die aufgrund der Unreife seitens der Mutter oder des Vaters geschieht und dann ist das Bewußtsein des Kindes innerlich zerrissen.

Eigentlich gehört das Kind nun in das Heidenstadium und muß dort alle für es vorgesehenen Aufgaben erfüllen und erst viele Jahre später wird es dann, bei erfolgreicher Absolvierung, in das Stadium des Christen gelangen. Doch wenn, wie öfters geschehen, die Eltern in ihrer unreifen Liebe solche Kinder sogleich von der noch kindlich-jugendlichen Phase sofort in dieses Stadium des Christen heben, dann gibt es eben einen Bruch im Bewußtsein des Kindes, weil es nur durch die Liebe von Vater oder Mutter bedingt, diese Position halten kann, ohne das sie also real erworben wurde. Dann kann solch ein Kind auch sogleich eine gewisse, ersatzelterliche Pflicht übernehmen und kann wie eine zweite Mutter oder wie ein zweiter Vater sich um das Wohl der Geschwister kümmern.

Das ist dann allerdings auch nur wieder ein negatives Seelen-Muster, denn weder die Eltern noch das Kind haben diese Position auf eine redliche Weise erworben. Erst dann, wenn die Eltern und die Kinder sich im wahren Christentum befinden ist es möglich, solch eine gegenseitige geschwisterliche Liebe aufrechtzuerhalten und die Eltern sind, da sie jeweils in der Liebe zum übergeordneten Gottvater Jesus stehen, dann auch schon genügend christianisiert, um mit ihren Kindern solch ein geschwisterliches Verhältnis einzugehen. Aber das ist eben sehr selten der Fall. Wie es heutzutage ist, haben wir soeben kurz besprochen, indem also die Eltern ihre Kinder aufgrund ihrer unreifen Liebe nur auf diese Position hochhieven, ohne das eine entsprechende Nächstenliebe von Seiten des Kindes getätigt wurde. Solche Kinder gelangen zu früh in die Phase der kindlich-geschwisterlichen Liebe zu ihren Eltern, ohne selbst die kindliche und geschwisterliche Liebe zu ihren Geschwistern erworben zu haben und deshalb haben sie in ihrer Seele noch all diese unreifen Zügen des Nomaden oder Heiden, aber dennoch wird von ihnen verlangt, daß sie christliche Werte bilden und halten können, was jedoch völlig unmöglich ist.

 

4. Seelenmuster des Kindes als Vater oder Mutterersatz

Auch wenn das Kind in diesem Stadium seiner Ausreife nicht von seinen Eltern in dieses nächste, erst nach Jahren zu erlangende Stadium des Christen gehoben wird, kann es dennoch mütterliche Funktionen ersatzweise übernehmen, sei es, daß die Mutter zu kränklich ist oder vielleicht sogar verstorben ist oder auch deswegen, weil das Kind in seiner Liebe einfach sieht, daß dort eine Hilfe benötigt wird. Hier kann sich durchaus ein positives Seelen-Muster herausbilden, denn wenn die Motivation Hilfe und deshalb Nächstenliebe gewesen ist, die das Kind so handeln läßt, dann wird es ja keinesfalls negativ gegen die Eltern oder gegen die Geschwister eingestellt sein. Mit diesem positiv aufbauenden und also auch helfenwollenden Seelen-Muster lernt solch ein Kind sehr frühzeitig, dieses Heidenstadium zu erfüllen, um dann doch sehr schnell ins barmherzige christliche Stadium zu gelangen. Es kann darum auch sehr früh mit den göttlichen Werten und Moralvorstellungen zusammenkommen und lernt dann ganz natürlich, sie zu übernehmen. Es lernt sehr früh, sich im Interesse der anderen zurückzunehmen, es lernt Verantwortung zu übernehmen, es lernt bewußt, sich im Dienst der Familie zu stellen, kurz und gut, es lernt dadurch, das Stadium des Heiden zu

überwinden und es wird dabei auch immer von oben angeleitet, ohne das es dies zu bemerken braucht.

Schauen wir hier auf das erste gewählte Beispiel des Jungen, der nun als Mann und Vater etliche Kinder gezeugt hat. Seine Frau hat eine harte Kindheit hinter sich, sie wurde von ihrem Vater vergewaltigt und hat diesen ganzen Prozeß trotz der Liebe ihres

Mannes und ihrer eigenen Familie noch nicht verarbeiten wollen und können und somit ist es ihr nicht möglich, in vielen wichtigen Bereichen ihrer mütterlichen Aufgabe nachzukommen. Eines ihrer Kinder, das erste Mädchen, hat dann ganz selbstverständlich und freiwillig diese ersatzmütterliche Aufgabe übernommen und ist schon sehr frühzeitig zu einem verantwortlichen jungen Menschen herangebildet und hat sich diese Werte aufgrund ihrer tätigen Nächstenliebe selbst erarbeitet. Dieses Mädchen ist im jugendlichen Alter eigentlich schon reifer als die Mutter selbst und läßt sich in ihrer helfenden Funktion auch nicht groß von anderen beirren. Sie bringt diese familiären Werte freiwillig und ohne, dass sie sich dabei von ihrer unreifen Mutter unter Druck setzen läßt. Dieses Mädchen ist auch ohne Probleme in die Sphäre des Vaters gelangt, hat und konnte dort ein gewisses christliches Verständnis erwerben, hat in ihrer kindlichen Liebe den himmlischen Vater erreicht, weiß wer Er ist und hat es also gelernt, eine eigenständige Beziehung nach oben hin aufzubauen und durch ihr uneigennütziges

Engagement hat die Familie alle Höhen und Tiefen überstanden.

Allerdings sind die Menschen mit negativen Seelen-Muster weitaus in der Mehrzahl und deshalb schauen wir später einmal, wie es sich innerhalb einer Familie mit solch einem negativen Seelen-Muster der ersatzmütterlichen Funktion verhält, doch vorher wollen wir noch einmal den Werdegang des Jungen zum Erwachsenen und hier besonders zum Vater skizzieren, denn das solch eine positive Tochter nicht seine damalige Unreife und diesen Trotz aufarbeiten kann, sondern es in anderen Kindern wieder zurückkommt, was er oder was wir an negativen Seelenmustern haben, sollte deutlich sein und darum geschieht an dieser Stelle hier auch dieser kleine Einschub.

Wir haben also diesen Jungen und jetzigen Vater in seinem

Kleinkindstadium/Milchzahnstadium und in seinem Heidenstadium erlebt, wie er von seiner Mutter doch sehr arg verwöhnt wurde und wie er die zwei Seelen-Muster gebildet hat. Zum einen jenes mit der Mutter gegen den Vater und zum anderen das negative Geschwistermuster gegen diese väterliche Autorität und nun, wo er selbst Vater von mehrern Kindern geworden ist, hat er glücklicherweise eine Tochter erhalten, die mit einem positiven Muster zum Wohle der Familie beiträgt. Doch wo kann man denn den unreifen Anteil seines damaligen Trotzes sehen und deshalb begreifen, wie fein und ausgewogen diese göttliche Gerechtigkeit handelt und wie alles auf einen zurückkommt, im Guten wie im Schlechten? Unter seinen Kindern befinden sich also auch zwei sehr problematische Jungen. Ebenso, wie er sich früher mit seinem jüngeren Bruder gegen diese väterliche Ordnung organisiert hat und dagegen rebellierte, so sind es in seiner eigenen Familie auch wieder zwei Söhne, die eine ähnliche Funktion übernehmen und der jetzige Vater könnte, wenn er es wollte, in diesen zwei nun gegen seine Ordnung rebellierenden Kindern so eigentlich sich und seinen jüngeren Bruder von damals erkennen. Aber diesen notwendigen Abstand und die dafür erforderliche Seelenreife besitzt er leider nicht. Also erlebt er als Konsequenz vieles von dem, wie er sich damals gegenüber seinem Vater verhalten hat und muß nun schauen, wie er sich diese damals verlorengegangenen Werte neu verschafft.

Die damalige Schwester, die das von ihrer Mutter nicht übernommen hatte und deshalb besser mit ihrem Vater zurechtgekommen ist, erlebt er in seiner Familie als die eine Tochter, die wir weiter oben beschrieben haben und die also ein positives Seelen-Muster entwickelt hat. Doch diese beiden Söhne zeigen ihm sehr deutlich an, wo und was er noch abzuarbeiten hat. Diese Kinder können von ihm nicht mehr richtig erzogen werden,

denn er selbst hat sich diese Erziehungswerte von damals nicht verschafft und hängt noch immer an der ungeklärten Situation seiner Vergangenheit fest und er sollte, sofern er diese Problematik klären möchte, sich auch unbedingt einer vollständigen Vergebung

gegenüber seinem Vater hingeben, um sich im Nachhinein für alles zu entschulden (entschuldigen) was er ihm in seinem kindlichen Trotz so alles angetan hat. Wir werden später noch deutlicher herausarbeiten, wie wir diese negativen Seelen-Muster in positive

verwandeln können, aber hier sei eben kurz darauf hingewiesen.

Nun wenden wir uns wieder dem negativen Ersatzelternmuster zu und betrachten eine andere Familie, bei welcher dies deutlicher zutage tritt:

Eine Mutter von fünf Kindern hatte einen sehr gestrengen Vater, der in einem kleinen Dörfchen dort die Obrigkeit vertrat und von daher auf eine gewisse vorbildmäßige Stellung und Verantwortung Wert legte und seine Kinder auch so erzogen hat. Allerdings hat die eine Tochter diese väterliche Erziehungsmaßnahme nicht angenommen und hat sich dann schon frühzeitig von ihm abgenabelt und wollte innerlich nichts mehr hören und sehen. Ergo kam sie mit einem Mann zusammen, der im Gegensatz zu ihren Vater dann auch relativ „ungefährlich“ war und der ihr als „Vater“ nicht in ihr Handwerk pfuschte. Aber dennoch war diese Mutter nicht in der Lage, ihre Kinder jenseits ihres eigenen Stadiums zu führen, und weil sie ihrem Manne die Kinder vorenthielt - denn er wurde ja auch als böse betrachtet, - so mußte sie sich im Heidenstadium ihrer Kinder dann selbst um die Erziehung bemühen, doch das konnte sie nicht, aus ihrer freiwilligen Liebe heraus deshalb nicht, weil sie ihren eigenen Vater damals nicht mehr angenommen hat.

Diese Aufgabe übernahmen dann zwei der vier Töchter. Die ältere Tochter übernahm den Anteil der mütterlichen Ersatzfunktion von sich aus freiwillig, während die jüngere Tochter dies nur auf Anordnung der Mutter tat. Die ältere bekam allerdings nur den Pflichtanteil überlassen und durfte offiziell keine Kompetenzen übernehmen, während der jüngeren dies erlaubt wurde. Die jüngere Tochter wurde deshalb offiziell als mütterliche Helferin und beinahe als Schwester der Mutter eingesetzt und die ältere Tochter, die ihrer Aufgabe in all der Demut nachkam, wurde dann in ihrer Arbeitsleistung und Kompetenz ebenfalls von der jüngeren bevormundet.

Schauen wir jetzt auf die jüngere Tochter, denn die andere hatte aufgrund ihrer Demut mit ihrer Stellung kein Problem, so sehen wir, wie sich hier ein negatives, mütterliches Ersatzmuster gebildet hat, denn während die andere Schwester sich in einer Nächstenliebe den Geschwistern widmete, tat die jüngere alles nur aus einer gewissen Überforderung und Forderung heraus, ohne jemals diese freiwillige Liebe in sich entwickelt zu haben. Rückendeckung bekam sie nur von ihrer Mutter, der Vater hielt sich heraus und die Mutter hatte eine gewisse Arbeitsteilung in ihrer familiären und häuslichen Beziehung erreicht, wo sie die eine Tochter beinahe schon zur Schwester erhob und die andere all diese lästigen Pflichtarbeiten machen ließ. Was erlebte nun die jüngere Tochter in Folge ihrer weiteren Entwicklung? Überall, wo sie hingeführt wurde, setzte sich dieses Seelen-Muster durch und sie übernahm ungefragt diesen Teil der Arbeit auch woanders, den sie von der Mutter her eigentlich nur für ihre eigene Familie erhalten hatte. Und natürlich ging dies woanders schief, denn dort war eben keine überforderte Mutter, die diesem Mädchen und jetzt zur Erwachsenen gereiften Frau diese Liebe und Kompetenz freiwillig abtrat und somit war diese Frau jetzt nur noch eine mehr lästige, und sich in den Vordergrund drängelnde Bekannte, die mit ihrer penetranten Art auch kaum Freunde bekam.

Was geschieht andererseits, wenn sich solch ein Verhalten bei einem Jungen zeigt, der in diesem Alter von 7- 16 Jahren unbewußt in die Rolle des Ersatzvaters gerät, weil die eigene Mutter vielleicht sehr krank oder gestorben ist und der Vater in seiner väterlichen Pflicht und Aufgabe dann auch schon überfordert ist? Dieser Junge wird in seiner Liebe automatisch den mütterlichen Teil übernehmen und dann eben für die Familie kochen und anderes, notwendig zu Erledigendes tun und ebenso wird er versuchen, nun auch gewisse Funktionen des Vaters zu übenehmen immer in Hinblick darauf, daß seine Geschwister da nicht unnötig zu kurz kommen. Nun wissen wir allerdings, daß es auch immer eine göttliche Ausgleichsfunktion gibt, wo von außen, über liebevolle Menschen, diese Versäumnisse und Fehlfunktionen innerhalb einer Familie ausgeglichen werden und somit findet ein Mädchen oder ein Junge hier auch immer wieder entsprechende Unterstützung, um ein positives Geschwistermuster zu entwickeln.

Fühlt sich der Junge und spätere Jugendliche dann jedoch in dieser Situation überfordert und hadert er mit dem Zustand seiner Familie und wird dadurch innerlich resignativ oder schwach, so kann er diese, von außen an ihn herangeführte Hilfe schlecht annehmen oder überhaupt schon gar nicht wahrnehmen, denn er ist in seinem Leid vergraben und gibt sich dann dem Selbstmitleid hin. Dann entwickelt sich allerdings ein negatives Seelen-Muster und die Familie wird es sehr schwer haben, irgendwie über die Runden zu kommen. Die Gefahr besteht darin, daß er sich mit seinen Geschwistern auch gegen die väterliche Welt organisiert und anstatt dem Vater zu helfen, ihn dann mehr und mehr isoliert. Sicherlich kann der Vater, bei entsprechender Unreife, dann seinerseits seinen Kindern den Boden unter den Füßen entziehen und sich dem Alkohol- oder anderen Drogen zuwenden und dann schon gar nichts für seine Kinder in einer freiwilligen Liebe umsetzen, aber hier greifen dann normalerweise auch schon die äußeren Hilfsmittel und eine liebevolle Verwandte oder evtl. auch der Staat selbst werden dann einspringen.

Hat solch ein Junge dann allerdings ein negatives Geschwistermuster mit seinen Geschwistern gebildet, so hat er dann auch schon die Unzuverlässigkeit dieser elterlichen Welt als festen Wert in seine Seele aufgenommen und seine Seele und die Seelen seiner Geschwister werden dieses vertrauensvolle und ihnen Sicherheit gebende Heimatgefühl kaum entwickeln können und sich zuerst sehr eng aneinander binden, bis sie dann eines Tages in einer Liebesbeziehung zu einen anderen Menschen gelangen und vieles von früher dann auch überwinden lernen. Aber es bleibt eben für solche Seelen die Problematik bestehen, daß sie sehr unsicher sind und gewisse, vagabundierende Seelenzüge aufweisen und mit ihren Frauen nicht so recht harmonisieren können, denn sie haben ja die Unzuverlässigkeit auch der mütterlichen und somit auch der fraulichen Welt erlebt und wenn sie dann selbst auch eine Familie gründen und Kinder haben, kommen alle diese Verletzungen der Seele auf sie zurück und sie werden dann von den Kindern als sehr unzuverlässig wahrgenommen und die eigenen Kinder erleben dann ähnliches mit solch einem Vater oder solchen Eltern, wie es die Eltern früher auch nicht anders erlebt haben.

 

Das christliche Bewußtsein als drittes Stadium

 

Ist ein Kind nun durch alle Höhen und Tiefen gegangen und hat es jenseits des Heidenstadiums dann tatsächlich auch die christliche Reifeprüfung erlangt, dann sind soweit alle Gebots- und Liebeswerte diesem jungen Menschen eingeschrieben und er ist nun befähigt, als vollwertiges Mitglied einer Gemeinschaft sich um den Aufbau einer eigenen Familie zu kümmern. Solch ein Mensch wird den Arbeitsprozeß ohne Probleme ableisten und wird dabei noch genügend Kraft und Freude für die Bildung seiner Familie

übrighaben. Allerdings wird er in seiner, nun im Entstehen begriffenen Familie auch alle seine vorherigen Bewußtseinsstadien bei seinen Kinder erleben und wird dort die ein oder andere Schwierigkeit zu meistern haben. Dieser junge Mensch wird in der Lage sein, sein Kreuz zu schultern, diese Probleme des Lebens tatkräftig anzugehen und er wird auch eine göttliche-feste Beziehung nach oben hin aufbauen, und somit wird er auch ein erfolgreicher Leiter seiner Familie sein.

In seinem Herzen wird die Liebe seiner Eltern deutlich vertreten sein und er wird wissen, daß hinter diesen Eltern auch schon der göttliche Vater selbst steht und er wird auch keine Probleme mit der ehelichen Treue und den anderen Werten haben, wird ehrlich und aufrichtig sein und wird anderen Menschen auch wirklich helfen können, denn er hat ja in den vergangenen Jahren an sich wahrgenommen, wie man von einem Stadium zum nächsten gelangt und selbst hier im Christenstadium gibt es unterschiedliche Grade, denn die Kenntnis und Vorstellung von Gott wird immer deutlicher und inniger, denn mit dem inneren Gottesbegriff wächst auch die geistige Kraft und wachsen alle anderen Fähigkeiten mit. Aber nun kann dieser junge Mensch selbst um sein Verhältnis zur Gottheit ringen, denn er ist so weit vorgebildet und entwickelt, daß er diese, höchst wichtige Lebensaufgabe nun selbst in die Hand nehmen kann.

Seine Seele hat keine negativen Seelen-Muster, die nur die innere Kraft verzehren und dem Geist innerhalb dieser Seele kaum zum Ausdruck bringen. Jedes Seelen-Muster ist wie eine geistige Projektion aufzufassen, die zwecks Aufführung oder Ausstrahlung und Konkretisierung ihrer Vorstellung dann eben all die Energien verzehrt, welche der Mensch überhaupt hat. Wenn es also doch sehr viele Menschen mit diesen drei großen Seelen-Mustern geben sollte und alle sind rein negativ, dann wirkt die Negativität dieser

inneren Seelenstrukturen für das Bewußtsein wie ein schwarzes Loch, wohin alle zum Leben nötige Kraft gelangt und sich dort ins Nichts verliert. Solch ein Mensch wird kaum über das Nomadenstadium hinausgelangen können und alles in seinem Leben wird höchst dramatisch und höchst unbefriedigend für seine Seele sein.

In christlichen Ländern ist dies an sich sehr selten, daß solch unreife Strukturen auftreten, aber mit der Völkervermischung und der seit den letzten Jahrzehnten immer stärker werdenden Materialisierung der Menschen und der Zerstörung der Familien haben sich diese negativen Seelen-Muster dann doch noch durchgesetzt und zersetzen mehr und mehr diese christliche Gemeinschaft bis dahingehend, daß es, dem ureigendlichen Sinne nach, kaum noch christliche Familien gibt.

 

Der eigentliche Christ und dessen innere Kraft

 

Der eigentliche Christ und dessen Fähigkeit vor allem sein Kreuz anzunehmen und in einer göttlichen Liebe auch durchzuhalten, ist eben der Schlüssel für ein erfolgreiches irdisches Leben und ist die Grundvoraussetzung für die Bildung einer gesunden und intakten Familie. Der eigentliche Christ wird genügend Kraft in seiner Seele aufgespart haben, um seinen Körper jederzeit zu führen und die nötige Disziplin haben, daß er die Triebkräfte seines Körpers eben nicht zum Ausdruck bringt und eben keine Süchte oder sonstigen, negativen Neigungen hat oder nachgeht. Der eigentliche Christ hat ein gesundes Verhältnis zum Körper, aber er bleibt mit seinem Bewußtsein doch immer auch der Herr und somit kann er auch über genügend geistige Kraft verfügen, gerade, wenn Versuchungen anstehen oder wenn er mit einem Ehepartner zusammenkommt. Sein Ehepartner wird ihn nicht so dominieren können, wie dies bei den Pseudo-Christen der Fall ist, wo eben schwache Seelen sich die Herrschaft des Körpers gefallenlassen müssen und ebenso die Resonanz nach außen erleben, weil z.B. ihr Ehepartner diese bevormundenden Züge des Körpers übernimmt.

Der eigentliche Christ wird ständig geben und vergeben können, er wird sich nicht über die Welt und seine Mitmenschen erregen, er wird sehr schnell die Umstände durchschauen, denen er oder denen seine Nächsten ausgesetzt sind. Der eigentliche Christ wird im Herzen aus seinem Gewissen schon sehr deutlich angesprochen und er kann beinahe schon so etwas wie eine göttliche Stimme in sich wahrnehmen, die ihn anleitet und führt.

Der eigentliche Christ lebt in Harmonie mit sich und seiner Familie und seiner Umwelt, denn er nimmt die göttlichen Werte des Lebens auf, wendet sie an und verteilt sie uneigennützig an seine Nächsten. Der eigentliche Christ liebt Gott über alles, kennt IHN persönlich und liebt deshalb seinen Nächsten wie sich selbst. Der eigentliche Christ hat Brüder und Schwestern.

 

Problematik bei der Umsetzung des dritten Stadiums

 

Nun gut, so jemanden wird es kaum noch geben und darum stellen wir uns ja auch all diese Fragen um zu schauen, warum es kaum jemand erreicht, sich auf diese Höhe dieses moralischsittlichen Bewußtseins zu begeben, um einmal auch göttliche, und damit auch ewige Werte zu leben und zu verschenken. Wenn also schon allein durch die ungenügende Umsetzung dieser Lernziele der Vorstadien noch zuviele Trotzreste vorhanden sind und der betreffende Mensch diese Stadien nicht richtig durchlaufen wollte oder konnte, dann kann es solch einen Christen auch nicht geben.

Alle diese Vorstadien kann man in jene zwei Fälle des Bewußtseins einteilen, wo sich der Mensch vom Göttlichen verabschiedet hat. Im ersten, dem Milchzahnstadium oder dem Nomadenstadium, sind die Menschen noch zu sehr körperlich orientiert und die Seele kann sich erst nach sehr langen und mühsamen Lebenserfahrungen gegenüber ihrem Körper und dessen Begierden durchsetzen und diese mehr körperliche Orientierung resultiert aus dem adamitischen Fall. Im zweiten Stadium, dort wo die Kinder ihr Milchzahnstadium durchlaufen haben und in das, die festen Zähne bildende Heidenstadium gelangen, sollte eine Seßhaftigkeit und Festigkeit der Seele erworben werden, die sie befähigen, einen Familien- und Arbeitsdienst auch durchzuhalten. Dieses Heidenstadium entspricht schon dem luziferischen Fall, weil diese Menschen Gott noch nicht erkennen oder anerkennen wollen und deshalb noch von ihrem Vater oder einen anderen Führer auf diese göttlichen Werte hin vorbereitet werden müssen und im Schweiße ihres Angesichtes nun arbeiten müssen.

Sie lernen dafür das so wichtige Heimatgefühl, lernen ihre Eltern zu lieben und anzunehmen, lernen diese familiären Werte auch außerhalb der Familie zu bestätigen, lernen zu arbeiten und können das Vertrauen, das man in sie gesetzt hat, dann auch meist schon erfüllen, lernen eine gute Körperbeherrschung und einen wohlerzogenen Umgang mit den Nächsten. Im dritten Stadium, im Alter von ca. 16-25 Jahren lernen sie nun, alle diese Werte in der christlichen Bewußtseinshaltung zu bestätigen und das können sie eben nur, wenn sie die vorhergehenden Stadien im Herzen und auch im Verstand verinnerlicht haben.

Die Problematik tritt auf, wenn da noch unreife Züge aus der Nomadenzeit oder der Heidenzeit hinterherhängen, wenn also diese zwei Fälle des Bewußtseins noch sehr deutlich am Bewusstsein dieses Menschen haften. Zum einen wäre das eine Flucht in die Sexualität und überhaupt in diese Begierden und zum anderen wäre das eine Flucht in die Gerechtigkeit bzw. in den kalten Verstand. Das Kreuz der Christen ist in etwa so aufzufassen, daß man dort eben die Waage zwischen Liebe und Gerechtigkeit halten kann, dass man dort die Waage zwischen dem körperlichen Wollen und dem seelischen Streben halten kann, daß man dort die Waage zwischen Mann und Frau halten kann.

Beim Nomaden und Heidenbewußtsein gibt es nur Mann und Frau und andererseits gibt es dort nur Mütter und Väter. Richtige Geschwister im Sinne einer allumfassenden, göttlichen Liebe kann es nur im christlichen Bewußtsein geben, weil nur dort die  Präferenz der körperlichen Liebe überwunden wird und weil nur dort gelernt werden kann, wie man in einer höheren Liebe zugleich auch mit anderen Menschen verbunden werden kann. Sicherlich gibt es in jedem Stadium Geschwister, aber die geistige Reife und innere Wertigkeit ist von Stufe zu Stufe verschieden und je höher ein Bewußtsein in seiner Entwicklung steht, desto höher oder inniger ist dann auch diese geschwisterliche Beziehung und im Christentum ist es dann so, daß diese geschlechtsspezifischen Eifersuchtswerte der Vorstadien überwunden sein sollten und jeder Mann dem anderen ein Bruder sein könnte und jede Frau sollte nur Schwester sein.

Diesen geschwisterlichen Wert in solch einer geistigen Liebe zu erreichen geht eben nicht im rein luziferischen Stadium, dort, wo sich eben noch Heiden oder Juden oder Mohammedaner oder alltestamentarische Christen befinden, weil hier die auschließliche

Sichtweise noch zu sehr auf Mann und Frau und damit noch zu sehr auf das Geschlecht fixiert ist. Erst im wahren Christentum kann und wird diese geschlechtliche Fixierung überwunden und der Nächste ist nicht mehr Mann oder Frau, sondern eben Bruder oder Schwester. Genau im dritten Stadium der Entwicklung des menschlichen Bewußtseins soll darum gerungen werden und sollen es diese jungen Menschen erlernen und erleben, daß sie im eigentlichen Sinne nur Bruder und Schwester und eben nicht bloß Mann und Frau sind.

Geht nun, resultierend aus den Problemen der Vorstadien, dann doch etwas schief, so kann dieser hohe Standpunkt der Geschwisterliebe nicht mehr erreicht werden und es bildet sich dadurch bedingt eben eine negative Geschwisterliebe aus, die entsprechende Seelen-Muster initiiert und es den Menschen kaum erlaubt, diese sexuelle Liebe als adamitische Liebe zu erkennen und zu überwinden. Kain erschlug darum den Abel, denn für ihn gab und gibt es keine Geschwisterliebe, sondern nur Konkurrenten in der Liebe Gottes oder eben in der Liebe der Eltern oder aber im Gerangel um die Liebe einer Frau.

Man kann darum diese drei großen Seelen-Muster auch diesen Stadien zuordnen und sollte es, der besseren Orientierung wegen auch tun. Alle vorher erlebten negativen Seelen-Muster können im dritten Stadium noch unter der Eintracht der familiären Ordnung korrigiert werden und somit kann sich das Christentum auch tatsächlich entfalten, wenn die Negativität dieser Seelen-Muster überwunden wurde. Doch wenn nun im dritten Stadium keine Korrektur erfolgt, dann wird dies nur wieder über äußere Prozesse erfolgen müssen und das wird dann zigmal schlimmer und demütigender sein, als wenn der betreffende Mensch sich innerhalb seiner Familie diese Erziehung hätte gefallenlassen.

 

Die Emanzipation als Gleichstellung des Körperlichen mit der Seele

 

Wenn der Mann (Vater) es nicht vermag, sich der Vereinigung von Mutter und Kind, die ein wenig gegen ihn gerichtet ist, im christlichen Bewußtsein zu stellen, wenn er also nicht bereit ist dort sein Kreuz zu tragen, so handelt dieser Mann alttestamentarisch in der Weise, daß er Auge um Auge und Zahn um Zahn setzt und dann bestrebt ist, Gleiches mit Gleichem zu vergelten und dann fordert er Mutter und Kind unnötigerweise

heraus und versetzt beide in die Schuld. Als Konsequenz solch eines Verhaltens seitens des Mannes geht die Frau mit ihrem Kind in die Gegenposition und beide Elternteile geraten in einen großen Streit miteinander, der so weit kommen kann, bis die Frau für sich entscheidet, daß sie solch einen Mann nicht benötigt. Sie hat ja ihr Kind und die Beziehung Mutter-und- Kind ist für sie dann einfacher zu gestalten als diese Beziehung Vater und Mutter, als die Auseinandersetzung mit ihrem Mann. Bei der Situation von Vater und Mutter kommen ja die Trotzreste und diese Unreife von Mann und Frau zum Tragen und sie müßten diese Reste aufarbeiten, um in ihrer Entwicklung auch tatsächlich Vater und Mutter zu werden, doch diese gegenseitige Aufarbeitung und Vergebung dessen, was jeweils in der Vergangenheit liegt, ist weitaus komplizierter als wenn die Mutter sich an ihrem Kinde klammert und den ganzen Komplex ausblendet ebenso, wie sie den Mann dann ausblendet; vor allem auch dann, wenn der Mann sie in die Schuld setzt. Diese negativen Seelen-Muster von Frau und Mann verhindern die erfolgreiche Umsetzung zur Mutter und zum Vater und somit reagiert die Mutter eigentlich mehr als Frau und der Vater mehr als Mann. Würden beide diese elterliche Fähigkeit erreichen oder erwerben, dann bräuchten weder die Frau noch der Mann in dieser abgrenzenden Geschlechterrolle zu reagieren, sondern sie wären in der elterlichen Liebe. Doch weil diese elterliche Fähigkeit aufgrund der ungelösten Problematik der Vergangenheit nicht erreicht werden kann, bleibt die Frau in ihrer fraulichen Rolle fixiert und der Mann bleibt ebenfalls der Mann, der vorwiegend an der Sexualität und an seinem Recht und Rechthaben interessiert ist. Die Geschlechterrolle kann auch zuliebe des Kindes oder der Kinder nicht vollständig überwunden werden.

Dann geschieht in einem weiteren Schritt folgendes: Die Frau greift immer mehr zur Liebe des Kindes und stellt sich selbst in diese rechthaberische Position des Mannes und verlangt die gleichen Rechte wie der Mann, der sich eben nicht christlich orientieren kann oder dies auch nicht will. Und weil die Frau in ihrer Situation eine größere Nähe zum Kinde hat, das sich noch im Kleinkindstadium, dem Milchzahnstadium, befindet, so kann und so wird sie mit ihrem Kinde zusammen gegen ihren Mann streiten und macht ihre Rechte geltend. Dieser Schritt des Bündnisses zwischen Mutter und Kind gegen den Vater ist der erste Schritt auf dem Wege zur Emanzipation, denn die Frau, die geistig betrachtet, noch keine Mutter ist, setzt sich im Prinzip auf diese Position einer Mutter, ohne das sie sich die Befähigung dazu verschafft hat. Sie nimmt und leitet ihre Rechtfertigung einfach nur davon ab, daß sie eben ihr Kind an sich geklammert hat und betrachtet ihr Kind im Prinzip nur als ihren Besitz ohne durch eine vergebende Liebe gegenüber ihren eigenen Eltern sich diese mütterliche Kompetenz auch tatsächlich besorgt bzw. erarbeitet zu haben.

Sie kann dann ein Kind nur für sich allein wollen, ohne sich groß mit einem Mann einzulassen, sie kann aber auch ihr Kind abtreiben oder sonstwie damit verfahren ganz so, wie es ihr gefällt. Dadurch vertritt sie unbewußt die Position des alttestamentarischen Mannes, der ebenso verfährt, wie er es für richtig empfindet ohne

das er groß nach seiner Frau oder seinem Kinde schaut. Letztlich hat die Frau dann nur die Position des Mannes übernommen und setzt nun diesen in die Schuld.

Wenn nun die Frau nicht bereit ist, ein Kind überhaupt zu akzeptieren bzw. eines zu gebären und zu erziehen, dann fällt diese Beziehung Mutter-Kind natürlich weg, aber dafür tritt die Beziehung Frau und Arbeit auf. Die Frau wird, anstatt sich zur Mutter zu wandeln und zu entwickeln, dann auf ihre Geschlechterrolle fixiert und greift nach der Arbeit so ähnlich, wie sie als Frau zum Kinde greift, denn beides dient ihrer Vorstellung zur Selbstverwirklichung und läßt sie ebenso trotzig zur Arbeit greifen, wie sie sonst zum Kinde greift und das häusliche oder mütterliche Leben wird unbewußt verachtet. Die Arbeit rückt dann in die Postition des Kindes, denn das „Lieblingskind“ der Frau wird nun zur Arbeit erklärt und die häusliche Situation wird negiert. Diesen Vorgang nennt man im allgemeinen Sprachgebrauch „die Emanzipation der Frau“ und es wird hier auch nicht von der Emanzipation der Mutter gesprochen, denn die gibt es selbstverständlich nur im rein christlichen Stadium, denn dort sind Vater und Mutter gleichberechtigt, weil sie sich dann auch schon zum Bruder und zur Schwester entwickelt haben oder dies zumindest können. Wenn sich also Vater und Mutter aus der

ehelichen Situation heraus zur geschwisterlichen Liebe weiterentwickelt haben, , indem sie sich gegenseitig in der Liebe helfen und dienen, dann erst haben sie die richtige und völlige Gleichberechtigung erreicht die so selbstverständlich ist, daß man darüber nicht zu reden braucht.

Doch das geschieht nur im wahren Christentum und kann in den vorhergehenden Stadien nicht verwirklicht werden. Also gibt es diese, dem Christentum innewohnende Fähigkeit der Gleichberechtigung von Mann und Frau nur bei den Christen, weil sie durch den gleichen Vater, den sie in (Vater) Jesus gefunden haben, dann zu Bruder und Schwester gereift sind und damit die geschlechtsspezifische Rolle von Mann und Frau überwinden können.

In allen anderen Bewußtseinsstadien gibt es nur Mann und Frau oder Vater und Mutter, doch wie gesehen eben nur beim Christen bzw. im christlichen Stadium Brüder und Schwestern und das liegt daran, daß nur hier derselbe göttlich-himmlische Vater als Jesus von beiden akzeptiert und geliebt wird. Diese kreuztragende Liebe, die das Christentum von Jesus übernimmt, macht die Eheleute dann zu Brüder und Schwestern und nirgends sonst gibt es diese Identifikation mit dem göttlich-himmlischen Vater, welche die Menschen und auch die Eheleute zu Geschwistern, zu Brüdern im Geiste werden läßt.

Die Emanzipation ist die Folge dessen, wenn der Mann dieses christliche Stadium weder erreicht noch überhaupt anstrebt und er deshalb mit seiner Frau über Kreuz liegt. Über Kreuz liegen bedeutet, daß dann beide Ehegefährten die gleiche Position anstreben und keiner den anderen erträgt oder ertragen will und jeder für sich auf sein Recht besteht.

In einer christlichen Familie, wo der Mann dann Vater geworden ist und diese gerechtigkeitsbestimmenden Züge des alten Testamentes überwunden hat, kann in dieser Art der Liebe Jesu, wie sie durch das Neue Testament vermittelt wird, überhaupt erst das Kreuz mit der Frau und den Kindern getragen und ertragen werden und somit kann der Mann zum Vater im christlichen Sinne reifen und kann in einem weiteren Schritt zum Bruder gewandelt werden, und ebenso wird dies mit der Mutter der Fall sein, die evtl. für eine kurze Zeit diese alttestamentarische Struktur annimmt und den Mann für schuldig erklärt ob seines Verhaltens von früher. Doch erträgt der Mann geduldig diese gewisse Frist, die entsprechend seiner eigenen alt-testamentarischen Zeit bemessen ist, so wird er dann zum wahren Christen gewandelt und kann dies gegenüber seiner Frau bestätigen, die dann ebenfalls diesem Vorbild nachstrebt und es für sich erreichen kann.

Diesen alttestamentarischen Standpunkt kann man auch als die luziferische Phase bezeichnen, weil beide, für sich scheinbar, göttliche Rechte in Anspruch nehmen können und dies normalerweise auch tun ohne überhaupt zu bemerken, daß dies nichts mit der vergebenden Liebe des wahren Christen zu tun hat, so wie dies von Jesus gezeigt wurde. Doch wenn man sich zum wahren Christen entwickeln will, so muß man auch diese luziferische Phase überwinden und dazu gehört eben, daß man das Alte Testament in seinem Wesen überwindet und zum Neuen Testament gelangt.

Was geschieht konkret, wenn man dieses emanzipatorische Zwischenstadium einnimmt? Im adamitischen Bewußtsein werden diese Geschlechterrollen festgelegt und die Menschen erkennen sich als Mann und Frau und eben noch nicht als Bruder und Schwester. Wie sollte es dann möglich sein, daß man diese geschlechterspezifischen Rollen überwindet, um jenseits einer Sexualität zur höherwertigeren Geschwisterliebe zu kommen, wie sie in den Himmeln gelebt wird? Es muß ja nun eine Lebensaufgabe gestellt werden, wo diese Geschlechterrollen erkannt und überwunden werden. Diese Lebensaufgabe ist im eigentlichen die familiäre Situation, wo der Mensch vom Kind zum Jungen oder Mädchen, zu Mann oder Frau und zu Vater oder Mutter bis hin zu Bruder oder Schwester entwickelt werden kann, wenn er dies auch ernsthaft  anstrebt. Die Geschlechterrollen werden zuerst durch die Beziehung Mann und Frau erfüllt, bis durch solch eine Liebe ein Kind oder mehrere Kinder ins Leben gerufen werden. In einer weiteren Bewußtseinsentwicklung von Mann und Frau werden sie durch ihre Familie, also durch das Vorhandensein der Kinder, zu Vater und Mutter gewandelt. Diese elterliche Position ist eine tiefere und innigere Liebe zueinander, als es die vorherige Liebe zwischen Mann und Frau gewesen ist, weil nun auch die Verantwortung für andere Leben hinzukommt und die beiden, vorher in Mann und Frau getrennten Individuen nun im Sinne ihrer Kindesliebe mehr zueinander geführt werden und den jeweils anderen Ehepartner in allen Höhen und Tiefen annehmen sollten, wollen sie ihre Kinder erfolgreich bis ins Stadium des Christen führen.

Vater und Mutter sind also schon näher beisammen und haben diese geschlechtsspezifischen Rollen weitaus mehr abgebaut als es eine reine Mann-Frau Beziehung kann. Genau hier treten nun auch alle Verletzungen der vorhergehenden Stadien wieder auf und die eigenen Eltern werden neu bewertet und in einer tieferen Liebe auch neu definiert und im Herzen erkannt und die letzten Trotzreste können abgebaut werden, bis Mann und Frau dann das geistige Erbe ihrer Eltern angenommen haben und dann auch schon selbst Vater und Mutter geworden sind. Hier findet eine gewisse Aufweichung der konträren Geschlechterrollen zum Wohle des Kindes statt.

Sind Vater und Mutter dann im christlichen Sinne, durch ihre Liebe zu Jesus, den sie nun über alles lieben können, dann tatsächlich Bruder und Schwester geworden, so haben sie eine weitere und tiefergehende Entwicklung in der Liebe vollzogen und damit auch die letzten großen, auf die Geschlechter bezogenen Liebeswerte oder Vorstellungen überwunden und sind in der Seele soweit einig geworden, daß sie nach außen auch schon wie eine Einheit auftreten können.

Wenn man auf die Beziehung zwischen Mann und Frau schaut, wie sie zueinander stehen sollten und man dies auf das Verhältnis zwischen Seele und Körper überträgt, so kann man durchaus, so wie die Bibel dies mit Adam und Eva getan hat, hier von einem Fleisch und Blut sprechen indem beide Teile von Mann und Frau sich einander so ergänzen, wie dies in dem Ausdruck von Fleisch und Blut ausgesagt wird. Das Fleisch entspräche dann dem körperlichen Anteil, der in der Frau zum Tragen kommt und das Blut wäre der seelische Anteil, der vom Mann gebildet wird und beide sollten sich geschwisterlich ergreifen und vereinen. Sie sollten also keinesfalls getrennt sein oder sich gegenseitig bekämpfen, denn dann gibt das eben kein gemeinsames Fleisch bzw. Blut.

Ebenso kann man dies mit dem Ausspruch der Bibel versinnbildlichen, wo Eva als Gehilfin von Adam bezeichnet wird und sie sich nach ihm richten sollte. Diese Vergleiche besagen nichts anderes, als das sich das mehr körperlich betonte Wesen der

Frau in großer Liebe und Demut dem Mann zuneigen soll, weil der Mann in diesem Vergleich die Seele symbolisiert, die sich ausschließlich nach Gott hin orientiert und wenn Adam dies als Mann gelungen wäre, dann hätte die Eva es bestätigt. Also ist die Frau andererseits auch wieder die Bestätigung der göttlichen Liebe des Mannes und somit entspricht die Frau auch schon wieder seinem Fleisch, daß sich der Seele liebevoll unterordnen soll, damit diese Einheit auch erreicht wird. Allerdings setzt dies auch voraus, daß der Mann dann auch tatsächlich Gott erreicht und eben nicht mehr luziferisch bzw. alttestamentarisch reagiert.

Der körperliche Anteil wäre der Gehilfe der Seele und die Seele hätte durch ihren Körper einen gewissen Schutz und eine Fürsorge übernommen und ein Fleisch und Blut wäre gebildet und wäre eins geworden und das nicht nur kurz, sondern bleibend und so fest, wie die Verbindung zwischen Fleisch-und-Blut eben ist. Das ist im Geistigen betrachtet sodann die Beziehung zwischen Bruder und Schwester, denn diese Beziehung bleibt im göttlichen bestehen. Allerdings funktioniert das in der Beziehung zwischen Mann und Frau so noch nicht und ebenso auch noch nicht in der Beziehung zwischen Mutter und Vater, weil diese innigen Einswerdungsmomente bei Mann und Frau mehr in der Sexualität gesehen werden und bei den Eltern auch nur für kurze Momente der Übereinkunft mit ihren Kindern bestehen. Doch eine langfristige, diese geschwisterliche Beziehung ausmachende Geistbeziehung ist dort noch nicht möglich. Dieses letzte Geschwisterstadium bezeichnet den Endzustand einer irdischen Liebe, die dann schon himmlisch reif geworden ist und alle anderen Menschen ebenfalls in solch einer Liebe annehmen kann.

 

Die Korrekturen der negativen Seelen-Muster

Die Weiterentwicklung des Bewußtseins aufgrund der Arbeit

 

Also sind im Normalfall eigentlich immer irgendwelche negativen Seelen-Muster gebildet worden und sie können auch neben positiven bestehen. Wir sollten einmal schauen, wie man z.B. diese negativen Muster der Seele, die nicht rechtzeitig über die häuslichfamiliäre Struktur abgearbeitet wurden, dennoch wieder korrigeren kann.

Dazu sagt uns die Bibel nach dem Fall Adams und Evas sehr deutlich, daß nun der Mann im Schweiße seines Angesichtes nach dem Broterwerb streben und die Frau eben unter Schmerzen gebären wird. Der Mann wird also eine schweißtreibende Arbeit benötigen, um wieder in den reineren Ausgangszustand zurückzukommen und die Frau wird schmerzhafte Geburten erleiden. Hier ist schon ein sehr deutlicher Hinweis darauf, dass eben die Reste dieses Trotzes und mithin alle diese negativen Seelen-Muster auf eine harte Tour wieder rückgängig gemacht werden können. Der Mann soll im Schweiße seines Angesichtes arbeiten und die Frau soll unter Schmerzen gebären.

Hier steht also nicht, daß die Frau im Schweiße ihres Angesichtes arbeiten soll und es ist auch nicht nötig, denn die Geburt und die anschließende Kindeserziehung ist schon eine sehr harte Arbeit und da muß der Frau nicht noch extra eine äußere Arbeit aufgebürdet werden. Mann und Frau teilen sich also diese Rückführungsarbeit jener Anteile der Seele, die mutwilligerweise in das Fleisch gefallen sind. Den Teil der Kindeserziehung und gerade auch das erste Milchzahnstadium haben wir hingehend beleuchtet, so daß dieser schmerzhafte Prozeß für die Mutter eigentlich deutlich geworden sein sollte und nun kommen wir dafür mehr auf die Sichtweise und die Abarbeitungsmöglichkeit des männlichen Trotzes zu sprechen und hier ist ein sehr deutlicher Hinweis auf die schweißtreibende Arbeitswelt gegeben.

Im Heidenstadium werden nun auch die entsprechenden Berufsgruppen entwickelt bzw. hier beginnt überhaupt erst ein geordneter Arbeitsprozeß und das können wir bei den damaligen Römern sehr deutlich erkennen, die ihrerseits auch schon alle möglichen Berufsstände entwickelt hatten. Sicherlich ist dies im christlichen Bewußtsein noch deutlicher, aber im Heidenstadium beginnt es eben, denn niemand wird von einem Nomaden verlangen, daß er Arbeiten verrichten kann, für die er weder ausgebildet noch erzogen worden ist. Also betrifft dieser Ausspruch der Bibel primär zwar die adamitischen Völker und damit also die späteren Juden, aber im Prinzip auch die Heiden, die noch weiter von Gott abgefallen sind.

Alle, vorher in der Familie nicht korrigierten Seelen-Muster können darum auch nur wieder über äußere, sehr harte Arbeitsprozesse abgearbeitet werden, es sei denn, solche Menschen lernen in der Demut hinzu und korrigieren es dann innerhalb der Familie dann doch noch von innen heraus. So ist die Arbeitssituation ein von Gott gegebener Schlüssel, damit jene restlichen Trotzwerte dann doch noch umgewandelt werden können. Wenn also ein Mann sich mit seinem Vater überworfen hat und in dem Stadium steht, daß er sich wie ein verlorener Sohn empfindet, was bedeutet, er verläßt sein heimatliches Elternhaus und sucht in der Fremde nach Ersatz, dann wird er dort jedoch sehr harte und beinahe unmenschliche Bedingungen vorfinden bis er sich dann wieder zurück zur Familie sehnt und die Beziehungen korrigiert. Anders ist es hingegen, wenn ein Mensch in Einklang mit seiner Familie in der Fremde zu tun hat.

Von außen kommt also immer eine Bestätigung oder eine notwendige Korrektur seitens der Arbeit auf einen Menschen zu, der sich trotzigerweise von seinen Eltern höchst lieblos verabschiedet hat. Wenn ein Sohn den Vater nicht akzeptiert und gegen ihn streitet, so gelangt er nicht in das Heidenstadium und hat es demzufolge sehr schwer, überhaupt einen festen Beruf zu erlernen, denn zuviele Trotzreste des Nomadenstadiums stehen dem entgegen. Arbeiten wird er zwar müssen und evtl. auch wollen, doch diese Durchhaltefähigkeit und Disziplin, die er im Heidenstadium lernen sollte, hat er ja eben nicht gelernt und deshalb kann er nur so arbeiten, wie dies ein typischer Nomade tut, der mal hier und mal dort arbeitet und der nicht aufgrund höherer

Werte arbeitet, sondern allein des Geldes und seines Genusses wegen und weil er eben muß.

Wir können sehr deutlich sehen, wie z.B. ein Kind mit einem nomadisierenden Bewußtsein es in solch einer Arbeitsstruktur in christlichen oder heidnischen Ländern sehr schwer haben wird und nur, wenn sich dieser Mensch auf seine Demut besinnt und diese harte Erziehung aushält, die nun von außen über die Arbeit und dessen Vorgesetzte und Mitarbeiter auf ihn zukommt, nur dann kann er wieder in das Stadium des Heiden gelangen und das dies ein sehr schweißtreibender Prozeß ist, versteht sich. Heidnisch orientierte Menschen, die in christlichen Ländern leben und aus christlichen Familien stammen, erleben ebenfalls eine härtere Gangart über die Arbeit deswegen, damit diese väterlichautoritären Erziehungswerte, die solch einen Menschen letztlich zum Christen führen, dann auch angenommen werden. Dieser Mensch sollte dann unbedingt lernen, daß er sein Kreuz auf der Arbeit tragen oder ertragen muß und er sollte irgendwann bemerken, daß er auf der Arbeit nur erleben wird oder erleben kann, wie er selbst in seiner Seele zu seinen Eltern steht und wie er überhaupt zum Christentum steht. Bewährt sich solch ein Mensch auf der Arbeit, der vorher nicht richtig aus dem Heidenstadium entbunden wurde und deshalb das christliche Stadium innerhalb seiner Familie nicht erreicht hat, so kann er durch diese kreuzertragende Arbeitssituation sicherlich weiter in seinem Bewußtsein ausreifen. Nach vielen Jahren und etlichen Mühen und evtl. auch Krankheiten kann solch ein Mensch dann vollends christlich geworden sein und dann wird er auch schon eine völlig andere Arbeit erhalten oder er wird, bei entsprechendem Alter und entsprechender Reife vorausgesetzt, dann auch schon dieser Arbeit enthoben werden und kann in anderen, mehr der Nächstenliebe dienenden Strukturen weitermachen.

Die großen Hürden, in dieser Entwicklung hin zum Christen, innerhalb der Arbeitsstruktur besteht in dem, daß solch ein Mensch sich auch wieder in seinem Trotz bestärken lassen kann und dann sein Kreuz abschüttelt und sogar die, seinen Körper und seine Gesundheit zerfressende, Krebskrankheit bekommen kann, was übrigens auch in familiären Pattsituationen der Fall ist. Ähnlich, wie der Mensch innerhalb seiner Familie an dem einen oder anderen hadern kann aufgrund dieser negativen Seelen-Muster, ähnlich kann er sich auch auf seiner Arbeitsstelle mit jemanden überwerfen, kann dort hadern, kann die Verletzungen seiner Seele nicht überwinden und er kann dann innerlich resignieren und glauben, alles hätte sich gegen ihn verschworen. Krebs ist demzufolge eine Krankheit, bei welcher der Trotzrest sich in einem gewissen Hadern, in einen Streit, in einer Resignation oder einer Isolation wieder gegen die familiäre oder arbeitsspezifische Erziehungsmaßnahme stellt, das Kreuz als die den Trotz korrigierende Maßnahme nicht erkennt und deshalb nicht annimmt, und der Körper dann eben ehrlicherweise die Problematik solch einer Seele anzeigt. Genügend Vergebungsarbeit vorausgesetzt, welche alle diese negativen Muster überwinden würde, bräuchte es diese Krebserkrankungen für solch einen Mensch dann auch nicht mehr geben.

Besonders schmerzlich ist es für heidnische oder alttestamentarische Seelen, wenn sie ihre luziferischen Anteile, die nun andere so leicht in die Schuld versetzen und die automatisch urteilen und verurteilen, nicht rechtzeitig abarbeiten, denn irgendwann kommt ja nun alles wieder auf den Menschen zurück nach der golden Regel:

 

Was du nicht willst, was man dir tu, das füg auch keinem anderen zu.

 

Würde solch ein Mensch vollends christlich werden und das geht eben nur, wenn er sein Kreuz trägt durch die Kenntnis und Liebe zu Jesus, - was bedeutet, er hätte das Neue Testament angenommen und würde dadurch bedingt das geistige Erbe Jesu erhalten,- dann gäbe es allerdings auch keine solche Erkrankung, aber die Menschen müssen sich ja überhaupt einmal diesen göttlichen Standpunkt bewußtmachen und das geht ohne Kranhkeit dann kaum noch. Aber wie gesagt, man kann es auch über die Arbeit und diesen schweißtreibenden Demutsprozeß des Kreuztragens dort erleben, das sich endlich auch einmal das christliche Bewußtsein einstellt.

Diesem Arbeitsprozeß des Mannes entspricht der Gebär- und Auferziehungsprozeß der Mutter, die durch die Erziehung des Kindes dann selbst wieder in das christliche Bewußtsein gelangen kann und dann ist sie mit ihrem Mann auch schon geschwisterlich verbunden und deshalb haben gerade die Frauen dort ein sehr großes Kreuz und viele Schmerzen durch- und mit ihren Kindern. Einerseits will die mütterliche Liebe das Beste für ihr Kind und andererseits hängt sie noch selbst in ihrem Kindheitserleben fest und ist vielleicht selbst nicht aus dem Heidenstadium in das christliche Bewusstsein gelangt, und somit ist diese Kindeserziehung eine äußerst harte Angelegenheit. Wenn die Mutter sogar noch in der Außenwelt arbeiten geht, dann ist es noch sehr viel komplizierter, alle  negativen Seelen-Muster zu erkennen und in positive Prozesse umzuwandeln.

Dann passiert für die Mutter folgendes, daß sie der notwendigen Betreuung in dem Kleinkindstadium nicht nachkommt, dies aufgrund ihrer Arbeitssituation dann evtl. dem Kindergarten oder anderen Bezugspersonen überläßt und somit negative Muster, die sie selbst aufgrund ihrer Arbeitssituation gebildet hat und die noch mit ihrer häuslichen Pflicht kollidieren, dann ebenfalls auf ihre Kinder überträgt und es deshalb nicht mehr vermag, diese ganze Problematik von innen heraus, also in der eigenen Familie zu klären. Somit gelangt nun auch wieder ein großer Teil dieser Seelenmuster nach außen und wird über einen äußerst harten, meist von außen kommenden Erziehungsprozeß auch seitens der Arbeit gelöst. Wäre die Mutter in ihrer Reife und in ihrer Liebe zum Kinde ihrer mütterlichen Pflicht innerhalb der häuslichen Arbeit nachgekommen, dann hätte und bräuchte sie diesen äußeren, nervenaufreibenden Prozeß über die Arbeit nicht gehen und könnte in der inneren familiär-seelischen Arbeit der Trotzreinigung zwischen sich und ihrem Kinde für die ganze Familie weitaus mehr bewirken, als wenn sie des Geldes wegen sich der äußeren Arbeitswelt stellt und die innere Arbeit dabei vernachlässigt. Es ist überhaupt die Frage zu stellen, ob solche Arbeitsbeziehungen nicht mehr die Folge einer inneren Flucht bedeuten, weil der Kampf zwischen den Geschlechtern solche eine unsinnige Handlungsweise provoziert. Im Zuge der Emanzipation geschieht solch ein unreifes, und das kindliche Bewußtsein schädigendes Verhalten ja schon beinahe automatisch.

Hier kommt noch ein weiterer Punkt hinzu, der in dem besteht, daß nun viele Männer in ihrer heidnischen oder auch alttestamentarischen Phase sich als Frührentner aus dem Arbeitsprozeß entbinden lassen ohne in das christliche Stadium zu gelangen. Dadurch wird der notwendige Erziehungsprozeß durch die das menschliche Bewußtsein veredelnde Arbeitsbeziehung unterbrochen und solch ein Mann hat es wieder sehr schwer, sich die weitere Entwicklung bis zum wahren Christen auch zuzuführen, denn er hat ja die Ausbildung über die Arbeit aus eigenem Antrieb unterbrochen und hat damit eigentlich wie ein Nomade reagiert, der nichts mehr von einer Arbeit hören will. Gerade die Heiden sollen jedoch eben durch die Arbeit ihre, in ihrem Körper noch immer schlummernde Sexualität nicht unnötig durch ein untätiges und träges Leben herauslocken und sollten durch eine disziplinierte Arbeit verhindern, daß sie von ihren körperlichen Trieben wieder zurück in den Nomadenzustand geworfen werden.

Kommt so ein, sich vorzeitig aus dem Arbeitsprozeß entfernt habender Mann nun in die häusliche Sphäre und trifft dort auf seine Ehefrau, dann ist ein weiterer Streit programmiert, weil dieser Mann sein Kreuz auf der Arbeit nicht getragen hat und die Frau dies aber auch intuitiv weiß und deshalb diese Schwäche des Mannes dort sein Kreuz nicht getragen zu haben, nicht nur als großen Mangel empfindet, sondern für sich selbst auch sehr deutlich spürt, wie ihr Mann hadert und er sich nur wieder auf sich selbst bezieht und ihr damit auch einen großen Anteil einer seelisch-liebevollen Zuwendung entzieht. Er ist vor der Arbeit geflüchtet und somit wird er auch gegenüber den inneren Problemen flüchten und wird nun erst recht nicht mehr erreichbar sein und das fühlt seine Frau. Er ist eben nicht glücklich und ausgefüllt, er hat seine Berufung nicht akzeptiert, er hat seine Pflicht zur Seelenveredelung eben nicht wahrgenommen und stattdessen flüchtet er sich in die alten Verletzungen von früher und das sind genau jene negativen Seelenmuster, die er doch überwinden sollte.

Unter diesen Gesichtspunkten ist eine Bestallung zum Frührentner äußerst fahrlässig, wenn sie allein aus der Absicht getätigt wurde, hier das Kreuz und die weiterführende Veredelung nicht anzunehmen und das ist leider heutzutage die Mehrzahl der Männer, die sich durch gute Pensionen oder sonstige gute Auszahlungsquoten frühzeitig von ihrer Arbeitsstruktur entbinden. Die dann auftretende sexuelle Begierde ist gerade bei den Männern sehr stark und die Frauen wissen dann bald nicht mehr, wie sie dieses Verlangen stillen sollen.

 

Weiterentwicklung des Bewußtseins über die Krankheiten

 

Wie wir gesehen haben, ist die Weiterentwicklung über die Arbeit für das menschliche Bewußtsein nicht so einfach, denn dort kommen von außen auch sehr harte Bedingungen auf die Menschen zu und es wäre schon besser, daß man dies vorher im Kreise seiner Familie erlebt oder auch korrigiert, denn genau deswegen ist die Familie ja auch vom Schöpfer gegeben und es sind diese drei Stadien der Bewußtseinsbildung zu beachten und abzuleisten, damit eine weitgehende Reinigung vom Trotz geschieht. So können, wenn wir auf den Trotz schauen der sich gegen die Weiterentwicklung dieses Bewußtseins stemmt, dann sicherlich wieder jene alten Trotzreste aufflammen oder hochkochen und können einen an sich schon erfolgreich verlaufenden Prozeß wieder blockieren oder sogar rückgängig machen. Für die Seele solch eines Menschen wäre das allerdings sehr traurig und er würde in Folge sehr viel Leid und Kummer erfahren und somit greift hier dann auch wieder diese göttliche Ausgleichfunktion, die wir schon zu verschiedenen Malen kennengelernt haben. Hier, während einer familiären oder sogar auch arbeitsmäßigen Blockade tritt dann die körperliche Erkrankung als Mittel auf, daß die Seele nun endlich diese Trotzwerte oder Trotzreste aus sich hinausschafft.

Mit anderen Worten: Wenn der betreffende Mensch nicht bereit ist in einer vergebenden Liebe seinen Trotz und Eigensinn abzubauen, er die Führung seiner Eltern oder Vorgesetzten so nicht akzeptieren kann und er auch nicht die Aussprache mit seinem Ehepartner annimmt, dann tritt er diese, für ihn bewusste Möglichkeit einer aktiven Handlung und Gestaltung seiner Seele dann wieder unnötigerweise an das mehr unbewußte Stadium des Kleinkindes ab. Er fällt damit also in die mehr unbewußte Phase

seiner Kindheit zurück und reagiert sehr kindlich-trotzig und letztlich, wenn er sich dann auch nicht mehr helfen lassen kann oder will, wird er über andere, nicht mehr von ihm zu

kontrollierende Mittel zur Räson gebracht und das können dann auch schon etliche Krankheiten oder Katastrophen sein.

Fällt der Erwachsene, durch seinen Trotz bedingt, in den nomadenhaften Zustand von früher eben deshalb zurück, weil er dort noch etliche Trotzreste hat, so sind es dann gewisse Infektionskrankheiten die auftreten und die solche, nun schon erwachsen gewordenen Menschen umso mehr bedrohen, denn diesmal kommt ja der ungenügend, in der Kindheit abgearbeitete Trotzrest doch wieder auf den Erwachsenen zurück. Eigentlich hätte er schon als Kind mit dieser Erkrankung alles an Trotz aus sich hinausschaffen sollen, denn genau deswegen sind diese, sich mehr im Blute befindlichen Krankheiten dort, damit der Trotz nicht noch in das Nervenkostum des Kindes übergeht und sich dort als charakterlicher Mangel manifestiert.

Kommen solche Krankheiten als Windpocken, Röteln, Gürtelrose, Scharlach, etc. dann wieder im Erwachsenenstadium zurück, so sind es doch nur die alten Kinderkrankheiten von früher, die leider zu schlecht ausgetrieben und durch den kindlichen Trotz nicht vollständig abgearbeitet wurden und deshalb kommt jetzt ein doppelt schlimmes Quantum auf solche, noch dem Nomaden nahestehenden Menschen zu.

 

Alle Krankheiten sind mit den negativen Seelenmustern vereigenschaftet und entstammen dem Trotz, der seinerseits wieder aus dem zweifach gefallenen Bewußtsein resultiert, das wir mit dem adamitischen und dem luziferischen Bewusstsein angesprochen haben.

 

Diese Krankheiten sollten den Menschen durchaus in die Demut führen, damit er umso leichter diese negativen Seelen-Muster überwindet, denn sonst würde der Trotz in die Nerven übergehen und weil genau das in der Kindheit durch die ungenügende Aufarbeitung des kindlichen Trotzes geschehen ist, so sind bei der nun folgenden Form dieser Krankheit also auch die Nerven mehr oder weniger deutlich betroffen. Das ist ein weitaus gefährlicherer und schmerzhafterer Prozeß als früher in der Kindheit, denn den negativen Trotz als Ichsucht aus den Nerven zu treiben ist weitaus komplizierter, als wenn diese seelisch-körperlichen Substanzen aus dem Blut getrieben werden müssen.

Solche Substanzen, in den Nerven sitzend, sind schon sehr nahe der Seele und somit sind sie beinahe schon charakterliche Mängel geworden und solche Menschen erkennt man an ihrer Unrast, an ihrem Zorn, an ihrer Wut, an ihren großen Versprechungen, denen nichts folgt, an ihrem aufbrausendem Charakter, etc. Wenn die Nerven durch diese Substanzen gewissermaßen schäumen, so schäumt eben sogleich der ganze Mensch und diese charakterliche Struktur ist eben noch sehr nahe derjenigen des primitiven Nomaden.

Das gefährliche an dem Trotz ist, wie er sich über den Körper, also über das Fleisch bis in die Nerven hinein verlagern kann und je näher diese trotzigen Gefühls- und Gedankenkonstruktionen der Seele kommen, umso größer ist die Gefahr, daß nun die Seele ihrerseits charakterliche Mängel annimmt. Charakterliche Mängel dann wieder umzuwandeln ist ein unglaublich langwieriger und auch schwerwiegender Prozeß, der nur unter großen Schmerzen mit einem hohen Kreuzesanteil abgeleistet werden kann und der auch durch die Generationen verteilt werden kann. Damit die Rückwandlung funktioniert, werden dann auch schon alle Krankheiten, Katastrophen und Unglücksfälle benötigt, weil durch sie eben genau jene negativen Seelen-Muster, die schon ganze Glaubenskomplexe und andererseits auch Bewusstseinsspaltungen bilden und Generationen von Menschen verseucht und unglücklich gemacht haben, dann wieder rückgängig gemacht werden können. An dem Körper zeigen sich alle diese Problemzonen der Seele und der Körper muß auch wieder dafür herhalten, daß die Seele diese negativen Werte aus sich hinausschafft und gleichbedeutend für den Körper steht dann andererseits auch wieder der Nächste, mit dem man sich brüderlich vertragen soll.

Die Krankheiten des Milchzahnstadiums sind eigentlich relativ ungefährlich, doch wenn sie später auf die Erwachsenen zurückkommen, dann wird es dafür umso gefährlicher und aus den ehemaligen Infektionskrankheiten sind dann schon Nervenkrankheiten geworden. Deshalb kann man diese Nomadenkulturen mit solchen Infektionskrankheiten auch beinahe schon gänzlich auslöschen, ein Umstand, den sich die alttestamentarischen Christen in Amerika zu Nutzen gemacht haben, indem sie ganze

Indianerstämme auf diese Art und Weise beinahe ausgerottet haben und die Spanier in Südamerika waren da auch nicht christlicher.

Im Heidenstadium gibt es dafür andere Krankheitsbilder, doch sind die Nerven in diesem Stadium weitaus stärker und widerstandsfähiger ausgebildet und deshalb halten die heidnischen Völker schon sehr viel mehr aus, als es diese Nomadenvölker tun. Hier sind es vorwiegend Rauschmittel und Drogen, sind es vorwiegend Illusionsmittel, welche die Heiden daran hindern, ihrer Arbeit oder ihrer Aufgabe nachzukommen und ein Mensch, der dieser harten Heidenumgebung nicht statthält, wird sich dann in Traumwelten und in Tagträumereien flüchten. Hier gibt es schon mehr nervliche Erkrankungen und Psychosen, gibt es deutlichere charakterliche Mängel, weil hier die Seele noch aufnahmebereit und empfänglich für falsche Lehren und Vorstellungen ist und die Auseinandersetzung mit der Familie oder der Natur ins Negative umschlagen kann und somit der nächstfolgende christliche Standpunkt nicht erreicht wird.

Im alttestamentarischen Bewußtsein, dem luziferischen Bewußtsein an sich, gibt es wiederum mehr seelisch-nervliche Krankheiten, und die Sexualität kommt hier zur großen Blüte, weil das vorher strengere und normierte Verhalten der Heiden bezüglich der Fortpflanzung jetzt aufgelockert wird und die Liebe zum anderen Geschlecht gewissermaßen eine Ersatzliebe für die göttliche Liebe darstellt, die man so einfach nicht erreichen kann. Das alttestamentarische Bewußtsein tröstet sich dann eben mit dem Nächsten körperlich, anstatt mit diesem eine geistig brüderlich-geschwisterliche Beziehung einzugehen. Aus diesem Umstand ergeben sich dann die Geschlechtskrankheiten in solchen Kulturen und die Infektionskrankheiten treten jetzt noch weitaus gefährlicher als vorher auf, indem sie nun als Pest, Pocken, Cholera und Seuchen erscheinen.

Im christlichen Bewußtsein, dann, wenn man noch nicht völlig dieser kreuztragende Christ geworden ist, sondern mehr noch in dieser alten Form des Alten Testaments festhängt, treten dann vermehrt die Krebserkrankungen auf, denn wenn die Seele sich nicht nach Außen in Form einer größeren Liebe und Nächstenliebe entwickeln kann, so frißt sie nach innen auch wieder alles weg und das erscheint dann gerade in den westlichen Kulturen als Krebs. Kann allerdings ein christlich gewordenes Bewußtsein sein Kreuz mit allen Nächsten ertragen und aushalten, so wird es in einer Liebe, die Jesus über alles liebt, dann den Krebs besiegen können, weil durch diese größte und höchste Liebe dann auch sämtliche Trotzwerte, die sich noch in den Nerven oder im Fleisch aufhalten, ausgetrieben werden. Sicherlich kann solch ein Mensch auch bei diesem Umwandlungsprozeß noch sterben und man kann hier keine Regel dafür setzen, daß ein vollwertiger Christ keinen Krebs bekäme oder ihn überleben würde, denn Gottes Wege sind dem Menschen nicht sichtbar, aber eine Regel kann man dennoch setzen und die ist, daß mit der Ab- oder Aufarbeitung des Trotzes, den man möglichst vollständig im Milchzahnstadium loswerden sollte, dann die Chance für ein langes und erfolgreiches Leben ohne größere Krankheiten besteht, wie dies im vierten Gebot ja auch schon angedeutet ist. Dort heißt es: Ehre Vater und Mutter, auf das es dir wohlergehe auf Erden und du lange lebst.

Wer die göttlichen Gebote kennt, wer sie einhält und sich also danach richtet, der wird kaum von solchen Krankheiten und Problematiken berührt werden.

 

Auftreten von Nervenkrankheiten

 

Bei den Krebserkrankungen kommt noch ein wichtiger Umstand hinzu, der in dem begründet liegt, daß vom nomadisierenden Bewußtsein über das heidnische Bewußtsein bis hin zum alttestamentarischen Bewußtsein ja noch die gewissen Trotzreste vorhanden sind. Werden durch eine liebevolle, aber auch konsequente Erziehungsmaßnahme schon viele Trotzwerte abgebaut, so verbleibt allerdings dennoch etliches in dem Kinde und wenn es die Infektionskrankheiten nicht vermögen, alles wieder vollständig auszutreiben und die weitere Erziehung nicht gegeben ist, so geht ein Teil von diesem Trotz als negatives Nerven-Muster eben in die Nerven über und manifestiert sich dort. Im weiteren Stadium kann ebenfalls einiges verbleiben, kann oder wird dann von der Seele angenommen und übernommen und stellt sich dann als Seelen-Muster da, das dann auch schon vererbt werden kann. Letztlich wird sich alles im alttestamentarischen Bewusstsein wieder deutlicher zurückmelden und wird als Kreuz auf die betreffenden Menschen zurückkommen, die sich dann mit ihren vorher ungenügend abgeleisteten Stadien auseinandersetzen sollten.

Allein durch die Annahme des Kreuzes und die daraufhin erfolgende Demut kann dieser letzte Trotzrest aufgearbeitet und in wahrer Nächstenliebe wieder umgewandelt werden, doch ohne Kreuz eben nicht. Das Kreuz annehmen bedeutet in diesem Zustand, daß man seinen Trotzrest demütig erkennt und ihn diesmal nicht wieder auf andere Menschen übertragen will. Der Fehler von früher, daß man die eigene Verantwortung nicht übernommen und Hilfe über andere Menschen in Anspruch genommen hat, die einen sogar noch in dem Trotz bestärken, wird in dieser demütigen Kreuzestragung nicht mehr geschehen. Würden die Menschen solch einen Trotzkopf jedoch wieder nach innen verweisen und ihn an die demütige Liebe und Vergebung erinnern, dann wäre es freilich wieder in Ordnung, doch wird sich kaum ein trotziger Mensch in solch einem Zustand daran erinnern lassen und wird eher vor Zorn und Wut glühen oder mit den Zähnen knirschen, als daß er sich solche, ihn besänftigende Worte gefallenläßt.

Entweder stellt man sich seinem Trotz und gelangt in die Demut, damit dadurch bedingt alles wieder aus den Nerven ausgetrieben werden kann, was eben der Zustand des Kreuzes ist oder aber man lehnt dieses wieder ab und versucht demzufolge, sich über eine geraubte Liebe von anderen die Freiheit von dem Kreuz zu erkaufen, weil man die anderen als Mittragende mißbraucht und ihnen das eigene, negative Seelen-Muster überträgt. In der Form der Nervenkrankheiten wird dieser entscheidende Punkt sehr deutlich:

Sind die Nerven äußerst erregt und spürt solch ein Mensch darum auch sehr deutlich seinen eigenen Trotz, denn wie schon ausgeführt, ist es letztlich der Trotz und Eigensinn aus den vorhergehenden Stadien, der sich in der nervlichen Erregung äußert, dann kann solch ein Mensch sich entweder an Jesus wenden und sich von IHM diese Fähigkeit zur Kreuzestragung verschaffen und durch diesen anschließenden Demutsweg seine Nerven wieder beruhigen und in den Griff bekommen, oder aber solch ein Mensch nimmt sein nur eingebildetes Seelen-Muster zum Anlaß, sich nun ganz konkret um die Hilfe von anderen Menschen zu bemühen, um sie in das eigene Nerven- bzw. eigentlich schon Seelen-Muster einzupressen.

Also entweder läßt man sich vom göttlichen Geist durch Jesus beruhigen und kommt zur Besinnung und der Trotzrest wird über das Kreuz aus den Nerven getrieben oder aber man geht zu anderen Menschen, mißbraucht sie als Mittragende und raubt ihnen auf diese Art die Liebe und läßt sich dann durch solch eine geraubte Liebe beruhigen. Aber dieser Zustand ist dann nicht von Dauer, denn die Nerven sind ja nur von Außen beruhigt worden und haben den Trotzrest noch immer in sich. Das ist im Prinzip auch schon die Ursache aller Nervenkrankheiten. Wird solch ein Mensch von anderen beruhigt, dann kann er auf diese Art und Weise wieder funktionieren und kann auch wieder Lichtengel spielen und zum scheinbar Guten wirken, doch der Trotz ist noch immer vorhanden. Und wenn dann irgendwann wieder einmal eine belastende Situation auftritt und die Nerven dann wieder vibrieren, fällt solch ein Mensch sogleich in den Zustand des alten Drachen zurück.

Letztlich nutzt es nichts, will der Mensch aus dieser Falle heraus, daß er zum einen Lichtengel und Drachen bzw. Luzifer und Satan spielt, dann muß er sich nach innen wenden und muß seinen Stolz und seinen Hochmut, also seinen Trotz und Eigensinn selbst bearbeiten und bezähmen. Doch dieser demütige Kreuzesweg ist allen anderen Bewußtseinsstadien noch sehr weit weg und kann an sich nur im alttestamentarischen und am besten im christlichen Bewußtsein umgesetzt werden, weil nur hier die Nähe zu Gott gegeben ist und weil nur hier die Vergebung ein zentraler Punkt ist und die Voraussetzung der Vergebung, die Demut, auch nur hier wieder deutlich gemacht werden kann und Gott selbst in Gestalt von Jesus uns diesen Weg gewiesen hat und uns bei der Umsetzung dessen hilft.

 

Kain und Abel – der Brudermord als eifersüchtiger Akt gegen Gott

 

Nun haben wir so einiges vom Christentum und dem für das menschliche Bewußtsein so höchst wichtigen Stadium des christlichen Bewußtseins gehört und dennoch haben wir das erste aller Seelen-Muster, durch den Fall von Adam und Eva gebildet, noch nicht so richtig durchgesprochen. Wenn es heißt, daß ganz zu Anfang, nachdem sich Adam und Eva fleischlich verbunden haben und Kain zeugten, dieser Kain dann seinen nach ihm kommenden Bruder erschlug und diese Tat auf alle folgenden Geschlechter als seelisches Muster zurückkommt, so müssen wir der Vollständigkeit halber noch einmal überlegen, wie das in Bezug auf diese Seelen-Muster so gemeint ist?

Zurück zum adamitischen Fall:

Adam und Eva vereinigten sich vor der erforderlichen Reife ihrer Seele dann körperlich-sinnlich, ohne das sie ihres Gottes gedachten und zeugten somit den Kain in einer gottlosen Art und Weise. Gut, was war jedoch vorher, bevor dieser Zeugungsakt geschah? Vorher haderten die beiden an Gott und bildeten also ein negatives Geschwistermuster gegen Gott als ihren Vater aus. Wie wir jedoch gesehen haben, ist dieses negative Geschwistermuster immer das zweite Muster, was nach dem ersten Muster auftritt. Und dieses erste Seelen-Muster ist jenes, wo das Kind sich allein durch den Einfluß der Mutter gegen den Vater richtet. War Adam also vorher schon im ersten Seelen-Muster tätig gewesen und hat er sich dann, als er allein gewesen war, gegen seinen Vater, also gegen Gott, gewendet und wer ist dann seine Mutter?

Wir kennen diese Geschichte aus der Bibel relativ genau und so wissen wir auch – und es wird in den Büchern von Jakob Lorber (Haushaltung Gottes) noch deutlicher – daß Adam ganz zu Anfang an seinem Dasein haderte und nicht mehr allein sein wollte. Adam wurde in seiner Seele traurig, als er so ganz allein die Erde durchwanderte und sehnte sich nicht so sehr nach Gott, sondern mehr nach einem Gefährten. Der Vater ist als Gott selbst vorgebildet und will die Seele zu sich hinziehen und tut dies mit Seiner göttlich-geistigen Einsprache im Gewissen bei uns allen, aber hier im konkreten Fall nun bei Adam. Die Mutter ihrerseits ist hier als die seelische Einsprache vorgebildet, die sich nicht nach dem Vatergeist, sondern mehr nach dem richtet, was die gute Seele an sich so will und stellt auch den gewissen Trotzrest und den Eigensinn dar. Diese, noch seelische Einsprache wird später bei Eva in dem entsprechenden Bild der Schlange deutlich und somit kann diese Schlange als Sinnbild der unreifen Mutter betrachtet werden, wie wir sie in den vorhergehenden Kapiteln betrachtet haben. Allerdings müssen wir hier sehr vorsichtig sein, denn nicht nur die Mutter, sondern auch der Vater hat diesen Schlangenanteil der Eigenliebe. Jeder Mensch hat sie also, aber hier bei der Aufdeckung dieser Seelen-Muster betrachten wir die allererste Einsprache der Seele bei Adam auch als mütterliche Einsprache, weil Adam nicht dem Vatergeist in sich gehorchte, obwohl er sich in dessen bewußten Stadium befand, sondern weil er hier wieder in das vorhergehende Stadium der guten Seele, der Mutter zurückging. Adam befand sich ja schon im höchsten Stadium des Bewußtseins und hatte eine konkrete innere Ansprache und Verbindung zu Gott. Wir können deshalb sehen, wie schon Adam, als er sich noch allein auf der Erde in seinem vollkommenen Bewußtsein befand, dennoch einen negativen Seelenrest in sich getragen hat, der sich hin und wieder meldete und den er durch die Liebe zu Gott ableisten sollte, um dann aus eigenem und bewußten Antrieb vollkommen im göttlichen Bewußtsein zu bleiben. Die Negativität als solches ist also von Anfang an als Möglichkeit, gegen Gottes Ratschluß und Erziehungsmaßnahme zu handeln, vorhanden gewesen, aber die Fähigkeit, das Richtige zu tun und überhaupt die richtigen Entscheidungen zu treffen, waren bei Adam auf höchstem Niveau ausgebildet gewesen und dennoch ist er gefallen.

Erst später wurde aus diesem negativen Seelen-Muster oder Rest dann die Schlange als entsprechendes Sinnbild und als deutlich zu erkennender Eigensinn gebildet. Adam war anfangs vollkommen Herr über alles und war deshalb auch ein vollkommener Herr über seine Seele und dennoch waren dort gewisse Entscheidungen zu treffen, die er jedoch aufgrund seiner Vollkommenheit hätte richtig treffen können und es auch getan hat, insoweit er sich nach dem inneren Vatergeist gerichtet hat. Die Schlange ruhte dort noch

weitgehend und ist nur in gewissen Situationen rege gewesen. Doch als Eva später kam und aus ihrem Schlaf erwachte, da erwachte auch die Schlange mehr und mehr und sollte aus eigener und freier Entscheidung überwunden werden.

Hier können wir den Anfang des ersten Seelen-Musters als negativen Wert sehr deutlich erkennen, denn dieser Teil der Eigenliebe oder des Trotzes ist jene Schlange, die dann später als Trotz in den Eltern wieder auftaucht. Adam wandte sich dadurch gegen diese göttliche Erziehungsweise und wollte nicht so sehr das göttliche Bewußtsein direkt anstreben und diesen Trotz nicht direkt in der Liebe ohne Umwege überwinden, sondern eher den Umweg über die äußere Beziehung mit einer Gefährtin gehen. Damit stellte er eine Forderung gegen Gott auf und setzte Gott somit in die Schuld und wurde dann auch schon luziferisch. Hier verlor er seinen vollkommenen und damit auch unschuldigen Status und kehrte in das luziferische Stadium des Bewußtseins zurück.

Dieses erste Seelen-Muster war noch nicht dieser schlimme Vorfall, der zum gänzlichen Abfall von Gott geführt hat, aber er war diese gewisse vorbereitende Abwendung, die dann später auch geschah. Nachdem Adam in Eva seine Gefährtin erhalten hatte und die beiden somit ein kleines Empörungsmuster gegen den Ratschluß ihres göttlichen Vaters in ihrer Seele gezeugt hatten, da sollten sie in vielen Jahren und Ausbildungszyklen dieses empörende Seelen-Muster ablegen und sich beide wieder inniglich mit dem göttlichen Geist in sich verbinden. Aber genau dann geschah der Fall des menschlichen Bewußtseins wieder in die Materie zurück, indem das Ichbewußtsein von beiden sich dem Körper zuneigte und diese geschlechtliche Zeugung unternahmen. Als entsprechendes Beispiel trat dann also die Schlange als negatives Seelen-Muster ganz konkret in die Erscheinung und die beiden hätten in freier Entscheidung das positive, geschwisterliche Muster beibehalten können oder sich aber dem negativen „Schlangenmuster“ zuwenden können und wie wir wissen und auch an uns selbst erleben oder erlebt haben, ist also die Entscheidung für das Negative geschehen.

Nun wurde eben das sehr negative Seelen-Muster nach außen in Gestalt von Kain geboren, der so betrachtet auch als Kind der Schlange, als Kind der Welt, gelten kann, während die Zeugung von Abel dann wieder in der richtigen göttlichen Ordnung geschah. Kain war also der sichtbare Beweis einer geschwisterlichen Empörung gegen Gott als Vater und durch diese Empörung seitens Adams und Evas sind beide dann in die Geschlechterrolle von Mann und Frau gelangt und haben Kain gezeugt. Kain trug deshalb diese Empörung der zwei Elternteile in sich, die eigentlich Geschwister hätten bleiben sollen und entwickelte dieses negative Geschwistermuster für alle deutlich nach außen und erschlug als Konsequenz seinen Bruder Abel, was soviel besagt, daß es in der sinnlichgeschlechtlichen Zeugung eigentlich keine Geschwister gibt, sondern jeder nur eifersüchtig auf sich und seine Geschlechterrolle schaut und diese Rolle eben nicht zuliebe eines Bruders oder einer Schwester überwinden will.

Adam und Eva sollten also in einer reinen Geschwisterliebe verbleiben und sollten diese körperliche Zeugung so nicht vollziehen, sondern sich so verbinden, wie dies in alten Zeiten öfters geschehen ist, indem durch die gegenseitige Liebe sich beide unter der Obhut Gottes stellen und um ein Kind bitten. Dann sollten sich beide an der Brust berühren und anschließend die Hände aufeinanderlegen und die gewisse Zeit der rein geistigen Empfängnis abwarten (Siehe auch bei Jakob Lorber – Der Saturn, wo diese Art der Zeugung beschrieben wird).  Keinesfalls sollte ein körperlicher Akt daraus entstehen und vor allem nicht diese rein tierisch-körperliche Zeugung, die heute allgemein üblich ist. Heutzutage ist es kaum vorstellbar und den aufgeklärten und vernünftigen Mensch nicht begreifbar zu machen, wie die Zeugung eines Kindes eigentlich hätte ablaufen sollen. Allerdings wurde Jesus auf ähnliche Weise gezeugt, denn Maria als Jungfrau wurde vom „Geiste Gottes überschattet“ und dieser Ausdruck besagt, daß die Empfängnis von Maria keinesfalls ein geschlechtlich sinnlicher, sondern eindeutig ein geistiger Prozeß gewesen ist. Aber auch Maria, Johannes der Täufer und andere gelangten nicht aufgrund einer körperlichen Triebzeugung auf diese Erde, sondern waren Ausdruck dieser geistigen Zeugung, die auch schon zwischen Abraham und Sarah mit Isaak geschehen ist, während Ismael wieder nur körperlich zwischen Abraham und Hagar gezeugt wurde.

So sollte ganz zu Anfang diese geistige Zeugung zwischen Adam und Eva geschehen, doch durch die Hinwendung zur Seele hat sich ihr negatives Seelen-Muster dann eben gegen Gottes Ratschluß gewendet und die Beiden haben durch ihre Ungeduld und Neugier, die sehr viel untauglichere körperliche Vereinigung gewählt, bei welcher wiederum sehr viel Trotzreste zurückkommen, die eigentlich schon abgebaut gewesen waren. Durch diesen eigensinnigen Akt und dessen Folgen wurde also das negative Geschwistermuster sogleich auf Kain übertragen und Kain ist der Träger dieser Erbsünde, denn die reine Geschwisterliebe wurde dadurch zur geschlechtlichen Liebe zwischen Mann und Frau umfunktioniert und, wenn man diesen Gesichtspunkt unter den

geschwisterlichen Verhältnissen betrachtet, so wurde dabei im Prinzip die inzestöse Verbindung vollzogen, jedenfalls geistig betrachtet.

Wenn wir uns Mann und Frau wie Bruder und Schwester im christlich-geistigen Sinne vorstellen, so ist dieser körperlichesinnliche Geschlechtsakt tatsächlich inzestös, doch unter den „normalen“ Gesichtspunkt, wie dies nun zwischen Mann und Frau geregelt ist, wo sie ja noch nicht im christlichen Sinne entwickelt sind, ist das eben die Normalität und dann kann von solch einer Inzucht auch nicht gesprochen werden, obwohl sie es, geistig betrachtet, sicherlich ist. Wollte heutzutage ein Ehepaar eine rein geistige Zeugung vornehmen, so wäre das von vornherein zum Scheitern verurteilt, weil die dafür notwendigen geistigen Voraussetzungen bis auf seltenste Ausnahmen nicht mehr gegeben sind und das Menschengeschlecht wäre vom Aussterben bedroht. Aber das zeigt eben auch an, wie tief das Menschengeschlecht nun vor Gottes Antlitz gefallen ist, denn wenn nun beinahe kein geistiger, ordnungsmäßiger Zeugungsakt möglich ist und nur noch die allseits bekannte, mehr tierische Zeugung vonstatten geht, dann wird mit jedem Kind dieser, damals doch schon überwundene Trotzrest zurückkehren und deshalb ist unsere Welt eben so, wie sie ist.

Wir halten demzufolge fest, daß dieses erste negative Seelen-Muster gegen den Vater schon von Adam gebildet wurde, weil er in seinem freien Willen sich dafür entschieden hat und er dann später mit seiner Eva sogar das zweite Seelen-Muster gebildet hat, wo sie sich beide, ebenfalls in freier Entscheidung, gegen Gott auflehnten und dadurch auf ihre körperlich-sinnliche Stimme gehört haben, anstatt auf die Stimme ihres Gewissens zu hören, die ihnen empfahl, solches nicht zu tun. Kain, als Symbol bzw. als sichtbarer Ausdruck dieses zweiten seelischen Musters der geschwisterlichen Verbündung gegen den Vater, stellt mithin das zweite Seelen-Muster sehr deutlich da. Und wie negativ sich das zweite Seelen-Muster im Extremfall erweisen kann, zeigt uns Kain damit sehr deutlich. Er brauchte auch keinen anderen Menschen dazu, um diese sehr böse Tat gegen seinen Bruder auszuführen, sondern hörte nur wieder auf die Stimme in seinem Innern, die Stimme der Eigenliebe, die Stimme seines Trotzes, die Stimme der Schlange.

Im eigentlichen hat er Abel nicht deshalb erschlagen, weil er primär gegen Abel eingestellt war, sondern er erschlug seinen Bruder, weil er sich gegen den Gottvater gestellt hat und er wollte sich an seinem Gottvater rächen, indem er IHM eben seinen Liebling nahm. Jene Eifersucht, die in Gestalt der Schlange schon seine leiblichen Eltern bekrochen hat, kam bei ihm noch sehr viel stärker zur Ausprägung und initiierte diesen Brudermord. Er selbst hat Gott für Böse erklärt und hat diese göttliche Liebe und Gerechtigkeit deshalb verworfen und hat aus den liebenden Vater einen ihn strafenden und nicht liebenden „bösen“ Vater gemacht.

Hier können wir sehr deutlich dieses negative Seelen-Muster gegen den Vater erkennen, der von solchen Trotzköpfen für böse erklärt wird und dann gibt es demzufolge auch keine Geschwister mehr, mit denen man sich in einer göttlichen Liebe verbinden könnte, sondern die alte Eifersucht des Trotzes steigt in solch einem Bewußtsein wieder hoch. Die Funktion der Mutter, welche das Kind beredet und gegen den Vater hochputscht wird hier zu Anfang noch sehr deutlich von der Eigenliebe wahrgenommen, die eben in Form einer Schlange dargestellt ist.

Sicherlich wird auch die Eva als leibliche Mutter da ihren gewissen Anteil daran haben, doch für uns sollte deutlich sein, wie sich diese Seelen-Muster von Anfang an gebildet haben und wie sie sich auswirken.

 

1.Adam stand in der Vollkommenheit, hatte jederzeit die freie Wahl der Entscheidung und konnte sehr gut die richtigen Entscheidungen treffen und zweifelte dennoch an dem, was Gott für ihn wollte und er verlangte dafür lieber einen sichtbaren Gefährten. Damit fiel er in den luziferischen Zustand zurück, der das Äußere über das Innere stellt.

 

2.Gott schenkte ihm diese Gefährtin als Gehilfin zur Rückkehr und er sollte nun mit dieser zusammen den luziferischen Standpunkt überwinden und dazu hätten beide reine Geschwister bleiben sollen und die Zeugung der Kinder wäre dann auch geistig geschehen. Er wäre mit seiner Gehilfin dann wieder vollkommen geworden und die innere Gotteswelt, der Himmel, hätte sich anstelle der äußeren Erdenwelt, der Hölle, entwickelt.

 

3.Doch dann fielen beide in das körperlich-sinnliche zurück und der 2. große Fall im menschlichen Bewußtsein trat ein und aus dem ersten Seelen-Muster als Empörung gegen den Vater ergab sich das 2. Seelen-Muster der geschwisterlichen Vereinigung gegen den Vater und das bewirkte also diese körperlich-sinnliche Zeugung. Daraus ergab sich die Trennung der Geschlechter in Mann und Frau, wo die Schlange das Sagen hat.

 

4.Kain, als Sinnbild der negativen Geschwisterliebe, hat dann dieses innere Muster der Seele, sich gegen Gott zu empören, auch sehr deutlich nach Außen hin übertragen und dann tatsächlich seinen Bruder erschlagen. Doch damit wollte er auch nur seinen göttlichen Vater treffen und deshalb ist dieser Brudermord als kleiner Vatermord zu betrachten. Gott kann man nicht töten, aber man kann Ihm das nehmen, was Er liebhat. Jedenfalls war dies der dahinterliegende Gedanke.

 

5.Der Haß gegen den Vater bewirkt im Extremfall dann auch schon nicht nur ein sehr negatives Geschwistermuster, sondern, wenn dieser verhaßte Vater das andere Geschwisterchen liebt, sogar auch den Mord des anderen. Das, was der Vater liebhat, wird dann dem Vater genommen und alles nur, weil der eigene Trotz solch einen wahnsinnigen Eifersuchtswert hat aufgrund einer unglaublichen Rangsucht und Rachsucht.

 

Verborgene Seelen-Muster und Verschiebungen

 

Diese Seelen-Muster sind natürlich immer verborgen und höchst verdeckt, denn wem ist das schon bewußt und wer würde das auch schon zugeben? Als Kain seinerzeit den Abel erschlagen hat, da rebellierte er innerlich gegen diese göttlichen Erziehungswerte des Vaters und nahm Ihm das Liebste, was der Vater aus seiner Sichtweise gehabt hat, nämlich den Abel, weil Kain eben auch das in Abel sichtbare Göttliche loswerden wollte. Der göttliche Vater wurde in dem Trotz von Kain so verkehrt aufgefaßt, daß Kain diesen

Vater als böse und äußerst ungerecht empfand. Der Trotz verkehrt insgesamt alle reinen und himmlischen Werte in das Gegenteil. (siehe S. 33) Durch diese negative Eigenschaft verschafft sich solch ein Mensch eben das Recht, zu allen Mitteln greifen zu dürfen, um diesen angeblich erzbösen Vater oder das angebliche Unrecht zu rächen. Und wenn dazu eben der eigene Bruder oder die Eltern getötet werden müssen, so ist das dem Trotz auch schon egal. Der Trotz ist dem Wesen nach ein Wahn, der irgendeine bloße Illusion oder Einbildung zur Realität erklärt und diese Illusion oder scheinbare Realität dann mit realen Mitteln bekämpft.

Abel war die Konkretisierung der göttlichen Liebe und Ordnung und somit bedrohte er Kain in dessen träger Lebensauffassung und hielt ihm allein durch seine Existenz auch schon den göttlichen Spiegel entgegen und Kain empfand sich im Vergleich zu Abel als

minderwertig und schlecht. Anstatt nun an sich zu arbeiten und seiner Seele zu helfen, die negativen Seelenreste zu überwinden, tat Kain eben das für ihn scheinbar leichtere, indem er den göttlichen Spiegel zerschlug, indem er also seinen Bruder als sichtbaren Ausdruck der göttlichen Liebe erschlug. Damit glaubte er, wäre er das vermeintliche göttliche Stigma los und hätte Ruhe vor dem Herrn. Doch damit begann eben das ganze Unheil und die Menschheit hat dann eben erlebt, was sie als Konsequenz dessen erleben mußte.

 

Schlußbetrachtung

 

Niemand kann für sich in Anspruch nehmen, den Stein der Weisen oder die ultimative Lösung der Seele gefunden zu haben. Allerdings können wir deutlich darauf hinweisen, daß dieser Stein der Weisen eben die Liebe zu Jesus ist und der Herr und Vater also auch schon diese ultimative Lösung darstellt, doch das sollte jeder für sich herausfinden und als Wahrheit erleben. Das können wir für den anderen nicht bewerkstelligen, sondern das muß jeder Mensch für sich selbst entwickeln.

So bieten wir auch keine ultimative Lösung an, aber wir wollen verdeutlichen, an welchen Problemen die Seele an sich hadert und wie man vorgehen kann, will man sich da einiges an Mühsal und Katastrophen ersparen. Es sollte deutlich geworden sein, daß es hier auf Erden kein Schlaraffenland gibt und ein solches Dasein den Menschen auch nichts einbringt. Wir sind auch nicht so vermessen, daß wir annehmen, allein durch die Lektüre solch eines Büchleins könnte der ein oder andere Mensch „geheilt“ werden, denn zur Heilung gehört auch immer der persönliche Wille des Betreffenden und darum sollte jeder Mensch schon selbst aktiv um sein Seelenheil bemüht sein. Aber was wir gerne annehmen und glauben ist, daß durch diese kleine Aufklärungsarbeit hier das ein oder andere Problem deutlicher geworden ist. Aber niemand glaube, das allein das Lesen schon die Lösung sei, denn nicht der Leser oder Hörer, sondern der danach tätige Mensch wird die Frucht an sich und anderen erleben. Was zählt ist das Bemühen, um tatsächlich eine solide Vergebung und Überwindung der eigenen Probleme zu bewerkstelligen und das erbitten wir vom Leser, daß er sich weniger empören möchte, aber dafür umso emsiger an sich und seinen Seelen-Mustern arbeiten möchte.

 

Einige Beispiele, wie die Seelen-Muster wirken

 

1. Beispiel - Eine schon ältere Frau:

a) die Eltern

 

Ihr Vater war Bauer und die Mutter ist bei ihrer Stiefmutter aufgewachsen und fühlte sich dort immer zurückgestellt und minderwertig. Sie hat ihre Stiefmutter nie richtig angenommen und konnte nicht ordnungsgemäß diese Kindheitsstadien ableisten und ihr Vater war zu sehr beschäftigt und konnte dort nicht korrigierend eingreifen. Die leibliche Mutter hat früh resigniert und ist dann verstorben, allerdings hat sie ihre Kinder zu sehr an sich geklammert gehabt und hätte sie nicht freiwillig an den Vater übergeben. (erstes Seelen-Muster gegen den bösen Vater wurde gebildet)

Als diese Mutter dann verstorben war, kam eben die besagte Stiefmutter in diese Familie und versuchte daraufhin eine Korrektur, aber die Kinder haben das in ihrem Trotz nicht mehr akzeptiert und so kam es zu einer Konfrontation in dieser Familie, wo die Geschwister untereinander das zweite negatives Seelen-Muster gegen diese Stiefmutter und sogar noch gegen ihren Vater gebildet haben. Als dieses Kind dann ebenfalls erwachsen geworden ist, trug sie noch alle diese negativen Muster in sich, wurde selbst Mutter von vier Kindern, wiederholte die Fehler ihrer leiblichen Mutter, und verband sich mit ihrer Tochter, die nun jene Frau ist, von der wir sprechen.

 

b) die Frau

Diese nun erwachsen gewordene Frau arbeitete, heiratete und bekam dann drei Kinder und wiederholte ebenfalls den Fehler ihrer Großmutter und Mutter, so daß dieses Muster schon sehr nahe an die Seele gelangte und in den Nerven dieser Frau schon recht fest manifestiert wurde. Über drei Generationen hat sich dieses negative Seelen-Muster etabliert, welches gegen den Vater gerichtet ist. Es hat ihn für böse erklärt und nur dieses kurze Intermezzo von Seiten der Stiefmutter hat ein Gegenmuster versucht, welches sich allerdings nicht durchsetzen konnte. Insgesamt haben fast alle Kinder in Folge diese Einstellung übernommen, daß der eigene Vater nur „Böse“ sein kann und haben sich daraufhin beinahe ausschließlich in der Sphäre der Mutter bewegt. (Muster vom Paradies mit der Mutter zusammen)

Nach der Heirat und Geburt ihrer Kinder hat nun diese Frau ihren Mann auch nie unterstützen können, denn sie hat die bösen Erfahrungen mit ihrem Vater auch auf ihren Mann übertragen und somit gab es dann eine gewisse Überforderung und daraufhin dann auch schon eine Trennung. In ihrer Kindheit gab es mehrere Sterbefälle, die ungewöhnlich waren. Ihre jüngere Schwester ist im jugendlichen Alter vom Auto überfahren worden und hat dies vorher sogar geträumt und wollte nicht zur Schule gehen und der Vater wurde später bei einem Arbeitsunfall von einer Mauer erschlagen. Für die jüngere Schwester war die häusliche Situation sehr belastend und für den Vater war die Situation also schon ausweglos geworden. Er ist nicht mehr an seine Kinder herangekommen und somit wurde er auf höhere Weisung abberufen. Das Bollwerk bzw.

die Festung zwischen der Mutter und ihren Kindern war schon so stark geworden, daß er beim Versuch, diese Festung zu erstürmen, dann zu Tode gekommen ist. Er hatte seine Kinder nie richtig anleiten und führen dürfen und als er es später versucht hatte, funktionierte dies nicht mehr und er wurde abberufen.

Die Frau, als seine Tochter, wurde mit ihren drei Kindern deshalb auch nicht fertig, wurde depressiv und landete letztlich in einer „Sekte“, wo es dann nach viel Mühsal gelang, dieser Frau zu helfen und sie zu stabilisieren. Doch irgendwann sollte diese Frau ihre alten Seelen-Muster überwinden und nun im positiven Licht dieser Hilfe neu bewerten, aber das vermochte sie dann doch nicht und fiel in ihre alten Muster zurück. Anstatt über ihre neue Erfahrungen nun auch in die so notwendige Vergebung zu gelangen und doch die Liebe ihres Vaters zu entdecken und dies vor allem auch in der Gemeinschaft für sich neu zu entwickeln und es ihren Ersatzeltern auch zu danken, die sie in Liebe aufgenommen hatten, fiel sie wieder in ihre alten Seelen-Muster zurück. Also entdeckte sie nur, wie furchtbar doch diese Sekte gewesen sei und bekämpfte in den Verantwortlichen „Sektenführer“ dann eigentlich auch nur ihre Eltern und besonders ihren Vater. Sie wollte dann unbedingt weg, schaffte den Absprung einige Jahre später, aber ihre Kinder sind nicht mitgezogen, denn sie fühlten sich in dieser Umgebung wohler als bei ihrer sprunghaften und unzuverlässigen Mutter. Später verstarb ein Sohn auf ungeklärte Weise.

Für die Frau gab es dann nur noch die Abrechnung mit dieser „Sekte“ und sie schrieb sogar ein Buch darüber und suchte auf diese Art Gerechtigkeit und Trost, indem sie die Schuldzuweisungen auf andere übertrug. Wenn diese Frau weiterkommen möchte, so muß sie sich ihrer Verantwortung stellen und muß ihren kindlichen Trotz und vor allem auch die schon in ihren Nerven befindliche Schwäche erkennen und annehmen und dahingehend korrigieren, indem sie nun ihr Kreuz annimmt und es trägt. Aber solange sie sich weigert und eigentlich immer nur Zuspruch und Trost fordert um die Rolle als Opfer aufrechtzuerhalten, kann sie diese Hürden ihrer Seele nicht überwinden und bleibt nervenschwach und krank. Sie selbst hat sich von ihren Eltern abgewendet und isoliert und erlebt nun ein ähnliches Schicksal mit ihren Kindern.

 

Zweites Beispiel einer älteren Frau:

 

A. wurde als siebentes von neun Kindern geboren. Die beiden ältesten Söhne kamen behindert zur Welt. Der Vater hatte sein blühendes Geschäft zu führen und die Mutter blieb zuhause, denn sie hatte mit ihren Kindern genügend zu tun. Durch die geschäftliche Situationen konnte der Vater zuhause seiner Aufgabe nicht mehr gerecht werden und hinzu kam, daß seine Frau es auch nicht zugelassen hat und demzufolge hatte er sich schon im Alter von 58 Jahren zerschlissen und verstarb.

A. arbeitete genau wie ihre älteste Schwester in einem Heim, wo behinderte Kinder untergebracht waren. Sie heiratete mit 21 Jahren, bekam zwei Töchter und als sie mit ihrer dritten Tochter schwanger war, verstarb ihr Mann. Später bekam sie noch eine Tochter von einem Freund, der sie dann allerdings wieder verlassen hat als das Mädchen zwei Jahre alt war. Seit 17 Jahren lebt sie jetzt mit einem Freund zusammen.

Die Kinder sind ausgezogen und leben ebenfalls unverheiratet mit Partnern zusammen und haben ebenfalls Kinder. Die älteste Tochter hat dasselbe erlebt wie ihre Mutter A. Sie wurde auch verlassen als ihre Tochter 1 Jahr alt war. Nun lebt sie mit dem nächsten Freund zusammen und der Exfreund hat mit seiner neuen Freundin auch wieder ein Kind. Hier zeigt sich deutlich das Familienmuster einer Patchworkfamilie.

A. ist heutzutage damit beschäftigt ihr Leben in spirituellen Büchern zu verarbeiten und schrieb so z.B. ein Buch mit ihrer verstorbenen Mutter zusammen, mit der sie angeblich Kontakt hat. Es ist deutlich, daß sie ihre Mutter noch nicht einmal losgelassen hat, nachdem ihre Mutter gestorben ist.

Ihre Kindheit war sehr problematisch und die Nerven der ältesten Schwester waren sehr angegriffen und sie hatte von Kindheit an mit Verstorbenen zu tun und dachte, daß dies normal sei und jeder Mensch solche Erfahrungen hatte. Es wurde nicht verstanden, dass dies durch den Druck der häuslichen Situation entstanden ist, weil sich die kindliche Seele dann am Jenseits hielt, um von dort ihren Ausgleich und Trost zu bekommen. Diese Tochter hat den meisten Druck ihrer Mutter ausgehalten und war schon sehr früh eine Mittragende, der Seelenlast ihrer Mutter. Sie entwickelte ein positives Seelen-Muster und kümmerte sich rührend um ihre Geschwister und so auch um A. Weshalb sie dann auch beide diese geistig behinderten Kinder betreut haben, zu denen auch ihre beiden älteren Brüder zählten. Diese ältere Schwester war der Hauptstützpunkt der Eltern geworden, obwohl sie zu Lebzeiten immer ein wenig nervlich angegriffen war.

A. ist selbst nicht in die Sphäre des Vaters gelangt, sondern hat ersatzweise vieles von ihrer älteren Schwester erlernt, die selbst besser mit ihrem Vater klargekommen ist. Der Vater konnte und durfte sich eigentlich nur um das Geschäft kümmern und mußte für die Sicherung der Versorgung herhalten, was er auch tat. Als A. dann selbst Mutter geworden ist und ihr diese Fähigkeit ihres Vaters, dort auf der Arbeit stabil zu bleiben fehlte und sie auch die mütterliche Pflicht nicht richtig angenommen hatte, da wurde die Belastung für ihren eigenen Mann so groß, daß er sich schon im Alter von 32 Jahren verabschiedete und gestorben ist. Er hatte sich für seine Frau zerrieben. Nun stand sie alleine da und kam erst recht nicht klar. Der nächste Mann war auch nicht in der Lage, ihr dort zu helfen und sie hätte das auch nicht akzeptieren können, das ein Mann ihr sagt, wo es langgeht. Weil sie ihr falsches, väterliches Bild noch immer nicht korrigieren wollte, so durfte dieser Mann nur Freund sein und mußte dennoch allein für die Versorgung für sie und den Kindern sorgen. Doch als ihre gemeinsame Tochter zwei Jahre alt geworden war hat er sich dann auch schon abgesetzt. Er hat deutlich gefühlt, daß er nur der Lückenbüßer für A. gewesen war.

Nun glaubte A. zu wissen, daß die Männer insgesamt sehr unzuverlässig sind und deshalb wollte sie die Versorgung nun selbst in die Hand nehmen und tat es auf ihre Weise, indem auch sie ein Buch über ihr Leben schrieb. Allerdings fehlte ihr dazu das nötige Wissen und so kam sie also mit einem dritten Partner zusammen, mit dem sie nun seit vielen Jahren lebt, ebenfalls ohne Trauschein. Er hilft ihr nun bei ihrer finanziellen Versorgung, denn er hat alles dafür in die Wege geleitet, dieses Buch umzusetzen und dafür zu sorgen, daß es auch gedruckt wird.

Hier in diesem Buch schreibt sie nun alle ihre Erfahrungen zusammen mit ihrer verstorbenen Mutter nieder und sie beide erklären im Prinzip die Welt eigentlich nur als unsicher, unzuverlässig und böse. Also wird in diesem Buch nur deutlich, wie sie ihre negativen Seelen-Muster weder erkennt noch abarbeiten will, sondern dieses Buch dient auch nur als Abrechnung und Schuldzuweisung ebenso, wie es der vorige Fall deutlich zeigt. A. versucht also über den Tod ihrer Mutter hinaus, dieses seelische Muster des Bollwerks und des verlorenen Paradieses mit ihrer Mutter noch immer aufrechtzuerhalten und bedient sich dazu des Musters ihrer verstorbenen Schwester, die tatsächlich in Kontakt mit Verstorbenen stand, während das bei ihr selbst nicht der Fall

ist.

Nach einigen Prüfungen zwecks der Authentizität ihrer Fähigkeit mit Verstorbenen zu kommunizieren, hat sich sehr deutlich herausgestellt, daß alles nur Illusionen und unwahre Behauptungen sind und nichts von dem stimmt, was sie da zusammenschreibt. Sie lügt sich von der Realität hinweg in eine Traumwelt, in eine Illusion und nimmt dafür die Liebe ihres Partners und anderer in Anspruch, um dieser Illusion eine Realität zu verleihen und stellt dies in und mit Büchern da. Aber diese Illusion ist eben keine Realität und solange sie dies nicht erkennt, solange kann sie in ihrer Seele nicht weiter ausreifen und bleibt auf der Stufe des nomadisierenden Bewußtseins stehen. Sie beraubt andere in der Liebe und gibt dafür nur Illusionen. Sie spielt Lichtengel und ist doch nur der Drache, der andere dafür berauben muß, um so zu wirken. Alles sind nur Illusionen und allein durch eine geraubte Liebe glaubt sie, dass diese Illusionen die Realität seien.

 

Ein typisches Beispiel der 70er Jahre

 

O. entstammt einer christlichen Familie, er kam nicht so recht in das dritte Stadium hinein und ging den Umweg über Außen, um das christliche Stadium doch irgendwie noch zu absolvieren. Dazu ging er bis nach Indien, lernte dort von Gurus und Meistern bis er dann realisierte, daß diese Meister ja doch keine christlichen Werte vertreten und somit begab er sich in seine Heimat zurück und wandte sich den christlichen Kreisen zu. Dort versuchte er mit anderen eine christliche Gemeinschaft aufzubauen, doch besaß er die dafür erforderlichen, christlichen Werte noch nicht. Alles, was er dort unternommen hat, ist dann gescheitert und als letztes Projekt versuchte er sich an einen Verlag auf christlicher Ebene.

Er bekam aufgrund seiner fernöstlichen Ausbildung irgendwie auch eine innere Ansprache zustande die er mit seinen Vorstellungen betreffend des Christentums vermischte und hatte es nach etlichen Jahren vermocht, kontinuierlich ein gewisses, christlich angehauchtes Material aus dem „Jenseits“ zu bekommen. Dieses, zu Papier gebrachte Material machte er zur Grundlage seines kleinen Verlages und versuchte dadurch, seinen Lebensunterhalt zu bestreiten. Was er nicht beachtet hatte und auch nicht wußte war, daß diese Tätigkeit in einer wahren Nächstenliebe nur dann gelingen kann, wenn er die dazu nötigen christlichen Werte auch tatsächlich erworben hat. Dazu gehört allerdings auch, daß er vieles aus seiner Kindheit mit seinen Eltern und mit seinen Geschwistern korrigiert. Beispielsweise hat er das erste Geschwistermuster gegen den Vater zu sein, nun im Ausland soweit abgewandelt, daß er hier die Funktion seiner Mutter auf Gott und hier also auf Jesus übertrug. Hier ist also eine teilweise Verwandlung des mütterlichen Paradiesmusters auf das Göttliche geschehen, ohne das O. sich dieses Bewußtsein schon verschafft hatte.

Er glaubte tatsächlich, daß er mit Gott selbst kommunizieren würde und von IHM dann auch schon die Klärung sämtlicher Probleme erhalten würde und diese Lebensmaxime machte er zur Grundlage seines Verlages. Mit diesem Verlag verteilte er ebenfalls illusionäre Werte, diesmal allerdings schon eine Etage näher am christlichen Bewußtsein, denn er nahm dazu die göttliche Hilfe von Jesus selbst in Anspruch, ohne das dies der Wahrheit entsprach.

Solange O. nicht erkennen und wahrhaben wollte, wie es nur die Ansprache oder Einsprache aus seiner gequälten Seele war, die er für göttlich oder himmlisch hielt, solange konnte ihm auch nicht geholfen werden und solange er andererseits auch immer wieder Menschen fand, die bereitwillig diese Worte oder Schriften für eine göttliche Wahrheit hielten, solange konnte er sich durch diesen Raub auch ein bequemes Leben verschaffen. Das Problem auch hier: Wäre O. bereit gewesen, diese alten Seelen-Muster zu überwinden und sich tatsächlich im Sinne des Christentums weiter zu entwickeln, dann hätte er auch schon seine hervorragende Einnahmequelle verloren und demzufolge stand der Weiterentwicklung seiner Seele denn auch schon die Sicherstellung der Lebensgrundlage im Wege und er hat es nicht vermocht, in die Realität zu kommen und erlag letztlich den Einflüsterungen seiner Seele, die er für göttlich hielt.

Man kann an diesen Beispielen sehr deutlich erkennen, wie die Seele arbeitet und alles unternimmt, um ihre Stellung auch gegen das Göttliche zu behaupten und wie schwer es den Menschen fällt, sich dort in die rechte Demut und Vergebung zu begeben, um gerade diese negativen Seelen-Muster zu überwinden um tatsächlich zum wahren christlichen Bewußtsein zu kommen. Doch ohne die Annahme des Kreuzes und einer Liebe zu Jesus, die höher als alle seelischen Werte steht, geht das eben nicht.

 

Inhaltsverzeichnis

Vorwort Seelenstrukturen...............................................................................

Entwicklungszüge im 1. Stadium des Bewußtseins ....................................

Das Stadium des Kleinkindes – die erste Phase des Bewußtseins............

Die seelische Abnabelung des Kindes von seiner Mutter ..........................

Gefahren des kindlichen Stadiums................................................................

Die 1. Phase im Bewußtsein des Kindes......................................................

Die Ausgleichsfunktion bei problematischen Familien ..............................

Die 2. Phase im kindlichen Bewußtsein .......................................................

Das Milchzahnstadium des Kindes als nomadisierendes Stadium............

Seelenbildende Strukturen innerhalb des Milchzahnstadiums...................

Das mütterliche Seelenmuster im Milchzahnstadium..................................

Geschwisterliche Seelenmuster im Milchzahnstadium................................

Der kindliche Trotz und Eigensinn ..............................................................

Das irdische Leben als Seelenreinigung und die Erde als

Seelenreinigungsanstalt.................................................................................

Die göttliche Gerechtigkeitsfunktion............................................................

Das zweite Stadium im Bewußtsein des Kindes .........................................

Die Sphäre des Vaters und die Beziehung zur Außenwelt..........................

Die Heidenangst der Kinder vor der Welt ...................................................

Die Seelen-Muster im Heidenstadium..........................................................

1. Seelen-Muster gegen den Vater ................................................................

2. Seelen-Muster der Geschwister gegen die Eltern ...................................

Das Gleichnis vom verlorenen Sohn............................................................

3. Seelen-Muster des Kindes als Schwester oder Bruder der Eltern ........

4. Seelenmuster des Kindes als Vater oder Mutterersatz...........................

Das christliche Bewußtsein als drittes Stadium..........................................

Der eigentliche Christ und dessen innere Kraft...........................................

Problematik bei der Umsetzung des dritten Stadiums................................

100

Die Emanzipation als Gleichstellung des Körperlichen mit der Seele ......

Die Korrekturen der negativen Seelen-Muster.............................................

Die Weiterentwicklung des Bewußtseins aufgrund der Arbeit...................

Weiterentwicklung des Bewußtseins über die Krankheiten.......................

Auftreten von Nervenkrankheiten.................................................................

Kain und Abel – der Brudermord als eifersüchtiger Akt gegen Gott .......

Verborgene Seelen-Muster und Verschiebungen.......................................

Schlußbetrachtung........................................................................................

Einige Beispiele, wie die Seelen-Muster wirken .........................................

1. Beispiel - Eine schon ältere Frau:............................................................

Zweites Beispiel einer älteren Frau: ............................................................

Ein typisches Beispiel der 70er Jahre..........................................................

31.05.11

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Diese Heftchen sind das Resultat vieler Gespräche und Vorträge sowie Aufklärungsarbeiten, die auf den Straßen einiger Städte in Deutschland und in Friesland/Niederlande vorgenommen wurden, wo viele Menschen mit solchen oder ähnlichen Problematiken anzutreffen sind.

Die Verfasser dieser Schriftreihe wollen nur Hinweise geben und Möglichkeiten aufzeigen, wie die Aufklärung zur Korrektur der alten Denk- und Gewohnheitsmuster verwendet werden kann. Möge dem wahrhaft Suchenden hier ein wenig die innere Sehe geöffnet werden, so daß er in sich selbst die Liebe und Heilung erkennt.

Schmerzende Seele 1 bis 5 sind in Form von kleinen Broschüren/Faltblättchen extra auch zum Verteilen angefertigt.

Diese kleinen Broschüren gibt es zu einem kleinen Heftchen zusammengebunden, dem Heft „Schmerzende Seele 1“.

Das Heftchen Nr. 2 behandelt etwas ausführlicher den Hintergrund im familiären Zusammenleben, während die Reihe 1-5 mehr das Grundsätzliche umfaßt.

Im Heft Nr. 3 handelt es sich um die Situation einzelner Schicksale, wie sie sich nach den Vorstellungen und Mustern ihrer Seele herausgeschält haben und die Frage wird beantwortet, warum dies so und nicht anders geschah.

In Heft Nr. 4 soll wieder deutlich gemacht werden, wie es nach Außen wirkt, was es für den gesamten Staat bedeutet, wenn viele seiner Familien scheitern. Das Vaterland geht unter, wenn das Göttliche nicht mehr wirken kann. Wir hingegen wollen in diesem

Heft deutlich machen, was geschehen sollte, damit Atlantis wieder aufersteht.

Hier in Heft Nr. 5 geht es um die tieferliegenden Strukturen der Seele, was sich aus der Problematik der kindlichen Erziehung so alles ergibt in Hinsicht der Entwicklung des menschlichen Bewußtseins.

 

Mai 2011

Jacoba Janssen Friesland

Michael Nehmann Deutschland

102

1648

Druck: M. Nehmann

Hirschberger Str. 16

31848 Bad Münder

Vorne auf dem Umschlag ist es ein Bild von E. Munch – der Schrei

 

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Schmerzende Seele 6- Nerven.pdf

 

Inhaltsverzeichnus Heft 6:

Vorwort

Kurze Rückschau

Die Folgen des Trotzes

Das innere Wesen des Trotzes

Der Nervengeist oder der Trotz im Nervengeist

Die Beziehung zwischen dem Trotz und dem Nervengeist

Die eheliche Liebe

Die Ehe mit Gott

Der Trotz verhindert die Ehe mit Gott

Die Flucht in die Traumwelt

Der Nervenäther als Nahrung

Der Scheingeist im Gegensatz zum realen Gottesgeist

Der Nervenäther in den Nahrungsmitteln

Nervenäther aufgrund des Verstoßes gegen die Gebote

Seelenschlürferei

Die großen Nervenmuster

Verhinderung des ersten Nervenmusters

Die Bildung des ersten Nervenmusters - der böse Vater

Der seelische Mißbrauch des Kindes

Die Sichtweise nach außen - die Weltkriege

Der Ehekrieg als Ergebnis dieser Seelem-Muster

Der zweite Ehekrieg

Die Reaktionsweise der alten Liebe

Das Versagen des Mannes in der Ehe

Das Versagen der Frau in der Ehe

Die Mutter-Kind-Falle

Änderung der gesellschaftlichen Verhältnisse

Die Problematik in der Sphäre des Vaters

Problematik der Beziehung Vater und Tochter

Problematik zwischen Vater und Sohn

Der verlorene Sohn

Das dritte große Nervenmuster

Die drei großen Nerven-Muster und die Gefahr dabei

Schlußbetrachtung aus einer höheren Perspektive

Wie es sein sollte